How soon is now?

von Rikuchan
SongficDrama, Schmerz/Trost / P12 Slash
24.12.2014
24.12.2014
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Titel: How soon is now?
P12, Slash | Drama, (Schmerz/Trost)
Inhalt: Harry ist auf der Suche nach der Liebe. Doch wird er sie da finden, wo er sie vermutet?
Lied: How soon is now? - t.A.T.u. (Original: The Smiths)

Kommentar: Hey! ^^
Da ich grad' nicht viel Zeit hab: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! ^^
Dieses Mal hab ich mich an 'nem Songfic gewagt. War eine kleine Schreibübung. :3

Viel Spaß!

LG
Eure Rikuchan
How soon is now?

"Übertreib es aber nicht!" Harry keuchte, als ihm jemand lachend gegen den Rücken schlug.
"Jaah! Weil es ja immer so ist", erwiderte er, dabei zog er die Hand des Kollegen von seiner Schulter. Grinsend schüttelte er den Kopf und sah zum Braunhaarigen herüber, der daraufhin zum Kleiderständer geschritten war um seinen Umhang zu schnappen und ihn unter den Arm zu klemmen. Tom, sein Teampartner, spielte wieder mal auf Finn an, einem weiteren Kollegen eines anderen Aurorteams. Nur zu gern ließ dieser sich über das Wochenende volllaufen, um am Montagmorgen quer über dem Schreibtisch zu hängen. Wenn jemand noch auf Spaß aus war, ließ er den Notfall Anti-Katertrank verschwinden, den Finn immer versteckt in seinem Schreibtisch verstaut hatte. Ein Partygänger durch und durch. Nicht unüblich als Jungspund, wie Tom ihm mal mitgeteilt hatte. Harry wandte sich wieder der Akte zu, um die restlichen losen Blätter einzuheften.
"Vielleicht besorge ich dir noch eine Extraladung Tränke. Nicht, dass du wieder beim Chef auf dem Tisch tanzt!"
"Haha!" Der Auror in Ausbildung zerknüllte einen Schmierzettel und warf ihn dem Braunhaarigen entgegen. Lachend blockte dieser ihn ab.
"Wolltest du nicht gerade gehen?"
"Stimmt", Tom nickte. "Also, wir sehen uns dann am Montag." Harry hob zum Abschied die Hand, dann fiel die Bürotür ins Schloss. Dumpfe Schritte verklangen. Langsam ließ er seine Hand wieder sinken. Der Schwarzhaarige blickte zur Akte auf dem Tisch vor sich. Er kniff die Brauen leicht zusammen. Sein Kollege machte gerne Witze über die Tatsache, dass er das komplette Gegenteil von Finn zu sein schien. Finn, der Laute – Harry, der Stille. Gut. Er konnte situationsbedingt auch sehr aufbrausend werden. Im Allgemeinen war er aber wohl eher der ruhige Typ. Finn, der von Ort zu Ort tingelte – Harry, der meist bei ihm bekannten Plätzen verharrte. Finn, der ein Haufen von Leuten kannte – Harry, der generell nur mit einer Handvoll Menschen zu tun hatte. Nicht, dass er da etwas dagegen hätte! Das waren seine besten Freunde und niemals wollte er sie mit anderen tauschen wollen. Sie waren ihm wirklich kostbar. Doch in Bezug eines anderen Themas würde er schon gerne mehr Kontakt zu anderen Leuten haben. Ein Seufzen entfuhr seinen Lippen. Er klappte die Akte zu.
Mit einem Wink seines Zauberstabes flog sie zu einem der weißen Regale an der Wand und ordnete sich alphabetisch ein. Dann erhob sich Harry.
Vielleicht würde er heute seinem gewissen Problem in Angriff nehmen und sich dem Fragment widmen, welches in seinem Leben fehlte. Nachdem er seinen Umhang angezogen hatte, schulterte er seine Umhängetasche. Vielleicht war ja heute sein Tag? ... Aber wer konnte ihm das schon sagen. Kurz kreiste er seine verspannten Schultern, ehe er zur Tür ging und das Büro verließ.

