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Unstillbares Verlangen

von Lady S
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Draco Malfoy Hermine Granger Lucius Malfoy Pansy Parkinson
16.01.2015
10.07.2015
23
88.101
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27.02.2015 3.845
 
Siebtes Kapitel

Helfende Lehrer



Am nächsten Morgen stand Professor Slughorn sichtlich nervös vor der Klasse und erklärte ausführlich das neue Konzept, das die Schulleiterin am Wochenende mit ihm besprochen hatte.

»Die Nachwirkungen des Krieges, das Misstrauen der einzelnen Häuser untereinander ist immer noch spürbar, insbesondere zwischen Slytherin und Gryffindor.«

»Zu Recht«, zischte Ron halblaut und Hermine stupste ihn an.

»Es wird noch seine Zeit brauchen, bis sich das Verhältnis entspannt, aber für die Siebtklässler endet das Schuljahr in wenigen Monaten. Deshalb hat Professor McGonagall beschlossen, mit ein wenig Nachdruck die Angelegenheit in der Siebten voranzutreiben.«

Horace Slughorn machte eine kleine Pause und nestelte an seinem perfekt sitzenden, seidenen Halstuch bevor er die Bombe platzen ließ: »Deshalb werden im gemeinsamen Unterricht von Slytherin und Gryffindor die Plätze getauscht, sodass immer je ein Vertreter eines Hauses neben dem anderen sitzt.«

Ein allgemeines Murren entstand. Doch der Professor ging kommentarlos darüber hinweg und begann die Schülerinnen und Schüler umzusetzen. Ginny bekam einen Platz neben Blaise, Ron neben Millicent, Harry neben Daphne und Hermine neben Draco.

Als Hermine sich wortlos auf ihrem neuen Platz niederließ, zuckten Dracos Mundwinkel kurz und er flüsterte ihr in dem allgemeinen Tumult zu: »Was für ein Aufwand, und nur wegen uns.«

Er sprach damit aus, was Hermine gerade gedacht hatte. Offenbar wollten McGonagall und Slughorn die beiden Pechvögel unterstützen und es ihnen erleichtern, in der notwendigen Nähe des anderen zu sein. Außerdem könnten die beiden später behaupten, die erzwungene Zusammenarbeit hätte dazu geführt, dass sie sich näher gekommen wären, auch wenn das viele nicht glauben würde.

Hermine gab vor, dem Unterricht zu folgen und doch konnte sie das warme und wohlige Gefühl nicht ignorieren, das sie in Dracos Nähe durchströmte. Gegen Ende der Stunde drückte der Slytherin flüchtig seinen Schenkel gegen den ihren. Er beugte sich zu ihr hinüber, griff nach ihrem Tintenfass und tat, als wollte er es kontrollieren.

»Wir müssen reden«, wisperte er. »Komm heute Nachmittag auf das Quidditchfeld.«

Hermine antwortete nicht, sondern nahm ihm stattdessen das Tintenfass aus der Hand. Dabei berührte ihre Fingerspitze leicht seinen Handrücken.

Beinahe hätte sie das Fässchen fallen lassen. Alles in ihr vibrierte und sie verspürte den heißen Wunsch, Draco um den Hals zu fallen. Erschrocken brachte sie etwas Abstand zwischen sich und sah ihn an. Seine grauen Augen glühten. Auch ihn hatte die Berührung keinesfalls kalt gelassen. Nur mühsam, so erschien es Hermine, konnte er den Blick von ihrem Gesicht abwenden.

Das erlöste sie aus der Starre und sie begann hastig damit, die Schulutensilien in ihre Tasche zu packen.



»Dich trifft es wirklich hart«, meinte Ron beim Mittagessen zu Hermine. »Erst musstest du den Trank mit Malfoy brauen und jetzt auch noch für den Rest des Schuljahres seine Nähe ertragen.«

Eher für den Rest meines Lebens, dachte Hermine und sah betrübt auf ihren Bohneneintopf.

»Soll ich mal mit Slughorn reden?«, bot Ron an.

»Das ist wirklich lieb von dir, aber es wird nichts nützen«, antwortete sie.

»Also wenn das Frettchen auch nur einen falschen Ton von sich gibt, dann sagst du mir Bescheid«, ließ Ron nicht locker.

