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Vergessene Finnen im Parkhaus mitzunehmen geschieht auf eigene Gefahr!

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Samu Haber
10.01.2015
28.11.2015
225
627.452
108
Alle Kapitel
1.627 Reviews
Dieses Kapitel
172 Reviews
 
 
10.01.2015 2.241
 
Vorbemerkung:
Sunrise Avenue gehört mir natürlich nicht, ich hab mir die Jungs und das Umfeld nur mal ausgeliehen. Alles andere ist frei erfunden.
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So, hier meine zweite Story, ohne Konzept und/oder Nachgrübeln. War so ne spontane Idee, also einfach raus damit. Wems nicht gefällt, der muss es nicht lesen. ;) Freue mich trotzdem wie immer über Reviews.
Achtung, diese Geschichte wurde mit einem Augenzwinkern geschrieben, ist nicht ganz ernst gemeint und enthält Sarkasmus und Ironie. In Deckung. Diesmal hab ich versucht, das Ganze etwas flapsig-lustig zu schreiben. Wie sich die Story entwickelt und wohin, keine Ahnung. Lassen wir uns überraschen.
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Bärbel lief durch Frankfurt und wusste eigentlich nicht, wo sie hinwollte.
Einfach nur bisschen in den Geschäften gucken. Sich ablenken. Ihr war gerade alles zuviel, ihr Job kotzte sie an, ihre Eltern nervten, Freund hatte sie auch schon länger keinen mehr gehabt und mit zwei von ihren Freundinnen hatte sie sich gestritten. Und zwar richtig. Sie war mit der Gesamtsituation unzufrieden.
Eigentlich war sie ein fröhlicher Mensch gewesen, die letzte Zeit über. Was ihr jetzt so zu schaffen machte, wusste sie auch nicht. Und warum jetzt? Sie hatte heute frei, musste dann nochmal zwei Tage arbeiten und hatte dann 2 Wochen Urlaub. Das war doch eigentlich ein Grund, sich zu freuen.
Sie stapfte im Nieselregen über die Zeil, die Haupteinkaufsstraße von Frankfurt.
Ha! Saturn! Sie würde jetzt zu „MyZeil“ gehen zu Saturn, und hoffentlich nicht schon wieder irgendein teures Elektrogerät kaufen. Aber gucken konnte man ja mal! So ein schickes neues iPad wäre doch was. Oder ein Macbook. Zur Not ein Nasenhaarschneider. Bei dem Gedanken musste sie selbst lachen und ihre Laune besserte sich schlagartig. Bloß nicht zu übermütig werden. Wenn sie dann erfolgreich nichts gekauft hatte, oder eben doch, dann würde sie wieder heimfahren, ihr Auto stand direkt unter dem Einkaufszentrum im Parkhaus.
Wie immer irrte sie gefühlt mehrere Stunden in dem Einkaufszentrum herum, um die Rolltreppe hoch zum Saturn zu finden. Und es kam ihr vor, als sei ihr jeder im Weg. Und diese Leute mit den Doppelkinderwägen! Konnten die nicht wenigstens aufpassen, nicht jeden zweiten Passanten anzufahren? Autoscootermäßig umschiffte sie die gefühlt zwei Millionen Passanten und fand schließlich die Rolltreppe zum Saturn. Endlich!
Sie fuhr höher und höher und wurde vom unerbittlichen Rolltreppenmechanismus direkt in eine Menge an Menschen geschoben.
Hups. Was war denn hier los um Himmels Willen? Sie bahnte sich erstmal einen Weg zur Seite, die hinter ihr die Rolltreppe hochkommenden Saturnbesuchswilligen wollte sie nicht auf der Schulter hängen haben.
Sie lehnte sich an das Geländer und schaute, ob sie erkennen konnte, was diese Masse an hauptsächlich jungen Mädchen und Frauen, hier wollte. Sie erkannte aber nichts.
Also fragte sie einfach die nächstbeste Gruppe Mädchen.
„Was ist denn hier los?“
„Sunrise Avenue kommen zur Autogrammstunde!!“
„Ah, ok, danke.“
AHA!? Sunrise Avenue. Na, das war doch mal was. Bärbel fand ja Samu absolut schick und seine Stimme mochte sie auch irre gerne. Sie war aber erst seit „The Voice“ Fan. Trotzdem hatte sie alle Alben und auch die beiden Konzert-DVDs. Samu entsprach rein optisch dem, was sie als ihren Traummann bezeichnen würde, der war schon ok. Er war auch nur ein halbes Jahr älter als sie. Der Gedanke war schon irgendwie lustig, dass Teenies, die seine Kinder sein konnten, Schilder hochhielten mit „Samu, ich will ein Kind von Dir.“ Aber so war es ja immer und schon immer gewesen. Sie hatte früher ja auch für Bands und Schauspieler geschwärmt, die weit älter waren als sie.

