Zufall oder Wille Eywas?

GeschichteFantasy, Freundschaft / P16 Slash
10.01.2015
28.11.2015
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---16 Jahre zuvor---
Jake blinzelte und rieb sich die Augen. In ihm stieg das Bedürfnis auf, sich noch einmal herum zu drehen und weiter zu schlafen, doch er zwang sich dazu aufzustehen und aus seinem Nest hervor zu klettern. Er, als der Häuptling seines Stammes, wollte immer als Erster auf den Beinen sein. Warum wusste er nicht. Seine Frau Neytiri sagte immer, dass Jake so seinem Volk so zeigen wollte, dass er schon von der frühsten Morgenstunde an auf es aufpasste und über sie wachte.
Jake hatte oft über diese Theorie von Neytiri nachgedacht, wusste aber noch immer nicht, ob sie damit recht hatte.
Er warf noch einen Blick auf Neytiri, die zusammengerollt neben ihm in ihrem gemeinsamen Nest gelegen hatte. Sie schlief noch friedlich und hatte sein Aufstehen nicht bemerkt. Kein Wunder, dachte sich Jake, schließlich schlief sie in den letzten Monaten so tief, dass nicht mal eine Herde vorbeidonnernder Hammerköpfe sie hätte wecken können.
Neytiri brauchte den Schlaf, denn ihr Zustand schwächte sie. Das Kind, das in ihrem Bauch heranwuchs, war schon sehr groß und dementsprechend schwer fiel Neytiri jede Bewegung und jeder Schritt.
Jake lächelte beim Anblick seiner schlafenden Frau und begann dann den Heimatbaum hinab zu klettern. Es war beinahe spielend leicht für ihn geworden und in wenigen Minuten hatte er den Waldboden erreicht.
Einige der Jäger, die über Nacht auf der Jagd gewesen waren, kamen grade ins Innere des Baumes und sie senken respektvoll den Kopf, als sie Jake sahen.
„Habt ihr etwas Besonderes gesehen? War etwas anders als sonst?“, fragte er sie.
Eine junge Jägerin, für die es wohl die erste nächtliche Jagd gewesen war, denn sie sah sehr erschöpft aus, trat vor ihn.
„Wir haben Grace den blauen Berg erklimmen sehen. Aber sonst war alles ruhig.“
Er nickte ihr zu und sie entfernte sich.
Jake ging mit eiligen Schritten nach draußen und in den Wald. Er war erleichtert, dass Grace gesehen worden war. Seit drei Tagen hatte niemand etwas von ihr gehört. Es war zwar nicht ungewöhnlich, dass Grace mehrere Tage fort blieb, um noch mehr über die Pflanzenarten auf Pandora heraus zu finden, aber dennoch sorgte sich Jake jedes Mal aufs Neue.
Die Tatsache jedoch, dass man Grace den blauen Berg empor klettern gesehen hatte, machte ihn stutzig. Er rief nach seinem Ikran, Lo´nlei, einem stolzen großen Tier mit einer orange-blauen Musterung. Dieser stieß aus den Baumwipfeln zu ihm hinab und ließ ihn aufsteigen.
Während Jake über die Spitzen der Bäume glitt fragte er sich, warum Grace eine solche Strapaze auf sich nahm. Sie hatte weder einen Ikran noch machte sie sich viel daraus auf einem Pa´li zu reiten. Sie lief alles zu Fuß und scheute nicht vor langen Wanderungen zurück. Doch bis zum blauen Berg war es ein Marsch von mehreren Tagen, während man mit dem Ikran in einigen Stunden dort sein konnte.
Endlich erreichte Jake den Gipfel des blauen Berges und tatsächlich sah er dort Grace, wie sie in den Büschen herum wühlte.
„Grace!“, rief er und sprang von Lo´nleis Rücken.
Sie richtete sich auf und blickte ihm lächelnd entgegen.
„Sully!“, begrüßte sie ihn in ihrem gewohnt forschem Tonfall, der ihm mittlerweile aber nichts mehr ausmachte. Er wusste dass sie manches nicht böse meinte, obwohl ihr Tonfall und ihre Stimme manchmal darauf hindeuteten.
„Welchem Umstand verdanke ich die Ehre, dass du mir bis hier hoch folgst?“
„Du hast ja schon oft Wanderungen gemacht, Grace, aber bis hier hoch bis du noch nie gegangen.“, erklärte er und die beiden setzten sich im Schneidersitz an den Rand einer Klippe.
