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Fragmente

von rebelyell
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Sci-Fi / P18 / Gen
Jonathan Archer T'Pol
05.01.2015
05.03.2018
8
31.382
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.02.2018 3.423
 
A/N: Das Kapitel wurd zu lang... also hab ich's gezwungenermaßen zweigeteilt... Hier ist Teil 1 ;)
Viel Spaß beim Lesen!

Fragmente  

Kapitel 6 - Entführt

 
 
 
 
»Es tut mir leid, Captain Archer, aber kann Ihnen wirklich nicht helfen!« beschwor Arylanka flehentlich.
Ihre eingesunkene Gestalt wirkte lebendiger als zuvor. Die Angst stand ihr ins Gesicht geschrieben.
»Wir haben unser ganzes Leben auf einem Planeten verbracht, dessen Namen wir nicht einmal wussten, geschweige denn dessen System oder irgendwelche Sternenpositionen. Ihnen mag das vielleicht seltsam erscheinen, aber es gibt noch Wesen in diesem Universum, die nichts von Sternenreisen wissen oder von ihren Wundermaschinen, die so schnell reisen können, dass wir es uns nicht einmal vorstellen können. Mir bereitet die Vorstellung immer noch Kopfzerbrechen, dass wir uns inmitten der Sterne befinden und nicht auf einem Planeten mit der sprießenden Erde unter meinen Füßen und dem rostbraunen Himmel über meinem Kopf. Ich fürchte, wir können Ihnen bei Ihrem Problem nicht helfen.«
»Es tut Ihnen leid?« Er erhob nur ungern seine Stimme, allein schon aufgrund der Umstände, wie sie überhaupt hier eingetroffen waren. »Ein Drittel meiner Crew wurde entführt und wir haben keine Spur, die wir verfolgen könnten, und Sie sagen mir, dass es Ihnen leid tut? Tischen Sie mir keine Märchen auf! Ich kann Ihnen beim besten Willen nicht glauben!« Er fuhr sich mit der Hand durch das kurze Haar und stemmte die Hände ratlos in die Hüften. »Wie heißt der Planet, von dem Sie kommen?« Er ließ seinen Blick zu den anderen wandern, musterte eindringlich ihre Gesichter. Irgend jemand von ihnen musste doch etwas wissen. »Es kann doch nicht sein, dass niemand weiß, auf welchem Planeten er geboren wurde!«
»Wir haben alle in der Dralyris Kolonie gelebt. Aber das ist nur eine Region von vielen. Es gab keinen Grund, zu wissen, auf welchem Planeten wir uns befanden«, sagte schließlich einer der Jungen. Wie war noch gleich sein Name gewesen…. Irgend etwas mit T…
»Und trotzdem habt ihr alles daran getan, um den Planeten zu verlassen? Ta…?«
»Takk!«
»Richtig! Takk… Es erscheint mir unlogisch, um nicht zu sagen: unnötig, einen Planeten zu verlassen, ohne das Wissen um andere Planeten. Ihr müsst ein Ziel gehabt haben. Einen Planeten, auf dem ihr euch sicher fühlen könntet. Andererseits hätte es doch genügt, die Kolonie zu verlassen…«
Arylanka war es, die ihn hier unterbrach: »Sie verstehen nicht, Captain. Viele vor uns haben es bereits versucht. Sie wurden alle immer wieder eingefangen. Es gab kein Entkommen, für niemanden von uns. Unser Schicksal galt den Meistern so lange wie wir auf dem Planeten blieben. Wir wussten, dass es eine Methode gab, den Planeten zu verlassen. Und es hat lange Zeit in Anspruch genommen, einen Schmuggler zu finden, der willentlich sein Schiff bereit stellte, um uns von dem Planeten weg zu bringen. Sie sehen ja selbst, wohin es ihn geführt hat. Als das Schiff angegriffen wurde, muss etwas schreckliches passiert sein. Wir haben den Captain und seine Crew danach nie wiedergesehen. Ich weiß nicht, wie lange es her ist. Aber unsere Verfolger müssen hinter ihnen her gewesen sein. Andererseits kann ich mir nicht erklären, warum sie uns auf dem Schiff unserem Schicksal überlassen haben.«
Doch für Archer machte es durchaus Sinn.
