Sein Burgfräulein

GeschichteDrama, Romanze / P18
Allan A Dale Maid Marian Robin Sir Guy of Gisborne Vaisey der Sheriff of Nottingham
11.01.2015
26.02.2016
30
149243
5
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Sein Burgfräulein

- Spielt gegen Ende von Staffel 2 -
Pairing: Guy / Marian, leicht Allan / OC


Warnung: Gewalt, Angst, Tod, Sex


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Kapitel 1: Reise, Reise...

Poch, poch. Poch, poch. Ihr Herz hielt kaum dem Druck stand, der auf ihr haftete. Marian linste vorsichtig durch den Türspalt. „Wir haben nicht darauf gewartet, dass der Prophet zum Berg kommt. Nein“, Vaisey ging mit offenen schwankenden Armen in seinem großen Saal umher und führte ausschweifende Gespräche mit sich selbst. Er übte seine glorreichen Worte, die er gegenüber dem Rat der Adeligen von sich geben würde, sobald seine Mission Früchte tragen würde. „Wir haben den Berg zum Propheten gebracht!“, rief er ausgelassen. Marian hatte ein Schwert ganz nah bei sich und näherte sich ihm vorsichtig. Jetzt oder nie! Es war ihre einzige Chance. Der Sheriff würde den König töten wollen und nur indem der Sheriff getötet werden würde, konnte der König beschützt werden, und somit auch England. Sie hatte Allan ausgeknockt und alle Warnungen in den Wind geschlagen. Sie sah es auch als ihre Angelegenheit, nicht nur die von Robin, den sie nicht im Camp hatte vorfinden können. Jetzt musste sie Taten sprechen lassen.

„Wir haben nicht darauf gewartet, dass der König“, wollte Vaisey seine Metaphern erklären, da nahm Marian allen Mut zusammen den sie hatte, denn jetzt stand sie perfekt. Mit Schwung holte sie aus, das Schwert wie eine Walküre in der Hand schwingend, stürzte sie sich auf den nichts ahnenden Sheriff, der mit dem Rücken zu ihr stand. Doch vor ihm stand ein goldener Becher. In dem Metall konnte der Sheriff sein Spiegelbild sehen. Mehr als das. Er konnte Marian sehen, die gleich einer Furie angesprungen kam. Trotz seines hohen Alters hatte Vaisey noch eine gute Reaktion und ihm gelang ein Ausweichmanöver. Marian stieß daneben. Und mit einer geschickten Wende, hatte Vaisey sich des Schwertes bemächtigt und Marian auf den Boden gedrängt. Er bedrohte sie, sie konnte das kalte Metall schon an ihrem Hals spüren. „Das war ein Fehler, Fräulein. Das war ein großer Fehler“, flüsterte er einer um Luft ringenden Marian zu. Sie starrte geradewegs in seine Augen und auf seinen aufblitzenden falschen Zahn. „Wachen!“, rief Vaisey aufgebracht und hielt Marian in ihrer Position bis die Soldaten endlich eintraten. Dann ließ er von ihr ab und erhob sich, die Wachen packten Marian und zogen sie auf die Füße. „Fesselt sie an diesen Stuhl dort!“, befahl der Sheriff. „Das wird dir noch Leid tun. Das wird dir noch sehr, sehr leid tun.“


Kurz darauf schwang die Tür auf. Marian saß auf dem Stuhl, ihre Hände waren hinten
an das Holz gebunden. Gisborne trat ein, als er Marian erblickte, verstand er nicht.
„Ihr habt den ganzen Spaß verpasst, Gisborne“, die Stimme des Sheriff's klang kalt und voll Zorn. Trotzdem war da der Hauch des Zynismus. Allan kam nun auch hinter Guy her. „Eure Leprafreundin“, fuhr der Sheriff fort, „hat versucht mich zu töten.“ Als Vaisey das sagte, drehte sich Guy's Kopf wieder zu Marian um. Das konnte nicht wahr sein?! Was redete der Sheriff da? Sie war doch eine Frau, sie hatte ihm doch versprochen, nie wieder Nachtwächtereskapaden zu riskieren. Nie wieder. Sie hatte doch damit aufhören sollen, um ihrer beiden Frieden Willen. Seine großen Augen schienen sie förmlich zu durchlöchern. Marian blickte beschämt nach unten. Guy wusste sofort, es war wahr.