Nun gingen die Türen auf und die Horde hormongesteuerte Weiblichkeit ergoss sich in den Laden. Es war ein spannend anzusehendes Drücken und Rennen und einige Aufbauten mit Toastern und Kaffeemaschinen schafften es, wenigstens 10 der vorbeihetzenden Teenies zu Fall zu bringen.
Bärbel schüttelte mit dem Kopf und musste lachen. Sie sah sich um, hinten auf der Etage gab es noch einen anderen Zugang zum Saturn, sie würde besser den nehmen. Sicher ist sicher.
Da die Fans nun weg waren, sah sie auch das Schild „Saturnbesucher bitte anderen Eingang benutzen“. Na dann.
Sie schaute bei den iPads vorbei, entschied sich gegen einen Kauf und dann wollte sie doch mal schauen, ob sie einen Blick auf die finnische Sahneschnitte erhaschen konnte.
Finnisch! Das wäre ja auch mal was! Finnischlernen. Haha. Sie hatte einige Interviews mit Samu auf finnisch gesehen. Die Sprache war absolut faszinierend.  Und das Land würde sie ja auch interessieren, lieber festfrieren, als schwitzen. Vielleicht würde sie da mal hinfahren. Vielleicht auch jetzt direkt, nächste Woche. Warum nicht. Naja, es war Mitte Februar, das war bestimmt nicht die optimale Reisezeit. Aber es würde billig sein. Sie war auch schon in Oslo und Stockholm gewesen, beides Anfang Mai, und selbst da waren maximal 2 sonnige Tage dabei gewesen.

Bärbel hatte die Autogrammstunde gefunden, das war auch nicht schwer. Wenn sich der Saturn da mal nicht übernommen hatte. Die Sicherheitskräfte schafften es gerade so, mehr schlecht als recht, die Fanmasse in geregelte Bahnen zu lenken.
Bärbel und einige andere nicht autogrammhabenwollende Saturnkunden besahen sich das Spektakel aus sicherer Entfernung von hinter einem riesigen, sonst wieviel Zoll 4k-Fernseher, von da aus hatte man schräg an der Fensterfront entlang einen guten Blick.
Die Sunrise-Jungs saßen an einem langen Tisch, es waren 4 von ihnen. Samu und Riku erkannte Bärbel, die anderen beiden, ja, die gehörten auch dazu, aber wer da jetzt wer war, keine Ahnung.
Bilder mit Blitz und Fotos mit den Bandmitgliedern waren wohl verboten, ab und an blitzte es trotzdem, aber das Geschrei der langsam an ihre nervlichen Grenzen stoßenden Saturnmitarbeiter konnte man durch den ganzen Laden hören.
Die Autogrammschlange schob sich zäh vorwärts. Als erstes saßen die beiden, die Bärbel namentlich nicht zuordnen konnte, dann Riku und am Schluß Samu. Die Mädels waren allesamt irre aufgeregt.
Alleine, Samu eine Weile zu beobachten, rettete Bärbel den Tag. Er sah aus wie im Fernsehen. Jeans, weißes T-Shirt, Kette, Chucks, und über seinem Stuhl hing eine schwarze Jacke. Er war lieb zu den Fans, schaute jeder in die Augen, unterschrieb auch auf absurdesten Körperteilen und er machte scheinbar auch ab und an mal einen Witz, wenn denn mal jemand kommunizieren konnte. Er lächelte jede freundlich an und stellte wohl auch mal die ein oder andere Frage. Bärbel stand nicht in Hörreichweite, aber sie hatte den Eindruck, als ob kaum eine der Mädels antwortete. Oder antworten konnte.
Die, die ihre Autogramme hatten, wurden von Saturnmitarbeitern und Sicherheitsleuten weitergebeten. Sobald die Mädchen ein paar Meter weg waren, hörte man sie kreischen und quietschen.
Mit einem Mal tat Samu Bärbel nur noch leid. Er war für die Mädels kein Mensch, sondern… ihr fiel kein passendes Wort ein. Spielzeug? Nein. Wenn er eine Frau wäre und die Mädels Jungs, wäre Wichsvorlage das richtige Wort gewesen.
Schick war er ja schon. Hach ja. Konnte sie nicht mal im richtigen Leben sowas wie Samu treffen? Nur in „normal“?
Sie sah noch eine Weile zu und verließ dann den Saturnmarkt. Die Rolltreppe nach unten war leichter zu finden, als die nach oben. Auf der Rolltreppe musste sie seufzen.
Oh ja, heute abend könnte sie mal wieder das Konzert von Sunrise Avenue gucken, auf DVD, und die diversen Youtube-Videos, die sie runtergeladen hatte. Dazu würde sie sich eine schöne Pizza holen. Super Plan. Und wenn sie dann noch Bock hatte, würde sie noch einen Bollywoodfilm hinterherschieben. Mal wieder so richtig im Herzschmerz baden.
Im Erdgeschoss angekommen fasste sie einen Entschluss. Sie lief nochmal rüber zum Hugendubel und kaufte sich 2 Reiseführer, einen über Finnland und einen über Helsinki. Wo sie schon mal da war, konnte sie auch noch einen Kaffee trinken. Oder einen Kakao. Da sie sich nicht entscheiden konnte, nahm sie einen Cappuchino.