Eine lange Zeit war er auf und ab gelaufen, dass Phlox fast fürchtete, der Captain würde eine Kuhle in den Boden seiner Krankenstation wandern. Abrupt blieb er stehen. »Es war keine Frage der Bedrohung. Den Meistern, wie ihr sie nennt, war von Anbeginn klar, dass ihr keine ernsthafte Gefahr für sie darstellen würdet. Was habt ihr schon im Leben gelernt? Waffenumgang? Warptechnologie? Ingenieurwesen? Ich denke nicht. Die einzige Bedrohung waren die Schmuggler, und so wie ich das sehe, war es einfach nur eine Frage der Vergeltung. Vielleicht… Ich kann mich allerdings auch irren. Fest steht jedenfalls, dass ein Drittel meiner Crew fehlt! Und ich werde alles in meiner Macht stehende tun und sie nicht den Leuten überlassen, die sie entführt haben. Gebt mir etwas, womit ich arbeiten kann! Ich glaube nicht, dass keiner von euch weiß, wo wir mit der Suche anfangen müssen!!«
Betretendes Schweigen herrschte auf der Krankenstation. Captain Archer ließ keinen Moment daran zweifeln, dass er für seine Mannschaft durchs Feuer gehen würde - für jedes einzelne Crewmitglied. Nicht einmal Phlox schien zu seinen sonst sonnigen Aufmunterungsversuchen bereit zu sein.
»Wir haben euch gerettet! Obwohl wir euch nicht kennen, oder eure Hintergründe. Vielleicht seid ihr ja auch nur Verbrecher auf dem Weg in eine Strafkolonie… oder ihr habt den Captain des Schiffes verraten für eure Freiheit? Wir haben euch gerettet, obwohl unsere Mission absolut keinen Aufschub zulässt! Mein Volk wird von einer Spezies bedroht, mit der wir zuvor noch nie Kontakt hatten! Es sind schon so viele Menschen gestorben… unschuldige Menschen! Kinder! Viele von meiner Crew haben Freunde und Familie verloren. Schon allein aus diesem Grund dulde ich keine Verzögerung meiner Mission! Und trotzdem sind wir eurem Notrufsignal gefolgt! Unser Planet wird von eurem Volk bedroht, und trotzdem haben wir uns die Zeit genommen, eine Rettungsmission für euch zu starten. Obgleich uns bewusst war, dass sich Xindi an Bord befinden mussten. Das Volk, das einen Planeten mit über 8 Milliarden Menschen vernichten will!« Er hielt kurz in sich. Es hatte keinen Zweck diese Leute anzuschreien. Es war vergeudetete Energie und Zeit. Hilfesuchend sah er sich nach Phlox um. »Sind die Verletzten versorgt?«
»Das Gröbste konnte ich behandeln. Der Rest wird einige Zeit zum Heilen benötigen, Captain.« Phlox hob die Augenbrauen, war aber nicht dazu imstande, sich ein Lächeln abzuringen.
»Gut…«, sagte Archer mehr zu sich selbst. Sein Blick war gen Boden gerichtet und er holte ein paar Mal tief Luft ehe er weitersprach: »Ich werde ein Sicherheitsteam damit beauftragen, euch in Frachtraum 5 zu begleiten. Von da an steht ihr unter Arrest.«
Der Captain drehte auf den Absatz um und verließ den Raum.


* * *


Die Luft war stickig und erschwerte das Atmen. Es war dunkel. Auf der anderen Seite des Raums war eine Notschild beleuchtet. Das kleine Licht schien so unheimlich weit entfernt. Die Leuchtkraft reichte kaum einen halben Meter weit.