»Ich denke nicht, dass er Hermine beleidigen oder gar schikanieren wird«, mischte sich nun Harry ein. »Er hat im vergangenen halben Jahr keinerlei Anstalten gemacht auch nur einen von uns in irgendeiner Weise anzugreifen. Es fällt mir selbst schwer das zu glauben, aber ich denke, Malfoy hat es tatsächlich begriffen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass er im Innern froh über Voldemorts Sturz ist. Zum Schluss hat ihm die Sache ganz schön zugesetzt und jetzt sind die Malfoys wieder in der Lage ihr bequemes und ruhiges Leben fortzuführen.«

»Mag sein«, brummte Ron, »aber ich bin trotzdem froh, wenn ich dieses blasse Käsegesicht bald nicht mehr sehen muss.«

Hermine schluckte und kämpfte plötzlich mit den Tränen. Auch sie hatte sich ihr Leben in den schönsten Farben ausgemalt und ein Draco Malfoy hatte darin keinen Platz gehabt.

Unerwartet fühlte sie Ginnys Hand auf der ihren. »Ist wirklich alles in Ordnung, Hermine?«

»Ich bin nur etwas durcheinander«, wiegelte sie hastig ab. »Außerdem muss ich los, Hausaufgaben erledigen.«

»Kommst du nachher zum Quidditchtraining?«, fragte Ron hoffnungsvoll. »Mein Besen wurde generalüberholt. Die Hufflepuffs werden sich mächtig anstrengen müssen, wenn sie an mir vorbei wollen.«

»Wann?«, fragte Hermine nur.

»Um 16.30 Uhr, gleich nach den Slytherins. Sei aber bloß nicht zu früh, sonst rennst du Malfoy wieder in die Arme«, sagte Ron.

Hermine versprach es und verließ die Große Halle.



Auch am Tisch der Slytherins drehte sich das Gespräch um die neue Sitzordnung.

Missmutig wischte Draco Pansys Hand von seinem Oberarm. Das Mädchen hatte ihn trösten wollen, weil er schon wieder die Nähe von Hermine Granger ertragen musste.

Draco gefiel der aufmerksame Blick gar nicht, mit dem seine Hausgenossin ihn ansah.

»Geht schon«, brummte er, »lässt sich aushalten.«

»Eigentlich ist sie ja recht hübsch«, fuhr Pansy zu Dracos Überraschung fort. »Besonders ihre Augen, findest du nicht?«

Ihre Stimme hatte einen lauernden Unterton und Draco witterte eine Falle. Er straffte sich. »Ist mir nicht aufgefallen«, behauptete er mit fester Stimme.

»Nicht? Erstaunlich, wo du doch so tief in sie hineingeblickt hast.«

»Blödsinn«, schnaubte er und fragte sich gleichzeitig, was Pansy noch alles beobachtet haben könnte.

»Welche Farbe haben sie?«, bohrte Pansy weiter.

Im ersten Moment war Draco versucht zu lügen. Doch das würde ihm seine Hausgenossin sicherlich nicht abnehmen. So tat er, als würde er angestrengt nachdenken. »Braun«, sagte er schließlich, »wie der Schlamm, der durch ihre Adern fließt.«

Zack! Sofort verspürte er einen stechenden Schmerz in der Magengegend. Er wusste doch, dass er sie nicht beleidigen durfte, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

»Schlammfarben, wirklich?«, hakte Pansy nach und Draco sah, wie sehr ihr die Antwort gefallen hatte.

Seine Magensäure kochte in ihm hoch. »Nein«, quetschte er angestrengt hervor. »Hermine Granger hat die glutvollsten Augen, die ich je gesehen habe. Sie erinnern mich an heiße, geschmolzene Schokolade mit dunklen Schokosplittern. Ich könnte mich hineinstürzen und darin ertrinken. War es das, was du hören wolltest?«

Pansy starrte ihn mit offenem Mund an. Dann kniff sie die Lippen zusammen. »Ich wusste gar nicht, dass du so poetisch sein kannst.«

»Du weißt vieles nicht über mich«, konterte Draco und spürte zu seiner Erleichterung, dass sich die ärgsten Magenschmerzen verflüchtigten und nur ein unangenehmes Grummeln zurückblieb.

Granger war schon vor zehn Minuten gegangen, wie er aus den Augenwinkeln bemerkt hatte. Draco erhob sich und schob den Suppenteller von sich. »Ich mache noch ein paar Hausaufgaben. Und noch was, ich will gleich keine Zuschauer beim Quidditchtraining haben, verstanden?«

»Warum denn nicht?«, wagte Millicent zu fragen.

