Love Potion No. 9

von Catdkiara
KurzgeschichteHumor, Fantasy / P12
Freddie Faulig Sportacus
17.01.2015
17.01.2015
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Freddie blinzelte schlaftrunken in den azurblauen Himmel. Entspannt und unendlich zufrieden seufzte er auf.

Er hatte am Rande von Lazytown ein Plätzchen für sich entdeckt, an dem die Kinder noch nicht vorgedrungen waren und dort hatte er es sich auf einer weichen Wolldecke gemütlich gemacht.

„So sollte es immer sein!“ flüsterte er leise zu sich selbst, legte die Hände unter seinen Kopf und begann einzuschlafen.

Ein Scheppern und Quietschen lies ihn erschrocken hochfahren und vollkommen überrascht sah er auf die kleine Landstrasse, die an Lazytown vorbeiführte.

Eine alte Frau, mit mehr Falten im Gesicht wie man zählen könnte und verfilztem schwarzgrauen Haar zog einen alten Karren hinter sich her. Die Achse des Wagens quietschte ohrenbetäubend und das Gerümpel –das zum größten Teil aus Töpfen, Pfannen und anderen Küchenutensilien bestand- wurde hin- und hergestoßen.

Freddie hielt sich von dem Getöse die Ohren zu und merkte, dass eine kleine Ader an seiner Schläfe pochte.

„Das darf doch nicht war sein! Was ist das für eine Alte? Die soll bloß verschwinden und zwar für immer. Der Lärm ist ja nicht auszuhalten.“

Lazytowns Faulpelz grübelte und plötzlich durchfuhr ihm ein Geistesblitz. Er kramte wie wild in seinem Picknickkorb und holte seine Friteuse heraus (was ist schon ein Picknick ohne frische Pommes Frites?).

Er öffnete die Maschine, füllte das Öl in eine Flasche und eilte zur alten Frau hinüber.

„Dieser Lärm ist ja nicht auszuhalten,“ sprach er sie an, „ich muss etwas dagegen tun!“

Er ging in die Knie und goss das Pommesfett über die quietschende Achse. Freddie rollte den Karren einmal kurz hin und her ... und es war nicht ein einziges Quietschen mehr zu hören. Zufrieden mit sich selbst und der zurückgekehrten Ruhe lächelte er und atmete erleichtert auf.

Die Frau sah ihm mit offenem Mund an und eine Träne der Dankbarkeit glitzerte in ihren Augen.

„Junger Mann, wie kann ich Ihnen nur danken. Das Quietschen hat mich beinah taub gemacht, nun kann ich wieder in Ruhe weiterziehen.“

Leichte Röte durchströmte Freddies Gesicht. Er hatte ihr eigentlich nicht helfen, sondern lediglich für Ruhe sorgen wollen.

„Nun ja... nichts zu danken...“ winkte er leicht verlegen ab und wollte sich schon wieder zurück zu seiner Decke trollen, als die Frau ihn am Ärmel festhielt.

„Noch nie ist mir ein so selbstloser junger Mann begegnet und dazu noch so bescheiden. Ich möchte Ihnen etwas ganz besonderes schenken, bitte warten Sie einen Augenblick!“

Sein Mund formte tonlos ein großes O.

„Klar, Geschenke nehme ich gerne entgegen. Da kann ich auch kurz mal die weitere Anwesenheit der Alten ertragen!“ dachte er im Stillen.

Er sah, wie die Fremde am Karren von einer Seite zur anderen ging und herumkramte. Schließlich holte sie eine vergilbte, kleine Flasche heraus und ging strahlend zu Freddie hinüber.

„So, dass hier ist ein ganz besonderes Wässerchen!“

Freudenstrahlend drückte sie es Freddie in die Hand.

„Ähm...ich glaube...nein, ich denke das kann ich nicht annehmen...“

Angewidert von dem schmutzigen Glas und der undefinierbaren Flüssigkeit reichte er ihr die Flasche sofort zurück.

Die Frau sah ihn verständnislos an, dann schien sie zu begreifen und schmunzelte.

„Sie glauben, dass ist nichts weiter wie eine alte Flasche mit schlecht gewordenen Saft, nicht wahr?“

Freddie nickte. Allerdings erinnerte ihn die Flüssigkeit eher an seinen letzten Schnupfen.

