Schmerzhafte Erinnerungen

von yezz
KurzgeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
Rabi Yu Kanda
19.01.2015
19.01.2015
1
1944
 
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Lavi riss die Augen auf. Wo war er? Während er sich aufsetzte, ignorierte er die Schmerzen in seinem Körper. Er musste auf der Krankenstation sein. Es brauchte einen Moment, bis er seine Gedanken wieder ordnen konnte. „Yu!“, murmelte er bestürzt, schlug die Decke zurück und schwang sich auf die Füße. Er wankte kurz und krallte sich an dem Bett fest, in dem er eben noch lag. Seine Beine sackten jedoch beim ersten Schritt in sich zusammen und so schlug er schmerzhaft auf dem Boden auf. Seine Augen füllten sich mit Tränen.


Sie waren auf dem Rückweg von einer Mission. Plötzlich griffen mehrere Akuma an. Er wusste noch, dass sie die Ersten ohne Probleme vernichten konnten. Aber es kamen immer mehr. Irgendwann hatte Yu einen Treffer abbekommen und der regennasse Boden wurde von seinem Blut getränkt.


Lavi versuchte seinen Kloß im Hals runter zu würgen und kämpfte gegen weitere Tränen an. Das Bild vom Kampf deutlich vor seinem inneren Auge.


Er sah über die Schulter zu seinem verletzten Gefährten. „Alles in Ordnung, Yu?“, als Antwort erhielt er das übliche „Che.“, bevor sich der Schwarzhaarige wieder aufrichtete und weiter angriff. Die Akuma wollten einfach nicht weniger werden. Und als wäre das noch nicht genug, gesellten sich noch ein paar vom Level 3 dazu. Ein Ebensolches raste nun auf ihn zu, hatte aber, zum Glück, nicht viel gegen sein Kombosiegel auszurichten. Der kurze Blick zu seinem Gefährten zeigte ihm, dass er wieder wie gewohnt durch die Reihen der Akuma marodierte. „Wirklich unverwüstlich.“, murmelte er staunend.


War es wirklich das Letzte, woran er sich erinnern konnte? Aber woher kamen denn dann seine Verletzungen? Nein, da war noch mehr! Er wusste, dass Yu sich verletzt hatte. Mehr als nur den einen Treffer. Aber woher? Stöhnend drehte er sich auf den Rücken und befühlte seine Stirn. Ein dicker Verband war darum geschlungen und kurz über der Schläfe konnte er die Kompresse erfühlen. Sofort durchzuckte ihn ein Schmerz. Warum musste er auch darauf herumdrücken? Er schüttelte über sich selbst den Kopf und starrte zur Decke. Wieder konzentrierte er sich auf die Geschehnisse von ihrer letzten Mission.


Sie standen Rücken an Rücken. „So hat das keinen Sinn, Yu. Es sind zu viele!“, rief er über die Schulter. „Hast du einen besseren Plan?“, kam die Antwort. Nein, er hatte keinen Plan. Was sollten sie auch tun? Es waren einfach zu viele. Also aktivierte Lavi sein Feuersiegel und sofort schwang sich die Schlange aus purem Feuer empor. Er verlor kurz die Orientierung. Woher wollten sie noch abhauen? Da packte ihn schon eine Hand unsanft am Kragen seiner Jacke und zog ihn mit. „Danke, Yu!“, auch hierfür erhielt er nur das bekannte „Che.“, dicht gefolgt von „Nenn mich verdammt noch mal nicht beim Vornamen!“. Schnell rannten sie Gassen entlang. Der zweite Teil ihres Plans beinhaltete, dass Kanda den Schwarzen Orden benachrichtigte, während er weiterhin dafür sorgte, die Akuma auf Abstand zu halten. Er schaute zu seinem Freund, dieser hielt eine Hand auf die Wunde an seiner Schulter gepresst.
Der Schwarzhaarige war noch nicht lange im Gasthof verschwunden, als die ersten Akuma aufgeschlossen hatten. Wieder war die erste Welle kein Problem für ihn, aber nach und nach trudelten auch die Stärkeren ein. Plötzlich kam Kanda aus dem Fenster des ersten Stocks gesprungen und zerteilte ohne größere Mühe eines der Level-3-Akuma. „Angeber.“, entfuhr es Lavi grinsend, während er sich weiter in die Menge vorarbeitete. Er musste dem Japaner schließlich den Rücken freihalten. Er wollte gerade zum nächsten Schlag aufholen, als er von etwas an der Seite getroffen und Richtung Häuserwand geschleudert wurde. Er hörte noch, wie sein Freund nach ihm rief. Hatte er wirklich 'Lavi' gerufen? Und hatte er tatsächlich so etwas wie Sorge oder Panik in seiner Stimme gehört?


