Albtraum

KurzgeschichteAllgemein / P6
Old Child/Hyu Tetsu Sendagaya
04.01.2015
04.01.2015
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Es war wahrscheinlich zwischen 24 Uhr und 1 Uhr als Tetsu langsam die Augen öffnete.
Verschlafen rieb er sich die Augen und schaute auf den Wecker, der neben seinem Bett auf dem Nachttisch stand. „Noch so früh?“, murmelte r vor sich hin.
Normalerweise schlief er immer bis 6 Uhr und dann wurde er meist abrupt wach, ein Zyklus der sich bei ihm fest eingeprägt hatte, da er oft noch seinem Vater im Gasthaus helfen musste.
Sehr zum Bedauern von Hyu, der sich erst vor kurzem, gezwungener Maßen, angewöhnt hatte wie Tetsu am Tag wach zu sein und in der Nacht zu schlafen und wie sich herausstellte ein Langschläfer war. Dazu kam auch noch, dass Hyu den Körper eines Kleinkindes und somit auch dessen Schlafverhältnisse hatte, also gab`s dazu auch noch manchmal Mittagsschlaf.
Langsam setzte sich der blondhaarige Junge auf,  stand aus dem Bett auf und machte sich auf den Weg zur Küche. Wenn er schon mal wach war konnte er auch was trinken.
So leise wie möglich ging er den Flur entlang, immerhin wollte er ja niemanden wecken, stoppte aber, als er ein Geräusch vernahm.
Es war ein leises Wimmern, so klein, dass Tetsu es überhört hätte, wenn nicht alles mucksmäuschenstill  gewesen wäre.
Ohne groß drüber nachzudenken folgte er dem Wimmern und stand nun vor einem ihm nur allzu gut bekannten Gegenstand. Der große schwarze Sarg von Hyu mit der weißen Schrift, die Tetsu damals drauf gemalt hatte.
Langsam öffnete er den Sarg um einen Spalt, als ihn plötzlich zwei rubinrote Augen erschrocken anstarrten.
„Hyu? Alles okay?“ fragte Tetsu leise.
Sofort drehte sich der der kleine Vampir weg und versuchte so Blickkontakt zu vermeiden.
Aber Tetsu hatte es schon bemerkt. Seine Augen waren rot angelaufen und die Nase lief ihm noch etwas. Er hatte geweint.
„Was ist los?“, hackte der 14-jährige weiter nach.
„Gar nichts. Du sollst doch nicht einfach so meinen Sarg auf machen!“, versuchte Hyu alles zu überspielen, aber man hörte immer noch ein kleines zittern in der Stimme.
„Du hast geweint.“
Ertappt zuckte Hyu zusammen, „So ein Unfug! Als ob ein echter Vampir weinen würde!“
„Du kannst es mir ruhig sagen.“ „Ich sagte doch es ist Nichts!  Ich konnte nur nicht schlafen, weil ich meine Schlafzeit wegen dir umstellen musste!“
Einen Moment hielt Tetsu inne und guckte Hyu nur an, welcher langsam etwas nervös wurde.
Im nächsten Moment nahm Tetsu den kleinen Vampir in den Arm und trug ihn zu seinem Bett.
Starr vor Schreck konnte Hyu erst nichts sagen, fing dann aber an wild zappelnd in Tetsus Armen zu schreien: „Was machst du da du Idiot!? Ich hab doch gesagt es ist Nichts!“
Aber Tetsu schaffte es das alles gekonnt zu ignorieren und aus seinem Griff konnte sich Hyu sowieso nicht befreien.
Er setzte den kleineren auf dem Bett ab und verließ mit den Worten „Warte kurz“ das Zimmer.
Fragend Blickte Hyu an die Stelle wo sein Eve bis eben noch gestanden hatte und fragte sich was wohl in ihn gefahren ist.
Nach ein paar Minuten kam Tetsu mit zwei großen Tassen in der Hand wieder, setzte sich aufs Bett
