gelöscht und vergessen

KurzgeschichteDrama / P12
OC (Own Character)
19.01.2015
19.01.2015
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Sein Vater mochte ihn nicht.

Er schrie ihn an, sagte, wie unfähig er doch wäre.

Dass er ganz nach seiner Mutter kommen würde, dieser Schlampe.

Sein eigener Vater hasste ihn.

Und das, obwohl sein Sohn hervorragende Leistungen in der Schule hatte.

Aber seinem Vater war es egal.

Hauptsache, der Junge ging ihm aus dem Weg.






Und das tat er auch.

Der Junge- nennen wir ihn David- verschanzte sich tagsüber , nachmittags, wann immer er nicht in der Schule oder beim Tennistraining war, in seinem Zimmer.








Lernte dort, schlief dort, las dort.









Er versteckte sich hinter seinen Büchern, versank in ihnen, um den Horror seines Alltags zu vergessen, die Sorgen, den Kummer, den sein Vater ihn bereitete.

Er träumte sich in andere Welten, um dort Abenteuer zu meistern, Freunde und Liebe zu finden.

Etwas, das er in der wirklichen Welt nicht besaß.








Er wurde nicht geliebt.

Seine Mutter war tot, gestorben an Lungenkrebs.

Sein Vater hasste ihn.

Seine Mitschüler mochten ihn nicht, hielten ihn für einen Streber, einen Angeber, einen Idioten.





Aber das war David egal.

Alles, was wirklich wichtig für ihn war, fand er in seinem Zimmer.

Und in der Sporthalle des Tennisvereins.

Er trainierte hart, zwei Mal die Woche, einige Stunden.

In dem Training ließ er seine Wut auf seinen Vater aus, die Wut auf die Welt.








Energie fand er im Sport, und Geborgenheit und Schutz in seinen Büchern.








Seine Mutter hatte ihm die Sammlung hinterlassen.

Jedes Buch war unterschiedlich- mal Fantasy, mal Thriller.

Aber er liebte sie alle, denn sie waren das einzige erfreuliche in seinem Leben.

Die Bücher waren die Freunde, die er nicht besaß.








Als sein Vater David eines Tages schlug, verkroch er sich wiederholt in seinem Zimmer.

Er träumte davon, in einer anderen Welt zu leben.

Als Zauberer durch die Hallen Hogwarts' zu streifen.

Jedes Kind kannte Harry Potter und seine Abenteuer, seine Geschichte.

Nur leider war er mit sechzehn Jahren etwas zu alt dafür.








Wie wäre es mit Mittelerde?

Er liebte Tolkiens Welt mit ihren geheimnisvollen und seltsamen Kreaturen.







Und so fantasierte er weiter, bis er einschlief, einfach, indem er sich in eine andere Welt träumte.






David wachte in einem harten Bett auf, das ganz sicher nicht sein eigenes war.

Steh auf, Junge!, sagte jemand zu ihm.

Er öffnete die Augen und fand sich in einer fremden Umgebung wieder.

Es war unbekannt.

Die Wände kahl, keine geliebten Bücherregale standen da.

Das Zimmer eng, anders.

Und da waren noch die beiden anderen Jungen, die sich gerade anzogen.

Beide waren in seinem Alter.

Bist du der Neue?, fragte einer der Beiden.

Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte, also nickte er einfach.

Wie heißt du?, fragte der andere, woraufhin er mit David antwortete.

Sie erzählten ihm etwas über das Internat, in dem er sich anscheinend befand- St George - , über die Lehrer hier und die Fächer.

Er versuchte, normal zu agieren, sich nicht anmerken zu lassen, dass er hier nicht hingehörte.

Solange, bis ihm eine Lösung einfallen würde.




Oder sollte er einfach hier bleiben?

Sein Vater würde ihn wohl kaum vermissen.









Mit den beiden Jungen ging er zum Frühstück.

Dort fielen sie ihm zum ersten Mal auf.

Zwei Männer, in grauen Uniformen gekleidet, bewachten die Tür zum Eingang des Speisesaales.







Sie mussten sich ausweisen.

Aber als er keinen Ausweis finden konnte, wurden die Männer ärgerlich.

Die beiden Jungen aus seinem Zimmer waren schon reingegangen, bekamen also nichts von der Geschichte mit.

Sie blafften ihn an, Wie unzuverlässig man sein kann!, und brachten ihn zum Direktor des Internats.








Der machte ihm auch Vorwürfe, fragte, wer er sei.

David, antwortete er, der neue Schüler.

Von so einem wusste der Direktor aber nichts, hielt es für einen Scherz.

Und damit wandte er sich an die Männer in den Uniformen.








Unverschämt, nannte er David, eine Beleidigung und Gefahr für die Gesellschaft.

Er wisse nicht einmal, woher der Junge stamme!

Er könnte ein Spion der Terroristen sein!

Und er, der Direktor, hätte schon eine passende Strafe für David.






Einer der Männer fragte, Slating?

Und der Direktor nickte.

Slating.

David verstand nicht.

Was war Slating?









Auf seinen verwirrten Gesichtsausdruck erntete er nur verwunderte Blicke von einem der Männer, während diese ihn zu einem schwarzen Transporter begleiteten.








Sie fuhren zu einer Klinik, wo David den Ärzten vorgestellt wurde, die ihn auch sonderbar ansahen, so, als ob er eine seltsame Krankheit hätte, wie ein drittes Auge zum Beispiel.







Sie verloren kein Wort über Slating, untersuchten ihn, legten ihn dann auf eine Liege, schnallten ihn fest.

Taten ihre Arbeit.







Aber David bekam es mit der Angst zu tun.

Wer sind diese Leute?, fragte er sich.

Was mache ich hier?

Wie komme ich hier raus?

Ist das alles nur ein Traum?

Ein Albtraum?

Bitte, ich will wieder aufwachen!








Niemand erhörte seine Bitten.










Das ist das Ende unserer kurzen Geschichte.

David wurde geslatet, seine Erinnerungen wurden gelöscht.

Aber dadurch hatte er die Chance auf ein neues Leben, ein besseres Leben.




So wie David erging es vielen Kindern und Jugendlichen im England unter der Herrschaft der Lorder.

Vielen von ihnen hat es wirklich ein besseres Leben verschaft, geslatet zu werden.






Aber einer von ihnen, Kyla Davis, Rain, Lucy Connor, Riley Kain, Hope, wurde mit dem Slating nur bedingt geholfen.

Sie war von der RT, einer Vereinigung gegen die Lorderregierung, gegen ihren Willen dazu ausgebildet worden, das Slating unbeschadet zu überstehen, um damit den Lordern eins auszuwischen.







Dieses England der Lorderregentschaft existiert nicht mehr.

Es wurde zum Besseren gestürzt.









In Gedenken an die vielen unfreiwilligen Opfer des Slatings, die mitunter sogar viel zu jung gewesen waren, um diesen Prozess ausgesetzt zu werden.







Und außerdem als Antwort auf die Warnung Sei vorsichtig, was du dir wünschst!
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