Das Vermächtnis der Lux Veritatis

GeschichteAbenteuer, Angst / P16
Alister Fletcher Kurtis Trent Lara Croft Pieter Van Eckhardt Werner von Croy Zip
28.12.2014
16.05.2015
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28.12.2014 1.650
 
Adrenalin schoss durch ihr Blut.
Ein berauschendes Gefühl übermahnte sie und vernebelte ihre Sinne.
Nun, nicht ganz, immerhin brauchte sie jene Sinne noch.
Sie musste ihre Umgebung im Auge behalten.
Sie musste ihre Waffe in der Hand fühlen können.
Sie musste die nahenden Schritte der anderen vernehmen können.
Ohne all das wäre sie längst tot. Gefoltert. Geschlagen; und schließlich erschossen.
Irgendwas hatten ihre Feinde immer parat, um ein Lebenslicht zum erlöschen zu bringen.
Allerdings schien das Licht der Lara Croft so hell zu sein, dass es mehr Menschen anzog, als gewöhnlich. Wie Mücken - kleine, widerliche Wesen die hinter einem her sind.  

"Verdammter Dreck!", schrie die heisere Stimme eines Mannes, "Bewegt euch! Schneller! Sie darf nicht entkommen!"
Mehr Schritte drangen in die feinen Ohren Laras'. Dies gab ihr das Zeichen, schneller zu rennen. In einem unsagbaren Tempo sprang sie über einen niedrigen Zaun hinweg und rollte sich am Boden ab.
Danach strich sie sich, im vollen Lauf, lose Haarsträhnen aus dem Gesicht.

Das Schicksal schien es nie wirklich gut mit ihr zu meinen. Vor allem nicht, was das Wetter betraf. So regnete es bereits seit zwei Stunden in unerbittlichen Strömen. Die Kleidung, sowie die Ausrüstung der Archäologin war fast bis aufs unbrauchbare durchnässt.
In einer großen, tiefen Pfütze rutschte die Archäologin plötzlich aus. Sie fiel, mit ihrem Knie voraus, auf den rauen, feuchten Weg. Die Haut zerriss unter dem Kontakt und begann sofort zu bluten.
Allerdings sollte das Laras kleinstes Problem darstellen.
Ein Schuss war ganz in ihrer Nähe zu vernehmen. Ein zweiter. Und ein dritter.

"Mist!", rief die Archäologin in nüchternem Ton, "Die haben eine MR308!"
Sofort sprang Lara wieder auf und beachtete nicht weiter die brennende Schürfwunde. Sie durfte ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren! Sie musste hier schleunigst weg!
Mit einem Satz war sie erneut mehrere Meter weiter gesprintet - doch dann passierte etwas, womit sie niemals gerechnet hätte.
Äußerst verärgert blieb die Archäologin stehen und schlug erbost gegen die riesige Mauer, die sich vor ihr erstreckte.

"Was für ein Klischee", brachte Lara kopfschüttelnd hervor. Dann drehte sie sich um und versuchte, im strömenden Regen etwas zu sehen. Die Gasse, in der sie sich befand, war klein, eng und stickig. Überflutet von dem Regenwasser und bekritzelt mit leuchtendem Graffiti.
Hastig zog Lara die einzige Waffe, die ihr gerade zur Verfügung stand - eine handliche .45 Colt. Sie presste sich gegen die Wand und richtete den Lauf der Pistole auf den Eingang der Gasse. Nur wenig später trafen die ersten Männer an, die zu ihren Verfolgern gehörten.
Einige von ihnen schossen auf Lara, die anderen stürmten los. Ein brenzliges Gefecht wurde zwischen den Anwesenden entfacht.

Lara schoss einem kleinen, kompakten Mann ins Bein und schlug gegen seinen Kopf. Sie nutzte die Bewegung aus, um ihrem Hintermann mit einer schnellen Drehung das Bein in den Bauch zu rammen. Ihre Faust landete in seinem Gesicht und der Angreifer fiel zwischen
nahe stehenden Tonnen, die umkippten.
Mehre Schüsse zogen an der Archäologin vorbei. Einer traf sie direkt in den Oberschenkel - so sank Lara mit einem Aufkeuchen zu Boden.
Selbstgefällig näherten sich die drei verbliebenen Männer. Doch das sollte ihnen zum Verhängnis werden...
Mit aller Kraft schwang sich die Archäologin herum und brachte zwei von ihnen zu Boden. Den einen schoss sie in den Brustkorb, während sie den anderen mit einem heftigen Schlag und zwei Tritten ins Jenseits beförderte.
Der letzte Verbliebene schien zu der vernünftigen Art von Mensch zu gehören. Erschrocken begutachtete er die Szene und hob schließlich die Hände. Dabei ließ er seine Waffe fallen.

Doch Lara kannte kein Erbarmen. Sie trat einen Schritt vor und richtete ihre Colt auf den Mann.
"Das Spielchen kenne ich", meinte sie und verengte die Augen, "Verzeihung, aber diesen Wunsch kann ich ihnen nicht - ah!"
Von hinten wurde Lara zu Boden geworfen und schließlich nieder gedrückt. Ein schwerer Körper hielt sie dabei in Zaum.
"Du verlogenes, kleines Miststück", sprach eine bedrohliche Frauenstimme.
Lara zwang sich daraufhin zu einem belustigten Lächeln: "Dito"
Für dieses Wort wurde sie jedoch mit kaltem Metall an ihrem Kopf bestraft. Es klickte gefährlich und der Mann, der auf ihr saß, grummelte beinahe zufrieden.
"Ich wette", sprach dieser in gebrochenem Englisch, "Dass dein Kopf perfekt in unsere Sammlung passt."

Ungeduldig sah sich Lara um. Irgendwo würde es etwas geben, dass ihr hier raus helfen würde! Irgendetwas! Und wenn es nur ein stabiler Stock war...!
Dann fand Lara den Gegenstand ihrer Begierde. Während sie es konzentriert fixierte, redete die Frau weiter.
"Es stimmt, was die Presse über Sie berichtet. Sie schrecken wahrlich vor nichts zurück, Lady Lara Croft. Aber das Sie die Dreistigkeit besitzen in mein wertvolles Archiv einzubrechen, um zu schnüffeln - das ist eine absolute Respektlosigkeit! Ich weiß nicht, ob Sie das gefunden haben, was sie suchten, aber - so oder so wissen Sie zu viel...! Los, gib mir das."
Aufgebracht nahm sie ihrem Handlanger die Waffe aus der Hand. Nun richtete sie die Pistole selber auf Lara.
"Einen Moment noch", warf Lara, fast schon ganz beiläufig, ein, "Hey, du da über mir - deine Visage kommt mir bekannt vor. Kann ich dich mal von Nahem sehen?"
Etwas verwirrt kam der Mann auf ihr wirklich ihrem Wunsch nach. Er beugte sich mit misstrauischem Gesichtsausdruck hinunter - dies beanspruchte seine ganze Konzentration, weshalb dass Gewicht auf Lara nachgab. Schlagartig nutzte die kluge Countess diesen Schachzug für sich aus. Sie ließ ihren Kopf gegen seinen Schädel krachen. Einmal, zweimal - mit einem schmerzverzerrtem Schrei richtete er sich auf und stolperte von Lara hinunter. Diese rollte sich sofort zur Seite, sprang schwungvoll auf und rannte zu einer MR308, die neben einer Pfütze lag.
Der wütende Schrei der Frau entging ihr dabei nicht. Jene ballerte unkontrolliert drauf los, wollte einfach nur die Archäologin ausschalten.

Doch Verstand siegt über den blinden Leichtsinn.

Mit Hilfe einer gekonnten Schraube landete Lara direkt neben ihrer Widersacherin. Sie zog ihr die Waffe über den Schädel und feuerte anschließend eine Kugel ab.
Ein dumpfer Aufschlag ertönte, als der Frau die Pistole aus der Hand glitt. Wasser spritzte empor, als das Metall in eine Pfütze fiel. Dann fiel sie unsanft zu Boden. Sie hielt sich den schwer blutenden Arm fest und versuchte, noch einmal ihre Waffe zu ergreifen.
Allerdings hätte sie spätestens jetzt wissen müssen, dass ihr Lara überlegen war. Diese betätigte nämlich ein letztes Mal den Abzug - und sie war umgeben von Stille. Der letzte Mann von ihren Verfolgern hatte sogar längst das Weite gesucht.
Aufatmend warf Lara ihre MR308 weg und humpelte aus der Gasse hinaus. Die Schmerzen in ihrem Bein wurden stärker.
Aber so war das nun mal. Leben bedeutet spüren. Und Schmerzen sind etwas, was man spürt.


In einem nun ruhigen Tempo suchte sich Lara einen Weg aus dem Viertel. Es war mittlerweile weit nach Mitternacht. Der Mond wurde von dicken Wolken verdeckt.
Der einzige Trost in dieser Nacht war, dass der Regen langsam aufhörte. Die schneidende Kälte wich. Bald war Lara wieder fähig, klar durch die Nacht zu spähen.

Auf einer Bank, die in einem leeren, heruntergekommenen Park war, fand Lara einen Platz zum Innehalten. Sie zog sich ihren schwarzen Rucksack vom schmerzenden Rücken.
Langsam öffnete sie den Verschluss und holte dann ein paar vergilbte Dokumente hervor. Sie waren bereits sehr alt und wiesen schon deutliche Gebrauchsspuren auf.

"Ich glaube an seinen Tod", flüsterte Lara sich zu, "Aber wenn ich eines gelernt habe, dann, dass "glauben" und "wissen" zwei völlig andere Kaliber sind."
Sie überflog die Zeilen und musterte ein kleines Bild, dass auf der ersten Seite war.
Ein seltsames Gefühl durchstreifte Lara, als sie in die stechenden Augen des Mannes sah. Sie waren kalt, unbarmherzig und voller Hass.
Nichts neues, dachte sich Lara und schaute auf das eine, kleingedruckte Wort "Status". Und was stand dort?
Tod.
Er war... tot.
Doch warum überzeugte es sie nicht? Warum gab es Lara nicht das Gefühl von Beruhigung, die sie schon so lange vermisste? Hier stand es immerhin schwarz auf weiß! Sie brauchte nichts zu befürchten. Wenn es in seinen Akten stand, dann musste es stimmen.

Seufzend faltete Lara die Seiten und steckte sie zurück in ihren Rucksack. Dann plötzlich ertönte ein eintöniges Piepen. Die Archäologin suchte in den Weiten ihres Rucksacks nach ihrem Headset. Früher trug sie es stets bei sich - doch mittlerweile störte es sie. Es war, als wäre sie auf die Hilfe von anderen angewiesen. Und das war sie nicht. Allerdings würde sie wohl niemals drum rum kommen, es mitzunehmen.
"Zip", merkte Lara an, als sie das Headset kurzzeitig anlegte, "Was ist? Gibt's was Neues?"
"Ähm, hallo?", rief ihr ehemaliger technischer Assistent, "Geht's noch? Seit heute Morgen bist du so mir nichts dir nichts weg und weder Winston noch ich hören was von dir - und das ist deine Antwort? Wo zur Hölle warst du die letzten 24 Stunden?"
Lara seufzte. Obwohl sie Zip entlassen hatte, schien er sich immer noch für sie einsetzen zu wollen. Anscheinend dachte er, er wäre für sie verantwortlich.
Unsinn, ging es Lara durch den Kopf, er weiß wahrscheinlich nur nicht, wie er seine neu gewonnen Freiheit auskosten soll.

Die Archäologin erhob sich von der Bank und schulterte ihren Rucksack. Dann sagte sie etwas, das für Zip ein einziges Rätsel war:
"Totgesagte leben länger - und es wurde Zeit für mich herauszufinden, wie lange sie noch leben werden."
"Ah... Lara?"
Doch die Countess antwortete nicht mehr. Sie ging nun ihren Weg, um wieder nach Hause, nach England, zu gelangen. Das Headset landete dabei in ihrer Jackentasche.

Auf dieser Welt gab es, zu eben jenem Zeitpunkt, etwas beunruhigendes. Ein Herz, dass noch schlug wie am ersten Tag. Es trug den Hass der Weltgeschichte mit sich.
Und sein Besitzer war jemand, der längst tot sein müsste...
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