Die Stille nach dem Angriff

von Roheryn
KurzgeschichteAllgemein / P12
24.12.2014
24.12.2014
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Hier mein Wichtelgeschenk für Wayfare, ich hoffe, es gefällt und wünsche frohe Weihnachten


Ein weiterer Blick an den Himmel und ich stelle mir die Frage, wie viel Zeit wohl vergangen ist. Es ist eine Frage, die ich nicht so genau beantworten kann. Ich vermag nicht einmal zu sagen, wie lange ich gebraucht habe, um die Monster zu vertreiben, die hier ihr Unwesen getrieben haben. Zugleich kann ich mein Glück kaum fassen, es ist kein Leichts, die Ra’zac in die Flucht zu schlagen. Ich mag lange davon geträumt haben, sie zu töten, doch bezweifle ich, dass mir das möglich wäre.
 Es sind nicht die wilden Träume, die mich am Leben erhalten haben und auch das weiß ich. Ein Leben ist kostbar… MEIN Leben ist Kostbar.
 Noch verharre ich einen Moment, senke den Bogen, der mich eben noch in die siegreiche Position gebracht hat, dann gebe ich meine Deckung auf und laufe zu ihnen hinüber. Zuerst will ich zu dem Jungen, doch der Drache faucht nur. Also schön, dann bleibt er liegen. Mein Verstand mag nach meinem Angriff auf die Ra’zac zwar etwas sein, an dem man berechtigte Zweifel erheben darf, aber das bedeutet nicht, dass ich mich gegen einen wütenden Drachen stelle. Da ist allerdings noch der andere Mann, von dem ich weiß, dass er von einer geworfenen Klinge getroffen wurde.
 „Lässt du mich zu ihm, Drache? Wenn nicht, bin ich nicht für sein Leben verantwortlich“, sage ich zu dem Drachen und frage mich, warum eigentlich. Selbst wenn der Drache mich nach dem Alten sehen lässt, bin ich nicht für dessen Wohlergehen verantwortlich. Ich bin kein Heiler, auch wenn es nicht so schwer ist, eine Wunde zu verbinden. Doch das ist kein Garant dafür, dass eine Wunde überlebt werden kann.
 Tatsächlich lässt mich der Drache vor, doch ein Vorteil und ich finde das steckende Messer schnell. Immerhin ist es noch im Körper, damit hat er nicht so viel Blut verloren, wie im anderen Fall. Eilig krame ich hervor, was ich brauche, um die Wunde zu verbinden. Erst als ich alles habe, ziehe ich das Messer heraus und mache mich an das Werk. Beinahe kann ich die Stimme meines alten Lehrmeisters hören. Wie er mir erklärt hat, was genügend Druck ist und was zu viel wäre. Es ist seltsam, wie man sich an solche Dinge erinnert und auch genau weißt, dass es nicht ausgereicht hat, der Person, die einem etwas bedeutet hat, das Leben zu retten. Aber einen Versuch ist es zumindest wert.
 Als ich den Verband schließlich schließen will, öffnen sich die Augen des Mannes ein wenig, nicht weit, aber etwas und er scheint bei Bewusstsein zu sein, nicht, dass ich etwas davon hätte, er stöhnt nur leise, aber noch lebt er. Nach wenigen Augenblicken versucht er sich umzusehen und ich lege ihm eine Hand auf die Schulter, um ihn daran zu hindern. Ich weiß nicht genau, wie es ist eine solche Wunde zugefügt zu bekommen, aber es kann nicht gesund oder angenehm sein. „Vorsicht…“, mahne ich sicherheitshalber noch einmal, doch meine Worte scheinen Wirkungslos zu sein. Warum habe ich überhaupt gesprochen?
 „Ra…?“
 Ich kann mir denken, was der Mann wissen will und meine Lippen zucken leicht. „Sind in die Flucht geschlagen, alter Mann, seitdem sind sie auch nicht wieder gekommen“, erkläre ich betont ruhig, als wäre es etwas natürliches, diese Monster zu verjagen. Das ist es nicht, natürlich nicht, aber wer weiß, ob ihm das bewusst ist. Außerdem würde die Wahrheit nicht zu seiner Beruhigung beitragen. Ich spüre, wie der Alte ausatmet und sich entspannt.
 „Era…gon?“
 Ein Name, vermutlich der Name seines jungen Begleiters. „Bewusstlos, denke ich, aber die Echse hat mich nicht nach ihm sehen lassen.“ Ist meine trockene Antwort, auf die ein scharfes Fauchen folgt. Beschwichtigend hebe ich meine Hände und drehe die Handflächen nach außen. Ich brauche keinen Drachen, der mich anknabbert, das ist auch nicht mit meinem Wunsch, zu überleben, zu vereinbaren.
 „Pass auf ihn auf…“
 Ich zuckte etwas zusammen und bin mir nicht sicher, ob es das ist, was es zu sein scheint. Hat dieser alte Mann, der ohne mein Zutun verblutet wäre, die Mauern um meinen Geist überwunden, ohne dass ich es spüre? Das ist kaum möglich, oder doch?
 Ich bin vielleicht kein Magier und doch habe ich gelernt, mich gegen diese Abzuschirmen und ich bin gut darin. Wäre es anders, dann würde ich heute nicht mehr leben. Dann wäre der Hinterhalt, n den wir bei meiner Flucht geraten sind schlimmer gewesen, nicht zu überleben. Es hätte keinen Weg gegeben zu entfliehen und doch bin ich hier und bislang hat mich auch niemand aufgespürt. Was gerne auch so bleiben kann, ich brauche niemanden, der mich jagen will, ich brauche niemanden, der mich wie ein Tier hetzt. Mich anschließend zum wahnsinnigen König bringen will und noch weniger will ich wissen, was dieser mit mir machen würde. Mit dem Abtrünnigen Sohn eines Abtrünnigen… es hat beinahe etwas ironisches, dass ich mich von dem Mann abgewandt habe, für den mein Vater die anderen Reiter verraten hat.
 Ich sollte nicht an ihn denken und mich lieber dem Mann vor mir zuwenden.
 „Auf wen?“, frage ich leise auch wenn ich es mir denken kann, er wird wohl seinen Begleiter meinen und niemanden sonst. Wobei… vielleicht auch den Drachen, wer weiß, doch war dieser nicht das einzige Weibchen in den verbleibenden Eiern? Ich bin mir nicht sicher, vielleicht hatte Galbatorix etwas gesagt… vielleicht ist es aber nur ein Trugschluss meiner Erinnerungen.
 „Eragon“, haucht er und seine Augen klappen wieder zu.

Und ich? Ich sitze neben ihm und frage mich, was ich machen soll. Wer vertraut einem Fremden einen Reiter an?
Die Antwort scheint einfach zu sein, ein Mann, der nicht glaubt zu überleben. Aber vielleicht… vielleicht kommt er durch…
Es wäre Wünschenswert und würde mir einige Entscheidungen abnehmen.

Ein weiteres Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. Eragon scheint zu sich zu kommen und ich stehe auf.
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