Au clair de la lune

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Erik - das Phantom der Oper OC (Own Character)
18.01.2015
06.11.2015
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Dieses Kapitel
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Hi! :D Erst einmal: schön, dass ihr hier gelandet seid. Normalerweise bin ich eher dafür, dass Erik ein Happy-End mit Christine verdient hat. Aber da irgendwie so viele Geschichten existieren, wo Erik auf eine andere Frau trifft und ich diese Idee auch irgendwie nicht mehr aus dem Kopf bekomme, dachte ich, ich versuche ich mich auch einmal daran.
Meine Geschichte spielt  nach den uns bekannten Ereignissen, allerdings ist die Oper nicht abgebrannt und Erik lebt immer noch in ihrem Unterbau.
Die Figuren, die im Laufe meiner Geschichte vielleicht vorkommen und nicht von mir sind, gehören garantiert Gaston Leroux, bzw Susan Kay, bzw Andrew Lloyd Webber. ;)
Lasst mir doch ein Review da und sagt mir, ob euch dieses erste Kapitel gefällt oder nicht und ob es  euch interessieren würde, wie es weitergeht -  ich würd mich freuen. :*
Und jetzt viel Spaß beim Lesen! :)



Es war eine schöne Nacht. Der Himmel über Paris bot einen unglaublichen Anblick. Die Sterne waren nicht von Wolken verdeckt und auch der Mond, es war fast Vollmond, war in seiner ganzen Pracht zu sehen. Die Geräusche des Tages waren schon lange verstummt, es war ruhig. Es waren nur wenige Menschen jetzt noch auf den Beinen und die, die es waren, waren es aus den verschiedensten Gründen. Ein paar Freunde, junge Männer, die in den Bars und Kneipen der Stadt feiern gewesen waren, machten sich torkelnd auf den Weg nach Hause. Straßenkinder und Bettler waren froh, dass sie einen sicheren Platz für die Nacht gefunden hatten, oder machten das Beste aus einer Parkbank, wenn sie nicht so viel Glück gehabt hatten. Natürlich waren auch einige unheimliche Gestalten unterwegs, denen man besser nicht über den Weg lief. Ein paar Spaziergänger, die sich in der Nacht wohler fühlten als am Tage, gingen mit den Händen in den Taschen spazieren und bewunderten den Sternenhimmel.
Die junge Frau, die durch die dunklen Straßen hastete, bekam weder von der Schönheit der Nacht noch von den an der Hand abzählbaren Menschen, die ihren Weg kreuzten, etwas mit. Ihre Schritte hallten auf dem Pflaster wieder und störten gemeinsam mit ihrem vom Rennen bereits keuchenden Atem die Nachtruhe. Es könnte durchaus sein, dass die Bewohner der Straßen, die sie entlanglief, aus ihrem Schlaf gerissen wurden. Natürlich, nur kurz vorbei ziehende Schritte einer einzelnen Person, dazu noch draußen auf der Straße, nahmen so leicht niemandem den Schlaf. Aber die junge Frau war nicht alleine. Sie wurde von einer Gruppe von Männern verfolgt, deren kräftige und schwere Schritte um einiges mehr Aufsehen erregten als die leichten Schritte der Frau. Dazu stießen sie ab und zu Rufe aus, Drohungen und Beleidigungen. Sie machten sich nicht viel daraus, dass irgendjemand sie bemerken könnte. Die Frau rannte blindlings weiter, die Schreie ihrer Verfolger im Ohr. Verbissen versuchte sie, ihre Häscher abzuhängen und schneller als sie zu rennen, wobei sie doch von Anfang an keine Chance gehabt hatte. Sie schlitterte um Ecken, ein Mal stolperte sie und fiel sogar hin, doch sie rappelte sich auf und hechtete weiter. Doch sie konnte nicht die ganze Nacht so weiter rennen. Während sie Straße um Straße entlang rannte, suchten ihre Augen in der Dunkelheit nach einem Versteck. Das war ihre einzige Möglichkeit, diese Nacht zu überleben. Als sie entkommen war, hatte sie an einige Türen gehämmert und um Hilfe geschrien, doch niemand hatte ihr geöffnet. Damit würde sie auch jetzt keinen Erfolg haben. Nein, sie brauchte ein richtiges Versteck, eines, wo sie länger bleiben könnte.
