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Gruppe 14: Vergessene Vergangenheit?

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
14.01.2015
14.01.2015
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Kapitel 2 - baronesse


„Shhh.“ Luke strich ihr über den Rücken, verfing sich in den langen, blonden Haaren und wünschte sich, er hätte eben mit den Jungs noch wesentlich mehr getrunken oder hätte sich von Lance und Ian überreden lassen, länger zu bleiben. Dann wäre er jetzt nicht hier, dann hätte Clint nie das Wimmern gehört und sie wären nicht von der Hauptstraße in die kleine Nische abgebogen.
Und sie hätten Lucy nicht gefunden, das Relikt aus seinem früheren Leben. Er hatte sich so viel Mühe gegeben, es hinter sich zu lassen. Aber – und da sank ihm das Herz in die Hose – er wusste genau, dass er es jetzt nicht übers Herz bringen würde, sie einfach abzuschieben und jemand anderem zu übergeben, der ihr helfen sollte. Einst waren Lucy und er in derselben Welt zuhause gewesen, hatten viel miteinander geteilt, sich sogar geliebt, dachte er eine Weile, aber die Kreise, in denen sie damals unterwegs gewesen waren, hätten sie früher oder später beide zerstört.
Luke hatte das gewusst. Er war gegangen, hatte selbst das Loch in sein Leben gerissen, aber beschlossen, dass es besser war, damit zu leben als ein paar Fuß unter der Erde zu landen, vorzugsweise weit weg draußen, wo kein Kreuz und kein Grabstein daran erinnerten, wer hier lag. Nein, er hatte die Notbremse gezogen, aber offensichtlich keinen so klaren Cut gemacht, wie er gedacht hatte.
„Was machst du hier?“, versuchte er aus ihr herauszukriegen, aber Lucy wimmerte nur leise. Sie stand unter Schock oder vielleicht auch unter etwas anderem, so genau konnte er das nicht sagen.
„Geht es ihr gut? Sollen wir einen Krankenwagen rufen?“ Clints Hand, die sich schwer auf seine Schulter legte und dann die Jacke über Lucys Schultern zog, da sie nur in einem dünnen Top unterwegs war. Wie war sie überhaupt hergekommen? Luke sah weder eine Handtasche noch sonst etwas bei ihr, sie hatte einfach nur da gekauert in der Ecke, mit Jeans, hochhakigen Schuhen und Top, ein Häufchen Elend und mitleidserregend.
Ihm wurde eiskalt. Mitleid – nur wessen? War es eine Falle?
Ruckartig schoss sein Kopf herum, er war nicht töricht genug zu glauben, dass Lucy das einzige aus seinem alten Leben war, was ihn wiedergefunden hatte. Sie mochte hübsch sein, aber die hellste war sie nie gewesen. Nein, wenn, dann steckte jemand anderes dahinter.
„Clint, es ist schon okay. Alles okay“, versuchte er die Situation zu entschärfen, aber sein neuer bester Freund hatte was das anging einen siebten Sinn. Er wusste meistens, wie es in Luke aussah und er spürte instinktiv, dass dies hier alles andere als in Ordnung war. Dennoch war er niemand, der als allererstes schrill nach der Polizei rief, vielleicht ahnte er auch, dass sein Freund eine dunkle Vergangenheit hatte.
„Okay“, stimmte Clint zu. „Warum beeilen wir uns nicht, und schauen, ob wir dieses Taxi noch kriegen und fahren zu mir?“ Das war alles, was er sagte, aber sein Blick forderte noch mehr. ‚Dann erzählst du, woher du sie kennst, wer sie ist, was dich beunruhigt. Ist jemand hinter ihr her? Ist jemand hinter DIR her?’
In der Hinsicht konnte Luke froh sein, dass es Clint war, der mitgekommen war, denn ihm schien man den Alkohol des Abends nicht mehr anzumerken. Besser als Ian oder Mark oder Lance, die besser in der Kneipe aufgehoben waren. Sollten sie doch weitertrinken, bis der Laden schloss. Was vermutlich bald war, es ging auf halb drei zu und dies war keine Partymeile.
„Lucy, komm, alles ist gut“, murmelte er und führte sie langsam aus der Nische weg auf die Hauptstraße vor dem Bahnhof zu, wo sie sicher noch ein Taxi finden würden. Ein paar Schritte war alles gut. Lucy schien nicht ganz mitzubekommen, wo sie war und ließ sich willenlos führen, sie torkelte ein wenig, obwohl er keinen Alkohol in ihrem Atem riechen konnte. Zu gern hätte er ihre Arme auf Einstichstellen kontrolliert, aber es gab gewisse Dinge, mit denen er Clint nach Möglichkeit niemals konfrontieren wollte. Freunde waren schön, Freunde versüßten ihm sein neues Leben, was ansonsten fast nur aus Arbeit bestand, aber er würde nie mehr den Fehler machen, seinen Freunden alles zu erzählen, denn Wissen ist Macht und macht abhängig.
Dann traf das grelle Licht der Straßenlaternen und der Neonröhren mit den Bahnhofsbuchstaben auf Lucys Netzhaut und sie begann zu kreischen und sich zu wehren. „Nein“, schrie sie, „nein, nicht das. Nicht dort!“
Irritiert blickten Luke und Clint sich an. „Es ist doch nur ein Taxi …“, begann Clint langsam, aber Luke war sich da nicht so sicher. Er hatte genug gesehen um das Schlimmste zu befürchten und sein Puls schlug nun viel zu schnell. Sie mussten hier weg und so gern er Lucy einfach zurückgelassen hätte, sie war in größerer Gefahr als er.
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