Erinnerung an deine letzten Worte

KurzgeschichteRomanze, Übernatürlich / P16
Naomi Nakashima Seiko Shinohara
07.01.2015
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Erinnerung an deine letzten Worte


Ich erinnerte mich nicht gerne zurück. Nein, ich hasste es mich zurückzuerinnern. An keine der Ereignisse die damals stattgefunden hatten wollte ich mich erinnern. Dennoch spielte sich jener Tag immer und immer wieder vor meinen Augen ab. Wie ich mit Seiko dort suchte, kämpfte und sie am Ende verlor. Wenn ich diesen Tag nur noch einmal erleben hätte könnte.. Ich wollte nie wieder in diese schreckliche Schule zurück.. aber wenn ich nur Seiko nocheinmal sehen hätte können.. dafür hätte ich alles getan. Das waren meine Gedanken während ich in der Ecke meines Zimmers stand und auf ein Foto von Seiko auf meinem Handy starrte. In der Mitte des Bildes jedoch klaffte ein schwarzes Loch und so konnte ich ihr Gesicht darauf nicht erkennen. „Seiko... Ich möchte dich sehen...“ flüsterte ich. „Willst du das wirklich?“ überrascht drehte ich mich um. Hinter mir stand ein kleines Mädchen das ich nur allzu gut kannte. Sachiko stand auf meinem Bett und grinste hämisch. Sachiko die eigentlich zur Ruhe gesetzt hätte worden sein. „S-Sachiko?!“ während ich diese Worte aussteiß stolperte ich nach hinten und rutschte an der Wand zurück. Meine Augen waren vor Angst geweitet und ich spürte wie mir kalter Schweiß die Haut runter lief. „Wieso.. wieso existierst du noch..?“ Auf diese Frage fing Sachiko an zu lachen. Ein kaltes krächziges Lachen. Ein fürchterliches Lachen. „Baaaka. Als wäre ich so leicht zu versiegeln! Nur weil ihr die Sachiko eurer Zeit und eures Universums zur Ruhe gesetzt habt, heißt das noch lange nicht das ich einfach Ruhe gebe!“ Diese Worte brachten mir reine Verzweifelung in mein Herz. Aber.. eigentlich war es mir inzwischen egal. „Bringst du mich zu Seiko?“ flüsterte ich.  Sachiko sah mich erst nachdenklich an und dann nickte sie. „Ich bin gerade sehr großzügig deswegen tue ich dir den Gefallen.“ sie kicherte während sie das sagte. Ich wusste das war eine Falle. „Also bereit loszugehen?“ fragte sie. Ich wusste, wenn ich ihr jetzt zusagte würde mich ein noch viel schlimmeres Schicksal ereilen, aber das war mir egal. „Es tut mir leid Klassensprecherin, Kishinuma-san und … es tut mir leid Satoshi. Ich bin einfach nicht so stark..“ flüsterte ich. „Ich bin soweit.. bring mich zurück.. zu Seiko!“ sagte ich laut und noch im selben Moment wurde der gesamte Raum in ein weißes Licht getaucht und verschluckte mich.

Als ich wieder aufwachte starrte ich an eine alte halbeingerissene Holzboden Decke. Die Decke der Heavenly Host Grundschul-Krankenstation. Ich war wieder in der Krankenstation. Ich lag auf einem der beiden staubigen Betten und Seiko lag neben mir. Ich atmete erleichtert aus. „Seiko..“ sagte ich mit Tränen in den Augen. Seiko öffnete ihre Augen und sah mich verwundert an. „Naomi.. Mach dir keine Sorgen! Wir beide kommen hier raus und zuhause warten der alte Mochida und die anderen auf uns, ja?“ sagte sie um mich zu beruhigen und streichelte mir dabei über den Kopf. „Seiko.. mir ist egal wo ich bin.. hauptsache ich bin bei dir..!“ schluchzte ich. „Hmmm? Sogar lieber als bei Mochida-kun?“ fragte sie erstaunt. Ich nickte. Natürlich liebte ich Satoshi aber.. ohne Seiko war meine Welt nur ein leeres Nichts. „WOHOOO! Naomi hat endlich die Seiko-route eingeschlagen..! Das lässt das Herz einer alten Dame höher schlagen!“ sagte Seiko mit einer alten Frauen Stimme. Ich hatte ihre seltsamen Witze vermisst, das fiel mir jetzt wieder umso mehr auf. „Verlass mich niemals.. egal was kommt.“ flüsterte ich ihr zu. „Naomi, wir bleiben immer zusammen komme was da wolle!“ antwortete sie mir. Ich lächelte und schaute sie dabei an. Für einen Moment konnte ich eine Spur von Traurigkeit in ihren Augen erkennen. Eine Traurigkeit die sie mit aller Kraft versuchte zu verstecken hinter ihrer fröhlichen Erscheinung. Seiko... Ich wusste was sie für mich empfand. Es tat mir leid, das immer ignoriert zu haben nach dem ich sie verloren hatte. „Seiko.. ich weiß von deinen Gefühlen und es ist okay für mich.. Also was auch immer du empfindest du kannst mir alles anvertrauen. Ich werde dich nicht zurückweisen.“ sagte ich schließlich beschlossen. Seiko wurde daraufhin rot und fragte mit sabbernden Augen: „Heißt das.. ich darf dich begrabschen so viel ich will?!“ „WA-“ aber da hatte sie ihr Gesicht bereits in meine Brüste getaucht und wuselte wie verrückt darin rum. „Seiko!“ sagte ich mit einem klagenden Tonfall. „Kkeine chance, oberst Naomi! Das Gebiet wird bereits eingenommen!“ schrie sie während sie seltsame Geräusche von sich gab als hätte sie gerade eine wundervolle Zeit. Ich seufzte schließlich und streichelte ihr über den Kopf. „Aber übertreibs nicht, ja?“ Diese Warnung kam nie in Seikos Gehirnzellen an.