Bildete sie es sich nur ein, oder wurden die Schritte hinter ihr leiser? Rufe durchdrangen die Nacht, doch waren sie nicht weiter entfernt als vorhin? Sie wagte es, einen Blick zurück zu werfen. Am Ende der Straße konnte sie die Gestalten ihrer Verfolger erahnen. Vielleicht hatten sie nicht mitbekommen, dass sie in diese Straße eingebogen war. Hastig sah sie sich um. Irgendetwas musste es doch geben, irgendwo musste sie sich verstecken können. Sie erblickte etwas auf dem Boden und stürzte ohne großartig darüber nachzudenken darauf zu.
Ich muss verrückt geworden sein. Sie riss an dem Gitter, dass sie jetzt noch vom Pariser Untergrund trennte. Das Gitter löste sich mit einem Klirren aus seiner Fassung. Sie sah hinunter in die Schwärze, wollte schon aufgeben und weiter rennen, als sie die Männer wieder schreien hörte. Hatte sie eine Wahl? Ich werde mir das Genick brechen.  Und wenn schon. Besser so, als in die Fänge dieser Männer zu geraten. Sie hielt die Luft an, als wolle sie in tiefes Wasser eintauchen, dann sprang sie in den Schacht.
Während sie fiel, machte sie sich zum Abrollen bereit, versuchte, den Grund zu erahnen, doch dann war es schon zu spät. Ihre Füße trafen erst auf Wasser, dann auf Boden. Sie knickte zur Seite. Sie stieß schmerzerfüllt die Luft aus und stütze sich ab. Ein stechender Schmerz schoss ihr Bein hoch und trieb ihr Tränen in die Augen. Sie wagte nicht, sich zu bewegen. Also hockte sie keuchend und starr in dem kniehohen Wasser. Ein beißender Gestank stieg ihr in die Nase. Plötzlich hörte sie Schritte über sich und sah nach oben. Erleichtert atmete sie auf, als sie erkannte, dass ihre Verfolger gerade polternd über sie hinweg gelaufen waren.
Und wie komme ich jetzt hier weg? Sie versuchte, sich aufzurichten, doch ihr Fuß konnte sie nicht halten, knickte sofort wieder ein und sie fiel stöhnend wieder ins Wasser. Als sie sich von dem Schmerz in ihrem Knöchel einigermaßen erholt hatte, kroch sie bis zur Wand hinüber und lehnte sich dagegen. Sie spürte eine feuchte Kälte am Rücken. Auch die Kälte des Wassers kroch langsam
durch ihren Körper und bald begann sie zu zittern. Wütend schlug sie gegen die Wand. Sie hätte weiter laufen sollen! Was brachte es ihr, dass sie jetzt hier unten saß? Sie konnte nicht laufen, geschweige denn irgendwie wieder nach oben gelangen. Der einzige Weg, der ihr blieb, war durch das stinkende Wasser zu kriechen und zu hoffen, dass der Tod nicht all zu lange auf sich warten ließ. Sie atmete tief durch. Erst einmal musste sie sich beruhigen.
Irgendeinen Ausweg würde sie schon finden.
Sie biss die Zähne zusammen und zog sich an der Mauer hoch. Sie wimmerte leise und versuchte, ihren Fuß so wenig wie möglich zu belasten. Sie sah sich um. Rechts oder links? Sie versuchte, Halt an der mit Moos bewachsenen Wand zu finden. Dann machte sie einen vorsichtigen Schritt. Sie unterdrückte einen Schmerzensschrei und humpelte durch das Wasser. Ihr rechtes Bein schleifte sie mehr hinter sich her, anstatt davon Gebrauch zu machen. Bei jedem Schritt stach der Schmerz in ihr  Bein ein. Ihr wurde schwindelig und übel vom Gestank, der in der stickigen Luft hing, aber sie kämpfte sich weiter. Ihr Schluchzen hallte von den Wänden wieder und flößte ihr Angst ein. Todesangst. Plötzlich verließ sie alle Kraft. Sie stolperte und spürte gerade noch, wie die Erschöpfung und die Schwäche, die sie aus den letzten Tagen davon getragen hatte, Überhand gewannen. Sie verlor die Besinnung.


