Von schlaflosen Nächten und Zukunftsplänen

von Ylvi
GeschichteRomanze, Familie / P12 Slash
Blaine Anderson Kurt Hummel Rachel Berry
05.01.2015
05.01.2015
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OS zu meiner FF "Von Wein und brennenden Brücken", die ihr hier findet.

Ihr Lieben,

ich entschuldige mich für die Verspätung. Besonders große Entschuldigung geht an VeraAlice und KKlever, die sich beide gewünscht haben, etwas mehr über Andrews bzw. eigentlich Rachels Sohn zu erfahren.

Liebe Grüße
Ylvi




Von schlaflosen Nächten und Zukunftsplänen



Es war viel zu früh, um aufzustehen, aber das Bett neben Blaine war leer, als er am Freitagmorgen aufwachte. Er gähnte, rieb sich die Augen, richtete sich langsam auf, bevor er innehielt und lauschte. Die Wohnung war vollkommen still. Weder aus dem Bad noch aus dem Wohnzimmer sah er Licht. Kurz überlegte er, ob er einfach nur vergessen hatte, dass Kurt diese Nacht woanders verbrachte, aber dann schüttelte er den Kopf. Sie verbrachten kaum die Nächte getrennt voneinander.

Und an diesem Freitag erst Recht nicht.

Es war der Freitag, an dem Rachel und Joshua zu Besuch kommen wollten und Kurt war schon seit Tagen neben der Spur deswegen. Ihre Wohnung, die auch sonst ziemlich ordentlich war, glänzte inzwischen von oben bis unten. Kurts Drang zu Putzen wurde stärker, je nervöser er wurde. Es wäre anstrengend, wenn Blaine nicht so gut nachvollziehen könnte, warum er so aufgewühlt war.

Im letzten Jahr ihrer Beziehung hatte Blaine Rachel ein paar wenige Male getroffen. Ihren Sohn Joshua jedoch noch nie. Man schleppte nicht einfach so ein Kind zwischen New York und D.C. Hin und her, wenn es eigentlich zur Schule musste. Da Rachel noch immer am Broadway arbeitete nutzte sie in der Regel den Montag, um sie zu besuchen.

So neugierig Blaine war, Joshua endlich kennen zu lernen – er war sich mittlerweile nicht mehr sicher, ob das Treffen eine gute Idee gewesen war. Bis vor ein paar Tagen war Kurt noch ziemlich gefasst gewesen. Doch spätestens seit Mittwoch hatten seine Nerven ihn im Stich gelassen.
Dass er mitten in der Nacht nicht in seinem Bett lag, war jedoch neu.

Seufzend schlug Blaine die Decken zurück und schwang die Beine über die Bettkante. Kurt konnte ja nicht so weit gekommen sein. Womöglich war er im Büro und arbeitete, um sich abzulenken. Doch als Blaine in das offene Wohnzimmer trat, sah er, dass die Bürotür weit geöffnet war. Alle Lichter waren aus.

„Kurt?“, fragte er in die dunklen, stillen Räume hinein, doch er bekam keine Antwort. Hatte sein Freund mitten in der Nacht die Wohnung verlassen? Aber wohin sollte er denn gehen? Zu Adam vielleicht?

Gähnend ging er zum Telefon hinüber und wählte Kurts Handynummer. Sein geliebtes Smartphone ließ er für gewöhnlich nie zurück. Trotzdem klingelte es einen Moment später unweit von der Stelle, wo Blaine stand, auf dem Couchtisch.

Blaine fluchte und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Er war müde, es war mitten in der Nacht und er brauchte seinen Schlaf, schließlich hatte er einen anstrengenden Tag vor sich. Was Kurt wohl wusste.

Plötzlich nahm er aus dem Augenwinkel eine Gestalt wahr, die im Türrahmen des Gästezimmers stand und zuckte heftig zusammen.

„Blaine?“, hörte er Kurts Stimme fragen. Er klang ungefähr so erschöpft, wie Blaine sich fühlte.

„Wieso bist du nicht im Bett?“, sagte Blaine und trat einen Schritt näher, um Kurts Gesicht im Dunkeln besser ausmachen zu können.

Ein unsichereres Schulterzucken. „Konnte ich nicht schlafen. Was machst du denn?“

„Ich bin aufgewacht und wusste nicht, wo du bist“, erklärte Blaine ein wenig genervt.

