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Fragmente

von rebelyell
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Sci-Fi / P18 / Gen
Jonathan Archer T'Pol
05.01.2015
05.03.2018
8
31.382
2
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Dieses Kapitel
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12.01.2015 3.103
 
Kapitel 2 - "Weisses Rauschen"


»Wissen Sie, langsam fange ich an, die Sitzungen zu genießen.«

»Wie meinen Sie das, Commander?« fragte T'Pol nach, obwohl sie es bevorzugte, die Pressurpositionen in absoluter Stille durchzuführen. Sie hatte ihn schon oft darauf hingewiesen, aber es nützte einfach nichts. Den menschlichen Drang zum sozialen Geplauder zwischendurch würde sie nie verstehen.

»Nunja, wir waren ja von Anfang an nicht die besten Freunde und bei allem Respekt, ich hätte mir nie vorstellen können, freiwillig mit Ihnen meine Abende zu verbringen.« Er biss sich auf die Unterlippe.

»Niemand zwingt Sie hierzu, Commander.« Sein Blick haftete auf ihr, doch sie ignorierte ihn und wechselte einfach zum nächsten Pressurpunkt.

»Nein, nein, das ist es nicht«, korrigierte er sich schnell. »Ich meine, ich weiß, dass ihr Vulkanier keine Fans von überflüssigen Berührungen seid.«

Ihre Finger kribbelten, wenn sie mit seiner Haut in Kontakt kamen. Jedes mal überflutete sie ein Wirbel von Gefühlen und Gedanken, dass sie sich stets intensiv auf ihre Barrieren konzentrieren musste. Trip hatte einen undisziplinierten Geist, der in alle Richtungen um sich griff und sie mit seinen Eindrücken und Empfindungen regelrecht erschlug. Nach einer Sitzung war sie meist erschöpfter als nach einer turbulenten Schicht auf der Brücke.

»Vulkanier berühren sich gegenseitig nur selten. Es gehört zum guten Ton, die Privatsphäre des anderen zu respektieren. Nicht einmal enge Freunde würden sich unbedacht auf die Schulter klopfen oder umarmen…« erklärte sie ihm und setzte sich schließlich auf den Platz hinter ihm.

»Wenn sich Vulkanier selten berühren, wie macht ihr das dann mit der Neuropressur? Oder gelten diese Regeln hierfür nicht?« Er wollte den Kopf drehen, doch sie hinderte ihn daran.

»Konzentrieren Sie sich, Commander!« ermahnte sie ihn mit scharfem Unterton. Ihre Fingerspitzen wanderten über seine Schulterblätter und korrigierten seine Haltung. »Neuropressur wird nur im engsten Kreis der Familie ausgeübt.«

»Sie meinen zwischen Eltern und Kindern?« fragte er befremdlich.

»Nein, ich meine mehr zwischen Ehepartnern.«

»Oh.« Er ließ den Kopf hängen und schien peinlich berührt von der Erkenntnis.

T'Pol atmete tief durch. Schließlich korrigierte sie seine Kopfhaltung erneut, bevor sie die nächste Übung anstrebte.

Stille legte sich über sie. Eine Ruhe, der T'Pol nicht trauen mochte.

»Stört Sie das etwa?« fragte sie schließlich.

Er antwortete ihr nicht. Stattdessen bemerkte sie seine irritierte Atmung, dass sie die Übung unterbrach und sich wieder vor ihm hinkniete. »Wenn Sie ein Problem mit unseren Sitzungen haben, sollten Sie es mir sagen. Die Neuropressur wirkt nicht, wenn Sie sich mental dagegen sperren.«

Trip wich ihrem Blick aus und fühlte sich sichtlich unwohl. »Ich finde es nur seltsam, dass Sie etwas mit mir zusammen machen, das nur unter Verheirateten praktiziert wird…«

»Können Sie nach unseren Übungen besser schlafen?«

Er zögerte, nickte schließlich doch.

»Fühlen Sie sich am Tag darauf ausgeruht und arbeitsfähig?«

»Ja, besser als mit dem Schlafmittel von Phlox«, antwortete er etwas verwirrt.