Er wandte sich zu Allan: „Hast du davon gewusst?“
„Nein, ich wusste nichts“, log dieser. Interessiert stand Vaisey auf. „Warum sollte er  denn, etwas davon wissen?“
Guy drehte sich wieder zu Marian und erzählte, was er nun wusste: „Sie hat ihn vorhin niedergeschlagen.“
„Was?“
„Damit habe ich nich' gerechnet“, wollte Allan ausweichend erklären, „sonst wär das nicht passiert. Ja sie ist gut, aber ich bin besser.“ Sobald er das ausgesprochen hatte, verzog Marian das Gesicht. Dieser Idiot! Guy schaute zur Decke und sprach ein innerliches Fluchen aus. Jetzt kam Vaisey zu Gisborne's Handlanger herüber gestiefelt und schürte die Angst. Er kam ihm sehr nahe und flüsterte dann: „Sie ist gut, aber ich bin besser... Das bedeutet du wusstest, dass sie zu so was fähig sein würde.“ Schleichend mit den Händen auf dem Rücken kam er nun auf Guy zurück. „Ihr wusstet es auch, oder?“
„Mylord bitte. Ich kann das erklären.“
„Das solltet ihr besser tun, Gisborne“, fauchte er, während er sein Gesicht in seinen Händen vergrub. „Weil sie nämlich gerade versucht hat einen Mordanschlag auf mich zu verüben!“, grölte der Sheriff nun.

Guy sog schwer die Luft in seine Lungen, drehte sich wieder zu seinem Lord um und schaute demütig zu Boden, leckte sich mit der Zunge über seine rauen Lippen, suchte innerlich nach den richtigen Worten. „Ich habe vor Kurzem herausgefunden, dass Marian der Nachtwächter war.“ Sheriff Vaisey legte seinen Kopf schief.

Er versuchte zu verstehen, was das bedeutete. Sie, ein junges Fräulein, war für all die Probleme verantwortlich die ihm der Nachtwächter beschert hatte und sein treuester Untergebener wusste davon und hatte sie gedeckt... „Und das habt ihr mir verschwiegen!?“
„Ich habe geglaubt, dass ich es beendet habe und ihre Tage als Nachtwächter gezählt sind!“, schrie Guy nun auf.

„Und deswegen hintergeht ihr mich? Ihr habt sogar eine Flucht inszeniert!“ Vaisey's Augen stachen hervor, wie Stielaugen. Er sah Guy mit aller Entrüstung an, die er aufbringen konnte, er kochte vor Wut. All sein Blut brodelte. „Wer war's der geflohen ist?“, verlangte er zu wissen, Guy drehte sich seufzend weg, um Vaisey's giftigem Auge zu entgehen.

Der Sheriff blickte auf Allan, der sich sofort wieder wehren wollte.
„Ich habe nur Befehle befolgt...“
„Ja ich habe es ihm befohlen...“, deklarierte Guy.

