Der Preis der Gnade

von Avarantis
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Aredhel Fingolfin Fingon Maedhros
07.01.2015
01.08.2019
16
55323
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Anmerkungen:
Nach einer halben Ewigkeit melde ich mich dann auch wieder zurück, mit einer Geschichte, bei der ich lange gezögert habe und die mir doch sehr am Herzen liegt. Es ist eine, wie ich es gerne nenne, Wunschinterpretation in Richtung Maedhros und Fingon und gleichzeitig der Versuch, sie realistisch darzustellen. Der Prolog fällt ein bisschen aus dem Raster der restlichen Geschichte und ich hoffe, dass ich damit jetzt niemanden abschrecke.
Damit gekennzeichnet * sind wörtliche oder nahezu wörtliche Zitate aus dem Silmarillion. Das Silmarillion, JRR Tolkien, übersetzt von der Ausgeburt des Bösen Krege, Klett-Cotta Stuttgart 2011, S. 203.

Disclaimer:
Das hier ist die Geschichte des fabelhaften Tolkien und ich schwöre hiermit feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin und alle Charakter später wieder unbeschadet zu ihm zurückbringen werde.

Summary:
Neu in Beleriand werden die Noldor erschüttert von der ganzen unheimlichen Macht des Dunklen Feindes, der sie beinah droht, in die Knie zu zwingen. Der rechtmäßige König Maedhros gefangen und einem grausamen Tod ausgeliefert, scheint alle Hoffnung verloren. Eine Aussöhnung und Rückkehr zu voller Stärke schwebt in weite Ferne und außer Fingon scheint sich niemand an einst bestehende Zuneigung zu erinnern. Denn was es dafür braucht ist Tapferkeit und ein Herz, das längst vergeben hat.

Arbeitstitel:
Scopes Our Hearts Tell, was soviel wie "Die Grenzen, die uns unsere Herzen auferlegen" bedeutet.

Beta:
Erstes Fehlerausmerzen von Aley.
Den weltbesten Betadienst von starkeeper, die euch vor den schlimmsten Bandwurmsätzen bewahrt hat und fast Rezensionen schreibt. Du bist der Knaller!
Danke!

Warnung:
Vielleicht ein bisschen albern, weil es eine Fanfiktion ist. ABER: Wir weichen hier in Bezug auf Fingon und Maedhros vom Canon ab und bewegen uns auf dem dünnen Eis von einigen süßen Interpretationsansatzpunkten, wonach die zwei sehr wohl eine Beziehung hätten führen können. Wenn jemand mit mir darüber diskutieren möchte: PN, ich liebe Diskussionen!


Protagonisten:
Fingon, Findekáno, der Tapfere/Kühne. Sohn von Fingolfin.
Maedhros, Maitimo, Russandol, Nelyafinwe/Nelyo, eigentlicher König der Noldor, vereitelt durch Morgoths eisernen Griff.

Relevante Nebencharakter:
Aredhel, Irissë, Ar-Feiniel. Fingons Schwester.
Turgon, Turukáno. Fingons Bruder.
Fingolfin, Ñolofinwë. Anführer der Noldor, die über das Malm-Eis, die Helcaraxë, gingen.
Die Söhne Feanors, weil sie immer relevant sind und mir außerdem den Anreiz zu dieser Geschichte gaben. Hauptsächlich wird Maglor, Makalaure, hier die tragende Rolle spielen, aber sie tauchen alle mindestens einmal auf. Somit auch: Celegorm, Tyelkormo/Tyelko. Curufin, Curufinwe/Curvo. Caranthir, Carnistir und  Amras. In dieser Geschichte folge ich der Auffassung, dass Amrod bei dem Verbrennen der Schiffe starb.

Eigene Charakter:
Aglor, ranghöchster und begabtester Heiler in Fingolfins Gefolge, ein Noldo, über die Helcaraxë aus Aman gekommen.
Annúmion und Carmato, zwei von Fingolfins zwölf Beratern, die bereits seit Finwes Zeiten an seiner Seite stehen.
Athiel, eine Sinda vom Mithrim-See, lebt als eine von vielen Lehrlingen in Fingons Gefolge, um von den Noldor unterwiesen zu werden.


Speziell für den Prolog: Ich habe gefühlsdusseliger Elb gespielt. Hiermit sei gewarnt.




Der Preis der Gnade



Prolog: Erinnerungen an Feuer


Hoch oben am dunklen Himmel leuchteten die Sterne, gemeinsam mit dem seltsamen, neuen Licht, das wir Tilion nannten. Die Kälte biss wie immer durch die dicksten Roben hindurch, nagte an geschundener Haut und versuchte einmal mehr, auch Einzug in erkaltete Herzen zu erlangen. Sie schien uns jeder verbleibenden Hoffnung zu berauben.

Mehr als einmal war ich versucht, aufzugeben, als der tosende Wind mit eisigen Nadeln auf meine Wangen schlug. Das Weinen der Elblinge wehte an meine Ohren. Die klammen Finger meiner Schwester Irissë drückten sich in meine Hände. Sie zog mich vorwärts, emsig, wie sie immer schon gewesen war.

