Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Unstillbares Verlangen

von Lady S
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Draco Malfoy Hermine Granger Lucius Malfoy Pansy Parkinson
16.01.2015
10.07.2015
23
88.101
343
Alle Kapitel
384 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
24.04.2015 3.832
 
Zwölftes Kapitel

Hoffnungsschimmer?



»Moment bitte«, rief Hermine und flüsterte Draco hastig zu: »Schnell, unters Bett.«

Der Slytherin rollte sich von ihr ab und war einen Augenblick später verschwunden.

Hermine stand auf. Während sie die Knöpfe ihrer Bluse schloss und sich durch das wirre Haar fuhr, schob sie Dracos Mantel mit dem Fuß unter das Bett. »Deine Schuhe noch«, wisperte sie und sah mit Erleichterung, wie seine Hand hervorkam und nach ihnen griff. Hermine bemühte sich, ein Lächeln auf ihr Gesicht zu zaubern, während sie mit zitternden Fingern den Türknauf drehte.

»Ron, was für eine Überraschung«, strahlte sie ihren Freund an. »Komm doch rein.«

Ron grinste, betrat Hermines Schlafgemach und schloss die Tür hinter sich.

In diesem Augenblick wurde ihr erst bewusst, dass sie einen schrecklichen Fehler gemacht hatte. Draco würde alles hören können, was immer Ron ihr auch erzählte. Schnell versuchte sie die Scharte auszuwetzen. »Entschuldige, ich bin noch nicht ganz da. Lass uns ins Wohnzimmer gehen.«

Ron sah plötzlich sehr enttäuscht aus und er tat Hermine leid. Er trug nun wirklich keine Schuld an ihrer komplizierten Situation.

»Wenn du meinst«, sagte er betrübt und drehte sich um. Mitten in der Bewegung erstarrte er. Sein Blick fiel auf den Besen, der neben dem Türrahmen an der Wand lehnte.

»Donnerwetter, Hermine, das ist doch ein `Nimbus 5000´, das gleiche Modell, wie auch Malfoy einen fliegt.«

»Nicht! Nicht anfassen!«, kreischte Hermine.

Draco lag unter dem Bett und knirschte mit den Zähnen. Er würde Weasley umbringen müssen, wenn der seinen Besen entweihte. Vorsichtig zog er seinen Mantel näher zu sich heran und tastete in der Tasche nach seinem Zauberstab.

Hermine stieß die Luft aus, als Ron inne hielt und die Hand zurückzog, die er bereits nach dem Besen ausgestreckt hatte.

»Was machst du mit einem `Nimbus´ in deinem Schlafzimmer?«

»Ich ... ich soll ihn auf schwarzmagische Zauber untersuchen«, stammelte Hermine. »Auftrag von Professor McGonagall zur Vorbereitung auf die UTZ-Prüfungen in Verteidigung gegen die Dunklen Künste«, log sie weiter.

Ron sah ehrfürchtig aus und Hermine hatte sofort ein schlechtes Gewissen.

»Ich glaube nicht, dass es sich wirklich um einen Besen handelt«, fuhr sie fort und versuchte zu scherzen: »Wahrscheinlich ist es in Wahrheit ein verrosteter Kessel oder so.« Ihr war, als hörte sie ein unterdrücktes Knurren unter dem Bett.

Ron hatte es offenbar auch bemerkt. Er drehte sich misstrauisch um und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. »Sag mal, du hast Krummbein doch bei deinen Eltern gelassen, oder irre ich mich?«

»Ja, ja«, beteuerte Hermine hastig. »Und ich habe auch keine weitere Katze.«

Ron zuckte mit den Schultern. »In den Osterferien fährst du doch nach Hause. Ich wollte dich fragen, ob du die zweite Woche nicht bei uns im Fuchsbau verbringen willst.«

»Danke für die Einladung, aber ich glaube, meine Eltern wollen mit mir wieder nach Südfrankreich«, erwiderte Hermine, während sie sich fahrig über die Oberarme rieb, als würde sie frieren.

»Da seid ihr doch sonst immer nur im Sommer hingefahren«, erinnerte sich Ron.

»Schon, aber mein Vater hat diesmal andere Pläne. Genaues weiß ich aber noch nicht«, behauptete Hermine, der durchaus bekannt war, dass ihre Eltern die Osterzeit in London verbringen wollten. »Lass uns vor die Tür gehen, wir können das dort viel besser besprechen«, versuchte sie Ron hinauszulotsen.

