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Tales of Symphonia

GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Colette Brunel Kratos Aurion Lloyd Irving Raine Sage Yuan Zelos Wilder
16.01.2015
19.06.2018
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25.12.2015 4.637
 
Kapitel 5: Luin und die Menschenfarm

Da war ich nun, es war mitten in der Nacht und es begann zu regnen. Ich ging ziellos durch die Straßen. Der Brunnen zog meine Aufmerksamkeit auf sich, daher ging ich auf ihn zu und setzte mich auf die Mauer. Gedankenlos starrte ich in das Wasser und betrachtete mein Spiegelbild. Die letzten Worte, welche ich meinen Vater an den Kopf geworfen hatte, ich hörte sie noch immer.
Was habe ich da nur gesagt. Mich plagte das schlechte Gewissen.
Mit meiner rechten Hand berührte ich die Wasseroberfläche, welche mein Abbild spiegelte.

„Du solltest nicht vergessen wo dein Platz ist!“ Ich zuckte zusammen als ich mir diese Worte wieder ins Gedächtnis rief. Ich lehnte mich an die Mauer und zog die Beine an. Ich schloss die Augen für einen kurzen Moment, so dachte ich es zumindest.

Plötzlich wurde ich wachgerüttelt. Als ich meine Augen öffnete erblickte ich Sheena. „Was machst du denn hier, so ganz allein?“ „Lass mich in Ruhe. Wenn du gegen mich kämpfen willst, tu das. Ich werde mich nicht wehren.“, antwortete ich resigniert. „Was? Das sieht dir nicht ähnlich. Du kannst froh sein das ich nicht so hinterhältig bin.“
Sie setzte sich zu mich. „Wo sind die anderen?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ich bin gegangen.“
„Ist etwas passiert?“
Ich wusste nicht wieso, aber ich erzählte ihr grob von dem Geschehen. „Ich denke nicht das dein Vater dich hassen wird, du bist seine Tochter. Er liebt dich, mach dir keine Gedanken.“ Mit ausdruckslosen Blick sah ich sie an. „Woher willst du das wissen?“ „Eltern sind so.“

Mit einem mal vernahmen wir Stimmen. „Desains!“, schrie ein Mann und rannte panisch durch die Stadt. Sheena und ich versuchten die Dorfbewohner zu schützen aber es waren zu viele.
Wir schlugen uns tapfer, aber es war nicht genug. Luin wurde zerstört, vor meinen Augen wurden unschuldige Menschen getötet. Sheena beschwor eines ihrer rätselhaften Wesen während ich ihr mit physischen Angriffen Zeit verschaffte.
Doch am Ende war es nicht genug. Wir hatten keine Chance, das realisierte ich, aber ich war zu stolz um einfach so auf zu geben. Daher kämpfte ich weiter, obwohl meine gesamte Kraft bereits verbraucht war. Es regnete und ein Gewitter zog auf.
Es war uns möglich einige Desains zu erledigen aber wir versagten dennoch. Wir konnten nicht einen einzigen Bewohner retten, wenn sie nicht getötet wurden, dann wurden sie auf die Menschenfarm gebracht.
Ich stellte meinen Kampfstab auf den Boden und stützte mich auf diesen. „HEY SERAH!“, hörte ich eine bekannte Stimme rufen. Mein Blick folgte ihr, ich erkannte Lloyd, Raine, Papa und die anderen. Im nächsten Augenblick versagten meine Kräfte und fiel zu Boden, so wie Sheena vor mir.

