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THUNDER

von Cree
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford
27.12.2014
08.09.2015
77
227.737
57
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
45 Reviews
 
 
27.12.2014 3.968
 

Hallihallo! :)
Herzlich Willkommen zu meinem neusten Baby "THUNDER."
(Nein, ich habe kein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, ich mag nur einfach Großbuchstaben :D)

Weil ich es nicht mal annähernd so gut zusammen fassen könnte, wie meine wunderbaren Leser.. war ich so frei und hab es einfach kopiert :)

"Du hast Sheryl, die aus ihrem gesamten Leben einfach ausbrechen möchte, weil sie nie ihre eigenen Wege gehen konnte. Sie ist dickköpfig, vorlaut und passte bis jetzt nirgendwo wirklich rein, aber gleichzeitig ist sie so emotional und braucht verdammt nochmal jemanden der ihr Halt gibt und genug Kraft hat, um sich selbst und sie mit Liebe am Leben zu erhalten.
Und du hast Ashton, der eigentlich seine Familie und die Jungs hat, der seinen Traum leben kann und die Freiheit genießt, welche die meisten sich nur erträumen können. Er ist ebenfalls dickköpfig sowie dominant und sagt direkt seine Meinung, auch wenn er damit aneckt. Aber auch er ist eigentlich nicht so stark, wie er scheint. Er ist genauso hilflos und auf Liebe angewiesen wie Sheryl eigentlich auch, aber beide sind zu stolz um sich das jeweils einzugestehen. Auch er bräuchte jemanden, der für ihn mit stark ist.
Beide erwarten diese Stärke vom jeweils anderen, aber beide gehen dadurch kaputt, weil sie beide schwach sind.
Und es ist diese Tiefe in der Geschichte, die einem die Tränen in die Augen treibt, weil man als Leser diese abgefuckten, kaputten Charaktere auf ihrer Suche nach Liebe begleitet und ertragen muss, wie sie immer wieder an einem Abgrund stehen. Aber sie werden nie stürzen. Im letzten Moment werden sie immer gehalten."

(Danke MustacheOfMilk <3 - Auszug Reviews - )






You are the thunder and I am the lightning.








„I tried carrying the weight of the world but I only have two hands
Hope I get the chance to travel the world but I don't have any plans
Wish that I could stay forever this young, not afraid to close my eyes - life's a game made for everyone and love is the prize

So wake me up when it's all over, when I'm wiser and I'm older, all this time I was finding myself, and I didn't know I was lost..“
(Avicii – Wake me up)




Es war noch dunkel. Dunkel war gut. Oder? War es?
Wenn es dunkel war, war es auch noch Nacht und wenn es noch Nacht war, musste ich auch noch nicht aufstehen.
Zufrieden schloss ich wieder die Augen, tastete allerdings nach … und es war meine verdammte Bettdecke. Ich hatte die Decke über dem Kopf, deswegen war es auch noch dunkel. Shit!  
„SHERYL, JETZT STEH ENDLICH AUF!“ brüllte jemand nicht zu weit entfernt und meine Illusion der niemals endenden Nacht war mit einem Schlag zerstört.
Ich verdrehte genervt die Augen und schob mir stöhnend mein Kopfkissen über den Kopf.
Vielleicht würde ich ja damit verschwinden, wie in so einem total coolen amerikanischen Fantasyfilm und dann das nächste Mal in einem blauen Tropenwald aufwachen, gejagt von überdimensionalen Männern die alle wie Arnold Schwarzenegger aussahen.

Oder auch nicht. Höchstwahrscheinlich sogar nicht.

Ich seufzte leidvoll auf und schob mich an den Rand des Bettes, wo ich nach kurzem rangieren hinaus fiel wie ein Vegemitetoastbrot auf den Boden.
Ein dumpfes "Uff" kam aus meinem Mund, dann sah ich hinauf zur schneeweißen Decke und wappnete mich innerlich für den Tag. Er würde grausam werden. Wieder. Genauso grausam wie der davor.
„SHERYL!“ Meine Mom war wirklich unerträglich und das in vielerlei Dingen.
„ICH KOMM JA SCHON!“ brüllte ich zurück, drehte mich auf die Seite und stemmte mich auf die Beine. Meine kurzen Shorts waren total verrutscht und müde zog ich sie wieder an ihren Platz, ehe ich aus meinem Zimmer in Richtung Badezimmer tapste.  
Dort blendete mich auch schon die verdammte Sonne, worauf mir ein gefrustetes Stöhnen entfuhr, ich meinen Pyjama in die Ecke warf und unter die Dusche hüpfte.  
Warum hatte Australien immer so gute Laune?
Ich hasste gute Laune vor 10 Uhr morgens.