So lag der Großteil des Raums in tiefer Dunkelheit, gefüllt von schwerem Atmen, Husten und Flüstern.
Es schallte von den Wänden dumpf zurück wie in einem überfüllten Raum.
Das Erwachen war schwierig und anstrengend.
Müdigkeit und Taubheit durchzog ihre Gliedmaßen wie sie sie noch nie erlebt hatte. Sie konnte sich nicht bewegen, ob ihrer Kraftlosigkeit oder einem anderen Grund. Alles fühlte sich unnatürlich an.
Sie konzentrierte sich auf das Flüstern. Die meisten Worte konnte sie verstehen, aber dann waren Stimmen darunter, die in ihrem Kopf keinen Sinn ergaben.
»Was ist das hier?«
»Wo bin ich?«
»Was ist passiert?«
Es war eine Litanei aus Fragen ohne Antwort.
Ein Wimmern direkt neben ihrem Ohr weckte ihre Aufmerksamkeit. Die Stimme kam ihr bekannt vor. Ein Versuch war es allemal wert.
»Hoshi.« Eine Feststellung, obwohl sie die Angst in ihrer Stimme nicht unterdrücken konnte.
Das Wimmern neben ihr brach jäh ab.
»Ja, wer ist da?«
»T'Pol«, antwortete sie, obwohl Lieutenant Sato sie an ihrer Stimme hätte erkennen müssen.
»T'Pol? Was ist passiert? Ich kann mich nicht bewegen!« Rascheln von Schuhen über unebenen Boden betonten Hoshis erfolglosen Versuch.
»Sind Sie gefesselt?« fragte die Vulkanierin.
»Ich weiß es nicht. Mein Kopf tut weh. Ich spüre meine Finger, aber ich kann sie nicht bewegen.«
»Sie wurden betäubt.«
»Woher wissen Sie das?«
»Ich fühle ebenfalls meine Glieder, aber was ich auch versuche, ich kann sie nicht bewegen. Zwei Vorfälle mit dem gleichen Ausgang sind unwahrscheinlich. Folglich müssen wir betäubt worden sein.«
Die Linguistin schnaubte verächtlich.
»Hat irgend jemand eine Idee, wie wir hier hergekommen sind?« fragte eine andere Stimme ganz in der Nähe.
»Ensign Cutler, Sie auch?! … Nein«, sagte Hoshi. »Ich kann mich daran erinnern, dass ich einen Funkspruch übersetzen wollte. Er war unter einer doppelten Menge Interferenzen versteckt…« Sie stöhnte leise auf. Ein trockenes Rascheln schob sich über den Boden. Leises Murmeln in unverständlichen Sprachen deuteten an, dass sie nicht alleine waren. »Irgend jemand wollte den Funkspruch verdeckt halten. Ich hatte ihn aufgezeichnet, aber dann wurden wir angegriffen…«, sprach Hoshi weiter.
»Wurde die Enterprise geentert?« fragte Ensign Cutler. Angst presste sich zwischen ihre geflüsterten Worte.
»Ich kann mich nicht daran erinnern«, begann T'Pol. »Wir waren dem anderen Schiff bei weitem unterlegen. Sie haben ohne weiteres gewusst, wo sie gezielt ihre Waffen einsetzen mussten, um uns manneuvrierunfähig zu machen.«
»Glauben Sie das wirklich, Sub Commander?« fragte eine andere Stimme, die sie nicht zuordnen konnten.
»Wer spricht da?« fragte Hoshi irritiert.
»Crewman Jessica Darlton, Ma'am…« Die Stimme zitterte bei jedem Vokal. Sie klang fasrig und dünn, wie nach einer langen durchzechten Nacht.
»Sie arbeiten im Ingenieursbereich unter Commander Tucker!« fiel es T'Pol ein.