Ja, er war sich sicher, dass Yu seinen Namen gerufen hatte. Er grinste etwas, verzog seine Mundwinkel jedoch vor Sorge um seinen Freund. Zu diesem Zeitpunkt waren noch so viele Akuma da und die Verstärkung konnte unter keinen Umständen so schnell da gewesen sein. Durch das viele Überlegen bekam er starke Kopfschmerzen. Die Kälte des Fußbodens zog in seinen Körper. Langsam begann sein Körper zu zittern. Aus Angst vor den Geschehnissen oder aufgrund der Kälte, wusste er nicht genau.


Er schaute hoch und brauchte einen Moment, bis sein Blick wieder klar war. Eine Silhouette war durch den aufsteigenden Staub vom Schutt zu erkennen. Das war eindeutig Yu, der sich gerade vor ihn gestellt hat. Mit einem gezielten Angriff konnte er den Gegner, der ihn wohl gerade gegen die Häuserwand geworfen hatte, mit einem Streich vernichten. Warum hatte er es nicht geschafft. „Oi, Baka Usagi?“, kam es vom Schwarzhaarigen. Er grinste leicht, eben war es doch noch Lavi. „Geht wieder.“, antwortete er ihm und schluckte den dummen Spruch runter. Dafür war später noch genug Zeit. Yu stürzte sich sofort wieder ins Getümmel und auch er griff wieder an. Sie mussten die Akuma noch so lange beschäftigen, bis die anderen kamen. „Wie lange bis zur Verstärkung?“, rief er durch den Kampflärm. „Wenn wir Glück haben, könnten sie in 15 Minuten da sein. Es sind noch 2 weitere Exorzisten in der Nähe auf einer Mission. Reever wollte versuchen, diese zu erreichen.“ Lavi seufzte erleichtert. Das war mehr, als er erhofft hatte. Nicht nur Finder, sondern auch noch 2 Exorzisten. Egal wer es sein mochte, es war eine willkommene Unterstützung.


Ja, sie sollten Unterstützung bekommen. Er raufte sich kraftlos die Haare. Er hasste es, wenn die Informationen nur so bruchstückhaft kamen. Was zum Teufel ist geschehen? Wer hatte ihn auf die Krankenstation gebracht. Und vor allem, warum war Yu nicht hier? Selbst wenn er nur leicht verletzt wurde, hätte die Oberschwester ihn mindestens für eine Nacht hier behalten. Und er wurde verletzt. Das wusste er ganz genau. Er hatte das Blut gesehen! Panik kam in ihm auf. Sein Auge weitete sich. Hieß das etwa...?


Ein schmerzerfülltes Aufkeuchen ließ ihn hochfahren. „Yu? Alles in Ordnung?“, panisch blickte er sich um, konnte den Schwarzhaarigen jedoch nicht sehen. Langsam bahnte er sich den Weg, von wo er das Geräusch vermutet hatte. Da lag er. In einer Lache aus seinem eigenen Blut. Regungslos. Ein Gesicht noch eine Spur heller, als gewöhnlich. Fassungslos schaute er auf den Körper seines Gefährten, spürte dabei nicht, wie Tränen seinen Wangen runter liefen. Das dröhnende Lachen eins Akuma holte ihn zurück in die Realität. Wieder nutzte er sein Feuersiegel, um, mithilfe der beschworenen Schlange, ein wenig Zeit zu gewinnen. Behände schulterte er seinen Kameraden und griff nach dem Katana, welches noch auf dem Boden lag und lief, so schnell er konnte. Er musste ihn schnell in Sicherheit bringen, wenn es nicht schon zu spät war. Er lief raus aus der Stadt, in der Hoffnung, im Wald etwas Schutz zu finden.