Als ich zwanzig Minuten später die Treppen hinab stürmte, herrschte unten im Hause Reven wieder das verhasste Chaos.
Meine Mutter versuchte verzweifelt mit strenger Miene unsere dreijährigen Zwillinge Liz und Lou unter Kontrolle zu bekommen, welche mächtig Spaß daran hatten die Cornflakes in der Milch zu jagen, Dad band sich in hektischem Hin-und-Herlaufen seine Krawatte und mein älterer Bruder Johnny starrte apathisch in seine Kaffeetasse. Er sah wieder schrecklich aus, hatte wohl die halbe Nacht mit seiner On/Off-Flamme Mary geschrieben.
Ein fürchterliches Weib.
„Hey Johnny“ ließ ich mich am Küchentisch neben ihm nieder, nahm meinen Löffel und begann meine bunten Cornflakes zu verspeisen, während ich beobachtete wie er wirr vor sich hinstarrte.
Wie ich es schon erwartet hatte, kam keine Reaktion von ihm und mein Grinsen verfestigte sich immer mehr. Irgendetwas war heute anders.
„Kannst du mich dann mitnehmen?“
„Nein“ grunzte er nach kurzer Zeit. „Ich fahr heute nicht zur Uni, muss irgendwelche Seehunde in Mona Vale ansehen.“
Pure Begeisterung sprach aus seinen Worten und ich versuchte mein schadenfrohes Gesicht zu unterdrücken. Johnny wollte damals nichts anderes außer Meeresbiologie studieren, Angesichts der Tatsache das seine Hobbys E-Gitarre spielen, mit seinen Freunden Bier trinken und irgendwelche dummen Weiber aufzureißen waren, war das eine ziemlich undurchdachte Entscheidung gewesen.
Nun ja, aber ja nicht mein Problem.
„Echt jetzt?“ – Das würde wiederrum mein Problem sein – „Kannst du nicht vorher abbiegen oder so was?“
„Nein.“
Gosh, er war manchmal so ein Idiot. Seufzend schob ich meine Schüssel von mir, streckte den beiden Rabauken die Zunge raus – was sie begeistert wiederholten, Mom wurde immer schrecklich wütend wenn sie es taten –, öffnete meine Haare und flocht einen losen Zopf. „Arschloch.“
„Ich dich auch, Schwesterherz.“
Ich schnipste ihm noch einmal an den Hinterkopf, ehe ich mir meinen Rucksack schnappte, eine knappe Verabschiedung murmelte und zur Tür hechtete.
Wenn ich pünktlich in der Schule sein wollte – was ich ja eigentlich gar nicht wollte –  dann müsste ich den Bus bekommen und der fuhr in vier Minuten.
Meine schwarzen Converse waren noch offen, als ich mir im Rennen meine Lederjacke überwarf und die Tür mit aller Kraft zuschlug.
Mit einigen Sprinteinlagen, für die ich nicht wirklich bereit gewesen war, schaffte ich es noch pünktlich zur Bushaltestelle, wo ich keuchend meine Fahrkarte zeigte und gleich in der Mitte bei den Stangen stehen blieb.
Er war wieder bis oben voll, sammelte alle Schüler in diesem Stadtteil ein und ich war mir nie sicherer gewesen, dass dieser Tag ein Desaster werden würde.
Irgendwie… war da was in der Luft.