Als ich langsam zu mir kam vernahm ich die Stimmen meiner Freunde. „Professor bitte, heilen Sie sie.“ „Ihr seid wirklich zu gutmütig, sie ist unsere Feindin.“ „Du nimmst auch kein Blatt vor dem Mund. Du bist genauso hinterlistig wie du aussiehst.“ „Denke von mir was du willst.“
Ich drehte meinen Kopf zur Seite und öffnete die Augen. Ich sah wie Sheena von Raine geheilt wurde. Colette und Lloyd standen daneben. „Hey Serah! Du weilst wieder unter uns.“, sagte Genis fröhlich. Lloyd drehte sich zu mir und kam auf mich zu. „Mensch du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Wir haben uns Sorgen gemacht und nach dir gesucht nachdem du verschwunden warst... vor allem Kratos. Er war nicht mehr er selbst.“
„Wie meinst du das?“ „Er war ein wenig panisch, es war ihm wichtig das wir dich finden und das dir nichts passiert ist. Er hat jeden Gegner dem wir begegneten kurz und klein gemacht. Und diesen Blick in seinen Augen, er schien auch wütend zu sein.“ „Wütend?“, wiederholte ich mehr für mich selbst. Erst jetzt begriff ich was ich angestellt hatte.
Mein Vater war wütend auf mich, wütend für das was ich gesagt habe, für mein Handeln - das ich einfach so  weggelaufen bin.
Ich richtete mich auf, Lloyd half mit dabei, ich sah mich um aber mein Vater war nicht da.
Meine Beine zitterten, in einem so schlechten Zustand habe ich mich noch nie befunden. Langsam setzte ich einen Fuß vor den anderen und verließ das Haus, ich suchte meinen Vater, ich wollte mich entschuldigen. Für alles, mein Verhalten, meine Worte. Wenn ich nur daran zurück dachte, kamen mir erneut die Tränen.
Ich lief durch die gesamte Stadt und vor dem Gasthaus fand ich ihn schließlich. Kratos stand mit dem Rücken zu mir und sagte: „Es wäre besser für dich gewesen wenn du dich noch eine Weile ausgeruht hättest.“ „Papa...“ Er drehte sich zu mir, aber er sah mich nicht wütend an sondern eher besorgt. Nein er schien sich eher für irgendetwas die Schuld zu geben. Er sah das ich weinte, ich ging auf ihn zu doch meine Beine gaben nach. Kratos fing mich auf. „Ich hab es dir doch gesagt Serah, du bist schwer verletzt.“ Ich krallte mich an sein Oberteil und sagte: „Es tut mir leid. Es tut mir leid! Ich hätte nicht weglaufen dürfen, ich hätte dir sowas nicht sagen dürfen. Ich hasse dich nicht, Papa. Es tut mir leid das ich so schreckliche Dinge gesagt habe, bitte verzeih mir!“
Mein Vater drückte mich ganz fest und strich mir durch das Haar. „Beruhige dich Serah. Ich bin dir nicht böse, du musst dir keine Sorgen machen, mein Kind. Es ist alles in Ordnung. Ich bin derjenige der sich entschuldigen muss, für all meine Sünden.“ „Wovon sprichst du?“
Er sah mich mit sanften Augen an. „Ich erzähle es dir, sobald wir wieder zu Hause sind, Serah.“
Anschließend nahm er mich auf seine Arme und trug mich zu den anderen.

„Serah geht es dir gut?“, fragte Raine.
Ich nickte. Besorgt setzte sie sich zu mir. „Ich habe getan was ich konnte, ich konnte deine Wunden nicht komplett heilen.“ „Schon okay. Ich bin nicht aus Zucker.“, sagte ich lächelnd doch innerlich musste ich zugeben das ich bereits an meinen Grenzen stand. Ich habe mich noch nie so verausgabt und es ging mir noch nie so schlecht. Nicht einmal nach dem Ritual damals.
Sheena hatte inzwischen erzählt was passiert ist und das die Bürger auf die Menschenfarm gebracht wurden sind. Lloyd war außer sich vor Wut, selbst Colette wollte die Bürger retten.
Bedrückt sah ich zu Boden. Schmerzhaft musste ich realisieren das ich nicht so stark war wie ich glaubte, ich dachte ich könne den Menschen helfen und sie retten. Ich dachte der Cruxis Kristall und meine Engelskräfte würden mich genug stärken, aber dem war nicht so.
An und für sich war ich absolut keine Hilfe gewesen.