Der Gryffindor pustete sich eine rote Haarsträhne aus der Stirn. »Ich weiß nicht«, begann er zögernd. »Du wirkst irgendwie nervös.«

»Findest du?«, fragte sie und zwang sich ihn ruhig anzusehen. Wenn Ron schon ihre Angespanntheit bemerkte, dann musste sie wirklich zappelig sein. »Das liegt wohl an dem Besen und was damit zusammenhängt«, stotterte sie.

»Du bist komisch geworden in letzter Zeit, ist alles in Ordnung mit dir?« Besorgt beugte sich Ron ein Stück zu ihr hinunter.

Hermine schluckte und nickte bloß. Sie konnte jedoch nicht verhindern, dass Tränen in ihre Augen stiegen. Sogleich zog Ron sie in eine Umarmung.

»Ach, mein Minchen«, murmelte er und drückte ihr einen Kuss auf das Haar.

Ihr Magen explodierte in Schmerzen. Für einen Augenblick krallten sich ihre Finger Halt suchend an Ron fest, ehe sie ihn von sich stieß.

»Hermine, was hast du?«, rief ihr Freund entsetzt.

Die Gryffindor krümmte sich und stolperte rückwärts. »Geh jetzt«, presste sie hervor. Schweißperlen erschienen auf ihrer Stirn, während ihr Bauch von mächtigen Krämpfen geschüttelt wurde.

»Nein, ich bleibe«, sagte Ron fest. »Du bist krank, ich bringe dich jetzt zu Madam Pomfrey.« Er trat einen Schritt auf sie zu.

Hermine schleppte sich zu ihrem Schreibtisch, stützte sich einen Moment darauf ab und griff nach ihrem Zauberstab.  Entschlossen drehte sie sich zu dem Rothaarigen um. Ihre Hand zitterte wie Espenlaub, als sie die Spitze auf Ron richtete.

»Zwing mich nicht dazu«, sagte sie. »Mir geht es gleich besser. Geh einfach, ich erkläre es dir ein anderes Mal.«

Ron starrte sie tief verletzt an. »Du weißt, wie viel du mir bedeutest, nicht wahr, Hermine?«

Sie nickte stöhnend. »Gerade deshalb musst du jetzt gehen. Bitte!«

Geknickt seufzte er und schritt auf die Tür zu. »Und du bist sicher, dass du nicht krank ... »

»Raus, Ronald!«

Ron kniff die Lippen zusammen und verließ einen Augenblick später den Raum.

Bebend legte Hermine den Zauberstab zurück auf den Schreibtisch. Mit gemischten Gefühlen beobachtete sie, wie Draco unter dem Bett hervor rollte und sich aufrichtete. Mit zwei langen Schritten war er bei ihr und sah sie an. Sein Gesicht war rot vor Wut, als er sie grob bei den Schultern packte.

»Hat er meinen Besen berührt?«

Hermine schüttelte den Kopf.

Dracos Finger bohrten sich in ihr Fleisch. »Und was hat er mit dir angestellt? Du zitterst und hast Schmerzen.«

Hermine schaute zu ihm auf. Ihre Lippen bebten und weigerten sich, die richtigen Worte zu formen.

»Was er mit dir gemacht hat, will ich wissen«, wiederholte Draco scharf.

»Er ... er hat mich umarmt und auf den Scheitel geküsst«, stieß sie schließlich hervor.

»Weshalb hast du das zugelassen?«, rief Draco zornig und begann Hermine zu schütteln.

Sie hielt sich an seinen muskulösen Oberarmen fest und fauchte: »Ich habe es doch nicht absichtlich getan. Du siehst doch, dass es mir schlecht geht.«

»Geschieht dir recht«, zischte er. »Was wirfst du dich ihm auch an den Hals.«

Der Schmerz, der nach diesen Worten durch seine Eingeweide schoss, erinnerte ihn daran, dass er Hermine Unrecht tat. Doch er war außer sich, weil Weasley sie berührt hatte. Sein Geständnis, dass Hermine ihn viel bedeutete, hallte in Dracos Kopf nach. Er hatte sich schmerzhaft auf den Fingerknöchel gebissen, um sich selbst davon abzuhalten, sein Versteck zu verlassen und Weasley dermaßen zu verfluchen, dass diesem Sehen und Hören verging.