Ungehindert bahnten sich seine Tränen den Weg durch seine Haare und auf den Boden. Er hatte ihn verloren! Sein Herz krampfte sich schmerzvoll zusammen und er schluchzte. Er hatte ihn verloren und ihm noch nicht einmal gesagt, was er für ihn empfand. Schon seit ihrer ersten Begegnung schmachtete er ihn heimlich an. Dass Gramps das nicht gefallen würde, war im völlig klar. Daher hatte er es immer für sich behalten. Und jetzt? Jetzt hatte er ihn verloren. Er würde keine zweite Chance bekommen, ihm zu sagen, was er wirklich fühlte. Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. Niemals mehr konnte er jemanden so lieben, wie er den stolzen Japaner geliebt hatte. Ihm wurde kalt und er zitterte am ganzen Körper. Er hatte kein Nutzen für ein Herz. Schließlich wurde ihm eben dieses soeben herausgerissen.
Erst weinte er, dann lag er nur noch regungslos auf dem Rücken und starrte die Decke an. Er fühlte sich leer. Emotionslos. Kalt. So kümmerte es ihn auch nicht, als er Schritte, gefolgt vom Öffnen der Zimmertüre, hörte. Er hörte, wie jemand die Luft scharf einsog und die Tür ins Schloss fiel. „Lavi?“, flüsterte eine heisere Stimme sorgenvoll. Er riss die Augen weit auf und versuchte den Kopf zu wenden. „Baka Usagi! Verdammt noch mal! Jag mir nicht noch einmal einen solchen beschissenen Schrecken ein!“, grummelte eine, ihm wohlbekannte, Stimme. Er spürte, wie sich Kanda setzte und ihn in eine Umarmung zog. Verblüfft ließ Lavi es zu und war sogar etwas enttäuscht, als dieser sich leicht von ihm löste. Den neu gewonnenen Abstand nutze der Schwarzhaarige gleich, um seine Lippen auf die des Rotschopfs zu drücken. Mit weit aufgerissenen Augen lag dieser nun in Yus Armen.


„Yu-chan! Bleib bei mir! Bitte!“, leicht rüttelte er an der Jacke des anderen. Durch eine tiefe Wunde am Bauch sickerte unaufhörlich das Blut. Tränen liefen Lavis Wangen hinunter. „Du kannst mich nicht alleine lassen!“, eine Spur von Trotz lag in seiner Stimme. Doch sofort kam der flehende Ton zurück. „Ich brauch dich noch. Yu! Bitte! Du darfst nicht sterben!“, ein Schluchzen unterbrach sein Flehen. Zärtlich bettete er seinen Kopf auf der Brust des Japaners. „Ich liebe dich doch.“, wimmerte er. Plötzlich spürte er eine kalte Hand auf seinem Kopf. „Ist... doch nur... eine... Fleischwunde...“, hörte er die Stimme seines Gefährten. Sie wirkte kraftlos, die Worte herausgepresst. Leicht fuhr die Hand durch seine Haare, bevor diese wieder zu Boden sank. Der flache, aber dennoch gleichmäßige, Atem des Schwarzhaarigen beruhigte ihn etwas. Bildete er sich das nur ein, oder war diese Geste ungemein zärtlich? Er spürte, wie die Anstrengungen und der Blutverlust von seiner Platzwunde auch an ihm nagten. Das Letzte, was er wahrnahm, war die bekannten Umrisse von Krory. Er stürzte sich gerade auf die nähernden Akuma.


Kraftlos krallte er sich in das Hemd von Kanda und erwiderte den Kuss. Tränen, die ihm vor wenigen Minuten für immer versiegt schienen, bahnten sich erneut den Weg seines Gesichts hinunter. „Du mutierst wirklich zu einer Heulboje.“, grummelte der Schwarzhaarige und strich ihm ein paar Tränen weg. Danach zog er ihn mit sich hoch und half ihm zurück ins Bett. Gedankenverloren spielte Lavi mit einer langen, schwarzen Strähne. „Ich dachte, ich hätte dich verloren.“, gestand er mit zitternder Stimme. „Che. Dann hätte ich wenigstens mal Ruhe vor dir.“, gab der andere grinsend zurück, beugte sich vor, um ihn auf die Stirn zu küssen. Seine Lippen waren überraschend weich, das hatte er eben bereits festgestellt. Er verschränkte die Hände in Kandas Nacken und zog ihn zu sich hinunter. Er brauchte mehr von seinem Duft, seinen Lippen, seinen Berührungen. Jetzt, wo er wusste, dass seine Gefühle erwidert wurden, wollte er nichts mehr anderes.
Atemlos löste er sich vom Rotschopf. „Was hattest du eigentlich auf dem Boden verloren?“, wollte er nun wissen. Sein Ton war scharf, wenn auch sein leicht gerötetes Gesicht etwas anderes sagte. Vor allem seine Augen verrieten Sorge. „Ich wollte dich suchen.“, gab Lavi zu. „Che. Da zwinkerst du verfluchte 3 Tage noch nicht einmal und wenn ich dann eine halbe Stunde weg bin, um diesen beschissenen Bericht abzugeben, krabbelst aus dem Bett?!“, Fassungslosigkeit und auch eine Spur Wut schwang in seiner Stimme mit. „3 Tage?“, nun war auch der Rotschopf fassungslos. Dann lächelte er Kanda entschuldigend an und vergrub seine Hände in den schwarzen Haaren. „Tut mir leid, dass du dir Sorgen um mich gemacht hast.“, bevor der Schwarzhaarige darauf antworten konnte, zog er ihn wieder an sich und küsste ihn leidenschaftlich. Er konnte wirklich nicht mehr genug von ihm bekommen.
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