Manches wird Überbewertet

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Arthur Pauli Gregor Schlierenzauer Manuel Fettner Michael Hayböck Stefan Kraft
01.01.2015
14.01.2020
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Ich wählte Ninas Nummer und sie ging sofort ran
N: Sag mal spinnst du? Wo bist du? Ich mach mir Sorgen..., schrie sie erst mal los.
L: Ich bin bei der Schanze. Kann mich wer holen?, weinte ich
N: Sind sofort da.

So saß ich nun da und wartete auf Nina die tatsächlich innerhalb von 10 Minuten da war. „Was machst du denn für Sachen? Komm zieh die an, du bist schon ganz durchgefroren.“, Nina half mir in eine Jacke, die sie mitgebracht hatte und führte mich zu Alex’ Auto. Sie setzte mich auf die Rückbank und nahm daneben Platz. „Danke.“, flüsterte ich. „Immer für dich.“, sagte Nina und zog mich an sie. Alex fuhr uns in Stille zurück ins Internat. Nina buxierte mich auf unser Zimmer und verabschiedete sich von Alex, der mir zum Abschied wank. „Laura bitte mach sowas nie wieder.”, seufzte sie und kam zu mir aufs Bett. „Es tut mir leid. Ich musste einfach weg.“. Wir saßen schweigend nebeneinander und keiner wusste so recht was er sagen sollte. „Er meinte er ruft mich an und ein Erwachsener soll dabei sein. Ich hab hier aber niemanden.“, sagte ich während ich mit meinen Fingern spielte. „Gib mir mal dein Handy.“, forderte mich Nina auf und begann gleich zu tippen.

Wir haben keinen Erwachsenen hier. Ich muss genügen -Nina

Ok

Sofort läutete mein Handy und ich konnte Gregor als Anrufer identifizieren. Nina hob ab und stellte auf Lautsprecher.

N: Na Schlierenzauer? Stolz?, fragte Nina gehässig.
G: Was kann ich denn dafür? Waren doch diese blöden Teenager bei euch!
N: Ja aber nicht, dass sich der große Herr Schlierenzauer dazu herablassen würde eine aufmunternde Nachricht zu senden? Nein. Er schick einfach eine mit der man sich noch mehr scheiße fühlt als man es eh scho tut., Nina war wütend.
G: Ja glaubst du ich finde das toll!, jetzt wurde auch Gregor lauter.
L: Euer Geschrei macht die Sache jetzt auch nicht mehr besser, sagte ich niedergeschlagen.
G: Laura ich-
N: Klappe Schlierenzauer. Jetzt rede ich. Ich hoffe, dass du das alles schon geklärt hast mit deinem Management und so. Weil dafür haben wir weder Zeit, noch ist es wirklich Lauras Problem. Und wag es nicht auf sie angefressen zu sein, weil ich dich grad köpfen könnte. Sie fühlt sich mega schlecht und die Situation ist für sie wirklich schlimmer als für dich. Also ich lass euch allein, aber wehe ich höre irgendwie Anschuldigungen., Nina verließ den Raum.
L: Sorry ich weiß nicht warum sie so war, ich war immer noch durchgefroren und verheult.
G: Weinst du oder zitterst du? Deine Stimme klingt so brüchig.
L: So eine blöde Kuh hat mir den Artikel beim Essen in der Mensa vor die Augen geknallt und das haben alle mitbekommen. Dann bin ich weggerannt und Richtung Schanze, aber ich hatte nur ein T-Shirt an. Also ja, mir ist kalt.
G:Oh. Eigentlich wollte ich dich mit der Nachricht gar nicht verunsichern. Mein Management hat das alles schon geklärt. Du brauchst dir keine Sorgen machen und ich wollte nur wissen wie es dir geht?
Mir fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen, als ich dass hörte, aber besser ging es mir nicht wirklich.
L: Danke. Mir geht es beschissen, ich spürte die Tränen in meinen Augen brennen.
G: Ich wünschte es wäre nicht passiert. Lief doch gut bis dahin, man hörte ihn tief ausatmen am Ende der Leitung.
L: Ja.
G: Soll ich dich am Freitag trotzdem holen?
L: Wie du möchtest. Ich kann auch verstehen wenn nicht. Ich kann auch Artl bitten. Der schuldet mir noch was.
G: Nein ich hol dich.
L: Danke. Gregor ist es ok, wenn wir aufhören. Ich bin ziemlich müde.
G: Klar. Schlaf gut!
L: Gute Nacht.

Ich legte das Handy beiseite und legte mich ins Bett. Kann mein Leben nur vielleicht eine Woche weniger Gas geben?


Am nächsten Morgen wachte ich sehr ausgeschlafen auf. „Na scheint ja gut gelaufen zu sein. Als ich wieder kam warst du ganz selig eingeschlafen.“, meinte Nina am Weg zur Mensa. „Ja er wollte nur fragen wie es mir geht. Aber ganz ehrlich hab ich gar keine Lust am Frühstücken. Die werden alle schauen.“, meinte ich und spürte dass ich immer unruhiger wurde je näher wir der Mensa kamen. „Die sollen sich trauen. Außerdem hab ich da was organisiert.“, grinste Nina und ich schaute die verwirrt an.
Am Eingang der Mensa standen Marie, Fabi, Alex, Sophie, Maggie und Thomas Hofer? Ich musste sehr verdutzt drein geschaut haben, denn Nina begann gleich die Erklärung. „Also wir dachten halt wenn wir so viele sind, halten sie vielleicht die Klappe. Und Thomas haben wir überredet, weil jeder von den Springern auf ihn hört. Anscheinend kann er sich ganz gut leiden.“, klärte mich meine beste Freundin auf. „Danke.“, sie nahm meine Hand und wir gingen all gemeinsam in die Mensa. „Schlimmstes Frühstück meines Lebens ich komme.“, meinte ich nur.

Die restlich Woche verlief mehr oder weniger ruhig. Die Blicke und das Getuschel blieb, aber niemand wagte es mir direkt etwas ins Gesicht zu sagen. Die Matheschularbeit am Mittwoch beschäftigte Nina so sehr, dass sie gar nicht nervös vor ihrem 2. Springen im Weltcup werden konnte. Am Donnerstag Nachmittag war sie abgereist und ich hatte fest versprochen, das Springen zu schauen. Das erste Springen verlief ja leider nicht nach Plan und deshalb möchte sie es jetzt allen beweisen. Michi und Stefan meldeten sich mal wieder und erzählten vom nächsten Bewerb, der dieses Wochenende war. Als die zwei davon erzählten wurde mir klar, dass Gregor ja gar nicht da sein könnte. Aber er meinte doch er holt mich ab am Freitag... Naja ist ja sowieso der Plan, dass ich bisschen Abstand gewinne. Von Jonas hatte ich seit meinem Geburtstag nichts mehr gehört, außer hier und da eine Nachricht. Aber er hatte ja auch seinen eigenen Stress in Wien.

Heute, Freitag, stand unser Schneetraining auf dem Plan und ich war schon sehr gespannt. Ich hatte, während ich mit dem Europacupteam in Saas-Fee war, noch einiges verbessern können. Matthias hatte mir gestern noch gesagt, dass der Plan geändert wurde und ich nicht beim 1. FIS-Rennen an den Start gehen werde, da dass Europacuprennen am selben Tag ist. „Also nur damit ich es verstehe: Wenn wir lahmen Enten nächste Woche nach St. Lamprecht fahren, fährst du nach Zermatt zu deinem 1. Europacup? Das ist ja Wahnsinn. Was ist es überhaupt? Riesenslalom?“, Marie und ich besprachen nochmal alles. „Ja, ja ist ein Riesenslalom. Ich weiß einfach gar nicht woran ich bin. FIS-Rennen hab ich in meiner 1. Saison schon gewonnen, aber Europacup ist schon noch um einiges höher. Der 2. Durchgang wär schon geil.“, ich wollte nicht zu hochstapeln, aber ich brauchte mich auch nicht schlecht reden. „Ja 2. Durchgang ist ein gutes Ziel. Ich mein als uns gesagt wurde, dass du zu uns kommen wirst, wussten wir alle schon, dass da einiges auf uns zu kommt. Immerhin hast du über 7 Rennen gewonnen in einer Saison. Schon ein kleines Wunderkind. Die Verletzung hast du auch super weggesteckt. Nichts steht also einer guten Saison im Weg.“, Marie warf den Arm um mich und wir kamen grinsend zum Bus, der uns zum Gletscher bringen würde.
„Mädls ich erwarte einiges von euch. Eine Steigerung zu Stelvio muss sichtbar sein.“, Matthias war streng.
Mein erster Lauf war solide, aber nicht wirklich gut. „Laura das geht besser. Nutze die Taillierung des Skis und achte auf das Timing bei den Rechtsschwüngen.“, schimpfte er oben. „Ok.“, Ich traute mich gar nicht zu widersprechen, denn Matthias war schon gereizt von Chantal und Anna.
Der zweite Lauf fühlte sich dann an wie ein Traum. Bei jedem Schwung spürte ich die Beschleunigung und es fühlte sich an, als würden ich von Tor zu Tor schweben. Keine Rutschphasen, kein Andriften, keine Zurückhaltung. Unten abgeschwungen grinste ich, denn Marc unser Co-Trainer für Schneetage gab mir den Daumen nach oben. Oben angekommen wurde mein Grinser nur breiter. „Laura was soll ich noch sagen: Das war perfekt. Also ohne Videostudium kann ich jetzt noch nichts aussetzen.“
Wir absolvierten alle 6 Läufe in Riesenslalomtechnik und dachten eigentlich das war’s jetzt. „Ich habe noch eine kleine Überraschung für euch. Die Jungs waren heute auch schon hier und zwar die Technikgruppe 1 die haben 100 Stangen Slalom geübt. Ich habe bei einigen das Gefühl, dass im athletischen Bereich noch einiges geht. Ich will von jeder von euch sehen, wie weit sie kommt. Optimal wären die 100, aber wir haben schon viel gemacht. Minimum sind 80 Stangen.“, alle stöhnten auf. 100 Stangen Slaloms sind das schlimmste. Die Jungs trainierten immer komplizierte Kombinationen und dass hieß sicher 100 unrhythmisch gesetzte Tore lernen und möglichst fehlerfrei, schnell und weit nach unten zu kommen.  Wir hatten 20 Minuten zum Besichtigen.
„Ok Mädels los gehts! Als 1. Anna!“
Der Lauf war brutal, aber schaffbar. Anna gelang es allerdings nur mit Mühe 80 Stangen richtig zu passieren. „Chantal geht schon.“, befahl Matthias.
Ich war als letzte an der Reihe. „Laura auf gehts!”.
Die ersten 30 Stangen waren kein Problem. Ich hatte auch in den Slalomschuhen und Ski perfekten Grip und konnte jeden Schwung schön ziehen. Bei der 60. Stange war ich eigentlich schon komplett blau, aber solang meine Beine nicht von allein nachgaben, würde ich die 100 Stangen zumindest versuchen zu erreichen. Ich konnte schon das Ende sehen. Also hatte ich bereits 7 Haarnadeln, 8 lange Schwünge und 5 Vertikalen geschafft. 1 langer Schwung, direkt in eine Vertikale, 5 offene Tore, eine Haarnadel und ich war durch. Meine Oberschenkel brannten ungemein. „Na Laura unsere Spitzenreiterin.“, teilte mir Marc mit, „Du bist am weitesten gekommen und die Zeit ist besser als manche von den Jungs.“. Ich war stolz und ich glaube, dass durfte ich auch sein. Marie rutschte zur mir rüber und umarmte mich. „Sag mal bist du Wonder Woman oder so?“, lachte sie und ich stimmte mit ein.

Zurück im Internat musste ich schnell meine Sachen packen, um zu den Schlierenzauers zu fahren. Ich hatte Gregor noch gefragt, ob er mich überhaupt holen könnte, wenn er doch eigentlich beim Springen sein sollte. Er meinte nur ich soll mir darüber keine Sorgen machen und um 19:00 vor dem Internat sein.
Also war ich pünktlich um 19:00 am Internatsparkplatz und schaute nicht schlecht, als kein geringerer als Artl da stand. „Hi was machst du denn hier?“, fragte ich ganz verdutzt. „Ein gewisser Gregor hat wohl etwas versprochen und anscheinend sein Hirn dabei vergessen. Und wir können dich ja nicht hier vergammeln lassen. Also King Artl to the rescue. Spaß beiseite Gregor hat mich gebeten, dich zu ihnen zu bringen. Dafür darf ich ihn und Mario jetzt ein Monat lang aufziehen. War ein guter Deal.”, Artl zuckte mit den Achseln. Ich stieg in Artls Auto und bereitet mich auf eine holprige Fahrt vor. Denn Herr Pauli war ein Fan von zu schnell fahren. Als wir so auf der Landstraße fuhren, musste ich manchmal instinktiv mitbremsen.  „ARTHUR!“, schrie ich einmal als er aus Spaß die Kurve schnitt und gefährlich weit an den Fahrbandrand kam. “Uppsi? Du zeterst ja noch mehr herum als Mario.”, lachte der angesprochene nur. Ich bemerkte wie er mich immer wieder lang anschaute, als hätte ich etwas im Gesicht, während wir über belangloses quatschten.
Nach 30 Minuten Fahrt waren wir in Fulpmes und ich konnte endlich aussteigen. „Danke Artl!“, sagte ich zur Verabschiedung. „Nichts zu danken! Achja falls du einmal eine Übernachtungsmöglichkeit brauchst, kannst du dich auch gern bei Mario und mir einquartieren oder bei Thuri, von dem soll ich dir übrigens liebe Grüße ausrichten. Nina hat auch schon öfters bei uns geschlafen. Ist ja blöd für euch, weil heimfahren eigentlich nicht geht.“, sagte Artl während wir uns umarmten. „Danke. Werd ich sicher einmal darauf zurückkommen. Ja bei Stefan hätt ich mich eigentlich schon lange melden müssen...“, druckste ich herum. „Eigentlich wollte ich dich die ganze Zeit etwas fragen. Stimmt das mit Gregor und dir? Versteh mich nicht falsch es geht mich nichts an, aber...“, er wollte es glaube ich nicht wirklich fragen, denn es schien ihm unangenehm. „Nein es stimmt nicht.“, sagte ich bestimmt aber freundlich. Wir verabschiedeten uns nochmals und Artl fuhr wieder nach Innsbruck.
Ich läutete bei den Schlierenzauers an und Angelika öffnete mir die Tür. „Hallo Laura. Wie gehts dir?“, fragte sie gleich. „Hallo. Ja gut bisschen müde von Schneetraining. Wie gehts euch?“, fragte ich. „Gut danke. Gregor ist ja nicht das dieses Wochenende also ist Lukas schon schlecht drauf, dass es sicher kein Masterchef Essen alla Gregor gibt. Du hattest nicht vor heute noch mit Lukas zu lernen, oder?“, fragte sie beim Betreten des Wohnzimmers. „Außer Lukas möchte noch unbedingt, hatte ich das nicht geplant.“, lächelte ich. Ich konnte Paul am Esstisch sitzen sehen, er löste anscheinend irgendeine Art Rätsel, hob aber den Kopf, als er meine Stimme vernahm. „Ha Laura hallo. Hast du noch Hunger? Wir haben schon gegessen, aber es wäre etwas über.“, fragte er mich. Ich wollte gerade höflich ablehnen, da ich niemandem zur Last fallen wollte, da meldete sich mein Magen mit einem lauten Grummeln. „Also ja.“, lachte Paul. „Anscheinend.“, lachte ich kurz auf.
„Passt es wenn ich die Nudeln einfach aufwärme in der Mikrowelle?“, fragte Angelika. „Ja ist perfekt, aber bitte setz dich. Eine Mikrowelle kann ich selbst bedienen und du hast dir deine Ruhe heute sicher schon mehr als verdient.“, versuchte ich das Angelika sich keine Mühen machte. „Ach paperlapap. Ich habe drei Kknder und das mittlere is eine Diva wie du vielleicht schon bemerkt hast. Und der kleinste isst soviel wie 3 Gregors. Glaub mir das ist gar kein Aufwand.“, sie ließ sich nicht davon abbringen, mir etwas zu Essen herzurichten. „Ich weiß Gregor hat schon mit dir gesprochen wegen der Zeitungsgeschichte, aber ich möchte dir nochmal klar sagen, dass du bei uns immer willkommen bist. Ob das jetzt stimmt oder nicht. Du brauchst dich gar nicht unwohl fühlen und ich soll dir von ihm ausrichten, dass er etwas in seinem Zimmer hat für dich. Du sollst es dir einfach nehmen.“, Angelika war sehr fürsorglich und nahm mir auch ein bisschen Anspannung. „Danke.“, nickte ich. Nach meinem Abendessen ging ich zu Lukas ins Zimmer um noch etwas mit ihm zu Üben, da er während ich aß runterkam und fragte.
Er war wirklich schon besser geworden, aber ihm fehlte doch recht viel. „Danke für die ganze Hilfe.  Ich bin wirklich dankbar, ohne dich hätte ich das alles nicht geschafft.“, er wirkte ziemlich niedergeschlagen, doch ich wusste nicht ganz wieso. „Im Sport bin ich nicht wirklich eine Zukunftshoffnung mehr und in der Schule läuft es halt auch mäßig bei mir. Und Gloria und Gregor waren immer so gut in allem. Gregor auch nicht in der Schule aber das war allen egal. Manchmal hab ich das Gefühl ich bin so ein bisschen die Enttäuschung der Familie.“, meinte er dann. „Ach Lukas red doch keinen Blödsinn. Du bist für niemanden eine Enttäuschung. Außerdem finde ich es viel cooler, dass du zugeben kannst, dass du Hilfe brauchst. Manche Sachen kann man nunmal besser als andere. Schule und Sport sind nicht die einzigen Bereiche in denen man brillieren kann. Jeder Mensch ist anders und jeder kann etwas anderes besonders gut.“, munterte ich ihn auf. Denn auch wenn wir gleich alt waren, fühlte ich mich ein bisschen verantwortlich. „Jetzt weiß ich warum mein Bruder dich so toll findet.“, witzelte er und ich musste grinsen. „Tja ich hab halt meine Qualitäten. Aufmuntern, Backen und Mathe gehören dazu.“, lachte ich.
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