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Hunt you down eat you alive

von -bamboo
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Bilbo Beutlin Dis Fili Ori Smaug Thorin Eichenschild
04.01.2015
08.06.2015
13
37.619
20
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Dieses Kapitel
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04.01.2015 3.701
 
"It's who we are
Doesn't matter if we've gone too far"



Draußen schneite es. Heute morgen hatte es noch nicht geschneit.
Zudem war es auch noch klirrend kalt, also so würde der Schnee morgen früh gefroren sein und auf den Nebenstraßen würde gefährliches Glatteis liegen.

Seufzend packte er seinen Laptop ein und steckte ihn in seinen Rucksack. Für heute hatte er genug geschrieben. Den Rucksack erst einmal sicher auf dem Rücken, packte er seinen Motorradhelm und trottete auf den Ausgang zu.
Nun würde er die wohlige Wärme der Bibliothek wohl verlassen müssen und raus in das Schneegestöber gehen. Erneut verließ ein Seufzen seine Lippen.

„Bist du dir ganz sicher, dass du bei dem Wetter mit deinem Motorrad fahren willst?“, rief die Aushilfe des Bibliothekars, Ori, ihm hinterher. Er drehte sich um und schaute den jungen Mann mit einem bitteren Lächeln an.
„Ich muss wohl, nicht wahr?“, rief er zurück. Da kein anderer Mensch mehr um diese Uhrzeit in der Bibliothek war, durften sie sich auch ruhig ein wenig lauter unterhalten.

Er kannte Ori schon lange. Schon seit der junge Mann hier sein Praktikum in dieser Bibliothek gemacht hatte, kannte er ihn. Das war jetzt schon etwa drei Jahre her.
Ori hatte sich als ruhiger und sanftmütiger Freund erwiesen, den er ins Herz geschlossen hatte. Durch seine schüchterne Art war es am Anfang nicht leicht gewesen, mit ihm eine Freundschaft zu pflegen, doch je länger man ihm offen und freundlich entgegengekommen war, desto zutraulicher wurde Ori.
Und nach diesen drei Jahren war zwischen ihnen etwas entstanden, was man wirklich eine großartige Freundschaft nennen konnte.

Darauf war er stolz, denn er war eigentlich kein Mann, mit dem man sich einfach anfreunden konnte, und wenn, dann lasteten die Freundschaften nie besonders lang.

Das lag wahrscheinlich daran, dass er kein Mensch war und er dieses klitzekleine Detail immer verschwieg, bis es dann zu spät war.
Doch Ori hatte er es erzählt, und Ori hatte ihn akzeptiert.
Vielleicht hatte er Ori deshalb so sehr ins Herz geschlossen.

„Bilbo Beutlin, du wirst nicht mit deinem Motorrad durch diesen Schnee fahren. Die Straßen sind noch nicht gestreut, du bringst dich selbst damit um, wenn du jetzt auf deinem Motorrad durch die ganze Stadt fährst.“, dröhnte Gandalfs Stimme durch den Raum.
Bilbo wirbelte zu dem alten Mann und dem Leiter der Bibliothek herum und fletschte kurz seine Zähne, weil er sich erschrocken hatte, da er Gandalf gehört hatte, als er den Raum betreten hatte.
„Und was soll ich deiner Meinung nach dann machen? Hier übernachten?“, grummelte er missmutig und warf seinen Helm auf den Tisch, der neben ihm stand. Er diskutierte nicht mit Gandalf, da der ältere Mann seinen Kopf sowieso durchgesetzt bekommen würde.

„Ich kenne jemanden, der mir noch einen Gefallen schuldet. Ich werde ihn darum bitten, dich nach Hause zu fahren.“, meinte Gandalf und verließ den Raum, zückte dabei aber noch sein Smartphone. So alt Gandalf auch sein mochte, er ging immer mit der Mode. So hatte er auch jetzt das aktuellste Smartphone.
Schnaubend ließ Bilbo sich in einen Sessel fallen, der nah an der Theke und somit nah an Ori stand. Aufmerksam beobachtete er den jungen Mann bei seiner Arbeit, wie er die zurückgegebenen Bücher spielend leicht im Computer registrierte und auf mögliche Schäden untersuchte.

