Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The book of Aristea - The Assassin of Rome Part 2

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
19.01.2015
25.03.2019
7
17.899
3
Alle Kapitel
27 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
27.11.2015 2.419
 
„Aristea? Aristea, hört Ihr mich?“, dumpf erklang die Stimme einer Frau, die meinen Schädel zum Bersten brachte. Irgendetwas Kühles wurde auf meine Stirn gelegt und veranlasste mich dazu, meine Augen zu öffnen. Unklare, verschwommene Punkte schienen sich langsam zu einer Silhouette zu formen. Es dauerte, bis ich das Gesicht meiner Mutter erkennen konnte.

„Ahh...“, mehr war es nicht, dass über meine trockenen Lippen kam.

„Trinkt das.“, noch immer nicht ganz im irdischen Leben angekommen, versuchte ich umzusetzen, um was sie mich bat. Als das Wasser meine ausgedörrte Kehle erreichte, hustete ich stark. Beruhigend klopfte sie mir auf die Schulter.

„Ist sie wach?!“, der wütende Klang verriet nichts Gutes.

„Verigilanus, wartet!“, versuchte meine Mutter, ihn aufzuhalten, doch sie wurde grob zur Seite weggedrängt.

„Was habt Ihr Euch dabei gedacht? Seid Ihr dem Wahnsinn verfallen, Tochter?!“, schrie er mir mitten ins Gesicht, bevor er meine beiden Arme mit den Händen packte und mich schüttelte. Etwas das mein Schädel nicht wirklich vertragen wollte, „...Was hattet Ihr vor? Nach Aussage des Hypatius, habt Ihr einen der Männer getötet, Ihr sollt wie eine der Erinnyen getobt haben. Seid froh, dass Livia Euch nicht gesehen hat! Wie kamt Ihr überhaupt so nah an den Circus maximus heran?“, weiter kam er nicht.

„Circus maximus!! Bei Jupiter...Pheroas...“, entwich es mir, flüsternd. Der Schmerz, der augenblicklich über mir hereinbrach, schien mich zu zerreißen. Mein inneres Auge verdeutlichte mir Bilder, die ich nicht verarbeiten konnte. Sterbend sah ich meinen Bruder auf dem sandigen Boden der Arena liegen, die Kehle von den Klauen der Bestie zerfetzt. Mein Vater wich etwas zurück, ich kann nicht sagen, wie mein Blick wirkte, doch er schien auszureichen, damit er mich losließ.

„Aristea, was...“

„Ihr seid schuld an seinem Tod...“, es war leise gesprochen, doch mein Vater hatte es wohl gehört, „...Ihr seid schuld!!!“, schrie ich ihn wütend an, kaum hatten die Worte meine Lippen verlassen, reagierte mein Körper schneller, als mein Geist ihn warnen konnte. Meine Hand ballte sich zur Faust und ich schlug ihm, mit einer Schnelligkeit, der er sich sicherlich nicht bewusst war, mitten ins Gesicht. In jenen bitteren Augenblicken verlor ich das letzte bisschen Achtung vor dem Mann, der einst das Vorbild für mich und meinen nun toten Bruder war.

Entsetzen wurde von unbändiger Wut verdrängt, als mein Vater seine Hand hob. Sie war groß und stark...

Sie hätte mir jeden Knochen gebrochen...

„Verigilanus! Nein!“, aus dem Augenwinkel sah ich Remus und Marcos. Der dunkelhäutige Sklave packte den muskelbepackten Arm, der auf mich herunter zu sausen drohte, als der alte Mann sich über mich warf. Wie ein wilder Stier stand Verigilanus vor mir, schnaubend und zitternd, während ihm das Blut aus der Nase lief.

„Herr, haltet ein!“, Marcos hielt ihn fest, bis die Wut verrauchte.

„Wie könnt Ihr es wagen, die Hand gegen Euren Vater zu erheben!!“, brüllte er so laut, dass meine Mutter vor Angst in Tränen ausbrach.

„Ihr wolltet nicht auf mich hören!! Ich habe Euch angefleht, Pheroas sein Leben so leben zu lassen, wie er es wollte! Doch Ihr habt nicht gehört. Sie war es. Sie ist dafür verantwortlich!“, trotz des dumpfen Schmerzes, schaffte ich es Remus von mir zu werfen, im Geiste vermerkte ich mir, mich an ihm ebenfalls zu rächen, ebenso an Marcos,  „...Livia ist die Mörderin und Ihr, Vater...", ich spuckte das Wort auf den Boden, "...habt es vor Blindheit nicht gesehen. Ihr habt es ignoriert, geblendet von Ruhm und Ehre. Er hatte Frau und Kind!!! Sein Lebensfaden hätte noch nicht durchtrennt werden sollen, doch Ihr habt sein Schicksal besiegelt!!!“, ich brach weinend vor dem Bett zusammen.