Die Fremde kicherte. „Nein, nein. Das ist mein Love Potion No. 9. Mein spezieller Liebestrank mit 100%iger Wirkung. Ihre Angebetete wird nur noch Augen für Sie haben, sobald sie es getrunken hat.“

„Meine... Angebetete?“ Freddie glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.

„Ohh...Sie haben noch keine? Das verwundert mich aber sehr. So freundlich und zuvorkommend, wie Sie sind. Aber das ist kein Problem, der Trank wird nicht schlecht. Heben Sie ihn einfach auf bis die Richtige erscheint.“

Freddie überlegte einen Moment und ein spitzbübisches Grinsen kam über sein Gesicht.

„Wirkt es auch auf Männer? Ich meine...ich habe einen speziellen .... Freund, der sich in eine Frau verlieben soll, so das er an nichts anderes mehr denken kann.“

Die Fremde sah ihn einen Moment überrascht an und wischte sich eine weitere Träne aus dem Augenwipfel.

„Nein, was sind Sie doch für eine gute Seele. Denken nur an Ihre Freunde und wie Sie ihnen zum Liebesglück verhelfen können. Aber natürlich wirkt es auch aufs andere Geschlecht. Sie müssen nur dafür sorgen, dass er die richtige Frau sofort nach der Einnahme des Liebestranks sieht. Das ist alles.“

Freddie war sprachlos und strahlte fassungslos auf das ihm jetzt so kostbar vorkommende Geschenk.

Als er die Augen von der Flasche losriss, um sich bei der Fremden zu bedanken, war diese bereits samt Karren verschwunden.

Begeistert machte er einen kleinen Luftsprung und hielt den Liebestrank fest in beiden Händen.

„Das ist zu schön um wahr zu sein. Sportacus trinkt dieses widerliche Gebräu und PENG ... verliebt er sich in die erste Frau, die er zu sehen kriegt und zwar FÜR IMMER! Dann kann er an nichts anderes mehr denken, wie an seine Herzallerliebste und es ist vorbei mit dem Superhelden!“

Freddie begann zu grübeln.

„Aber wo nehme ich jetzt eine Frau her? Ich weiß, dass Senta gerade verreist ist und eine andere fällt mir nicht ein. Nun ja, da heißt es wohl tarnen, tricksen und täuschen.

In Windeseile kehrte Freddie in seine unterirdische Behausung zurück, um ein passendes Kostüm zu finden.

Langsam ging er an den Röhren des Verkleid-O-Maten entlang.

„Nein, zu konservativ....“ sagte er kopfschüttelnd zum brünetten Sekretärinnenkostüm.

„Huh....zu unattraktiv...“ und ging an der mausgrauen Rentnerinnenverkleidung ebenfalls vorbei...

„Herrje...passend...aber zu aktiv...“ und verließ auch den blonden Sportlerlook.

„Ja, das ist es!“

Er drückte den Hebel herunter und wirbelte im Kreis herum. Dann klatschte er in die Hände und ein Spiegel kam von der Decke. Prüfend sah er sich an. Er trug ein violettes Sommerkleid mit passenden Pumps. Eine langhaarige schwarze Perücke zierte seinen Kopf.

„Ahhh, das ist wunderbar. Freddie, du bist so hübsch ich könnte mich glatt in dich verlieben.“ jubelte er und warf sich selbst eine Kusshand zu.

„Jetzt muss ich ihm das Gebräu nur noch einflössen, und schon sieht er nur noch Herzchen vor seinen Augen!“

Freddie kehrte zurück an die Oberfläche und hielt nach seinem Lieblingsfeind Ausschau.

Schließlich entdeckte er ihn auf dem Sportplatz. Sein Herz schlug einen doppelten Salto, als er sah, dass Sportacus seine Wasserflasche auf eine Bank gestellt hatte. Flugs huschte er zum Sitzplatz und goss den Liebestrank in den Behälter.

„So, noch einmal gut durchschütteln und dann kann der Spaß beginnen.“

Gesagt, getan. Freddie schüttelte die Flasche, so das man nicht mehr erkennen konnte, das etwas anderes außer Wasser darin war und ging schließlich zu Sportacus hinüber.

„Wer so viel trainiert, sollte auch genügend Wasser trinken,“ sprach er Sportacus mit gefälschter, weiblicher Stimme an.