Bilbo hatte schon öfters in der Bibliothek geholfen und hatte schon oft geholfen, Bücher zurück in ihre Regale zu stellen. Und da er jetzt nicht nutzlos in dem Sessel gammeln wollte, stand er auf und packte einen Stapel der fertig bearbeiteten Bücher von Ori unter einen Arm. Ori blickte nicht von seiner Arbeit auf, nur ein dankendes Lächeln erhellte sein Gesicht kurz.

Summend schlenderte er durch die Reihen der Bücherregale und sortierte die Bücher ein. Größtenteils waren es Kinderbücher, doch auch einige dicke Wälzer waren dabei, die sogar für Bilbo zu schwer zum Lesen wären.
Zufrieden sog er den Geruch der Ledereinbände ein, den Geruch der alten Seiten und den immer vorhandenen Geruch von Staub auf den Regalen. Hier fühlte er sich wohl, und genau aus diesem Grund befand er sich den größten Teil des Tages immer in dieser Bibliothek und arbeitete an seinem Buch.
Denn diese Bibliothek war friedlich und besaß diese ruhige Atmosphäre, die Bilbo so liebte.

Gerade schob er einen dieser schrecklichen Liebesromane mit Vampiren in das überfüllte Regal mit der Überschrift 'Liebe mit Biss', da öffnete sich die Tür der Bibliothek.
Der Geruch von kalter Luft wehte um Bilbos feine Nase. Ein wohliges Geräusch entwich ihm. Er liebte die Kälte, und den Geruch, wenn es kühler wurde. Doch das Geräusch blieb ihm im Hals stecken, als er einen anderen Geruch wahrnahm, der sich langsam, aber sicher in seine Nase einbrannte und ein wütendes Gefühl in ihm auslöste.

War das, was da in der Tür stand, etwa derjenige, den Gandalf gerufen hatte, um ihn abzuholen?
Um diese Uhrzeit wurde die Bibliothek nicht mehr besucht, also musste er es sein.
„Gandalf!“, rief er wütend, und fast gleichzeitig knurrte dieses Etwas in der Tür ebenfalls nach Gandalf.

Aufgebracht stürmte er nach vorne zur Theke, mit seinem Handgelenk vor Nase und Mund, um diesen schrecklichen Geruch bloß nicht noch mehr einzuatmen.
Er schaute gar nicht erst zur Eingangstür, denn er wollte dieses stinkende Etwas nicht anschauen. Allein der Geruch reichte schon, damit ihm schlecht wurde, er wollte gar nicht wissen, wie es mit Blickkontakt sein würde.

Gandalf kam aus seinem Büro heraus, ein belustigtes Funkeln in den Augen und ein friedliches Lächeln auf den Lippen.
„Ah, Bilbo, wie ich sehe, hast du Thorin schon gerochen.“, frohlockte der alte Mann. Wild knurrte Bilbo, und er wusste, dass seine sonst so unschuldigen, großen und rehbraunen Augen nun in einem gefährlichen Goldton glühten.
Sie glühten nur, wenn er schrecklich wütend war, oder sein größter Feind in der Nähe war.
Gerade war beides der Fall.

Ori kicherte leise hinter seiner Theke.
Bilbo zog seine Augenbrauen kurz in verwirrter Manier zusammen und schüttelte seinen Kopf leicht, bevor er Ori genaustens anschaute und ein kühler Frieden die heiße Wut in seinem Körper vertrieb. Wie genau sein junger Freund es immer schaffte, ihn mit einer simplen Geste aus den schlimmsten Stimmungen zu reißen, war ihm suspekt. Doch er schaffte es immer, und selbst jetzt hatte er es geschafft, und Bilbo war entsetzlich ruhig, obwohl es in diesem Moment nicht in seiner Natur liegen sollte.
Er schürzte seine Lippen und schnaufte missmutig. Auch wenn er sich durch Ori einigermaßen beruhigt hatte, spürte er doch die Blicke dieses stinkenden Wesens in seinem Nacken.

