Tears of an Angel -  Eine Songfiction

SongficDrama, Tragödie / P12
Angelika Tarabas
17.01.2015
17.01.2015
2
3954
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Cover my eyes
Cover my ears

Die Stille dröhnte in seinen Ohren.
Seine Augen sahen in die Leere,
in die Leere ihrer Augen.

Tell me these words are a lie
It can’t be true
That I’m losing you
The sun cannot fall from the sky.

„Sie hat ausgelitten, mein König“, eine ruhige Stimme, starke schwielige Hände auf seinen Schultern Schutz, Stütze, Aufforderung.
„Schließt ihre Augen“,
Warum? Warum sollte er das tun?
Sie war immer mit offenen Augen durch ihr Leben gegangen,
warum also sollte er sie schließen?
Sie durfte ihre Augen nicht schließen,
sie wollte Ihre Kinder wachsen sehen,
hatte sie das nicht gesagt?

Can you hear heaven cry

Sie hatte geweint, hatte geschrien,
die Götter und die Menschen angeklagt,
dass sie so leiden musste ohne Hilfe,
weil niemand wusste, was zu tun war.

Tears of an angel

Sie hatte geweint, vor Schmerzen, als das Fieber sich durch ihren Körper fraß.

Tears of an angel

Sie hatte geweint, weil sie am ganzen Körper blaue Flecke bekam, die nicht heilen wollten.

Tears of an angel

Sie hatte geweint, weil sie erkannte, dass sie ihre Kinder nicht heranwachsen sehen würde.

Tears of an angel

Sie hatte geweint, als sie ihn bat im Leben weiter zu gehen, jemanden zu suchen der ihre Aufgaben an seiner Seite wahrnahm

Stop every clock

Alles schien still zu stehen im Reich.

Stars are in shock

Ihre Kinder hatten tapfer im Krankenzimmer ausgeharrt,
wann immer ihre Mutter sie sehen wollte,
doch dann wurden sie unruhig,

The river will run to the sea

da draußen warteten Sonne und frische Luft, Spielgefährten und das Leben,

I won’t let you fly

und sie wussten, ihre Mutter würde das nie wieder erleben dürfen.

I won’t say goodbye

auch am Abend davor hatten sie „Bis morgen früh Mutter“ gesagt,

I won’t let you slip away from me

doch es war ein vergeblicher Gruß, an diesem Morgen hatte Angelika sie nicht mehr wahrgenommen.

Can you hear heaven cry

Oh, wie sehr wünschte er sich Regen,
statt des strahlenden Sonnenscheins,
der ihn zu verhöhnen schien.

Tears of an angel

Er wusste, sie alle würden weinen,

Tears of an angel

der Hofstaat - weil es sich so gehörte.

Tears of an angel

Ihr Volk - weil mit ihr die Hoffnung starb.

Tears of an angel

Ihre Kinder, weil sie Ihre Mutter verloren hatten.


So hold on

Er, er durfte nicht weinen,

Be strong

er, er musste stark sein, nicht nur für sich

Everyday hope will go

Irgendjemand musste den Kopf oben behalten, nicht wahr?
Und wer war besser geeignet als er?
Er hatte ihr zur Seite gestanden,
seitdem er sie gebeten hatte ihn zu lehren,
sie zu lieben, selbst als sie nicht nebeneinander gehen konnten,
hatte er doch ihre Seite nie verlassen.


I’m here, don’t you fear

Genau dort würde er bleiben, an ihrer Seite,
nach dem sie nun endlich schmerzfrei war


Little one don’t let go...

Plötzlich schmiegen sich zwei Arme um seinen Hals,
er muss sich nicht umdrehen, um zu sehen, wer da Halt bei ihm sucht.

Don’t let go...

„Es gibt kein 'Guten Morgen Mama' mehr, nicht wahr?“, fragt ihn ein dünnes Stimmchen.
Don’t let go...

„Nein, nie mehr“, warum sollte er lügen.

Don’t let go...

Klar, wie ein Sonnstrahl ist für ihn die Gewissheit,
er hilft den Kindern nicht, wenn er lügt.
Don’t let go...

Doch er will sie nicht gehen lassen, was soll er tun?
Don’t let go...

„Prinzessin,“ die Stimme des anderen Mannes,
der ihn nicht allein gelassen hat in diesem Moment,
klingt wie ein tiefer Gong durch den Raum,
„Mein Prinzesschen, lass Deinen Eltern Zeit,
um Abschied zu nehmen, hörst Du?“

Don’t let go...

Widerstrebend lösen sich die zarten Arme vom Hals des Vaters,
doch zutraulich fassen sie die schwertgeübten Hände des älteren Mannes,
aus den Schatten des Türstocks lösen sich die Konturen eines jungen Mannes,
der eine verblüffende Ähnlichkeit hat.
mit dem Mann, der dort neben der verstorbenen Königin kniet.
Auch er nimmt eine Hand des kleinen Mädchens
und führt sie stumm aus dem Raum.

Cover my eyes.

Wie viel Zeit vergangen ist, er weiß es nicht,
er sieht die Schatten die ihm anzeigen, dass die Sonne gewandert ist,
doch sein Herz kann sie nicht sehen, will sie nicht sehen.

Cover my ears

er will auch nicht hören, nicht das fröhliche Gezwitscher seiner Tochter,
die von ihrem liebsten Spielgefährten abgelenkt wird,
nicht das einstudierte Heulen und Klagen des Hofstaates,
der sich schon ausrechnet, wer der nächste Herrscher werden wird,
am Hofe des Reiches der blauen Berge.
Er will sich die Ohren zuhalten und Angelikas Stimme lauschen,
die ihm erzählt, dass er nicht so leichtgläubig sein soll.

Tell me these words are a lie

Als die Nacht hereinbricht über dem Reich der blauen Berge,
könnte ein heimlicher Beobachter sehen,
wie ein Prinzgemahl über dem Körper seiner Frau und Königin zusammengebrochen ist,
das Gesicht gezeichnet von Schmerz und Tränen,
doch das darf niemand sehen.
Nur Vater Mond, der ihm Gesellschaft leistet am Totenbett.
Denn am nächsten Morgen wird dieser Prinzgemahl die Zügel in die Hand nehmen.
und niemand wird seinen Schmerz sehen.
Ihre Kinder brauchen ihn,
ihr Reich braucht ihn,
wer fragt da noch danach,
dass er sie braucht.

Und dann bricht sich die Morgendämmerung ihren Weg …


Ende