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Du und ich - Das heißt ab jetzt wir!

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Het
Asuna Kirito Leafa Yui
10.01.2015
16.04.2021
44
119.881
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10.01.2015 5.297
 
Vorwort: Ich begrüße herzlich alle Leser dieser FF! Es hat eine Menge Zeit und Qualen in Anspruch genommen, aber jetzt bin ich endlich dazu gekommen und kann mit diesem Projekt starten. Eigentlich war’s so geplant, dass das hier nicht allzu lang wird. So in etwa 3-4 Kapitel. Mittlerweile kam ich aber einfach zu dem Schluss, dass ich nicht in der Lage bin, kurze Geschichten zu schreiben. Deswegen wird es vielleicht doch ein wenig mehr zu lesen geben. (Mal gucken, ob ich unter zehn Kapiteln bleibe. Glaub ich aber nicht :3)
Zudem möchte ich noch erwähnen, dass das hier eine direkte Fortsetzung meines OS „Schokolade, Liebesbriefe, Online Games“ ist. Um irgendwelche Missverständnisse oder Unklarheiten zu vermeiden, bitte ich darum, dieses schmucke Werk einfach vorweg zu lesen --> http://bit.ly/1xuHRgi
Ich hoffe, dass auch diese Geschichte Anklang findet und für genauso gute Unterhaltung sorgt wie mein damaliger OS. Verbesserungsvorschläge und allgemeine Kritik sind außerdem auch gern gesehen!

Viel Spaß!
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Kapitel 1: Schaffen wir eine letzte Erinnerung!

Ein breites Lächeln zierte ihre Lippen, als sich das Licht der Sonne in ihrem Ring spiegelte und hell aufblitzte. Jener welcher hatte erst kurz zuvor seinen Platz an ihrem Finger gefunden, dessen Hand sie schützend über ihre Augen hielt. Es machte sie so stolz, seine neue Besitzerin zu sein. Und vor allen Dingen erfüllte sie die Tatsache mit Glück und Liebe, dass niemand Geringeres als ihr Mitschüler Kirigaya Kazuto das Gegenstück dazu besaß.

>Deswegen möchte ich dich, Yuuki Asuna fragen, ob du auch in dieser Welt meine Frau werden willst.<

Das waren seine Worte. Die Frage, die sie auch jetzt noch hätte zu Tränen rühren können. Immerhin war er derjenige, der ihr Herz im Sturm eroberte. Was hätte sie schon glücklicher machen sollen, als ein solch romantischer und liebevoller Antrag von ihm? Schon den ganzen Tag schwebte sie förmlich auf Wolke Sieben und konnte sich nur mit Mühe und Not auf den Unterricht konzentrieren, den sie eher passiv und wie durch einen Schleier mitbekam.
Schließlich war das gerade auch viel wichtiger als eine Matheformel, die sie in ihrem ganzen Leben niemals wieder sehen würde, oder nicht?! Passierte ja auch nicht alle Tage, dass ein gut aussehender Mann um ihre Hand anhielt.
Vor ihren Freundinnen blieb diese scheinbare Idylle natürlich nicht verborgen.
Neugierig schlichen sie sich an die Schülerin heran, die nichts ahnend auf einer Bank ihre Mittagspause verbrachte.
„Na, wer bin ich?“
Ehe sie auch nur einen Blick hätte riskieren können, hielt ihr jemand die Augen zu. Da ihr so ein Verhalten aber nicht fremd war, hatte sie natürlich keine Probleme damit, die Person hinter sich zu benennen.
„Liz! Hör auf mit dem Unsinn!“, lachte sie vergnügt und schubste ihre Hände beiseite.
Mit einem lockeren Sprung über die Lehne landete letztere neben ihrer Klassenkameradin und ließ sich entspannt auf der Sitzfläche nieder. Ihre Begleitung, die etwas zu kurz geratene Keiko, hatte sie ebenfalls im Schlepptau. Diese hielt es aber für angebracht, hinter ihnen stehen zu bleiben und dem Gespräch interessiert zu lauschen.
„Ich hoffe doch du weißt, was dir jetzt blüht, liebste Asuna.“
Verheißungsvolle Blicke trafen die Schönheit, die aber nicht so recht folgen konnte.
„W-Was mir jetzt blüht?“, wiederholte sie in einer verunsicherten Tonlage.
„Und es gibt kein Entkommen!“ Kurz räusperte sie sich, bevor sie einen Blick aufsetzte, der dem eines Richters glich.
„Was war da neulich los, hm? Du warst auf einmal wegen eines „Notfalls“ off und seitdem strahlst du nur noch wie ein Honigkuchenpferd. Da muss irgendwas vorgefallen sein. Vor allem, weil der gute Kirito an dem Tag auch in unserer liebenswerten Runde gefehlt hat. Wie erklärst du dir denn das?“
„A-Also das… Das war wohl nur ein blöder Zufall. Wir waren nicht-…“ Als sie ihre Hände hob und abwehrend damit umherwedelte, entging dem wachsamen Auge von Liz natürlich nicht das Beweisstück an ihrem Finger.