„Gandalf, warum ein Vampir?“, murrte Bilbo, während er sich die Augen rieb. Plötzlich war er müde und erschöpft, als hätte er all seine Kraft mit seinem Wutanfall verloren.
„Weil es gut für dich ist, und für mich sehr amüsant.“, verkündete der grauhaarige Mann. Ein wütendes Grollen ertönte von hinter Bilbo, und Bilbo stieg mit einem müden Knurren in den Protest ein.

„Na gut, ich werde es wohl überleben.“, schnaubte Bilbo, bevor er sich umdrehte und den Vampir ins Auge fasste.
Alle Müdigkeit war auf einen Schlag weg.
Sein Herzschlag beschleunigte sich kurz und er hielt unbewusst seinen Atem an, als er den Vampir namens Thorin sah. Er wusste, dass der Vampir es wahrscheinlich gehört hatte, wie sein Herz bei dem Anblick von ihm einen Satz gemacht hatte, doch Bilbo war dies egal. Er hatte alles Recht dazu, so zu reagieren.
Denn der Vampir war eine Augenweide.

Die erstaunlich blauen Augen des Vampirs verhakten sich kurz mit Bilbos braunen Rehaugen. Ein Schauder lief über seinen Rücken und er hielt die Luft an.
Er registrierte die breiten Schultern und die ausgeprägten Muskeln seines Oberkörpers, da der Vampir ein unverschämt enges T-Shirt trug. Doch bei Vampiren war der muskulöse Körperbau nichts besonderes, trotzdem erfreute sich Bilbo an dem Anblick.
Auch die Jeans von Thorin war eng und schmiegte sich wie eine zweite Haut an seine Oberschenkel und Waden, wobei die Waden teilweise von den Stiefeln, die Thorin trug, verdeckt wurden.

Die Haare von dem Vampir waren etwas länger als Bilbos Locken, waren pechschwarz und glatt und waren ursprünglich ordentlich zurückgekämmt geworden, doch aus irgendeinem Grund hatten sich Strähnen gelöst und hingen dem Vampir nun im Gesicht.
Die hohe Stirn ging in eine scharf geschnittene Nase über und die Nase ging in scheinbar weiche Lippen über. Die Fangzähne des Vampirs waren lang, denn sie ragten leicht aus seinem Mund und lagen auf seiner Unterlippe auf.
Was Bilbo aber am meisten faszinierte, war der Bart, den der Vampir trug. Bärte hatten ihn schon immer fasziniert, denn er selber hatte keinen Bartwuchs.

„Hallo.“, grüßte Bilbo, während er flach durch seinen Mund einatmete. Auch wenn er gerade nicht mehr durch die Anwesenheit des Vampirs wütend war, widerte ihn der Geruch des Blutsaugers immer noch an.
„Hallo, Werwolf.“, grollte der Vampir, und in seinen blauen Augen blitzte etwas auf, was man als Belustigung deuten könnte. Bilbo verdrehte seine Augen und rümpfte seine Nase, was sich als Fehler erwies. Der Gestank des Vampirs drang in seine Nase an und er knurrte wütend, als sein Magen sich umdrehte.
„So schlimm?“, schnaubte Thorin abfällig und trat näher an Bilbo heran. Bilbo verspannte sich und nahm eine abwehrende Haltung ein. Der hochgewachsene Vampir erstarrte, bevor er seine Lippen zu einem verächtlichen Lächeln verzog.
„Ja, dein Geruch ist schlimm. Du weißt ja gar nicht, wie schlimm! Und jetzt komme nicht mit dem typischen 'Doch, das weiß ich', denn das kann gar nicht sein! Meine Nase ist sehr viel feiner als deine komische Nase da, denn ich bin ein verdammter Werwolf, unsere Nasen sind doppelt so stark wie die von Wölfen!“, knurrte Bilbo. Er wusste, dass seine Augen wieder golden glühten.