Eine halbe Stunde später lagen wir beide erschöpft neben einander und Seiko sabberte immernoch wie verrückt. Aber wenn sie das eben glücklich gemacht hat, dann bin auch ich glücklich, sagte ich zu mir selbst. Und so schloss ich meine Augen und entspannte mich etwas. Dann hörte ich auf einmal ein rascheln neben meinem Ohr. Als ich mich umdrehte um zu sehen was da war, sah ich wie Seiko sich aufrichtete und  mich ansah. „Ich werde mich nochmal im Schulgebäude umsehen, du kannst ruhig liegen bleiben und dich ausruhen bis ich den Ausgang gefunden habe.“ Nein. Neinneienneinneien. Weil wir uns damals getrennt hatten, hatte Seiko sterben müssen, das wollte ich nicht zulassen. „Ich komme mit!“ rief ich. Seiko sah mich besorgt an. „Aber..“ „Kein aber, ich komme mit, auf jeden jeden fall! Und wenn ich im Sterben liege ICH KOMME MIT.“ schrie ichförmlich. Seiko zuckte zusammen bei meiner Lautstärke. „Ah..! Entschuldige bitte Seiko.. Ich habe nur fürchterliche Angst alleine zu sein.. also bitte lass... nein deswegen komme ich mit!“ Ich stand vom Bett auf und sah sie mit einem Blick der keinen Widerstand zu ließ an. Mein Fuß war verstaucht, aber diesen Schmerz hielt ich gerne aus wenn ich dadurch Seiko retten konnte. Seiko seufzte. „Du lässt mir keine Wahl, was? Dann mir nach!“ Und so machten wir uns mal wieder auf die Suche an dem schlimmsten Ort an dem ich je gewesen bin und dem ich eigentlich bereits entflohen war. Aber das machte nichts so lange Seiko bei mir war. Auch als wir eine lange lange Zeit die bis auf die vielen verteilten Leichen, leeren Gänge absuchten ohne etwas zu finden, bereute ich nichts.

Wir sind nun schon eine Woche hier, und haben bereits nur ein oder zwei Seelen getroffen. Nichtmal Sachiko, oder einer ihrer Handlanger sind aufgetaucht. Seiko und ich lehnen an einer Schulwand. Wir konnten dank dem Übergang in ein anderes Gebäude etwas regenwasser sammeln und hatten deshalb etwas zu trinken, aber der Hunger wird immer schlimmer. Hier gibt es nichts zu essen. Seiko drückt meine Hand fest zu. „Naomi..? Ich glaube das ist das Ende.“ Ich nicke. Ja. Das ist wohl das Ende. „Naomi..?“ „Ja, Seiko..?“ „Glaubst du die Kleinen kommen ohne mich zurecht?“ Die Kleinen... Seikos kleine Geschwister. Sie muss sich viel um sie kümmern da ihre Eltern sehr beschäftigt sind. „Sie finden einen Weg... schließlich hast du sie so toll erzogen..“ Seiko fängt an zu weinen. Ich drehe meinen Kopf und sehe sie komplett an. Ich habe kaum noch Kraft zu sprechen. Weine nicht Seiko... „Naomi..? Ich danke dir. Ich bin froh das ich meine letzten Stunden mit dir verbringen durfte...“ flüstert sie. Ich nicke. „Ich bin auch so froh...“ flüstere ich mit krächzender Stimme. „Ich hab dich lieb Naomi.. so so sehr lieb.. Ich hab dich lieb.. ich hab dich...“ Seiko wird immer leiser während sie das sagt. „Seiko..?“ flüstere ich. Es kommt keine Antwort. Seiko ist von mir gegangen. Ein weiteres mal habe ich sei verloren. Aber das ist nicht schlimm, denn bald werde ich ihr folgen.. Und dann werden wir beide Seelen die diese Schule heimsuchen, aber das ist nicht schlimm denn solange Seiko bei mir ist bin ich glücklich. So so glücklich. Seiko.. Ich liebe dich.
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