»Streng geheime Strategie«, murrte Draco und machte sich auf den Weg zu seinem Gemeinschaftsraum.

An der Abzweigung des Korridors hielt er kurz inne. Diesen Weg musste er nehmen, wenn er Hermine Granger in ihren Schulsprecherräumen aufsuchen wollte. Doch im Moment erschien ihm das viel zu gefährlich. Er hatte gehofft es würde reichen, wenn er sie heute Nachmittag noch einmal sähe, doch sein Magen signalisierte ihm, dass Ansehen allein nicht reichen würde. Er musste sie berühren, doch wie?

Verdammt, warum hatte er sich durch Pansy so provozieren lassen?

Heute Vormittag, als Hermines Finger kurz seine Hand gestreift hatten, hatte sie seine Selbstbeherrschung gefährlich ins Wanken gebracht. Am liebsten hätte er sie an sich gerissen und ihre Lippen wund geküsst. Mühsam hatte er um die Kontrolle gekämpft. Das Atmen war ihm plötzlich schwer gefallen.

Er ahnte, es würde schon bald der Tag kommen, an dem er nicht mehr gegen diesen Drang gewinnen konnte. Es würde besser sein, dem Stück für Stück nachzugeben. Anderenfalls könnte es für sie beide schrecklich peinlich werden, je nachdem in welcher Situation sie die Beherrschung verlieren würden.

Missmutig setzte Draco den Weg zu den Kerkern fort.



Der Wind pfiff ihm ins Gesicht und zerzauste seine Haare, als Draco im Sturzflug auf das Quidditchfeld zuraste. Er fühlte sich nicht wohl. Hermine war bis jetzt nicht erschienen und er wurde nervös. Er musste sich etwas überlegen, wenn sie nicht kommen würde.

Draco verpasste den Schnatz um Haaresbreite. Fluchend zog er den Besen hoch und landete auf dem Spielfeld.

»Soll so die neue Taktik aussehen?«, frotzelte Ike Pucey, der jüngere Bruder von Adrian, der ebenfalls auf der Position des Jägers gespielt hatte.

»Troll«, schnauzte Draco ihn an. »Ihr sollt die Sturzflüge üben, das habt ihr noch lange nicht drauf.«

»Entschuldige mal«, brummte Theodore Nott, der sich als leidlich geschickter Hüter herausgestellt hatte. »Wir brauchen die auch nicht wirklich.«

»Dennoch müsst ihr sie beherrschen«, motzte Draco. »Also los, rauf mit euch allen. Denkt daran euren Besen rechtzeitig hochzuziehen, sonst hat Madam Pomfrey gleich jede Menge zu tun.«

Murrend bestiegen die Mannschaftsmitglieder ihre Besen und schraubten sich einige Meter nach oben.

»Höher«, kommandierte Draco.

»Da kommt die Granger«, rief Ike und streckte den Zeigefinger aus.

Draco fuhr herum und sah wie Hermine sich zögerlich näherte.

»Die will uns bestimmt ausspionieren«, vermutete Theodore.

»Mit der werde ich schon fertig. Jetzt ab mit euch und zwar so hoch, dass ihr mich kaum noch erkennen könnt. Auf mein Zeichen, aber erst dann, kommt ihr alle gleichzeitig nach unten gesaust, verstanden? Ich kümmere mich derweil und die Gryffindor und nun ab zu den Wolken.«

Grinsend sah Draco zu, wie die jungen Männer gehorchten. Dann ging er zielstrebig zu Hermine hinüber, die stehen geblieben war und ihn kritisch beäugte.

Nah vor ihr stoppte Draco. »Danke, dass du gekommen bist«, begann er.

»Hier ist kein guter Platz zum Reden. Gryffindor hat das Spielfeld nach euch reserviert.«

»Mist«, entfuhr es Draco. »Dann treffen wir uns nachher bei dir.«

Hermine schüttelte den Kopf, sodass ihre braunen Locken umherflogen. »Das ist schlecht. Ernie blockiert noch eine ganze Weile unser Wohnzimmer, weil er mit einigen Hufflepuffs an einem Projekt arbeiten muss. Wir haben uns doch heute schon lange genug gesehen. Übermorgen sind wir zusammen in Arithmantik. Vielleicht genügt das.«

»Nein, es reicht nicht mehr, nicht bei mir.« Draco trat noch einen halben Schritt näher. »Berühre mich, Hermine, sonst werde ich die Nacht nicht durchstehen und dich doch noch besuchen müssen.«

Zitternd hob sie die Hand und legte sie auf Dracos Wange. Sacht streichelte sie mit dem Daumen über das Jochbein.