„WARUM?“
„Weil ich fand, dass Marian's Drang zur Wohltätigkeit fehlgeleitet war und ich sie es nicht verdiente zu hängen.“
„Oh, das ist wirklich nobel von euch, mein lieber Junge. Obwohl ich mir nicht verkneifen kann zu glauben, dass ihr dafür eine kleine Gegenleistung wolltet. Hä? Ein Zeichen der Dankbarkeit. Ho! Der Nachtwächter!“ Vaisey klopfte Marian unsanft auf ihre Schulter. „Ich bin beeindruckt.“ Nun war es Marian zu viel der Demütigung. „Nehmt die Hände da weg!“
„Wachen! Bringt eine Truhe für Lady Marian! Sie wird uns begleiten.“
„Ins Heilige Land?, Guy sah den Sheriff schockiert an. „Ohja... Oh, oh, seht doch... seht doch ihr Gesicht“, Vaisey deutete Guy sie anzusehen. Marian's Gesicht war bleich und erstarrt. „Es spricht Bände. Oh, Guy, was wird jetzt passieren?“ Vaisey übersetzte was Marian's Kulleraugen die auf Guy gerichtet waren, versuchten zu sagen.
„Das wissen wir einfach nicht, ist das klar, Fräulein?“

Der Sheriff hatte verordnen lassen, dass Marian solange im Kerker warten solle, bis sie mit der Abreise beginnen konnten. Alles musste gut vorbereitet sein. Allan trabte hinter Gisborne her. „Wartet, Guy, Guy. Ins Heilige Land? Ist es das was ich denke?“ Guy sah seinen Handlanger düster an. „Wollen wir den König töten?“
„Du solltest dich geehrt fühlen, du gehörst jetzt zum inneren Kreis“, versuchte er Allan abzuweisen und stolzierte die Treppen herunter. Dort unten stand die Kutsche auf die bereits das Gepäck gelagert wurde. „Nein, nein, ich weiß, ich fühl mich geehrt. Es ist nur... Puh, das Heilige Land?“
„Die ultimative Mission, sie verspricht den ultimativen Lohn. Absolute Machterlangung!“, wenn Guy von Macht sprach konnte sein Reden schon Züge von Wahnsinn annehmen. Macht war ihm sehr wichtig, er lebte schon fast dafür. „Ja, für euch und den Sheriff“, teilte Allan seine Sorgen mit. Er würde versauern. „Für dich auch“, entgegnete Guy leise.

Allan schaute seinen Vorgesetzten mit großen Augen an. „Allan, deine Treue wird mit Titel und Land belohnt werden, dafür sorge ich“, versicherte Guy ihm.
„Wirklich?“
„Wirklich.“

„Ihr meint“, Allan schaute sich unsicher um, „ich werde ein Lord oder so was?“
Guy hob beide Augenbrauen und runzelte die Stirn. Es war ein leicht verächtlicher Blick den Allan nicht lesen konnte. Dann wandte er sich ab und deutete Allan mit dem Kopf ihm zu folgen. Allan lächelte leicht, als er wieder rein ging.

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Dann verdichteten sich die Wolken immer mehr und es fing an zu regnen. „Da will man einen König ermorden und dann dieses Trauerwetter!“, hatte Vaisey geflucht.
„Sind wir fertig für die Fahrt, Gisborne?“ Guy saß apathisch am Tisch, vor ihm ein Krug Wein den er nicht angerührt hatte. Normalerweise war das sein Lieblingsgetränk. Aber jetzt konnte er den Geschmack davon nicht ertragen. Alles was ihm Freude bereitete schien jetzt das Gegenteil auszulösen. Marian saß jetzt im Kerker. Wie konnte sie nur so dumm sein? Den Sheriff ermorden... Sie war der Nachtwächter gewesen. Sie hatte ihn betrogen, er hatte ihr geholfen, sie geschützt und sie trat es mit Füßen. Guy kannte nur eine mögliche Erklärung. „Bei diesem Seibelwetter sollten wir vielleicht drinnen bleiben. Jetzt fängt es auch noch an zu donnern!“, rief Allan, der gerade eingetroffen war. „Hat sie zu trinken bekommen?“, fragte Guy ihn sofort und sprang auf. Allan nickte. „Oh, ihr macht euch Sorgen um ihr leibliches Wohl, hm? Wie herzergreifend. Ich sag euch was Gisborne. Sie würde das nicht einen feuchten Dreck interessieren, ob ihr elendig verhungert, oder im Schlaraffenland lebt!“, dröhnte Vaisey's Stimme durch den Raum. Dann kam er auf Guy zu getreten, betrachtete ihn eine Weile und schlug ihm dann ins sein Gesicht.