„Silica!“
„Jawohl!“
Sofort stoppte Keiko sie in ihrer Bewegung und hielt sie fest, damit ihre Partnerin einen prüfenden Blick darauf werfen konnte.
„Was haben wir denn hier? Kommt der aus einem Kaugummiautomaten?“
„Hört auf mit dem Quatsch! Außerdem sieht man das ja wohl, dass der nicht billig war!“, knurrte sie und riss sich los. Gleichzeitig merkte sie aber, dass sie sich damit ordentlich verplappert hatte.
Man hätte sich die beiden Mädchen nun gut mit aufgestellten Katzenöhrchen vorstellen können, so gespannt, wie sie auf einmal waren.
„Sag jetzt nicht, dass der…“ Die Ältere der beiden traute sich kaum, diesen Satz zu beenden, zu sehr fürchtete sie sich vor der Antwort.
Doch es war auch ohne diese Worte klar, was sie damit sagen wollte.
Ein rötlicher Schimmer legte sich auf Asunas Wangen. Ihre Hand ruhte an ihrer Brust, dort, wo sie ihr Herz schlagen spürte, das sich beinahe zu überschlagen drohte. Eigentlich wollte sie nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, aber wenn sie genauer darüber nachdachte, gab es auch keinen Grund, ein Geheimnis daraus zu machen. Früher oder später wäre es doch sowieso rausgekommen.
„Kirito hat mir einen Antrag gemacht.“
Rika – also mit anderen Worten Liz – erstarrte augenblicklich, als diese Vermutung Realität wurde.
„K-K-K-Kirito hat was?!“, brachte sie nur stotternd hervor, während Keiko gänzlich die Farbe aus dem Gesicht wich.
„Für mich kam es auch sehr überraschend. Aber ich freue mich riesig. Ein noch schöneres Geschenk hätte er mir nie machen können.  
Trotzdem hab ich irgendwie ein schlechtes Gewissen. Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld er dafür ausgegeben hat. Ist mir schon ein wenig peinlich. Wisst ihr, ich-… Liz? Silica-chan?“
Verwirrt sah sie sich um, musste aber feststellen, dass die beiden die Fliege gemacht hatten, als sie, in ihre Erzählung vertieft, nichts davon mitbekam.
„Na so was…“
Mit den Schultern zuckend wandte sie sich wieder ihrem Bento zu, das sie bislang mit Nichtachtung strafte. Wer konnte bei so einer Aufregung auch schon essen?

„Und dann musst du in der Zeile dort den Befehl eingeben. Das bestätigst du mit der Eingabetaste und überprüfst, ob alles nach deinen Vorstellungen läuft. Falls nicht, kannst du es mit dem Tool, das ich dir eben gezeigt habe, noch mal nachträglich bearbeiten.“
„Wow, du bist echt schlau, Kirigaya-senpai!“
Das Leuchten in den Augen seines Mitschülers brachte ihn zum Lachen.
Der Computerklub hatte um seine Mitarbeit bei einem Projekt fürs Schulfest gebeten, da es ein paar Probleme bei der Fertigstellung gab. Es war zwar gerade Mittagspause und die hätte er lieber an der Seite seiner Freundin verbracht, aber bei so etwas konnte er immer nur schwer ablehnen. Wenn Not am Mann war, sprang er gern mal ein.
„Ach, du übertreibst. Ich habe privat viel mit Technik zu tun, da lernt man nebenher immer mal wieder was Neues dazu.“
„Wir sind dir so dankbar, Senpai! Ohne deine Hilfe wäre unser Vorhaben dem Untergang geweiht…“, seufzte die Präsidentin erleichtert.
Ja, während des Schulfestes ging es meistens drunter und drüber. Die Flure waren voll von Schülern, die für die Attraktionen ihres Klubs werben und Kunden anlocken wollten. Alles war bunt, fröhlich und erfüllt von reichlich Essen.
So war es überall, da bildete die Schule für die Überlebenden des Death Games Sword Art Online keine Ausnahme.
Schon seit Wochen liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nicht nur, dass das neue Schuljahr bald beginnen und neue potentielle Klubmitglieder anlocken würde, nein! Es sollte gerade für diejenigen, die ihren Abschluss feierten, ein unvergessliches Erlebnis werden. Kazuto war einer von denen, die dieses Institut bald verließen und den nächsten Schritt gingen.
Und da er nach dem Unterricht immer schnurstracks den Heimweg antrat, gab es auch nichts, was er hätte tun können. Seine Klasse wollte ein Cosplay-Café eröffnen, dafür fehlte ihm allerdings die rechte Begeisterung. Stattdessen schummelte er sich heimlich in die Reihen des Computerklubs, wo seine Hilfe gern gesehen war. Dort bastelten sie nämlich schon seit geraumer Zeit an einem Spiel, das sie exklusiv für das Fest entwickelten. Genau sein Spezialgebiet.