„Kind, was sagt Ihr da?“, meine Mutter hatte sich etwas gefasst und legte beschützend ihre Arme um mich.

„Er wusste es. Ihr wusstest es. Livia hatte ein Auge auf Pheroas geworfen, auf der Cena libera, nicht wahr, Vater? Die Kaiserin ist berüchtigt für ihren Hunger nach Männern und Frauen.“

„Verigilanus ist das wahr, wusstet Ihr davon?“, Tränen rannen über ihre Wangen, stumm wartete sie auf Antwort. Noch nie hatte ich die Frau, die ich Mutter nenne durfte, derart schluchzen hören.

„Pheroas hat es mir erzählt, er hat sie abgewiesen und sie drohte mit Rache. Jetzt ist er tot...“

„Die Kaiserin mit diesen Worten zu entehren, bringt den Tod am Kreuz mit sich, Ihr dummes Kind.“, mit offenem Mund sahen meine Mutter und ich uns an.

„Mehr habt Ihr nicht zu sagen, Verigilanus?“, der Kopf meines Vaters drehte sich erschrocken zur Tür. Amelia stand dort mit dem kleinen Pheroas auf dem Arm. Sie bot ein furchtbares Bild. Ihre Haare waren zerzaust und ihre Augen verquollen von all den bitteren Tränen. Ich hatte Angst, sie würde den Knaben fallen lassen, so kraftlos erschien sie mir.

„Wenn Ihr diese Familie weiter mit Euren Lügen straft,  werdet Ihr dafür büßen. Ich werde nicht zulassen, dass  Ihr mir alles nehmt, Aristea. Eure Hirngespinste sind pures Gift, es sind die Worte einer Gorgone. Wann hätte die Kaiserin einen Anschlag planen sollen? Ich war bis zum Betreten der Arena an ihrer und Augustus Seite. Und zu welchen Nutzen? Beide brauchen die Gunst des Volkes, Pheroas hätte dem römischen Reich als Leiter der Gladiatorenschule viele Kämpfe und Spiele geboten!!“

„Wie blind seid Ihr, Verigilanus?“, ich nannte ihn mit Absicht bei seinem Namen, „...Sie hat es lange im Voraus geplant, ihr gekränkter Stolz, ihre Eitelkeit, ließen Ablehnung nicht zu. Unterschätzt niemals den Hass und die Wut einer gebrochenen Seele, denn die schlimmste Rache auf Erden ist die einer Frau!!“, schrie ich außer mir vor Wut und Hass.

„Aristea, ich warne Euch...“, drohend hob er erneut seine mächtige Faust.

„Hört auf...“

„Es war ein Unfall. Die Ketten haben versagt. Ihr werdet  mir nicht Glauben machen, das meine Kaiserin, unser aller Kaiserin, die Frau an der Seite des mächtigsten Mannes Roms, dafür die Schuld trägt. Auch ich habe meinen Sohn verloren, Aristea!!“

„Hört auf!!!!“, Amelias Schrei ließ uns alle verstummen.


(xxx)

Die Dunkelheit brach über Rom hinein und legte sich wie ein düsterer Schleier über mein Gemüt. Mein Vater hatte sich vor Stunden zurückgezogen. Marcos und Remus waren längst fort. Mir waren die Blicke der beiden nicht entgangen. Bei Marcos sah ich Angst, Angst um seinen Freund.

Er hatte sie zurecht...

Wir drei wussten, dass mein Weg der Vergeltung vor ihnen nicht halt machen würde. Sie waren sich darüber im Klaren, wer und wozu ich imstande war. Ich hatte versucht Remus zu warnen, er wusste, wozu Livia fähig war, er kannte meine Bedenken und doch hatte er sich meiner verwehrt. Er hasste sie, denn sie tötete das Liebste in seinem Leben. Jetzt hatte sie mir meines genommen. Der Greis trug Mitschuld am Tode Pheroas, etwas das ich nicht hinnehmen konnte. Doch wie sollte ich, wenn ich Namen der Göttin handelte, den Vater der Glaphyra töten? Sie würde es mir nie verzeihen...

Die Toten können die Gedanken der Lebenden hören...

Ohne es zu wollen, ging ich gedanklich zurück an das Ufer des Tibers, zu jener Nacht, als ich Remus Tochter sterbend im trüben Wasser fand. Sie war die Erste. Jene die Diana im Kampf gegen Verrat, Missbrauch, Tod und Vergewaltigung diente.