Ein Klingeln riss ihn aus seiner Arbeit. Missmutig sah er auf. Noch einmal klingelte die kleine Glocke, eine seiner Alarmglocken. Er schüttelte langsam den Kopf. Die Musik, in der er vor wenigen Sekunden noch versunken gewesen war, ließ er widerwillig hinter sich. Er stand auf und streckte sich. Wie lange hatte er sich nun nicht mehr bewegt? Vermutlich mehrere Stunden. Er zog seinen Frack über, der über der Lehne seines Sessels hing. Er steckte sein Lasso ein. Er hasste Besucher. Er warf der Glocke noch einen hasserfüllten Blick zu, bevor er in der Dunkelheit des Unterbaus verschwand.
Einen Moment später watete er schon durch das schmutzige Wasser. Den Gestank, der davon ausging, ließ ihn das Gesicht verziehen, obwohl er eigentlich daran gewöhnt war. Dennoch hasste er es, diesen Teil seines Reichs zu betreten. Seine Hose und die Schuhe konnte er hiernach entsorgen. Er wollte nicht nach diesem verfluchten Abwasser stinken und der Gestank sollte erst recht nicht in seine Wohnung eindringen. Seine Augen durchforsteten jeden Winkel der dunklen Gänge. Er verschmolz mit den Schatten. Er wollte seinen Eindringlich sehen, bevor dieser ihn sah. Es kam immer mal vor, dass sich irgendein unglücklicher Pechvogel in sein Reich verirrte, meistens durch Zu- oder Unfälle. Wie es aussah, war jetzt jemand in einen Abflusschacht gefallen. Wer so dumm war und in einen Abflusschacht fiel,  hatte seiner Meinung nach auch nichts anderes als sein Lasso verdient. Außerdem durfte niemand, absolut niemand in sein Reich eindringen. Darauf stand die Todesstrafe – und das ohne Ausnahme. Kein einziges Mal seit... Er wagte noch nicht einmal, ihren Namen zu denken... Keine einziges Mal seit ihr hatte er einen Fuß an die obige Welt gesetzt. Er hatte sich geschworen, bis zu seinem Tod in den Schatten zu verweilen, wo er hingehörte. Jeglichen Kontakt mit Menschen wusste er zu vermeiden. In der Oper war inzwischen jeder überzeugt, er wäre entweder tot oder weit fort. Das war ihm nur Recht, wollte er doch nichts mehr als in Ruhe auf seinen Tod warten zu können. Und dieser Besucher, der sich heute unfreiwillig zu seinem Opfer gemacht hatte, hatte seine ruhige Einsamkeit gestört.
So stapfte er durch das Wasser. Plötzlich hörte er ein gedämpftes Husten, das durch das Echo in den Katakomben verstärkt zu ihm drang. Jetzt, da er wusste, wo er hingehen musste, beschleunigte er seine Schritte. Zu dem Husten gesellte sich ein Fluchen, gleich danach ein Schluchzen. Ein höhnisches Lächeln umspielte seine Lippen. So sehr er auch nicht gestört werden wollte, so ein hilfloses Ding war doch immer eine recht amüsante Ablenkung. Schließlich bog er um eine Ecke. Er blieb ruhig stehen und hob die Augenbrauen. Durch die Decke, beziehungsweise die Straße über ihm, fiel schwaches Licht durch den Schacht, der eigentlich mit einem Gitter verschlossen sein sollte. Ein paar Meter entfernt von ihm lag ein erbärmlicher Haufen von Mensch im dreckigen Wasser. Er konnte kein Gesicht erkennen, aber die langen, verklebten Haare und der Körper sagten ihm, was er wissen musste. Eine Frau. Wie schön.
Er legte den Kopf schief. In seinem ganzen Leben hatte er noch keine Frau umgebracht. Jedenfalls nicht mit seinen eigenen Händen. Eigentlich hatte er es auch nie tun wollen. Er würde das, was ihn davon abhielt, nicht als Furcht bezeichnen, eher als Respekt. Warum er diesen Respekt davor hatte, wusste er selbst nicht. Ein leiser Seufzer entwich seinen Lippen. Mann oder Frau, was machte das schon für einen Unterschied?
Er bemerkte zu spät, dass er einen Fehler begangen hatte. Sein ungewollter Seufzer hallte von den Wänden wieder. Die Frau hob den Kopf und erblickte ihn. Ihre Augen weiteten sich überrascht und erschrocken. Sie starrte ihn an und er starrte zurück. Plötzlich wich sie zurück. Sie zog sich an der Mauer hoch und gab einen wimmernden Laut von sich. Sie schwankte.
Er sah ihr dabei zu, wie sie bewusstlos wieder zu Boden fiel.
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