Als sie ins Parkhaus zurückkam war wie immer die Frage, wo lang? Schon wieder hatte sie sich nicht gemerkt, auf welcher Seite ihr Auto stand. Die Ebene stimmte, da war sie sicher. So eine Scheisse.

Also hier ungefähr hatte das Auto gestanden. Aber da war es nicht. Also musste es auf der anderen Seite stehen. Genervt lief sie um die Mauer herum, die die Aufzüge umgab. Und knallte mit jemandem zusammen. Beide machten ein kleines, überraschtes Geräusch.
Meine Güte, hatte der Kerl ein Tempo drauf gehabt. Aber sie war auch nicht gerade langsam gewesen. Die Reisetasche, die er in der Hand gehabt hatte, klatschte auf den Boden und ihre Buchhandlungstüte auch. Beide hoben ihr Gepäck auf und sie sah zu ihm hoch. Es traf sie fast der Schlag. Sie starrte in zwei blaue Augen, die sie zu gut kannte. Allerdings eher von ihrem Fernseher oder Computermonitor.
„Sorry,“ sagte er und rang sich ein Lächeln ab. „Did I hurt you?“
„Yes, but I will survive.“ Sie musste grinsen und er auch. “Did you escape from the girls?”
Er grinste schief, zuckte mit den Schultern und musste erneut lachen. „Yeah, kind of…“
„Have a nice day.“ Sie nickte ihm freundlich zu und wandte sich zum gehen. Sie wollte ihn nicht belabern. Er war bestimmt froh, wenn er in Ruhe gelassen wurde. Sie sortierte ihren Schal wieder in die Jacke und ging in die Richtung, in der sie ihr Auto vermutete.
Da vorne war es, sie konnte schon die hintere Stoßstange sehen. Ein großer SUV stand nun daneben, kein Wunder, dass sie das erste mal vorbeigelaufen war.
Sie hörte Schritte hinter sich. „Excuse me?!“
Sie drehte sich um und wartete, bis Samu bei ihr war. Er atmete gestresst aus und fuhr sich hektisch-nervös, aber auch irre putzig durch die Haare. Ihn mal so aus der Nähe zu sehen war interessant. Im Fernseher sah er immer so jungenhaft und wie geleckt aus, aber jetzt hier, so ohne, dass ihn die Visagisten bearbeitet hatten, sah man doch einige Fältchen um die Augen und noch mehr kleine Muttermale, aber weit kleiner als das auf seiner linken Wange. Immerhin war der Kerl auch schon 38 und war kein Kind von Traurigkeit, wenn man den Medien glauben durfte.
„Hi again.“ Sie sah ihn interessiert an. Und hoffte, dass sie ihn nicht allzu auffällig anstarrte.
„I have a problem.“
„Oh. Ok. What?“
„The others forgot me here. But I have to be at the airport in fortyfive minutes. I’m really sorry for that, but can you get me to the airport? I pay you that what a taxi would cost of course. Please.”
“Ähm… sure. Come with me. But I don’t want money from you. That’s ok.” Sie lief weiter in Richtung ihres Autos.
“Thank you. You’re my…” Er suchte nach einem Wort.
„Lifesaver?“ Sie musste lachen. Er auch. „Ja.“
Bärbel drückte auf die Türenentriegelung ihrer Funkfernbedienung und die Lichter des dunkelblauen Mustang GTs blinkten auf.
Samus Gesichtsausdruck war göttlich. „THAT IS YOUR CAR?“
„Ja, Herr Haber, da guckense, ne?“  Ups, hatte sie das laut gesagt? Auch egal.
Samu sah sie völlig verstört an. Sie musste wieder leise lachen und öffnete den Kofferraum. „I meant, yes, that is my car.“
Samu hatte seine Reisetasche in den Kofferraum geworfen, sie warf ihre Tüte hinterher und Samu stieg kopfschüttelnd auf der Beifahrerseite ein.