Langsam durchquerte er den Flur. Immer wieder nickte er den Ministeriumsmitarbeitern, an denen er vorbei ging, zu, als sie sich von ihm mit einem Gruß verabschiedeten.
Täglich grüßte er gefühlt Hunderte von Menschen. Die meisten Namen kannte er jedoch nicht. Er wusste nur die, mit denen er zusammenarbeitete, und die Namen und Gesichter der Chefs der Ministeriumsabteilung, die eng mit der Aurorenzentrale in Verbindung standen. Ihre Namen zu wissen war eine Pflichtaufgabe. Harry betrachtete kurz das Gesicht einer jungen, blondhaarigen Frau, die ihn eben zugelächelt hatte. Gleich darauf war sie wieder in einem aufgeregten Gespräch mit einer anderen Angestellten vertieft. Er wandte den Blick ab. Wäre er Ron gewesen, hätte er es bestimmt geschafft, ihr einige nette Worte entgegenzubringen. Mit einiger Zeit würde dieser es sogar bestimmt schaffen ein freundschaftliches Verhältnis zu ihr aufzubauen. Ein kleines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Sein bester Freund hatte sich in den letzten Jahren wirklich entwickelt. Er war ein Typ der Offenheit und der vielen Worte geworden. Nichts zeugt mehr von dem Mädchenschreck, dass er einst in Hogwarts gewesen war. Okay, die leicht spannungsgeladene Beziehung zu Mine wird wohl immer bleiben. Doch selbst da hatte er sich verbessert. Das war wohl auch notwendig gewesen, damit er mit Mine zusammenkommen konnte. Dass sie immer noch zusammen waren, sprach auch für sich.
Während er auf den Aufzug wartete, verblasste sein Lächeln. Sein Kumpel hatte es geschafft – im Gegensatz zu ihm. Müde fuhr er sich durchs Haar. Eigentlich wollte er darüber lieber nicht nachdenken.

I am the son
And the heir
Of a shyness that is criminally vulgar

Als der Auror durch das volle Atrium schlürfte, entdeckte er viele wartende Menschen in der Nähe der Kamine. Menschen, die auf ihren Partner warteten um ihn oder sie abzuholen. Er sah, wie sich ein Paar mit einem kurzen Kuss begrüßte. Harry stellte sich an eine der Schlangen vor den Kaminen an. Zügig ging es voran. Gedankenverloren kratzte er sich am Handrücken. Abgesehen von seinen Freunden, hatte ihn noch nie ein Partner abgeholt. Aber wie sollte es auch gehen. Innerlich lachte er bitter auf, während er nach dem Flohpulver griff. Wenn man keine Partner hatte, konnte einem auch keiner abholen. Mit einem Knall verschwand er aus Ministerium.

Zu Hause begrüßte ihn eine stille Wohnung. Es war nahezu stockfinster. Zu dieser Jahreszeit hatte sich die Sonne schon längst verabschiedet. Nur diffus strahlte der Mond sein Licht und zeichnete so die Umrisse einiger Möbel ab. Harry schaltete die Deckenlampe an. Eine spärlich eingerichtete Wohnung offenbarte sich ihm. Das Haus am Grimmauldplatz hatte er nicht bezogen. Alleine in diesem Ort zu wohnen empfand er zu bedrückend. Der Schwarzhaarige trat in den Raum. Doch ob es sich in dieser Dreizimmer-Wohnung besser aushalten ließ, war schwer zu sagen. Seinen Umhang warf er über das schlichte schwarze Sofa, seine Tasche landete auf einem Stuhl am Esstisch. Hermine hatte ihn oft dazu aufgemuntert, seine Wohnung doch zumindest ein bisschen zu dekorieren. Doch er hatte es abgelehnt. Ihm war einfach nie danach gewesen. Die Dinge, die er hatte, reichten ihm. Recht funktionell könnte man es bezeichnen. Pragmatisch. Warum mehr haben, als man braucht? So kam er gut klar. Sein Blick flog über die kahlen Wände. Leben konnte er auch ohne Bilder.

