Anne

GeschichteRomanze, Familie / P12
02.01.2015
02.01.2015
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Anne

Janina

Ich kannte ihn schon sehr lange. Ich liebte ihn schon sehr lange. Und jetzt ist er auf einmal nicht mehr hier. Ich weiß nur, dass ich ihn kannte. Ich weiß nicht mal, wer er überhaupt ist. Einzig das Gefühl ist geblieben. Und da ich ihn mal gekannt haben muss, müssen die Erinnerungen tief in mir verankert sein und irgendwann werde ich sie finden. Und dann werde ich wissen, wer er ist.

„Janina!“, riss mich die Stimme von meinem besten Freund aus meinen Gedanken. „Was ist denn los mit dir?“, fragte er mich. „Sie war doch schon immer so.“, murmelte ein sehr guter Freund von mir, der ebenfalls bei uns sitzt. „Da hast du Recht, aber sie hat auch nie gesagt, was passiert ist.“, erwiderte mein bester Freund, Yuri Shibuya. „Sie wird sicher ihre Gründe haben.“, sagte der andere, Ken Murata, der mir auch irgendwie durch seine Art bekannt vorkommt.

„Weil ihr mich für verrückt halten würdet.“, murmelte ich. Die beiden Jungs sahen mich an. „Die Welt ist verrückt. Ich glaub jeder ist irgendwie verrückt.“, sagte Murata. Ich lächelte leicht. „Egal was es ist, ich werde nicht lachen.“, sagte Yuri. „Wie ihr ja bereits wisst, habe ich alles vergessen. Ja gut meinen Namen wusste ich, aber da ist noch etwas, was geblieben ist und das beschäftigt mich.“, sagte ich. „Was soll daran verrückt sein?“, fragte Yuri. „Daran noch nichts, aber das, woran ich mich erinnern kann schon.“, sagte ich.

„Aus irgendeinem Grund weiß ich, dass ich ihn schon sehr lange kenne und liebe. Viel länger, als ich eigentlich lebe. Das find ich so seltsam, zumal ich nicht weiß, wer er ist.“, sagte ich. Eine Weile lang herrschte Stille. „Es gibt eine Möglichkeit, wie du ihn kennen kannst, obwohl du scheinbar noch nicht so lange gelebt hast.“, sagte Yuri. Scheinbar? Verwirrt blinzelte ich. Murata sagte gar nichts mehr. „Murata irgendwie kommst auch du mir bekannt vor…“, murmelte ich. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er mich an. Dann schaute er zu Yuri. „Ich glaub wirklich, dass es funktioniert.“, murmelte Murata.

Wolfram

Nervös ging ich im Schloss auf und ab. Meine Brüder wurden schon ganz verrückt. Im Nebenzimmer schrie ein Baby, aber das war mir egal. Ich konnte mich nicht um dieses Kind kümmern, solange ihre Mutter nicht anwesend ist. „Wolfram…“, sagte mein Bruder Conrad, doch ich ignorierte ihn. „Du musst dich um Anne kümmern. Sie ist immerhin deine Tochter.“, sagte er. „Was bringt mir das? Seit ihre Mutter mit Yuri und diesen Murata verschwunden ist, kann ich es nicht.“, sagte ich zu ihm. „Aber auch wenn Janina nicht mehr da ist, du musst dich trotzdem um deine Tochter kümmern.“, sagte Conrad.

Vorsichtig öffnete ich die Tür zu ihrem Raum. Meine Mutter saß auf dem Bett von Janina und hielt das Baby im Arm. „Wolf. Ich bin froh dich hier zu sehen.“, sagte sie, ohne aufzusehen. „Woher weißt du, dass ich es bin?“, fragte ich sie. „Du bist mein Sohn, ich würde dich auch blind erkennen.“, sagte sie ruhig. Augenblicklich fing das Baby wieder an zu weinen. „Was ist denn jetzt los?“, fragte ich. „Sie vermisst ihre Eltern.“, sagte sie und ging mit dem schreienden Baby auf mich zu. Dann drückte meine Mutter die Kleine in meinen Arm. Und da hörte sie auf zu weinen und sah mich an und fing dann an zu lachen. Dabei fiel mir auf, dass dies erst das zweite Mal ist, das ich sie im Arm halte.

Sie hatte die gleichen Augen wie ich und die Haarfarbe von ihrer Mutter. „Sie wird wieder kommen.“, sagte meine Mutter und ließ mich mit dem Baby alleine zurück. Nachdem das Mädchen wieder eingeschlafen war, legte ich es in ihr Bett zurück und sah mich im Raum um. Ich war seit dem Verschwinden nicht mehr hier gewesen. Auf dem Nachtschrank stand ein Bild von uns, als wir noch Kinder waren. Ich setzte mich daraufhin auf das Bett und fing an zu weinen.

Janina

„Und wie?“, fragte ich die Jungs, als wir bei Yuri in seinem Zimmer waren. „Ich habe keinen Einfluss darauf. Es passiert einfach und so lange musst du einfach bei mir bleiben.“, sagte Yuri. „Vergiss es.“, sagte ich prompt. „Da hat sie Recht. Das kann keine Lösung sein. Ich finde aber, dass wir heute ins Schwimmbad gehen könnten, das Wetter ist doch so schön.“, sagte Murata. „Voll der Themawechsel, aber ich bin dabei.“, sagte ich. Yuri ergab sich und kam ebenso mit.

Ich stand am Beckenrand und wartete auf die Jungs. Als ich mein Spiegelbild im Wasser betrachtete, sah ich für einen Moment einen blonden Jungen mit grünen Augen. Verstört ging ich einen Schritt zurück. Seitdem fühlte ich mich richtig komisch und erneut habe ich das Gefühl, dass ich etwas sehr wichtiges vergessen habe.