„Mylord!“, Guy wich zurück und legte seine Hand schützend auf seine Wange. Der Schlag hatte weh getan!

„Mir war danach, nichts persönliches Gisborne“, grinsend kam der Sheriff nun auch Allan näher. „Oh nein, nein, ich habe ihr wirklich nur ein ganz klein wenig Wasser gegeben!“, rief er sofort in der Angst, der Sheriff würde ihm nun auch eine Schelle verpassen. „Keine Sorge, ich werde dir nichts tun. Du bist ja schließlich Gisborne's Mann. Gisborne! Sei so gut, schlag ihn für mich!“
„Mylord!“, Guy's Stimme war nun eindringlich. „Nun mach schon!“, schrie der Sheriff ihm spuckend ins Gesicht. Guy schreckte zurück, ging dann aber zu Allan, der die Augen geschlossen hatte. Guy holte aus und klatschte Allan eine. Es war ein kurzer, aber harter Schmerz. „Gis'!“, Allan hielt sich die Wange schmerzreibend. Guy's Blick verriet, dass er das nicht gerne getan hatte. Nicht unter diesen Umständen. Aber es war ein Befehl des Sheriff's. Schwer atmend drehte sich Gisborne wieder zu diesem um. „Sehr gut. Dadurch wollte ich eure Loyalität prüfen, Gisborne, hm? Wir müssen schließlich zusammenhalten, wenn der Plan der Schwarzen Ritter gelingen soll, nicht wahr?“ Guy setzte sich trübe wieder.
„Marian kommt wirklich mit ins Heilige Land?“, sagte er im Flüsterton.

„Ja, dort wird sie lernen, wie sie sich zu verhalten hat.“
Mit diesen Worten verließ der Sheriff den Raum.

Er ging ohne Umwege hinunter in den Kerker. Dort saß dieses eingebildete Weibsstück, gefesselt an einen Pfeiler. „Guten Abend, meine Liebe“, grüßte der Sheriff spöttisch und reichte ihr die Hand, die sie wegen der Fesseln und der Gitter nicht ergreifen konnte. „Oh ich vergaß, tut mir leid. Ein Hinweis? Nein. Oh und dieser stechende Blick! Damit könnt ihr mich auch nicht mehr töten, aber denkt ihr allen ernstes, ich würde mir das gefallen lassen? Mich könnt ihr nicht mit euren schönen Augen täuschen. Ich bin nicht so ein junger, von seinen Trieben gesteuerter Prolet, den ihr um den Finger wickeln könnt. Ich habe es schon immer gewusst, schon immer! Und ich weiß jetzt auch, dass ihr mit Hood unter einer Decke stecktet. Die ganzen Informationen die ihr hier aufgeschnappt habt, habt ihr schön weiter gezwitschert an euren lieben Freund aus dem Wald. Diesem Naturbarbaren!“
„Der einzige, der ein Barbar ist, das seid ihr!“, funkelte Marian und versuchte, ihre Hände zu lösen, aber die Fesseln waren zu stark und schnitten tief in ihr Fleisch. Vaisey stolzierte an ihr vorbei. „Nun, dann freut es dich zu hören, dass wir den König töten werden. Bei besserem Wetter versteht sich, aber im Heiligen Land herrscht sowieso immer strahlender Sonnenschein, aber erzählt das nicht Gizzy, sonst entledigt er sich vielleicht noch seiner unwiderstehlichen Ledergewandung. Und das wollen wir doch nicht, oder? … Ohhh, ich vergaß! Er weiß es ja selbst. Aus eigener Erfahrung, denn er war ja schon mal da, ich nicht!“