Wir ruhten uns erst einmal aus und beschlossen am nächsten Morgen in der früh die Farm zu infiltrieren. Es schien auch alles nach Plan zu funktionieren, wir schnappten uns die Uniformen einiger Desains, welche sich Raine und Sheena anzogen und schlichen uns in die Farm.
Nach dem Raine die Wachen überzeugen konnte, standen uns alle Türen offen.
In dem Raum gab es zwei Türen; die linke führte in den Kontrollraum, in den Raine und Sheena uns bringen sollten. Zudem  würden wir in diesem Raum herausfinden, wo sich die Gefangenen aus Luin befanden.
Nachdem wir in Sicherheit waren, schnitten Raine und Sheena unsere Fesseln durch und zogen sich wieder um. Anschließend begaben wir uns zu einem großen Monitor, auch welchen wir zwei Fließbänder sehen konnten. Wir erkannten das sich Exspheres in ihnen befanden.
„Es scheint sich um eine Exsphere-Manufaktur zu handeln“, bemerkte Raine.
„So scheint es zu sein“, stimmte Kratos ihr zu.
„Sind das alles Exspheres?“, fragte Lloyd. „Unglaublich …“ Er hätte wohl anders reagiert, wenn er gewusst hätte, dass die Exspheres aus Menschen hergestellt wurden, dachte ich mir.
Ich wusste das sie aus Menschen gemacht wurden, aber das sie auf so schreckliche Weise gezüchtet wurden, wusste ich nicht.
Während Lloyd, Sheena, Genis und Colette noch weiterhin auf den Monitor sahen, begaben Kratos,Raine und ich uns zu dem Kontrollpult, um herauszufinden, wo die Gefangenen waren.
„Scht“, sagte Colette auf einmal. „Ich höre Stimmen im Nebenraum.“ Sie sah zu der Tür weiter hinten im Raum.
„Ich höre gar nichts …“, meinte Genis. „Ich höre sie aber auch, ganz klar.“, sagte ich.
Colette rannte zu Raine und Kratos, gefolgt von Lloyd. In diesem Moment kamen drei Personen durch die Tür vor ihnen in den Raum.
„Hmm?! Ihr!“, rief Botta überrascht.
„Oh oh, das sind die Desians, auf die wir in der Wüste von Triet gestoßen sind!“, rief Lloyd.
„Sie glauben immer noch, wir seien Desians“, gab einer der Abtrünnigen amüsiert von sich.
„Sir, das ist unsere Chance!“, sagte der andere zu Botta.
„Seid ihr auf einen Kampf aus?“, fragte Kratos gelassen. Sie waren in der Überzahl und außerdem im Lager des Feindes.
„Wartet“, gab Botta von sich und hielt die anderen beiden Abtrünnigen zurück. „Kratos ist bei ihnen. Wir werden uns für den Moment zurückziehen.“
Lloyd sah verwundert zu Kratos. „Ihr kennt euch?“
„Wenn du damit meinst, dass wir in Iselia und Triet aneinander geraten sind …“, erwiderte Kratos.
„Ich glaube, es ist in unser beider Interesse, hier nicht zu kämpfen“, sagte Botta kühl.
„Mach, was du willst“, erwiderte mein Vater. Im nächsten Moment öffnete sich die Tür, nur um drei Desians zu offenbaren, die bereits dabei waren, ihre Zauber vorzubereiten.
Kratos schützte sich und Colette, die beide ganz vorne standen, mit Guardian vor den Feuerbällen, die zu ihnen geflogen kamen.
„Colette! Kratos!“, riefen Lloyd und ich besorgt.
„Ich bin okay“, gab Colette an Lloyd gewandt von sich.
„Dafür ist keine Zeit!“, rief Kratos. „Hinter dir!“
Hinter Colette öffnete sich die Tür, die neben dem Monitor lag und ein einzelner Mann betrat den Raum. Er hatte blonde, zurückgekämmte Haare und Schlitzaugen. Er trug eine blaue Uniform, an der sich über den Schultern zwei goldene Metallplatten befanden.
„Wie?“, fragte Lloyd verwundert.

