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Zwei Seiten einer Medaille

von Nairalin
Kurzbeschreibung
DrabbleAllgemein / P6 / Gen
14.01.2015
14.01.2015
1
1.404
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
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14.01.2015 1.404
 
Huhu,

hier ist mein Wichtelgeschenk für  GanondorfDragmiere zum Wichteln Winter-Drabbles von mir. Ich hoffe, es gefällt dir!

Vorgabe:

Drabbleform: Quad-Drabble = 400 Worte. Akzeptiere aber auch ein Drabble, Double-Drabble oder Triple-Drabble. Bevorzugt jedoch Quad. Ob es ein OS ist oder eine längere Geschichte ist mir völlig egal.
Max. erwünschtes Rating: P6. Sollte es gar nicht machbar sein, so gebe ich mich auch mit einem P12 oder P16 zufrieden, bevorzugt jedoch P6.
Fandom:Bitte ausschließlich eine Freie Arbeit.
Sonstiges: Als Winterkind und Winterliebhaber, wünsche ich mir eine winterliche Geschichte. Wie dies umgesetzt wird, ist mir relativ egal. Hauptsache es ist weder aus der Sicht eines weiblichen Charakters geschrieben, noch kommt ein solcher irgendwie vor.
Mit dem Winter assoziiere ich Kälte, Schnee, Schneeball/Schneebälle, Schneeballschlacht(en), Eis/Eiszapfen, zugefroren/zugefrorenes, verschneit, trist, grau, Trostlosigkeit, Stille, eiskalt, eisig, Schneesturm, Schneeflocken, knirschend, Glatteis.
Vielleicht ist da ein Wort oder ein Ideenanreiz dabei.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



James lehnte sich über das Geländer der Brücke und atmete tief ein. Die Luft war eisig kalt und Dunstwölkchen stiegen mit jedem Ausatmen empor. Es war tiefster Winter und der Schnee lag erstaunlich hoch, dafür dass er in der Nähe von Edinburgh war. Nachdenklich sah er hoch und ignorierte das blendende Weiß des Schnees und des bläulichen Mondes, um die Sterne genauer zu betrachten.

Das silberne Juwelennetz am Himmel hatte eine nahezu magische Wirkung auf ihn und er genoss jede Sekunde trotz der klirrenden Kälte. Leise begann er zu summen und dachte nur an den kommenden Morgen, der noch weit in die Ferne rücken konnte. Es war eine von vielen Gerichtsverhandlungen, doch James konnte den Klient nicht im Ansatz ausstehen. Fionn würde darüber lachen, aber Eoin Allington, sein Klient, war der typische aalglatte, englische Bastard. Er gab sich als schottisch aus, doch war er durch und durch ein Engländer, der auf sie herabsah.

James fragte sich wirklich, wie er sich den Fall hatte aufdrücken lassen können. Andererseits hatte er schon immer Probleme gehabt, Fionn etwas abzuschlagen, was dieser wollte. Sein Cousin hatte eine Art, der er nicht wiederstehen konnte. Ein Blick aus den silbergrauen Augen und er schmolz, was ihn viel zu sehr ärgerte.

"Jamie", kam es plötzlich von links und erschrocken drehte er sich um. Sein Cousin stand dort mit dem verschmitzten Lächeln und kam auf ihn zu.

"Was machst du hier?", fragte James missmutig und starrte nun hinunter zu der zugefrorenen Oberfläche des Baches unter ihm. Er hatte keinerlei Lust sich jetzt zu unterhalten, sondern wollte einzig die beruhigende Stille und Kälte genießen.

"Nach dir suchen", meinte Fionn leise und stellte sich neben ihn. "Ich kann morgen übernehmen, wenn es dir so zuwider ist." James schnaubte nur und richtete sich auf, bevor er die Hände in die Manteltaschen steckte. Das dunkle Haar wurde ihm vom Wind, der langsam zu wehen begann, ins Gesicht geblasen und er seufzte. "Ich werde dich sicher nicht dazu zwingen, dass du dich mit Allington auseinandersetzen musst." James schwieg nur schielte erst zur Seite, als sein Cousin seinen Arm berührte.

"Ich meine das ernst."

Statt zu antworten, schaute James hoch und musterte nur erneut die Sterne. Brummend ließ er zu, dass der Jüngere sich an ihn schmiegte. Er spürte das Zittern und konnte sich ein Lächeln nicht komplett verkneifen. Fionn war schon immer eine Frostbeule gewesen.

James legte einfach nur den Arm um ihn.


~*~



Schmunzelnd zog er das Buch aus dem Regal, welches Fionn verzweifelt versucht zu erreichen. Die anderthalb Kopf Größenunterschied waren nur zu oft amüsant und es war seine süße Rache für die Übernahme des Allington-Falls. Sein Cousin funkelte ihn vernichtend an und nahm den Kodex an sich, bevor Fionn sich auf den Fersen umdrehte und zum Schreibtisch ging.

Die Kanzlei glich heute einem Bienenkorb und James wusste, dass sich daran nicht viel ändern würde. Allington war durchaus publik bekannt und man fieberte dem Prozess entgegen. Er selbst würde dem Engländer nur zu gerne ein negatives Urteil wünschen, würde es nicht auch ihren Ruf gefährden. James hatte nicht Jahre investiert um mit Fionn die Kanzlei aufzubauen, nur um durch einen arroganten Idioten ihre tadellose Reputation zu verlieren.