Sportacus sah erstaunt hoch, sprang hoch und lächelte.

„Ja, Sie haben vollkommen recht.“ lachte der Superheld. Er nahm dankbar das kühle Nass entgegen und nahm einen großen Schluck.

Sportacus spürte plötzlich einen leichten Schwindel.

„Oh, fühlen Sie sich nicht wohl, ich bringe Sie zur nächsten Bank!“

Freddie konnte sich das Lachen kaum verkneifen, als er Sportacus zur Bank führte und dieser sich hinsetzet.

„Puh, einen Moment war mir wirklich merkwürdig zumute. Vielen Dank.....“

In diesem Augenblick blickte Sportacus der vermeintlichen jungen Frau ins Gesicht und riss die Augen weit auf.

„Sie sind....Sie sind...“

„Ja?“ kicherte Freddie und versucht weiterhin so weiblich wie möglich zu klingen.

Sportacus schluckte schwer und konnte seine Augen nicht von der schönen Unbekannten lassen.

„Wer....wer sind Sie?“

Freddies Lachen erstarb. „Herrje,“ dachte er, „Ich hab mir gar keinen Namen einfallen lassen...“

„Ich...ich bin...mein Name...ist...öhh....Mama Mia...du stellst Fragen!“

Freddie schien die Fassung zu verlieren, weil ihm noch nie passiert war, dass ihm kein Name einfiel.

„Mia! Was für ein wunderschöner Name!“

„Was? Äh...ja ... natürlich....Mia!“

Freddie atmete auf und sah dankbar gen Himmel. Der Sportlerdepp hatte ihn gerettet. Jetzt kann die Show weitergehen. Erschrocken sah er plötzlich auf seine Hand, die von Sportacus’ fest umklammert wurde.

„Oh, Mia! Du bist die wunderschönste Frau, die ich je gesehen hab. Ich würde alles für dich tun.“

Freddie zerrte seine Hand aus der Umklammerung und sein Blick schien Sportacus schier zu durchbohren. Dann erinnerte er sich jedoch an seinen Plan und beherrschte sich wieder.

„Ach,“ fispelte er, „würdest du das wirklich? Dann rette nie wieder jemanden, Ok?“

Einen Moment schien Sportacus mit sich selbst zu ringen und sein Blick wurde traurig.

„Niemanden retten, ist das dein Wunsch? A-aber wieso nicht? Ich bin ein Superheld, und Helden müssen doch anderen helfen!“

Freddie dachte einen Moment nach.

„Und was ist, wenn du jemanden rettest und in der Zwischenzeit geschieht MIR etwas?“

Sportacus erbleichte.

„Du hast recht! Dir darf niemals etwas passieren, ich werde nicht von deiner Seite weichen und nie wieder andere retten.“

Freddie sprang auf und vollführte einen Freudentanz. Er hatte es geschafft! Sportacus war so sehr von ihm gefesselt, dass er alles tat, was er von ihm wollte und zwar FÜR IMMER!

Plötzlich fühlte er sich beinah erdrückt und merkte, dass Sportacus ebenfalls aufgesprungen war und ihn fest umarmte.

„Lass mich los, du Sportselfe. Du tust mir weh.“ brüllte Freddie auf.

Erschrocken lies Sportacus seine Angebetete los und entschuldigte sich.

„Oh, hab ich dich zu fest gedrückt? Wo tut es dir denn weh? Ist es sehr schlimm?“

Freddie stöhnte genervt auf. Soviel Liebe von Sportacus war nicht nur körperlich erdrückend. Er brauchte einen Moment Ruhe von dem Superhelden.

„Ach, Sportacus. Magst du mir wohl eine Schachtel Pralinen bringen? Ich könnte jetzt wirklich etwas Süßes vertragen.“

Sportacus lächelte und sprang mit mehreren Salti davon.

Freddie sank auf die Bank zurück und hielt sich den Kopf. Lange würde er diese Gefühlsduselei nicht durchhalten, dass war ihm klar. Er musste so schnell wie möglich dafür sorgen, dass Sportacus die Stadt verließ.

Nur wenige Minuten später kehrte Sportacus mit einer riesigen, herzförmigen Pralinenschachtel zurück. Er setzte sich neben „Mia“ und öffnete die Schachtel. Vorsichtig nahm er eine besonders lecker aussehende Praline heraus und öffnete seinen Mund.