„Na, das nenne ich eine Überraschung“, gab der mysteriöse Mann von sich. Er klang sehr überheblich, es war nicht schwer zu erkennen, dass er sich für etwas Besseres hielt. „Als ich hörte, hier hätten sich ein paar Ratten eingeschlichen, dachte ich zuerst an den Abtrünnigen, Botta, aber stattdessen finde ich hier nur ein paar miserable Kreaturen. Aber ich muss gestehen, ich bin schon beeindruckt, dass ihr nach dem Angriff immer noch am Leben seid.“
„Wer bist du?!“, fragte Lloyd wütend.
Als der Halbelf sich dem Schwertkämpfer näherte, schloss sich hinter ihm die Tür. „Du platzt hier in meine Farm und verlangst, meinen Namen zu wissen?“
„Wow, Lloyd, ist es sonst nicht immer umgekehrt?“, fragte Genis grinsend.
Lloyd drehte sich zu ihm. „Genis! Dafür haben wir jetzt keine Zeit!“
„Das ist Kvar, einer der Fünf Großfürsten der Desians“, antwortete Kratos ruhig.
„Ah, schön zu sehen, dass mich doch jemand kennt“, gab Kvar amüsiert von sich, während er Kratos betrachtete.
„Es ist genau, wie Forcystus gesagt hat“, sagte Kvar nun, während er einen Blick auf Lloyds Exsphere warf. „Der Exsphere ist ohne Frage ein Produkt meines Angelus-Projekts!“
Durch die Tür, durch die sie gekommen waren, kamen nun drei Desians, sodass sie umzingelt waren. Colette reagierte schnell und warf eins ihrer Chakrams nach Kvar. Dieser wich dem Angriff aus und machte so den Weg frei, während das Chakram wieder zu Colette zurückgeflogen kam.
„Gut gemacht, Colette!“, lobte Lloyd sie. „Lasst uns jetzt gehen!“
Wir rannten durch die Tür, durch die Kvar gekommen war und drangen weiter in die Farm ein. Als wir dem Weg, der an den Fließbändern mit den Exsphere-Behältern entlang führte, folgten und anschließend die Treppe hinauf rannten endeten wir in einer Sackgasse. Jedoch sahen wir von da aus durch ein Fenster, wir erkannten Menschen die auf einem Fließband standen. „W… was ist das?!“, fragte ich beunruhigt.
Das Fließband schien um eine Ecke zu führen und die Menschen wurden durch die Behälter mit den Exspheres ersetzt.
„Hier werden die Exspheres von den Körpern ihrer Wirte entfernt“, erklärte Kvar, der mit vier Desians auf einmal hinter ihnen stand.
„Sie wollen damit sagen, dass die Exspheres … aus menschlichen Körpern gemacht sind?“, fragte Raine ungläubig.
„Nicht so ganz“, erwiderte Kvar. „Exspheres haben eine verborgene Existenz. Sie nähren sich von den Menschen, wachsen und erwachen schließlich. Menschen-Farmen sind Exsphere-Manufakturen. Warum sollten wir auch sonst unsere Zeit damit verbringen, uns um diese elenden Kreaturen zu kümmern?“
„Das ist schrecklich!“, rief Genis schockiert.
„Schrecklich?“, wiederholte Kvar. „Schrecklich ist das, was ihr getan habt. Exspheres zu stehlen und einzusetzen, in die wir so viel Zeit und Aufwand gesteckt haben. Ihr verdient es, bestraft zu werden.“
Die vier Desians näherten sich uns. „Mist! Wir sind umzingelt …“, bemerkte Lloyd.
„Lloyd, dein Exsphere war als Geschenk an Lord Yggdrasill vorgesehen“, gab Kvar von sich. „Es ist Zeit, dass du ihn zurückgibst.“
„Yggdrasill …“, murmelte Raine. „Ich nehme an, das ist der Name des Anführers.“
„Ja“, bestätigte Kvar. „Und nun, zum Wohle des großen Lord Yggdrasill und zum Wohle meines eigenen Erfolges, benötige ich diesen Exsphere!“
„Schon wieder?! Was ist an meinem Exsphere so besonders?“, fragte Lloyd verwundert.
„Er ist das Ergebnis jahrelanger, zeitintensiver Forschung“, erklärte Kvar. „Endlich bekomme ich zurück, was von einem schmutzigen, weiblichen Wirtskörper gestohlen wurde.“

„Was sagst du da?“, fragte Lloyd. „Ein weiblicher Wirtskörper? Du sprichst doch nicht von …“
„Hmm, du weißt nichts, oder?“, seufzte Kvar. „Dieser Exsphere wurde von dem Wirtskörper A012, menschlicher Name Anna – deiner Mutter – kultiviert. Sie nahm ihn an sich und floh aus dem Gebäude. Natürlich hat sie für ihr Verbrechen mit ihrem Leben bezahlt.“
„Meine Mu… du hast sie umgebracht!“, schrie Lloyd schmerzerfüllt.
„Oh, mach mich nicht dafür verantwortlich“, erwiderte Kvar ruhig. „Ich war es nicht, der Anna umgebracht hat. Dein Vater hat sie getötet.“
Ich ahnte wie Lloyd sich fühlen musste. Es musste ihm sehr viel Beherrschung kosten, nicht gleich auf diesen Verbrecher loszugehen.

„Lügner!“, brüllte Lloyd wütend.
„Ach, bitte“, seufzte Kvar. „Als der Exsphere, der keine Schutzfassung besaß, entfernt wurde, verwandelte sie sich in ein Monster. Und dein Vater hat sie getötet. Jämmerlich, findest du nicht auch?“
„Sprich nicht schlecht über die Toten!“, brach es aus Kratos heraus.
„Hahaha!“, lachte Kvar. „Wen kümmert’s? Sie waren nur ein Paar dreckiger Menschen – nichtsnutzige Maden.“ „Sprich nie wieder so über meine Eltern!“, schrie Lloyd Kvar an.
Die Desians kamen näher und drängten sie in eine Ecke.
Sheena trat hervor. „Ich kümmere mich darum!“ Sie holte eine Karte hervor und betrachtete sie. „Ich verwende die letzte, Opa.“ Sie rief ein grünes Wesen, das so ähnlich aussah wie die, gegen die wir bereits gekämpft hatten. Die Luft vor ihnen schien zu schimmern und im nächsten Moment waren sie wieder draußen vor der Farm.
„Vielen Dank, Sheena!“, bedankte sich Colette bei der Schwarzhaarigen.
„Ach, keine Ursache“, erwiderte Sheena verlegen. „Aber was sollen wir jetzt tun?“
„Lasst uns nach Luin zurückkehren“, schlug Raine vor.
„Ich bin der gleichen Meinung“, gab Papa von sich.

