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Alltag, Beschäftigungen und Gedanken zamonischer Wesen

GeschichteAllgemein / P6
10.01.2015
10.01.2015
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Ich hatte mich wie jeden Tag auf der Spitze des Minaretts niedergelassen und blickte hinab in die Straßen von Atlantis.  Überall liefen Wesen unterschiedlichster Art hin und her, unterhielten sich oder kauften etwas.  Eine Weile beobachtete ich das Treiben.  Alles blieb ruhig.  Verteilt auf die Dächer der umliegenden Häuser saßen einige Gargyllen und sahen ebenfalls auf die Atlantisbewohner hinunter.  
Da bemerkte ich im Gedränge einen nordzamonischen Gütel, der einem Hoawief unauffällig den Geldbeutel abnahm.  Mit einer leichten Kopfbewegung zeigte ich zweien der Gargyllen, dass sie sich darum kümmern sollten, dem rechtmäßigen Besitzer sein Geld wieder zuzuführen.  Die Beiden hatten den Dieb auch bereits gesehen und flogen sofort los.  Ich ließ den Blick weiter über die Straßen schweifen.  
Da hörte ich ein Rascheln und Flattern.  Ein kurzer Blick zeigte mir, dass neben meinen Füßen drei weitere Wiedehopfe gelandet waren.  Sie hielten sich fast nur im Schutz von uns Greifen auf, da überall sonst Leute hinter ihnen her waren und ihnen Federn ausreißen wollten, weil diese angeblich Glück in der Liebe brachten.  Das war natürlich absoluter Unsinn.  Aber die Wiedehopfe störten uns nicht bei der Arbeit, also hatte ich keine Probleme mit ihnen.  
Es  war immer noch ruhig.  Aber das war gut so.  Am letzten Mittwoch hatten wir uns, zusätzlich zu der üblichen Arbeit, die durch die vielen Veranstaltungen entstand, noch mit einer Gruppe von fast zweihundert Fänggen (bis zu zehn Meter groß; mit den Natifftoffen verwandt) befassen müssen, die betrunken in die Stadt eingedrungen waren.  Ich hatte sie zusammen mit einigen Kollegen bereits beobachtet, sobald sie die Stadttore passiert hatten, wir konnten aber noch keine rechtlichen Maßnahmen einleiten, da sie mit dem Betreten der Stadt noch nichts Verbotenes getan hatten – die Natifftoffen hatten noch kein ausdrückliches Fänggenverbot erlassen.  Doch bereits zehn Minuten später gab es eine Schlägerei mit einigen Blutschinken, an der zudem etliche T´hut´hus (Schilfgnome) beteiligt.  Selbst mit vierzehn Kollegen war es kompliziert, die Kontrahenten zu trennen und die Fänggen aus der Stadt hinaus zu schicken.  Es gab keine ernsten Verletzungen.  
Inzwischen hatten die beiden Gargyllen die Angelegenheit erledigt und wieder auf den Dächern Position bezogen.  Da bemerkte ich zwei großfüßige Berten auf der Ilstatna, die etwas in Bertensprache an die umliegenden Hauswände schrieben - wahrscheinlich Flüche - und sich dabei gegenseitig beschimpften.  Im Normalfall waren diese Wesen zwar laut und nachts ruhestörend, weil sie ohne Unterlass fluchten, aber harmlos und verübten keine Verbrechen.  Doch hier waren bereits fünf Gargyllen damit beschäftigt, die Berten am Beschmieren der Wände zu hindern, ohne sie wirklich davon abhalten zu können.  Mit großer Hartnäckigkeit und Sturheit schrieben sie weiter und fluchten andauernd.  Über diesen Fall konnte ich zwar nur den Kopf schütteln, aber da keine Besserung der Situation einzutreten schien, beschloss ich, hinunterzufliegen.  Mit einem kurzen Brüllen zog ich die Aufmerksamkeit der Berten auf mich, sodass diese mich mit Flüchen überschütteten.  Ich rauschte stark mit den Flügeln.  Schließlich wurden die Berten kleinlaut und beruhigten sich.  Unter der weiteren Aufsicht der Gargyllen mussten sie mit Lappen und Wassereimer aus einem der beschmierten Häuser die Wände sauberschrubben.  Mit einem Flügelschlagen zur Ermahnung kehrte ich auf die Spitze des Minaretts zurück.  Es wurde wieder ruhig.
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