Princessa

von Tasha
GeschichteDrama, Familie / P12
A.D.A. Rafael Barba
23.12.2014
27.03.2019
6
10145
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„Verdammt! Das war aber endgültig!“
Fin hatte zwar eine ziemlich flapsige Art, Dinge auszudrücken, aber wenn man andererseits vor einer solchen Brandruine stand, war es das Treffendste, was es dazu zu sagen gab.

„Ich denke mal, hier werden wir Deggins nicht mehr finden.“
Nick ließ seinen Blick über die Ruine schweifen, die mal ein Wohnblock gewesen war.
„Höchstens gut durchgebraten.“

„Nick, bitte!“
Streng sah Liv ihren Partner an. Sie hatten Christian Deggins zwar wegen ziemlicher Porno-Schweinereien gesucht, aber so etwas musste man dann doch wieder nicht über einen höchst wahrscheinlich Toten sagen.

„Ja, ja, ist ja gut!“, wiegelte der junge Latino-Detective ab. „Wollen wir dann?“

Die Feuerwehr hatte ihnen das Okay gegeben, die Ruine zu betreten. Sie sollten aber nicht zu weit hineingehen.

„Mal eine bescheidene Frage!“
Fin wandte sich nach ein paar Schritten zu seinen Kollegen um.
„Was genau suchen wir überhaupt? Ich meine, wenn Deggins wirklich während des Brandes hier war, dann dürfte von ihm – wie Nick schon gesagt hat – nicht mehr viel übrig sein. Und was wir finden, kann wohl höchstens noch Melinda identifizieren.“

Und da hatte er Recht. Eine Brandleiche hatte kaum mehr etwas mit der vorherigen Person gemein – zumindest nichts, was man mit bloßem Auge hätte identifizieren können.

„Ich…“
Seufzend lehnte Liv sich vorsichtig an eine Wand. Fin hatte ja Recht: Das hier war sinnlos. Sie hatte nur irgendwie gehofft, ihr Verdächtiger hätte es rausgeschafft und sie hätten ihn festnehmen können.

„Hey! Kommt mal her!“
Der Ruf kam von Amanda, die weiter in das ausgebrannte Gebäude reingegangen war.

„Was ist los, Amanda?“
Fragend sah Liv ihre blonde Kollegin an.

„Da!“
Mit einem Nicken wies Amanda auf ein umgestürztes Mauerstück über einem Loch im Boden. Liv kniff die Augen zusammen und als Fin dann in den Spalt leuchtete, konnte sie ein kleines Mädchen erkennen, das da unten hockte. Die Kleine musste nach dem Brand hereingeschlüpft sein, sonst wäre sie wohl nicht mehr am Leben.

„¡Vete!“

Liv drehte sich zu Nick um. Sie hatte zwar identifizieren können, dass die Kleine Spanisch sprach, aber nicht, was sie gesagt hatte.

„Sie sagt, wir sollen weggehen“, antwortete der junge Detective ungefragt, bevor er sich vor den Spalt hockte, um mit der Kleinen zu sprechen. „No vamos nada a hacer. Mi nombre es Nick. Soy de la policía. Estos son mis colegas Liv, Amanda y Fin. Nos quieren ayudarte.”
(Wir tun dir nichts. Ich heiße Nick. Ich bin von der Polizei. Das sind meine Kollegen Liv, Amanda und Fin. Wir möchten dir helfen.)

„¡No, no, no! ¡Vete!“

Seufzend richtete Nick sich auf, nachdem die Kleine noch weiter in das Loch hineingekrochen war.