»Du gehörst zu mir, Hermine«, betonte er.

»Ja, Draco und jetzt küss mich endlich.« Hermine bot ihm ihre Lippen dar.

»Für deine Untreue sollte ich dich eigentlich noch ein wenig zappeln lassen«, knurrte er, bevor er sich auf ihren Mund stürzte.

Hermine presste sich an ihn. Sie saugte seine Unterlippe zwischen die Zähne und biss zärtlich hinein. Ihre Schmerzen verflüchtigten sich. Hermine war zwar sauer über Dracos Verhalten, doch jetzt, wo sie in seinen Armen lag, wurden alle negativen Gefühle hinweg gespült. Es gab nur noch ihn und ihr Verlangen nach seinen Berührungen.

Ihre Hände wanderten auf seine Brust, knöpften das Hemd auf und öffneten es. Draco beobachtete sie mit stark geweiteten Pupillen. Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell, als sie nun beide Hände auf ihn legte und langsam die Muskelstränge entlang fuhr. Er zuckte zusammen, als sie seine Flanken berührte und dann über den flachen Bauch strich. Plötzlich beugte sie sich vor und ihre heißen Lippen umschlossen seine Brustwarze, während ihre Zunge an dem Nippel spielte, der sich unter der Berührung hart aufrichtete.

Draco warf den Kopf in den Nacken und gab ein gutturales Stöhnen von sich. Sogleich widmete sich Hermine der anderen Brust.

Seine Handflächen legten sich auf ihre Wangen. Er entzog sich ihr und sah sie mit halb geöffnetem Mund schwer atmend an. »Hermine, hast du schon Professor Slughorns Trank genommen?«

Die Gryffindor spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Dann schüttelte sie zaghaft den Kopf.

Draco ließ seine Hände auf ihre Schultern sinken. »Du solltest ihn ab morgen wöchentlich nehmen«, sagte er rau. Kurz schloss er die Augen, ehe er fortfuhr: »Ich begehre dich so sehr. Lange werde ich nicht mehr gegen den Drang ankämpfen können, dich ganz besitzen zu wollen. Schon gar nicht, wenn ich Zeuge von Liebeserklärungen anderer Männer werden muss. Dann weiß ich vor Eifersucht nicht mehr ein noch aus.« Draco lächelte gequält.

Hermines Pulsschlag beruhigte sich langsam. Es gelang ihr, Abstand zwischen sich und ihn zu bringen. »Morgen Abend, selbe Zeit?«, fragte sie.

Draco nickte, knöpfte sein Hemd zu und zog seine Schuhe wieder an. »Eins muss ich noch wissen: Du fährst doch nicht wirklich in den Osterferien nach Südfrankreich, oder?«

»Ich bleibe selbstverständlich in London, aber ich musste Ron irgendwie auf Abstand halten«, sagte Hermine zu seiner Erleichterung.

»Die ehrenwerte und grundehrliche Miss Granger lernt das Lügen«, grinste Draco.

Hermine erwiderte es nicht. »Dank dir, und ich fühle mich verdammt schlecht dabei.«

Draco trat an sie heran und wickelte sich eine der widerspenstigen Locken um den Finger. »Wir werden allen die Wahrheit sagen. Mit meinen Eltern fangen wir an, dann kommen unsere Freunde an die Reihe. Es wird schwer werden, aber gemeinsam stehen wir das durch.«

Draco küsste Hermine flüchtig auf die Stirn und griff nach seinem Mantel. Sie öffnete das Fenster und sah wenig später zu, wie ihn die Dunkelheit verschluckte.



Am Morgen des nächsten Tages stützte sich Hermine im Badezimmer auf den Waschtisch auf und starrte in den darüber hängenden Spiegel. Auf der Ablage stand die geöffnete Phiole mit dem Verhütungstrank. Hermines Finger umfassten den Griff des Teelöffels automatisch fester, als sie nun seufzend nach dem Fläschchen griff. Langsam kippte sie es, bis fünf Tropfen der sämigen Flüssigkeit, die grünlich schimmerte, auf dem Löffel waberten. Zögernd führte sie ihn zum Mund, schloss für einen kurzen Moment die Augen und schluckte dann den Trank hinunter. Er schmeckte relativ neutral, etwas süßlich vielleicht. Hermine spülte den Löffel ab und verkorkte das Fläschchen.