„Dann hast du wohl Pech gehabt, Wolf.“
Wut schoss durch Bilbos Körper und sein Sichtfeld verschwamm, als er seine Zähne zusammenbiss und ein wildes, animalisches Knurren hören ließ.
„Nicht in der Bibliothek, Bilbo.“, vernahm er Oris warnende Stimme hinter ihm, doch er störte sich kein bisschen daran. Er befand sich in einer Rage, die er so bisher noch nie gespürt hatte.
Der Geruch des Vampirs machte ihn rasend, seine schreckliche Art störte ihn, einfach alles machte ihn wütend.
Oder es lag einfach daran, dass er sich schon zu lange nicht mehr verwandelt hat. Da war er immer angespannt und schnell gereizt. Aber so schnell hatte er seine Kontrolle noch nie verloren.
Er spürte, wie sein Wolf an die Oberfläche drang und sich mit einem ziemlich tiefen Knurren bemerkbar machte.

Nur noch ein wenig, dann würde er endlich wieder Wolf sein...
Sein Kopf wurde von rauen, faltigen Händen, Gandalfs Händen, nach hinten gerissen, und kalte Lippen legten sich auf seinen freigelegten Hals. Diese Lippen gehörten weder Ori, noch Gandalf. Sie waren kalt und leblos.
Zischend verstand er, dass der Vampir ihm mit seinen Lippen drohte. Würde er seinen Wutanfall mit einer Verwandlung beenden, würde der Vampir seine Drohung wahrmachen und ihn mit seinen gefährlichen Fangzähnen beißen.
Horror erfüllte ihn, als er eben diese Fangzähne an seinem Hals spürte. Jede Wut verließ seinen Körper in einem Atemzug und sein Wolf zog sich mit einem eingeschüchterten Winseln zurück.

„Ist ja gut!“, winselte er, als der Vampir seinen Hals nicht in Frieden ließ und weiter seine Lippen auf der verheißungsvollen Blutquelle liegen ließ. Thorin reagierte aber nicht, er trieb es sogar noch auf die Spitze, als er seine Zunge über die weiche Haut an Bilbos Hals streichen ließ. Es fühlte sich so an, als würde er das Blut unter seiner Haut mit seiner Zunge spüren wollen.
Bilbo schloss seine Augen und unterdrückte den Drang, zu würgen. Sein größter Feind hing an seinem Hals, da hatte er alle Gründe auf Erden, zu würgen.
„Thorin, es reicht.“, meinte nun auch Gandalf, und endlich zog sich der Vampir zurück und warf Bilbo einen gehässigen Blick zu. Der kleinere Mann rieb sich gerade aber nur hektisch über seinen Hals und versuchte, den Speichel des Vampirs von seinem Hals zu entfernen.

„Fühlt sich der kleine Wolf etwa schmutzig?“, spottete Thorin. Seine Pupillen waren geweitet und seine Fangzähne schienen noch mehr gewachsen zu sein. Auch sein Angriff auf Bilbo war nicht ohne Schaden vergangen.
„Halt die Klappe!“, riefen Bilbo und Ori gleichzeitig.
„Sonst jage ich dich und fresse dich bei lebendigem Leibe.“, fügte Bilbo knurrend hinzu, dann drehte er sich zu Ori um.
Bilbo hatte nicht bemerkt, wie der junge Mann sich beschützend vor ihn gestellt hat. Ruhig legte Bilbo seinem besten Freund eine Hand auf die Schulter und lächelte sanft.
„Ori, geh zurück an die Arbeit, ich schaffe das schon.“, murmelte er und zog den jüngeren Mann in eine liebevolle Umarmung. Ori, der fast einen Kopf größer war als Bilbo, lachte kurz auf, bevor er die Umarmung erwiderte.