Marian sah den Sheriff nun doch mit großen Augen an. Dann stimmte es. Er hatte versucht den König zu töten, genau wie Robin es immer gesagt hatte! Und sie hatte daran gezweifelt. Und jetzt würde er ausziehen und es ein weiteres Mal probieren, angestachelt von diesem Giftzwerg Vaisey. „Seid ihr überrascht? Wütend? Fühlt ihr euch verraten? Genauso fühlt sich Gizzy jeden Tag, dank euch. Und ich habe euch auch zu danken, denn das gab ihm einen Grund aggressiver zu werden und ich brauche ihn...“, Vaisey schwankte mit seiner Hand in der Luft herum, „aggressiv.“ Marian hatte es die Sprache verschlagen. Sie wusste einfach nicht mehr, an was sie noch glauben konnte. Wo war nur Robin, wenn man ihn brauchte? „Wachen!“, rief Vaisey und ein paar übel gelaunte Soldaten in silbernen Rüstungen erstürmten die Zelle, packten Marian grob an den Armen und zogen sie mit nach draußen. „Fahren wir schon?“, fragte Marian hektisch, suchte mit ihren Augen nach Allan, oder wenn es sein musste auch nach Guy, aber niemand war da. „Ich komme gleich wieder, meine Liebe...“, jodelte der Sheriff und verschwand wieder.

Allan wollte es dem Sheriff gleich tun und ebenfalls das Weite suchen, aber Guy hielt ihn auf. „Warte... kann ich dir vertrauen?“
Allan schaute Guy mit Hundeaugen an. „Ja natürlich...“
„Sag's mir“, forderte Guy, aber Allan verstand nicht.
„Was denn?“
„Robin Hood und Marian.“ Langsam klarte sich das Bild. Guy schien es zu ahnen, nein zu wissen, dass Marian Robin immer noch liebte und ihn ständig unterstützt hatte. Aber um sie zu schützen musste er lügen, was ihm nie sonderlich schwer fiel.
„Was soll mit ihnen sein?“
Guy blinzelte. Es war eine Mischung aus Ungeduld, Vorahnung und Enttäuschung die er widerspiegelte. „Sie sind noch“, fing Guy an, brachte das Wort aber nicht über die Lippen. Allan schaute ausweichend zur Seite. Es war genau das, was er vermutet hatte.
„Hab ich Recht?“, fragte Guy dann betrübt. Allan atmete die Luft durch die Nase aus. „Selbst wenn es so wäre, dann ist die Sache jetzt erledigt.“
„Das ist keine Antwort Allan, ich will es wissen!“ Seine Augen hafteten auf dem Trickdieb, wild und nach Erkenntnis suchend. Allan schluckte. Er wollte gerade 'Ja' sagen, denn es tat ihm weh, wie Guy an der Unwissenheit und an den Zweifeln litt, aber dann trat der Sheriff wieder ein.

„Ding – dong – dong – dei“, sang er, Allan schreckte auf. „Was ist hier los? Küsschen im Mondschein, hm? Soll ich rausgehen und nochmal reinkommen, was meint ihr?“ Guy senkte den Kopf. Er und Allan standen sehr nah bei einander bei ihren Besprechungen. Niemand sollte etwas davon hören. „Geh schlafen“, befahl Guy seinem Handlanger. „Ja“, seufzte dieser und entfernte sich.

„Ihr solltet beide schlafen gehen. Wir brechen morgen auf, wenn uns Petrus besser zugetan ist“, lachte der Sheriff und sah in den Becher Wein, der immer noch gefüllt war. Gisborne hatte nicht einen Tropfen getrunken. „Bist du gesund, Gizzy?“, fragte der Sheriff mit einer seltsamen Sorge, denn Alkoholverweigerung war überhaupt nicht Guy's Art. Das war doch nicht wirklich alles wegen der Frau? Nur gut, dass Vaisey schon eine Idee hatte, wie er das lästige Ding eher als gedacht loswerden konnte.

