Nachtsterne und Schwerelosigkeit

von Arzani92
KurzgeschichteFreundschaft / P12 Slash
Ben Beckman der Rote Shanks
06.01.2015
06.01.2015
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Shanks hatte keine Ahnung wie viel er schon getrunken hatte, aber mochte das Gefühl. Er fühle sich leicht, während die Musik um ihn herum waberte und er sich mit den Tönen treiben ließ. Es war wie ein Bad in den Wellen und er war die Schaumkrone auf den Geigen, Flöten und Stimmen.
Er lachte, prostete seinen Männern zu, lachte wieder und trank. Das Komische war, dass die Flasche, die er in der Hand hielt nicht leer wurde, aber er kannte ja die Crew. Sobald bei ihnen auch nur ansatzweiße der Verdacht aufkam, dass er nichts mehr hatte, wurde ihm schon ein neuer Sake in die Hand gedrückt.
Gesichter flogen an ihm vorbei, die meisten kannte er. Ben, Yasopp, Lou und wieder Ben. Immer wieder Ben. Er unterhielt sich mit Menschen, wusste auch, dass das was er sagte passte, aber ein Nebel in seinem Kopf rückte die Geschehnisse trotzdem in weite Ferne. Es war wie träumen, nur das er sich bewegen und lachen und tanzen konnte.
Er drehte sich erneut, der Alkohol in der Flasche schwappte und instinktiv ließ er einen neuen Schluck seine Kehle herunter rinnen. Er wollte das Hochgefühl solange genießen wie er konnte. Er wollte feiern, atmen, glücklich sein. Er wollte leben.

Es war dunkelste Nacht, als die Musik immer leiser wurde, die Menschen immer weniger. Shanks merkte, dass die Party langsam vorbei war, aber das war okay so. Sie hatten Spaß gehabt. Sie hatten gelacht wie schon lange nicht mehr und gefeiert wie schon lange nicht mehr. Die Crew war glücklich und er war es auch.
Die Welt drehte sich leicht, sein Gang machte es ihm nicht leichter, aber bis zur Red Force war es nicht weit. Während er lief ließ er seinen Kopf in den Nacken fallen und schaute in die hell leuchtenden Sterne, die den Nachthimmel erhellten. Sie waren wunderschön.
„Kipp nicht um, Käpt’n.“, rief ihm eine Stimme zu. Er kannte sie, lachte und winkte ab. Er würde nicht umkippen, er war doch am fliegen.
Der Mond machte es leicht sich zurechtzufinden, die Welt war schwarzgrau und die Konturen durch den Alkoholnebel leicht verschwommen. Nichts Scharfes war in seiner Welt, keine Furcht und keine Angst. Er hatte gewusst, dass nichts passieren würde und er wusste, dass die Nacht so blieb. Ein erneuter Blick in den Himmel bestätigte ihn darin. Die Sterne lächelten ihn an.

„Käpt’n?“
Die Stimme war neben ihm und starke Arme stabilisierten seinen Gang. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er leicht geschwankt hatte. Ein Glucksen entfloh seiner Kehle, weil er den Gedanken wie ein Pendel hin und her zu schwingen ziemlich lustig fand. Dann dreht er sich leicht zur Seite und schaute in klare Augen und kantige Züge. Es ließ ihn lächeln.
Er hatte Ben nicht bemerkt, aber das wunderte ihn schon nicht mehr. Er war zu betrunken und sein Vize zu nüchtern, als das er sich darüber Sorgen gemacht hätte.
„Benny …“, lachte Shanks und strahlte den Mann mit den langen, schwarzen Haaren an. Sofort umfingen ihn helle Augen, die ihn kritisch musterten.
„Geht’s dir gut?“
Immer noch grinsend nickte der rothaarige Kapitän und seine Haare flogen dabei leicht um seinen Kopf. Der Strohhut rutschte ihm auf den Rücken und nur die angebrachte Schnur verhinderte, dass er auf den Boden fiel.
Inzwischen kam das Schiff in Sicht, der Hafen lag unweit die Straße hinunter, denn Shanks hatte nicht aufgehört weiter zu gehen. Er bemerkte es gar nicht. Laufen war so viel einfacher, wenn Ben neben ihm war. Eigentlich war alles einfacher, wenn Ben dabei war. Nur, dass dieser ihn immer noch kritisch musterte gefiel ihm nicht.
„Guck nicht so böse“, grinste der Rothaarige und automatisch fuhr eine Hand zu dem Gesicht des Anderen. Mit leichten Fingern strich er über die Lippen Bens und deutete das Lächeln an, das seiner Meinung nach in den Zügen des Älteren fehlte. Dabei verlor er seine Konzentration einen Moment und stolperte leicht über seine eigenen Füße, die den Boden falsch eingeschätzt hatten. Doch bevor etwas passieren konnte hielten ihn warme Arme und eine starke Brust. Shanks konnte Bens Herz klopfen hören.
„Du bist unmöglich!“, murmelte der Größere in die rubinroten Haare und Shanks lachte, weil er fühlen konnte, wie Ben seinen Kopf schüttelte.