Er machte sich zur Küche auf um sich etwas Abendessen zuzubereiten. Zurück im Wohnzimmer stellte er seine Mahlzeit auf den Couchtisch und ließ sich auf das Sofa nieder. Gewohnt schnappte er sich die Fernbedienung, schaltete den Fernseher an und zog seine Beine angewinkelt auf die Couch, um sich mit verschränkten Armen darauf abzustützen. Bilder einer Klatschsendung flimmerten über den Bildschirm. Er senkte seinen Kopf auf seine Arme.
Euphorisch präsentierte eine schlanke Moderatorin die Nachrichten. Jemand hatte ein Baby bekommen, auf der Gala hatte jemand ein rotes Kleid getragen, jemand anderes hatte sich auf einer Party volllaufen lassen. Harry blinzelte. Ein Bericht einer Homestory folgte.
Pracht- und prunkvoll. Der Schwarzhaarige erinnerte sich, wie ihn vor einiger Zeit eine junge Frau angesprochen hatte, um zu fragen, ob er wirklich Bilder von Menschen aufhängte, die er hinter Schloss und Riegel gebracht hatte. Er hatte sie mit offenem Mund angestarrt, ehe er dies revidierte. Es stellte sich heraus, dass in einer der Frauenzeitschriften spekuliert worden war, wie es bei einigen Menschen wohl zu Hause aussehen würde. Auch er war dabei gewesen. Der Aussage der Frau nach vermuteten einige Journalisten, dass er in einer Villa wohnte oder zumindest ein eigenes Quidditchfeld besaß. Genervt seufzte Harry. Manche Leute hatten aber auch Ideen. Dass er wie alle anderen ein normales Leben führte, die Miete zahlte und den Müll herausbrachte, das war wohl für gewisse Leute unvorstellbar. Er zappte zu einer Comedyserie, dann begann er zu essen.

I am the son and heir
Of nothing in particular

Vorsichtig trat der Auror aus der engen Duschkabine. Einige Wassertropfen trommelten noch auf den Keramikboden, als er das Handtuch von der Stange nahm. Er rubbelte sich ab. Anschließend wischte er mit der Hand über den beschlagenen Spiegel. Die Sicht klärte sich. Ein verschwommenes Ebenbild sah ihm entgegen. Wieder tupfte er mit dem Tuch gegen seine Haare.
Eine schwarze Jeans, ein weinrotes T-Shirt und ein schwarzer Kapuzenpullover hangen bereit an den Hacken der Tür. Sein Blick schweifte kurz über die Sachen, ehe er sich dem Spiegel widmete, um sich Kontaktlinsen einzusetzen. Ob er heute jemanden finden würde? Er rollte die Augen und blinzelte mehrmals, dann war das andere Auge dran. Er hatte beschloss ins Underground zu gehen. Dort hatte er schon mal Glück gehabt. Die andere Linse saß. Grüne Pupillen stierten ihn an. Er zupfte an seinen Haaren.
Neben seiner Unterkunft wurde auch ständig spekuliert, mit wem er denn zusammen war.
Nur zu oft hatte er in der Vergangenheit Überschriften wie "Ex des Helden" auf Zeitungen lesen können. Obwohl er seit der Hogwartszeit nicht mehr mit Ginny zusammen gewesen war, zerrten die Medien seine Jugendliebe immer wieder auf das Deckblatt. Das bewiesen die Bilder, die ihr strahlendes Gesicht präsentierten, wenn er an einem Kiosk vorbei kam. Hatten sie nichts Besseres zu tun oder wichtigere Themen über die sie berichten konnten? Anscheinend nicht. Harry grummelte. Da sich aber niemand an seiner Seite finden ließ, musste wohl sie herhalten. Für Ginny war es wohl nicht minder nervig. Ein Glück, das sie ihr Privatleben jedoch gut bedeckt halten konnte. Mehr als oberflächliches Gerede und Spekulieren war bis jetzt nicht ausfindig zu machen. Gut so!
Er hoffte wirklich, dass die Medien bald ganz von ihr ablassen würden. Solchen Stress hatte sie nicht verdient. Auch wenn sie nicht mehr zusammen waren, war sie ihm immer noch eine gute Freundin. Sollte es schlimmer werden, würde er ihr selbstverständlich helfen, dem entgegenzuwirken – auch wenn er noch nicht wusste, wie es das bewerkstelligen sollte. Sie hatte ihm aber oft darauf hingewiesen, dass sie mit so etwas schon fertig werden würde. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. Das glaubte er ihr nur zu gerne.
Harry zog sich seine Sachen an.
Bedächtig strich er sich seinen Pullover glatt. Nach einem prüfenden Blick in den Spiegel griff er sich seinen Zauberstab auf der schmalen Ablage unter dem Spiegelschrank. Nun, es war nicht so, dass er nicht gerne jemanden an seiner Seite hätte. ... Die Zauberstabspitze richtete sich auf seine Haare. Es war einfach nur sehr schwierig jemanden zu finden. Zumindest – für jemanden wie ihn. Er schluckte. Ein Trockenzauber entfernte die restliche Feuchtigkeit aus seinen Haaren. Die Nässe ging, doch legte sich dafür eine Kälte um sein Herz. Stumpf starrte er in den Spiegel, ohne etwas zu sehen. Vielleicht – vielleicht hatte er heute mal Glück. ... Vielleicht.