Als wir Luin erreichten, war es bereits Nacht, daher schlugen wir Lager in der Nähe der Stadt auf. Sheena betrachtete ihren Exsphere nachdenklich. „Ich kann es einfach nicht glauben, dass die Exspheres aus menschlichem Leben gewonnen werden.“
Genis und Raine betrachteten ihre Exspheres ebenfalls.
„Das ist Marbles Leben …“, murmelte Genis bedrückt.
Lloyd nahm seinen Exsphere ab und streckte seinen Arm wie zum Wurf aus. „Dieses … Ding!“
Colette ging zu ihm. „Lloyd, warte. Was willst du damit erreichen, wenn du ihn abnimmst? Das ist nicht einfach nur ein Exsphere, sondern das Leben deiner Mutter, erinnerst du dich?“
„Aber diese Dinger verhöhnen das menschliche Leben“, erwiderte Lloyd.
„Aber wir hätten schon vor langer Zeit verloren, wenn wir sie nicht hätten“, wandte Kratos ein.
„Meinst du, das wüsste ich nicht?!“, erwiderte Lloyd auf Kratos‘ Kommentar.
„Weißt du es wirklich?“, fragte Kratos ruhig. „Wenn du diesen Exsphere jetzt wegwirfst – glaubst du, wir könnten die Reise beenden?“
Lloyd ließ seinen Arm wieder sinken und betrachtete seinen Exsphere voller Abscheu. „Ja! Ich weiß! Ohne diese Dinger sind wir nur ein Haufen schwacher Menschen. Wir können nur auf Grund dieser Dinger kämpfen. Das weiß ich. Aber die Exspheres existieren, weil jemandem das Leben genommen wird!“
„Und?“, fragte Kratos seufzend. „Diese Menschen sind nicht aus freien Stücken zu Opfern geworden, aber ich bezweifle, dass sie weggeworfen werden wollen, nachdem sie zu Exspheres geworden sind.“
Colette nickte. „Meine Meinung ist vielleicht nicht so wichtig, weil ich keinen Exsphere trage, aber ich bin sicher, dass die Desians uns besiegen werden, wenn wir unsere Exspheres nun wegwerfen. Und wenn das passiert, werden noch mehr Menschen ihr Leben an diese Steine verlieren. Ich möchte nicht, dass das passiert. Ich möchte nicht, dass diese Reise bedeutungslos wird.“
„Colette hat recht“, stimmte Kratos ihr zu. „Wir können die Exspheres jederzeit wegwerfen. Aber im Moment müssen wir das Gewicht der Hoffnungen und Träume dieser Opfer tragen und für sie und uns kämpfen. Hast du nicht gesagt, du wolltest nie mehr zweifeln?“
Lloyd schwieg einen Moment, bevor er seufzte. „Yeah. Ich hasse es, es zuzugeben. Aber du hast recht. Mamas Bedauern und ihre Wünsche sind in diesem Ding eingeschlossen. Um zu verhindern, dass es noch mehr Opfer wie meine Mutter oder Marble gibt, werde ich Colette helfen. Ich werde für uns beide kämpfen, für mich und Mama, die in mir weiterlebt.“
Kratos betrachtete Lloyd zufrieden und auch ich lächelte. Ich beneidete ihn dafür das er so entschlossen war.
Genis nickte. „Yeah. Ich auch. Ich kämpfe im Namen von Marble.“
„Ich auch“, gab Colette von sich. „Ich werde, so schnell es geht, die Welt erneuern.“
„Menschen sind sündhafte Kreaturen“, gab Raine nachdenklich von sich. „Ein Leben überlebt auf Kosten eines anderen Lebens. Wir müssen die Last unserer Sünden tragen, so lange wir leben.“
„Leben überlebt auf Kosten eines anderen Lebens …“, murmelte Sheena. „Ich weiß nicht genau, wie ich es ausdrücken soll, aber ich glaube nicht, dass man es irgendwie rechtfertigen kann, dass Leben für die Exspheres geopfert werden. Das muss um jeden Preis aufhören!“
„Yeah, allerdings“, stimmte Lloyd ihr entschlossen zu.
Genis bereitete ihnen eine Kleinigkeit zu essen vor und nachdem sie ihren Hunger gestillt hatten, saßen sie noch ein wenig nachdenklich am Feuer.
„Kratos, Ihr Blick ist Furcht einflößend“, murmelte Colette nach einer Weile. Ich wurde hellhörig und schaute auf. Ich betrachtete das Gesicht meines Vaters und musste Colette zustimmen.
„Nein. Ich bin so wie immer“, behauptete Kratos.
„Du lügst“, erwiderte Genis. „Jeder kann sehen, dass du über etwas wütend bist.“
„Ich bin nicht wütend!“, gab Kratos ungewohnt gereizt von sich.
Die anderen sahen ihn erstaunt und erschrocken an, selbst ich.
„Es tut mir leid …“, murmelte Kratos. „Bitte lasst mich eine Weile allein …“ Er setzte sich etwas abseits des Feuers zu Noishe.
Die anderen legten sich kurz darauf schlafen und ich betrachtete erneut die Sterne.
Was hatte meinen Vater nur so wütend gemacht? Ich fragte mich noch immer was geschehen ist. Ob es etwas mit meinem Traum zu tun haben könnte.
Ich schüttelte den Kopf. Nein da musste noch etwas anderes sein, aber was?