Sie gingen eine Weile schweigend weiter, die Red Force kam immer näher und immer noch war das Schwanken nicht verflogen. Aber Shanks störte sich nicht daran, er mochte es, weil es sich anfühlte wie auf dem Schiff, wenn dieses seinen Weg durch die Wellen pflügte.
Bens Arm lag angenehm fest um seine Taille und bewahrte ihn vor weiteren Stolperfallen. Die Wärme, die vom Körper des Anderen ausging, spürte Shanks durch seine Klamotten prickelnd auf seiner Haut und instinktiv lehnte er sich etwas enger in die Seite seines Vizes. Er wusste eigentlich, dass er so das Laufen für beide erschwerte, aber der weiße Schleier in seinem Kopf hinderte ihn daran das wirklich ernst zu nehmen. Stattdessen flog ihm der markante Geruch seines Nebenmanns in die Nase.
„Ich bin froh, dass du da bist, Ben.“, flüsterte der Rothaarige und erntete dafür einen irritierten Blick. Es brachte ihn zum Lachen. Sein Körper bebte leicht, was den Anderen dazu veranlasste seinen Griff zu verstärken. Shanks konnte nicht anders als es zu genießen.
„Du bist betrunken …“, war die einzige Antwort, die der Kapitän zu hören bekam und obwohl sie resigniert klang, lachte er erneut. Wieder trafen ihn helle, fragende Augen, die sich in den Sternenhimmel einfügten. Sie waren so vertraut wie das Meer.

Auf einmal blieb Shanks stehen, brachte somit Ben beinahe zu Fall, jedoch nahm er es nicht war. Er merkte nur, dass der Boden sich leicht drehte und doch hielt er sich grade, indem er Bens Gesicht als Fixpunkt für sich nahm. Er war seine Konstante, an die er sich hielt wenn er schwankte. Immer noch wurde er fragend gemustert, nun stärker als davor.
Shanks lachte leise und lächelte.
„Mir egal.“
Seine Worte ließen die Irritation in Ben nicht abflauen. Er spürte es, grinste, weil er es mochte wenn er Ben verwirren konnte. Sein Vize war viel zu schlau für ihn, der Alkohol in Shanks machte ihn empfänglich für so eine Wahrheit und trotzdem hatte er keine Angst davor. Dieser Mann hier vor ihm gehörte einfach zu seinem Leben. Das war auch eine Wahrheit. Solange er ihn noch verwirren konnte war Shanks glücklich.
Unwillkürlich streckte der Rotschopf eine Hand aus und versuchte Bens Nasenspitze zu treffen. Seine Fingerspitze landete gezielt daneben, was ihn lachen und Ben die Augen verdrehen ließ. Doch er zog sie nicht wieder zurück, sondern fuhr mit der Handinnenfläche die Wange seines Vizes nach. Die zweite Hand kam dazu und das Schwanken in seinem Inneren machte es einfach, dass zu tun was er tat.
Weich streiften Shanks' Lippen die Bens, der Kuss war flüchtig und zart. Die hellen Augen blitzten kurz auf, irritiert aber positiv irritiert. Dann ließ er wieder von dem markanten Gesicht ab und kicherte leise.
„Ich bin froh, dass du da bist, Ben. Grade weil ich betrunken bin. Aber auch, wenn ich nicht betrunken bin.“ Shanks stoppte kurz und schaute nachdenklich die vertrauten Züge an. Dann lächelte er als hätte er die Antwort auf alle Fragen der Welt gefunden. „Ich bin eigentlich immer froh, dass du da bist.“

Während er Ben immer noch anschaute, konnte der Rotschopf erkennen wie sich ein leichtes Funkeln in die Augen des Anderen schlich. Ein flüchtiges Lächeln kam dazu, dann schüttelte er den Kopf und wuschelte seinem Kapitän durch die Haare.
„Du bist wirklich betrunken.“ grinste er und wieder war Shanks an Bens Seite, fühlte ihn neben sich, genoss den Halt und flog, während die Sterne leuchteten und die Konturen durch den weißen Nebel leicht verschwammen. Er mochte das Gefühl betrunken zu sein.


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Mein erster hauchzart angedeuteter Shanks x Ben OS.
War ja klar, dass das mal kommen musste xD

Das ganze ist übrigens am Tag nach meiner FH-Fete geschrieben worden, was heißt, dass ich noch sehr gut nachvollziehen konnte, wie es sich so anfühlt ein bisschen berunken zu sein :)

Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr seid nicht zu geschockt, dass ich auf einmal slash schreibe xD

lg Arzani
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