Sie hatte keineswegs die Absicht, heute Abend mit Draco Malfoy zu schlafen. Doch andererseits hatte sie mehr und mehr das Gefühl, in seinem Beisein die Kontrolle zu verlieren. Sie war verrückt nach seinen Berührungen und wollte seine nackte Haut an ihrer spüren.

Hermine zog die Unterlippe zwischen die Zähne und kaute nachdenklich darauf herum. Vielleicht sollte sie nach dem Unterricht Professor Slughorn aufsuchen und ihm sagen, dass sie den Trank nun genommen hatte.

Bei Ron sollte sie sich auch für ihren gestrigen Ausbruch entschuldigen und sie musste Ginny von der neuesten Entwicklung in Kenntnis setzen. Hermine hoffte, dass ihre Freundin dafür Sorge tragen würde, dass künftig keiner aus Gryffindor abends auf die Idee käme, der Schulsprecherin einen Besuch abzustatten.

Nach dem Mittagessen setzte Hermine ihr erstes Vorhaben in die Tat um. Etwas verhalten klopfte sie an die Tür von Professor Slughorns Arbeitszimmer, die sich augenblicklich öffnete.

»Ah, Miss Granger«, sagte der Lehrer ein wenig überrascht. »Treten Sie näher. Tee? Gebäck?«

Hermine lehnte dankend ab und nahm auf dem Stuhl Platz, der vor dem dunklen Schreibtisch stand, auf dem allerlei obskure Apparaturen standen. Der Professor umrundete den Tisch und ließ sich schnaufend in den breiten Bürostuhl fallen, der mit schwarzem Nubukleder überzogen war. Hermine konnte sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen. Sie wusste natürlich um Slughorns Vorliebe für Luxusgüter und Bequemlichkeit. Bei Snape wäre ein solcher Prunk direkt nach draußen geflogen.

Professor Slughorn beobachtete seine Schülerin misstrauisch. Er legte die Fingerspitzen zusammen und begann damit, sie unrhythmisch aneinander zu tippen. »Was kann ich für Sie tun, Miss Granger?«

»Ich ... ich habe heute zum ersten Mal den Trank eingenommen«, begann Hermine zögernd, wurde rot und starrte auf den grünen Teppich, der den größten Teil des Fußbodens bedeckte.

»Ah, erst heute? Aber gut, sehr gut«, nuschelte ihr Lehrer. Einen Moment später schrak er auf: »Sie hatten doch nicht etwa schon ungeschützten Verkehr?«

Schnell versicherte Hermine ihm: »Hatten wir nicht. Ich wollte fragen, ob es normal ist, dass wir uns so zueinander hingezogen fühlen? Wenn er mich umarmt und küsst, kann ich nicht genug von ihm bekommen. Manchmal glaube ich nicht, dass diese Gefühle allein dem Trank zuzuschreiben sind.« Ängstlich sah sie ihren Professor an.

Slughorn beugte sich ein wenig über den Tisch. »Haben Sie noch Schmerzen?«

Langsam nickte Hermine.

»Dann kann ich Sie beruhigen. Ihre Gefühle sind allein durch den Trank gesteuert.«

Die Stirn in tiefe Falten gelegt, überlegte die Gryffindor einen Augenblick, ehe sie mit klopfendem Herzen fragte: »Heißt das etwa, es gibt eine Möglichkeit, den Schmerzen zu entkommen?«

Bedächtig wiegte ihr Lehrer seinen Kopf von einer Seite auf die andere. Zögernd begann er: »Professor McGonagall hielt es für unklug mit Ihnen darüber zu sprechen, da die Theorie nicht erwiesen ist und ich keinesfalls falsche Hoffnungen wecken darf.«

Aufgeregt rutschte Hermine an die Stuhlkante und richtete sich erwartungsvoll auf. Ihr gesamter Körper war angespannt. »Aber meine Fragen dürfen Sie mir doch sicherlich beantworten, wenn ich Ihnen eine Theorie unterbreite oder, Professor?«

»Die Schulleiterin hat nichts davon erwähnt, dass ich Sie anlügen soll«, grinste der Tränkemeister.