Am nächsten Morgen starteten wir einen erneuten Versuch in die Farm einzudringen. Als wir das Grundstück betraten fiel mir ein riesiger Sein in die Augen. „Seht mal.“, meinte ich und stellte mich vor den Felsen. „Ziemlich auffällig, findet ihr nicht?“, fragte ich und sah zu den andreen.
Raine nickte. „Wir sollten versuchen, ihn wegzuschieben.“
Lloyd stemmte sich gegen den Felsbrocken, was aber nichts brachte. „Es funktioniert nicht. Er bewegt sich nicht.“ „Lass mich mal.“, sagte ich und konzentrierte mein Mana. „Lightning Blade!“
Der Stein zerbrach und wir betraten den Schacht. Nach einer Weile erreichten wir den Kontrollraum, in dem sich zwei Desians aufhielten. „Wer zum Teufel seid ihr?!“
Sein Kollege drehte sich nun ebenfalls zu ihnen um und gemeinsam griffen sie uns an. Der Kampf dauerte jedoch nicht lange an und ihre Gegner waren besiegt.
„Lloyd ist viel stärker geworden, nicht wahr?“, fragte Genis nach dem Kampf.
Colette nickte. „Yeah. Und er ist auch nicht mehr so rücksichtslos und unbesonnen. Ob das an Kratos‘ Ratschlägen liegt?“ Mein Vater schüttelte den Kopf. „Ich habe damit nichts zu tun.“
„Das ist … nicht wahr“, gab Lloyd von sich.
Genis sah ihn überrascht an. „Wow, Lloyd ist ausnahmsweise mal bescheiden.“
„Bist du denn nicht glücklich, Lloyd?“, fragte Colette lächelnd. „Dass du so einen guten Lehrer gefunden hast?“