Für einen Moment schloss er die Augen und spürte dem wohligen Gefühl nach, das sich in ihm ausbreitete. Dann tastete er nach ihrer anderen Hand. Ihre Finger verschränkten sich miteinander.

»Heute Morgen im Unterricht«, begann er heiser und räusperte sich. »Viel hätte nicht gefehlt und ich hätte dich geküsst. Die Wirkung des Trankes wird stärker. Spürst du das auch?«

»Ja«, antwortete Hermine und ihre Zunge huschte blitzschnell über ihre Lippen und ließ einen feuchten Film zurück. Heißes Verlangen durchströmte Draco und er senkte leicht den Kopf.

»Draco?« Ganz leise drang Ikes Stimme an sein Ohr.

Auch Hermine hatte es gehört. »Deine Mannschaft wartet immer noch dort oben. Willst du sie nicht wieder runterholen?«

»Das bedeutet aber, dich gehen zu lassen«, sagte Draco ernüchtert.

»Harry würde seine Leute nie so hängen lassen«, meinte sie.

Der überzeugte Ton in ihrer Stimme ärgerte ihn. Automatisch umklammerte er ihre Finger fester. Hermine zuckte zusammen und ließ ihre Hand von seiner Wange gleiten. Sogleich fühlte Draco sie Kälte, die sich auf seiner Haut ausbreitete.

»Ich bin aber nicht wie Potter«, knurrte er. »Und außerdem stecke ich in einer ganz anderen Situation.« Er zog ihre Hand an seinen Mund und drückte einen Kuss darauf, ehe er sich von ihr löste. »Warte lieber in der Schule auf die Gryffindors. Wie sehen uns morgen.«

Während Hermine sich umdrehte und ging, beorderte Draco seine Mannschaft zurück auf den Boden.



Den nächsten Tag überstanden beide, indem sie sich über die Tische hinweg anstarrten. Als sie sich allein im Korridor begegneten, umarmten sie sich kurz und pressten sich aneinander.

Beim Erwachen am folgenden Morgen spürte Hermine das nun schon vertraute Ziehen in der Magengegend, das sie daran gemahnte, möglichst bald Dracos Nähe zu suchen.

Seufzend schälte sie sich aus dem Bett. Er hatte Recht, Blicke alleine reichten nicht mehr aus und die Umarmung gestern war ebenfalls nicht genug gewesen, sie heute Morgen beschwerdefrei aufwachen zu lassen.

Sie musste seine Haut berühren und das möglichst bald. Hermine schluckte. Nicht mehr lange und sie würden sich küssen müssen.

Ihr Kopf rebellierte bei dem Gedanken, während ihr Körper vor Freude regelrecht zu beben schien. Wie sich seine Lippen wohl auf den ihren anfühlen werden? In wenigen Tagen würde sie es wissen.

Samstag war das Spiel Slytherin gegen Ravenclaw. Wie jedes Jahr hoffte Gryffindor darauf, dass Slytherin geschlagen wurde. Doch Hermine wusste, dass sie sich dieses Mal zurückhalten musste. Offiziell konnte sie Draco natürlich nicht zujubeln, aber sie würde ihm die Daumen drücken – notgedrungen. Hoffentlich passierte ihm nichts. Wenn er mit seiner Mannschaft Sturzflüge übte, hatte er sicherlich die Absicht diese auch einzusetzen. Plötzlich wurde ihr ganz schlecht bei dem Gedanken, er könnte sich dabei den Hals brechen. Dann würde ihr eigenes Leben nur noch wenige Tage dauern und unter qualvollen Schmerzen zu Ende gehen.

Nein, das wird nicht passieren, beruhigte sie sich sofort. Außer ein paar Knochenbrüchen war in ihrer Schulzeit nichts bei Quidditchspielen passiert und meistens hatte es ohnehin Harry getroffen.

Nach einem letzten Blick in den Spiegel machte sich Hermine auf zum Frühstück.