„Warum bist du hier oben, Grace?“
„Ich suche Kräuter für Neytiri. Mo´at hat mir gesagt, dass ich hier oben Kräuter finde, die für die Geburt wichtig sind. Sie ist zu alt um hier hoch zu klettern und genau wie ich macht sie sich nichts aus fliegen und reiten.“
Bei dem Gedanken an die Geburt, die Neytiri bald zu überstehen hatte, wurde ihm flau im Magen. Grace schien zu merken, was in ihm vorging und sah ihn forschend an.
„Was ist mit dir, Jake?“
„Es ist nur…Mo´at hat mir verboten vor den anderen Na´vi von Neytiris Schwangerschaft zu sprechen und seit dem man deutlich sieht, dass Neytiri schwanger ist, darf sie sich nur noch im obersten Geäst des Heimatbaumes aufhalten, dort, wo nur ich und Mo´at hin dürfen. Ich verstehe das alles nicht, Grace!“
Grace seufzte. Sie hatte darauf gehofft, dass nicht sie diejenige sein würde, die Jake die Gründe für dieses Verhalten erklären musste.
„Jake…“, begann sie zögernd und ihre Stimme klang sehr ruhig und bedacht, „Es ist eine echte Seltenheit, dass ein Na´vi-Pärchen ein Kind bekommt. Es ist nicht wie bei uns damals, dass man es einfach tut, ohne sich zu schützen und dann bekommt man ein Kind. Hier muss Eywa ihren Segen geben und das tut sie nicht oft in den letzten Jahren. Es liegt daran, dass nicht jeder Körper einer Na´vi Frau für eine Geburt geeignet ist. Und deshalb darf sich Neytiri nur im obersten Geäst des Heimatbaumes aufhalten. Weil sie dort Ruhe hat und vor den Blicken anderer geschützt ist.“
Grace machte eine Pause, da sie sah welche Wirkung diese Worte auf Jake hatten.
Er schien einige Augenblicke zu brauchen, bis er alles verstanden hatte.
„Neytiri wird aber nichts geschehen bei der Geburt, oder?“
„Nein, nicht wenn ich diese Kräuter zu einem Trank mische. Er stärkt sie von innen. Sie ist schmal gebaut und wird die Kraft brauchen, wenn sie ihr Kind auf die Welt bringt.“
Wieder schwiegen die beiden und blickten auf den riesigen Wald unter ihnen. Jake sah hinüber zu der Stelle, wo einst der Heimatbaum der Omaticaya gestanden hatte. Nachdem die Menschen ihn niedergebrannt hatten, war Jake mit seinem Clan weiter westwärts gezogen und hatte dort, mit Eywas Hilfe, einen neuen Heimatbaum ausgewählt. Er war sogar noch etwas größer als der letzte.
Grace begann wieder, Kräuter zu sammeln und Jake stand auf.
„Soll ich warten bis du fertig bist und dich dann mitnehmen?“
„Ich bin schon fertig, Jake. Aber flieg ja keine Loopings mit deinem Ikran, wenn ich drauf sitze. Sonst reiße ich dir den Kopf ab, Clanchef hin oder her.“
Jake grinste und war froh, dass Grace nicht ihren Humor verloren hatte.
Einige Stunden später landeten sie in einer der mittleren „Etagen“ des Heimatbaums, wo Mo´at grade dabei war, neue Stoffe zu weben. Er begrüßte sie mit größtem Respekt und sie tat es ihm gleich.
„Jake Sully…deine Frau braucht dich!“, sagte sie dann mit einem Lächeln. Jakes Herz begann vor Aufregung wild zu pochen und schneller denn je kletterte er bis in die Spitze des Heimatbaumes. Tatsächlich ging Neytiri dort auf und ab und schnaufte unregelmäßig.
„Jake!“, seufzte sie erleichtert, als sie ihn sah und er war sofort bei ihr und stützte sie. Dankbar nahm sie die Stütze an und lehnte sich an ihn, da die Schmerzen sie quälten.
Nach einigen weiteren Minuten, in denen ihr Bauch sich immer wieder stark verhärtet hatte, konnte sie nicht mehr stehen und musste sich hinlegen.
Jake trug sie zu seinem und ihrem Nest wo er sie vorsichtig von seinen Armen ließ. Neytiri streckte sich aus und krümmte sich im nächsten Moment schon wieder unter den Schmerzen der Wehen, die bei den Na´vi noch heftiger sein mussten, als bei den Menschen. Sie bäumte sich auf und schrie manchmal sogar.
Um seine Frau abzulenken fragte er sie:
„Wie willst du unser Kind nennen?“
„Olonía! Dank Eywa weiß ich, dass es ein Mädchen wird!“


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