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Hunt you down eat you alive

von -bamboo
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Bilbo Beutlin Dis Fili Ori Smaug Thorin Eichenschild
04.01.2015
08.06.2015
13
37.619
20
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43 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
20.04.2015 4.095
 
"You heard my voice I came out of the woods by choice
Shelter also gave their shade
But in the dark I have no name"



Bard und Thranduil waren gestresst.
Die Pferde waren gestresst.
Man konnte die Anspannung und den Stress beinahe auf Bilbos Anwesen riechen.

Der junge Werwolf war nun seit einer Woche spurlos verschwunden, und von ihm blieb nichts zurück außer ein paar zerfetzte Kleidungstücke und sein Handy in seinen Räumen. Erwähnenswert war auch der zersplitterte Stuhl, der scheinbar mit einer Macht umgeworfen war, die Bilbo nur in seinen wütendsten Momenten besaß.
Sie hatten seiner Spur nicht folgen können, und sie wussten auch nicht, warum Bilbo so ausgeflippt war und nun unauffindbar war. Sie machten sich schreckliche Sorgen, und auch Bilbos geliebte Pferde schienen sich Sorgen zu machen.
Sie wieherten stundenlang laut nach ihrem Bilbo, standen nervös an ihren Zäunen und zuckten bei dem kleinsten Geräusch zusammen.
Das arme Fohlen verstand die Welt nicht mehr und stand immer planlos bei seiner Mutter. Des öfteren versuchte er, seine Herdenmitglieder zum Spielen zu animieren, doch keiner von ihnen reagierte so wirklich und sie schnappten auch meistens nur nach ihm.

Wenigstens essen und trinken taten sie noch, sonst wären Bard und Thranduil völlig verzweifelt.

Das Schlimmste war aber immer noch, dass sie nicht wussten, warum Bilbo verschwunden war.
Sie wussten nicht, warum er so schnell seine Kontrolle verloren hatte und warum er nicht zurückkehrte. Sie litten.

Doch sie erfuhren ziemlich früh, warum Bilbo verschwunden war.
Sie konnten sich schon ihren Teil denken, auch wenn es ihnen niemand genau gesagt hatte.

Denn der Gestank von Vampiren breitete sich über Bilbos große Anwesen aus und sie mussten feststellen, dass sie Besuch aus England bekommen hatten.

- - -


Regungslos war sein kleiner Körper auf den Boden gepresst. Kein einziges Haar bewegte sich an ihm.
Seine Augen waren fest auf das kleine Nagetier gerichtet, welches seine Aufmerksamkeit erregt hatte, als er durch sein bescheidenes kleines Revier patrouilliert war.
Er würde es nur zum Spaß töten, denn ihm war langweilig. Da er keine große Fläche hatte, die er bewachen musste, verstrich seine Tagesaufgabe immer so schnell und er hatte nicht viel zu tun. Von daher jagte er aus Spaß, um die Langeweile zu besiegen.

Er wusste zwar, wie ein Wolf großes Vieh zu reißen hatte, doch bei Nagetieren musste er seine ganz eigene Technik entwickeln, und nach anfänglichen Problemen konnte er nun wirklich gekonnt auf die kleinste Spitzmaus losgehen, ohne dass sie ihn bemerkte. Na gut, manchmal bemerkten sie ihn schon, doch dann jagte er ihnen bis zu ihrem Unterschlupf nach, nur um sie dann auszugraben.

Seine Muskeln spannten sich an, und er drückte seinen eng an den Boden gepressten Körper langsam hoch und setzte zum Sprung an.
Die Wühlmaus drehte sich genau in dem Moment in seine Richtung und starrte ihn aus großen, dunklen Augen an. Er knurrte frustriert und machte einen langen Satz, um die Maus unter seinen Pfoten zu zermalmen.
Mit einem schrillen Fiepen wollte die Maus zur Flucht ansetzen, doch seine langen Krallen erwischten ihr Hinterteil mit einer solchen Wucht, dass ihr Rückgrat brach und sie mit einem letzten, schrillen Atemzug zu Boden fiel.

Zufrieden knurrte er und hob die Wühlmaus auf, um sie in dem Schutz einer knorrigen Eiche zu fressen.
Sein Magen knurrte verlangend. Seit Tagen schon hatte der junge Wolf kein vernünftiges Wild mehr gefressen, und die Beeren und Nagetiere stellten den verlangenden Magen nicht zufrieden.
Doch er traute sich nie weit aus seinem Revier hinaus, denn irgendetwas lag hinter diesen Grenzen, was ihn immer wieder in Angst und Schrecken versetzte und jeder seiner Instinkte ihn anschrie, umzukehren und in der Sicherheit seiner Höhle Unterschlupf zu suchen.
Und da er sich nicht aus seinem Revier traute, konnte er auch kein Wild reißen, denn das Wild befand sich an den Grenzen des gewaltigen Waldes, in dem sein Revier lag. Und er befand sich beinahe in der Mitte des Waldes. Immer noch nahe der Waldgrenze, aber eher mittig.

Die kleine Wühlmaus beruhigte seinen lauten Magen nicht einmal ansatzweise, und schnaufend machte er sich auf die Suche nach einem neuen Busch Beeren, den er abfressen konnte.
Die Suche dauerte für seinen Geschmack viel zu lang, und als er endlich etwas essbares fand, war es nur ein Busch mit kleinen, schrumpeligen Brombeeren.
Er stach sich kaum an den weichen Dornen des armseligen Strauches, und seufzend aß er Ast für Ast ab, bis keine Beeren mehr zu finden waren.
Der trockene Geschmack der Beeren lag dick auf seiner Zunge und hechelnd versuchte er, den Geschmack mit seinem Bein von der Zunge zu ziehen. Natürlich half dies kein Stück.

Frustriert winselnd machte er sich auf die Suche nach einem Fluss oder Bach, in dem er den Geschmack loswerden konnte. In seinem Territorium befand sich kein Wasser, also musste er wieder seine Grenzen überschreiten, um Wasser zu suchen.
Kaum trat er über seine Grenze, fühlte er sich unwohl.
Es war nicht ansatzweise mit der Panik und dem Schmerz zu vergleichen, den er vor sieben Sonnenaufgängen gehabt hatte, als er durch den Wald gehetzt war und von Instinkten getrieben einen Unterschlupf gesucht hatte.
Er wusste nicht, wer er war, warum er so rannte, was ihm solche Panik gemacht hatte und warum er überhaupt gar nichts mehr wusste.
Anfangs hatte erst gar nicht gewusst, dass er ein Wolf war.

Doch als er verstanden hatte, dass er ein normaler, instinktgetriebener Wolf war, hatte er angefangen, sich sein eigenes Territorium zurechtzulegen.
Und bis auf den ständigen Hunger und Durst war er auch relativ zufrieden.

Er trabte leichtfüßig über den Waldboden und hielt Augen, Ohren und Nase nach Wasser auf. Seine Muskeln waren aufs Höchste angespannt und das Gefühl der Furcht glitt langsam wieder in seine Knochen.
Als er einen stark strömenden Bach fand, steckte er ohne zu Zögern seine Schnauze in das wertvolle Nass und fing an, zu trinken. Da dadurch seine Schnauze, sein wichtiges Riechorgan, in dem Wasser verschwunden war, konnte er nicht mehr auf kommende Gefahren achten und sie schon riechen, bevor sie ihn überraschen konnten.
Es machte ihn fürchterlich nervös, nichts riechen zu können, also trank er so schnell wie nur möglich und streckte hin und wieder seine Schnauze schwungvoll aus dem Wasser hoch in die Luft, um die Gerüche in seiner Umgebung zu überprüfen.
Alles war gespenstisch ruhig und dennoch roch alles normal, so war auch keine Gefahr in unmittelbarer Nähe, selbst wenn es dafür viel zu ruhig im Wald war.

Unangenehmes Kribbeln rannte über sein dünnes Fell und sein Fell richtete sich auf, auch wenn gar nichts bedrohliches in der Umgebung war.
Instinkte schrien ihn erneut an, umzukehren und zu fliehen, doch dieses Mal schien etwas völlig anders zu sein als zuvor. Dieses Mal schien dort ein Grund zu sein, und nicht nur pure Furcht vor dem Verlassen seines Territoriums.
Wieder hob er seine Nase aus dem Wasser und erstarrte, als eine leichte Brise Gerüche herantrug, die er vorher noch nicht wahrgenommen hatte.
Der irgendwie bekannte Geruch von Pferden und der Geruch von Tod und Blut.
Letzteres ließ ihn erstarren. Sein gesamtes Fell war gesträubt und seine Hinterbeine zitterten vor Furcht. Dieser Geruch von Blut und Tod triggerte etwas in ihm, das nur ein uralter Instinkt sein konnte, der ihm innewohnte, denn auch wenn er diesen Geruch noch nie wahrgenommen hatte, konnte er in ihm den größten Feind identifizieren, den er je haben könnte.

Gerade wollte er fliehen, da ertönte nicht allzu weit entfernt das panische Wiehern eines Pferdes.
Kein Todesschrei, aber der Schrei eines Pferdes, welches Todesangst hatte.

Sein Kopf war plötzlich gefüllt mit starken weißen Licht und er wusste nicht mehr, was er tat. Es war, als würde jemand seine Kontrolle übernehmen und seinen Wolfskörper gnadenlos in eine Richtung treiben.
Die ersten Emotionen, die seinen mit grellen, regungslosen und irgendwie wütenden Licht gefüllten Kopf wieder übernahmen, waren die Emotionen von Wut und ein starker Beschützerinstinkt.
Warum Beschützerinstinkt? Was hatten die Pferde in ihm ausgelöst, weshalb er nun so unkontrolliert einem Instinkt nachgab und tatsächlich seine Kontrolle verlor?

Er merkte nicht, wie der Wald in unnatürlicher Schnelligkeit an ihm vorbeiflog und seine Pfoten auf den reichhaltigen Boden trommelten, und er merkte auch nicht, wie er einen unmöglich hoch wirkenden Sprung über einen Zaun machte.
Er kam erst wieder zu sich, als er sich grollend vor den fünf in eine Ecke getriebenen Pferden aufbaute und verrottend riechende Menschen mit gefletschten Zähnen von seinen Pferden wegdrängte.

Die Erinnerungen kamen mit einem Mal wieder, und er erinnerte sich wieder daran, dass er Bilbo war, ein geborener Werwolf war und er erinnerte sich auch daran, was in England passiert war.
Und er zuckte nur kurz zusammen, als er realisierte, dass vor ihm Thorin stand und mit einem breiten Grinsen und einem verrückten Funkeln in den Augen anstarrte.
„Hallo, Bilbo!“, grüßte der stinkende Vampir ihn und stellte seine ausgefahrenen Fangzähne zur Schau. Hinter ihm standen Fíli und Kíli und Dís und Dwalin und...Ori.
Jede Anspannung wurde aus seinem Körper gerissen und stattdessen legte er seine Ohren an und winselte leise. Also hatten sie Ori wirklich verwandelt, und er wusste immer noch nicht, ob er es tatsächlich gewollt hatte oder nicht.
Noch weiter hinter den schon genannten Vampiren konnte er Tauriel und noch ein paar fremde Vampire erkennen. Allesamt stinkende Vampire, die seine Nase mit ihrem Gestank vergifteten.

Das Schlimmste aber war, als er die bekannten Gesichter von drei seiner Familienmitglieder erkennen konnte.
Er schnappte entsetzt nach Luft und winselte laut, als er die bleichen Figuren von Drogo, Primula und Frodo wahrnahm. Sie hatten sie nicht getötet, sondern in Vampire verwandelt!
Und das war definitiv schlimmer als der Tod.
Wie hatten sie ihnen nur so etwas antun können?

Er starrte wieder Thorin an, seine Augen mit purer Wut gefüllt.
Ohne weiteres Zögern spannte er sich an und knurrte Thorin mit all dem Verlustschmerz und Hass an, der sich in den letzten Wochen in ihm aufgebaut hatte. Dwalin wollte sich vor Thorin drängen, um ihn vor dem Werwolf zu beschützen (in den letzten Monaten hatten die Vampire feststellen müssen, dass auch Werwölfe sich wehren konnten. Mehrmals hatten sie zerfetzte Vampire in nach Werwolf stinkenden Gassen entdecken müssen.), doch Thorin machte nur eine abwehrende Handbewegung und hielt Dwalin zurück.
„Nicht. Er war schon vor zwei Jahren zu feige und zu schwach, um zu töten, bis heute wird sich das nicht geändert haben.“, höhnte Thorin.
Wilde Wut breitete sich in dem Körper seines Wolfes aus und Bilbo konnte gar nicht mehr anders, er musste den Vampir anspringen. Sein Werwolf wollte nun nichts anderes mehr, als den Feind zu zerreißen und den Ratten zum Fraß vorzuwerfen.

Doch Thorin war stark.
Verdammt stark.

Er griff mit seinen Armen problemlos um den schmalen Torso des Wolfes und drückte einmal fest zu, bevor er den zappelnden Wolf von sich schmiss. Keuchend landete Bilbo mehrere Meter entfernt und rang nach Luft, als eine seiner Rippen nachgab und mit einem leisen Knacken brach. Feuriger Schmerz schoss durch seine Seite und er röchelte verzweifelt nach Luft, als er mit all seinen vier Pfoten um sich schlug und nach dem Boden suchte, mit dessen Hilfe er sich aufrichten könnte. Für diesen einfachen Akt brauchte er viel zu lange, und er war sich sicher, dass es auch ziemlich lächerlich aussah.

Doch als er wieder stand, schoss das Adrenalin wieder durch ihn. Es hatte den kurzen, geschwächten Moment ignoriert und schrie ihn nun wieder an, diesen verdammten Vampir anzuspringen und ihm seine verdammte Kehle aufzureißen.
Hechelnd und grollend trabte er wieder auf Thorin zu und seine Wut wurde nur noch weiter angefacht, als er das selbstsichere Grinsen sah.
Er umkreiste Thorin und studierte jede seiner Bewegungen. Der Vampir schien wirklich keine Angst vor ihm zu haben.

Er würde ihm das genaue Gegenteil beibringen.
Thorin sollte sich vor ihm fürchten.

Er blieb stehen, nieste und schüttelte seinen Kopf dabei.
Verwirrtes Schnauben entwich den zuschauenden Vampiren, und Bilbo grinste innerlich. Die Täuschung schien scheinbar zu wirken. Die Vampire glaubten wirklich, dass er wegen einem einzigen Niesanfall stehen bleiben würde und den Kampf unterbrechen würde.
Er nieste noch einmal und spannte dieses Mal seinen gesamten Körper an.

Er wartete keinen Bruchteil einer Sekunde.
Mit gewaltiger Wucht warf er sich gegen Thorins breite Brust und langte noch während des Sprungs nach Thorins Kehle. Seine Kiefer schlossen sich um die Stelle zwischen Hals und Schulter. Genau der Punkt, den Werwölfe in menschlicher Form als 'Paarungspunkt' ansahen. Sie bissen ihren Gefährten dort immer, wenn sie einen Bund der Liebe mit ihnen eingingen (hieß, sie wollten ein Paar bis ans Ende ihres Lebens sein), oder wenn sie den Gefährten als ihren Besitz markieren wollten. Auch wenn er diesen Punkt nicht absichtlich getroffen hatte, raste plötzlich eine Aufregung durch ihn, die er zuvor nur bei dem Markieren seines Reviers gespürt hatte, nur dreimal so stark. Er markierte gerade seinen Gefährten. Alle seine Instinkte riefen ihm zu, dass er nun loslassen sollte und seinen Gefährten auf andere Weise liebkosen konnte, doch der blutrünstige Werwolf in ihm wusste genau, dass er den Paarungspunkt nicht mit der Absicht aufs Paaren getroffen hatte.
Er riss nur noch mehr an dem Fleisch und grub seine Zähne währenddessen immer tiefer in das Fleisch.

Thorin war hart auf den Boden aufgeprallt und war kurz überrascht liegen geblieben, bevor er eine Hand zur Faust ballte und dem jungen Wolf skrupellos ins Gesicht schlug.
Bilbos Fänge glitten aus dem Fleisch und stattdessen schnappte er nun nach Thorins Hand, doch diese Hand war schon längst vor geschnellt und hatte sich um seine Kehle gelegt. Der Vampir warf den Wolf von sich und sprang fluchend auf, folgte dem weg geschleuderten Körper Bilbos und trat dem Werwolf kräftig in die Seite, sodass Bilbo noch einmal mehrere Meter flog.

Blind und taub vor Schmerzen prallte er auf der Wiese auf und blieb reglos liegen.
Sein Körper wandelte sich das erste Mal seit einer Woche zurück in seine menschliche Form, wahrscheinlich aufgrund von Schmerzen und Schock.
Er war bedeckt von Dreck, Schweiß und Blut. Aus einer Platzwunde über seinem Auge lief beständig Blut und er hielt sich seinen linken Arm, der sehr gebrochen aussah und bedeckte seine getroffenen Rippen mit dem gebrochenen Arm, um ihnen leichten Schutz zu bieten.
Eines seiner Pferde wieherte geschockt, kam aber aufgrund der bedrohlichen Vampire nicht zu ihm.

„Ah, Bilbo, deine Begrüßungen überraschen mich immer wieder aufs Neue.“, frohlockte Thorin, der sich nun seine verwundete Schulter hielt. Bilbo schaute die Stelle, wo er Thorin gebissen hatte, ungläubig an.
Er spürte bereit das Band, was sich zwischen ihm und Thorin aufgrund des Bisses formte. Verdammt.
Hoffentlich wusste der Vampir nicht, was dieser Biss für einen Werwolf bedeutete.
Doch scheinbar konnte der Vampir etwas in Bilbos Blick erkennen, denn er hielt inne und schaute ihn genauer an. Bilbo seufzte resigniert. Dass Thorin noch etwas anderes als Schmerz in seinen Augen erkennen konnte, war erstaunlich.
Thorin betastete die Bissstelle und Bilbo spannte sich an, als eine Art Vibration über das feine Band zwischen ihnen übertragen wurde. Er öffnete seine Lippen etwas und konnte das heisere Knurren kaum verhindern, was ihm entwich.
Nun schien Thorin das Band registriert zu haben, denn er zupfte mit einem imaginären Finger daran und grinste leicht, als er Bilbos impulsives Knurren vernahm.
„Was eine freudige Überraschung, der Wolf wollte mich gar nicht umbringen, er wollte sich doch nur paaren!“, rief Thorin in einem höhnischen Ton und starrte seine Vampire mit einem belustigten Ausdruck in den blauen Augen an. Bilbo wimmerte und wollte seine Augen hinter seinen Händen verstecken, doch sein gebrochener Arm wehrte sich vehement dagegen und stattdessen konnte er nur in Schmerzen aufjaulen.

„Bilbo? Geht es dir gut?“, rief jemand besorgt, und Bilbo versteifte sich, als er bemerkte, dass es Fíli war. Der blonde Vampir kam in großen Schritten auf ihn zu, seine hellen Augen mit einem Ausdruck falscher Sorge gefüllt.
„Bleib bloß weg, du Mörder!“, röchelte er und robbte hilflos von Fíli weg. Seine nackte Haut rieb dabei unangenehm auf dem Gras, doch es kümmerte ihn nicht, solange er nur Abstand gewann.
Fíli schaute ihn verletzt an, während Thorin anfing, laut zu lachen.

„Jetzt, wo ich sein Gefährte bin, will er nicht mehr von fremden Vampiren angemacht werden!“, verspottete Thorin seinen Neffen und den Werwolf zugleich. Bilbo knurrte warnend und wurde von Thorin gestoppt, als dieser wieder mit seinem imaginären Finger an dem Band zupfte und Bilbo sehnsüchtig aufheulte. Jede Berührung an dem Band regte in Bilbo den Instinkt, zu seinem Gefährten zu stürmen und sich richtig mit ihm zu paaren, denn normalerweise paarte sich ein Wolf erst mit seinem erwählten Gefährten, bevor er ihn biss und ein richtiges Band mit ihm einging. Wenn er dies nicht tat, würde jede Berührung wie Tortur auf ihn wirken, denn der Paarungsinstinkt war stark.
„Pass bloß auf, Onkel, gleich fällt er dich noch an und rammelt dich ab.“, prustete Kíli, der auch näher gekommen war. Knurrend schaute Bilbo den brünetten Vampir an. Dieser Vampir hatte gerade nicht nur einen dummen Kommentar abgegeben, nein, er hatte auch die letzten Überreste seiner Familie in verdammte Vampire verwandelt! Er konnte es an der Art sehen, in der sie ihn anstarrten.
Armer, unschuldiger Frodo...er war nun für immer in dem Körper eines vierjährigen Kindes gefangen war!

Ehe er sich versah, war er schon wieder ein Wolf und sprang auf drei Beinen gegen Kíli, schnappte nach dem Gesicht des Vampirs und war mit seinen Kiefern so nah an der Nase, so verdammt nah...
Da schlangen sich wieder einmal starke Arme um ihn und der wohlige Geruch seines neuen Gefährten hüllte ihn ein. Sein angespannter Körper entspannte sich wieder und ein zufriedenes Seufzen entwich ihm. Die Schmerzen überkamen ihm aber im selben Moment und er schnappte panisch nach Luft, als er bemerkte, dass Thorin seine verletzten Rippen eindrückte und ihm nur noch mehr Schmerzen bereitete.
Heulend, winselnd und wimmernd wand er sich in den Armen des schwarzhaarigen Vampirs und schnappte sogar nach dem Arm, der um ihn geschlungen war. Thorin lachte aber nur zufrieden auf und drückte noch stärker zu.

Ein schrecklich hohes Heulen entwich ihm und blind und taub vor Schmerzen drehte er seinen Kopf zu Thorins Kopf und schnappte blindlings irgendwo hin. Seine Zähne streiften den Bart und rissen eine kleine Wunde in den Kiefer.
Thorin fauchte auf und ließ ihn los.

Auf drei Beinen humpelnd sprang Bilbo so schnell es nur ging in Richtung seines Anwesens.

- - -


Mit zusammengebissenen Zähnen duschte er, und mit noch stärker zusammengebissenen Zähnen trocknete er sich umständlich ab, und bei dem Verbinden seiner Wunden dachte er, dass ihm gleich all seine Zähne ausfallen würden, so stark drückte er seine Kiefer aufeinander.
Sein Brustkorb war schrecklich angeschwollen und verfärbte sich jetzt schon unschön blau. Mehrere Rippen waren geprellt und sein linker Arm war gebrochen. Es war aber kein komplizierter Bruch, und mit einem stützenden Verband würde er aufgrund der schnellen Heilung eines Werwolfes in kurzer Zeit wieder verheilt sein.

Nachdem er seine Wunden versorgt hatte, zog er sich wieder Klamotten an. Ein lockeres Tanktop, welches seine verheilenden Rippen nicht belasten würde, und eine enge Jeans, die seinen Hintern betonte und eng an seinen Knöcheln anlag. Normalerweise würde er sie aufgrund ihres weichen Jeansstoffs zum spontanen Reiten auf seinem Norweger nutzen, doch nun würde er sie anziehen, um einfach nur aufzufallen.
Seine Haare schob er wieder auf eine Seite, damit der Undercut hervorstach und ihm auch einige Strähnen verspielt in die Augen fielen. Seine Brille schob er sich auf den Nasenrücken und die goldbraune Kette mit der kleinen Eichel als Anhänger (seine Lieblingskette) hängte er sich wieder auf den Hals.

Selbst wenn er nun wieder Thorin unter die Augen treten müsste, musste er gut aussehen. Er wollte den Vampir nicht denken lassen, dass er verwahrlostes Aussehen pflegte. In den letzten zwei Jahren hatte sich dieser Gedanke stark in sein Ego geprägt und er musste wenigstens etwas gestylt aussehen, sonst würde er sich nicht wohl fühlen.
Außerdem kam gleich auch Arwen vorbei (sein Rudel wollte ihn unbedingt unterstützen, wenn er den Vampiren gegenübertrat), und Arwen bestand immer darauf, dass er wenigstens ein wenig gewollt sexy aussah, sonst würde sie ihn in Klamotten ihrer Wahl zwängen (und ihr Geschmack war...gewöhnungsbedürftig).

Seufzend trat er in die Küche seines Anwesens und warf keinen Blick aus dem Fenster, um bloß keinen Vampir sehen zu müssen.
Seit einer Woche hatte er als Wolf hungern müssen, und der Hunger hatte sich stark auf seine Menschenform ausgewirkt. Selbst wenn er als Wolf nicht gewusst hatte, dass er zwei hungrige Mäuler stopfen musste, da in ihm ein verängstigter Mensch schlummerte, hatte er alles versucht, um ihn zu nähren. Doch es hat nicht gereicht, und seine Menschenform musste leiden. Er hat rund zwei Kilogramm abgenommen, dadurch, dass sein Wolf sich so viel bewegt hat, aber zu wenig Nahrung zu sich nehmen konnte.
Wenigstens stimmte die Muskel'masse' noch.