So gern er sich auch noch länger hier aufgehalten hätte, fungierte es wohl eher weniger als Versteck.
Bevor er reagieren konnte, wurde er links und rechts an den Armen gepackt und zur Seite gezogen.
„Haben wir dich endlich, Kirigaya-kun…“
„So leicht kommst du uns nicht davon, Kirigaya-san…“
„Shinozaki-san, Ayano-san?“
Tatsächlich waren es Liz und Silica, die ihn in ihrer Gewalt hatten… und sie sahen nicht besonders glücklich aus. Scheinbar waren sie nach dem vorangegangen Gespräch gleich losgezogen, um sich auf die Suche nach ihrem Kameraden zu machen.
„Wir haben da noch ein Hühnchen mit dir zu rupfen“, erklärte eine von ihnen und zog ihn weiter.
„Ä-Äh… Falls es noch Probleme mit eurem Programm gibt, meldet ihr euch einfach bei mir, okay?!“, rief er noch den jüngeren Leuten zu, die ihm nur verdattert hinterher schauten.
Zurück zum Thema Hühnchen rupfen…
Nach einer ungewollten Behandlung seiner Freunde fand sich der Schwertkämpfer in einem Rüschenkleid und mit niedlichen Katzenöhrchen am Kopf wieder. Sogar ein kleines Schwänzchen ragte unter seinem Rock hervor, was er wiederum als hochnotpeinlich empfand.
„Könnt ihr mir mal sagen, was ich verbrochen hab? Womit hab ich denn so was verdient?“
„Nun hör mal zu, Freundchen…“
Finsteren Blickes lehnte sich Liz mit einem Arm an seinen Stuhl und kam dem Jungen mit ihrem Gesicht bedrohlich nah.
„Es ist eine Sache, wenn ihr vor unseren Augen rumturtelt. Damit kann ich gerade noch so leben. Aber eine Hochzeit?!“
Er musste schlucken.
„I-Ihr wisst also davon?“
„Jedes Detail“, antwortete Silica – mindestens genauso düster wie ihre Vorgängerin.
„Und ihr habt jetzt… ein Problem damit?“
„Jetzt sperr mal die Lauscher auf. Ich sag’s dir nämlich nur einmal, klar?“
Entschlossen packte Rika ihn an seiner Krawatte, die er trotz seines Kostüms noch immer trug.
„Wenn ich auch nur ein Wort von Asuna höre, dass du sie unglücklich machst, passiert noch was viel Schlimmeres als dieses Kleid, kapiert?“
Noch bevor sie die nächsten bösen Worte anstimmte, schubste er ihre Hand beiseite und stand auf.
„Macht euch keine Sorgen. Ich meine es ernst. Keine Rüsche auf dieser Welt wird mich davon abhalten, jemanden zum Lächeln zu bringen, den ich sehr gern habe.“
Ohne weitere Diskussion verließ er den Raum, auch wenn ihm viele der Mädchen lachend und applaudierend hinterher riefen.
Die sonst so lockere und lebensfrohe Schülerin konnte in diesem Moment nicht anders, als trüben Blickes zum Boden zu schauen. So sehr sie sich auch für ihre beste Freundin freute, ging es ihr doch nicht mehr aus dem Kopf, was sie selbst einmal für Kirito fühlte.
„Kopf hoch, Liz“, hörte sie das zarte Stimmchen ihrer Kameradin, die ihr aufmunternd die Hand auf die Schulter legte.
„Du solltest dich lieber auf das Schulfest konzentrieren. Es wird dein letztes sein. Also guck nicht so traurig, ja?“
Ihre bedrückte Mine wurde sogleich von einem tapferen Lächeln abgelöst.
„Keine Panik. Ich wäre nicht die Liz, die ihr alle kennt, wenn ich mich von so was unterkriegen lassen würde.“
„Genau das wollte ich hören.“
So gut konnte Silica verstehen, wie sehr dieser Anblick doch schmerzte. Vor allem für sie war es eine deprimierende Angelegenheit. Bevor sie in SAO gefangen war, hatte sie nicht viele Freunde und zählte auch nicht gerade zu einem Mädchen der beliebteren Sorte. Gerade jetzt, wo sie sich in der Mitte der anderen so wohl und geborgen fühlte, sollte ihre gemeinsame Zeit schon wieder vorbei sein.
Nur weil sie ein wenig jünger war, musste sie noch zwei weitere Jahre an dieser Schule verbringen, ehe sie ihren Abschluss in der Tasche gehabt hätte.
Kirito und co. würden bald gehen und sich an den nächsten Abschnitt wagen. Natürlich hieß das nicht, dass ihre Freundschaft mit sofortiger Wirkung beendet war, aber wenn sie bald arbeiteten und auf eigenen Beinen standen, hätten sie wohl keine Zeit mehr, um sich täglich im wundervollen Alfheim mit ihr zu treffen. Vor Rika würde sie es niemals zugeben, aber sie hatte auch sehr mit den Tränen zu kämpfen, die bei diesem Gedanken in ihr aufkamen.