»Dann erfüllt die Neuropressur ihren Zweck, und es sollte Ihnen nicht peinlich sein. Auf Vulkan gibt es Spezialisten, die die Neuropressur denen anbieten, die keinen Partner haben oder deren Partner verstorben ist. Da ist nichts verwerfliches bei«, erklärte sie ihm ruhig, doch an seinen Augen konnte sie erkennen, dass sie seine Zweifel nicht völlig beseitigt hatte.

Die Zeituhr auf ihrer Konsole fing an zu läuten.

»Die Zeit ist um, Commander« verkündete sie und stand recht unzeremoniell, doch elegant auf. »Bitte üben Sie die Posituren drei bis sechs noch einmal genauestens. Sie würden mir eine Menge Arbeit abnehmen, wenn Sie sich mehr konzentrieren würden.«

»Tut mir leid«, entschuldigte er sich salopp und rappelte sich schwerfällig vom Boden hoch. »Ich wollte Ihnen keine Umstände bereiten.«

»Das tun Sie nicht, Commander. Wie sagen die Menschen dazu? Wir sitzen alle in ein und demselben Boot. Wenn Sie Ihre Arbeit gut verrichten, profitieren wir alle davon.«

Ihr Blick fiel auf die Uhr. Es war 2030. Noch eine halbe Stunde, bis Jonathan vor ihrer Tür stünde. Wenn sie sich beeilte, hätte sie noch genügend Zeit, um ein wenig für sich selbst zu meditieren. In der ersten Mediationsübung würden sie nicht viel meditieren können.

»T'Pol?« fragte Trip sie leicht alarmiert.

Da bemerkte sie, dass er mit ihr geredet hatte. »Tut mir leid. Was haben Sie gesagt?« hakte sie nach und massierte sich die Schläfe.

Trip wiederholte sich unbeirrt: »Sie kommen doch zum Kinoabend am Dienstag? Ich dulde keine Widerrede! Schließlich muss ich mich doch irgendwie bei Ihnen revanchieren!«

»Commander, ich glaube nicht, dass ich dazu die Zeit finden werde.« Ihr graute es vor einer überfüllten Messe und den vielen Emotionen, gegen die sie sich nicht wehren konnte.

»Ich akzeptiere nur ein 'Ja', Sub Commander!« Trip legte ein schiefes Lächeln auf, von dem er der Meinung war, dass es sein charmantestes Lächeln sei.

T'Pol kannte ihn mittlerweile so gut, dass sie wusste, sie würde sich nicht aus der Situation herausreden können. »Ich werde es mir überlegen.« Es war keine Zusage, und sie nahm sich vor, bis dahin einen Grund zu finden, aus dem sie keine Zeit für den Kinoabend haben würde.

Es reichte allerdings aus, um Trip einen Glanz in die Augen zu zaubern.

»Morgen um die gleiche Zeit?« fragte er und seine Laune hatte sich auf wundersame Weise gehoben.

»Mir wäre es recht, wenn wir unsere Übungen reduzieren würden. Ich fühle mich nicht ausreichend genesen für tägliche Sitzungen.«

Trip runzelte die Stirn als er eine faule Ausrede roch: »Sagten Sie nicht, dass die Neuropressur den Körper anregt, natürliche Heilstoffe zu produzieren? Was mache ich falsch?«

Sie widerstand der allzu menschlichen Rekation des Augenrollens. Ihre Geduld war erschöpft. »Commander, es ist zu Ihrem Wohl, wenn wir die Übungen vorerst reduzieren. Wenn ich Ihnen nicht wehtun will, ist es unablässlich, dass ich mich ganz auf die Übung konzentiere. Im Moment fällt es mir schwer.«

Commander Tucker stand gleich am ersten Abend wieder vor ihrer Tür nachdem Phlox sie von der Krankenstation entlassen hatte. Vielleicht sah er es als Gefallen an, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Sie selbst empfand die Übungen und seine bloße Anwesenheit als Herausforderung ihrer Geduld an. Es zehrte an ihrer Energie.