Jetzt war allen klar, dass sie nicht einfach nur fest saßen, wie nach einem normalen Angriff, bei dem sie alle betäubt wurden. Dazu waren zu viele Crewmitglieder aus den unterschiedlichsten Sektionen in einem Raum zusammengepfercht.
Die Luft war durchtränkt von erwachendem Stöhnen und Geflüster.
Eine unangenehme Vorahnung sagte T'Pol, dass dies hier eine vollkommen ausartende Dimension annehmen würde. Das Taubheitsgefühl ebbte ganz langsam ab. Nicht nur in ihren Gliedmaßen, auch ihre hyperempfindlichen Sinne erwachten aus ihrem Tiefschlaf.
Der Raum schien viel größer zu sein, als sie vorher angenommen hatte. Die Geräusche, die die Wände verschluckten, waren das Resultat einer überstrapazierten Anhäufung von Lebewesen.
Nicht einmal die Hälfte von den Gemurmelten Worten konnte sie verstehen, was sie alarmierte.
Als sie schließlich weitersprach, war ihre Stimme gedämpft: »Wir sind nicht allein unter uns von der Enterprise«, warnte sie die anderen. »Wir müssen rekonstruieren, wie wir hier hergekommen sind, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Wo immer 'hier' auch gerade ist.« Sie sprach zum Ende hin schneller.
Mit ihrem empathischen Spürsinn, brach auch die Angst der anderen ohne Widerstand auf sie herein. Nur mit Mühe konnte sie verhindern, dass ihr eigener Terror ihre Worte gefährlich einfärbte.
»Ich kann mich an ein helles Licht erinnern als ich Phlox auf der Krankenstation ausgeholfen habe«, erklärte Cutler. »Es kribbelte auf einmal überall. Bevor alles schwarz wurde, hat er meinen Namen gerufen.«
»Wer?« fragte Hoshi.
»Phlox… denke ich. Er redete ununterbrochen. Wir hatten uns auf den Notfall vorbereitet. Seine neuen Patienten hatten sich alle in eine Ecke gedrängt. Ich wollte sie noch beruhigen, bis ich dieses Licht sah.«
»Was meinen Sie mit Licht? Ein Phaser? Wurden Sie angeschossen?« hakte T'Pol nach.
»Nein…«, begann Cutler. Ihr Zögern verriet, dass sie sich selbst nicht im Klaren darüber war. »Ich habe keine Schmerzen gespürt. Es fühlte sich mehr wie ein Transporterbeam an.«
Betretenes Schweigen folgte.
Bevor irgend jemand vorschnelle Schlussfolgerungen ziehen konnte, versuchte T'Pol die Konzentration der Gruppe auf einen Punkt zu bündeln. »Ist einer von Ihnen verletzt? Schwer verletzt?«
»Nein«, lautete die allgemeine Antwort. Das war immerhin eine gute Nachricht. Man hatte sie gefangen genommen, aber ihnen nichts angetan.
»Was machen wir jetzt?« fragte eine militante Stimme. »Corporal Amanda Cole«, fügte sie hinzu, bevor sie jemand danach fragen konnte. Sie war eine der MACOs, die zum Schutz der Enterprise abgestellt wurden.
»Wir bleiben möglichst beisammen. Wenn das die Leute sind, die auch hinter denen vom anderen Schiff her waren, dann haben sie uns aus einem bestimmten Grund nur betäubt«, erklärte T'Pol mit gezwungen ruhiger Stimme. »Wir müssen dafür sorgen, dass wir in einer Gruppe bleiben. Wenn wir getrennt werden, ist die Chance geringer, dass die Enterprise uns ausfindig machen wird. Sie kennen alle Captain Archer. Er wird nicht aufhören, nach jedem einzelnen von uns zu suchen.« Inständig betete T'Pol dafür, dass sie ihren Kommandanten nicht falsch einschätzte. Sie verzichtete ebenfalls darauf, explizit von den letzten Ereignissen auf der Brücke zu berichten. Es reichte, wenn sie sich selbst vorstellen musste, was ihnen allen bevorstünde.