„Sammeln wir ein paar schöne letzte Erinnerungen!“

Drüben in Asunas Klasse herrschte ein ziemlicher Aufruhr.
Besorgte Gesichter waren um die Klassensprecherin versammelt, die nur mit dem Kopf schüttelte.
„Der Schülerratsvorsitzende hat mich gerade angesprochen. So wie es aussieht, werden wir keinen Stand bekommen.“
Fassungslosigkeit brach aus, wildes Getuschel und ein unangenehmes Gefühl legte sich in die sonst so lustige Runde.
„Wieso kriegen wir denn eine Absage? Wir wollen doch nur ein ganz normales Restaurant eröffnen. Gibt es jedes Jahr auf dem Schulfest, warum stellen die sich denn plötzlich quer?“, protestierte jemand aus den hinteren Reihen.
„Es ist so, dass das Budget von vornherein recht knapp war. Die Schule hat erst vor zwei Monaten die ganzen neuen Technikgeräte zur Verfügung gestellt und daher ist relativ wenig für das Schulfest übrig geblieben. Sie haben wohl ausdrücklich vom Direktor gesagt bekommen, dass es genug Fressbuden gibt und wir mit unserem Restaurant dadurch überflüssig würden. Tut mir leid, Leute. Wir werden wohl nicht mehr die Gelegenheit haben, etwas anderes vorzubereiten. Dafür reicht die Zeit nicht aus.“
„Soll das etwa heißen, dass wir unser letztes Schulfest damit verbringen, drei Tage lang blöd in der Gegend rum zu laufen?“
„Ich möchte auch was machen!“
„Alle haben einen Stand, da sind wir doch total außen vor!“
„Bitte regt euch nicht auf! Ich weiß, es ist hart und wir sind alle traurig, aber sollten wir nicht versuchen, das Beste daraus zu machen?“, doch ihre Beschwichtigungen sorgten beinahe für noch mehr Ärger und Wut unter der Schülerschaft.
„…Wäre es…“, begann Asuna unsicher, hob dann aber ihre Stimme, um das Murren der anderen zu übertönen, „Wäre es denn keine Option, wenn jeder einen Teil des Geldes beisteuert und wir das Restaurant selbst finanzieren?“
Sofort herrschte Stille.
„Ist das dein Ernst, Yuuki-san? Es wäre zwar schon eine Möglichkeit, aber das wird wohl bei manchen unter uns nicht machbar sein.“
„Vielleicht habe ich mich da etwas unverständlich ausgedrückt. Wir sind eine recht große Klasse, 29 Personen, wenn ich mich da jetzt nicht vertue. Ich denke, es wäre durchaus realistisch, wenn jeder einen Teil dazu beiträgt. Sei es an Lebensmitteln, Kochutensilien oder eben Geld“, fuhr sie fort und trat aus der Menge hervor.
„Weißt du, Mizutani-san, ich gehe wirklich sehr gern an diese Schule und allein schon der Gedanke, dass wir nichts für unser allerletztes Schulfest ins Leben rufen können, macht mich einfach nur krank. Deswegen wäre ich dazu bereit, auch mal über meinen Schatten zu springen und etwas dafür beizusteuern, damit es doch noch klappt. Zum Beispiel könnten wir uns darauf einigen, unsere Speisekarte ein wenig zu optimieren und einfachere Gerichte anzubieten. Es wäre zwar nichts Spektakuläres, aber wir hätten dennoch Spaß. Und unsere Kostüme könnten wir auch selber nähen. Was haltet ihr denn davon, wenn wir uns nach der Schule bei einem der Köche zu Hause treffen und noch mal eine Art Generalprobe machen? Lasst uns doch dieses eine Mal etwas aus eigener Kraft auf die Beine stellen. Ich begleite dich zum Schülerrat und überzeuge sie davon, uns das Restaurant doch eröffnen zu lassen.“
Seufzend verschränkte die Angesprochene die Arme vor der Brust und dachte scharf nach. „Irgendwie stellst du dir das ein bisschen zu einfach vor. Ob das alles so reibungslos abläuft und ob der Schülerrat da mitspielt, ist eine ganz andere Geschichte. Trotzdem bin ich ziemlich angetan von der Idee. Und gerührt.“
Lächelnd klatschte Mizutani in die Hände und wischte sich spielerisch eine Träne aus dem Augenwinkel.
„Also Klasse, ihr habt Yuuki-san gehört! Wir eröffnen unser Restaurant, komme was da wolle! Ich setze mich gleich daran und rechne aus, wie viel jeder dazu geben sollte, damit wir das irgendwie bezahlt bekommen. Um den Rest kümmern wir uns nachher. Setzt euch schon mal zusammen und überdenkt die Speisekarte. Am besten Gerichte, die man mit wenig Aufwand zubereiten kann. Aber nicht vergessen: Es sollte schon schmecken!“
Entschlossen hoben alle die Faust in die Höhe und stießen einen Kampfesschrei aus. Ihre letzte Chance, eine wichtige Erinnerung zu schaffen, wollten sie sich nicht durch die Lappen gehen lassen.