»In dem Buch, das Draco und ich in der Verbotenen Abteilung darüber gefunden haben, wurde ein gewisser Rufus Black erwähnt. Nachdem seine Frau im Kindbett starb, überlebte er nach eigenen Angaben, weil er sich in seine Partnerin verliebt hatte. Ist das wahr?«

Hilflos zuckte Professor Slughorn mit den Achseln und seufzte. »Wir wissen es nicht. Tatsache ist, dass Black den Trank eingenommen hat und nach seiner Biografie zu Beginn der Ehe auch unter den Schmerzen litt. Insofern teile ich nicht die Auffassung, dass das Gebräu nicht gewirkt hat. Ich persönlich glaube dagegen, dass wahre Liebe, sofern sie für den Tränkepartner entwickelt wird, die Schmerzen tatsächlich verschwinden lässt. Das ist natürlich bei arrangierten Ehen sehr unwahrscheinlich.«

»Sie meinen also«, fasste Hermine zusammen, »wenn Draco und ich uns ineinander verlieben würden, hätten wir keine Schmerzen mehr und jeder könnte seiner Wege gehen?«

Sofort schüttelte Professor Slughorn vehement den Kopf. »Nein, meine Liebe, ganz und gar nicht. Wenn Sie sich in Mr. Malfoy verlieben, erleiden Sie keine Schmerzen mehr und wahrscheinlich würden Sie bei seinem Tod weiterleben. Aber Sie müssen auf jeden Fall zusammen bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie sich einer anderen Person zuwenden oder auf Dauer alleine sein können, wenn der andere noch lebt. An dem Ergebnis Ihres Bündnisses mit Mr. Malfoy ändert sich nichts, nur das Damoklesschwert des gemeinsamen Todes schwebt nicht mehr über Ihnen.«

Enttäuscht sackte Hermine in sich zusammen. »Die Chance, dass wir uns ineinander verlieben ist ohnehin gleich Null.«

»Wohl wahr«, stimmte der Professor zu, »aber andererseits heißt es auch, Gegensätze ziehen sich an und einen größeren als Sie und Mr. Malfoy kann ich mir im Moment nicht vorstellen.«

»Was ist denn, wenn nur einer von beiden Liebe für den anderen empfindet?«

»Keine Ahnung, Miss Granger. Ich nehme mal an, dass derjenige dann keine Schmerzen mehr hat, während der andere weiterhin die regelmäßige Nähe suchen muss. Aber wie gesagt, es handelt sich hierbei lediglich um Vermutungen meinerseits.«

Trübsinnig starrte Hermine auf den ringförmigen Fleck, den ein Wasserglas auf der polierten Schreibtischplatte hinterlassen hatte. Im Moment entschloss sich ihr noch nicht, was Professor Slughorns Mutmaßungen wirklich für sie bedeuteten. Sie änderten nichts an der Tatsache, dass sie mit Draco zusammenbleiben musste, egal ob aus Zwang oder aus freien Stücken. Nie würde der Slytherin sich in sie verlieben und er war ihr ebenso zuwider. Hermine ertappte sich bei dem Gedanken, dass dies so nicht stimmte. Gut, eigentlich war sie verrückt nach ihm, aber solange sie Schmerzen hatte, konnte sie sicher sein, dass diese Gefühle allein auf den Trank zurückzuführen waren.

»Professor?«, brach sie schließlich das Schweigen. »Wie viele Tage kann ich von Draco getrennt sein, nachdem wir miteinander geschlafen haben?«

»Zunächst keinen, fürchte ich«, antwortete Horace Slughorn traurig. Hermines entsetzten Gesichtsausdruck ignorierend fuhr er fort: »Erst wenn Sie öfter zusammen waren, wird der Trank Ihnen erlauben, sich ein oder zwei Tage nicht zu sehen. Mit Blick auf die heranrückenden Ferien rate ich Ihnen deshalb dringend, diese letzte Barriere niederzureißen. Sicherlich werden Sie getrennt voneinander wohnen und sich nur heimlich treffen können. Das Risiko der Entdeckung nimmt ab, je seltener Sie sich sehen müssen.«

Paralysiert nickte Hermine. Sollte es heute Abend schon soweit sein? Sie fühlte sich keinesfalls bereit dazu.



Derweil saß Draco im Gemeinschaftsraum der Slytherins und grübelte über den Hausaufgaben in Zaubertränke. Gedankenverloren strich er sich mit dem Ende der Gänsefeder über die Wange. Heute Abend musste er wieder zu Hermine. Ob er sie einfach nach der Lösung fragen sollte?