»Verstehe…«, sagte er dann etwas missmutig. »Wann setzen wir die Übungen fort?«

»Heute in drei Tagen. Dann wird die Wirkung nachgelassen haben.« Inständig hoffte sie darauf, dass sie seine Behandlung bald abschließen konnte. Sie schätzte ihn als Kollegen und als guten Ingenieur, aber ihre Freizeit wollte sie nicht für immer mit ihm teilen müssen.

»Dann… gute Nacht, Sub Commander.«

»Gute Nacht«, rief sie ihm hinterher, aber da war die Tür bereits zu.

Sie zündete ein Räucherstäbchen und ihre Meditationskerze an. Der Sandelholzduft kam ihrer Erinnerung an ihre Heimatwelt sehr nahe. Sie konzentrierte sich auf ihre Atmung und suchte ihre Balance. Ihr blieb nicht viel Zeit. Commander Tucker hatte sie weitere zehn Minuten aufgehalten. Er wollte nur Smalltalk machen, obwohl er wusste, dass das nicht zu ihren Stärken gehörte. Besonders nach dem Zwischenfall mit der Seleya und den 145 Besatzungsmitgliedern, die dort ihren Tod fanden, zehrte jeder zwischenmenschliche Kontakt an ihren Nerven.

Nach wenigen Minuten fing ihr Körper an zu zittern, obwohl es warm war. So sehr sie sich zur Ruhe und Balance zwang… der Effekt blieb aus.




***



Es war 2055 als das Signal an ihrer Tür erneut ertönte. Captain Archer war pünktlich. Ein Pluspunkt für ihn. Denn auch wenn es Vulkaniern nie in den Sinn käme, zu spät zu kommen, war das bei den Menschen eine unsittlich schlechte Angewohnheit. Commander Tucker kam andauernd zu spät oder gar nicht - ohne sich abzumelden. Das konnte sie nicht gut heißen.

»Herein«, rief sie ohne von ihrem Kissen aufzustehen.

Captain Archer hielt eine Thermoskanne hoch und zwei Tassen. Sie verbalisierte ihre Frage erst gar nicht, sondern zog nur eine Augenbraue skeptisch hoch.

»Kamillentee«, sagte er als wenn es eine Erklärung darstelle. »Sie trinken den Tee doch oft und man sagt er soll beruhigend wirken. Genau das, was ich heute gebrauchen kann.«

Er merkte, dass sie zögerte, genauso wie sie merkte, dass sein Lächeln und seine gute Laune gespielt waren. Doch keiner von ihnen sprach den anderen darauf an.

Die Tür glitt zu nachdem er eingetreten war. Er blieb dort stehen und wirkte ziemlich unbeholfen mit den Tassen und der Thermoskanne. Beide schwiegen und ihm dämmerte, dass der Tee vielleicht doch keine so gute Idee war.

»Setzen Sie sich«, forderte T'Pol ihn auf als er keine Anzeichen zeigte, es sich irgendwie bequem zu machen.

Sie beobachtete ihn schweigend. Er trug eine dunkle Sporthose und ein langärmeliges graues Hemd. Bevor er sich auf das Meditationskissen setzte, streifte er die Schuhe ab. Sie registrierte jede seiner Bewegungen. Er nahm im Schneidersitz ihr gegenüber Platz, auf dem vorderen Teil des Kissens, nicht mit dem Gesäß auf dem ganzen Kissen. Er reckte seinen Hals und korrigierte seine Kopfhaltung mit dem Daumen auf dem Brustbein und dem Zeigefinger gegen sein Kinn. Sie hatte es vorausgesetzt, doch nicht damit gerechnet, dass er tatsächlich ihre Anleitung gelesen hatte.

»Ich habe jahrelang asiatische Kampfkunst ausgeübt als ich noch ein Kadett war. Meditation und andere Übungen wie Thai Chi gehörten zur Grundausbildung«, antwortete er ihr auf ihre stumme Frage.

»Thai Chi?« fragte sie schließlich leise.

