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Die Ewigen Kinder

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
13.01.2015
27.02.2015
2
2.780
1
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27.02.2015 1.885
 
Hallo ihr^^
Nach längerer Wartezeit und einigen Veränderungen im Wettbewerb, der jetzt ein Projekt ist, geht es hier auch wieder weiter :)
Vielen herzlichen Dank schon einmal an drei Favoriteneinträge^^
Ich hatte in einem derart überlaufenen *hust* Fandom nicht damit gerechnet, von daher: <3
Ab sofort geht es dann monatlich weiter, jeweils zum 1. gibt es einen neuen Satz, der verbaut wird, und nach 12 Monaten werde ich sehen, wo ich hier stehe^^
Euch allen wünsche ich schonmal viel Spaß mit dem Ergebnis ;)
Und vielen Dank wieder an baronesse fürs betan <3
Also, viel Vergnügen! ;)









Der Ruf der Herrin


Die undurchdringlichen Schatten huschten lautlos durch die Dunkelheit. Sie waren kaum zu sehen, als sie im Schutz der Nacht den Wald verließen, das Heideland dahinter überquerten und sich bald darauf dem Hof näherten. Als die Hunde aufmerksam die Köpfe hoben, hielten sie inne.
Meronir trat zwischen den Waldläufern, die ihn begleiteten, hervor und löste mit einem kurzen Impuls an die Winde der Magie den Zauber, der sie umgeben hatte. „Wartet hier“, befahl er leise, ehe er auf das Tor zuschritt, das den Bauernhof vor Eindringlingen schützen sollte.
Es bereitete ihm keine Mühe, es zu öffnen. Mit einer Handbewegung ließ er einige Wurzeln nach seinem Willen aus der Erde hervorkriechen. Sie drangen in das Schloss ein und kurz darauf sprang es mit einem leisen Klicken auf.
Die Hunde liefen schwanzwedelnd an seiner Seite, während Meronir den Innenhof durchquerte und zielstrebig auf das Haupthaus zuschritt. Vor den Fenstern an der Südseite blieb er stehen und blickte hinauf.
Er spürte die sanften Erschütterungen in den Winden. Ein kaum sichtbares Lächeln glitt über sein Gesicht. Hier musste sie sein.
Mit einigen leisen Worten auf den Lippen breitete er die Arme aus und ließ sich von den Wurzeln, die sich auf seinen Befehl hin um seine Arme wanden, hinauf zu dem Fenster tragen, hinter dem er das Mädchen vermutete, wegen dem er hier war.
Sie schlief friedlich in ihrem Bett. Das Mondlicht fiel auf ihr junges Gesicht und ließ ihre Haut in einem fahlen Ton leuchten.
Meronir ließ sich lächelnd auf dem Fenstersims absetzen und schob mit sanftem Druck die Flügel des Fensters auseinander. Sie öffneten sich mit einem leisen Quietschen und ließen den unangekündigten Besucher ein, ohne das schlafende Kind zu wecken.
Er trat an das Bett heran. „Zeit zu gehen, kleine Maid“, flüsterte er.

