Geschenke auspacken

von Schafi95
KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
17.01.2015
17.01.2015
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Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an Star Trek und veröffentliche diesen Text ohne die Absicht, damit einen Gewinn zu erwirtschaften.





Wenige Tage nach „Landurlaub“.
„Captain?“
„Ja, Commander?“
„Sind Sie sich dessen bewusst, dass sie …. einen Baum mit sich herum schleppen?“
„Ja, Commander.“
T'Liss zog verwundert eine Augenbraue nach oben. Ihr kommandierender Offizier trug doch tatsächlich einen etwa anderthalb Meter hohen Nadelbaum spazieren. Natürlich konnte Lore während ihres gemeinsamen Landurlaubs auf der Erde, den sie nun schon seit einigen Tagen gemeinsam verbrachten, tun und lassen, was ihm beliebte. Aber dass er eine Tanne durch die Gegend trug, verwunderte T'Liss dann doch.
„Hübsch, nicht wahr?“, fragte der Android freudig lächelnd.
„Ähm … ja“, stammelte T'Liss. „Und warum hast du das Ding jetzt hier in dein bescheidenes Heim geschafft?“
„Weil Baum“, entgegnete Lore knapp.
T'Liss schwieg, zog jedoch nochmals fragend eine Augenbraue hoch.
„Ja, ja, ist ja gut“, grummelte Lore, der es dem Anschein nach darauf angelegt hatte, T'Liss ein wenig zu verwirren. „Weißt du, ich habe da kürzlich über diese alte Erdentradition, die sich 'Weihnachten' nennt, gelesen. Und da wollte ich einfach mal versuchen, ein wenig dieser ominösen Weihnachtsstimmung einzufangen, wofür auch dieser Nadelbaum unerlässlich ist.“
Lores Antwort entlockte T'Liss' Lippen ein Schmunzeln. „Ach, ist es mal wieder so weit, dass es weihnachtet?“
„Du kennst dich mit der Thematik aus?“ Ein überraschter Unterton schwang in Lores Stimme mit.
„Das würde ich jetzt nicht unbedingt behaupten. Aber es gab in diesem Zusammenhang eine recht … amüsante Begebenheit während meiner Zeit auf der Akademie.“ T'Liss bedeutete Lore, sich neben ihr auf der Couch nieder zu lassen.
Der Android stellte auch sogleich den bereits in einem Blumentopf entsprechend Ausmaßes befindlichen Baum ab und tat, wie ihm geheißen. „Na dann erzähl doch mal.“
Also lehnte sich T'Liss zurück und begann.