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Der nächste Morgen begrüßte Guy mit herrlichstem Sonnenschein. Er wusste, heute war der Tag der Abreise unweigerlich gekommen. Heute würden sie fahren und Marian würde mitkommen. Sie war dann zwar bei ihm, aber wie sollte er sie beschützen und gleichzeitig den König töten – ohne dass Marian irgendetwas davon mitbekam? Aber eigentlich... irgendwann würde sie es sowieso erfahren müssen. Dass ihr das nicht gefallen würde war ihm bewusst, aber so konnte er gewaltige Macht erlangen, nach der er so sehr gierte. Höheren Einfluss und Respekt! Das, was er von seinen Untergebenen erwartete und was ihm dennoch niemand wirklich entgegnete. War es, weil er es mit Liebe verwechselte? Guy warf die Bettdecke zur Seite und schwang sich aus dem Bett. Dann zog er eilig seinen schwarzen Pullover an, sowie seine Lederhose und darüber die Jacke mit den Kringeln. Er begutachtete sich kurz in einem alten Spiegel und strich sich sanft durch sein eigenes Haar. Es war wieder ein Stückchen länger geworden, er würde es kürzen müssen, sobald er wieder hier war. Dann lief er nach unten, gab den Wachen mehrere Befehle, die setzten sich murrend in Bewegung und begannen, noch mehr Gepäck auf die Kutsche zu laden.

Ein unausgeschlafener Allan kam Guy entgegen und rannte ihn fast um. „Ups, sorry Gis, ich...“
„Pass doch auf!“, pflaumte der Waffenmeister zornig und stampfte an ihm vorbei.

Der Sheriff war schon bereit. „Ah, da seid ihr ja endlich, ihr Langschläfer. Kutscher! Wir sind gleich soweit!“ Guy suchte die Gegend mit den Augen ab. Wo war Marian? Von der hübschen Lady, der jetzigen Gefangenen des Sheriff's war nichts zu sehen. Natürlich überlegte Guy nicht lange und wandte sich sofort an den Sheriff. „Wo ist Marian?“, fragte er knapp und erwartete eine Antwort. Der Sheriff fummelte an seinen Knöpfen herum. „Oh, eure Leprafreundin. Ich dachte mir, ich zeige Erbarmen und nehme sie doch nicht mit auf diese lange und anstrengende Reise.“ Es war als fiele Guy ein Stein vom Herzen.
„Vielen Dank Mylord“, sagte er zögernd. So etwas war einfach nichts für eine Frau und schon gar nicht für seine Frau. „Dann schwingt euch jetzt hierhin, damit wir losfahren können!“, rief der Sheriff, plötzlich mit einer gewissen Eile in der Stimme. „Wartet, ich werde erst nachsehen, dass sie genug zu Trinken bekommt!“ Guy wollte sich umdrehen, da spürte er Vaisey's Hand auf seinen ledernen Schultern.

„Darum habe ich mich bereits gekümmert. Haltet uns nicht unnötig auf.“

„Aber ich will es nur überprüfen. Es wird nicht lange dauern, Mylord.“
Dass Gisborne aber auch immer so sehr an diesem Weibsbild klebte, regte Vaisey bereits wieder auf. „Sie bekommt Trinken und auch Essen, wenn ihr jetzt endlich aufsitzen würdet...“
„Gis', vielleicht solltest du einfach...“
„Für dich immer noch SIR GUY!“, rief Guy Allan entgegen, der sofort den Mund wieder zuklappte. „Also schön, Sir Guy, setzt euch jetzt wieder hierhin, neben mich, oder auf meinen Schoß, je nach dem, was euch lieber ist“, lud Vaisey Guy ein und klopfte mit einer Hand auf seinen Oberschenkel. Guy verdrehte die Augen. Der Sheriff hielt sich mal wieder für witzig. Guy kam einen Schritt auf ihn zu. „Guter Junge.“
Dann aber drehte er sich doch hastig wieder um. „Nein, ich muss sie noch mal sehen...“
Alsbald lief er die Treppe hinauf und verschwand in der Burg. Vaisey schloss die Augen für einen kurzen Moment. „Dieser verdammte Idiot...“

„Soll ich ihm hinterher?“, fragte Allan und wollte aufstehen, da hielt Vaisey ihn am Arm zurück. „Nein, nicht nötig. Ich geb ihm eine Minute, dann ist er wieder hier.“

Allan zerbrach sich innerhalb dieser Minute den Kopf darüber, wieso der Sheriff so einen starken Glauben in Guy steckte, dass er glaubte, er würde seine Meinung in einer Minute noch einmal ändern. Allan starrte den Sheriff erwartungsvoll an. Dieser zerrte seinen Kragen zurecht.