An einem Tresen stehend, wartete Harry auf sein Bier, welches gerade von einer braunhaarigen Barkeeperin fertiggemacht wurde. Er ließ seinen Blick durch den Club streifen. Sie blieben an einem braunhaarigen jungen Mann hängen, der sich mit seinen Freunden an einem Stehtisch gestellt hatte. Dieser sah ihn einige Sekunden neugierig entgegen, ehe er sich dem Mann zu seiner rechten widmete. Harrys Blick blieb einige Zeit weiter auf ihn haften, dann bezahlte er sein Getränk.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, erblickte er eine verlassene Betthälfte.

You shut your mouth
How can you say
I go about things the wrong way?

"Sie sind wirklich sehr nett." Hermine goss Wasser in seinem Glas nach. "Ich könnte ja mal ein gemeinsames Treffen arrangieren. Nichts Großes, einfach, damit man sich mal kennenlernt." Hermines Locken erzitterten, als sie enthusiastisch nickte. Skeptisch sah Harry seine Freundin an. Ron zuckte nur mit den Schultern. Irgendwie glaubte er ja nicht, dass er aus dem B.Elfe.r Verein jemanden fand, der ihn ansprach. Aus Mines Erzählungen her scheinen sie zwar sehr nett zu sein, und wenn sie Elfen halfen, hatten sie bestimmt das Herz am richtigen Fleck, aber ... wöchentliche Demonstrationen, Kulturveranstaltungen, das übermäßige Gerede von Elfenrechten. Harry biss sich auf die Unterlippe. Da fehlte einfach der Reiz. Natürlich durfte jeder machen, wonach ihm war. Doch er zweifelte, dass er mit so einem Partner klarkam. Zwar würde auf jeden Fall diejenige oder denjenigen unterstützen, soweit es ging, doch wenn das eigene Interesse den Themen nicht so ausgeprägt war ... Harry fuhr mit dem Nagel am Glasrand entlang. Vielleicht war das Ganze auch nur eine Sache der Gewöhnung.
"Jane und Andy wollten dich auch eh schon seit einiger Zeit gerne kennenlernen." Harry legte den Kopf schräg und schnipste gegen das Glas. Sein Wasser erzitterte. Der Schwarzhaarige betrachtete die kleinen Wellen. Natürlich war es nett, wenn Mine ihm etwas unter die Arme greifen wollte. Aber ... zeugte so etwas aber nicht auch nur von seiner Unfähigkeit? Er seufzte lautlos. Das Ganze ähnelte ja schon dem Klischee, als würde seine eigene Mutter sich durch Kontaktanzeigen wühlen. Und nein! Er glaubte nicht, dass seine Mutter je so getickt hätte! Das hoffte er sehr.
Ein schiefes Lächeln bildete sich auf Harrys Gesicht. "Ich werd's mir überlegen."

Der Schwarzhaarige richtete seinen Schal. Ein letzter kritischer Blick fiel in den Spiegel. Dann verließ er seine Wohnung.