„Mizutani-san…“, erleichtert kam ihr ein Lächeln über die Lippen, dass sie mit ihrer Rede jemanden von diesem Vorschlag überzeugen konnte. Insgeheim hatte sie nämlich gefürchtet, damit auf Granit zu beißen.
„Dann lass uns mal einen Plan ausklügeln, Yuuki-san. Ich habe gehört, der Vorsitzende soll eine echte Nervensäge sein. So einfach lässt der sich nicht bequatschen.“
„Überlass das mir. Wenn es um Schlachtpläne geht, bin ich ganz vorn mit dabei.“
Zufrieden schaute Kazuto durch eines der Flurfenster herein und beobachtete seine Freundin dabei, wie sie wild losplauderte und nebenher einen Zettel vollschrieb.
Mittlerweile gab es auch schon wilde Gerüchte, dass das Projekt der C-Klasse ins Wasser fiel und sie keine Alternative hätten. Da war es ein ganz schöner Anblick, dass sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen ließen und weiterhin hart arbeiteten.
„Viel Glück, ich erwarte ein super leckeres Essen“, schmunzelte er und zog wieder seines Weges. Hier war er vorerst fehl am Platz.

Am darauf folgenden Abend …
„Asuna-sans Klasse?“
Interessiert lauschte Suguha der Erzählung, während sie ihrem Bruder etwas zu Essen auftat.
„Ja. Es hat sich in der ganzen Schule rumgesprochen, dass der Stand ihrer Klasse wohl keine Bewilligung vom Schülerrat bekommt. Aber ich hab mitgekriegt, dass sie schon fleißig Pläne dagegen schmieden.“
„Dann kann man ihnen wohl nur Glück wünschen. Wo wir gerade beim Thema sind… Mir kam zu Ohren, dass ihr ein Cosplay-Café veranstaltet. Wie wär’s, wenn ich mit Sinon-san mal vorbeischaue? Wäre doch zu schade, wenn wir dein tolles Kostüm verpassen.“
Er winkte nur hektisch ab.
„Lass das lieber bleiben. Ich arbeite hinten in der Küche. Da wird es nicht viel zu sehen geben“, erklärte er.
„Ach, Onii-chan. Ich weiß doch genau, wann du mich anlügst. Dann muss ich ihr sagen, dass sie ihr Handy aufladen soll. Sie braucht genug Akku- und Speicherkapazität für die hundert Schnappschüsse von dir.“
Als sie seinen Blick sah, entfuhr ihr nur ein fröhliches Lachen. Seine Begeisterung hingegen hielt sich wohl mehr als in Grenzen, weshalb er einfach beleidigt auf seinem Fleisch herumkaute.
„Aber sag mal…“ Mit einem Mal wurde sie ungewohnt ernst.
„Was hat sie gesagt?“
„Wer?“ So ganz konnte er ihrem Gedankensprung nicht folgen.
„Na wer schon? Asuna natürlich! Als du den Abend wieder nach Hause gekommen bist, hast du kein Wort mehr darüber verloren.“
Sogleich stellte er die Nahrungsaufnahme ein und ließ die Stäbchen auf den Rand seines Schälchens sinken.
„Ich weiß selbst nicht, was letztendlich der Stein war, der das ins Rollen gebracht hat. Ob es das war, was damals mit Konno-san passiert ist oder etwas anderes, was mich dazu bewegt hat. Auch meine Zeit bei SAO hat mir das vor Augen geführt. Leben ist vergänglich. Und man sollte absolut jede Chance nutzen, um etwas Gutes daraus zu machen. Das ging mir die ganze Zeit durch den Kopf.“
Einen Moment lang hüllte er sich in Schweigen.
„Sie hat ja gesagt.“
In der Teenagerin brach eine Art inneres Gefühlschaos aus. Auf der einen Seite wollte sie ihn beglückwünschen und freute sich über diese Neuigkeit. Aber dann sah sie ihn vor sich, wie er sich immer weiter von ihr entfernte. An einen Ort, den sie nicht mehr erreichen konnte.
Ihre Hand, die sie hilfesuchend nach ihm ausgestreckt hatte, griff einfach ins Leere.
Anstatt sich etwas anmerken zu lassen, grinste sie nur frech.
„Was auch sonst? Dachtest du etwa, sie lehnt ab? Ich bitte dich.“
„So selbstverständlich ist das gar nicht. Das wahre Leben ist nicht mit einem Online-Beziehungsstatus zu vergleichen.“
„Du redest wie ein alter Mann.“ Wieder konnte sie sich das Lachen nur schwer verkneifen, was bei ihm wiederum keine allzu große Freude auslöste.
„Du weißt doch, was ich meine!“, fügte sie nur hinzu und setzte sich wieder.