"Du hast alles Benötigte?", wurde er gefragt und James nickte nur, auch wenn sich sein Mund widerwillig verzog. "Ich kann immer noch mitkommen oder überhaupt statt dir gehen."
"Es ist schon gut", meinte er halbherzig und betrachtete für einen Augenblick seinen goldblonden Cousin. Besorgt wurde er gemustert.

"Sicher?"

"Selbstverständlich", antwortete James nur und sah ihn beruhigend an. Er packte alles in seine Aktentasche und ging mit einem Nicken.

Nach einer halben Stunde erreichte er das Gerichtsgebäude, wo bereits die Presse wie gierige Haie darauf wartete, dass sie einen Blick auf Allington oder den Gegner erhaschen konnten. Mit stoischer Miene durchschritt James die Menge und ignorierte das Blitzlichtgewitter. Allington erwartete ihn bereits im Eingangsbereich, geschniegelt und herausgeputzt. James verkniff sich nur das Schnauben.

Gemeinsam gingen sie zum Gerichtssaal, während er dem Mandanten alles erklärte und nochmals fragte, ob er ihm alles gesagt hatte, was wichtig sein könnte. James wurde das Gefühl nicht los, dass ihm Allington etwas verschwieg.

Der Prozess begann und der Richter setzte sich. James wurde leicht nervös, auch wenn er den Grund nicht ganz zuordnen konnte. Der Staatsanwalt verlas die Anklage und als James zum Kläger sah, konnte er ein wissendes Lächeln auf dessen Lippen erkennen. Etwas entging ihm.

Und so war es auch. Egal was James vortrug, es wurde niedergeschmettert und zu seinem Entsetzen wurden Beweise plötzlich vorgebracht, die er nicht kannte. Der Bastard hatte sie ihm verschwiegen...

James verlor den Prozess und er konnte Allington nur fassungslos anstarren, der ihn finster musterte.

"Wieso haben Sie mir das verschwiegen?!", wisperte James ihm zu, bevor die Polizeibeamten seinen Mandanten abführten. Doch Schweigen war seine Antwort und er konnte nur entsetzt den Kopf schütteln.


~*~



Ein Schneeball traf ihn und wütend drehte James sich um. Fröstelnd versuchte er den Schnee aus dem Kragen zu bekommen, während Kindergelächter erklang.

"Caleb!", knurrte er nur und ging auf seinen neunjährigen Sohn zu, der lachend das Weite suchte. Aber bevor James ihn erwischen konnte, traf ihn erneut ein Geschoss. So schnell konnte er nicht reagieren, wie er wieder beworfen wurde.

Blitzende silbergraue Augen schauten ihn an und  Fionn lachte erheitert.

"Komm schon, Jamie!"

Fionn stand direkt vor ihm und der Schalk stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
"Allington ist selbst schuld. Er hätte uns nicht verschweigen dürfen, dass es noch weitere Beweise gab, die der Anwalt der Klage-Partei vorzubringen gedachte. Lass dir bitte nicht die Laune und das schöne Wetter durch ihn verderben!", wurde ihm gesagt und James seufzte.

"Unsere Rep-" "Das wird sich regeln und wir werden auch das überleben!", unterbrach Fionn ihn. Bis ein Schneeball Fionn direkt am Ohr erwischte und er sich blinzelnd den Schnee wegwischte. James konnte sich ein Glucksen nicht verkneifen. Dieses Mal drehte er sich um und lief seinem Sohn hinterher, der lachend versuchte, ihm zu entgehen. Was ihm nicht wirklich gelang und James ihn erwischte und herumwirbelte.

"Ich hab dich lieb, Daddy!", wisperte sein Sohn und James lächelte.

"Man bewirft seinen Daddy nicht mit Schnee, Caleb!", tadelte er gespielt ernst. Ein unschuldiges Lächeln zierte das Gesicht des Jungen und James verdrehte nur die Augen, bevor er seinen Sohn wieder absetzte und laufen ließ. Caleb liebte das kalte Wetter und den Schnee wie kaum etwas anderes.

"Wir bleiben aber bitte nicht zu lange hier draußen", erklang es leise neben ihm und James lachte.

"Frostbeule!", frotzelte James und atmete die frische, kalte Luft tief ein. Fionn rieb sich die Arme und stellte sich enger zu ihm.

"Du weißt ganz genau, dass ich Kälte nicht mag, seit Ryan mich als Kind in die alte Holzhütte gesperrt hat!"

Kurz verzog James bitter das Gesicht. Sein ältester Cousin Ryan hatte es lustig gefunden, Fionn als Siebenjährigen mitten im tiefsten Winter für mehrere Stunden in die Hütte einzusperren. Fionn hatte damals nur eine dünne Jacke angehabt und wäre erfroren, wenn nicht zufällig Cian, sein älterer Bruder, und er selbst mit ihrem Wolfshund dort vorbeigekommen wären.

James legte den Arm um Fionns Schultern und zog ihn zu sich, während er Caleb beobachtete, der mittlerweile einen Schneemann baute.

Vergessen war der Prozess und James genoss die Zeit hier im Schnee.
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