Draco war schon da, wie sie sofort feststellte. Er bemerkte sie ebenfalls und sah sie an. Auch er sah blass aus, stellte Hermine mit einer gewissen Genugtuung fest. Immerhin musste sie nicht alleine leiden.

Zum Glück hatte sie heute in der zweiten Stunde mit ihm gemeinsam Arithmantik. Sie würde es einrichten ihm nahe zu kommen und sie wusste, dass er das gleiche Bestreben haben musste.

Ihr Vorhaben wurde durch Professor Vektor unterstützt. Die Lehrerin war offenbar von der Schulleiterin ebenfalls instruiert worden und setzte Hermine und Draco nebeneinander. Die Erleichterung darüber war ihm deutlich anzusehen. Kaum hatte er sich neben sie gesetzt, als er unter dem Pult auch schon ihre Hand ergriff. Warm und fest schlossen sich seine Finger um die ihren. Für einen Moment genossen beide das beruhigende Gefühl, das sie durchströmte, ehe Professor Vektor ihre Aufmerksamkeit forderte.

Hermine war froh, dass sie die einzige Gryffindor in der Klasse war, die überwiegend aus Ravenclaws und einigen Hufflepuffs bestand. Die würden sicherlich nichts über die neue Sitzordnung ausplaudern. Das wäre Hermine mehr als unangenehm, zumal Ginny sie ohnehin zunehmend misstrauisch musterte. Doch Hermine hatte noch nicht den Mut aufbringen können, ihre Freundin aufzuklären. Das hätte etwas Endgültiges an sich, käme beinahe einer Kapitulation gleich. Doch noch hatte Hermine die Hoffnung nicht ganz aufgegeben. Vielleicht tat sich doch noch eine Möglichkeit auf, Draco Malfoy loszuwerden, ohne dabei selbst zu sterben.

Sie löste ihre Hand aus der seinen, griff nach ihrer Feder und begann damit die Formeln abzuschreiben, die Professor Vektor mit ihrem Zauberstab an der Tafel entstehen ließ.

Das Ende der Stunde nahte und in Hermine machte sich eine Art Verzweiflung breit. Heute würde sie Draco nicht mehr sehen. Sie hatte das merkwürdige Gefühl, dass das verstohlene Händchenhalten nicht genügen würde, bis sie ihn morgen in Pflege magischer Geschöpfe wiedersah. Mit dem Ende der Gänsefeder strich sie sich über die Lippen und überlegte.

Plötzlich fühlte sie seine linke Hand auf ihrem Knie. Seine Finger zitterten leicht, als er sie nun ein wenig unter den Saum ihres Rockes schob. Hermine hielt den Atem an und bemerkte mit Entsetzen, wie ihre Schenkel sich automatisch öffneten. Sein Bein presste sich gegen ihres und seine Hand glitt auf die Innenseite ihres Oberschenkels.

Hermine sah ihn an. Draco stierte vor sich auf das Pergament. Seine rechte Hand umklammerte die Schreibfeder so fest, dass die Spitze schließlich abbrach. Er schien es nicht einmal zu bemerken.

»Schluss für heute«, sagte Professor Vektor und Draco zog seine Hand abrupt zurück.

Hermine sprang auf, während der Slytherin weiterhin sitzen blieb und sie keines Blickes würdigte.



Draco hatte die Hände zusammen geballt und starrte blicklos auf seine Aufzeichnungen. Die zerbrochene Feder lag mitten darauf, doch der Slytherin war unfähig sich zu rühren. Hermine war längst gegangen und auch der Rest der Klasse hatte sich auf den Weg gemacht. Professor Vektor wischte die Tafel sauber und sah erstaunt auf ihren verbliebenen Schüler.

»Ist etwas mit Ihnen, Mr. Malfoy?«, fragte sie.

»Geht schon, Professor«, antwortete Draco.

Die Lehrerin nahm ihre Tasche. »Trödeln Sie nicht zu lange, sonst verpassen Sie noch den nachfolgenden Unterricht.«

Draco brachte ein Nicken zustande und war froh, als die Lehrerin den Raum verließ. Doch etwas Gutes hatte das Gespräch gehabt: Seine Erregung klang langsam ab. Draco fühlte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg, als er daran dachte, wie er seine Hand auf Hermines Schenkel abgelegt hatte. Es hatte ihn überrascht, dass sie keine Strumpfhose trug. Auch wenn die Schule geheizt war, Pansy und Daphne trugen immer welche. Ob das bei der gut gebauten Millicent auch so war, wusste er allerdings nicht. Dort hatte er noch nie hingesehen.