»Glauben Sie etwa, dass sie nicht jeden von der Enterprise gefangen genommen haben? Was ist, wenn Captain Archer hier ebenfalls irgendwo ist?« fragte Corporal Cole.
»Dann werden wir dafür sorgen, dass wir alle frei bekommen und die Enterprise zurückerobern werden, um jeden Preis.« T'Pol wollte noch mehr sagen. Sie war die Ranghöchste und alle anderen würden sich nach ihr richten, ob sie es nun wahr haben wollte oder nicht. Aber sie kam nicht dazu.
Grelles Licht durchflutete den Raum.
Verängstigte Schreie brachen über sie herein wie eine Welle.
Ein kurzer Blick genügte, um den Raum zu überschauen. Es waren hauptsächlich Frauen. Zumindest von dem, was T'Pol als weiblich bezeichnen würde. Sie versuchte, den Captain ausfindig zu machen, aber es hatte keinen Sinn. Es waren einfach zu viele Lebewesen auf einmal.
Der Raum war eingeteilt in quadratische Bereiche, die allein durch eine leicht erhöhte Laufbrücke getrennt wurden. In ihrem Quadrat befanden sich ausschließlich weibliche Crewmitglieder der Enterprise - und davon nicht wenige. In dem Quadrat neben ihnen kauerten Frauen einer anderen Spezies. Der Kleidung nach zu urteilen, gehörten sie zur Mannschaft eines anderen Schiffes.
Es bereitete ihr Sorgen. Wenn sie die Mannschaft nach Geschlechtern getrennt hatten, dann hatte das einen Sinn, der ihr schon im Ansatz missfiel.
Die Tür zischte und glitt beiseite.
Herein traten drei groß gewachsene Kreaturen. Sie waren nicht humanoid. Einer von ihnen schlängelte sich auf Tentakeln über den Boden. Ein anderer hatte mehrere Arme, dessen Segmente an das Außenskelett eines Insektoiden erinnerten und keine Hände besaß. Der Dritte wirkte wie ein wildes Tier auf zwei Beinen.
Der Ursprung beider Völker war T'Pol völlig unbekannt. Auch die Sprache verstand sie nicht.
Sie warf Hoshi einen fragenden Blick zu, doch diese war starr vor Angst, dass es keinen Sinn ergab, sie nach einer Übersetzung zu fragen.
Die Kreaturen schritten mit erhobenem Haupt über die Laufbrücke. Wo sie die Abschnitte passierten, verkrochen sich die Frauen in die entferntesten Ecken, so weit es auch ging mit ihren Fesseln.
Auch ihre Gruppe tat es den anderen gleich. Sie drängten sich zusammen und starrten die Kreaturen an, die sich ihnen unentwegt näherten.
Einer von ihnen beobachtete sie. Seine schwarzen großen Augen lagen starr in seinem Kopf, so dass er den ganzen Kopf bewegen musste, um die Blickrichtung zu ändern. Eins hatten die Kreaturen gemeinsam. Auch wenn sie nicht derselben Rasse angehörten, waren sie ähnlich gekleidet. Sie trugen dunkle lederne Hosen, die sich eng an ihre Beine schmiegten, und darüber einen langen reichlich verzierten Lendenschurz. Der Oberkörper war nur von einer langen braunen Weste verdeckt.
Die Kleidung schien ihnen relativ unwichtig zu sein, denn sie stand vor Dreck und war an vielen Stellen zerschlissen. Außer dem Wesen, das sie eindringlich begutachtete. Sein Hals war mit Schmuck behangen und auch um seinen Kopf herum waren Bändchen eingewoben. Aus seinem Mund ragten zwei mit Ringen besetzte Hauer.