und reichte Hyu eine der zwei Tassen, auf der kleine Fledermäuse waren, welcher sie erst nur
perplex anstarrte,  aber dann entgegennahm. Er erkannte sie, es war seine Lieblingstasse, er hatte sie
damals von Tetsu mitgebracht bekommen und bestand darauf seinen Kakao immer in dieser Tasse zu
bekommen.
Jetzt befand sich in der Tasse warme Milch und als er vorsichtig daran nippte, merkte  er einen süßen
Geschmack.
„Honig?“, fragte er sich selbst etwas verwundert und schaute fragend auf das Getränk.
„Hilft beim einschlafen.“ Antwortete Tetsu ihm und nahm danach selbst einen Schluck aus seiner
Tasse.
Ohne wirklich zu verstehen was das alles eigentlich werden sollte trank Hyu im Stillen aus.  Und die
Milch half wirklich, er fühlte sich auch schon wieder etwas besser. Tetsu nahm ihm die Tasse ab und
stellte beide auf seinen Nachttisch.
Und ehe Hyu hätte reagieren können, nahm er ihn sanft in den Arm und deckte sie beide zu.
Der rotäugige merkte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss. Damit hatte er nicht gerechnet und
eigentlich wollte er sich wehren, aber komischerweise genoss er es irgendwie und als hätte man
einen Schalter bei ihm umgelegt, kullerten ihm die Tränen wieder die Wange runter.
Wieso weinte er auf einmal wieder?
Und warum fühlte es sich jetzt nicht mehr wirklich schlimm an? Er fühlte sich
irgendwie…geborgen, behütet, als könnte kommen was wolle, es würde ihn nicht erreichen. Er wusste
nicht, ob es an diesem Gefühl lag, aber auf einmal fing er ohne es wirklich zu merken an zu sprechen:
„Ich hatte einen Albtraum…“ „Hast du deshalb geweint?“
„Ja.“, nuschelte er in Tetsus Brust, in die er sich nun noch mehr schmiegte. „Willst du mir sagen, was
passiert ist?“
Hyu schwieg.
Er wusste nicht, ob er es ihm sagen sollte. Es hatte ihn schon viel Überwindung gekostet, ihm
überhaupt zu erzählen, dass er einen Alptraum gehabt hatte.
„Du musst nicht, wenn du nicht willst.“, durchbrach der Größere  die Stille.  
Und wieder herrschte Stille, bis diesmal der Vampir das Wort ergriff:
„Tetsu?“  „Hmh?“  „Woher wusstest du eigentlich, dass die Milch hilft?“ „Wenn ich früher Alpträume
hatte, hat meine Mutter, das Selbe mir mit gemacht.“
Verwundert guckte nun die Hochmut seinen Eve an. Er konnte sich einen kleinen Tetsu, der wegen
eines Traums weint einfach nicht vorstellen.  Er hätte sich aber auch nie vorstellen können, mal
wegen eines schlechten Traumes mit Tetsu zusammengekuschelt im Bett zu liegen und sich bei ihm
auszuheulen, und trotzdem war es nun so.
Und da fiel ihm auf einmal etwas auf:
Er weinte nicht mehr. Er fühlte sich nicht mehr schlecht, sondern einfach wohl.
Es war als wäre ein ganzes Gewitter, das alles verwüstet,  plötzlich verschwunden.
Doch er wurde aus seinen Gedanken gerissen als er merkte, das Tetsu im Begriff war einzuschlafen.
„Gute Nacht, Hyu,“, sagte der blondhaarige  noch bevor er die Augen schloss.
„Gute Nacht.“ Sagte Hyu leise und drehte sich um.
„Danke“ , fügte er leise nuschelnd noch hinzu.

Wieso hatte ich bloß solche Angst?
Es war ja nur ein Traum?
Er ist ja noch da.
Und ich lasse nicht zu, dass er stirbt.

Nun übermannte auch ihn die Müdigkeit und er schlief ein.
Aber diesmal ohne Albtraum.
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