Unwillkürlich grinste er. Die Gryffindor würde sicherlich die Augen verdrehen, wenn Draco sie nun auch noch wegen der Hauaufgaben löchern würde. Er wusste, dass sie Potter und Weasley schon während der gesamten Schulzeit dabei unterstützte.

»Wenn du weißt wie es geht, verrätst du es mir dann?«, riss Pansy ihn aus seinen Überlegungen.

Überrascht sah Draco auf. Seine Hauskollegin, die sich ebenfalls mit den Hausaufgaben abmühte, hatte er vollkommen ausgeblendet. »Ich habe an etwas anderes gedacht«, gab er deshalb zu. »Doch wenn ich die Lösung habe, kannst du sie gerne abschreiben.«

»Ehrlich?«, fragte Pansy skeptisch. »Einfach so?«

»Ja, weshalb denn nicht?«

»Na, hör mal, Draco«, schnaubte die Slytherin und warf ihre dunklen Haare zurück. »Du hast mir noch nie etwas umsonst gegeben, noch nicht einmal, als wir noch zusammen waren. Immer musste ich für dich kleine Dienste erledigen oder dir den Rücken kraulen oder so was.«

»Diesmal nicht«, meinte Draco lapidar und beugte sich wieder über seine Aufzeichnungen.

»Bist du in jemanden verliebt?«

Pansys Frage ließ Draco hochfahren. »Wie kommst du darauf?«

Die blauen Augen des Mädchens musterten ihn kritisch. »Warum antwortest du nicht einfach, anstatt dich mit einer Gegenfrage herauszureden?«

Draco zog verärgert die Brauen zusammen. »Ich bin in niemanden verliebt. Wie du sicherlich weißt, wäre das denkbar schlecht, weil mein Vater gerade dabei ist, mir eine Braut auszusuchen.«

Ihm entging nicht Pansys erleichtertes Aufatmen. »Weißt du etwa mehr als ich?«, fragte er alarmiert.

»Falls du damit meinst, ob ich eine Ahnung in Bezug auf deine Zukünftige habe – nein«, erwiderte die Slytherin und fuhr in leichtem Plauderton fort: »Wirst du denn die Wahl deines Vaters klaglos akzeptieren?«

»Kommt darauf an, wer ihm vorschwebt«, antwortete Draco vorsichtig und griff nach dem Buch Zaubertränke für Fortgeschrittene von Libatius Borage. »Bei Millicent würde ich sicherlich Veto einlegen«, scherzte er.

Ein höfliches Lächeln glitt über Pansys Züge. »Angenommen, du würdest dich in eine Klassenkameradin verlieben, würdest du versuchen deinen Vater von ihr zu überzeugen?«

Der lauernde Unterton sagte Draco, an wen Pansy dabei dachte. Am liebsten hätte er im Kreis gegrinst, wenn sie nur wüsste. So versteckte er sein Schmunzeln hinter dem Schulbuch und antwortete mit Blick auf die Zeilen: »Wenn es je einem Mädchen gelänge mein Herz zu erobern, dann würde ich mit allen Mitteln um sie kämpfen.«

Aus den Augenwinkeln sah er, dass Pansy regelrecht von innen heraus zu leuchten schien. Hoffentlich hatte er jetzt keinen Fehler gemacht und falsche Erwartungen in ihr geweckt. Selbst wenn er nicht an Hermine gebunden wäre, Pansy würde niemals eine Chance bei ihm haben.



»Rosenblüte«, sagte Hermine mit fester Stimme. Das Bild der fetten Dame schwang zurück und gab den Zugang zum Gryffindorturm frei.

Dean Thomas und Seamus Finnigan fläzten sich auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum, sonst war niemand anwesend.

»Oh, welch seltener Besuch, hallo Hermine«, grüßte Dean und Seamus stimmte mit ein.

»Hi, ihr beiden. Wisst ihr wo Ron und Harry sind?«, fragte Hermine.

Mit ausgestrecktem Zeigefinger deutete Seamus nach oben. »Sie sind im Schlafsaal. Geh´ ruhig rein, außer ihnen ist niemand da.«

Hermine bedankte sich mit einem Nicken und stieg die Treppen nach oben. Zunächst ging sie zum Schlafsaal der Mädchen, doch Ginny war nicht da. Kurz zögerte sie, ob sie das Gespräch mit ihren Freunden nicht verschieben sollte, entschied sich aber dagegen. Sie würde Ginny bei nächster Gelegenheit informieren. Energisch klopfte sie an die Schlafsaaltür und ohne eine Aufforderung abzuwarten, drückte sie die Klinke hinunter.