Ich merkte nicht, wie die beiden kamen. Ich merkte es nicht einmal, als sie mich mit Wasser bespritzten. „Was ist denn los, Janina?“, fragte mich Murata. Erst da kam ich wieder zu mir. „Ich weiß es nicht…“, murmelte ich. „Es ist wieder wegen ihm oder?“, fragte Yuri und ich nickte. „Vergiss es einmal für den Moment.“, sagte Murata und schubste mich dann ins Wasser, um dann hinter mir auch ins Wasser zu springen.

Was dann geschah, fand ich sehr seltsam. Ich hatte das Gefühl, dass das Wasser mich aufsog. Und in diesem Moment kam mir das sehr bekannt vor. Ich wusste sogar, dass ich nicht die Luft anhalten musste. Ich war nicht überrascht, dass ich kurz danach auf einer Wiese lag und den blauen Himmel sah.

„Majestät!“, rief jemand, aber ich wusste, ich bin damit nicht gemeint. Es wurde lauter um mich herum, doch ich bewegt mich nicht, bis ein braunhaariger Mann mit ebenso braunen Augen vor mir erschien. „Lady Janina von Kavernikov, Willkommen zuhause.“, sagte er. Ich setzte mich daraufhin auf und der Mann half mir hoch. „Was sagst du da, Conrad?“, fragte Yuri überrascht. „Janina, Wolfram wartet bereits auf dich. Zusammen mit Anne.“, sagte er zu mir, bis er sich Yuri zuwandte. „Genau, hat sie es dir nicht erzählt?“, fragte er.

„Sie hat ihre Erinnerungen verloren.“, antwortete Murata. Der Name Wolfram allerdings löste in mir etwas aus. „Wolf…ram…“, murmelte ich. „Sag, Conrad? Hat er zufällig blonde Haare und grüne Augen?“, fragte ich ihn. „Ja, das ist korrekt.“, antwortete er. „Liebe ich ihn?“, fragte ich weiter. „Oh ja, sehr offensichtlich.“, antwortete Conrad und lächelte dabei. „Wie kannst du ihn nur vergessen? Ihr habt doch schon eine Tochter.“, sagte ein anderer und fiel mir weinend um den Hals.

„Was!?“, rief Yuri überrascht aus. „Was ist denn los, Majestät?“, fragte der Mann und ließ wieder von mir ab. „Anne ist die Tochter von Janina und Wolfram?“, fragte Yuri und Conrad nickte daraufhin. „Hat Wolfram es euch noch nicht erzählt?“, fragte der Langhaarige. „Er hat gesagt, er hat eine Tochter.“, sagte Yuri. „Ich will ihn sehen, ich will wissen, wer er ist, der mir nicht mehr aus den Kopf geht, seid ich auf der Erde gelandet bin.“, sagte ich und sah in eine Richtung. „Im Unterbewusstsein weißt du alles. Deswegen schaust du auch in die richtige Richtung. Dahinten liegt das Schloss, in dem sich Wolfram befindet.“, sagte Conrad, der neben mir aufgetaucht ist.

Wolfram

Ich konnte die Ankunft nicht mehr erwarten. Ich freute mich zwar Yuri wiederzusehen, aber seit ich Anne das erste Mal auf dem Arm hatte, fühle ich mich nicht mehr zu Yuri hingezogen. Jetzt habe ich nur noch Janina im Kopf. „Wir haben eine Nachricht von Conrad. Er ist bereits auf dem Rückweg.“, sagte Gwendal. „Wer ist noch dabei?“, fragte ich. „Du redest wahrscheinlich von Anicinas Schwester. Ja, sie ist dabei, aber sie hat vergessen.“, antwortete Gwendal und ging wieder.

Ich setzte mich auf das Bett im Zimmer von Janina und betrachtete meine Tochter. Sie hatte mir die Augen geöffnet, wie ich wirklich fühle, auch wenn sie nur ein Unfall gewesen ist, aber dennoch hat sie mir klargemacht, dass ich Janina liebe. Soll das alles jetzt umsonst gewesen sein, weil sie mich vergessen hat? Seufzend ließ ich mich vollständig auf das Bett fallen.

In diesem Moment wurde die Tür geöffnet. Im ersten Moment dachte ich, dass ich träume, aber da stand tatsächlich Janina in der Tür. Ruckartig setzte ich mich auf und sie starrte mich an. „Ich bin gar nicht 17, ich bin 77.“, murmelte sie und dann sie zu mir herüber. „Du bist Wolfram, ich habe dich im Wasser gesehen. Du bist derjenige, den ich schon immer geliebt habe. Wie könnte ich dich jemals vergessen?“, sagte sie und weinte.

Ohne groß darüber nachzudenken stand ich auf und ging auf Janina zu und drückte sie an mich. „Wolf. Bitte küss mich.“, wisperte sie. Ich schob sie ein kleines Stück von mir weg und dann drückte ich meine Lippen auf ihre. Als ich Salz schmeckte, löste ich mich von ihr und sah, wie sie erneut anfing zu weinen.

„Ich will unsere Tochter sehen.“, sagte sie und dann gingen wir gemeinsam an ihr Bett. Das kleine Mädchen schlief ganz ruhig in ihrem Bett. Sie hatte von allem nichts mitbekommen. Janina neben mir fing noch heftiger an zu weinen. „Es tut mir leid, ich weiß du bist mit Yuri verlobt. Ich weiß jetzt alles.“, sagte sie. „Ich werde seinen Antrag nicht annehmen. Ich will nur dich.“, sagte ich und ich küsste sie erneut. Diesmal werde ich darauf aufpassen, dass sie nicht noch einmal aus meinem Blick verschwindet.
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