Draco richtete sich auf und sammelte seine Schulsachen ein. Endlich war er in der Lage aufzustehen ohne sich zu blamieren. Als Hermine die Beine gespreizt hatte und seine Hand an ihrem Innenschenkel wie von selbst ein Stück nach oben gewandert war, war er hart geworden – sehr hart.

Draco schluckte nervös. Nie im Leben hätte er geglaubt jemals wegen Hermine Granger eine Erektion zu bekommen. Dieser Trank hatte seine Zellen komplett verseucht. Nur sein Kopf konnte noch gegen die Tatsache rebellieren mit der Gryffindor sein Leben zu teilen.

Die Osterferien rückten bedrohlich näher, in denen sein Vater ihm seine Zukunftspläne offenbaren wollte. Ein leises Stöhnen entwich ihm, wenn er an die bevorstehende Konfrontation dachte.

Das war auch ein Punkt, den er dringend mit Hermine besprechen musste. Doch zuerst stand das Quidditchspiel gegen Ravenclaw an. Er wollte es unbedingt gewinnen. Ihm war schon bitter aufgestoßen, dass er das traditionelle Eröffnungsspiel gegen Gryffindor mal wieder verloren hatte. Wenigstens ein einziges Mal hatte er Potter besiegen wollen, leider es war ihm nicht vergönnt gewesen. Aber am Samstag standen seine Chancen nicht schlecht. Slytherin hatte definitiv die bessere Mannschaft.

Draco dachte an Hermine und ein Grinsen schlich sich auf seine Züge. Sie musste ihm die Daumen drücken. Die Gryffindor wurde dazu gezwungen, wollte sie keine Schmerzen erleiden. Es tat seinem Ego gut, sie so in der Zwickmühle zu sehen. Wie schön, dass Hermine selbst kein Quidditch spielte. Es hätte ihn doch sehr gestört ihr zujubeln zu müssen.

Erheblich besser gelaunt als noch vor wenigen Minuten machte sich Draco auf den Weg zu seiner nächsten Stunde.



Hermine stützte sich mit beiden Händen auf dem Waschbecken ab. Mit trüben Augen betrachtete sie sich im Spiegel. Nach dem gestrigen Arithmantikunterricht hatte sie Draco nur noch flüchtig während der Mahlzeiten gesehen. Sie war davon überzeugt gewesen, dass eine weitere Berührung nicht nötig war.

Doch bereits mitten in der Nacht war sie von einem drückenden Gefühl im Magen geweckt worden. Es verursachte ihr jedoch keine Schmerzen. So hatte sie ihre Stirn in das Kopfkissen gepresst, sich Dracos Gesicht vorgestellt und seinen Namen gestöhnt. Danach war es ihr besser gegangen und sie hatte wieder einschlafen können.

Doch nun tat ihr Magen weh. Heute hatte sie mit dem Blonden gemeinsam Unterricht bei Hagrid. Allerdings waren dort auch andere Slytherins und aus ihrem Haus Parvati Patil. Sie konnte nur hoffen, dass auch der Halbriese von Professor McGonagall instruiert worden war und die Sache geschickt einfädelte.

Geschicklichkeit und Raffinesse waren nicht unbedingt die Eigenschaften über die der gutmütige Hagrid verfügte. Hermine beobachtete ihn deshalb zu Beginn des Unterrichts mit Argwohn. Sie hatte sich mit Schal, Mütze, Mantel und Handschuhen ausgerüstet, um der Kälte trotzen zu können.

Ein wenig unruhig stampfte Hagrid, gekleidet in seinen Mantel aus Maulwurfsfell, auf dem gefrorenen Boden hin und her, während seine schwarzen Käferaugen über die Schülerschar huschten.

Er räusperte sich: »Heute habe ich eine besondere Aufgabe für euch. Ihr sollt im Verbotenen Wald nach Schneepilzen suchen.«

»Pilze?«, fragte Theodore Nott. »Jetzt im Winter?«

»Deshalb heißen sie ja so. Sie sind ziemlich klein und haben weiße Hauben.«

»Meinen Sie vielleicht Champignons?«, warf Susan Bones von den Hufflepuffs ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit ein.