Dann irgendwann begann er zu zählen. „Drei, zwei, eins...“ Genau bei Null erschien Guy wieder auf der Treppe. Sein Gesicht war kreidebleich, seine Pupillen geweitet, er sah wirklich schlecht aus. Allan bemerkte es sofort. „Was ist passiert, Gis?“
Guy schluckte, er hatte die Fesseln mitgebracht, die Marian um das Handgelenk getragen hatte und hielt sie in die Höhe. Er schniefte. Allan hatte diesen Blick jetzt schon öfter auf Guy's Gesicht gesehen. Es war Trauer, Enttäuschung und Verwirrtheit in einem. Seine Augen sprachen das aus, was sein Mund für sich behielt. Wo ist sie?

Nun hatte auch Allan begriffen, dass Marian gar nicht mehr hier war. Sie schien auch keine Gefangene mehr zu sein. Guy hatte sie wohl in der Zelle gar nicht vorgefunden. Aber wenn sie nicht hier war, wo war sie dann? Vaisey seufzte, dann klatschte er in die Hände.
„Also schön. Ich habe uns eine Menge Ärger erspart, ihr werdet mir irgendwann noch einmal dankbar sein. Ihr werdet sagen: Ja Mylord. Ihr hattet wie immer Recht. Denn ich habe Recht und als der Leiter dieses Unternehmens hier, muss ich auch ein Auge auf meine Schützlinge werfen... Ich...“
„Was habt ihr mit ihr gemacht?“, schrie Guy nun auf und zog sein Schwert. „Sachte, mein Junge, sachte!“ Er wies die Wachen an, Guy das Schwert abzunehmen, aber gegen Guy's Schwertkampfkunst hatten sie keine Chance. Ein Soldat wurde einfach zur Seite gedrückt, dem anderen schlug Guy das Schwert aus der Hand. Der dritte traute sich gar nicht erst anzugreifen, da das Schwert des zweiten direkt vor seinen Füßen landete. Vaisey legte die Stirn in seine Hände. „Redet!“, wies Guy seinen Lord wütend an. „Also schön, ich habe sie verkauft, okay? Können wir jetzt bitte losfahren, wir haben einen König zu töten!“

„Ihr... habt... sie verkauft? Ihr habt WAS GETAN?“, Guy geriet nun immer mehr in Rage. Sein Puls stieg auf Hundertachtzig, seine Muskeln spannten sich zu einer stählernen Rüstung an und seine düsteren Augen, umrandet von den Augenringen, die sich fast schon in seine Haut gebrannt hatten, da sie wohl nie vergehen würden, starrten wie zwei leere dunkle Löcher hervor. „Ich konnte nicht riskieren, dass sie noch einen weiteren Angriff auf mich, oder einen weiteren schwarzen Ritter versucht. Dieses Weib ist zu allem fähig“, erklärte der Sheriff und wollte aufstehen, aber Guy war ihm bereits entgegen gekommen und drohte ihm mit dem Schwert. „Aber sie gehört mir! MIR!“
Allan warf ein: „Also eigentlich...“ Dann aber bekam er von Guy einen Tritt auf die Stirn, so dass er von der Kutsche fiel und auf den harten Steinplatten landete. „Ihr habt meine Frau verkauft?! Was bildet ihr euch ein?“
„Ich kaufe euch eine neue... eine, die weniger Widerworte gibt und das tut, was ihr sagt.“
„Ich will keine neue, ich will Marian. Und ich werde sie mir wiederholen.“