Wieder fragte ich mich, ob die Göttin mich wohl sah...

War sie bei mir oder nicht?

Würde sie mich betrafen, sollte ich Remus Leid antun?

Oft wünschte ich mir ein Zeichen, etwas das meine Seele heilen und mir den Weg weisen würde.

Doch es geschah nichts...

Noch immer wurden etliche Stadtteile Roms schwer bewacht, Livias neuer Schoßhund Zenturio Ciceron, war nicht weniger brutal als sein Vorgänger. Aus Angst vor mir und um dem Volk die Macht Roms vor Augen zu führen, ließ Livia jeden zweiten Abend auf dem Marsfeld etliche unschuldige Bürger hinrichten. Das Feld war rot von Blut, die Methoden, die Menschen zu richten, variierten zur Belustigung jener, die sich das Martyrium ansahen. Wurden sie an einem Abend verbrannt, so nagelte man sie an weiteren brutal ans Kreuz. Natürlich war mir bewusst, dass sie das tat, um mich zu locken. Ich hatte einigen Menschen, reichen Bürgern, Lakaien des Augustus das Leben genommen. Man fürchtete mich...

Mich... den Schatten Roms.

Aus meinem Fenster sah ich die Garde des Kaisers vorbeigehen, persönlich zu uns entsannt, um meiner Familie Sicherheit zu geben. Noch war es nicht an der Zeit mich umzuziehen und in der Nacht zu verschwinden, doch ich war ungeduldig, wollte hinaus in die Arme der Finsternis...

Es war Amelias weinen, dass mich aus meinen Überlegungen riss. Pheroas schrie und ich ging einfach zu ihr. Ohne zu klopfen betrat ich ihr Zimmer. Sie lag zusammengekauert auf dem Bett, die Kette, die mein Bruder einst für sie gemacht hatte, ums Handgelenk gebunden, während das Baby in seiner Wiege lag.

Ich kann nicht sagen, wie es geschah, doch kaum war ich eingetreten, schien meine Wut sich aufzulösen...

Ich fühlte mich anders, so als würde mich erneut etwas Unsichtbares leiten. Es wärmte auf unsagbar sanfte Weise mein Herz. Erstaunt darüber legte ich meine Hand auf die Brust. Ganz deutlich konnte ich das Schlagen nicht nur fühlen, sondern auch hören, direkt unter meinem Fleisch, verborgen unter Knochen, bevor mein Augenmerk sich wieder auf Amelia richtete.

Gefühlvoll strich ich ihr über den Arm, sie erschrak leicht und blickte mich einfach nur an. Ich griff nach der Decke und zog sie über ihren ausgekühlten Körper. Danach ging ich zu dem Kind und nahm es hoch. Kaum hatte ich das getan, war es ganz still. Der kleine Kerl mustere mich mit wachen Augen und ich verbiss mir die Tränen, so sehr ähnelte er seinem Vater. Ich wiegte ihn in meinen Armen und sang ihm das Schlaflied, das Pheroas vor langer Zeit immer für mich gesungen hatte. Ab und an musste ich mir ein Schluchzen verkneifen, wenn die Trauer mich zu ersticken drohte. Als ich fertig war, legte ich das kleine Bündel zurück und setzte mich zu Amelia. Sie musste nichts sagen, ich legte mich neben sie, nahm sie in den Arm und wartete, bis sie schlief. Immer wieder strich ich ihr durch das lange Haar, flüsterte ihr sanfte Worte zu, wenn sie im Schlaf zu wimmern begann.

Und so zogen die Stunden dahin...


(xxx)

Entsetzt stellte ich fest, dass Morpheus mich genarrt hatte...

Noch immer lag Amelia in meinem Arm und schlief, die Nacht war vorbei und mit ihr die Möglichkeit ungesehen zu verschwinden. Ein leises Klopfen und meine Mutter steckte den Kopf zur Tür herein. Etwas verdutzt sah sie mich an, doch es brauchte nicht lange und sie verstand, leise schloss sie diese wieder. Dennoch schlug Amelia kurz danach die Augen auf.

„Ihr seid noch hier?“, fragte sie sanft.

„Ja. Ich hoffe, Ihr konntest etwas Schlaf finden.“, sie wollte gerade antworten, als das Baby zu schreien begann. Sie löste sich aus meinen Armen und nahm Pheroas an sich.

„Hast du Hunger mein kleiner Schatz?“

Für mich war es das Zeichen aus Höflichkeit den Raum zu verlassen, damit sie ihn in Ruhe stillen konnte.

„Mutter war eben hier, ich denke, das Frühstück steht bereit.“, sie nickte mir zu und ich ging zurück in mein Zimmer.