Gandalf steckte ihm eine kleine Karte zu, wahrscheinlich eine Visitenkarte, als er seinen Helm packte und zur Tür trabte, diesem mysteriösen Schwein von Vampir hinterher. Er ignorierte sie und schob sie nur in seine Hosentasche, da er gerade damit beschäftigt war, den Vampir mit seinen Blicken zu erdolchen.
Er verabschiedete sich von Ori und ignorierte Gandalf. Der alte Mann hatte ihn in diese Situation gebracht, und er hasste ihn dafür.
So war er einigermaßen erleichtert, als er aus der Tür trat und dem belustigten Blick von Gandalf entgehen konnte.

Der Schnee verfing sich in Bilbos Locken und er seufzte zufrieden. Er liebte die Kälte und den Schnee.
Außerdem war er an der frischen Luft, ein starker Wind wehte und trug den Geruch des Vampirs weg von seiner Nase. Zufrieden atmete er ein. Endlich konnte er wieder richtige Luft atmen, nicht mehr diesen widerlichen Gestank des Blutsaugers.
Thorin führte ihn zu einem schicken, definitiv teurem Auto. Dabei kamen sie an Myrtle, Bilbos Motorrad, vorbei. Seufzend strich er über das kalte Motorrad. Dann müsste er seine Gute wohl heute hier stehen lassen. Stehlen würde es niemand, in dieser Stadt gab es keine Kriminalität in dieser Art.
Es gab nur öfters Kämpfe zwischen Wolf und Vampir, und das war es dann auch mit der Kriminalität in dieser Stadt.

„Wo wohnst du?“, fragte Thorin, nachdem er sich in den Fahrersitz geworfen hatte und darauf gewartet hatte, dass Bilbo die Nase aus der kalten Luft nahm und endlich ins Auto einstieg.
„Bühlstraße. Kannst mich da einfach absetzen.“
Thorin hob nur eine Augenbraue und schaute Bilbo genau an, während dieser interessiert das Auto von Innen betrachtete.
„Sicher, dass du nicht erfrieren wirst, wenn du den restlichen Weg laufen musst?“, fragte Thorin mit vor Sarkasmus triefender Stimme. Bilbo warf ihm einen ausdruckslosen Blick zu.
„Ich habe im Gegensatz zu dir einen Pelz unter meiner Haut, der mich wärmt, und bin nicht von Natur aus kalt.“, schnappte er.

Der Vampir fing an, leise zu lachen. Erstaunt schaute Bilbo ihn an, bevor er seine Augen verdrehte und aus seinem beschlagenen Fenster schaute.
„Humor hast du, dass muss man dir lassen, Wolf.“

„Mein Name ist Bilbo Beutlin und ich freue mich fürchterlich, dich kennengelernt zu haben.“, grummelte er.
Normalerweise war er nicht so. Er war eine offene, freundliche Person, die jedoch in der Gegenwart von fremden Leuten immer unsicher war und Angst davor hatte, Fehler zu machen. Doch er konnte diese Unsicherheit mit einem strahlenden Lächeln verbergen, und er war stolz darauf.
Nur wenn Vampire in der Nähe waren, wurde er eine ganz andere Person. Er wurde kühl, war schnell reizbar und hatte sehr oft Wutanfälle. Manchmal hasste er seine Charaktereigenschaften, die ihm sein Dasein als Werwolf einbrachten.

„Ich heiße Thorin Eichenschild und bin zu deinen Diensten, Wolf.“, näselte der Vampir, der währenddessen das Auto aus der zugeschneiten Parklücke fuhr.
„Bilbo.“, meinte Bilbo gleichgültig, der es aufgegeben hatte, irgendetwas durch das beschlagene Glas sehen zu wollen.
„Nicht Wolf? Schade, Wolf klingt viel besser als Bilbo.“
Bilbo knurrte nur leise und verdeckte sich wieder die Nase, da die Heizung zwar warme Luft, aber auch Thorins Gestank zu seiner Nase trug.

„Kannst du diesen Gestank nicht irgendwie abschalten?“, fragte Bilbo.
„Für dich nicht.“
„Ich hasse dich.“
„Ich weiß.“

Das entlockte Bilbo doch ein leises Lachen. Er hatte nie erwartet, jemals in der Anwesenheit eines Vampirs zu lachen.
„Ich hatte erwartet, dass du mich jetzt wütend anbellst.“, gab Thorin von sich, in seiner Stimme konnte man das Lächeln hören.
„Verlass dich nicht auf Klischees, Spitzzahn. Nicht alle Werwölfe sind kratzbürstig.“, antwortete Bilbo mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht.
Die Stimmung im Auto wärmte sich langsam auf, und das lag nicht an der Heizung.