Ron und Harry sahen bei ihrem Eintreten auf. Sie saßen auf Rons Bett und Harry tätschelte gerade ein wenig hilflos den Oberarm seines Freundes.

»Hermine«, sagten beide wie aus einem Mund. Der eine sah erleichtert aus, der andere immer noch gekränkt.

»Ich bin gekommen, um mich zu entschuldigen«, erklärte sie und trat näher.

Die Miene Ron Weasleys hellte sich bei diesen Worten auf. Hermine setzte sich auf Harrys Bett, ihren beiden Freunden gegenüber. Abwechselnd sah sie den jungen Männern fest in die Augen.

»Im Moment geht es mir nicht besonders gut und ich leide unter starken Stimmungsschwankungen«, begann sie.

»Ist mir aufgefallen«, brummte Ron.

»Psst«, verlangte Harry, »unterbrich sie jetzt nicht.«

Dafür warf ihm Hermine einen dankbaren Blick zu, ehe sie fortfuhr: »Es sind nicht nur die UTZ-Prüfungen, die mir Sorgen bereiten. Dummerweise habe ich eine Sache zu gut gemacht und die Wirkung des Zaubers hat für mich ungeahnte Folgen.«

Sie stockte kurz und bekämpfte den Kloß im Hals, als sie Harrys besorgten Gesichtsausdruck sah. »Ich habe mich aus diesem Grunde bereits an Professor McGonagall gewendet.«

»Hattest du deshalb den schwarzmagischen Besen bei dir stehen?«, warf Ron ein.

»Äh – ja, der hat auch etwas damit zu tun. Jedenfalls ist McGonagall an der Sache dran, aber ich darf euch noch nichts sagen. Nach den Osterferien werdet ihr die Wahrheit erfahren«, sagte Hermine und setzte für sich in Gedanken hinzu, falls sie die überleben würde. »Dann werdet ihr auch verstehen, weshalb ich manchmal überreagiere. Eine weitere Nebenwirkung des Zaubers ist, dass ich nicht berührt werden darf. Ein Händedruck oder so ist in Ordnung, aber keine Umarmung und schon gar keine Küsse. Verstanden, Ron?«

Der Rothaarige saß da wie vom Donner gerührt. »Hast du dich mit dunkler Magie beschäftigt und dabei ist etwas schief gelaufen?«

»So ungefähr«, nickte Hermine. Beide Jungs sogen zischend die Luft ein.

»Hermine, weshalb hast du das allein versucht?«, fragte Harry vorwurfsvoll.

»Ich durfte doch keine Hilfe von euch annehmen. Es war die Aufgabenstellung eines Lehrers, der die möglichen Konsequenzen schlichtweg unterschätzt hat«, antwortete sie und bemühte sich, ihre Stimme nicht jammernd klingen zu lassen.

»Aber es wird doch alles wieder gut werden, nicht wahr, Mine?«

»Ron, ich ... Wir müssen einfach die nächsten Wochen abwarten. Bitte, ich weiß, dass ich jetzt sehr viel von euch verlange, aber lasst mich einfach in Ruhe. Nehmt während der Ferien keinen Kontakt zu mir auf. Sollte ich euch brauchen oder wissen, wie ihr mir helfen könnt, dann schicke ich euch eine Eule. Aber bitte, bedrängt mich nicht und lasst mir die Zeit. Werdet ihr mir das versprechen?«

Gespannt beobachtete Hermine ihre Freunde, während sie ihre Hände fest in ihrem Schoß verknotete. Auf ihren Gesichtern spiegelten sich so viele Empfindungen. Die Hexe glaubte Befremden, Bestürzung, Verwirrung und Furcht auf ihnen zu lesen.

»Wenn es dir so wichtig ist«, begann Harry nach einer Weile zögernd. Zur Bekräftigung nickte Hermine heftig.

»Also gut, dann machen wir, um was du uns bittest, einverstanden, Ron?«

»Aber nur, wenn du uns auch etwas versprichst«, erwiderte der. »Du erklärst uns alles nach den Osterferien und du rufst uns zu Hilfe, falls du in Schwierigkeiten stecken solltest.«

Für einen Moment presste Hermine die Lippen fest aufeinander, ehe sie mit gekreuzten Fingern hinter den Rücken dem Handel zustimmte.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast