Blue Morning

von Huelk
GeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
Kimi Räikkönen Romain Grosjean
11.01.2015
11.01.2015
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Kommentar: Hallo zusammen! Diesmal gibt es einen Kimi/Romain-Oneshot, der mir im vergangenen Jahr in der Winterpause spontan eingefallen ist. Vielleicht gefällt er dem ein oder anderen ja. Ich wünsche Euch jedenfalls viel Spaß damit. :)

Disclimer: Der Inhalt des Oneshots entspricht nicht den wahren Begebenheiten, sondern ist einzig und allein meiner Phantasie entsprungen. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahe treten.





Blue Morning



Finnland
9. August 2014


Das erste, das er beim Aufwachen bemerkte war ein dumpfer, unangenehmer Kopfschmerz, den er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Nicht in dieser Intensität.
Er konnte sich ein gequältes Stöhnen gerade noch verkneifen und rollte sich auf die Seite, wo er den warmen Körper seines Franzosen fand. Ohne die Augen zu öffnen schlang er die Arme um Romain und vergrub das Gesicht in den weichen Locken.

Er sah nicht, dass Romain wach war. Er sah nicht, dass der Jüngere wenig begeistert die Augen verdrehte. Erst als Romain leicht genervt seufzte wusste Kimi, dass etwas anders war.
Erst jetzt bemerkte er, dass Romains ganzer Körper angespannt war, dass er sich regelrecht verkrampfte. Widerwillig öffnete Kimi nun doch die Augen und blinzelte verschlafen. Obwohl das Licht durch die dunkelgrünen Vorhänge gedämmt wurde, stach es widerlich. Er brauchte ein bisschen ehe er die schlanke Gestalt neben sich klar erkennen konnte.
Kimi hatte einen wunderbaren Blick auf den Rücken des Größeren, die schmalen Schultern und…

„Lass das“, zischte Romain als Kimi einen Kuss auf das Schulterblatt des Franzosen hauchte. Nicht bestimmt oder verärgert, aber es reichte um den Älteren von weiteren Zärtlichkeit abzuhalten.
„Warum?“, fragte Kimi reichlich verwundert und zog besorgt die Stirn in Falten. So war Romain nie. Er wies ihn nicht zurück und er hatte diese Berührungen immer geliebt. Es hatte gedauert bevor Kimi überhaupt bewusst geworden war, wie viel sie Romain bedeuteten. Also warum durfte er heute nicht?
„Ich mag es nicht, wenn du noch so bist“, murmelte Romain dem es anscheinend alles andere als leicht fiel das zu sagen, so wie er es herauspresste. Nun rückte er sogar ein Stück weg, entzog sich regelrecht Kimis Nähe.

Jetzt geriet der Finne langsam in Panik. Er verstand das nicht. War das wirklich sein Romain, der da neben ihm lag und sich an seine Zudecke klammerte als sei sie das einzige, das ihn schützen konnte? War das sein Romain, der gar nicht genug davon bekommen konnte mit ihm zu kuscheln?
Kimi überlegte angestrengt was er seinem Liebling getan haben könnte, dass dieser sich so abweisend verhielt. Er würde ihm doch niemals etwas tun. Er liebte ihn.


Sie hatten vorgehabt die Sommerpause in Finnland zu verbringen. Bei Kimis Familie. Seit sie im vergangenen Jahr die Weihnachtstage hier verbracht hatten und er 24 Stunden täglich damit zubringen musste Romain zu wärmen, hatte der Ältere beschlossen dass sie lieber im Sommer herkommen wollten. Er wollte nicht riskieren, dass Romain sich bei ihrem nächsten Besuch womöglich erkältete.
Bisher hatten sie hier auch sehr schöne Tage verbracht, waren viel draußen in den Wäldern gewesen und an diesem See, den Kimi so sehr liebte. Romain hatte seine Worte bestätigt dass es nirgendwo so wunderschöne, klare Seen gab wie hier – im Land der 1000 Seen. Er hatte gelächelt, als er das sagte und sich dabei an Kimi gelehnt. So wie er es immer tat, wenn er sich wohl fühlte.
Es war für Romain nicht leicht gewesen sich auf die nordische Mentalität einzustellen. Besonders die Wangenküsschen zur Begrüßung, die unter Franzosen so verbreitet waren, stießen hier auf wenig Gegenliebe. Ohne Kimis ausführliche Vorbereitungsmaßnahmen hätte das durchaus zum Fettnäpfchen werden können.

