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Hunt you down eat you alive

von -bamboo
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Bilbo Beutlin Dis Fili Ori Smaug Thorin Eichenschild
04.01.2015
08.06.2015
13
37.619
20
Alle Kapitel
43 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
03.03.2015 2.180
 
"When darkness comes upon you
And colors you with fear and shame"



Er war so dumm.
Wie hätte er nur so naiv sein können?
Wie war er überhaupt auf die Idee gekommen, zu denken, dass Thorin seine Liebe erwidern würde? Er war nun einmal ein verdammter Vampir! Er konnte nicht lieben!

Knurrend starrte er den Bildschirms von dem Laptop vor sich an. Seine golden glühenden Augen spiegelten sich in dem leuchtenden Bildschirm und die Wutfalte, die sich zwischen seinen Augenbrauen wirkte, stach durch das künstliche Licht des Laptops noch mehr hervor.
Er atmete so schwer, als hätte er einen Marathon gelaufen, dabei war er nur wütend und verletzt.

Thorin hatte seit dem Kuss in der Küche kein Wort mit ihm gewechselt, hatte ihn nicht angeschaut und sich nicht einmal in seiner Umgebung blicken lassen.
Fauchend sprang er auf und warf den Laptop mit einer Wucht gegen die Wand, die man in diesem kleinen Körper nicht erwartet hätte. Zufrieden beobachtete Bilbo, wie der Laptop, den Thorin ihm geschenkt hatte, an der Wand zersplitterte und die Teile des Laptops in alle Richtungen verteilt wurden. Mit Genugtuung trat er gegen die Überreste des Laptops und zuckte nicht einmal zusammen, als das Plastik und das Metall laut knirschten.

Ihm wurde erst bewusst, wie laut die Zerstörung des Laptops wirklich gewesen sein musste, als er das Knallen von Türen hörte, das immer näher kam. Anscheinend hatte er auf sich aufmerksam gemacht.
Verbittert grinsend erwartete er den Neuankömmling, den er schon an dem Geruch als Thorin identifizieren konnte.
„Was hast du getan?“, brüllte der Vampir, als er die Türen zur Bibliothek aufriss und den zerstörten Laptop sah. Bilbo blickte ihn mit harten Augen an, die in dem wütenden Gold pulsierten, welches Thorin eigentlich so niedlich fand. Doch nun war es einfach nur verstörend und wirkte tatsächlich in der Art und Weise, wie es eigentlich auch wirken sollte.

„Nichts?“, grollte Bilbo und lächelte unschuldig.
Der Vampir kniff seine Augen zusammen und trat einen Schritt auf den Werwolf zu. Bilbo wich einen Schritt zurück und schnaubte abfällig, als Thorin ihn fast verletzt anschaute.
„Hast du Angst vor mir?“, fragte Thorin mit gefährlich ruhiger Stimme. Selbst wenn man ihm die Unsicherheit ansehen konnte, traute Bilbo seinen Stimmungsschwankungen nicht. Jeden Moment könnte ihn der Vampir anspringen, selbst wenn er unsicher war und verletzt von Bilbos Verhalten war (warum auch immer).
„Habe ich einen Grund, Angst vor dir zu haben?“, fragte Bilbo mit vor Sarkasmus triefender Stimme. Thorin wusste ganz genau, dass Bilbo es ihm nie verzeihen könnte, dass er ihn gebissen hatte.

„Nein.“, murrte Thorin und trat erneut auf Bilbo zu.
Bilbo sprang förmlich zurück und nahm dann eine abwehrende Haltung ein. Sein Wolf bellte erfreut in seinem Kopf. Sein Wolf hatte deutlich Spaß an dem 'Spiel', welches sie gerade trieben.
„Bilbo, das bist nicht du.“, murmelte Thorin, der seinen Kopf schief gelegt hatte und den kleinen Werwolf mit einem verbitterten Lächeln anschaute.
„Wer soll ich deiner Meinung nach denn sonst sein?“, schnaubte er verwirrt und knurrte leise, als sein Wolf sich aufgeregt gegen seinen Widerstand warf. Der Wolf wollte freigelassen werden und gegen seinen Feind kämpfen, doch Bilbos Widerstand war einfach zu stark und nun wehrte sich der Wolf dagegen.

„Der Vollmond beeinflusst dich.“, meinte Thorin nun und Bilbo hielt verdutzt inne, bevor er laut lachte.
„Hey, Thorin, du bist nicht du selbst, der Knoblauch in der Küche beeinflusst dich!“, bellte er wütend, nachdem er aufgehört hatte, zu lachen. Thorin zuckte zusammen und verdrehte dann die Augen, als er bemerkte, dass Bilbo von dem aggressiven Bellen wieder zu einem hämischen Lachen übergangen war.
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass mein Verhalten dem Vollmond zuzuschreiben ist?“, schnaubte Bilbo belustigt.
„Doch.“, fauchte Thorin und trat noch näher auf Bilbo zu.
Der Werwolf knurrte erfreut und sprang wieder ein Stück zurück.

„Ich habe noch nie bemerkt, dass ich auf irgendeine Art und Weise auf den Vollmond reagiere.“, meinte Bilbo mit einem Hauch von Selbstgefallen und Trotz in der Stimme.
„Die Leute, die dich umgeben, bemerken es jetzt aber. Vielleicht hast du es vorher noch nie bemerkt, weil du dich nie unter Leute getraut hast!“, knurrte Thorin.
Bilbos Augen weiteten sich, als ein schmerzhaftes Ziehen in seiner Brust ihn zum Wimmern zwang. Die Worte taten weh.
Unglaublich weh.

„Was soll das heißen?“, fragte er leise nach. Seine Stimme klang so schwach und so klein im Gegensatz zu Thorins tiefer und reicher Stimme.
„Du denkst, du wärst etwas einzigartiges, weil du ein reinblütiger Werwolf bist, doch dabei bist du ein Niemand, der sich nur versteckt, weil er Angst hat, dass er nicht akzeptiert wird!“, rief Thorin wütend.
Bilbos Sichtfeld verschwamm und sein Herz zog sich zusammen. Er wäre so gerne wütend, doch Schmerz blockierte ihn und er gab einen armseligen Laut von sich.

„Okay.“, murmelte er und ging dann an Thorin vorbei, ohne ihn anzuschauen. Seine Augen waren fest auf den Boden gerichtet.
Thorin folgte ihm nicht, als er den Raum verließ.

Tagelang hatte er ihn nicht gesehen, tagelang konnte er nicht mit dem Vampir reden, der ihn beinahe besinnungslos geküsst hatte.
Und jetzt sah er ihn wieder, und was war? Er verletzte ihn mit harschen und scheinbar ziemlich ernst gemeinten Worten.
Warum hatte er sich überhaupt darauf eingelassen, sich in dieses Arschloch zu verlieben?

Er zog sein Smartphone (welches Thorin ihm ebenfalls geschenkt hatte, verdammt sei dieser Schleimer) aus seiner Hosentasche, zog Kopfhörer aus der anderen Hosentasche (er hatte immer ein Paar Kopfhörer bei sich, wenn er versucht zu schreiben, denn er sucht seine Inspiration in Musik und meistens hilft ihm die Musik auch beim Schreiben) und steckte sie in seine Ohren.
Während er die Kopfhörer an sein Handy anschloss, schrieb er mit zittrigen Fingern eine Nachricht an Primula, dass sie ihn wohl für ein paar Tage ertragen müssten.

Dann trat er aus dem Haus der Vampire heraus und lief los, die Musik in seinen Ohren laut, damit er sich ablenken konnte.

Er wusste nicht, wie lange er gelaufen war und wo er überhaupt war, als er ein mulmiges Gefühl im Bauch bekam. Ein Prickeln in seinem Nacken verursachte dieses Unwohlsein ungemein, und als er sich umdrehte, um hinter sich zu gucken und zu überprüfen, ob ihn nicht doch jemand verfolgte, da wurde plötzlich alles schwarz.
Schmerz explodierte hinter seiner Stirn, als der heftige Schlag ihn traf und ihn sofort außer Gefecht setzte.

- - -


Das Bedürfnis, sich zu übergeben, als er erwachte, war übermächtig.
Er drehte sich zur Seite, stöhnte laut auf und griff sich an den Kopf. Kopfschmerzen, die beinahe genauso schlimm waren wie die Übelkeit, explodierten hinter seiner Schädeldecke und er keuchte ungläubig auf.
Wenigstens das Bett unter seinem Rücken war gemütlich.

„Ah, ja, es gab da ein paar Komplikationen mit deiner Gefangennahme. Sorry.“, ertönte eine tiefe, samtige Stimme, die Bilbo irgendwoher kannte.
Er blinzelte ungläubig und öffnete seine Augen, drehte seinen Kopf zu dem Ursprung der Stimme. Mit zum Gruß erhobenen Hand und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht stand dort Smaug, hochgewachsen und attraktiv wie eh und je.
„Hi!“

Bilbo schüttelte nur ganz leicht den Kopf, bevor sein geschwächter Kreislauf nachgab und er erneut der wohligen Schwärze der Bewusstlosigkeit verfiel.

- - -


Als er erneut aufwachte, befand er sich in einer weitaus unangenehmeren Position als zuvor. Seine Arme waren steif und seine Handgelenke schmerzten seltsamerweise, zudem hatte er kein Gefühl mehr in seinen Händen.
Eine Sekunde später realisierte er, dass seine Hände über seinem Kopf an der Wand befestigt wurden, an einer sehr nassen, sehr kalten Wand.
Kein gemütliches Bett mehr unter seinem geschundenen Körper, nur eine arschkalte Wand an seinem Rücken, an die er aufrecht sitzend positioniert worden war.

Sein Kopf pochte, seine Schultern protestierten gegen jede kleinste Bewegung und sein Hals war rau, wund und trocken.
Erst dann erinnerte er sich daran, dass er einen Schlag gegen den Kopf bekommen hatte und sich nach dem Aufwachen mit Schmerzen in einem fremden Bett wiedergefunden hatte, neben ihm stand Smaug.
Smaug war Schuld an diesem schrecklichen Aufenthaltsort.

„Der kleine Wolf ist wach!“, tönte eine aufgeregte Stimme durch den Raum, und Bilbo knurrte leise. Definitiv Smaugs Stimme.
Eine Tür wurde aufgerissen und Licht strömte in den dunklen Raum, der nur von einer einzelnen Glühbirne beleuchtet wurde, sie zu allem Übel auch noch flackerte und nur schwaches, weißes Licht verbreitete.
„Willkommen in unserem wunderschönen Haus!“, rief Smaug und grinste Bilbo mit strahlend weißen Zähnen an. Hinter ihm traten Bolg und Azog in den Raum, der durch das grelle Licht außerhalb des Raumes nun stark erhellt wurde.

Bolg und Azog waren beide groß und mit feinen Narben besetzt.
Während Azog eine eindrucksvolle, bullige Gestalt mit einer Glatze besaß, war Bolg eher schmaler und behaarter, hatte jedoch auch eine gewaltige Ausstrahlung.
Beide überragten den sowieso schon riesigen Smaug um einen Kopf.

„Gefällt es dir bis jetzt?“, fragte Smaug, der fröhlich lächelnd auf den kleinen Werwolf am Boden zutrat.
Bilbo stemmte seine wackeligen Beine gegen den Boden und stemmte sich mithilfe der Wand in seinem Rücken langsam und unsicher auf. Dabei behinderten ihn seine angeketteten Hände zwar sehr, doch irgendwie schaffte er es doch halbwegs.
Eine warme Hand auf seinem von der Wand durchnässten Shirt hilf ihm dabei, aufzustehen, und Bilbo knurrte furios, als er bemerkte, dass Smaug ihm gerade geholfen hatte und ihn berührt hatte!
„Pfoten weg!“, grollte er und stolperte beinahe wieder zurück auf den Boden, als die Hand abrupt verschwand.

„Wie du willst!“, säuselte Smaug und beobachtete Bilbo mit einem belustigten Funkeln in den Augen. Der kleine Werwolf kämpfte mit seinem Gleichgewicht und war unnatürlich bleich, als er dann endlich stand, ein wenig nach vorne gebeugt, da seine gefesselten Hände ihn nach unten zogen.
Bilbo zappelte unruhig, als wieder Blut in seine Hände floss und sie anfingen, unangenehm zu kribbeln.

„Wir haben uns ein tolles Programm für deinen Aufenthalt ausgedacht!“, verkündete Smaug und ein gefährliches Glitzern trat in seine Augen. Bilbo schaute ihn alarmiert an. Sein Wolf winselte in seinem Kopf und in diesem Punkt konnte ihm Bilbo nur zustimmen. Hier wurde es gerade gefährlich.
„Der erste Punkt muss hier unten stattfinden, sonst kann unser spezieller Gast nichts mit dir anfangen.“, meinte Smaug und lächelte Bilbo breit an.
Es war ein Haifischgrinsen. Falsch und gefährlich.

„Azog, hol' unseren Gast doch bitte hinein, damit wir ihn Bilbo vorstellen können.“, befahl der rothaarige Werwolf. Bilbo spürte, wie sein Kreislauf langsam nachgab und er wusste, dass er umkippen würde, wenn er sich nicht hinlegen würde.
„Wie lange habe ich geschlafen?“, fragte er müde. Diese Müdigkeit konnte einfach nicht von diesem simplen Schlag gegen seinen Kopf kommen. Da musste etwas sehr viel größeres hinter stecken, immerhin waren Werwölfe abgehärtet gegen solche Schläge. Ein halber Tag sollte reichen, dann sollten sie wieder auf den Beinen sein. Ohne Kreislaufprobleme.
„Seitdem du nach dem Schlag gegen den Kopf aufgewacht bist, ungefähr zwei bis drei Wochen? Ich muss schon zugeben, wir haben dich vielleicht ein wenig zu sehr mit den Drogen zugedröhnt.“, schnaubte Smaug.
Bilbos Beine gaben nach und er rutschte ziemlich unelegant an der Wand hinunter.

Sie hatten ihn beinahe drei Wochen mit Drogen zugedröhnt und bei sich behalten.
Oh bei allen Göttern, wie ging es Thorin? Ging es ihm gut?
Was war mit Drogo und Primula? Immerhin hatte er ihnen vor zwei bis drei Wochen geschrieben, dass er vorbeikommen würde, und er war nicht gekommen! Und er war ein echter Beutlin, er hielt immer zu seinem Wort!

Mit großen Augen schaute er zu Smaug auf, der gerade einen Stimmungswechsel durchzog und gehässig lachte, als er den verzweifelten Werwolf sah.
Drogen wirkten mit Müdigkeit und Schlafmangel auf Werwölfe. Zwar konnten sie auch high sein, doch sie hatten nur die Müdigkeit als Folge, und genau deswegen war er gerade so müde.

„Wir haben hier einen schön ausgehungerten Vampir für dich. Da du ja auf Vampire stehst, dachte ich mir, dass ich dir damit eine Freude mache.“, meinte Smaug abfällig und deutete zur Tür, durch die Azog gerade einen kleineren Mann hinein schubste.
Bilbos Atem stockte und er spürte, wie sich ein entsetztes und wütendes Jaulen in seiner Brust bildete.

Dort stand Thorin, bleich und mit einem schrecklich hungrigen Ausdruck in den Augen.

„Thorin!“, schrie er mit heiserer Stimme auf und riss mit neu gewonnener Kraft an den Fesseln.

„Lass ihn los.“, befahl Smaug Azog, und Azog lockerte den Griff an Thorin.
Der Vampir stürzte sofort auf Bilbo, Fangzähne vollständig ausgefahren.
Nicht schon wieder. Bilbo wollte nicht schon wieder von seinem Vampir gebissen werden, ohne dass er es wollte.

„Keine Sorge, wir holen dich hier raus!“, flüsterte Thorin in sein Ohr. Seine Stimme klang normal, und es klang beinahe so, als läge ein Lächeln in ihr. Bilbos aufgepeitschtes Gemüt beruhigte sich ein wenig, und er entspannte sich beinahe in Thorins Armen, als er in seine verdreckten Locken griff und den Kopf nach hinten riss, um die Halsschlagader freizulegen.

Bilbo schloss gequält die Augen, als sich die kühlen Lippen auf seinen Hals legten.
Gleich würde er ihn wieder beißen, gleich würde er wieder leiden.

Doch es kam kein Biss.


"Be still and know that I'm with you
And I will say your name"

Be Still, The Fray


Danke für das Lesen dieses Kapitels!
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