„Und was genau willst du uns jetzt zeigen?“, fragte M'nor sichtlich genervt.
Auch Nevena schien nicht sonderlich erfreut darüber, dass Jane meinte, einfach so ihren Freitag Abend in Beschlag nehmen zu müssen. Lediglich T'Liss stand mit stoischer, fast schon gespannter Miene daneben und beobachtete ihre Mitbewohnerin dabei, wie sie einige Befehle in die Bedienungskonsole des Holodecks, das eigentlich für Übungen im Zuge der Ausbildung der Sternenflottenkadetten gedacht war, eingab.
„Na ja“, setzte Jane schließlich an, als sie die Befehlseingabe beendet hatte. „Weihnachten steht vor der Tür. Und zu Hause feiern wir das immer recht groß und ich dachte mir, dass ihr vielleicht auch ein wenig Spaß an einer … winterlichen Stimmung hättet.“ Leicht verschämt blickte sie zu Boden.
„Was bitte will sie feiern?“ Nevena hatte sich zu M'nor geneigt, damit diese ihre geflüsterten Worte besser verstehen konnte – auch wenn dies bei dem sehr guten Gehör der Caitianerin nicht nötig gewesen wäre.
„Weihnachten. Ein altes Erdenfest. Aber frag mich jetzt bloß nicht nach Hintergründen, ich hab damit nichts am Hut“, murmelte M'nor zurück.
„Angucken können wir es uns ja mal“, schaltete sich nun auch T'Liss deutlich lauter ein. Vielleicht war die Situation ja noch zu retten, ohne dass Jane ihre Pläne auf Grund des Unwissens ihrer Mitbewohnerinnen ersatzlos fallen lassen musste.
„Gut.“ Jane war nun doch etwas irritiert ob des Geflüsters zwischen Nevena und M'nor. „Also, das Programm hat jetzt nichts direkt mit Weihnachten zu tun, falls euch das beruhigt, aber ich dachte, ein wenig Schnee wäre doch ganz schön“, führte sie dann weiter aus, während sie ihre Mitbewohnerinnen durch die Tür des Holodecks führte.
Interessiert sah sich M'nor um. „Unsere letzte Übungssimulation, oder?“, fragte sie beim Anblick des schneebedeckten Platzes, der von einigen verschneiten Bäumen auf der einen und einer mehrere Meter hohen Felsklippe auf der anderen Seite begrenzt wurde.
„Ein bisschen umgebaut habe ich schon...“, gab Jane unumwunden zu. „Mit Schneestürmen größeren Ausmaßes müssen wir zum Beispiel nicht rechnen.“
„Gut. Ich war schon besorgt.“ M'nors Blick richtete sich gen Himmel, von wo einige Schneeflocken auf sie herab schneiten.
Währenddessen begutachtete T'Liss nicht desinteressiert eine Schneeskulptur, die ganz eindeutig humanoid aussah – und über mühsam aus Schnee geformte spitze Ohren verfügte. Mühe gegeben hatte sich Jane ja ganz offensichtlich mit der Modifikation der Simulation, auch wenn T'Liss die Temperatur immer noch als recht niedrig empfand. Auch wenn die Romulaner nicht ganz so hitzeliebend waren, wie die Vulkanier, setzte es ihnen doch zu, wenn die Gradzahlen in den negativen Bereich rutschten. Zumal sie lediglich ihre Kadettenuniform trug und nicht, wie vor einige Tagen, als sie hier noch mit Übungsphasern aufeinander geschossen hatten, eine speziell an die kalte Umgebung angepasste Uniform.
„Alles schön und gut, aber mir ist kalt!“, sprach nun auch Nevena die niedrigen Temperaturen an.
„Dann mach dir doch warme Gedanken. So, wie ich dich kenne, kannst du das doch“, witzelte M'nor. „Kalt ist mir auf jeden Fall nicht.“
„Ja, das ist leicht gesagt, wenn man ein flauschiges Fell hat.“ Grimmig stapfte Nevena zur Tür. „Wenn ihr mich jetzt bitte entschuldigt, ich hatte heute Abend nämlich tatsächlich noch vor, mir warme Gedanken zu machen.“ Doch die Tür des Holodecks öffnete sich nicht, als Nevena auf sie zu trat. „Computer, Tür öffnen!“, befahl sie. Doch nichts geschah.
„Computer, bestätige den Befehl!“, versuchte es nun auch M'nor. „Programm beenden!“ Doch der Computer, der das Holodeck steuerte, reagierte schlicht und ergreifend nicht.
„Ein technisches Problem vielleicht?“, fragte T'Liss.
„Möglich“, antwortete M'nor knapp. „Hat einer von euch seinen Kommunikator dabei? Dann können wir bei der Verwaltung des Campus nachfragen.“
„Ne, ich hab ja nicht damit gerechnet, länger weg zu sein“, maulte Nevena.
Auch T'Liss und Jane schüttelten die Köpfe.
„Dann werden wir wohl oder übel warten müssen, bis jemand das Holodeck benutzen will, dann aber feststellt, dass er hier nicht rein kommt.“ M'nor zuckte mit den Schultern, während ihr Blick langsam gen Himmel, der sich nun langsam ins rötliche verfärbte, wanderte. Die virtuellen Schneeflocken, die auf die vier hinab regneten, waren beutend dichter geworden und fielen in immer geringer werdenden Abständen. „So, wie es aussieht, könnte es vielleicht doch noch … ungemütlich werden.“
„Ach was, wie gesagt, ich hab an dem Programm ein wenig herum geschraubt“, winkte Jane ab.
„Na ja, wenn du das sagst...“ Nevena war schon sichtlich am Zittern. „Aber vielleicht hättest du dann auch an entsprechende Bekleidung denken sollen...“
Aufmerksam blickte sich M'nor um. „Wenn ich diese Gegend richtig in Erinnerung habe, müsste es hier doch irgendwo in dieser Klippe die Höhle geben, in der sich T'Liss und ich uns bei der letzten Übung verschanzt hatten. Hast du die im Programm belassen?“
„Ja, jetzt wo du es sagst...“, murmelte T'Liss, der nun auch langsam zu kalt wurde.
“Hast wohl Angst, dass dein Fell nass wird“, grummelte Nevena.
„Ja … ja, doch, die ist noch da, vielleicht drei- oder vierhundert Meter in diese Richtung“, stammelte Jane.
„Gut.“ M'nor stapfte umgehend los, Nevena direkt hinterher. „Weiß noch jemand, wie das mit dem 'Feuer machen unter Extrembedingungen' war?“
„Ja, ich“, meldete sich Jane umgehend. „Also werden wir jetzt einfach warten, bis uns jemand hier raus holt?“
„Genau das ist der Plan. Und jetzt bitte keine Selbstvorwürfe, ja?“ Nevena legte Jane freundschaftlich einen Arm um die Schulter. „Das hier kommt schon irgendwie wieder in Ordnung.“