Jetzt beim zweiten Besuch lief vieles schon deutlich lockerer. Kimi hatte trotz der unterschiedlichen Lebensweisen das Gefühl gehabt, dass Romain gerne hier war, dass er seine Familie mochte und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Auch wenn Kimi Rami noch immer dafür verfluchte dass er seinen Söhnen erzählt hatte, dass Franzosen Frösche essen würden. Der Lotus-Fahrer hatte sich daraufhin so einiges an dummen Fragen von den beiden Jungs anhören müssen.
Aber das war noch lange kein Grund, dass Romain sich seiner Nähe auf einmal so entzog. So empfindlich war der Jüngere eigentlich nicht. Er hatte doch selbst darüber lachen müssen und ihnen jede Frage geduldig und wahrheitsgemäß beantwortet. Nein, es musste etwas anderes sein. Aber was?

Gestern Abend war es besonders schön gewesen. Es war eine sternklare und sehr milde Nacht gewesen. Ein paar von Kimis alten Schulfreunden hatten sich her verirrt. Gut, eigentlich waren sie hier eher eingefallen. Er war stolz auf Romain gewesen, dass er das mitgemacht hatte. Kimi wusste, dass ein paar seiner Freunde auf Fremde etwas verstörend wirken konnten. Aber er kannte sie schon eine halbe Ewigkeit und freute sich immer wenn sie während seiner Heimatbesuche Zeit fanden ihn zu sehen.
Klar war Romain ihnen gegenüber noch unheimlich schüchtern und natürlich verstand er nicht alles was sie sagten, selbst wenn sie Englisch sprachen, aber Kimi hatte dennoch den Eindruck gehabt, dass Romain sich in ihrer kleinen Gruppe nicht unwohl fühlte.
Romain hatte sich wieder einmal an Kimis Schulter lehnen dürfen, vielleicht auch nur um sich ein bisschen zu verstecken. Er hatte seine Hand halten dürfen, anfangs noch sehr zaghaft. Doch als keiner sich darüber zu wundern schien, war auch der Franzose ein wenig mutiger geworden. Es schien ihm zu gefallen, dass er sich hier so offen und ehrlich zu Kimi bekennen durfte.

Trotz der nächtlichen Wärme hatten sie draußen hinter dem Haus ein Feuer gemacht und sich drum herum auf ein paar Baumstämme verteilt, die ihnen als Sitzgelegenheiten dienten. Nicht besonders komfortabel aber irgendwie trotzdem gemütlich. Das war gewiss romantisch genug für Romain gewesen. Einfach nur dazusitzen, sich an Kimi schmiegen zu können, dem Knistern des Feuers und dem Gewirr vieler fröhlicher Stimmen zu lauschen…
Kimi wusste dass Romain die Ruhe und Herzlichkeit seiner Landsleute mochte. Er wusste, dass er sich hier auch wohlfühlte, dass er immer wieder mit ihm hier herkommen würde. Also warum war er jetzt so seltsam?


„Was hab ich gemacht?“, fragte Kimi ahnungslos und musterte nachdenklich die Rückansicht des Jüngeren. Viel lieber würde der Finne ihm jetzt in die großen, blauen Augen sehen, die ihn an diesen See erinnerten, an dem sie waren. Er versank so gerne in ihnen.
Romain ließ ein beleidigt klingendes Schnauben von sich bevor er sagte: „Wenn du das wirklich nicht mehr weißt, dann hast du es wirklich übertrieben.“
Kimi seufzte. Was hatte er denn Böses gemacht, an das er sich augenscheinlich nicht mal mehr erinnern konnte?
Resigniert ließ Kimi sich zurück sinken und überlegte was gestern Abend noch vorgefallen war. Irgendwo musste er sich dumm verhalten haben wenn der Jüngere so heftig reagierte.