„Ist schließlich eine große Verantwortung, die man da hat. Man zieht mit jemandem zusammen, verbringt viel Zeit mit ihm und lernt dann vielleicht auch die eine oder andere Seite kennen, die man als störend empfindet. Könnte auch uns so gehen. Obwohl ich während SAO keine solchen Probleme hatte, ist es jetzt noch eine ganz andere Geschichte. So schön es auch sein kann, die Onlinewelt lässt sich nie mit der Realität vergleichen.“
„So kenn ich dich gar nicht, Onii-chan. Das klang ja richtig poetisch“, staunte sie und musterte ihn neugierig.
„Jetzt iss weiter, sonst wird es kalt.“
Damit war das Thema für ihn vom Tisch, genauso wie der darauf folgende Abwasch. Wobei sie ihm noch tausend Löcher in den Bauch hätte fragen können. Erwachsen zu werden schien gar nicht mal so leicht zu sein.

Im Haushalt der Yuukis stand ebenfalls das Abendessen an.
Wie so oft war Asuna mit ihrer Mutter allein, deren Interesse aber allein dem Tablet neben ihr galt.
Vater und Sohn waren beide beruflich verhindert und nicht daheim. Davon ließ sich das Nesthäkchen aber nicht die Laune verderben. Der Tatendrang stach sie wie der Hafer und gleichzeitig kribbelte es immer noch in ihrer Brust. So, als wäre sie dieser Situation wieder und wieder ausgesetzt, die sie in solch einen Aufruhr versetzte.
Dieser rapide Stimmungswechsel war Yuuki Kyouko natürlich nicht entgangen. Ebenso wenig wie der Ring am Finger ihrer Tochter. Und das machte sie nicht gerade glücklich.
„Okaasan, ich habe dir doch von dem Schulfest erzählt, was bald stattfindet.“
Eine richtige Antwort bekam sie nicht, nur einen bejahenden Laut. Von Blickkontakt ganz zu schweigen.
„So wie es aussieht, wird das Projekt meiner Klasse wohl keine Bewilligung kriegen.“
„Und?“ Von der vermeintlichen Gleichgültigkeit ließ sie sich nicht abschrecken.
„Eine Mitschülerin und ich werden morgen beim Schülerrat vorstellig und versuchen das wieder rückgängig zu machen. Es scheitert nämlich an der Finanzierung“, erzählte sie.
„Worauf willst du hinaus?“
„Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, dass wir alle was dazugeben wollen, damit wir das doch machen können. Ich meine… wir haben doch so viel Geld. Können wir nicht-…“
„Nein, ausgeschlossen.“
Mit so einer prompten Absage hatte sie dann doch nicht gerechnet.
„Wieso nicht? Wenn nicht jeder einen Teil übernimmt, schaffen wir es nicht!“, protestierte Asuna und musste sich dann doch eine leichte Verunsicherung eingestehen.
Endlich trafen sich die Blicke der beiden, was ihr aber nicht gerade Mut machte.
„Warum sollte ich dir dafür Geld geben? Du gehst nicht zum Spaß in die Schule sondern zum Lernen.“
„Das ist mein letztes Schulfest!“
„Na und? In meinen Augen ist das kein Argument. Ganz davon abgesehen, dass eine andere Schule besser für dich gewesen wäre, willst du deine wertvolle Zeit auch noch mit so einem Schwachsinn vergeuden. Die Abschlussprüfungen rücken immer näher und dafür musst du dich ausreichend vorbereiten.“
„Aber ich-…“
„Kein aber. Wenn du so dringend dieses Geld brauchst, dann musst du auch zusehen, wie du da rankommst. Und ein Nebenjob kommt für dich nicht infrage, das sage ich dir gleich.“
Als sie den niedergeschlagenen Gesichtsausdruck auf der Gegenseite sah, schien es sie rein äußerlich gar nicht zu kratzen. Trotzdem fügte sie hinzu: „Dann ein Vorschlag zur Güte. Du könntest deine Spielkonsole verkaufen. Dafür würdest du sicher ein nettes Sümmchen kriegen.“
„Darüber kann ich meine Freunde öfter sehen. Wir wohnen so weit voneinander entfernt…“
„Dein Hauptaugenmerk sollte ohnehin auf der Schule liegen. Und wenn dir die Entfernung zu groß ist, musst du dir eben Freunde suchen, die in der Nähe wohnen.“
„Sagt sich so leicht“, murmelte die jüngere resigniert.
„Oder dein Ring.“
„Wie?“ Fragend schaute die Schülerin wieder auf.
„Der hat sicherlich eine ganze Stange Geld gekostet. Und er ist neuer als das Ding, was du ständig in Benutzung hast.“
„Das würde ich nie tun! Dieser Ring bedeutet mir wirklich viel! Er war ein Geschenk!“, antwortete sie in einem lauteren, verzweifelten Tonfall.
„Von Kirigaya-kun?“
Bislang hatte sie noch nichts von dem Treffen erzählt. Natürlich wusste sie darum Bescheid, dass ihre Mutter nicht viel von Kazuto hielt, trotzdem hätte sie ihm deswegen nie eine Abfuhr erteilt.