Freddie sah ihn entgeistert an und öffnete überrascht den seinigen. Hatte Sportacus wirklich vor, eine Praline zu essen?

In diesem Moment spürte Freddie wie der Superheld ihm das Zuckerwerk in den offenen Mund legte und ihn anlächelte.

„Hihi, war nur ein Scherz,“ sagte Sportacus zärtlich, „ich vertrage keinen Zucker, weißt du?“

„A-wa!? (Ach, was!?)“ war das Einzige, was Freddie herausbrachte, da er die leckere Praline im Mund hatte und sich überrumpelt fühlte. Eigentlich sollte doch Sportacus derjenige sein, der IHM aus der Hand fressen sollte und nicht anders rum!

Eigentlich hatte Freddie vor, sich über die Pralinenschachtel zu stürzen (es war seine Lieblingsmischung), aber Sportacus war zu Scherzen aufgelegt und bestand darauf ihn zu füttern.

Als die Schachtel leer war, sah Sportacus „Mia“ noch verliebter an, wie bisher. Freddie wurde die Luft zu stickig, er musste ihn loswerden....und zwar so schnell wie möglich.

„Sportacus...Herzchen...könntest du nicht...ein Kissen für mich besorgen, ich fühl mich ein wenig schläfrig.“

„Kommt sofort! KISSEN“ ... und schon landete ein Kissen in Sportacus Händen und er überreichte es glücklich an seine „Mia“.

Freddie stöhnte auf. Das verflixte Luftschiff. Er wollte eigentlich, dass Sportacus ihn einen Augenblick allein lies. DAS LUFTSCHIFF! Freddies Blick hellte sich wieder auf.

„Sportacus, ich möchte, dass du in dein Luftschiff kletterst und Lazytown verlässt....für immer!“

Sportacus sah ihn überrascht an, dann sprang er auf und rief: „Leiter!“

Strahlend sah er wieder Freddie an, der den Blick des Superhelden nicht interpretieren konnte.

„Mia, meine Mia! Du hast mich ganz schön erschreckt. Ich dachte zuerst, du wolltest mich loswerden.“

„Ach, dachtest du? Und was denkst du jetzt, was ich will?“ Freddie hatte das Gefühl, das er die Antwort besser nicht hören wollte.

Doch Sportacus nahm ihn fest in seinen Arm und kletterte die Leiter empor.

„Wir werden zusammen Lazytown verlassen und im Luftschiff leben....FÜR IMMER!“

„NEIIINNNNN!“ Freddies Gesicht wurde schneeweiß. „Nein, alles nur das nicht, nein!“

Freddie hatte genug. Dieser Plan lief nicht nur schief, er war katastrophal. Er sah sein Leben für immer als Frau verkleidet mit einem ewigen Jojo an seiner Seite an sich vorbeiziehen.

Panisch wand er sich aus Sportacus festen Umarmung, aber er konnte den starken Arm des Superhelden nicht entkommen.

„Sportacus! Ich bin keine Frau, hörst du? Ich bin’s! Freddie Faulig! Das war nur ... ein Scherz...hahaha! Bitte, lass mich runter, ja?“

Aber Sportacus schien ihn nicht zu hören oder hören zu wollen und lächelte ihn nur an. Dann schloss der Superheld die Augen und sein Gesicht kam immer näher an „Mias“ heran.

Freddie schluckte. Er wusste, was gleich passieren würde....jetzt konnte ihn niemand mehr retten.

„Neiiiiiinnnn!“

Freddie riss die Augen auf und sah sich verwirrt um. Er saß schweißnass auf der Decke und vollkommene Ruhe umgab ihn. Zitternd sah er sich um und atmete schließlich erleichtert auf.

Es war nur ein Traum.

„Eins weiß ich auf jeden Fall, selbst wenn es so etwas unsinniges wie den Love Potion No. 9 geben sollte, diesen Plan werde ich niemals umsetzen. Soviel ist sicher.“

Plötzlich ertönte ein Quietschen und Scheppern. Freddies Augen weiteten sich entsetzt; auf der Landstrasse sah er die Fremde mit dem Karren, die ihm entgegenlächelte.

Kreischend sprang Freddie auf und rannte so schnell ihn seine Füße trugen zurück in sein sicheres Versteck.

ENDE
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