Noch einmal ging Kimi in Gedanken den gestrigen Abend durch, die Gespräche an die er sich noch erinnern konnte, aber dabei fiel ihm auch nichts auf. Er ging wirklich alles durch was er selbst getan oder gesagt hatte, aber da kam ihm nichts in den Sinn das Romain beleidigt haben könnte.
Wenn er noch so war‘, dachte er an die Worte, die Romain vorhin benutzt hatte. Wie war er denn? Und was hatte er übertrieben?
„Romain?“, versuchte Kimi es noch einmal. Der Franzose musste ihn aufklären. Er kam einfach nicht darauf. Mal abgesehen davon dass er unmittelbar nach dem Aufwachen keine Lust darauf hatte Probleme zu wälzen. „Bitte, ich weiß es wirklich nicht.“

Damit schien er nun wirklich Romains endlos erscheinende Geduld überstrapaziert zu haben. Ruckartig wandte sich der Größere um, sah Kimi so böse an wie seine runden, liebevollen Augen es vermochten und brachte den Älteren immerhin dazu kurz zu schlucken. Romain wurde nie wütend. Nicht so sehr…
„Kimi!“, sagte Romain scharf und ließ keinen Zweifel zu dass er wirklich nicht begeistert war. „Du riechst immer noch nach Alkohol!“

Kimi war zu perplex um zu antworten. Er hatte mit sonst was gerechnet aber das… Okay, das mochte ein wenig unangenehm sein, aber so schlimm war es doch nun auch wieder nicht.
Kimi konnte nicht verhindern, dass er ein wenig erleichtert auflachte, verstummte allerdings sofort, als er die strenge Miene Romains sah. „Entschuldige, ich…“, wollte Kimi erklären aber der Jüngere ließ ihn nicht weiter sprechen. Es war vielleicht das erste Mal, dass Romain ihn unterbrach.
„Nimm mich gefälligst ernst!“, verlangte Romain und Kimi biss sich auf die Lippe. Es kam jetzt sicher nicht gut an wenn er ihm sagen würde, dass er niedlich aussah wenn er sich so aufregte. Er verzichtete lieber darauf, eine der wilden Strähnen aus seinem Gesicht zu streichen und bemühte sich um einen entschuldigenden Blick.
„Tu ich“, versicherte er als ihm auffiel, dass Romain auf eine Reaktion von ihm wartete. Das tat er auch, er nahm ihn ernst. Sehr ernst sogar. Romains Wünsche waren ihm sehr wichtig. Er würde niemals absichtlich etwas tun, das seinem Schatz missfiel.

Romain atmete tief durch, schloss für einen kurzen Moment die Augen und sah Kimi dann ganz direkt an. „Ich kann das nicht ausstehen“, erklärte er nun. „Wenn du ein bisschen was trinkst dann sage ich ja nichts, aber musst du so übertreiben?“
Das Gespräch kam Kimi bekannt vor, aber diesmal würde er bestimmt nicht dagegen angehen. Er wollte sich nicht streiten, schon gar nicht wegen sowas. Romain hatte ja auch irgendwie Recht.
„Weißt du wie anstrengend es war dich ins Bett zu bekommen?“, warf Romain ihm vor und Kimi registrierte die hochgezogene Augenbraue, als der Jüngere das fragte.
Der Finne antwortete nicht sondern musterte seine Bettdecke, malte mit dem Zeigefinger kleine Kreise auf das weiße Laken. Nein er wusste es nicht. Er konnte sich an diesen Teil des Abends nicht erinnern. Aus Erzählungen wusste er natürlich wie er dann war, aber das alles würde er ihm jetzt besser nicht sagen.

Kimi hörte Romain leise seufzen und war augenblicklich ein wenig erleichtert. Das war das Zeichen, dass Romain nicht mehr wirklich wütend sein konnte – selbst wenn er wollte.
„Du kannst ja ruhig mit deinen Freunden feiern, wie es eben üblich ist. Aber ich möchte nicht noch am nächsten Morgen was davon haben, okay?“
Kimi beeilte sich zu nicken. Da war er wirklich glimpflich davon gekommen. Wenn Romain erst richtig schmollte dann hatte der Ältere keine Chance. Wahrscheinlich wusste der Franzose noch nicht einmal, wie sehr er Kimi beeinflussen konnte und vielleicht war das auch ganz gut so.
Auf das allmorgendliche Kuscheln musste er heute aber verzichten…
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