»Nein, die wachsen nicht im Winter, aber Schneepilze sehen sehr ähnlich aus.«

»Knollenblätterpilze auch«, murmelte Hermine, doch Hagrid hatte sie gehört.

»Keine Sorge, die wachsen um diese Jahreszeit auch nicht. Eine Verwechslungsgefahr ist ausgeschlossen. Außerdem werde ich eure Funde nach der Rückkehr genau begutachten.«

»Weshalb müssen wir überhaupt welche suchen?«, kam die etwas patzige Frage von Millicent Bulstrode. »Immerhin heißt das Fach Pflege magischer Geschöpfe und nicht Kräuterkunde.« Damit hatte sie ausgesprochen, was viele dachten.

»Äh – ja«, räumte Hagrid ein und strich sich über seinen Bart. »Aber die Pilze dienen als Futter für den Krokomantis, als besondere Leckerei sozusagen.«

Das war gelogen. Hermine wusste aus den Büchern der Bibliothek, dass das Tier sich von Fischen, Vögeln und gelegentlich sogar Flussdelfinen ernährte.

Draco Malfoy schnaubte. Er stand plötzlich neben Hermine und sah sie an. »Das Vieh lebt doch in Südamerika, wenn ich mich recht erinnere«, sagte er leise. »Wie kann es da englische Schneepilze fressen?«

Hermine erwiderte kurz seinen Blick und deutete ein Kopfschütteln an.

»Ich verstehe«, flüsterte er gerade, als Hagrid auch schon fortfuhr: »Immer zwei gehen zusammen in den Wald, aber nicht zu tief hinein. Jedes Pärchen nimmt sich einen der Körbe, die ich da vorne hingestellt habe. Gegen Ende der Stunde treffen wir uns alle wieder hier. Wer in Schwierigkeiten gerät, lässt aus seinem Zauberstab rote Funken aufsteigen. Alles klar?«

Die Klasse nickte. Viele fanden die Aussicht den Wald im Winter zu betreten offenbar angenehmer, als mit Hagrids Geschöpfen zu arbeiten.

»Hermine, Draco, kommt mal her ihr beiden. Und ihr anderen macht euch auf den Weg.«

Unter den erstaunten Blicken der Slytherins und Parvati Patils gingen die beiden Angesprochenen zu ihrem Lehrer, der sie abwechselnd mitleidig ansah. »Da ihr zwei die geschicktesten Schüler der Klasse seid, solltet ihr gemeinsam gehen. Viel Glück euch beiden.« Dann senkte er die Stimme und raunte ihnen zu: »Haltet euch rechts.«

Draco und Hermine vermieden es sich anzusehen. Mit einem guten Meter Abstand zwischen ihnen gingen sie auf die Körbe zu, vor denen sich schon ein Pulk versammelt hatte und stellten sich an.

»Bester Schüler, wie?«, ätzte Theodore. »Habe ich was verpasst? Granger – ja, aber die ist schon immer eine Streberin gewesen, aber du? Du bist bestenfalls mittelmäßig.«

»Der Halbriese sieht das offenbar anders«, gab Draco erbost zurück. »Wir werden sehen, wer von uns später die meisten Pilze gesammelt hat.«

Er verschränkte die Arme und sah untätig zu, wie Hermine sich einen Korb griff. Draco machte keinerlei Anstalten ihn ihr abzunehmen.

Sie folgten den anderen ein Stück und wandten sich dann nach rechts. Nach wenigen Metern nahm das Dickicht zu. Im Winter wirkte der Wald jedoch weit weniger bedrohlich. Die Laubbäume reckten ihre kahlen Äste in den Himmel und ließen die Sonnenstrahlen bis auf den Boden treffen. Der immergrüne Ilex brachte ein wenig Farbe in die winterliche Landschaft. Hier und da lag noch ein wenig Schnee an Stellen, welche die zunehmend kräftiger werdende Sonne noch nicht erreicht hatte.

Als sie ein Stück weit in den Wald hineingegangen waren, blieb Draco stehen. Aus der Entfernung waren die anderen Schüler zu hören, die ebenfalls durch das Unterholz stapften.

Der Slytherin zog einen Handschuh aus und streckte die Hand aus. Hermine verstand sofort. Auch sie entledigte sich ihres Fäustlings und ergriff seine dargebotene Rechte. Sogleich fühlte sie sich besser. Hand in Hand setzten beide ihren  Weg fort.
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