Vaisey legte seine Stirn in noch tiefere Falten, als sie ohnehin schon war. „Muss das sein?“

„Wann habt ihr sie verkauft und an wen?“
„Können wir das nicht ausdiskutieren, nachdem wir den König beiseite geschafft haben?“
Guy steckte das Schwert zurück in die Scheide.
„Ich werde ohne Marian nirgendwohin gehen!“
„Warum?! Was bitte liegt euch an dieser Hure? Sie liebt Robin Hood! Nicht euch, Gisborne, wacht auf! Sie hat euch nicht verdient. Sie hat all euer Bemühen mit Füßen getreten, anstatt dankbar zu sein, war sie frech und hat ihren eigenen Kopf, obwohl sie eine Frau ist. Aber da wäre ich mir manchmal auch nicht so sicher.“ Guy war zwar immer noch voll Wut, aber er hörte Vaisey zu, wie er es immer tat. Auch Allan hatte ausweichend geantwortet. Liebte Marian also tatsächlich immer noch seinen ärgsten Feind? Sie waren einst verlobt gewesen, aber da war Marian doch noch ein Kind! Viele Jahre hatten sie von Robin getrennt und sie war zu einer wunderschönen Frau herangereift. Eine Frau, die Guy begehrte und die er sich nicht einfach nehmen lassen wollte. Die Eigenschaften die Vaisey nannte, waren wahr. Sie war wild und dickköpfig. Aber machte sie genau das nicht noch viel begehrenswerter?

Guy wollte etwas, was er noch nie gehabt hatte. Unterwürfige Dirnen kannte er zu Genüge. Für die schnelle Befriedigung seiner Lust waren diese geeignet, aber in Marian glaubte Guy mehr zu sehen, als das. Auch wenn er nicht leugnen konnte, dass er sie nur zu gerne in sein Bett kriegen wollte. Diese Vorstellung hatte ihn schon oft in seinen Träumen verfolgt und ihn nicht mehr losgelassen. Ihr süßer Duft, wenn sie in seiner Umgebung war, der Anblick ihres verlockenden Körpers, verzauberten ihn immer wieder auf's Neue. Allan fasste sich an seine Stirn. Er hatte sich wieder erhoben, nahm von Guy jedoch großen Abstand. „Wann habt ihr sie verkauft und an wen?“, wiederholte Guy seine Frage von vorhin. Da Vaisey zunehmend unter Druck geriet, sah er sich gezwungen, es Guy zu verraten. Auch wenn die Reise damit für heute vorüber war.

„Nun, an ein Etablissement...“

„Was für ein Etablissement?!“
Vaisey druckst herum. „Ein bekannter Sklavenhändler war auf der Suche nach Frauen für das Freudenhaus in Loughborough. Und da sie eine Jungfrau ist, habe ich immerhin noch 50 Pfund für sie bekommen“, lachte der Sheriff, sich selbst über sein hervorragendes Schnäppchen freuend, was er da gemacht hatte.
„Ihr habt... Marian... für 50 Pfund an ein FREUDENHAUS verkauft?!?“
„Ich verstehe gar nicht warum ihr euch so aufregt. Ich gebe euch die Hälfte ab und von dem Geld könnt ihr euch dreißig Nächte mit diesem Weibsvolk erkaufen, wenn es denn unbedingt sein muss.“
Loughborough, ging es Guy durch den Kopf. „Ich muss sofort nach Loughborough!“
„Oh , ich hatte schon befürchtet, dass ihr das sagen würdet“, jammerte der Sheriff und zog Allan an sich heran. „Du würdest mein Angebot doch annehmen, oder nicht? Du bist doch ein vernünftiger Junge!“ Allan zuckte nur mit den Schultern. Aber Marian zu verkaufen schien ihm doch nicht recht, genauso wie ihm die Absicht missfiel, den König zu töten.

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