Annikas Abschied

von Perdita9
GeschichteFreundschaft / P12
10.01.2015
10.01.2015
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Annika
Ich sah in Liz' Gesicht. In ihr hübsches, ebenmäßiges Gesicht mit den großen, hellen Augen. "Mach's gut!", sagte ich. Klar, nicht sehr einfallsreich, aber ich ich wusste einfach nicht, was man in so einer komischen Situation sagen wollte.
Liz' Augen, die normalerweise sehr freundlich dreinblickten, hatten jetzt einen schmerzhaften und auch recht verächtlichen Ausdruck. Ihre Augen sagten mir quasi: "Du abgehobene Kuh! Du interessierst dich nur noch für deine blöde Karriere und unsere Freundschaft ist dir mittlerweile scheißegal!"
Ich musste mir selbst eingestehen: Ich hatte Liz in letzter Zeit wirklich nicht sehr freundschaftlich behandelt. Im Gegenteil: Ich bin oft richtig eklig zu ihr gewesen. Früher mal, als ich noch das schüchterne, völlig verunsicherte Mauerblümchen war... Da war Liz alles für mich. Ich hatte mich richtig an sie geklammert!
Aber jetzt... Jetzt war ich auf dem Weg, ein richtiger Popstar zu werden. Und ich hatte mich charakterlich ziemlich verändert. Ich war nun viel selbstbewusster- so sehr, dass man es wohl schon als Arroganz bezeichnen kann. Aber warum auch nicht? Immerhin sah ich nicht nur gut aus, ich hatte auch noch eine wunderschöne Stimme! Liz war mit meinem Verhalten oft nicht einverstanden gewesen, aber na ja... Das war dann halt wohl Neid...
Ich folgte meiner Managerin zum Taxi und stieg ein. Und dann fuhren wir los. Jetzt hieß es wirklich Abschied nehmen von Schloss Einstein... Und eben auch von Liz.
Ich blickte noch einmal zurück und sah noch einmal in Liz' Gesicht. Sie sah ziemlich betrübt aus, als hätte sie Trost gut gebrauchen können.
In dem Moment bereute ich es, dass ich nicht netter zu ihr gewesen bin, denn eigentlich war sie ja echt okay. Und ich verspürte auch Trauer, denn auch wenn ich in letzter Zeit tatsächlich nur noch meine Karriere im Kopf hatte: Es tat weh, zu wissen, dass meine einst so enge Freundschaft mit Liz nun endgültig zerbrochen war!

Liz
"Mach's gut!", sagte Annika zu mir. Ich erwiderte nichts. Ich war einfach viel zu enttäuscht, um was sagen zu können.
Ich erinnerte mich an die alte Annika. Die war so nett, so sympathisch und so schüchtern gewesen. Damals waren wir beste Freundinnen, es gab uns quasi nur im Doppelpack!
Und jetzt... Jetzt war Annika eine eiskalte Zicke geworden, die nur noch an ihre ach-so-tolle Karriere dachte und jeden wie Dreck behandelte. Auch zu mir war sie in letzter Zeit oft richtig widerlich gewesen- dabei gäbe es ohne mich gar keine Nika und somit auch gar keine Karriere! Aber das hatte "Miss Perfect" wohl vergessen...
Annika sah immer noch genauso süß und unschuldig aus wie damals, als ich sie kennenlernte- mit ihren großen, schokobraunen Augen und ihren langen, dunklen, wunderschönen, lockigen Haaren... Aber sie hatte sich so sehr zum Negativen verändert, dass eine Freundschaft mit ihr jetzt völlig unmöglich war.
Annika ging zum Taxi und stieg ein. Das Taxi fuhr los, in ihre neue Welt.
Ein letztes Mal sah ich in Annikas Gesicht. Sehr glücklich sah sie nicht aus, eher melancholisch. War da in ihren Augen sogar so etwas wie Reue?
Und dann war das Taxi auch schon außer Sichtweite. So schmerzhaft und bitter es auch war: Meine ehemals beste Freundin war für immer fort.
Die Freundschaft zu Annika war jetzt endgültig vorbei- doch vergessen würde ich sie niemals!
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