„Keine Chance, Liv! Ich komm nicht an sie ran.“

„Aber wir müssen sie da rausholen!“, protestierte Amanda. „Sie kann doch nicht hierbleiben!“

„Ich weiß!“, fauchte Nick seine Kollegin an. „Aber was sollen wir denn machen? Sie mit Gewalt da rauszerren? Und selbst dafür müsste erstmal einer da runterkommen!“

„Hey, hey, hey!“
Fin trat zwischen die beiden jungen Hitzköpfe, ehe sie sich noch richtig in die Haare bekamen, während Liv – die die ganze Zeit den Spalt beobachtet hatte – ihr Handy aus der Tasche zog.
„Ich habe eine Idee.“


„Ich hoffe, Sie haben einen guten Grund, mich hierher zu bestellen.“
Mit leicht entnervtem Blick, der sich beim Eintreten in einen skeptischen ob der Statik umwandelte, betrat der stellvertretende Staatsanwalt Rafael Barba etwa 10 Minuten später das ausgebrannte Wohnhaus.
„Einen besseren, als mir ein ausgebranntes Haus zeigen zu wollen.“

„Liv?“
Fragend sah Nick seine Partnerin an. Er hatte keine Ahnung, wieso diese jetzt Barba angerufen hatte.

„Ja, einen deutlich besseren.“
Leicht griff Liv Barba am Arm und dirigierte ihn zu dem Loch. Flüsternd erklärte sie ihm die Situation.

„Und was erwarten Sie jetzt von mir?“
So ganz konnte der Jurist dem Ganzen hier nicht folgen.

„Sprechen Sie mit ihr!“, bat Liv ihn. „Vielleicht hört sie auf Sie!“

„Warum sollte sie?“

„Bitte, Counselar! Versuchen Sie es wenigstens!“

Der Staatsanwalt seufzte und setzte sich dann auf einen Gesteinsbrocken neben dem Spalt, in dem das Mädchen hockte.
„En una casa como se puede jugar de manera segura ocultar bien.”
(In so einem Haus kann man sicher gut verstecken spielen.)

Nick, der ihn als Einziger verstand, sah den Staatsanwalt irritiert an.

„Pero ya que hay que tener cuidado - de lo contrario no se puede ver durante la limpieza.”
(Aber man muss da vorsichtig sein - sonst sehen die einen beim Aufräumen nicht.)

„Was haben Sie vor, Counselar?“
Nick war an ihn herangetreten und zischte ihm diesen Protest zu.
„Wollen Sie ihr noch mehr Angst machen?“

Doch ehe Barba darauf etwas erwähnen konnte, stieg eine leise Stimme zu ihnen auf.

„Quién es usted?”
(Wer bist du?)

Barba lächelte triumphierend, ehe er sich nun vor den Spalt hockte.
„Mi nombre es Rafael. ¿Y cuál es tu nombre?”
(Mein Name ist Rafael. Und wie heißt du?)

Erst schien die Kleine zu zögern, doch dann antwortete sie.
„Yolanda. Pero usted debe Yoli me dirán.”
(Yolanda. Aber du darfst Yoli zu mir sagen.)

„Yoli – bueno.“
(Yoli – schön.)
Barba nickte und sah sie mit einem leichten Lächeln an.
„¿Y también habría salido porque si te pregunto?”
(Und würdest du da auch rauskommen, wenn ich dich bitten würde?)

Wieder zögerte die Kleine kurz, doch dann kletterte sie – zum großen Erstaunen der Detectives – aus dem Loch heraus, während Barba sich wieder aufrichtete.
„Muy bien!  Dann können Sie sie ja jetzt mitnehmen.“
(Sehr gut!)
Den zweiten Teil hatte er zu Liv gesagt, doch ehe die darauf antworten konnte, hatte sich die kleine Yolanda an seinem Bein festgeklammert.

„Es sieht so aus, als würde sie nur mit Ihnen irgendwo hingehen.“
Ein leichtes Grinsen konnte der frischgebackene Sergeant sich nicht verkneifen, da sie im Gesicht des Staatsanwalts so etwas wie leichte Unsicherheit wahrnahm. Eine Seltenheit bei Mister Selbstbewusstsein!

„Also gut, dann…“
Barba straffte die Schultern.
„…fahren wir zum Revier.“
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