„Hättest du nicht verwandelt nach Hause laufen können? Das hätte mir die Fahrt durch dieses schreckliche Schneegestöber erspart.“
„Du weißt gar nichts von Werwölfen, nicht wahr?“, fragte Bilbo, seine Augen fest auf die Straße fixiert. Thorin fuhr wirklich vorsichtig, trotzdem schien er immer wieder von der Spur abzukommen und Ampeln zu übersehen.
Eine Verwandlung in der Öffentlichkeit war ein Risiko, selbst bei diesem Schneefall. Menschen hatten Angst vor Wolf und Vampir und trugen nicht selten eine Waffe bei sich, und auch Vampire griffen verwandelte Werwölfe auch gerne mal aus dem Hinterhalt an. Es war einfach gefährlich.
„Möglich.“
„Dann lass diese Kommentare besser sein.“
„Du hast mir nichts zu befehlen.“
„Das war kein Befehl, das war ein gut gemeinter Ratschlag.“
„Meine Neffen sind um Längen schlimmer.“

„Neffen?“, fragte der kleinere Mann erstaunt und legte seinen Kopf schief.
„Freche Burschen, etwas älter als Ori.“, informierte Thorin Bilbo, seine blauen Augen konzentriert auf die Straße gerichtet.
„Wie lange sind sie schon so alt?“, wollte Bilbo mit einem mulmigen Gefühl im Bauch wissen.
„Zu lange.“
Bilbo seufzte. Also gehörten Thorin und höchstwahrscheinlich auch seine Familie zu der Generation der älteren Vampire.
„Wie alt bist du genau?“

„Ich habe nicht mehr mitgezählt, aber 250 sollte es treffen.“
Bilbo grinste.
„Da klingen meine 27 Jahre ja fast schon lächerlich.“
„Tun sie auch.“

Bilbo wurde schon als Werwolf geboren.
Seine Mutter und sein Vater waren Werwölfe gewesen, einige der ersten Werwölfe, die ein lebendiges, vollblütiges Werwolfkind zur Welt gebracht haben. Auch wenn Bilbo es nur knapp überlebt hatte, war er nun ein fröhlicher und gesunder Jungwolf.
Seine erste Verwandlung hatte er mit 15, während einer Prügelei mit einem ziemlich großen Jungen aus der höheren Klasse. Bilbo war damals ziemlich wütend gewesen, aber er war auch in ziemlich großer Gefahr.
Und nach diesen 12 Jahren, in denen er nun Wolf werden konnte, war er immer noch ein halber Welpe. Eigentlich keine gute Voraussetzung, um sich mit einem 250 Jahre alten Vampir anzulegen.

„Wann wurdest du verwandelt?“, fragte Thorin ihn und riss ihn aus seinen Gedanken.
„Ich wurde nicht verwandelt.“
„Du bist ein geborener Wolf?“
In der Stimme des Vampirs war deutlicher Schock zu hören.
„So ist es.“

„Davon gibt es nicht viele.“, stellte der schwarzhaarige Mann fest.
„Ja, und sie werden auch nicht akzeptiert.“, meinte Bilbo leise, mit ein wenig Trauer in seiner Stimme.
„Warum?“, fragte Thorin schockiert. Auf einmal schien er wirklich interessiert zu sein, was Werwölfe anging. Vielleicht hatte er sich Bilbos gut gemeinten Ratschlag ja wirklich zum toten Herz genommen.
„Weil Werwölfe, die durch einen Biss verwandelt wurden, denken, dass Werwölfe ohne Biss keine Werwölfe sind.“

„Ich muss Werwölfe nicht verstehen, oder?“
„Nein, musst du nicht, Thorin. Ich verstehe sie auch nicht.“

Betretenes Schweigen herrschte.
Die Stille wurde durch das Vibrieren von Bilbos Handy unterbrochen. Genervt seufzte er, bevor er das Handy aus seiner Jackentasche zog.