„Tut mir Leid. Geh wieder schlafen, ja?“ Kurts Finger griffen nach seiner Hand und drückten sie. „Du brauchst deinen Schlaf.“

„Du auch“, konterte Blaine. „Was ist los?“

„Ich weiß auch nicht.“ Unruhig trat Kurt von einem Fuß auf den anderen. „Ich bin irgendwie nervös. Dabei hab ich doch gar keinen Grund dazu. Aber... was ist, wenn er mich nicht mag? Ich hab ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Was ist, wenn er genauso aussieht wie Andrew? Was ist, wenn ich damit nicht klarkomme?“

„Das wirst du“, sagte Blaine und klang dabei zuversichtlicher als er sich fühlte. „Und es gibt keinen Grund, warum er dich nicht mögen sollte.“

Und selbst wenn... Sie sahen sich doch sowieso kaum.

„Kannst du nicht wieder ins Bett kommen?“, fragte Blaine, in der Hoffnung, dieses Gespräch damit beenden zu können.

„Ich...“ Kurt verstummte, umfasste mit den Händen die Ellenbogen.

„Was?“

„Ich glaub, ich schlafe lieber im Gästezimmer“, kam die leise Antwort.

Was? Wieso?“

„Ich kann einfach nicht richtig schlafen und dann wälze ich mich hin und her und halte dich wach und weck dich die ganze Zeit auf...“

„Hab ich mich darüber je beschwert?“

Es gab sie, manchmal, die schlaflosen Nächte, in denen Kurt keine Ruhe fand und folglich meistens auch Blaine nicht. Manchmal war es die Angst vor Albträumen, die Kurt wach hielten, manchmal die Erinnerungen, schöne und schreckliche gleichermaßen. Kurt hatte ihm das einmal erzählt, bei einem nächtlichen Gespräch, ähnlich wie diesem hier. Nur dass Blaine ihn dabei in den Armen gehalten hatte. Und auch wenn ihm dieses Geständnis einen Stich versetzt hatte, so hatte er doch nicht losgelassen.

Aber jetzt... Jetzt ging es nicht nur darum, was in der Vergangenheit passiert war. Es ging auch darum, was in der Zukunft hätte passieren können. Und wenn Kurt dieser verlorenen Zukunft nachtrauerte war das verständlich. Aber es tat auch mehr weh als alles andere. Es waren diese Momente, in denen Blaine bezweifelte, dass er jemals genug sein konnte.

„Ich will nicht, dass du woanders schläfst“, sagte Blaine bestimmt. „Komm doch bitte wieder ins Bett.“

„Blaine...“ Unschlüssig schaute Kurt ihn an. „Warum kann ich nicht einfach hier bleiben? Es wäre besser, wenn -“

„Nein! Es wäre eben nicht besser. Du kannst nicht... Ich kann nicht...“ Er verstummte, wusste selbst nicht genau, was er eigentlich sagen wollte. Er war müde und er wollte schlafen und er war etwas gereizt. In solchen Momenten sagte man gern mal das Falsche. Und das wollte er unbedingt vermeiden.

Kurt schaute ihn noch immer abwartend an. „Ich versteh nicht...“

„Ich kann es einfach nicht leiden, wenn du dich so vor mir zurückziehst, wenn du mich ausschließt.“

„Das tue ich nicht...!“

„Doch, genau das tust du“, widersprach Blaine, lauter als beabsichtigt.

Kurt starrte ihn an.

„Ich weiß, dass es schwer für dich ist. Aber manchmal ist es für mich eben auch schwer.“

„Weil du denkst, dass du nicht gut genug bist?“, fragte Kurt sehr leise.

Blaine schwieg, aber sein Schweigen war Antwort genug.

„Es tut mir Leid“, wisperte Kurt, bevor er einen Schritt nach vorne tat und Blaine in eine feste Umarmung zog.

So standen sie eine Weile, bevor Kurt sich wieder von ihm löste.

„Lass uns einfach schlafen gehen, okay?“, schlug Kurt vor.

Blaine atmete erleichtert aus. „Gute Idee. Ich schlaf gleich im Stehen ein.“

Ein klärendes Gespräch war vermutlich etwas anderes. Aber, so dachte Blaine, es gab sicher noch bessere Gelegenheiten, um darüber zu reden.


Wo Rachel laut und manchmal ein bisschen unverschämt war, war Joshua still und vorsichtig.

Am Freitagabend gingen sie alle miteinander essen. Sie hatten sich gerade erst kennen gelernt und Joshua beobachtete sie mit kritischem, abwartendem Blick und sagte wenig. Kein Wunder, dachte Blaine. Wenn man mit Rachel zusammenlebte musste man wohl froh sein, wenn man mal zu Wort kam.

Zu mehr als einer Gelegenheiten verdrehte Kurt die Augen angesichts eines weiteren Redeschwalls, sodass Blaine grinsen musste.

Wenigstens war Kurt um einiges entspannter, als er es in der vergangenen Nacht gewesen war. Nur manchmal warf er Joshua unsichere Blicke zu, ganz so, als warte er auf eine Reaktion, die jedoch ausblieb.