Die zwei anderen waren mehr untersetzter Form. Der eine war klein und dick. Sein Kopf versank zwischen seinen Schultern und um seinen Oberkörper herum sprossen mehrere Tentakel in alle Richtungen. Sein Mund stand offen und entblößte eine Reihe vergilbter Fänge. An den Mundwinkeln hing der Sabber in dicken Tropfen herab.
Ein wahrlich widerlicher Anblick. Den Flecken auf seiner Kleidung zu urteilen, war er die Ursache für diesen Gestank.
Der Dritte im Bunde war dünn und schmächtig. Nicht klein, aber auch nicht groß. Vermutlich auch nicht stark genug, um es mit einer Vulkanierin aufnehmen zu können. Er hielt sich mehr im Hintergrund auf und zuckte gelegentlich mit dem Kopf, wie von einem psychischen Tick geplagt. Seine Gliedmaßen ähnelten denen eines Insekts. Anstelle eines Mundes hatte er Kieferklauen, die unentwegt gegeneinander rieben und dabei kleine Klacklaute erzeugten. Seine Facettenaugen zogen sich über den größten Teil seines Kopfes. Es war schwer zuzuordnen, wohin er blickte. Sein starres Gesicht verriet keine Regung. In gleichmäßigem Rhythmus wischte er sich mit seinen kantigen Ärmchen über die Augen.
Der Größte von ihnen machte sich bemerkbar.
Sein Arm schnalzte wie eine Peitsche auf den Boden und zog sich gleich wieder in seine Form zurück.
Alle schreckten auf.
Nur T'Pol nicht. Sie starrte ihnen trotzig entgegen, während die anderen sich zitternd zu einem Haufen zusammenschoben.
Er zeigte ihnen ein kleines Gerät, das undefinierbare Laute erzeugte. Erst kleine trommelnde Geräusche, dann ein ohrenbetäubendes Zirpen, bis sich alle die Hände gegen die Ohren pressten.
Er tippte etwas in das Gerät ein. Wieder erschallte etwas in rhythmischen Maßen. Dieses Mal aber weniger unangenehm.
Die Frauen der Enterprise starrten sich gegenseitig unsicher an.
Hoshi schüttelte ratlos den Kopf. So etwas hatte sie noch nie gehört.
Wieder tippte er etwas in seinen Apparat.
Dieses Mal erschallte eine mechanisch abgehakte Stimme: »Aufstehen!«
Und um dem Befehl Nachdruck zu verleihen, schnalzte er wieder mit seinem Arm auf den Boden, direkt vor den Füßen der Gruppe.
Zitternd folgten sie der Aufforderung und er deutete darauf, dass sie vortraten.
Sie wurden vorgeführt wie eine Fuhre neuer Nutztiere. Eine nach der anderen.
Ihr Aussehen wurde beurteilt. Sie wurden gescannt, von einer Seite zur anderen geschoben, herumgedreht wie unfähige Puppen.
Der schmierige kleine Kerl nahm Untersuchungen vor und begutachtete die neue Fracht. Der Insektoid hielt sich indes im Hintergrund und beobachtete sie. Er schien sich Notizen zu machen und alles aufzuschreiben, was gesagt oder befunden wurde.
»Was werden die mit uns machen?« flüsterte Hoshi T'Pol zu.
»Ruhe!« knackte es durch den kleinen Lautsprecher. Sein Arm erwischte Hoshi auf der Brust mit einer solchen Wucht, dass sie in sich zusammenbrach. Die anderen kamen ihr zugleich zur Hilfe.
Doch das war ein Fehler. Schläge und Peitschenhiebe prasselten auf sie ein. Zwischen ihren Schreien wurden die Befehle des kleinen Geräts beinahe verschluckt.
»Aufstehen!« - »Liegen lassen!« - »Aufstehen!« - »Bestrafung!«
Die Wortfetzen ergaben wenig Sinn, aber sie trugen alle zur gemeinsamen Botschaft bei:
Unverzüglicher Gehorsam, kein Reden, und nicht dem anderen zur Hilfe kommen.