Sie fuhren aus dem Parkhaus raus in Richtung Autobahn. Es war nicht viel los und den Mustang zu fahren machte wie immer einen Heidenspaß. Samu war ruhig und schaute aus dem Fenster.
„You said, they forgot you. How about that??“
Er seufzte. „They thought I would be in a car with Riku, but obviously they forgot that he is staying longer in Germany, I don’t know. I just saw them drive away.”
“Why didn’t you immediately call them?”
“My battery is dead.”
“Oh.” Sie griff in ihre Jacke und hielt ihm ihr iPhone hin. „Do you wanna call them?“
Er sah sie verschreckt an, als ob sie ihm gerade ein Brathähnchen hingehalten hätte und kein iPhone. Sie schaute zurück. Er überlegte wohl, ob er das tun könnte, immerhin hätte sie dann die Telefonnummer, von dem, den er anrufen würde. Riku vielleicht, oder einen der beiden Namenlosen. Er fand sein Lächeln wieder. Sein Fremde-Leute-Lächeln.
„No, thanks, I have my ticket. Everything’s ok. I will meet them at the gate.”
“Ok.” Sie steckte das Telefon wieder weg. „I just wanted to be polite. I didn’t want to scare you.”
Er atmete hörbar aus und kratzte sich am Kopf. Wehe, Du verteilst mir finnische Schuppen auf den Ledersitzen, mein Freund!
„No, no, I didn’t meant it unfriendly. I’m just a bit nervous, sorry. Thanks for driving me to the airport.”
“No problem, you’re welcome.”
“Nice car.”
“Yeah. I just love it.“
Er lächelte und sah weiter aus dem Fenster.
Sie kamen jetzt langsam in die Nähe des Flughafens.
„Which Terminal?“
„One.“
Sie fuhr den Schildern nach bis direkt vors Terminal 1. Einige der dort stehenden Leute starrten zu ihnen, aber der Mustang war eben kein silberner Golf. Da starrte immer irgendwer.
Samu nickte. Er sah sie an und lächelte. Na also, geht doch.
„Thanks a lot, ähm… What’s your name?“
“Bärbel.”
“Bör-bell?” Nein, BÄRBEL, Du Witzbold. Sie lächelte.
"Thank you for saving me." Er streckte ihr die Hand hin, sie ergriff sie. Er hatte einen angenehmen Händedruck, nicht zu fest und nicht zu schlaff.
Samu öffnete die Tür und faltete sich aus dem tiefen Auto nach draussen. Er wurschtelte am Kofferraum herum und knallte die Kofferraumklappe etwas zu fest zu. Ey, lass mir mein Auto ganz!
Er klopfte noch zweimal kurz aufs Dach und war einige Sekunden später durch die automatische Glastür im Flughafen verschwunden.
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