Raine begab sich zu einer Maschine und betrachtete sie nachdenklich. „Lasst uns den Grundriss der Farm abrufen.“ Sie drückte auf ein paar Knöpfe und die Maschine projizierte mehrere farbige Blöcke, die den Aufbau der Farm darstellten. „Professor, Sie sind fantastisch!“, rief Lloyd begeistert. „Hm, es gibt also auf dieser Seite auch Leute, die Maschinen bedienen können …“, murmelte Sheena. „Auf dieser Seite?“, fragte Genis verwundert.
„Äh, ähm, nichts“, erwiderte Sheena hastig. „Ich spreche mit mir selbst.“
Raine sah sie nachdenklich an, wandte sich dann jedoch wieder der Maschine zu.  „Wir befinden uns genau hier.“ Sie drückte auf einen Knopf auf der Maschine und der magentafarbene Block fing an zu blinken. „Und Kvar sollte sich dort befinden.“ Ein weiterer Knopfdruck und der türkisfarbene Block blinkte. Raine betrachtete die Projektion nachdenklich. „Es scheint, wir müssen das Sicherheitssystem deaktivieren, um die Ebene zu erreichen, auf der sich Kvar befindet.“
„Sicher … heitssystem?“, fragte Colette.
„Hier.“ Raine drückte erneut auf einen Knopf und der hellblaue Block vor dem türkisfarbenen Block blinkte. „Wenn wir dieses Sicherheitssystem nicht deaktivieren, können wir nicht zu Kvar vorstoßen.“ „Was sollen wir also tun?“, wollte Lloyd ungeduldig wissen.
„Beruhige dich“, ermahnte Kratos ihn, obwohl er selbst auch ziemlich unruhig wirkte. „Irgendwo gibt es sicher einen Schalter, um das System zu deaktivieren.“
Raine nickte und drückte erneut auf ein paar Knöpfe. „Hier ist er.“ In dem roten Bereich auf der rechten Seite der Projektion blinkten zwei gelbe Punkte auf. „Siehst du die beiden Schalter am linken und rechten Ende dieses Durchgangs? Das sind die Deaktivierungsschalter.“
„Okay, deaktivieren wie ihn“, gab Lloyd entschlossen von sich.
Raine drehte ihren Kopf zu ihm. „Wartet einen Augenblick. Ich zeige euch den Weg, der zu Kvars Raum führt.“ Sie betrachtete die Maschine nachdenklich. „Das Transportband behindert den Durchgang. Um es anzuhalten, müssen wir das Steuerungssystem des Bands außer Kraft setzen …“ Sie betrachtete die Informationen, die die Maschine ihr anzeigte, näher. „Es ist so gebaut, dass man nicht zum Steuerungssystem gelangt, solange Container auf dem Band stehen. Mal sehen, um das Container-Transport-System zu justieren …“
In diesem Moment ertönte ein warnender Alarm.
„Verdammt“, fluchte Raine. „Sie haben entdeckt, dass ich auf den Computer zugreife …“
„Lloyd, was sollen wir tun?!“, fragte Genis nervös. „Die Desians werden jeden Augenblick hier sein!“ „Verdammt …“, murmelte Lloyd.
Raine drehte sich zu ihm um. „Wir haben keine andere Wahl. Wir müssen uns in zwei Gruppen aufteilen, damit wir das System deaktivieren und in Kvars Raum eindringen können.“
„Was?!“, rief Genis erschrocken. „Wir teilen uns auf?“
Kratos nickte. „Ich sehe keine andere Möglichkeit. Ich wäre gern in der Gruppe, die hinter Kvar her ist.“ „Ich auch!“, rief Genis. „Und ich auch“, schloss Sheena sich an. Ich für meinen Teil schwieg.
Raine wandte sich an die Auserwählte. „Colette, bitte triff für uns die Wahl.“
„Äh, hm, nun, also …“, murmelte Colette. „Ich überlasse es Lloyd.“
Lloyd schien überrascht zu sein. „Was? Mir?!“ Colette nickte lächelnd. „Ich weiß, du wirst uns gut einteilen.“ „Er hört nur auf seine Intuition und seinen Instinkt“, erwiderte Genis frech.
Lloyd sah ihn verärgert an. „Was soll das denn nun bitte schön heißen?! Egal, ich werde also die Teams zusammenstellen?“ Die anderen nickten.
„Ich übernehme Kvar“, erklärte Lloyd. „Ich möchte meine Mutter rächen.“ Er sah die anderen nachdenklich an. „Mal sehen …“
„Ich möchte gegen Kvar kämpfen“, wiederholte Kratos noch einmal. „Bitte, Lloyd. Nimm mich mit.“ „In Ordnung.“ „Danke“, erwiderte Kratos zufrieden.

„Ich möchte Lloyd begleiten“, meldete sich Colette zu Wort.
„Colette …“, murmelte Lloyd, während er die Hände auf ihre Schultern legte. „Kvar ist kein leichter Gegner. Ich möchte dich nicht unnötig in Gefahr bringen. Deswegen möchte ich, dass du in dem Deaktivierungsteam bist.“ Der Schwertkämpfer sah zu mir. „Serah, ich zähle auf dich das du gut auf Colette Acht gibst.“ Ich nickte entschlossen und antwortete: „Überlas das ruhig mir. Ich
„Du nimmst mich mit, richtig?“, fragte Genis, während er Lloyd hoffnungsvoll ansah.
Lloyd schüttelte den Kopf. „Genis, ich weiß, du bist echt stark. Ohne deine Magie hätten wir wohl schon so manchen Kampf verloren. Aber ich möchte, dass auch du in dem Deaktivierungsteam bist.“ Genis rieb sich den Kopf. „Also gut …“
„Ich gehe mit dir“, wandte sich nun Sheena an Lloyd.
„Nein, Sheena“, erwiderte Lloyd. „Ich weiß es zu schätzen, dass du mir helfen willst, aber das ist nicht dein Kampf.“ „Ist das dein Ernst?“, fragte Sheena enttäuscht.
Lloyd nickte. „Du wirst Genis, Serah und Colette dabei helfen, die Gefangenen zu befreien. Deswegen hast du dich schließlich uns angeschlossen, oder?“ „Nun, ich schätze, da hast du recht …“, murmelte Sheena. Lloyd wandte sich nun an Raine. „Professor …“
„Du brauchst mich, damit ich dir die Technik in der Farm erklären kann“, gab Raine von sich.
Lloyd nickte. „Ich kann vor allem nicht auf Ihre Heilkräfte verzichten.“ Raine lächelte. „Ich verstehe.“