Ein jeder Elb schien auf dem Weg über das Malm-Eis zu gefrieren, äußerlich oder innerlich. Es gab keine Rettung vor den wütenden Stürmen und dem frostigen Griff. Niemand konnte sich ewig erwehren und viele bewundernde Blicke trafen mich, wenn ich weiter marschieren konnte, wo die Kräftigsten von uns aufgaben. Jeder gierte nach meinem Geheimnis, doch sie erhielten nur ein Lächeln, keine Antwort.

Denn was ich ihnen hätte erzählen können, hätte sie tiefer erschüttert, als meine Beständigkeit. Es hätte ihnen den Boden unter den Füßen geraubt und ihnen die letzten Wurzeln ihrer heilen Heimat entrissen. Denn selbst ihr edler Prinz hatte den Gesetzen der Valar gesündigt.

In den tiefsten Winkeln meiner Seele hatte ich die Erinnerung verwahrt. Das sanfte, erste Lachen. Die unsicheren Berührungen einer keuschen Zuneigung. Die scheuen Küsse, gehaucht nur, die Worte der Vernunft und unserer Erziehung noch in den Ohren. Das Verbot hallte in uns nach, ließ uns zurückschrecken, wenn raue Lippen sich voneinander lösten, wir mit erhitzten Wangen einander beschämt anblickten.

Als halbe Kinder teilten wir jene weichen Knospen einer ersten Liebe miteinander. Nur die Erinnerung an deine forschenden, vorsichtigen Hände auf meiner Haut, dein Lächeln, wenn ich über dir kniete, nachdem wir uns raufend im Laub der fallenden Blätter gewälzt hatten, dein Schopf so kupfern wie das Herbstkleid der Bäume verblieb. Sie bewahrten mich vor den eisigen Klauen des klirrenden Frostes, als wir das Malm-Eis überquerten. Mit niemandem hätte ich den unbesiegbaren Feuerglanz in meinem Inneren teilen wollen, denn du warst mein, wie ich dein gewesen war und somit gehörte der Nachklang deiner Leidenschaft nur mir.

Du fülltest die Leere aus Hunger, Kälte und Tod. Niemals schafften es die harschen Worte oder das dunkle Flüstern über Verrat, die Erinnerung zu zerstören.

Mein Balsam aus Stärke und Stolz, meine Unermüdlichkeit, dies alles verdankte ich dir, mein Geliebter. Die Schritte über die Helcaraxë wurden mühsamer und beschwerlicher. Selbst jene, die mir teuer waren, blieben nicht von Unglücken verschont. Sogar mein unerschütterlicher Vater lehnte seinen Kopf an meine Schulter, als die dunkelste Stunde über uns anschlug.

Es gab Momente, in denen ich mir deine Berührung herbeisehnte, wenn die jungen Elblinge sich an mir festhielten und ich ein Lächeln erzwingen musste. Der letzte Trost für ihre elternlosen Seelen. Ich wünschte mir, du würdest mich nur ansehen, mich mit deinem Blick erwärmen und die bittere Kälte vertreiben, die sich einheimste, deinen Körper an mich schmiegen und mir bedeutungslose Worte zuflüstern.

Doch natürlich kamst du nicht über die dichten Wolken der klirrenden Nächte, die manchmal sogar die Sterne verhüllten, zu mir geflogen. Nur in unruhigen Träumen glaubte ich von Zeit zu Zeit zu hören, wie deine Stimme nach mir rief, ein fernes Wogen und Schreien in meinem aufgewühlten Geist, als hättest du meiner Anwesenheit ebenso bedurft, wie ich der deinen.

Obwohl mein Volk das Wispern nicht einstellte und unsere Familien hoffnungslos voneinander entfernt schienen, da Lügen und Zwietracht in uns allen erwachsen war und die boshaften Schrecken des ewigen Eises auf uns lasteten, war da doch immer ein trauerndes Herz junger Liebe. Es konnte nicht vergessen und es vergab auf so wunderbare Weise. Jeglicher Groll wurde fortgeschwemmt, die Wunden des Verrats heilte.

Wir alle sahen hinauf, als der Horizont sich färbte, rot, wie dein Haar und Arien sich zum ersten Mal über uns am Himmelszelt erstreckte, den Frost verbannte und unsere erschütterten Geister zum Tauen brachte. Blumen sprossen zu unseren Füßen und laut erscholl das Horn des Königs in den Berghängen jener neuen Welt, gemischt mit dem Freudentaumel aus unseren Kehlen, als wäre uns ein Frühling in Aman beschieden.

Ich wusste wenig zu dieser Zeit über deinen Verbleib. Aber das Schicksal ließ mich hinauf auf die schwarze Feste blicken und ich glaubte, unter dem Frohlocken unseres Volkes einen grotesken Misston herauszuhören. Einen einsamen, gequälten Schrei deiner Stimme und das Flimmern roter Strahlen im Glanz der hellgelben Sonne.
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