Bald standen sie wieder in einer Reihe, mit dem Blick gen Boden gerichtet.
Ihr Peiniger begann mit imponierendem Auf- und Abgehen. Er streckte die Brust heraus wie ein stolzierender Hahn, die Hände hinter dem Rücken gefaltet, den Kopf hoch erhoben.
Er sagte etwas, ohne es in den Übersetzer einzugeben. Es war schwer einzuordnen, was er meinte, ob er mit ihnen sprach oder eher zu sich selbst. Den Reaktionen der anderen Anwesenden in den übrigen Parzellen nach zu urteilen hatte es jedenfalls nichts gutes zu bedeuten. Willkür beherrschte sein Handeln. Wer ihn unbedacht ansah, wurde zurechtgewiesen. Bei seiner Machtdemonstration war ihm jedes Mittel recht. Schläge in den Unterleib, gegen die Beine, Tritte in den Rücken, wenn eine von ihnen vortreten und sich wie bei der Fleischbeschau umdrehen sollte.
Er verursachte keine schlimmen Verletzungen, aber er machte eines unmissverständlich deutlich:
Sie mussten gehorchen, wenn sie nicht bestraft werden wollten.
Und bestraft wurden sie so oder so, wenn sich auch nur eine von ihnen unaufgefordert bewegte oder mit der Wimper zuckte… oder ihn bloß ansah.
Sie besaßen keine Rechte mehr, denn sie waren von nun an sein Eigentum.
Wie lange sie in einer Reihe standen, konnte keiner von ihnen sagen.
Der kleine Dicke begrabschte sie von allen Seiten, drehte sie herum wie es ihm gerade beliebte und fuchtelte mit einem Scanner vor ihnen herum. Dann sagte er etwas über seine beleibte Schulter hinweg. Er stand direkt vor Hoshi und sie wagte einen kurzen Blick hoch zu seinem Gesicht. Seine Zähne waren von einem gelben Glibber überzogen und sein Atem stank wie verwestes Aas. Der Geruch verlangte ihr alle Konzentration ab, sich nicht unbedacht zu bewegen, aus Angst wieder geschlagen zu werden.
Schließlich wandte er sich von ihnen ab und ging zu seinem Kollegen hinüber.
Die Unterhaltung zwischen ihm und dem hageren Insektoiden glich einem aufbrausenden Klacker- und Grunzkonzert. Sie gestikulierten wild umher. Die Tentakel des wulstigen Kerls zuckten und drängten den Insektoiden schrittweise zurück. Sein Gegenüber ließ sich das nicht lange gefallen. Bald waren sie in einem handfesten Streit verwickelt.
Die große behäbige Kreatur schrie die beiden an. Sofort war der Streit vergessen. Er schien rangmäßig über ihnen zu stehen. Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, widmete er sich wieder den Frauen der Enterprise.
Er starrte sie eine lange Zeit an, ging wieder auf und ab, schnalzte mit seinem Peitschenarm vor ihren Füßen, so dass sie verängstigt zusammenzuckten. Das bereitete ihm äußerst große Genugtuung.
Und doch sagte er nichts. Er gab ihnen keine Befehle. Er zeigte kein Interesse an ihnen oder an den anderen Wesen in diesem Frachtraum.
Die Stille war angespannt, dass es keiner wagte sie zu unterbrechen - nicht die anderen Gefangenen, und auch nicht seine Begleiter.
Die Tastengeräusche seines kleinen Geräts klangen schließlich surreal laut und deutlich. »Aufstellen - Reihe - zwei. Mitkommen!«
Es war ihnen nicht klar, was von ihnen verlangt wurde. Die Peitsche war schneller als ihre verängstigten Blicke und seine Gehilfen eilten ihnen herbei und packten sie an den Schultern. Aufgestellt in einer Zweierreihe wurden sie aus der Parzelle geschoben und in einen dunklen Gang geführt.
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