I am Human and I need to be loved
Just like everybody else does

Harrys Bein wippte nervös auf und ab, während sein Blick umherwanderte. Er saß auf einem Barhocker an einem kleinen runden Tisch. Vor ihm stand ein halb leeres Bierglas. Seine Hände fummelten abwesend an einem Bierdeckel herum. Laute Musik schallte aus den Boxen nahe der Tanzfläche. Verschiedene Gruppen tummelten sich hier im Untergeschoss. Der Schwarzhaarige sah lachende Gesichter, gestikulierende Menschen, die in Gesprächen vertieft waren, vereinzelte Leute tanzten. Eine Gruppe spielte Billard. Der Auror verfolgte die Bewegung einer jungen Frau, die mit den Kö auf eine Kugel zielte. Kurz kam ihm der Gedanke zu fragen, ob er mitspielen durfte. Mit einem Klacken landete die Kugel im Loch. Die Frau lachte erfreut auf, dann widmete sie sich dem nächsten Zug. Harry blinzelte. Vielleicht war es auch besser, sich rauszuhalten. Mit seinem Können könnte das für ihm doch eher peinlich werden. Er sah zu dem Bierdeckel zwischen seinen Fingern. Natürlich ging es um Spaß und nicht um Können. Das war klar. Zusätzlich wäre da aber auch noch die Sache mit dem Ansprechen. ... Vielleicht doch lieber ein anderes Mal. Der Schwarzhaarige ließ seinen Kopf in den Nacken sinken. Ein Seufzen entfloh ihm.
Heute hatte er nicht so viel Glück. Die Leute, die ihm interessant erschienen, nahmen keine Notiz von ihm. Wie es aussah, hatten sie schon ein Date, dem sie sich widmen wollten. Harry nahm sich einen Schluck. Er würde das Glas noch austrinken, kurz warten, dann aber gehen, sollten sich keine neue Leute einfinden. Wieder griff er zum Bierdeckel.

There's a club, if you'd like to go
You could meet somebody who really loves you
So you go, and you stand on your own

Kalter Wind blies ihm ins Gesicht, als er die Straße herunter schritt. Er vergrub sein Kinn in seinem Schal. Seine Hände hatte er tief in seinen Taschen vergraben. Niemand hatte ihn heute angesprochen. Er starrte beim Gehen auf den gepflasterten Boden vor sich. Keiner hatte Interesse gehabt. Als er an einer kleinen Brücke ankam, blieb er auf ihr stehen und blickte über das Geländer herüber. Sein Blick wanderte über die Wasserspiegelung hinauf zum Nachthimmel. Die Sterne blieben versteckt hinter den dunklen Wolken. Nur der helle Mond war zu sehen. Eine Windböe zerrte an seinen Haaren, die wiederum sein Gesicht kitzelten. Ein freudloses, fast lautloses Lachen entwich ihm. Zumindest war er nicht der Einzige, der allein war. Nach wenigen Schritten disappierte der Auror im Schatten einiger Bäume. Der Mond strahlte unentwegt weiter.

Zu Hause angekommen entledigte er sich seiner Sachen und schlüpfte in Schlafklamotten. Erschöpft fiel er in sein Bett. Im leicht benebelten Zustand drehte sich die Matratze, doch das Schwanken beruhigte sich langsam. Die Stille, die er darauf bemerkte, war umso stärker. Eine Welle von Traurigkeit schwappte über ihn. Hart kniff Harry seine Augen zusammen, spürte, wie Feuchtigkeit in ihnen aufstieg. Eisern biss er ebenso seine Zähne aufeinander, um ein Wimmern zu vermeiden. Er war so erbärmlich – er war so ... einsam. Tränen liefen ihm quer über das Gesicht. Er tauchte unter seine schwere Bettdecke.

And you leave on your own
And you go home, and you cry
And you want to die

Lächelnd begrüßte Harry seine Kollegen. Sie tauschten einige Worte aus, ehe die Arbeit sie einholte. Hausbesuche, Vernehmungen, Berichte. In einer Mittagspause schmunzelte er über einen Witz von einer Angestellten. Mal telefonierte er mit Hermine, an einem anderen Tag besuchte er Neville. Einkäufe wurden erledigt, die Wäsche gewaschen. Er stolperte den alltäglichen Trott hinterher.

When you say it's gonna happen "now"
Well, when exactly do you mean?
See I've already waited too long
And all my hope is gone

Harry starrte zu den weit entfernten, grell beleuchteten Clubschild herüber. Ein Arm lehnte auf dem Geländer der Brücke. Er hatte wieder vorgehabt ins Underground zu gehen, doch wie von selbst hatten sich seine Füße hier verwurzelt. Etwas hielt ihn ab, weiter zu gehen. Harry sank den Blick, drehte sich dem kleinen Fluss zu. Dabei fuhr seine Hand über das rostige Metall. Er seufzte. Leicht beugte er sich vor, um seine Arme auf dem Geländer abzustützen. Er wusste nur zu sehr, was ihn abhielt. Das hatte er schon seit einiger Zeit gespürt, es hatte sich mit jedem weiteren Besuch verstärkt. Harry sah zum trüben Wasser hinab. Es war die Erkenntnis, dass er auf diesem Weg keinen kennenlernen würde, den er mag und der ihn mag. Jemanden, den er lieben konnte.

