Befreiendes Ende

von Laputa
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Matthew Freeman Richard Cole
11.01.2015
11.01.2015
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11.01.2015 1.066
 
Halli Hallo liebe Leser :)
Dieser OS war schon länger in Planung, aber endlich habe ich es geschafft, ihn rein zu stellen. Ich empfehle euch jedoch, wirklich alle fünf bzw. sechs Teile gelesen zu haben, bevor ihr das liest, denn da es das Ende ist, enthält es natürlich Spoiler! ;)
Aber jetzt freue ich mich, euch mein erstes Projekt in dem leider viel zu unbekannten Fandom zu präsentieren. :)
Viel Spaß beim Lesen!
Eure Annick =)

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Ich versuche für einen Moment meine Augen zu öffnen, doch es ist so anstrengend, dass ich es gleich wieder aufgebe. Aber die Menge wird tatsächlich lauter, das höre ich sicher. Wahrscheinlich ist es endlich soweit. Sie werden ihn holen. Richard. Er wird mich befreien. Bald hat es ein Ende. Ein letztes Mal konzentriere ich mich, um ein paar klare Gedanken fassen zu können. Ein letztes Mal zwinge ich mich dazu, mein tiefes schwarzes Loch der Leere zu verlassen und klar zu denken.
Wieder höre ich das laute Klatschen, die Jubelrufe und das Hämmern der Waffen aneinander. Diese Leute genießen die Vorstellung, als wäre es der Höhepunkt ihres Lebens. Sehr wahrscheinlich ist es das auch. Aber mir ist es egal. Es wird gleich vorbei sein. Ich weiß, was jetzt passieren wird. Ich wusste es von Anfang an. Seit ich das Tagebuch gelesen habe, war nichts mehr so wie früher. Ich wusste, dass der Trick mit Lohan auffliegen würde, ich wusste auch, dass er mich verraten würde und das Flugzeug ohne mich starten wollte. Und natürlich habe ich gewusst, dass Scott mich ausliefern wird. Aber ich bin ihm nicht böse. Es war seine Aufgabe und er hat sie erfüllt. Außerdem weiß ich, was er noch tun wird. Vielleicht passiert es sogar jetzt im Augenblick. Nur durch ihn wird es Jamie und Pedro gelingen, hier her zu kommen. Und sobald diese Show hier vorbei ist, werde auch ich wieder auftauchen. Aber daran zu denken wird mir zu anstrengend. Die Kopfschmerzen verschlimmern sich, falls das überhaupt noch möglich ist. Wichtig ist nur, dass ich in wenigen Minuten sterben werde.  

Auf einmal wird die Menschenmenge lauter denn je. Es ist so weit. Richard ist da. Diesmal zwinge ich mich dazu, meine Auge zu öffnen, um mir keine falschen Hoffnungen zu machen. Eine Sekunde lang kann ich ihn ansehen, bevor wieder Blut in meine Augen fließt und ich sie schließen muss. Ich lasse mich nach vorne sacken. Er ist da. Er wird es beenden und mich befreien. Na endlich.
Ich höre, wie die Menge johlt und mich ausbuht. Aber die Geräusche kommen kaum noch an. Ich habe absolut keine Ahnung, was um mich herum passiert. Ich weiß nur, dass ich Schmerzen habe, aber es sind mittlerweile so viele, dass ich nicht mehr sagen kann, wo sie herkommen. Das Gute ist jedoch, dass viele der Schmerzen so schlimm sind, dass sie sich taub anfühlen. Ich spüre meinen eigenen Körper nicht mehr. Alles was mir bleibt ist mein Gehör und meine eigenen Gedanken. Durch die pochenden Kopfschmerzen fällt es mir schwer, klar zu denken. Aber ich zwinge mich ein letztes Mal dazu. Ich will ein letztes Mal richtig denken können und nicht als leere Hülle sterben.

„Es wird Zeit, die Vorstellung zu beenden“, sagt eine tiefe dunkle Stimme. Ich kenne die Stimme, bin aber nicht wach genug, um sie einer Person zu zuordnen. Ich weiß nur eins: Mich überkommt pure Übelkeit und das dringende Bedürfnis vor dieser Stimme weg zu laufen. Ich verbinde sie mit  Schmerz und Folter.
Doch der Mann spricht weiter. Ich bemühe mich wirklich, ihm zu zuhören, aber ich kann es nicht. Wahrscheinlich erklärt er Richard und den Zuschauern den Plan. Sie werden mich heilen lassen, bis ich wieder gesund bin und dann von vorne anfangen. Jahr für Jahr. Solange bis ich ein alter Mann bin und völlig verrückt werde.
Aber soweit wird es nicht kommen. Ich bin unheimlich froh, dass Richard da ist. Ich ertrage das nicht mehr. Die Schmerzen, diese Qual, die Folter und das Schlimmste von allem: Die Demütigung. Für diese Leute bin ich nichts weiter als ein Spielzeug, dass sie reparieren und wieder kaputt machen können, wie es ihnen gefällt.
Doch wenn ich an Richard denke, spüre ich pure Erleichterung. Früher hatte ich Angst vor dem Tod.  Selbst als ich das Tagebuch gelesen habe, habe ich mich gefürchtet. Ich wollte nicht sterben. Doch jetzt... jetzt ist das mein sehnlichster Wunsch. Und ich weiß, dass mein bester Freund ihn mir erfüllen wird.

Plötzlich hört die Stimme auf zu sprechen und die Menge verstummt. Ich sammle meine Kraft wieder zusammen und öffne kurz die Augen. Ein letztes Mal. Dann sehe ich Richard an. Unzählige Emotionen durchströmen mich. Neben der Erleichterung spüre ich noch die Trauer. Es tut mir Leid, dass es so enden musste. Richard und ich haben so viel durchgemacht, nur um es hier zu beenden.  Schade eigentlich. Ich hatte mir früher vorgestellt, dass ich in einem großen Kampf die Alten besiegen werde und dann mit Richard ein neues Leben aufbauen könnte. Aber es war nie meine Aufgabe, sie zu besiegen. Meine Aufgabe war es nur, mich von ihnen gefangen nehmen zu lassen, sodass sie sich selbst überschätzen und die anderen vier Torhüter völlig vergessen. Und dann sollte ich sterben, damit der Matt aus der Vergangenheit die Sache beendet. Das war´s.
In Richards Blick erkenne ich endlich seinen Entschluss. Er wird es tun. Er wird mich nicht im Stich lassen.
Ein letztes Mal und mit ganz viel Konzentration, öffne ich meine Lippen. Ich will ihm sagen, dass er es tun soll und dass es okay ist. Und ich will ihm sagen, wie Leid mir das Ganze tut. Aber mehr als ein kurzes „tu es“, bringe ich nicht hervor. Ich weiß noch nicht einmal, ob meine Lippen diese Laute von sich gegeben haben. Aber das ist alles so egal. Richard wird es beenden. Er wird mich erlösen. Und dann endlich tut er es.
Richard tritt zu mir, zieht das Messer aus seinem Gürtel und sieht mir ein letztes Mal in die Augen. Ich erwidere seinen Blick. Für einen Moment scheint die Zeit still zu stehen. Es tut mir wirklich Leid, dass es so enden musste. Aber ich ertrage auch keine weitere Minute auf der Erde.
Ich schaue meinen besten Freund an, ehe ich den tiefen und befreienden Schmerz im Herzen spüre. Endlich...
Für einen Moment wird alles dunkel, dann spüre und höre ich nichts mehr, bis alles um mich herum in reinem Weiß erleuchtet wird.
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