Us against the World

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Izaya Orihara Shizuo Heiwajima
04.01.2015
11.01.2015
3
4.392
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04.01.2015 790
 
Prolog


Leise keuchend lies er das kalte, scharfe Metall fallen. Klirrend landete die Rasierklinge auf dem Boden.
Tropf...
Tropf...
Blut sammelte sich an der Schnittstelle, rann in schmalen Bächen über die helle, beinahe weiße Haut, das Handgelenk entlang bis zu den Fingerspitzen, von denen es hinunter tropfte. Langsam. Leise.

Ich hab es... schon wieder getan..., fuhr es Izaya müde durch die Gedanken, verwob sich wie Spinnenfäden in seinen Gehirnwindungen, ohne, dass er es selbst wirklich realisieren konnte. Sein leerer Blick ruhte auf seinem Arm, dessen haut immer dunkler gefärbt wurde, blutrot, die selbe Farbe wie die seiner Augen.

Vielleicht bin ich wirklich kein Mensch. Den Blick von dem Blut abwendend, fixierte er irgendeinen Punkt, an der Wand seines Zimmers, den nur er sehen konnte.

Niemand will mich und niemand braucht mich. Nicht einmal zu meinem einzigen Freund kann ich ehrlich sein.

Wütend über sich selbst biss er die Zähne zusammen, hörte sie unter der kraft knirschen und sog scharf die Luft ein, als er jetzt auch auf seiner Lippe den metallischen Geschmack wahrnahm. Warum verschwanden die Gedanken nicht? Warum hörte der Schmerz nicht auf?
Er fühlte sich einfach nur noch kraftlos und leer, lies seine Arme schlaff neben sich herab hängen und legte den Kopf zurück, schloss die Augen.
Wenn das Blut, dass weiterhin unaufhörlich seinen Pulli durchnässte, sich warm, fast heiß auf seiner Haut ausbreitete und auf den Boden tropfte, nicht wäre, dann könnte man fast meinen, der Schwarzhaarige würde entspannen, an einem Ort, weit, weit weg. Als könne er den Rest der Welt lediglich mit einem Wimpernschlag ausblenden.

Doch die Wahrheit sah anders aus, grausamer. Es war nicht der Rest der Welt, nicht seine Eltern oder seine nervenden Schwestern, die er so verbissen versuchte loszuwerden, zu verdrängen, oder wenigstens zu ertragen. Nein.
Izayas leben war zwar von Anfang an von Hass und Einsamkeit geprägt, aber wer hätte auch nur erahnen können, dass ein Leben voller Familienprobleme und Mobbing gerade einmal der Anfang gewesen war? Dass das wirklich schlimme sich leise an ihn herangeschlichen hatte, um ihn von innen zu zerfressen? Warum hatte ihm niemand gesagt, dass Liebeskummer selbst auf ein paar Monate gesehen schlimmer sein konnte, als jahrelange Ausgrenzung!?

Hätte ihn doch nur irgendwer gewarnt...
Nein. Falsch. Ganz egal, welche Folgen er dafür jetzt tragen musste, wenn er daran zurück dachte, an den ersten Tag und alles, einfach alles was danach kam, die beste Zeit, das einzig wertvolle in seinem Leben. Nein. Ganz egal wie schlimm es war und wie sehr es schmerzte, bereute er nicht Shizu-chan getroffen zu haben. Auch wenn damit, mit der Tatsache, dass sie trotz ihrer Streitereien für einander da waren, dass sie halt eben Freunde waren, das bestätigt wurde, was Izaya am meisten hasste, was ihn Tag für Tag in der Brust schmerzte und ihm die Lungen abschnürte und wobei sich auch jetzt wieder seine Finger in den dunklen Stoff seiner Klamotten bohrten.

Es würde niemals mehr zwischen ihnen geben. Sie würden immer nur... Freunde bleiben! In Gedanken spuckte er das Wort förmlich aus, konnte und wollte es nicht ernst nehmen.

Natürlich war er froh darüber, überhaupt eine Bindung zu dem Blonden zu haben, verband sie doch eigentlich viel, aber... man musste schon andauernd dieses Gefühl der Leere und Unvollkommenheit, gelegentlich von Schmerzen abgelöst, spüren, um zu verstehen wie es war.
Der Grund warum er sich, selbst wenn es ihn glücklich machte bei Shizuo zu sein, trotzdem nicht darüber freuen konnte... warum er sich selbst in Gesellschaft einsam fühlte.

„Ich... kann so nicht weiter leben“, entschloss er leise für sich selbst, auch wenn es längst kein Leben mehr war. Nicht wirklich. Und dennoch wollte er nichts mehr als bei ihm sein, egal wie sehr er versuchte es zu unterdrücken, oder seinem Verstand einzureden, dass da nichts wahr und niemals etwas sein würde, dass diese Schmerzen dadurch nur schlimmer wurden! Ganz egal, denn trotzdem sehnte er sich nach ihm, wollte seinen Geruch riechen, seine Wärme spüren, seine Haut berühren und ihn ansehen... einfach bei ihm sein! Bei dem einzigen Menschen, der alles... fast alles von ihm wusste und bei dem er bereit war, auch alles von sich zu zeigen, ganz ihm zu gehören.
Warum reichte das nicht?
Warum war er so schwach und feige?

Erneut fraß sich die Kälte an ihm hoch, kroch unter seine Kleidung und umschloss ihn mit ihren dünnen Fingern. Izaya zog seine Knie an und schlang seine Arme um die Beine, vergrub sein Gesicht in dem Jeansstoff seiner Hose. Mittlerweile hatte seine Wunde aufgehört zu bluten, pochte nur noch dumpf unter seiner Haut. Selbst die Schnitte halfen nichts mehr gegen dieses Gefühl, die Einsamkeit, ließen ihn im Stich wie alles worauf er sich bei sich selbst irgendwann verlassen hatte.
Vielleicht...
Vielleicht musste er einfach nur tiefer schneiden?
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