„Ja… Er hat mir einen Antrag gemacht.“
Statt Schock oder Verwunderung zeigte sich Kyouko gelassen und zog nur beanstandend eine Braue in die Höhe. Damit hatte sie wohl schon gerechnet.
„Deine Antwort?“
Irgendwie war sie nicht sicher, ob sie ihr wirklich die Wahrheit sagen sollte. Aber eine Lüge wäre mit Sicherheit sofort aufgeflogen, dafür war es doch zu offensichtlich.
„Ich habe angenommen.“
Kopfschüttelnd fasste sich die Geschäftsfrau mit der Hand an die Stirn.
„Kind, was habe ich bloß bei dir falsch gemacht? Wir als deine Eltern haben es dir vorgelebt, dein Bruder ist erfolgreich… Aber du tanzt völlig aus der Reihe. Wozu habe ich die ganzen Dates mit den Heiratskandidaten ausgemacht, wenn du sowieso deinen Dickkopf durchsetzt und dir einen dahergelaufenen und zweitklassigen Jungen aussuchst?
Dieser Wortlaut allein schon machte sie sauer, so unglaublich sauer.
„Was soll das heißen?“
„Ich habe es dir doch schon erklärt. Mit jemandem wie ihm wirst du nicht glücklich.“ Ein herabwürdigendes Lachen kam über sie.
„Wird er Arzt, Anwalt oder Pilot? Nein. Für einen Menschen wie ihn, der so viel Zeit online verbringt und sein ganzes Leben verschwendet, hat die Welt nichts übrig.
Was will er dir bieten?“
„Das ist mir nicht wichtig, das weißt du doch! Ich liebe ihn!“
„Im Leben zählen Gefühle nicht viel, Liebes. Schlag dir das bloß aus dem Kopf. Früher oder später wirst du es bereuen, dich mit so was zufrieden zu geben. Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung. Du sollst es besser haben als ich.“
„Die Diskussion hatten wir schon. Ich werde nicht-…“, begann sie, wurde aber gleich unterbrochen.
„Hör zu, Asuna. Damals habe ich mich weich klopfen lassen, als du mir dieses Haus in deinem Spiel gezeigt hast. Ich dachte, der drohende Schulwechsel würde deinen Ehrgeiz wecken und dich so dazu bringen, alles herauszuholen, was in dir steckt. Scheint ja auch funktioniert zu haben. Aber wovon wir hier sprechen ist weitaus bedeutsamer als jede schulische Ausbildung.“
Ihr Blick zeigte eine gewisse Strenge.
„Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, verbiete ich dir diese Beziehung. Und eine Heirat kommt schon gar nicht infrage. Die Konsole kassiere ich auch ein. Du solltest dich ganz klar auf deine Noten konzentrieren und nicht auf solche kindlichen Blödeleien wie Liebe, Spiele und solche nervigen Schulfeste. Deine Leistung ist nämlich immer noch nicht gut genug.“
„Ist das dein Ernst? Das lasse ich mir nicht verbieten!“
„Pass auf was du sagst, Kind. Du lässt den Ring lieber verschwinden, sonst ist es beim nächsten Mal nicht mehr nur dein Spiel. Ich will nur das Beste für dich, auch wenn du es nicht verstehst.“
Erbost über diese Aussage sprang sie von ihrem Stuhl auf, der durch den Schwung der Erdanziehungskraft erlag und laut zu Boden fiel.
„Um das Beste hat dich aber niemand gebeten! Außerdem ist Schule nicht alles! Ich hasse dich!“, brach es im Affekt aus der Tochter heraus, die fluchtartig das Zimmer verließ und die Tür hinter sich zuknallte. Während Kyouko gleichgültig ihr Abendmahl fortsetzte, lief Asuna nur mit Tränen in den Augen die Treppe hinauf in ihr Zimmer, in das sie sich einschloss. Wieso war das so eskaliert? Warum schlug das Thema plötzlich um? Und weshalb gönnte sie ihr ihr Glück nicht?! Was brachte ihr schon der ganze Luxus, der Reichtum, wenn sie diesen mit jemandem teilen musste, den sie nicht liebte?
„Warum kann sie es nicht verstehen?“, schluchzte sie, während sie an der Tür herabsank und ihr Gesicht in ihren Armen verbarg, die sie auf ihre Beine lehnte. „Warum?!“, fügte sie etwas lauter an, obwohl ihr das die Frage auch nicht beantwortet hätte. Die Beweggründe ihrer Mutter waren klar und sie tat es aus vermeintlich gutem Willen heraus, aber war das wirklich die richtige Lösung?
Eine ganze Weile lang gab sie sich ihren Tränen hin, die sich stur ihren Weg über ihre Wangen bahnten. Solange, bis sich ihr Handy meldete.

>Die anderen warten schon auf dich. Schließlich macht sich die Tagesquest nicht von allein! Treffpunkt ist in eurem Haus.
•Liz<

Allein schon der Gedanke daran quälte sie. Wie konnte sie jetzt online kommen und ihm gegenübertreten, als wäre nichts gewesen?