Arwen und Lindir traten in die Küche, als er sich gerade einen Becher puren Joghurt nahm und halb verhungert auslöffelte. Lindir verzog das Gesicht und schaute Bilbo mit angewidertem Blick an.
„Und das schmeckt?“, fragte er und schnaubte ungläubig.
„Wie kannst du nur essen, wenn dein ganzes Anwesen nach Vampir stinkt?“, maulte Arwen nun und hielt sich demonstrativ die Nase zu. Bilbo zuckte nur mit den Schultern und leckte seinen Löffel ab, bevor er den Becher wegwarf und den Löffel in die Spüle pfefferte.
„Bin daran gewöhnt.“, grummelte er und suchte im Kühlschrank nach noch etwas Essbaren. Er fand die Überreste von einem Eintopf, der dem Geruch nach zwei Tage alt war. Es roch stark nach einer von Bards Kreation. Er musste sich stark zurückhalten, nicht zu sabbern.

„Hättest du jetzt einen Schwanz, du würdest ganz fröhlich mit ihm wedeln.“, murmelte Lindir belustigt, als er den jungen Werwolf dabei beobachtete, wie er den Eintopf hervorholte und mit einer neuen Gabel anfing, zu verschlingen.
Bard und Thranduil traten ebenfalls in die Küche und schnaubten belustigt, als sie den glücklich essenden Bilbo am Kühlschrank stehen sahen.
„Erstaunlich, wie ein so kleiner Mann so viel essen kann.“, rief Arwen nach einer Minute und warf die Hände in die Luft. Bilbo knurrte nur belustigt und leckte sich zufrieden über die Lippen, als er die letzte Gabel Eintopf verschlungen hatte. Sowohl Gabel als auch ausgekratzte Schüssel landeten scheppernd in der Spüle, bevor Bilbo sich die Hände wusch und den Mund abwischte.

„Ich hoffe mal sehr, dass das jetzt kein Frustessen war?“, neckte Thranduil ihn und Bilbo warf ihm einen bittersüßen Blick zu.
„Wollen wir?“, fragte er in die Runde der Werwölfe, und knurrte kurz darauf dieses heisere Knurren, welches Arwen immer so toll fand. Doch dieses Mal war es nicht wegen Spielereien oder Flirten mit anderen Menschen, nein, dieses Mal kam es aufgrund von dem Zupfen eines gewissen Vampirs an einem gewissen Band zwischen ihnen.
Er sendete eine Welle Wut über das Band und war zufriedengestellt, als er den Schock von Thorin über das Band spürte. Ein hämisches Grinsen breitete sich über sein sanft gebräuntes Gesicht aus.

Thranduil schaute ihn verwirrt an und Bard gluckste vergnügt, als er den Ausdruck auf Bilbos Gesicht sah.
„Was ist los, Bilbo?“, fragte Thranduil misstrauisch und Bilbo wurde aus der Kommunikation mit Thorin über das feine Band gerissen. Er wurde immer noch mit dem Drang, Thorin ins Bett zu bekommen, überwältigt, doch er hatte sich in den letzten zwei Jahren darin perfektioniert, Gefühle zu unterdrücken, also würde er auch diesen einfachen Instinkt unterdrücken können.
„Ach ja, das solltet ihr vielleicht auch noch wissen: Ich habe in meiner Wut Thorin angefallen und in den Paarungspunkt gebissen.“, verkündete er kleinlaut und wimmerte bei den entsetzten Ausrufen der anderen Wölfe.

Er joggte vor ihnen weg, Unwohlsein und Belustigung trieben ihn an, verspielt und verzweifelt zugleich vor ihnen zu fliehen.
„Und ich dachte, du würdest auf mich stehen!“, hallte Arwens hysterischer, ironischer Schrei hinter ihm durch seinen Garten, durch den er gerade schritt um die Vampire auf dem Feld seiner Pferde zu treffen. Er kicherte leise.
„Ich bin durch und durch schwul!“, rief er zurück und schwang mit seinen Hüften, um seine Aussage zu unterstreichen. Hinter sich hörte er, wie Arwen beinahe am Lachen erstickte und wie Bard kaum noch Luft vor Lachen bekam und von einem belustigt schnaubenden Thranduil getätschelt wurde.
Seine Freunde lenkten ihn so sehr ab, da bemerkte er gar nicht, wie der beruhigende Geruch seines ungewollten Gefährten ihn umgab.

„Ja, du bist durch und durch schwul.“, raunte Thorin in sein Ohr.
Dann packte der Vampir ihn an seiner Schulter, drehte ihn zu sich um und

küsste

ihn!!


"So leave that click in my head
And I will remember the words that you said
Left a clouded mind and a heavy heart
But I was sure we could see a new start"

Hopeless Wanderer, Mumford & Sons
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