You shut your mouth
How can you say
I go about things the wrong way?
I am Human and I need to be loved
Just like everybody else does

Der Mond tauchte hinter einigen Wolken auf, spiegelte sich auf dem Wasser. Vielleicht hatte er wirklich zu voreilig gehandelt. Clubs gehörten unter anderen zu den Orten, an dem man gut neue Leute kennenlernen konnte. So eine Chance hatte er sich nicht entgehen lassen wollen. Neben manch seltsamen Käuzen gab es wirklich nette Leute, die man treffen konnte. Wie er festgestellt hatte, waren sie aber nie auf was Festes aus. Nachdenklich fuhr er sich über seine Unterlippe. Vielleicht war es aber wirklich nicht der richtige Ort dafür um das zu finden, was er suchte. Möglicherweise war für ihn auch nicht der richtige Zeitpunkt da. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Kannte man ja. Harry schloss die Augen und ließ das leise Plätschern des Flusses auf sich wirken. Wohlmöglich sollte er die Sache ruhiger angehen lassen. Vielleicht dem Zufall überlassen? Mit der Zeit würde sich schon etwas arrangieren. Das würde es ganz bestimmt. Tief atmete er durch, spürte eine erfrische Kälte in seinen Lungen. Das war wohl wirklich das Beste. Er öffnete wieder die Augen. Seine Aktion hatte ja schon etwas Zwanghaftes an sich gehabt. Ein kleines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Damit würde es aber nun vorbei sein. Mit den Handflächen schlug er gegen das Metall. Er würde gleich nach Hause gehen, kurz aber noch die Nacht genießen.