„Hey Sheryl“ murmelte Becky, meine einzige Freundin, als ich mich im Klassenzimmer auf den Platz neben sie setzte.
Becky hatte kurze blonde Haare, die schönsten grünen Augen der Schule und war im Allgemeinen ziemlich perfekt. Wir waren das absolute Gegenteil voneinander und trotzdem recht gute Freunde geworden. Verrückt, aber gut.
Gut für mich, ohne Becky wäre ich wahrscheinlich noch viel weiter unten in der Hierarchie. Irgendwo zwischen den Käfern in der Umkleidekabine und den alten Kaugummis in der Cafeteria.
Wir hatten uns wie immer in die dritte Reihe verkrümelt, bloß nicht bei den Strebern ganz vorn, bloß nicht bei den Idioten ganz hinten. Beides konnte gefährlich werden, glaubt mir – ich hatte die nötige Erfahrung.
Der Morgen an sich begann schließlich mit Literatur bei unserer eingestaubten Lehrerin und ganz ehrlich? Es gab nichts Langweiligeres auf diesem Planeten als das Wühlen in verstaubten Büchern.
„Was liest du da, Becky?“ murmelte ich schließlich fragend, da sie sich schon lange nicht mehr mit den Büchen beschäftigte. Sie hatte eine dieser schrägen Zeitungen in der Hand, welche man sich in der Aula mitnehmen konnte. Schülerzeitungen oder irgend so ein Schrott.
„Die Schülerzeitung, Brandon und seine Jungs treten nächste Woche im Lingues auf. Gewusst?“
„Nein“ gab ich zu und packte Block und Mäppchen in meine Tasche. „Interessiert mich aber ehrlich gesagt auch nicht.“
„Ihr wart so ein schönes Paar.“
Oh Gott bewahre. „Wart. Ja, Betonung liegt auf wart. Gott bin ich froh das ich diesen Pfosten los bin.“
Larry – der Gitarrist der Schülerband – und ich waren ein paar Monate zusammen gewesen, aber irgendwie hatte es nie richtig funktioniert. Da war ständig Zoff und Streit gewesen, nicht zuletzt was die Band betraf und als ich irgendwann mal seinen besten Freund kritisiert hatte, war es endgültig aus gewesen.
Was langfristig sicher besser für meine geistige Verfassung war.
„Kritisiert nennst du das?“ Becky grinste mich von der Seite an und ich rollte genervt mit den Augen. „Ja?“
„Du hast gesagt, er wäre noch unfähiger als Larry selbst.“
„Ist ja auch so.“
„Sheryl!“
„Na ist doch so!“ Ich zuckte mit den Schultern und bemerkte nicht mal wie meine Zeigefinger anfingen zu einem unbekannten Beat auf der Tischplatte herum zu trommeln. Ich hatte seit gestern Abend ein Lied im Ohr, aber ich wusste den Namen nicht, nur wie es sich anhörte. Becky warf einen Blick darauf und schmunzelte dann spottend. Schlagartig hörte ich auf und verdonnerte sie unter den Tisch.Meine Finger führten ein absolutes Eigenleben, ganz sicher.  
„Und was ist mit dem Spruch, dass wenn er seine Freundin genauso behandelt wie seine Drums, er in drei Jahren in Strumpfhosen bei seiner Mutter sitzt und Erbsensuppe ist?“
Bockig verschränkte ich Arme vor der Brust und ließ die angestaute Luft aus meinen Wangen, während ein kleines böses Grinsen meine Lippen zierte. „Ich weiß nicht wovon du redest.“
Becky schüttelte den Kopf und lachte offensichtlich über mich, was mich jedoch absolut nicht störte. Wäre ja auch nicht das erste Mal gewesen.
„Ach Sheryl...“


In der Mittagspause aßen Becky und ich wie immer zu Mittag in der Cafeteria. Während ich mein Tablett schon zum Tisch trug und mich auf den harten Stühlen niederließ, holte Becky sich noch einen Schokopudding als Nachtisch.
Kaum berührte mein Hintern das Holz, erschien ein großer schlanker Körper in meinem Blickfeld und innerlich stöhnte ich laut auf. Blaue Augen, braune Wuschelmähne, lange Finger.
So gelangweilt wie möglich sah ich auf und blinzelte gegen das helle Licht der Deckenlampen. „Larry.“
Wenn ihr euch jetzt fragt welches irre Paar sein Kind Larry nannte, nun dann lasst euch gesagt sein: ich hatte keine Ahnung.
„Ich muss mit dir reden Sheryl“ brummte er und ich widmete mich wieder meinem Salat. „Ich will aber nicht mit dir reden.“
Schnaufend rollte er mit den Augen – etwas das ihn so verdammt dumm aussehen ließ – und setzte sich einfach auf den Stuhl mir gegenüber. „Es ist ernst, Sheryl. Leon kann am Wochenende nicht spielen, wir brauchen einen Drummer.“
„Ebay.“
„Was?“
„Schau bei Ebay!“
Ich war einfach nur unglaublich genervt und hatte absolut und gar keine Lust mich jetzt mit Larry und seiner blöden Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Er war mir absolut egal, sollte mich endlich in Ruhe lassen, ein für alle mal.
Allerdings hatte er noch nie mit einem nein umgehen können, sodass ich gar nicht so schnell reagieren konnte, wie er nach meinem Arm schnappte und mich zwang ihn anzusehen.
Wütend entriss ich mich ihm und funkelte ihn über die Tischbreite an. „Fass mich nicht an, du Spinner! Ich spiele nicht euren Ersatzidioten wenn der andere Idiot nicht kann. Ich spiele überhaupt nicht und erst recht nicht für euch.“
Sein unwirsches Schnauben erinnerte mich an den Grund für mein damaliges, sehr offensichtliches Schwärmen für diesen Idioten – er war heiß.
Aber Chris Hemsworth war auch heiß, Billie Joe Armstrong und Jared Leto auch. Scheiß drauf.
Ich warf ihm noch einen warnenden Blick zu und begann dann weiter zu essen und tatsächlich verstand er es. Larry verschwand, ich wusste aber, dass er mich die nächsten Tage beobachten würde. Die Schuldband waren hier die Götter der Arbeiterschicht. Während die Footballstars die reichen Kids unterhielten, waren Larry, Leon, David und Steven für den Rest zuständig.
Aber so sehr ich damit auch in Ungnade fiel, ich würde nicht in der Schulband mitspielen. Niemals. Fertig, aus, Ende. Warum? Weil sie grottenschlecht waren.
„Was wollte der denn?“ fragte Becky schon ein paar Meter vor unserem Tisch und ließ sich mir gegenüber nieder.
„Leon kann am Wochenende nicht spielen und Larry hat mich gefragt ob ich kann“ murmelte ich seufzend und piekte ein Stück Feta mit meiner Gabel auf.
„Und?“
„Nein? Wieso sollte ich?“ Ein spöttisches Grinsen zog sich auf meine Lippen. „Ich bin doch nicht bescheuert.“
Becky seufzte schwer auf und nickte, bevor sie begann zu essen. Sie hatte mich schon oft versucht umzustimmen, aber ich würde es nicht tun. Garantiert nicht, es gab sicherlich auch noch eine ganze Menge andere Schlagzeugspieler hier an der Schule – ich war nicht die Wohlfahrt und ich hatte auch kein Problem damit das jedem hier klar zu machen.

Der Tag brachte noch zwei Stunden Chemie – was an sich bei meinen nicht vorhandenen chemischen Talenten akute Lebensgefahr bedeutete – und noch viel schlimmer: Sportunterricht mit sich. Ich hasste Sportunterricht. Hasste, hasste, hasste es.
Warum gab es so was überhaupt noch? Es war unfair und gemein und erst recht für uns, wir würden im Herbst unsere Prüfungen schreiben und dann sowieso von hier verschwinden – warum zum Teufel also noch Sport treiben?
Schnaufend stapfte ich zur Bushaltestelle, entschied mich allerdings spontan um, als ich eines der Schilder für die Touristen Richtung Innenstadt sah.
Ich wollte eigentlich noch nicht nach Hause, Mom würde da sowieso nur mit den heulenden Zwillingen warten und von mir erwarten das ich irgendwas im Haushalt tat, also konnte ich auch ruhig noch ein wenig Zeit totschlagen.
Und Geld.
Geld konnte ich auch gut totschlagen. Besonders gut sogar.
Freudig grinsend überquerte ich die Straße und suchte mir den schnellsten Weg Richtung Zoundhouse. Ich liebte dieses Geschäft über alles, es gab nichts Besseres als durch diesen Laden zu schlendern, die Gitarren zu betrachten oder die Drumabteilung zu entdecken.
Ich liebte es.
In der Stadt war es belebt wie immer, Sydney pulsierte geradezu wie ein gigantisches Herz und ich kämpfte mich zielsicher durch die Massen an quatschenden Touristen. Ich war in Sydney aufgewachsen, ich kannte jede Straße, jede Ecke und jeden Winkel. Liebte diesen wunderschönen Fleck Erde.
Die große blaue Leuchtschrift des Zoundhouse ragte in den Himmel und ich steuerte geradewegs darauf zu.
Vorfreude kribbelte in meinem Bauch und mein Herz klopfte aufgeregt. Der Laden war wie eine Ladung Ecstasy für alle die Musik liebten.
Wie immer war eine Menge davor los, doch nur die wenigsten verbrachten wirklich ernsthaft Zeit hier drin. Es war eine Art von Trend geworden hier davor ein 'Selfie' zu machen und es auf irgendeiner bescheuerten Website hochzuladen, aber im Grunde genommen trennte sich die Spreu schnell vom Weizen.
Gerade in den tiefer gelegenen Räumen waren nur noch Menschen die diese Instrumente auch wirklich spielten, oder sich ernsthaft dafür interessierten.
In einer Ecke sah ich wie ein  junger blonder Mann auf einer nagelneuen E-Gitarre von Gibson spielte und ich  blieb einen kurzen Moment stehen, um zu lauschen.
Es klang gut, richtig gut, aber es war nicht der Grund warum ich hier war.
Meine Füße kannten den Weg zur Schlagzeugabteilung geradezu von allein und noch ehe ich einen wirklichen Schritt hinein gesetzt hatte, kribbelten meine Fingerspitzen gerade zu.
Ich liebte alles hier.
Während ich über den schwarzen Teppich lief und meine Fingerspitzen rechts und links über die verschiedengroßen Trommeln gleiten ließ, sah ich zwei Männer mit verdächtig langen Haaren über eines der Schlagzeuge diskutieren.
Ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen, der eine war wohl der Sohn der jetzt eins kaufen wollte. Und der andere der Heavy-Metal-Dad, der jetzt wohl sehr stolz darauf war.  
Ich erinnerte mich bei diesem Bild an mein erstes Schlagzeug und ein warmes Gefühl stieg in mir nach oben, so etwas vergaß man nie – wie auch?
Völlig fasziniert, achtete ich mal wieder nicht auf den Weg und musste auch prompt die Konsequenzen tragen.
Ich spürte einen Widerstand an meinen Füßen, dann an meiner Brust, aber da war es schon zu spät – im nächsten Moment saß ich auf dem Hintern.
Ein kleines Quietschen war mir entfahren und empört sah ich zum Verursacher, um einem paar dunkelbrauner Augen zu begegnen. Wunderschöne braune Augen mit langen schwarzen Wimpern.  Der Junge saß genauso auf dem Boden wie ich, allerdings sah es bei ihm ungefähr tausend Mal besser aus.
„Sorry“ murmelte ich peinlich berührt und versuchte wieder auf die Beine zu kommen. „Ich hab wohl nicht aufgepasst wo ich hingelaufen bin.“
Der Junge nickte und kam ebenfalls wieder auf die Beine, schob sein Handy in die Hintertasche seiner tiefsitzenden Jeans, während er sich wohl genauso unangenehm berührt durch die Haare fuhr.
Er hatte relativ kurze dunkle Haare die verwuschelt auf seinem Kopf lagen und ein freundliches Gesicht. Knuffig. „Quatsch, ich hab auch nicht aufgepasst. Tut mir Leid.“
Ich lächelte ihn sicherlich ziemlich dämlich an und nickte unsicher.  Ich hasste solche Situationen wie die Pest.
Ich konnte Schlagzeugspielen, Essen und Schlafen – Konversation mit einem attraktiven Jungen in meinem Alter zu führen, gehörte definitiv nicht dazu.
„Gut, dann.. ich muss weiter.“ Mich an ihm vorbeiquetschend, setzte ich meinen Weg fort, blieb aber erstaunt stehen als ich seine fragende Stimme vernahm.  Ich drehte mich wieder zu ihm.
„Spielst du?“
„Ich?“ Verwundert sah ich ihn an und runzelte die Stirn. In meinem Kopf ratterte es nur so durch, warum fragte er das?
„Nein..“
„Oh.“
Sein Gesicht, das vorher noch so fröhlich gewesen war, fiel in sich zusammen und ich wählte den geringsten Weg des Widerstandes: ich flüchtete, lief weiter, ein ganzes bisschen schneller als vorher.

Zum Glück traf ich ihn nicht noch einmal, allerdings war ich auch wie eine Irre durch den Laden gehechtet, sodass einen das nicht wirklich wundern sollte.
Ich kaufte mir ein Paar neuer Drumsticks und verließ dann eilig das Geschäft.
Wind fuhr durch meine Haare, der Himmel hatte sich zugezogen und es war nur eine Frage der Zeit bis es anfangen würde wie aus Eimern zu gießen.
Schnaubend pustete ich mir eine Strähne aus der Stirn und entschied mich zur nächsten Bäckerei zu gehen und mir einen Donut zu kaufen.
Pink, mit Streuseln, das perfekte kleine Stück Himmel. Freudig hineinbeißend, warf ich einen Blick in meine Tüte wo mich die neuen Sticks anlächelten und auch auf mein Gesicht zog sich ein zufriedenes Lächeln.
Gosh, ich liebte diese Dinger jetzt schon.
Leises Gitarrenspiel rief mich aus meinen Schwärmereien zurück in die reale Welt und als ich aufsah, sah ich einen Punk auf der gegenüberliegenden Seite Gitarre spielen.
Er war ziemlich abgefuckt und man brauchte keinen zweiten Blick, um zu wissen dass er auf der Straße lebte.
Allerdings hatte er echt eine Menge drauf, seine Stimme klang gut und er spielte toll Gitarre, aber irgendwie … fehlte da der Rhythmus.
Schmunzelnd aß ich meinen Donut und lief auf ihn zu.
Er hatte einen feuerroten Irokesen und seine Klamotten waren zerrissen und ziemlich alt, aber seine Stimme war schön. Wirklich schön.
Ich blieb vor ihm stehen, er saß auf einer Decke und hatte einen Hut vor sich liegen, wo schon ein paar Münzen drin lagen.
Als er bemerkte, dass ich genau vor ihm stand und ich ihn beobachtete, hörte er auf zu spielen.
„Hey“ lächelte ich vorsichtig. „Du klingst gut.“
„Danke“ murmelte er noch ein wenig abweisend und sah mich fragend von unten an. Unsicher zuckte ich mit den Schultern. „Aber da fehlt der Rhythmus, lässt du mich ein paar Lieder mitspielen?“
„Na ja“- „Ich will kein Geld, ich glaub nur es würde besser klingen.“
Auf dem Gesicht des Punks erschien ein schmales Lächeln und ich war mir sicher, dass er sogar ganz attraktiv wäre, wenn man mal den ganzen Dreck abwaschen würde. „Okay, gerne.“
Ich setzte mich im Schneidersitz neben ihn auf den Boden griff nach dem Gitarrenkoffer, ehe ich ihn auffordernd ansah. „Wie heißt du?“
„Dave.“
„Sheryl.“
Er nickte und begann zu spielen und ich stieg mit ein, ließ meine Hände konstant auf den Gitarrenkoffer klopfen und schon bald wurden mehr Menschen auf uns aufmerksam.
Eine kleine Menschentraube bildete sich und immer mehr Geld landete in dem Hut, als ich schließlich aufhörte zu spielen, strahlte Dave mich an.
„Wow… du hast es drauf!“
Schmunzelnd zuckte ich mit den Schultern, stand auf und schnappte mir meinen Rucksack sowie die Tüte vom Zoundhouse. „Danke. Du auch, mach weiter das war auf jeden Fall toll.“
Dave nickte mit leuchtenden Augen und ich verabschiedete mich von ihm … um geradezu gegen den nächsten zu rennen.
Braune Augen, tiefe Jeans, freundliches Grinsen – der Kerl aus dem Zoundhouse.
„Hey.“
„Du schon wieder“ funkelte ich mit gerunzelter Stirn zu ihm hinauf. „Verfolgst du mich, oder so?“
„Na ja“ er kratzte sich am Kopf und zuckte mit den Schultern. „Eigentlich nicht.. aber eigentlich schon, ja.“
Ich legte den Kopf schief und sah zu ihm hinauf – er war sicherlich 15einhalb Inch größer als ich selbst. Ein Riese.
„Du spielst doch. Und das sogar richtig gut.“
Okay. Das war freaky. Ich fragte mich im Stillen was heute nur mit den Leuten los war.
Sie taten ja geradezu als wäre ich Charlie Watts und hätte mich die letzte Zeit in irgendeinem Keller versteckt.
„Und? Argh, jetzt lass mich endlich in Ruhe du Verrückter.“
Ich stapfte an ihm vorbei und konnte nicht glauben, dass er mir auch noch hinterher kam.  
„Warte mal! Warte mal“ murmelte er und blieb wieder vor mir stehen. „Hast du Lust für uns zu spielen? Unser Drummer ist krank.“
Ungelogen – ich starrte ihn bestimmt zwei Minuten lang sprachlos an. Spinnte der jetzt? Wo war Larry und sein gehirnloser Drummer? Das gab es doch nicht!
„Hat Larry dich geschickt?“ fauchte ich ihn harsch an. „Wo ist dieser kleine Pisser?!“
Der Junge runzelte verwirrt die Stirn und schüttelte den Kopf. „Welcher Larry? Ich hab keine Ahnung wovon du redest, aber wir brauchen dich.“
Ich hätte heute gleich im Bett bleiben sollen, ich hatte doch gewusst dass heute etwas Dummes passieren würde.
„Wer ist denn wir? Och maaan, was willst du denn von mir? Lass mich doch einfach in Ruhe.“
„Nope, geht jetzt nicht  - wir sind eine Band und brauchen einen Drummer für unsere Liveauftritte und du bist perfekt dafür.“
„Und deswegen quatschst du mich hier einfach an? Ich will nicht euer Drummer sein, du weißt doch nicht mal ob ich spielen kann! Was … nein. Hör zu, wir tun jetzt einfach so als würden wir uns nicht kennen – was wir ja eigentlich auch nicht tun – du quatschst jetzt jemand anderen voll und ich verschwinde. Okay? Klar?“
Der Kerl sah mich nickend an und ich war mir sicher es mit einem Irren zu tun zu haben.
„Du spielst gut, richtig gut. Du warst doch auch nicht umsonst in der Drumabteilung da oben. Kennst du 5 seconds of summer?“
Ich sah ihn an wie ein überfahrenes Kaninchen. Wer hatte so einen dummen Namen? „Nein?“
„Nein?“
„Nein? Sollte ich?“
„Wir sind weltweit erfolgreich.“ Er war ehrlich empört und die Situation wurde mit jeder Minute immer dämlicher.
„Und ich war mal Peter Pan beim Schultheater.“
Er hielt seinen Daumen nach oben und strahlte mich wie eine 1000Wattglühbirne an.
„Finde ich cool, ehrlich. Ich komm auch mal zu einem Stück wenn du Lust hast, aber bitte, bitte hör dir wenigstens unsere Konditionen an.“
„Eure..was?“ Konditionen? Konditionen? Wovon zum Teufel sprach er da eigentlich!?
„Konditionen, ich mein das ernst! Ehrlich, hier – ich gebe dir die Adresse zu unserem Studio, sagen wir morgen um 10 ja?“
„Ich hab Morgen Schule!“
„Sag nicht du hast noch nie geschwänzt? Wir können nur vormittags, nachmittags haben wir einen Fototermin. Also, morgen um 10 bei dieser Adresse. Denk drüber nach.“
Er gab mir einen kleinen zerknautschten Zettel mit einer Adresse darauf und steckte dann die Hände in die Hosentaschen. „Versprich mir, dass du kommst.“
„Garantiert nicht.“
„Okay. Bis Morgen!“
„Aber“ rief ich noch, aber der Junge war schon um die nächste Ecke verschwunden. Mit großen Augen starrte ich auf den Zettel und schüttelte dann den Kopf.
Bestimmt ein Frauenmörder der mich dort abmurksen und dann essen wollte. Ich würde da bestimmt nicht hingehen, garantiert nicht.

Also.. höchstwahrscheinlich nicht.

Nein.
Garantiert nicht.

Bestimmt nicht! Ich war doch nicht wahnsinnig.

Nein.

Nein, nein, ne…nein.
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