Etliche Minuten später war ich gewaschen, umgezogen und ging gerade die Treppe hinunter, als ich draußen an der Pforte Lärm hörte. Sofort blieb ich stehen und lauschte.

„Seid gegrüßt, Zenturio Ciceron.“, der Name traf mich wie ein heftiger Schlag und ließ mich für Sekunden das Atmen vergessen. Wut und unbändiger Hass schienen die Lebensadern in meinem Körper zu durchfluten. Dort stand er, nur wenige Meter von mir entfernt. Jener Mann, der zum Tod etlicher Unschuldiger beigetragen hatte. Livias rechte Hand.

Und wo er war, war sie oft nicht weit...

„Was verschafft mir die Ehre Eures Besuches?“

„Die Kaiserin schickt mich, um ihre Ankunft in einer Stunde mitzuteilen, Verigilanus.“

„Die Kaiserin schickt mich, um ihre Ankunft in einer Stunde mitzuteilen... die Kaiserin schickt mich, um ihre Ankunft in einer Stunde mitzuteilen...die Kaiserin schickt mich, um ihre Ankunft in einer Stunde mitzuteilen...“, hallte es durch meinen Kopf, so oft, das mir schwindelig wurde.

Benommen setzte ich mich und versuchte, bei klarem Verstand zu bleiben. Laut ein und ausatmend saß ich da.

Sie kommt hierher...

Livia von Rom, die Mörderin meines Bruders kam direkt zu mir, in dieses Haus...

Erst in diesem Moment bemerkte ich Remus, der mit Marcos an der Treppe stand. Beide sahen mich an und wussten, dass ich gehört hatte, was Ciceron ausgesprochen hatte. Lange sahen wir einander in die Augen...


„Aristea, nein...“, flüsterte er. Doch ich ignorierte ihn. Hinter mir kam Amelia mit Pheroas die Stufen hinunter.

„Geht es Euch nicht gut?“, fragte sie voller Sorge.

„Nein, ich meine doch. Entschuldigt, ich war nur in Gedanken.“

„Mädchen kommt, der Tisch ist gedeckt!“, rief meine Mutter aus der Culina.

Mir war zum Brechen zumute...

Mein Magen rebellierte heftig, als ich die Speisen auf dem Tisch sah. Stumm saß ich neben meiner Mutter und Amelia, mein Vater saß uns gegenüber. Während Amelia mäßig aß, bekam ich nichts herunter. Mein Vater ignorierte mich.

„Esst etwas Obst, bitte Amelia.“, er schob den Korb zu ihr, „...Ihr müsst bei Kräften bleiben, ich weiß, es sind schwere Zeiten, doch mein Enkel braucht Euch.“, ehe sie etwas sagen konnte, „...Ciceron war gerade bei mir, Kaiserin Livia ist so gnädig und wird in einer Stunde bei uns eintreffen...“, er sprach es aus, ohne aufzusehen. Amelia begann zu zittern und Tränen folgten.

„Ihr könnt nicht von ihr verlangen, die Mörderin ihres Mannes zu empfangen. Nicht einmal Ihr könnt so herzlos sein...“, ich hatte kaum den Satz beendet, da schlug die Faust meines Vaters derart hart auf das Holz des Tisches, das alle außer mir, erschrocken einen Satz zurück machten. Meine Mutter wäre fast mit dem Stuhl nach hinten weggefallen, hätte Marcos ihn nicht im letzten Moment festgehalten.

„Ich habe genug von Euren Worten! Das hier ist mein Haus, meine Familie. Ich habe hart gearbeitet um uns dieses Leben zu ermöglichen. Niemand zerstört mir das, keiner!!!!“

„Aristea, lasst es gut sein.“

„Aber, Amelia...“

„Ich will sie sehen, ich will die Frau sehen, die meinen Mann so sehr begehrte, dass sie fähig war ihn zu töten.“

„Livia hat meinen Sohn nicht getötet! Amelia, glaubt Aristea nicht.“

„Tut mir leid, Verigilanus. Ich habe die Blicke gesehen, mit denen sie Pheroas und vor allem seinem Körper begegnet ist...“

„Dieses Haus ist vom Irrsinn verflucht!“, ich versuchte an ihm vorbei zu gehen, doch er hielt mich eisern fest, „...alle hier werden sich benehmen und der großen Livia mit Respekt und Anwesenheit die Ehre erweisen. Auch Ihr, Aristea.“, er funkelte mich gefährlich an, doch ich funkelte zurück.

„Seid gewiss Vater...“, meine Stimme war von Hass verzehrt, „...ich werde ihr eine ganz besondere Ehre zuteil werden lassen...“



Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast