Der Klang des Universums

GeschichteSchmerz/Trost / P16
Cho Hakkai Genjo Sanzô Sha Gojyo Son Goku
01.01.2015
01.01.2015
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Ein kleines Tribute für Sanzo aus Saiyuki^^
Dieser Anime ist einfach überragend. Schade, dass ihn nur so wenige kennen. Aber immerhin ist er hier auf FF vertreten. Jetzt trage ich auch mit einer Geschichte dazu bei. Ich hoffe es ist euch nicht zu theatralisch geraten.
Applaus für Platz 36 der 50 sexiesten männlichen Comiccharaktere 2013 (gekürt von ComicsAlliance) - ja wirklich :D
Genjo Sanzo!
Viel Spaß^^

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Auf dem Tisch stapeln sich unzählige Reisschalen, die vereinzelt mit Soßenresten befleckt sind. Auf dem Tisch befinden sich eine halb leere Sojasoße und ein Aschenbecher, auf dem Gojyo eine weitere Zigarette ausdrückt. Während Goku das letzte Stück Fleisch verschlingt, lehnt sich sein blonder Gefährte bereits zurück, um die Rechnung zu verlangen:
„Hey, wir wollen bezahlen.“
Eine junge Frau, die gerade eine andere Bestellung aufgenommen hat, ruft herüber:
„Einen Moment, bitte. Ich komme sofort.“
Als sie sich umdreht und mit ihren violetten Augen, auf die in den selben Farben leuchtenden Sanzos trifft, wird ihre Stimme leiser. Einen Moment steht sie wie gebannt da. Dann weiten sich ihre Pupillen, bis sich auch ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht breit gemacht hat:
„Sie sind..? Sanzo-Houshi-sama!“
Die anderen drei Gefährten, die besorgt aufgesehen haben, wenden sich mit einem erleichterten Schmunzeln wieder ihrem Gespräch zu.
„Und schon wieder ein Fan.“, stichelt Gojyo.
Sanzo beschließt das Mädchen zu ignorieren. Er zündet sich genervt eine Zigarette an. Sofort kommt die junge Kellnerin mit den schwarzen, langen Haaren an den Tisch der Gefährten:
„Und da sind auch Gojyo-san, Hakkai-san und Goku-kun! Das ist ja total cool. Heute ist wohl mein Glückstag. Ich hätte niemals gedacht, euch jemals zu treffen!“
„Die Rechnung“, knurrte Sanzo ungeduldig.
„Kann ich ein Autogramm von euch haben, Sanzo-Houshi-sama? Bitte!“,
Mit einer Hand nimmt Sanzo seine Zigarette aus dem Mund:
„Hörst du schlecht?“
Ein wenig überrascht schaut die Kellnerin auf den blonden Mönch.
„Die Ehre ist ganz auf unserer Seite. Entschuldigen sie unser unhöfliches Benehmen. Wir sind auf der Durchreise. Deswegen haben wir es heute ziemlich eilig“, wie immer versucht Cho Hakkai beschwichtigend zu wirken.
„Oh nein, ich bin unhöflich. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Sayuri. Sayuri Shiruya“, antwortet die junge Frau ebenso freundlich, wie der braunhaarige Mann zu ihr gesprochen hatte.
„Ein Schöner Name“, gibt Hakkai mit einem warmen Lächeln zurück.
„Danke“, das Mädchen errötet ein wenig vor dem Hintergrund, dass ihr so geschmeichelt wird, „Diese Rechnung geht auf´s Haus“, beendet sie den Satz mit einem Zwinkern.
„Auch gut.“, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, steht Sanzo auf, um das Lokal zu verlassen.
„Warten sie doch. Bitte bleiben sie doch über Nacht!“, fleht das Mädchen, „Hier wäre es für sie kostenlos! Und bis zum nächsten Dorf ist es sehr weit!“
„Danke, aber wir lehnen a-“, will Sanzo antworten, aber sein Gefährte mit den blutroten Augen kommt ihm zuvor:
„Also eigentlich find´ ich es hier ziemlich gemütlich. Die Mädels sind auch hot“
„Und das Essen ist der Hammer!“, ergänzt Goku.
„Dann haben wir wohl keine Wahl“ ergänzt Hakkai, immer noch lächelnd.
Freudig springt die Kellnerin in die Luft.  Sanzos Einwände, die bis zu Morddrohungen reichen werden gekonnt ignoriert, als das Mädchen den Yokai die Zimmer zeigen will. Widerwillig schließt sich auch der hohe Priester an. Jeder der vier bekommt ein eigenes Zimmer zugeteilt. Sanzos Zimmer hat sogar eine Veranda. Gojyos Protest führt leider nur zu der Antwort:
„Entschuldigen Sie. Leider haben wir nur dieses eine Zimmer mit Balkon“
Einem so süßen Mädchen kann Gojyo natürlich nicht lange böse sein, also belässt er es dabei. Nachdem Sayuri Gokus Zimmer präsentiert hat, geht sie den Flur entlang, an der Treppe vorbei, die nach unten führt. Als Letztes möchte sie ihnen noch ihr eigenes Zimmer zeigen - „Nur falls sie etwas benötigen.“
Als die Tür sich öffnet, weiten sich zuerst Gokus Augen in Überraschung, da dieser direkt neben Sayuri steht. Doch auch Hakkais Lächeln formt sich in diesem Augenblick zu einem vorsichtig gehauchtem: „Oh?“
Gojyos Mund steht erst weit offen. Dann verfällt er in ein schallendes Gelächter. Jetzt tritt auch Sanzo persönlich in das Zimmer.
Über die ganze Wand zerstreuen sich Bilder und Zeitungsartikel einer bestimmten Person mit goldenem Haar und violetten Augen. Es war sogar ein Poster dabei von dem sich jeder fragt, wo es so etwas zu kaufen gibt.
„Das ist nicht dein Ernst?!“, entweicht es dem Mönch nach einem Moment der Stille.
„Sie sind wirklich ein echter Fan von Sanzo, was?“, Goku schaut zu Sayuri hoch.
„Ein echtes Fangirl!“, ergänzt der Hanyou, der sich noch immer nicht von seinem Lachanfall gelöst hat. Er wird erst durch einen harten Hieb mit dem Fächer Sanzos gestoppt.
„Ja das bin ich wirklich. Ich könnte dir glatt an den Hals springen Sanzo-sama!“
„Bl-Bleib mir vom Leib!!“, entschieden weicht Sanzo zurück.

Die hereinbrechende Nacht zeichnet einen erhabenen Vollmond. Eine kühle Brise weht durch die Zweige der Bäume. Sanzo lehnt an der Veranda, als er eine Zigarette anzündet und einen Ring aus Rauch in die tiefe Dunkelheit pustet.
„Was willst du?“, ohne sich umzudrehen, bemerkt er die Gestalt hinter sich.
„Ich wollte nur mal nach euch sehen. Bei den anderen war ich auch schon“, entgegnet Sayuri vorsichtig.
„Ich brauch´ nichts“, winkt der Mönch barsch ab. In der Zwischenzeit tritt das Mädchen zu ihm an die Veranda, „Eine Vollmondnacht, hm? In meiner Kultur sagt man, dass man in solchen Nächten die Melodie des Universums hören kann.“
„Melodie des Universums?“, wiederholt Sanzo.
„Wenn ihr die Augen schließt und euch konzentriert, könnt er sie bestimmt auch hören“, mit geschlossenen Liedern lauscht das Mädchen der Stille der kühlen Nacht. Die weiten Ärmel ihres zart rosafarbenen Kleides flattern im Wind. Sie sind nicht ganz so weit wie Sanzos Mönchkutte, die ebenfalls vom Wind erfasst wird.
„Ich würde echt gerne Mal eine Sutra-Vorlesung hören“, gibt die Kellnerin zu.
„Schade, dass du darauf vergeblich warten wirst“, entgegnet Sanzo trocken. Er nimmt die Zigarette in die Hand.
„Und wie wollt ihr eure Schulden bezahlen? Immerhin habt ihr kostenlos gegessen und schlaft hier“
„Das hab ich nicht verlangt.“
„Ihr könnt mich wirklich nicht leiden, was?“, ein wenig traurig senkt sich Sayuris Blick in die Tiefe.
„Nein“, Sanzo drückt seine Zigarette auf dem Geländer der Veranda aus.
„Findet ihr mich nicht ein klein wenig attraktiv?“, jetzt sieht Sayuri den Priester mit klarem Blick an. Zum ersten Mal schaut auch er sie direkt an.
„Es ist schon spät.“, mit diesen Worten wendet er sich ab und geht wieder nach drinnen. Sayuri, die die Sinnlosigkeit ihres Versuchs erkennt, beschließt ebenfalls den Raum zu verlassen:
„Dann gute Nacht.“