Während Genis, Colette, Sheena und ich den Gang nahmen, der zu den Gefangenen und den Deaktivierungsschaltern führte, nahmen Lloyd, Kratos und Raine den obersten Gang, aus dem beim letzten Mal Botta und die anderen Abtrünnigen gekommen waren. Wir teilen uns erneut auf damit, so war es uns möglich die Gefangenen schneller zu retten und Raine und den anderen ebenfalls besser zu helfen. Der ganze Deaktivierungskram war schnell erledigt, unterwegs besiegten wir einige Gegner. Es befanden sich sehr wenig Desains in der Farm, daher war es ein Kinderspiel die Sicherheitsanlage zu deaktivieren und unbemerkt zurück zu den anderen zu gehen.
Mein Vater sah, wie Colette, Genis, Sheena und ich den Raum mit dem Teleporter erreichten. Bevor wir jedoch zu den anderen rennen konnten, wurden wir von Desians aufgehalten, die uns heimlich gefolgt waren.

„Aber ich an deiner Stelle würde nicht davon ausgehen, dass ich Lord Yggdrassil lange hintergehen kann“, fuhr Pronyma fort, bevor sie verschwand. Was hatte das zu bedeuten? Pronyma wollte Lord Yggdrassil hintergehen? Bevor ich auch nur einen klaren Gedanken fassen konnte riss der andere Halbelf mich aus diesen.
„Die Mana-Kanone ist also kein Geheimnis mehr“, sagte Kvar. „Nun, das macht nichts.“ Er drehte sich zu Lloyd, Kratos und Raine. „Sobald ich den Exsphere besitze, wird alles, dessen ich verdächtigt werde, zu einer blassen Erinnerung degradiert.“
„Mach dich bereit!“, warnte Kratos Lloyd.
„Du wirst ihn nicht von mir bekommen!“, rief der Junge, bevor er sich wütend auf Kvar stürzte.
Ich konzentrierte mich wieder auf meinen Kampf und unterstützte meine Freunde. Ich versuchte alle möglichen Angriffe von Genis und Colette fernzuhalten, damit diese genug Zeit hatten ihre Zauber einzusetzen. Nachdem wir die lästigen Desains besiegten gingen wir zu den anderen. Auch sie haben es geschafft Kvar zu besiegen. „Ich habe es geschafft, Mama“, sagte Lloyd, während er seinen Exsphere betrachtete. „Du bist gerächt!“
Colette wurde auf einmal blass. „Pass auf!“
Kvar rappelte sich wieder auf und wollte Lloyd angreifen, aber bevor er ihn mit seinem Stab verwunden konnte, rannte Colette vor ihn und beschützte Lloyd.
„Colette?!“, rief Lloyd fassungslos, während er sie auffing.
„Lloyd … geht es dir gut?“, fragte Colette. „Y… yeah. Aber du …“
„Mir geht es gut, ehrlich“, erwiderte die Auserwählte.
Kvar, der eingesehen hatte, dass er keine Chance mehr hatte, diesen Kampf zu gewinnen, wollte verschwinden, aber Sheena tauchte mit einem Mal in einer Rauchwolke vor ihm auf.
„Du Bastard!“, schrie Lloyd, während er eins seiner Schwerter zog und es Kvar noch einmal in den Leib rammte. Kratos folgte ihm mit seinem Schwert, nicht mehr in der Lage, sich zurückzuhalten.
„Kratos … du elende, jämmerliche Kreatur!“, zischte Kvar.
„Fühl den Schmerz …“ Kratos zog sein Schwert über Kvars Brust. „… dieser jämmerlichen Kreaturen …“ Er verpasste Kvar einen weiteren Schwerthieb, woraufhin dieser auf den Boden fiel, dieses Mal definitiv tot. „… während du in der Hölle brennst!“ Er steckte sein Schwert wieder weg.

Kvar's Leiche lag am Boden, ich trat ein paar Schritte zurück. Lloyd schnappte sich Colette und wir verließen die Farm wieder. Raine aktivierte, wie auch bei der anderen Farm, den Selbstzerstörer.
Nachdem wir draußen angekommen waren sahen wir noch einmal zurück. Ich wusste nicht wieso, aber ich fühlte mich irgendwo befreit, nun da Kvar tot war.
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