»Ursprünglich eine Kampfkunst mit festgelegten Figuren und Bewegungsabläufen. Sie wird heute eher als Gymnastiklehre betrachtet und dient der Gesundheit sowie auch der Meditation.«

»Ich habe Sie noch nie bei so etwas gesehen«, wandte T'Pol skeptisch ein. Sie rückte von ihrem Kissen ab und kniete neben ihm, um seine Haltung im Profil zu betrachten. »Sie machen ein Hohlkreuz.«

Ohne nachzufragen schob er beide Handflächen unter sein Gesäß und balancierte sein Becken aus. Es war beinahe perfekt. Sie kniete sich hinter ihn mit einer Hand in seinem Kreuz, die andere legte sie ihm auf den Oberbauch unterhalb des Brustbeins. Weder zuckte er, noch versteifte er sich, er reagierte ganz gelassen auf ihre Korrekturen, ohne dagegen anzukämpfen.

»Ich hatte schon immer irgendwie ein Problem, den Rücken gerade zu halten. Besser so?« fragte er sie als sie ihm so nahe war, dass er ihren Atem in seinem Nacken spüren konnte.

»Wenn Sie die Übungen kennen, warum wenden Sie sie dann nicht an?« wunderte sie sich leise, und war doch froh, dass sie nicht mit der allerersten Meditationslektion beginnen mussten.

Archer zuckte leicht mit den Schultern und antwortete ebenso leise und auch ein wenig nachdenklich: »Ich habe es mir nie zur Gewohnheit gemacht. Es passte nicht in meinen Tagesplan. Wenn ich mit der Arbeit fertig war, warteten die Theoriebücher auf mich bis ich mit einem Pad unter der Nase einschlief. Es hat sich bis heute nicht viel daran geändert… Was ist mit dem Tee?«

Sie ließ von ihm ab und nahm wieder auf ihrem Kissen Platz. »Normalerweise dulde ich keine Ablenkung während des Meditierens, auch nicht bei einer Führung durch eine Meditationsübung.« T'Pol atmete angestrengt tief durch.

»Sie sehen aus, als könnten Sie eine Tasse gebrauchen.« Als sie nicht auf sein Angebot reagierte, fügte er schließlich hinzu: »Die Kanne hält den Tee lange genug warm.« Er stellte die Tassen wieder ab und widmete sich ihr voll und ganz.

Sie holte aus ihrer Nachtkonsole einen schwarzen unförmigen Gegenstand. Es war ein Stein, dachte Archer zumindest. »Wie führen Menschen Meditationen durch?«

»Es gibt nicht den einen Weg zu meditieren. Im Laufe der Zeit entwickelten viele Kulturen verschiedene Methoden zu meditieren. Im Grundkurs haben wir immer mit einer Atemübung angefangen begleitet von Entspannungsmusik.«

»Die Menschen meditieren zu Musik?!« fragte sie beinahe entsetzt.

»Musik hat für mein Volk viele Funktionen. Sie kann Emotionen ausdrücken, Euphorie entfachen, aber auch beruhigen. Ich müsste noch einen Datenträger dazu haben.« Er sah ihr Zögern und wusste, dass sie sich dagegen sträubte. Doch er wusste auch dagegen zu steuern: »Ein wenig Aufgeschlossenheit würde keinem von uns schaden… Also was soll ich tun?«

»Nehmen Sie diesen Stein in die Hand und konzentrieren Sie sich auf seine Beschaffenheit. Fühlen Sie seine Risse, seine Oberfläche, die Wärme… Schließen Sie die Augen und folgen Sie meiner Stimme.«