„Das schmeckt ja fast noch besser, als das gestern Abend!“, Goku krallt ein Spiegelei zwischen die Stäbchen, steckt es in einem in den Mund, um dann – im selben Moment wie Gojyo - nach einem Omelett zu greifen. Beide sehen sich einen Augenblick lang in die Augen, bevor der Kampf um das süße Teigröllchen beginnt. Auch die schlichtenden Worte Hakkais bringen die Streithähne nicht auseinander. Erst als die Tür auffällt, herrscht Stille. Sanzo dem man seine geringe Toleranz gegenüber den Streitereien seiner Gefährten heute schon ansieht, setzt sich an den Tisch:
„Ich hab´ Kopfschmerzen, also haltet ja die Fresse heute“, gibt er deutlich zu verstehen. Sowohl Gojyo als auch Goku verharren noch immer regungslos. Beide halten das Omelett mit den Stäbchen in der Luft. Schließlich flutscht es durch beide Stäbchen und landet auf den Boden, wo es von Hakuryuu gefressen wird, der sich mit einem „kyuu“ bedankt. Selbst Hakkai ist bei Sanzos Blick ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen. Auch wenn er trotzdem lächelt. Sanzo setzt seine Lesebrille auf, um die Zeitung zu lesen. Sogleich kommt auch die nette Bedienung:
„Ach, guten Morgen Sanzo-Houshi-sama. Gut geschlafen?“
„Nicht wirklich.“
„Haben sie noch was?“, Goku streckte mit großen Augen seine leere Reisschale zu Sayuri hinüber. Diese schaut ihn erstaunt an:
„Was? Du bist immer noch hungrig? Du hast doch gestern schon so viel gegessen und das war jetzt schon die dritte Portion!“
„Ja, hast du noch was?“, seine Hoffnung kann der Jüngste der Gruppe bei seiner Frage nicht verbergen.
„Es reicht, Affe! Du hast genug!“, weist sein Herr ihn streng zurecht.
„Aber, Sanzo!“, protestiert Goku. Dies war ein Fehler. Schon wird er mit Sanzos Fächer verprügelt. Dieser wird erst gestoppt, als die Holztür zum Lokal schlagartig aufspringt. Zwei Männer stürzen außer Atem zur Tür hinein.
„Haku-san, Kuro-san, was ist passiert?“, Sayuri, die die beiden zu kennen scheint, geht ein Stück auf sie zu.
„Es wurden wieder Yokai hinter der Stadt gesichtet!“, platzt es aus einem der Männer hervor. Jetzt ist auch das Interesse der Sanzo Ikkou geweckt. Sayuri presst das Tablett schützend vor ihren Bauch: „Was?“
„Würden sie uns noch mehr darüber erzählen?“, hakt Hakkai nach.
Kurze Zeit später sitzen alle an einem großen, runden Tisch. Die Gefährten erfahren, dass die Menschen dieses Dorfes schon länger mit der Veränderung der Yokai zu kämpfen haben und schon ab und zu angegriffen wurden.
„Nur ab und zu?“, fragt Gojyo ungläubig nach.
„Unser Dorf liegt recht abgeschieden. Es kamen immer nur vereinzelt Yokai, die sich in dieser Gegend verirrt hatten. Mit diesen wurden wir noch fertig. Aber vor etwa einem Monat kam eine ganze Horde aus dem Westen, die wie ein Bienenschwarm über uns herfiel.“, erklärt Haku.
„Aus dem Westen?“, wiederholen die Gefährten gemeinsam. Auf Sanzos und Hakkais Miene zeichnet sich Besorgnis ab. Sayuris Gesichtsausdruck verdunkelt sich ebenfalls.
„Entschuldige Sayuri-chan. So wollte ich es nicht ausdrücken.“, fügt der Mann rechts von ihr hinzu.
„Ist schon gut, Haku-san. Es ist ja so wie du gesagt hast. Sie können es ruhig wissen.“
„Was denn?“, will Goku sogleich wissen.
„Bei dem Angriff ist mein Freund um´s Leben gekommen. Von ihm bleibt mir nur noch das kleine Leben, das jetzt in meinem Körper wächst.“, traurig lächelt die junge Frau in Gokus Gesicht.
„Dann sind sie..?!“, Gojyo beendet den Satz nicht.
„Du bist schwanger?“, ruft Kuro laut aus. Offenbar haben es ihre Bekannten auch nicht gewusst.
„Ja, ich weiß es selbst erst seit Kurzem.“, antwortet Sayuri gelassen.
Aber du bist so dünn! Man sieht das gar nicht!“, Goku macht seiner naiven Bewunderung Luft, „Herzlichen Glückwunsch! Und..Es tut mir Leid, was passiert ist.“
„Danke..“
„Dann haben wir keine Wahl“, Gojyo ist bereits aufgestanden und auf dem halben Weg zur Tür.
„Was hast du vor?“, fragt Sanzo, der jetzt erst seine Lesebrille abnimmt.
„Ist das nicht offensichtlich? Wir reißen diesen Pissern den Kopf ab!“, entgegnet der Hanyou voller Energie.
Auch Goku stimmt fröhlich ein: „Alles klar!“ Doch schon als sie auf die Straße gegangen sind, wird Goku skeptisch: „Seltsam?“
„Was ist?“, fragt der vollwertige Yokai mit den braunen Haaren.
„Ich kann überhaupt keine Yokai riechen.“, die Vorfreude Gokus sinkt wieder, als er die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Auch jetzt fällt Sanzo auf, dass er keine bösen Energien in der Nähe wahrnimmt.
„Lasst uns trotzdem nachsehen.“, beschließt er, „Goku, du kommst mit mir.“
„Was das betrifft“, Hakkais Stimme wird leiser, da er das Unwetter in der Stimmung hereinbrechen sieht, „Wir haben Sayuri-chan versprochen, dass sie noch einen Tag mit dir verbringen darf.“
„Stimmt, sie hat uns dafür tolle Sachen gegeben!“, Goku hält ein dickes Mochi hoch in die Luft, Gojyo trägt eine Flasche teuren Sake um sich und Hakkai versucht noch die Tasche in der er sein neues Buch verstaut, zu verstecken.
„Ihr habt mich  für einen Haufen Müll verkauft!? Das werdet ihr noch büßen, ihr..!“, Sanzo dem man seine heraussprudelnde Wut ansehen kann, wird von Sayuri gestoppt.
„Es muss auch kein ganzer Tag sein. Ein halber würde mir reichen!“, ein trauriges Lächeln bildet sich auf ihrem Gesicht, das nicht mal der Teufel höchst persönlich hätte ignorieren können.
„Zwei Stunden.“, grummelt Sanzo, steckt seinen Revolver wieder ein und bewegt sich in die andere Richtung.
„Viel Spaß!“, ruft Goku, bevor Cho Hakkai ihm den Mund zuhält und diplomatisch winkt.
„Wir haben jetzt ein Date.“, glücklich umklammert das Mädchen den Arm ihres Idols.
„Du hast genau zwanzig Sekunden um mich loszulassen.“, Sanzos Geduld hängt am seidenen Faden. Sofort lässt sie wieder von ihm ab.
„Hältst du es für klug dich an einen fremden Kerl ranzuschmeißen, obwohl dein Freund erst vor kurzem abgekratzt ist?“, fragt Sanzo, der sich selbst wundert, warum er eine solche Frage gestellt hat.
„Ich kann ihnen nicht verübeln, dass sie so von mir denken. Entschuldigung“, das Mädchen macht eine kurze Pause, „Unsere Beziehung war anders als die meisten Leute denken. Eigentlich waren wir nicht zusammen. Wir waren mehr wie Geschwister. Aber immerhin bin ich schwanger von ihm.. Ach, vergessen sie bitte, was ich gesagt hab. Ich...“, verzweifelt versucht Sayuri sich aus ihrem selbst verstrickten Satz zu befreien.
„Sorry, ich hätte nicht fragen sollen.“, ohne besondere Anteilnahme geht der hochrangige Mönch weiter. Sayuri, die stehen geblieben ist, setzt ihren Gang ebenfalls fort.  
Nachdem sie sich ein wenig von der Stadt entfernt haben, lassen sich beide auf einer Bank nieder.
„Ich bin ziemlich egoistisch. Dass ich sie hier festhalte.“, wieder macht die Frau ein trauriges Gesicht. Verzweiflung macht sich in ihr breit. Ihre Augen werden feucht.
„Hör auf zu jammern. Das passt nicht zu dir.“, kommentiert Sanzo, während er sich eine Zigarette ansteckt. Überrascht schaut Sayuri, die einen Kopf kleiner als er ist, zu ihm hoch . Obwohl es nicht so geklungen hat, hat sie es als Aufmunterung verstanden.
„Ihr habt Recht. Sanzo-Houshi-sama“, zum Dank ringt sie sich ein trauriges Lächeln ab.

Der Sand stäubt unter den dicken Stiefeln des großen Mannes. Bei der Fortbewegung macht er Krach durch zwei Ketten die über seine Schulter hängen. Seine braunen Haare sind zu kurz, um vom Wind erfasst zu werden. In seiner Tasche befinden sich zwei Revolver und Rauchbomben. Auf seinem Rücken trägt er ein Scharfschützengewehr mit Kaliber 12,7 x 99mm. Er beugt sich zum trockenen Sand. Dort zeichnet er die Reifenspuren eines Jeeps nach:
„Sie sind also wirklich hier in der Nähe.“

„Ich frage mich, ob Sanzo Spaß hat. Ich will auch ein Date haben!“, ruft Goku, der wieder bester Laune ist.
„Dafür bist du noch nicht reif genug. Du hast jetzt erst mal ein Date mit den Yokai.“, ärgert ihn Gojyo.
„Was heißt hier reif? Muss ich etwa ein perverser Kappa sein, um ein Date zu haben?“
„Wie war das?“
Der dritte Gefährte beäugte das Gebalge mit einem Lächeln. Er fragt sich eher, ob Sanzo sie nicht umbringen wird, wenn sie sich wieder treffen. Mittlerweile haben die drei Yokai das Dorf hinter sich gelassen. Die genaue Stelle an der man die Yokai gesichtet haben will ist nicht bekannt. Ihnen bleibt nur die Suche.

„Kann ich auch eine Zigarette haben?“, ein liebenswertes Lächeln breitet sich auf Sayuris Mundwinkeln aus.
„Nö, kauf`` dir selbst welche. Du bist alt genug.“
„Wie geizig!“, beleidigt beißt sich das Mädchen auf die Lippen, „Ihr seid wirklich anders, als in meiner Vorstellung.“
„Was du nicht sagst“, Sanzos Stimme klingt kühl.
„Viel menschlicher, als ich gedacht hätte“, fügt Sayuri hinzu.
„Menschlicher? Von wegen“, winkt der blonde Mönch ab.
Auch diese beiden kommen am Rand des Dorfes an. Jener ist mit Reisfeldern bestückt. Von hier trennt sie nur noch ein großer Berg vom Land hinter dem Dorf. Sayuri schlendert fröhlich über die mit Wasser gefüllten Felder, in denen sie sich spiegeln. Die Sonne steht hoch am Himmel. Hinter den Reisfeldern bleibt sie stehen. Der Berg ist in etwa zwanzig Meter Entfernung zu sehen. Sanzo ist ihr bis hierher gefolgt. Langsam ist seine Geduld aber am Ende.
„Die zwei Stunden sind gleich schon rum, was?“, bemerkt Sayuri selbst.
„Lass´ uns endlich zurück gehen. Wir sind hier nicht zum Spaß. Hier gibt es irgendwo Yokai.“, Sanzo wirft seine Zigarette auf den Boden, um sie mit dem Fuß auszudrücken. Er steht mit dem Rücken zum Berg gewendet.

Der Assassine hat seine Position eingenommen. Er hat sein Scharfschützengewehr aufgestellt. Vom Berg aus hat er bis jetzt auf ein Zeichen gewartet.
„Dass du direkt zu mir kommen würdest, Genjo Sanzo.“
Mit einem Visier zielt er auf den Kopf des Mönches.

„Na gut. Wir sollten wohl zurück.“, Sayuri, die sich umdrehen will, um ebenfalls zu gehen, hält einen Augenblick geschockt inne. Ohne darüber nachzudenken, wirft sie sich vor Sanzo:
„Pass auf!“
Als dieser merkt, was passiert ist, kann er sie nur noch auffangen. Ein lauter Knall hat seine Ohren betäubt. Sayuris rosafarbenes Kleid färbt sich im Bauchbereich weinrot. Sie röchelt, schluckt nach Luft.

„So ein Dreck. Der ging total daneben. Viel zu tief. Und diese Schlampe hat sich auch noch dazwischen geworfen. Aber das werde ich ausnutzen.“, mit einem Grinsen bewegt sich der Assassine den Berg hinunter.

„Idiotin, wieso hast du das getan?!“, Sanzo legt das Mädchen vorsichtig auf die Erde. Er drückt mit den Händen fest auf die Wunde. Seine weiten Ärmel werden schwer vom Blut, das sich in seine Robe saugt.
„Mein Leben ist schließlich nicht so wichtig, wie das des großen Sanzo-sama, nicht wahr?“, ihre Stimme zittert. Das Reden fällt ihr schwer.
Sanzo will etwas sagen. Er wird gestoppt.

Abrupt bleibt Goku stehen. Er vergewissert sich.
„Was ist?“, fragt Gojyo überrascht.
„Ich rieche Blut“, ruft der Affe erschrocken, „Wir müssen sofort zurück!“
Ohne weitere Erklärung wendet er, um in die andere Richtung zu rennen.
„Hast du sie noch alle?“, ruft Gojyo hinterher. Er tauscht Blicke mit Hakkai, der Hakkuryuu bereit hält. Schnell verwandelt sich der kleine Drache in einen Jeep. Gojyo, der zur Abwechslung mal auf der Beifahrerseite sitzt, bedeutet Goku in den Wagen zu springen, als sie ihn eingeholt haben. Dieser kommt dem Angebot in einer hohen Geschwindigkeit nach:
„Wir müssen uns beeilen. Dieses Blut – ich bin sicher: Das ist Sanzos Blut.“

Ein roter Streifen aus Blut zeichnete sich auf Sanzos Wange ab. Eine goldene Strähne hat sich ebenfalls gelöst. Sie taucht sich in das Meer aus Blut unter ihm und verfärbt sich entsprechend.
„Schon wieder verfehlt. Wie schade. Oder habe ich absichtlich daneben gezielt um mir diese herzzerreißende Szene noch länger ansehen zu können.“
Sanzo antwortet nicht.
„Ich hatte geplant euch auseinander zu treiben. Aber, dass du mir ganz allein in die Falle gehen würdest, hätte ich nicht gedacht, Genjo Sanzo“, fährt der Yokai fort.
„Dann war die Geschichte mit den Yokai..“, beginnt Sanzo.
„Ein Vorwand um euch an den Rand der Stadt zu locken. Exakt“, beendete der Assassine seinen Satz.
„Du Bastard“, Sanzos violette Augen sind hinter seinem Pony versteckt.
„Bist du etwa sauer, weil ich diese Schlampe erwischt hab´? Sie ging dir doch eh auf den Sack. Ich hab` dir also einen Gefallen getan“, der Yokai grinst dreckig, „Aber du wirst ihr ja jetzt folgen. Also ist es auch egal.“
Er richtete seine Pistole auf Sanzo. Dieser ist inzwischen aufgestanden. Er sieht nun zu seinem Gegner auf. Die violetten Augen durchbohren den Feind mit ihrem Blick, „Du denkst, du kannst mich töten?“
Selbst dem Assassinen läuft in diesem Moment ein kalter Schauer über den Rücken. Er gibt zwei Schüsse ab. In diesem Moment spürt er, wie eine Kugel des Seelenzerstäubers sein rechtes Bein zerschmettert. Das Gleichgewicht verlierend taumelt er zu Boden. Die Schüsse, die er abgefeuert hat, sind ins Lehre gegangen. Die Sonne, die auf ihn herabstrahlt, verdunkelt sich durch den Schatten der über ihn tritt.
„Du mieser..“, er krümmt sich vor Schmerz.
„Du hattest deinen Spaß. Jetzt will ich meinen.“, in diesem Moment ist Sanzo der finster grinst. Er hält seinen Seelenzerstäuber direkt an das Kinn seines Opfers, „Wer schickt dich? Kougaiji? Was habt ihr vor? Antworte“
„Leck´ mich“, entgegnet der Attentäter.
„Falsche Antwort“, erklärt Sanzo und schießt ihm ohne zu zögern zwischen die Beine. Dabei spritzt ihm das Blut ins Gesicht. Der Dämon schreit auf. Er krümmt sich vor Schmerz am Boden, „Du hast meine...urg..“
„Nutzloses Stück Scheiße.“, mit diesen Wort schießt Sanzo ihm den Kopf ab. Dieser fliegt etwa zehn Meter weit in die Ferne. Sanzo steht wortlos vor der Leiche.
„Ich hatte..Recht. Ihr seid menschlich“, eine zarte Stimme holt ihn aus der Trance. Überrascht, dass sie noch lebt, wendet er sich um. Das Mädchen hat sich mit Mühe auf die Seite gewälzt. Vorsichtig kniet sich Sanzo vor sie.
„Darf ich..Darf ich meinen Kopf auf deinen Schoß legen?“, mit einer zitternden Stimme spricht Sayuri noch weiter. Ohne zu antworten setzt sich Sanzo im Schneidersitz hin und legt ihren Kopf behutsam auf ihren Schoß.
Mir ist kalt, denkt Sayuri, die die Kraft zum Sprechen langsam verlässt. Der Mann auf dessen Schoß sie liegt, deckt sie daraufhin mit seinem langen Ärmel zu. Sie fragt sich, ob sie es doch laut ausgesprochen hat, aber dazu hätte sie mehr Kraft aufwenden müssen. Mit geringer Kraft streckt sie den Arm nach oben, um seinen Nacken zu umklammern. Er blickt ihr überrascht ins Gesicht. Sie zieht ihn zu sich herunter, bis sich ihre Lippen berühren. Einen Moment ist alles still um sie herum. Es ist kein richtiger Kuss. Nur ein zarter Hauch. Sanzo schmeckt das Blut auf ihren Lippen, das aus ihrem Mund gequollen war. Ihre Hand lässt seinen Nacken los. Zittrig gleitet sie in den dunklen Staub.
„ Das wollte ich schon die ganze Zeit mal tun.. Und jetzt les´ mir vor. Du schuldest mir noch eine Sutra-Lesung“, befiehlt die Frau mit allerletzter Kraft.
Sanzo nimmt die Krone, die ihm von seinem Meister verliehen wurde, aus seinem Ärmel und beginnt Sutren zu zitieren. Sayuri schließt die Augen. Sie hört einfach nur zu. Der Klang seiner Stimme dringt noch an ihr Ohr, aber ihre Sicht ist nun verschwommen. Er ließt solange, bis sie in den ewigen Schlaf gefallen ist. Auch danach ließt er noch weiter.
Erst eine vertraute Stimme unterbricht ihn.
„Sanzo!“, Goku stoppt wenige Meter entfernt, als er seinen Freund blutüberströmt am Boden sitzen sieht, „Sanzo..“, seine Stimme wird leiser.
Auch seine anderen Gefährten bleiben geschockt stehen. Hakkai erschaudert beim Anblick der zerstückelten Leiche des Assassinen.
„Sorry. Ich hatte hier Ärger“, mehr bringt Sanzo nicht heraus.
„Sanzo!“, der den Schmerz seines Freundes spürende Son Goku stürzt sich in dessen Arme. Über den Affen überrascht schaut Sanzo in die Leere, während er umarmt wird.
„Lass los, du Idiot!“, fängt er sich schließlich wieder.
„Entschuldige, dass wir nicht früher gekommen sind“, sind Hakkais erste Worte, der unwillkürlich an Kanan denken muss. Sein Magen dreht sich im Kreis, als er das Leid dieser Frau sehen muss. Gojyo fasst ihn an die Schulter und erinnert ihn daran, dass er sich in der Gegenwart befindet.
Nachdem sie Sayuri begraben haben, stehen die Gefährten noch eine Weile vor dem Sandhügel, der mit einem Stein beschwert worden ist. Ein weiteres Mal ist ihnen klar geworden, dass ihre Reise Opfer fordert und noch weiter fordern wird. Aber auch andererseits ist ihnen die Wichtigkeit ihres Auftrages vor Augen geführt worden.

Sanzo, der das Blut aus seiner Kleidung in einem Fluss abgewaschen hat, lässt sich im sanften Fahrtwind trocken. Er starrt nach oben in den blutrot gefärbten Himmel. Der Abend ist hereingebrochen, aber heute machen die Sanzo Ikkou keine Rast.
„Menschlich, hm?“, murmelt Sanzo vor sich hin. Hakkai hat es bemerkt, sagt aber nichts. Goku setzt an, um etwas zu fragen, bevor Gojyo ihm in letzter Sekunde den Mund zuhält. Er bedeutet dem äußerlich Jüngeren dieses Mal den Mund zu halten.
So setzen sie ihre Reise in die untergehende Sonne fort.
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