Blaine hingegen bemühte sich, Joshua in ein Gespräch zu verwickeln. Für Kinder war es doch sonst ziemlich langweilig, sich stundenlang mit den Erwachsenen unterhalten zu müssen. Nach und nach taute der Junge tatsächlich etwas auf, erzählte von der Schule und von Freunden. Blaine stellte fest, dass Kurt jedem seiner Worte gebannt lauschte.

Später, als Joshua bereits im Bett waren und sie und Rachel noch bei einem Glas Wein (oder auch mehreren) zusammensaßen, war Kurt auffallend still.

Als Rachel gerade mit einer Geschichte über die Darsteller ihres neuen Musicals geendet hatte, entstand eine kleine Pause.

Schließlich sagte sie: „Er ist wirklich sehr glücklich. Es fehlt ihm an nichts, wirklich.“

„Ich weiß.“ Kurt lächelte. „Wir haben uns zwar häufig über alles Mögliche in die Haare bekommen, aber du bist sicher das Beste, was ihm passieren konnte. Und ich bin dir immer noch so dankbar für alles, was du getan hast.“

„Ich bin auch dankbar. Er ist mein Sohn. Ich liebe ihn. Ich weiß, es war nie so geplant, aber... er ist glücklich. Das ist doch alles, was zählt.“

Kurt nickte stumm, bevor er sich nach vorn beugte und sie umarmte und ihr einen Kuss auf den Scheitel gab.

Als er sie wieder losließ, sagte er: „Ich kann nicht behaupten, dass ich dich nicht etwas beneide. Aber momentan ist mein Leben praktisch perfekt, also kann ich mich nicht beklagen.“ Bei diesen Worten lächelte er in Blaines Richtung, so sicher und glücklich. Und Blaines Bedenken aus der letzten Nacht kamen ihm auf einmal viel weniger wichtig vor. Er hatte sein Glück gefunden, da war er sich ganz sicher.

„Neid? Kurt Hummel, denkst du etwa über Kinder nach?“, sagte Rachel laut und starrte ihren besten Freund an. Blaine, von ihren Worten aus seinen Gedanken gerissen, blickte mit großen Augen zu Kurt hinüber.

Darüber hatten sie nie geredet. Aber Blaine konnte nicht abstreiten, dass er immer Kinder gewollt hatte. Und jetzt, da er mit dem Mann seiner Träume zusammen war, lag dieser Wunsch sogar näher als er es sonst je getan hatte.

„Dafür ist es noch ein bisschen zu früh, findest du nicht, Rachel?“, sagte Kurt und seine Wangen röteten sich.

„Du bist doch schon Mitte 30!“, gab sie zurück.

„Aber Blaine und ich sind erst seit gut einem Jahr zusammen“, erinnerte sie Kurt.

„Das heißt, ihr habt noch nicht darüber gesprochen?“

Kurt schüttelte den Kopf.

„Alles zu seiner Zeit“, sagte Blaine und erwiderte Kurts überraschten Blick mit einem Lächeln.

„Aww... So wie ihr euch anseht, braucht das sicher nicht mehr so lange, wie ihr denkt“, sagte Rachel. „Und ich geh jetzt schlafen. Bitte denkt dran, dass Gäste im Haus sind. Und einer davon ist minderjährig.“

„Rachel!“, zischte Kurt und seine Wangen färbten sich noch dunkler.

„Gute Nacht“, flötete sie breit grinsend, bevor sie die beiden allein im Wohnzimmer sitzen ließ.

„Oh mein Gott“, stieß Kurt aus, als sie beide gehört hatten, wie die Tür des Gästezimmers geschlossen wurde.

„Ich wusste gar nicht, dass du Kinder möchtest“, sagte Blaine.

„Doch schon... Ich... für eine Weile war ich mir nicht sicher, ob ich sollte, aber... wenn das etwas ist, das du auch möchtest...“

„Unbedingt!“ Blaine zog Kurt in seine Arme und küsste ihn. „Schade, dass wir nicht schwanger werden können. Sonst hätte ich vorgeschlagen, gleich mal anzufangen.“

„Du bist unglaublich.“ Kurt lachte. „Und du weißt doch: Minderjährige Gäste.“

Enttäuscht schaute Blaine ihn an.

„Jetzt pack deinen Hundeblick weg und hilf mir lieber beim Aufräumen. Danach reden wir weiter.“ Kurt zwinkerte ihm zu und gab ihm noch einen Kuss.

Sie räumten schweigend auf, bevor sie im Schlafzimmer verschwanden. Sie konnten zwar nicht schwanger werden, aber... was sprach schon dagegen wenn man es trotzdem versuchte?
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