Er kam ihrer Aufforderung nach. Sobald er sich nur noch auf den Stein konzentrierte, umgab ihn ein stärkeres Aroma, ein fremder Geruch, der sich mit der Duftkerze verschmolz - etwas, das er sich nicht erklären konnte. Der Duft hüllte ihn ein und hieß ihn Willkommen wie nach einem langen Marsch. Er fühlte sich geborgen und beinahe Zuhause. Durch diesen Nebel drang T'Pols ruhige Stimme an sein Ohr: »Atmen Sie tief ein und wieder aus. Wiederholen Sie die Atmung, finden Sie einen Rhythmus, der Ihnen Ruhe vermittelt. Denken Sie an den Stress, die vielen Aufgaben, die noch auf Sie warten, die unerledigten Berichte, die Sie noch lesen müssen… beim nächsten Einatmen schieben Sie die Aufgaben weit von sich. Sie befreien sich von der Last des Tages, von der Last Ihrer Gefühle und folgen dem Klang meiner Stimme zu einem Ort, an dem Sie Ihre Last von den Schultern streifen können. Sie atmen ein… ganz langsam ein… und beim ausatmen entledigen Sie sich all Ihrer Pflichten. Vertrauen Sie Ihrem Pfad und lassen Sie sich von der Ruhe und Entspannung einhüllen.«

Ihre Stimme lockte ihn wie eine unwiderstehliche Verführung nach einem alles umfassenden Frieden, dem Nichts und Niemand etwas Schadhaftes antun konnte, der immer da sein würde, wenn er nach ihm suchte. Ihre Worte verschwammen in einem weissen Rauschen. Der Stein war vergessen. Er hielt ihn wie einen Anker am Boden, aber er nahm ihn nicht mehr als Stein in seiner Hand wahr. Das weisse Rauschen verschwand hinter einer durchsichtigen Wand, die ihn vor dem Äußeren bewahrte. Er ließ sich dort nieder und saugte die bloße Energie in sich hinein, die der Tag und seine Pflichten aus ihm herausgepresst hatten.

Als er die Augen wieder öffnete schien T'Pol mit ihrem Schüler zufrieden zu sein.

»Wie lange…?« fragte er orientierungslos.

»Anderthalb Stunden«, antwortete sie.

»Tut mir leid, wenn ich Sie so lange von Ihrer eigenen Meditation abgehalten habe.« Archer machte Anstalten aufzustehen, wurde aber von T'Pols Hand auf seinem Arm aufgehalten.

»Das haben Sie keineswegs. Wie fühlen Sie sich?« fragte sie.

»Zur Zeit? Ausgeglichen, denke ich. Was haben Sie mit mir gemacht?« fragte er neugierig.

T'Pol zog skeptisch die Augenbrauen zusammen. »Ich habe Sie nur die ersten Minuten instruiert. Den Rest hat ihr Bewusstsein von ganz allein gemacht. Eigentlich wollte ich von Ihnen wissen, wieso Sie ungeübt in eine derart tiefe Trance verfallen können.«

»Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Die Übungen im Dojo auf der Erde waren nie so effizient gewesen. Was ist das für ein Duft? Ich hatte das Gefühl, dass der Duft intensiver wurde je länger ich die Augen geschlossen hielt.«

»Das ist einfaches Sandelholz und der Duft der Meditationskerze. Sie setzt Botenstoffe frei, die zur Entspannung beitragen«, erklärte sie, obwohl sie sich selbst nicht verständlich machen konnte, wie die Kerze so intensiv auf einen Menschen wirken konnte. Die Kerzen wurden normalerweise nur von Vulkanierinnen verwendet, weil sie fast das Doppelte an Geruchsrezeptoren besaßen. Der Duftstoff wirkte auch auf männliche Vulkanier, aber bei weitem nicht so effizient wie bei den Frauen.

»Ich werde dann wohl am besten gehen. Sie möchten bestimmt noch alleine meditieren. Wir sehen uns dann morgen…?«

Sie konnte seine steigende Nervosität deutlich spüren. Ihre Barrieren waren immer noch sehr fragil, und sie hatte ihre ganze Energie in die Neuropressursitzung mit Trip gelegt. Die entspannte Atmosphäre mit Captain Archer hatte ihren Geist nachlässig werden lassen, so dass seine steigende Beklemmung sie mit voller Wucht erwischte.

»Wovor haben Sie Angst, Captain?« fragte sie ihn und erntete einen völlig entgeisterten Blick.

»Angst?« wiederholte er und setzte wieder ein gespieltes Lächeln auf.

»Ihnen ist unsere Situation unangenehm. Warum?«

Das ließ ihn in seiner Bewegung einfrieren. Er überlegte eine Weile, setzte zweimal zu einer Antwort an, überdachte es aber dann noch einmal.

Bevor er doch noch etwas sagte, ließ er sich wieder auf das Sitzkissen sinken. »Ich bevorzuge es, Arbeit und Privatleben zu trennen. Meine Führungsoffiziere brauchen einen gewissen Abstand. Sie sollen sich nicht dauernd beobachtet und überprüft fühlen. So ein Schiff ist klein. Da ist Privatsphäre ein wertvolles Gut, das sich nicht jeder leisten kann. Wir haben das Privileg, in Einzelquartieren zu logieren. Zweidrittel der Besatzung schläft in Quartieren für zwei oder drei Personen. Erinnern Sie mich daran, dass wir nach dieser Mission einen ausgedehnten Landurlaub einschieben… das heißt wenn wir die Mission überleben.« Da war wieder dieses aufgesetzte Schmunzeln, das sie so irritierte.

Sie griff nach seiner Hand, obwohl sie Berührungen solcher Art stets vermied. »Sie leisten gute Arbeit, Captain. Das weiß jeder der Mannschaft zu schätzen. Es liegt mir nicht, Sie für ihre Aufgaben zu loben. Vulkanier sehen es als selbstverständlich an, dass eine Arbeit nach bestem Gewissen erledigt wird. Aber bei den Menschen ist das anders. Ihr zweifelt immer an euch und fürchtet vom Pfad abzukommen. Wenn Sie sich nicht entspannen und für ein paar Minuten Ihren Rang vergessen können, wie soll sich dann die Besatzung ein Beispiel an Ihnen nehmen? Sie treiben sich immer voran, egal unter welchen Umständen. Sie sagen, dass Sie Privates und Arbeit trennen wollen, aber Sie befinden sich 24 Stunden am Tag im Einsatz, auch wenn Sie keinen Dienst haben. Sie sind jetzt hier. Ich habe Sie nicht gezwungen und Sie stehlen mir auch nicht meine Zeit. Ich konnte sogar selbst meditieren. Sie haben dazu keine intensive Führung benötigt. Ihre Anwesenheit stört mich nicht, ganz im Gegenteil… Sie haben mir geholfen.«

»Ich verstehe nicht.«

Sie wich seinem forschen Blick aus und starrte in die Flamme ihrer Kerze. »In der letzten Zeit hatte ich Schwierigkeiten, mich auf meine geistige Balance zu konzentrieren. Ihre Anwesenheit hat mir geholfen, mich besser zu konzentrieren. Das ist mir in den letzten drei Tagen nicht gelungen. Dafür danke ich Ihnen.«

Dann ließ sie seine Hand los.

Das falsche Lächeln war wie weggewischt, stattdessen starrte er sie perplex an.

»Gilt Ihr Angebot noch?« fragte T'Pol mit einem Seitenblick zur Teekanne und den zwei Tassen.

»Wenn der jetzt noch genießbar ist…« Er reichte ihr eine Tasse und schenkte ihnen ein.

Sie führte die Tasse an ihren Mund. Bevor sie den ersten Schluck nahm, atmete sie das blumige Aroma tief ein und schloss die Augen. Als sie wieder aufsah, bemerkte sie seinen neugierigen, ja fast amüsierten Blick. Er hatte es sich etwas bequemer gemacht und stützte sich mit einer Hand auf dem Boden ab.

»Ich habe Sie noch nie Kamillentee trinken sehen«, bemerkte T'Pol beiläufig und nahm ihren ersten Schluck.

Captain Archer schmunzelte und schaute in die Tasse, die er lässig über den Tassenrand festhielt. »Ich war noch nie ein großer Fan von Tee. Aber ich habe mir vorgenommen, meine alten Gewohnheiten abzulegen und ein wenig mehr unvoreingenommen zu sein.« Er trank einen Schluck aus seiner Tasse und verzog darauf das Gesicht. »Kamillentee wird sofort aus meiner Liste gestrichen!«
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