„Marie? Marie! Steh auf, es ist spät!“, rief Cecile die Treppe hinauf. Nichts rührte sich. Sie schüttelte seufzend den Kopf.
Jeanne lächelte. „Lass nur, Schwester“, meinte sie. „Ich werde sehen, wo sie bleibt. Kümmer du dich nur schon einmal um die Kühe, wir kommen gleich nach.“
Cecile sah sie unschlüssig an. „Du solltest das nicht tun“, bemerkte sie zum wiederholten Mal. „Du bist eine Dienerin der Herrin des Sees, eine Maid im Heer des Herzogs. Du solltest nicht hier sein und den Schweinen Futter in den Trog streuen.“
„Ich bin gerne hier, Cecile, und ich bin genau wie du die Tochter eines Bauern. Ich bin damit aufgewachsen, Schweine zu füttern und Kühe zu melken. Warum sollte ich mich vor diesen Arbeiten scheuen, wenn ich hier bin, nur weil ich seit ein paar Jahren im Dienst unseres Herrn stehe?“, erwiderte sie.
„Weil es sich für eine bretonische Maid nicht schickt, mit dem einfachen Volk zu verkehren“, entgegnete Cecile spitz.
Jeanne seufzte. „Wie du meinst. Ich gehe jetzt trotzdem nachsehen, wo meine Nichte vom einfachen Volk abgeblieben ist. Zwölfjährige Mädchen lösen sich schließlich nur selten einfach in Luft auf.“ Mit diesen Worten wandte sie sich zur Treppe, die hinauf zu den Zimmern führte, in denen ihre Familie schlief.
Sie wusste, dass ihre Schwester ihr einen missbilligenden Blick hinterher warf. Es war nun etwas mehr als zwölf Jahre her, dass Jeanne selbst einfach über Nacht verschwunden war. Niemand hatte gewusst, wohin, auch sie selbst konnte es nicht sagen. Vor sieben Jahren war sie schließlich ohne Ankündigung auf dem Hof wieder aufgetaucht. Albert hatte sie morgens schlafend in der Stube gefunden. Sie hatte keine Erinnerung an das, was in den fünf Jahren dazwischen geschehen war. Sie war einfach wieder da gewesen, als sei nichts geschehen – mit dem kleinen Unterschied, dass sie die seltsamen Kräfte, die ihr schon von Kindheit an inne gewohnt hatten, nun kontrollieren konnte.
Jeanne war zu dem geworden, was man eine Maid nannte: Eine Magierin, eine Zofe der Herrin des Sees, die mit der ihr gegebenen Macht ihre Heimat ebenso verteidigte, wie die Ritter des Königs.
Für sie machte es trotzdem keinen Unterschied, dass ihre Familie aus einfachen Leuten bestand. Dass sie eine Maid war, änderte nichts. Cecile verstand das nicht und versuchte, sie wie eine Gesandte des Königs selbst zu behandeln, doch Jeanne tat das mittlerweile mit einem Lächeln ab. So war ihre Schwester eben.
Albert war da anders. Auch für ihn war Jeannes Stand als bretonische Maid kein Grund, ihr mehr Respekt entgegen zu bringen – eher im Gegenteil. Cecile zuliebe verbot er ihr nicht, auf den Hof zu kommen, aber wenn sie da war, ignorierte er sie, so gut es ging. Jeanne konnte es ihm nicht einmal wirklich übel nehmen. Was mit ihr geschehen war, war schwer zu verstehen und für ihn kam es Hexerei gleich.
Mit einem Seufzen öffnete sie die Tür zur Kammer ihrer Nichte. „Marie, es ist Zeit. Deine Mutter wird dir die Ohren lang ziehen, wenn du nicht bald...“
Sie erstarrte mitten in der Bewegung.
Das Bett, in dem Marie schlief, war leer. Die Decke war zurückgeschlagen, doch das Mädchen war nirgendwo im Zimmer zu sehen. Die Vorhänge wehten in einer sanften Brise, die von draußen herein drang, weil das Fenster offen stand.
„Oh nein...“
Jeanne eilte zum Fenster und sah hastig nach draußen. Die Befürchtung, Marie könnte gestürzt sein, bewahrheitete sich jedoch nicht. Im blassen Licht der aufgehenden Sonne lag der Innenhof vor ihr, in dem die Hunde vor sich hin dösten. Noir, die Hündin, die Marie seit ein paar Jahren treu zur Seite stand, hob den Kopf und sah schwanzwedelnd zu Jeanne hinauf.
Die junge Frau trat zitternd einen Schritt zurück.
War es das, was mit den Kindern geschah, die verschwanden? Schickte die Herrin einen der Ihren, um sie zu ihr zu bringen?
Wie ein fernes Echo huschte eine Erinnerung durch ihren Kopf, doch die Bilder ließen sich nicht greifen. Trotzdem spürte Jeanne instinktiv, dass es eine Verbindung zu der Nacht gab, in der sie selbst verschwunden war.
Sie wirbelte herum und stürmte aus dem Zimmer.
„Cecile!“
Sie hastete die Treppe hinab.
„Cecile! Sie ist fort!“
Jeanne rannte in die Küche, wo ihre Schwester gerade das Feuer schürte, ehe sie mit einem Eimer hinüber zu den Kühen wollte.
Cecile richtete sich verwirrt auf und sah ihre jüngere Schwester an. „Wovon sprichst du?“
„Sie ist fort, Cecile!“ Jeanne war außer sich. „Marie ist fort!“
Der Schürhaken fiel klappernd zu Boden.