Gandalf: Lebst du noch?

Bilbo schnaubte belustigt, bevor er schnell antwortete und das Handy zurück in die Jacke steckte.
„Wer war das?“, fragte Thorin, der seine Hände erstaunlich fest um das Lenkrad geklammert hat. War er etwa wütend? Hat Bilbo etwas falsches gemacht?
„Geht dich das was an?“
„Ich weiß nicht.“
„Auch Werwölfe haben etwas, das sich Privatsphäre nennt.“, meinte Bilbo und zwinkerte dem Vampir im Rückspiegel zu. Thorin schaute den jungen Werwolf kurz an, bevor er breit grinste und leise lachte.
Danach schwiegen sie weiter. Nur einmal durchbrach Bilbos Schnüffeln die Stille, als er sich wieder einmal über den Geruch des Vampirs aufregte.

„Wir sind da.“, verkündete Thorin nach einer Weile.
Bilbo öffnete die Tür, stieg aus und rief Thorin ein Lebewohl zu, bevor er die Tür zuschlug. Doch als er den ersten Schritt tat, fiel ihm noch etwas ein. Er drehte sich noch einmal um, tippte gegen die Scheibe und wartete geduldig darauf, dass Thorin sie herunterließ.
Als die Scheibe unten war, schlug Bilbo warme Luft und der Geruch des Vampirs entgegen. Unbewusst sog der den Geruch tief ein.
„Danke.“, sagte er mit unerwartet sanfter Stimme, bevor er scherzhaft vor dem Vampir salutierte und sich dann wegdrehte und anfing, durch den Schnee zu stapfen.

Er öffnete die Tür zu seiner Wohnung mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Irgendwie hatte er sich in der Gegenwart von diesem Vampir viel zu schnell viel zu gut gefühlt. So friedlich hatte er sich noch nie mit einem Vampir unterhalten können.
Sein Handy vibrierte.

Gandalf: Hast du dich bedankt?

Bilbo lächelte.
Seine Finger flogen über die Tastatur des Handys, als er eine lange, sarkastische Antwort tippte. Letztendlich fand er das aber lächerlich und entschied sich für eine kurze Antwort.

Bilbo: Ja :)

Er musste nicht lange auf eine Antwort warten.

Gandalf: Hat er es dir angetan?

Er schnaubte und warf sein Handy auf sein altes Sofa. Wie konnte dieser alte Sack es nur wagen, ihm so etwas zu schreiben? Als würde er angetan von einem Vampir sein. Auch wenn er sich in dessen Gegenwart im Endeffekt sehr wohl gefühlt hatte, war er nicht angetan von ihm.
Er tigerte in seinem Wohnzimmer auf und ab und knurrte wild bei diesen Gedanken.
Sein Handy signalisierte ihm, dass er eine neue Nachricht bekommen hatte.

Gandalf: In deiner Hosentasche.

Bilbo griff verwirrt in seine Hosentasche und fand dort die kleine Karte, die Gandalf ihm zugesteckt hatte.
Auf dieser kleinen Karte stand Thorins Name und seine Handynummer, in der säuberlichen Schrift von Gandalf geschrieben.
Belustigt schnaubte er, bevor er die Nummer schnell in sein veraltetes Handy einspeicherte und eine Nachricht an Thorin schrieb.

Bilbo: Hallo Spitzzahn.

Er wanderte in sein Schlafzimmer und zog sich gerade um, als eine Antwort kam. Bilbo zog sich das dünne Oberteil, welches er zum Schlafen nutzte, über und griff dann zu seinem Handy.

Thorin: Können Werwölfe Handynummern erraten, oder woher hast du meine Nummer?

Lachend fiel Bilbo auf sein Bett.


"Doesn't matter if it's all okay
Doesn't matter if it's not our day"

Who We Are, Imagine Dragons
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