Jane hatte es doch tatsächlich geschafft, ein wenig zumindest halbwegs trockenes Holz heranzuschaffen und es im Handumdrehen zu entzünden, sehr zum Wohlgefallen ihrer Mitbewohnerinnen.
„Ah ja, schon gleich viel besser“, ließ Nevena verlauten, kaum dass sie vor dem gerade entfachten Feuer hockte.
„Lagerfeuerromantik“, schmunzelte M'nor, während sie sich neben T'Liss nieder ließ.
„So lange du und das Spitzohr die Gelegenheit nicht nutzt, um übereinander herzufallen...“, frotzelte Jane.
„Och, so schlecht würde ich das ja noch nicht mal finden“, widersprach Nevena. „Hätten wir wenigstens was zu gucken.“
„Ja, das hättet du wohl gerne.“ M'nor kniff die Augen zusammen.
„Na ja, wenn ich in Betracht ziehe, welche Blicke ihr euch schon seit Wochen zu werft, scheint ihr ja einen kleinen Schubser in die richtige Richtung nötig zu haben.“ Nevena zwinkerte.
M'nor grummelte. „Was sagst du dazu, Lieschen?“
Jane gluckste. „Lieschen...“, schmunzelte sie.
„Ähm, was?“, fragte T'Liss leicht verwirrt. Anstatt der Unterhaltung zu folgen, hatte sie fasziniert die flackernden Schatten, die das Feuer an die Wand warf, beobachtet.
„Ach, egal“, winkte M'nor ab. „Hat jemand ein Kartenspiel dabei? Mir ist langweilig.“
Doch Jane sprang plötzlich auf. „Ich hab's“, rief sie noch, dann stürzte sie auf die Höhlenwand zu. Vorsichtig tastete sie die Wand ab, bis sie offensichtlich gefunden hatte, wonach sie suchte: Mit geübtem Griff nahm sie die Verkleidung einer Kontrollkonsole ab, die durch die Projektionen des Holodecks nicht ohne weiteres einsehbar gewesen wäre.
Neugierig war Nevena neben sie getreten und beobachtete sie dabei, wie sie einige Befehle in die Konsole eingab. Hin und wieder war ein geflüstertes „Auf's Maul, der bekommt gleich volles Pfund auf's Maul“ zu hören. Sekunden später fanden sich alle vier in einem leeren Holodeck wieder. Nach einem letzten Handgriff Janes öffnete sich auch die Tür wie gewohnt.
„So, Mädels, ich glaub, wir müssen mal kurz jemandem … einen Hausbesuch abstatten.“ Nevenas Grinsen wurde breiter und breiter, während sie sich schadenfroh die Hände rieb.

T'Liss hielt in ihrer Erzählung inne.
„Und, wie ist es ausgegangen?“, fragte Lore neugierig. „Zumindest mit dir und M'nor hatte diese Nevena ja Recht“, fügte er dann noch grinsend hinzu.
„Ja, das hatte sie durchaus. Und man kann sagen, dass sie uns auch den nötigen Schubser versetzt hat.“ T'Liss zwinkerte. „Aber eines nach dem anderen. Dass das Holodeck plötzlich nur noch eingeschränkt funktionierte, lag nämlich nicht an Janes Programm, sondern an Sabotage.“
Lore riss die Augen auf. „Sabotage? Wer hätte denn einen Nutzen davon, ein Holodeck der Akademie derartig zu sabotieren?“
„Neil Jellico junior“, antwortete T'Liss knapp.
„Nicht zufällig der Sohn von dem Jellico, der uns kürzlich über den Weg gelaufen ist?“, schmunzelte Lore.
„Doch, genau der. Wie Jane feststellen konnte, hatte er das Holoprogramm manipuliert und die internen Kameras des Holodecks auf die Computerkonsole seines Quartiers umgelegt. Ganz offensichtlich hatte er gehofft, es würde im Zuge unserer 'Gefangenschaft' zu etwas … expliziteren Szenen kommen.“ T'Liss zwinkerte.
„Und, habt ihr den Fall wie vorgeschrieben an das Lehrpersonal der Akademie weitergeleitet?“, fragte Lore nicht ohne Interesse.
„Nein, wir haben uns entschlossen, das mit Neil persönlich zu regeln. Als wir plötzlich in seinem Quartier standen, haben wir ihn im Wortsinn mit heruntergelassenen Hosen erwischt.“ T'Liss grinste breit.
„Und, was habt ihr mit dem armen Kerl angestellt?“
T'Liss winkte ab. „Ich denke, das ist etwas, das unter uns fünf bleiben sollte. Du kannst aber davon ausgehen, dass seine Eier eine Farbe hatten, auf die jeder Andorianer stolz gewesen wäre, nachdem wir mit ihm fertig waren.“
„Und wie ist es dann mit M'nor und dir weitergegangen?“
„Einige Tage später sind wir dann doch noch mal in das Holodeck zurückgekehrt, um uns auszusprechen“, setzte T'Liss nun zu der Fortführung ihrer Erzählung an.