Binnen weniger Minuten war der ganze Hof in hellem Aufruhr. Alle, die konnten, suchten nach Marie. Ihr Name wurde in jedem Winkel gerufen, doch das Mädchen blieb unauffindbar.
Jeanne saß mit Cecile in der Stube und hielt sie behutsam fest. Ihre Schwester zitterte am ganzen Körper. „Keine Sorge, sie wird schon wieder auftauchen...“, murmelte sie, obwohl sie selbst nicht davon überzeugt war. Eine seltsame Unruhe hatte von ihr Besitz ergriffen. Marie war nicht einfach nur weggelaufen oder hatte sich schon vor Sonnenaufgang auf den Heuboden begeben, das wusste sie instinktiv.
Cecile schien es ähnlich zu gehen. Sie klammerte sich an Jeanne fest. „Nein, wird sie nicht“, flüsterte sie mit erstickter Stimme. „Du weißt, wie sie ist. Sie ist wie du damals. Diese... Macht in ihr...“ Sie brach ab und vergrub schluchzend das Gesicht an Jeannes Schulter.
In diesem Moment betrat Albert das Zimmer. Die beiden Frauen sahen erwartungsvoll auf, doch sein Gesicht verriet, dass er keine guten Neuigkeiten hatte. „Einer der Knechte hat das hier am Tor gefunden“, erklärte er, ohne Jeanne eines Blickes zu würdigen und reichte seiner Frau ein Stück Stoff.
Sie nahm es mit zitternden Fingern entgegen.
Jeanne musste nur einen kurzen Blick darauf werfen, um das Symbol zu erkennen: Ein gezacktes Blatt mit einem stilisierten Hirschkopf darin. „Athel Loren“, murmelte sie.
Cecile klammerte sich bebend an den Stofffetzen. Sie konnte den Blick nicht mehr davon abwenden.
„Man sagt, die Herrin des Sees stünde mit dem Wald in Verbindung, weshalb ihre Zofen seine Kräfte beherrschen können“, murmelte Albert mit einem kurzen Blick zu Jeanne.
Cecile schüttelte stumm den Kopf. „Nein... das... das ist ein Zufall...“, brachte sie heiser hervor.
Doch Albert legte ihr mit ernstem Blick eine Hand auf die Schulter. „Unsere Tochter ist tot, Cecile...“, meinte er ernst.
Jeanne spürte, wie ihre Schwester zusammenzuckte.
„Nein...“ Cecile sah zu ihrem Ehemann auf. Tränen standen in ihren Augen. „Nein...“
„Sie ist nicht tot“, wandte Jeanne ein. „Ich war es auch nicht. Sie ist fort, aber sie kann zurückkehren, so wie ich.“
Albert maß sie mit einem abwertenden Blick. „Du warst fünf Jahre fort und als zu zurückkamst, warst du nicht mehr dieselbe. Und du bist eine von wenigen, vergiss das nicht. Warum sollte Cecile zweimal das Glück haben, dass jemand aus ihrer Familie wieder zurückkehrt, nachdem die Herrin ihn rief?“, wollte er wissen.
Jeanne presste wütend die Lippen zusammen. „Ich weiß, dass du mich nicht zur Familie zählst, Albert, aber deshalb Cecile alle Hoffnung zu nehmen, dass Marie zurückkehrt...“
„Es gibt keine Hoffnung!“, fuhr er sie an.
„Es gibt immer Hoffnung!“, fauchte Jeanne zurück und sah ihre Schwester an. „Cecile, sie ist vielleicht nicht einmal weit entfernt, wenn ihr nach ihr suchen würdet...“
„Das ist nicht deine Sache, Zauberin!“, brüllte Albert.
Jeanne zuckte zusammen und starrte ihn fassungslos an.
Cecile schien davon überhaupt nichts mitzubekommen. Sie starrte immer noch benommen und unter Tränen den Stofffetzen an.
„Zauberin? Ist das alles? Mehr bin ich in deinen Augen nicht? Irgendeine Zauberin, die sich hin und wieder hier herumtreibt? Ist Marie auch nicht mehr als irgendein besessenes Kind?“, wollte Jeanne bitter wissen.
„Vielleicht solltest du besser gehen“, zischte Albert.
Sie funkelte ihn wütend an. „Ich werde meine Schwester jetzt nicht allein lassen. Und genauso wenig werde ich Marie aufgeben!“
Albert erwiderte ihren Blick kühl. Er zog Cecile nachdrücklich in seine Arme. „Geh“, zischte er. „Wir sind hier fertig.“
Jeanne setzte an, etwas zu erwidern, doch dann fiel ihr Blick auf ihre Schwester.
Cecile war nicht bei sich. In ihren Augen lag ein Schmerz, der Jeanne einen tiefen Stich versetzte. Für sie war in diesem Augenblick ihre Tochter gestorben – so wie es bei allen Kindern war, die die Herrin des Sees zu sich rief. Sie waren tot. Wenn sie zurückkehrten, galt es als Wunder – und bisher waren noch nicht viele zurückgekehrt.
Doch Jeanne war nicht bereit, Marie so einfach aufzugeben.
Es war die Magie in Marie, die dafür gesorgt hatte, dass das Mädchen seinen Eltern entrissen wurde, das wusste sie. So wie es bei ihr selbst auch gewesen war. Sie hatte so lange und so oft mit Cecile darüber gesprochen, wie schwer es gewesen war, ihre kleine Schwester an die Herrin des Sees zu verlieren und das ausgerechnet in der Nacht, in der Marie zur Welt gekommen war... Jeanne konnte nicht zulassen, dass Cecile noch einmal so leiden musste.
Die Maid schüttelte bitter den Kopf und wandte sich ab. „Ich werde sie finden, Albert. Und wenn wir zurückkehren, hoffe ich, dass du mehr in ihr siehst, als in mir nach meiner Rückkehr...“
Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer.
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