"Wenn das nicht Potter ist", kam es dicht an seinem Ohr.
Harry machte einen Satz zur Seite und fuhr erschrocken herum. Wenige Meter vor ihm stand Malfoy mit den Händen in den Taschen vergraben und sah ihm belustigt entgegen.
"So schreckhaft?", er legte den Kopf schief, "nicht gerade eine passende Angewohnheit für einen Auror." Harry blinzelte, öffnete den Mund um ihn wieder wortlos zu schließen. Stand da wirklich Malfoy neben ihm? In einer Muggelgegend?
"Ein Freund der vielen Worte warst du ja noch nie gewesen. Hat man in der Schule sichtlich gemerkt." Seine Augen funkelten.
"Hey!", gab der Schwarzhaarige verärgert von sich, "nicht jeder muss gleich ein Streber sein. Meine Noten haben vollkommen gereicht!"
"Scheint so", antwortete Malfoy lässig. Dieser ...
"Es ist so!"
Harry erhaschte ein kurzes Grinsen auf dem Gesicht des Blonden, ehe es wieder Arroganz ausstrahlte. Er lehnte sich mit der Hüfte gegen das Geländer.
"Was machst du hier?" Harry konnte sich die Neugier nicht verkneifen.
"Dich ärgern."
"Malfoy!"
"Wie es scheint mit Erfolg."
Unbewusst trat Harry näher zum Anderen.
"Was ich meinte, ist, was du hier in einer Muggelgegend zu suchen hast?" Vorwurfsvoll sah der Schwarzhaarige ihn an.
"Nun, mein lieber Potter", er machte eine ausladende Bewegung, "ich war mit meinem Freund Herrn Blaise Zabini in einigen Clubs dort drüben", er deutete die Straße hinunter, "mir verging die Lust und wollte so lang die Zeit in Marthas Kneipe totschlagen, als sich auf dem Weg dort hin mir der Held der Zauberwelt in den Weg gestellt hat." Leicht kniffen sich Harrys Brauen zusammen. In den Weg gestellt ... hier war ja wohl genug Platz, um an ihm vorbei zu kommen. ... Die Stichelei durch den Begriff Held ignorierte er geflissentlich.
"Dass du in Muggelclubs feiern gehst."
"Zauberer kommen auch hier her."
"Schon, aber eben auch Muggel."
"Schwund gibt es überall."
"Hey!"
"War doch nur Spaß, bei Merlin! Potter, reg dich ab."
Daraufhin schnaufte Harry nur. Der hatte natürlich wieder gut reden. So ein Kommentar von einem selbstverliebten Reinblüter war nicht anders zu erwarten. Der Fakt, dass er mit Muggeln feierte, ließ ihn dennoch stutzen. Marthas Kneipe wurde zudem auch noch von einer Muggel geführt. ... Harry strich sich über die Stirn. Malfoy bereitete ihn Kopfschmerzen. Nicht, dass es an der zunehmenden Kälte lag! ... Er wandte den Blick von Malfoy ab. Vielleicht sollte er sich wirklich langsam aufmachen. Er stand schon lang genug hier herum.
"Na dann wünsch ich dir einen guten Durst." Als er wieder zum Blonden sah, blickte ihn dieser verwirrt entgegen. Kurz runzelte Harry über die Tatsache die Stirn, als es ihm einleuchtete. Er hatte gerade Malfoy etwas Nettes gesagt. Das Gesicht des Aurors verdüsterte sich. Scheinbar war er echt durch. Er sollte WIRKLICH verschwinden.
"Tschüss Malfoy."
Keine zwei Schritte war er gegangen, als ein "warte" hinter ihm ertönte. Der Schwarzhaarige blieb stehen und warf einen Blick über seine Schulter. Der Ex-Slytherin hatte seine Lippen zu einem schmalen Strich gepresst, während er zum Fluss herüber sah. Harry fand, Malfoy sah aus, als hätte er eben in eine Zitrone gebissen. Jetzt war Harry derjenige, der verwirrt war.
"Was ist?"
Malfoy verschränkte die Arme und atmete angestrengt aus. Kurz räusperte er sich, ehe er sprach.
"Willst ... willst du mitkommen?" Er biss sich auf die Unterlippe und sah ihn immer noch nicht an. Harry hingegen stierte ihn mit offenem Mund an. Malfoy hatte ihn gerade wirklich zum Trinken eingeladen? Malfoy? Ihn? Sie beide?! Es verschlug ihm die Sprache.
Einige Sekunden vergingen, als er nachfragte.
"Du meinst mich?", dabei deutete Harry mit dem Zeigefinger auf sich.
Mit einem Ruck sah der Blonde zu ihm und blitzte ihn wütend an.
"Nein, ich hab den streunenden Köter dort drüben gemeint. Salazar! Natürlich dich! Bist du etwa so begriffsstutzig?"
Die seltsame Anspannung, die eben noch geherrscht hatte, verpuffte mit einem Mal.
"Nein, bin ich nicht!", Harry schüttelte den Kopf. "Dass du mich so etwas fragst, ist nun mal komisch. Das kannst du doch nicht leugnen."
"Also – ja oder nein?", giftete der Blonde ihn an.
"Ja!", gab Harry genauso inbrünstig wieder.
"Na, geht doch!", ein Grinsen schlich sich auf Malfoys Gesicht. Mit erhobenem Haupt schritt dieser an ihm vorbei. "Zur Kneipe geht es in diese Richtung." Er ging weiter.
Der Schwarzhaarige blinzelte. Er hatte soeben Malfoy getroffen. Dieser lud ihn zum Trinken ein. Finde den Fehler. ... Ob die Kekse, die ihm Tom geschenkt hatte und er noch kurz vorher gegessen hatte schlecht gewesen waren?
"Potter?" Harry hatte sich immer noch nicht bewegt und Malfoy nur hinterher gestarrt. Dieser war nun stehen geblieben und blickte zu ihm zurück.
"Bist du am Geländer eingefroren?" Leicht schüttelte Harry den Kopf. Unwillkürlich musste er grinsen. Bewegung kam nun im Schwarzhaarigen auf. Eilig folgte er den Grauäugigen, der nun wieder weiter geschritten war. Er passte sich seinem Tempo an. Ohne es zu wollen, strahlte er den Blonden an. Dieser hob daraufhin die Braue, als sich ebenso ein dezentes Lächeln auf sein Gesicht schlich.
"Und du jagst also weiterhin die Bösen?" Harry ging auf das Gespräch ein. Gemeinsam gingen sie ihre Wege.

Danke für's Lesen! ,,^__^,,