„Du wolltest mit mir sprechen, M'nor?“ T'Liss stand im Eingang der Höhle, in der sie einige Tage zuvor bereits mit ihren Mitbewohnerinnen gesessen hatte. Aber nun wurde sie nur von M'nor erwartet. Sie warf noch einen letzten Blick zurück auf die verschneite Landschaft draußen, dann wagte sie sich einige Schritte tiefer in die Höhle des Löwen. Diesmal brannte kein Feuer, aber die von draußen herein scheinende Abendsonne reichte, um den Innenraum der Höhle in einen angenehmen Schimmer zu tauchen.
„Ja, das wollte ich durchaus“, kam nun als Antwort von M'nor, die ihrerseits einige Schritte auf T'Liss zu machte, bis sie nur ein oder zwei Schritte von der Romulanerin entfernt stand. Doch dann brachte sie kein Wort mehr heraus.
„Es ist wegen Nevenas letzter Bemerkung uns beide betreffend, oder?“, riet T'Liss.
Nach einigem Zögern nickte M'nor schließlich bestätigend. „Ich glaube, sie hat gar nicht mal so unrecht gehabt“, nuschelte sie dann, während sie ihr Gewicht in ihrer Nervosität immer wieder vom einen Bein auf das andere verlagerte, so wie es T'Liss von ihr schon aus der ein oder anderen Prüfungssituation gewohnt war.
T'Liss griff nach M'nors Pfote, die tatsächlich mindestens so flauschig war, wie sie erwartet hatte. „Und jetzt willst du sicher wissen, was ich dazu denke, oder?“
Wieder nickte M'nor.
„Nun denn, wenn du das so genau wissen willst...“ T'Liss zog M'nor, die nicht wusste, wie ihr geschah, in einen innigen Kuss.
„Und …. das meinst du wirklich ernst?“, wollte M'nor wissen, als sich die Lippen der Romulanerin wieder von den ihren gelöst hatten.
„Selbstverständlich“, antwortete T'Liss,, während sie ihre Arme um M'nors Rücken schlang – und ließ sich von der Caitianerin in einen weiteren Kuss ziehen.

„Süß“, war Lores Kommentar dazu.
„Ja, durchaus“, schmunzelte T'Liss. „Und das, was wir dann noch so in der Höhle getrieben haben, hätte klein Jellico sicher auch sehr gefallen“, kicherte sie.
„Ja, wahrscheinlich.“ Der Android stimmte in ihr Lachen mit ein.
„Aber jetzt zurück zu diesem … Ding da.“ Nachdem sie sich wieder etwas gefangen hatten, deutete sie auf den Baum, den Lore ins Haus geschleppt hatte. „So ein Baum ist doch gar nicht das wichtigste an Weihnachten.“
„Ach nein?“
T'Liss schüttelte den Kopf. „Ne, nachdem was ich so gehört habe, ist Weihnachten doch das fest der Liebe – und des Geschenke auspackens.“ Mit diesen Worten kletterte T'Liss rittlings auf Lores Schoß und zog ihn in einen Kuss. „Und Weihnachten hin oder her, ein ganz besonderes Geschenk darfst du sogar sehr gerne auf der Stelle auspacken“ grinste sie, während sie sich schon begierig am Reißverschluss von Lores Uniform zu schaffen machte.




AN: So, endlich, endlich und mit ewig großer Verspätung ist mein lange versprochener „Weihnachts-One-Shot“ fertig, auch wenn er gar nicht mal so extrem viel mit Weihnachten zu tun hat ;)
Ich hoffe, ihr verzeiht mir die Warterei, ich tu mein bestes, dass der nächste Text etwas zügiger kommt. Und bis dahin gibt’s Kekse.