Und das in ihrem eigenen Haus…
Kurzerhand nahm sie das Gerät zur Hand und schrieb eine Antwort zurück.

>Ich habe heute keine Zeit.
•Asuna<

Es dauerte nicht lange, bis eine erneute Nachfrage eintraf, denn diese Reaktion schien für Verwirrung zu sorgen. Solch eine Absage war man von ihr nicht gewohnt.
Aber sie wollte nicht mehr darüber reden. Nicht mit Liz oder sonst irgendjemandem.
Nur einem Menschen hätte sie gern etwas von ihrem Kummer anvertraut.
In diesem Augenblick wünschte sie sich nichts sehnlicher, als eine Umarmung, ein paar tröstende Worte, die sie nicht mehr zweifeln ließen.
So gerne hätte sie ihn jetzt angerufen und seine Stimme gehört. Doch das brachte sie nicht übers Herz, ihm unter Tränen davon zu erzählen.
Er würde ihr gut zureden, ihr nie Vorwürfe machen oder sie kritisieren.
Ja, Kirito war so lieb. Dieses Thema wollte sie von ihm fernhalten, solange es irgendwie ging. Es war allein ihre Angelegenheit, die sie klären musste. Dabei konnte ihr niemand helfen, selbst wenn sie es gewollt hätte.
Die Rebellion gegen ihre Mutter musste sie ganz allein schaffen.
So fing sie gleich damit an, die Kabel zu sortieren und das AmuSphere-System in einem Karton zu verstauen. Um weiteren Ärger oder Erklärungsnöte zu vermeiden, trat sie das technische Wunderwerk lieber freiwillig ab.
Obwohl sie ihrer Kontrahentin damit Gehorsam zeigte, war das nur der erste Teil. Manchmal war Rückzug eben die beste Strategie. Stattdessen stand nun eben wieder das Problem mit dem Schulfest im Raum, dem sie zuvor noch so enthusiastisch entgegenblickte. Wie konnte sie sich jetzt noch in die Schule trauen?
Sie hatte das angezettelt, den anderen Hoffnung gemacht und letztendlich war sie es, die als Erstes einen Schritt zurückgehen musste.
Gerade weil ihre Mutter so dagegen war, war es ihre Pflicht, ihr gesamtes Herzblut und all ihre Energie in dieses Projekt zu stecken. Wäre da nur nicht dieses Hindernis… Der finanzielle Part.
So würde sie vor dem Schülerrat keine besonders guten Karten haben.
Aber wie kam sie auf die schnelle an Geld?
Den Amusphere zu verkaufen kam eigentlich nicht infrage. Und bevor sie auch nur den Gedanken in Erwägung zog, den Ring zu etwas Barem zu machen, würde sie sich lieber die Hand abhacken, so viel stand fest.
„Ich wünschte, ich wäre stärker. Okaasan versteht einfach nicht, wie wichtig das für mich ist.“
Traurig sah sie hinab auf das Schmuckstück, das nach wie vor glitzerte, als würde sich der Mond von jenem einen Abend darin spiegeln.
Kirito-kun sagte, es sei egal, was unsere Familien davon halten. Es ist nur wichtig, was wir fühlen und was wir uns wünschen. Er hat so recht, aber…“, ging es ihr durch den Kopf, wobei sie in Erinnerungen wieder über den Gesichtsausdruck ihrer Mama stolperte… Ihre Worte hörte und sich ihr Blick anfühlte, als würde er sie jeden Moment durchbohren wollen. Da war etwas, was ihr Angst einjagte. Es war nicht diese Dominanz, die auf sie einwirkte und die ihr vorschrieb, was sie zu tun und zu lassen hatte. Fürchtete sie sich davor, jemanden zu enttäuschen?
Hielt sie sich an die Regeln und Wünsche ihrer Familie, so würde das ihre Zukunft und Beziehung gefährden. Stellte sie sich auf seine Seite, würde sie es sich mit ihrer eigenen Sippe verscherzen. Seufzend ließ sie sich auf ihr Bett fallen und starrte die Decke an, die sich immer weiter zu entfernen schien.
„Ich fühle mich, als wäre ich an einem toten Punkt angekommen. Wenn ich rebelliere, ergreift Okaasan Gegenmaßnahmen und sorgt dafür, dass ich am Ende doch noch auf eine andere Schule komme. Wer weiß, vielleicht schreckt sie nicht mal davor zurück, sich Kirito-kun zur Brust zu nehmen. Eigentlich will ich ihn da nicht mit reinziehen. Nein, davon kann ich ihm unmöglich erzählen…“
Zu groß war ihre Scheu, sein Gesicht zu sehen, würde sie ihn doch über die jüngsten Ereignisse aufklären. Wie würde er darauf reagieren? Wäre er genauso besorgt wie sie oder würde es Ärger in ihm auslösen, auch wenn er es nicht zeigte?
So schwer es ihr auch fiel… sie fasste einen Beschluss.
Einen Beschluss, von dem sie glaubte, dass er sie einigermaßen gut durch die nächsten beschwerlichen Wochen bringen würde.
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