Elementary Staffel 2- Epilog

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
21.12.2014
21.12.2014
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Ich finde eine Schande, dass es hier keine Fanfics zu Elementary gibt. Deswegen mache ich jetzt mal den Anfang und hoffe, dass sich das bald ändern wird. Das Staffelfinale von Staffel 2 war mir einfach****** Vielleicht seht ihr das genauso, vielleicht auch nicht.
Jedenfalls viel Spaß zu dem Oneshot :D







„Vielen Dank. Ich werde sie mir morgen um zwei ansehen.“
Joan Watson legte auf und ließ ihren Blick auf dem Display ihres Handys verweilen. Dann steckte sie es wieder zurück in ihre Hosentasche und sah durch das Fenster. Wie jeden Tag herrschte auf der Straße ein gewisses Treiben und einige bekannte Gesichter gingen ihrem gewohnten Treiben nach. Würde es jemanden auffallen, wenn sie nicht mehr hier wohnte? Sie schüttelte den Kopf und ein kurzes Lächeln schweifte über ihr Gesicht. Nein, niemand würde es bemerken. Sherlock und sie hatten nie etwas mit den Nachbarn zu tun gehabt und sie war sich nicht einmal sicher, ob jemand sie als Nachbarn bezeichnen würden. Immerhin gab es seit ihrem Aufeinandertreffen nicht mal ansatzweise etwas, was Joan ihr Privatleben nennen würde. Nein, es gab nur die Arbeit und sonst nichts. Vielleicht mal irgendwelche fehlgeschlagenen Dates oder mal ein Treffen mit einer Freundin, wenn sie es nicht mal wieder vergaß. Sie seufzte und fuhr sich über ihr schwarzes Haar. In nächster Zukunft würde sich das wohl ändern.
Joan drehte sich um und ließ ihren Blick durch das Zimmer schweifen. Sie stutzte, als sie die offene Tür sah. Hatte sie sie nicht vorher geschlossen? Sie ging zur anderen Seite des Raumes und schloss sie gemächlich. Einen Augenblick verharrte sie so und blickte dann erneut in dem Raum, der seit zwei Jahren ihr gehörte. Sie fühlte sich hier sicher, geborgen und wirklich zu Hause. Verwirrt schüttelte sie den Kopf und setzte sich aufs Bett. Was dachte sie da? Ihr Entschluss stand unweigerlich fest...oder?
„Besinn dich und denk an deine Zukunft“, murmelte sie und sah zu ihrem Nachttisch. Dort stand ein Bild, das Einzige im ganzen Zimmer und sie musste ein weiteres Mal lächeln als sie es erblickte. Es war auf der Betriebsfeier vom NYPD aufgenommen worden und zeigte Detective, Bell, Captain Gregson, sie und...ihn. Alle vier lachten in die Kamera, wobei Letzterer so verändert wirkte. So gelöst...so anders. Gar nicht wie der knallharte Ermittler, den sie inzwischen so gut kannte und doch löste dieser alleinige Blick von ihm etwas in ihr aus. Die Zeit schien Jahre hinter ihr zu liegen, obwohl das Foto erst vor zwei Monaten aufgenommen wurde. Damals waren sie und Sherlock ein eingespieltes Team gewesen, es gab keinen Fall den sie nicht lösen konnten und sie konnten sich dabei immer blind vertrauen...zumindest dachte Joan das. Energisch stellte sie das Foto wieder an dessen Platz und schloss die Augen. Nein, sie durfte nicht daran denken. Der Schmerz hatte bereit ihr Herz ergriffen und jagte ihr einen Schauer über den Körper. Warum hatte er sie so belogen? Wieso musste das alles geschehen? Wie konnte nur alles innerhalb eines Monats zerstört werden?
Sie schlang die Arme um ihrem Körper und versuchte die Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen. Sie durfte nicht daran denken, er hatte es selbst Endschuld und sie würde ihm vermutlich nie wieder vertrauen können...Was das für ihre gemeinsame Partnerschaft hieß, daran wollte sie gar nicht denken. Erschöpft schloss sie die Augen und vernahm ein Poltern, was ohne Zweifel aus dem Erdgeschoss kam. An so etwas hatte sie sich schon längst gewöhnt und konnte nur über die Eigenarten ihres Freundes den Kopf schütteln. Joan zuckte zusammen und schlug die Augen auf. Ein furchtbarer Gedanke keimte in ihr auf. Waren sie nach alldem überhaupt noch Freunde? Sie dachte nach und ihr Entsetzen steigerte sich, als sie merkte, dass sie es gar nicht so genau wusste. Seufzend ließ sie sich nach hinten fallen und versuchte die aufkommenden Gedanken zu unterdrücken. Sie starrte zur Decke und schloss erneut die Augen.
Wie hatte es nur so weit kommen können?

„AHHH!“, schrie Sherlock und fegte sämtliche Papier vom Tisch. Mit knirschenden Zähnen krallte er seine Finger in die Tischkante und schloss die Augen. Dann trat er zurück und schmiss kurzerhand den Tisch um. Wutschnaubend starrte er auf den Tisch und strotzte in die Bibliothek. Seine Fäuste waren geballt und er ließ sich in seinem Sessel nieder. Er atmete kurz und schnell und sprang auch nach wenigen Sekunden wieder auf. Wie ein Tiger im Käfig ging er hin und her und blieb schließlich stehen. Er warf einen kurzen Blick zur Garderobe, schritt dorthin, zog sich die Jacke über und verließ das Haus. Er knallte die Tür heftig zu, strotzte die Treppen hinunter und lief ziellos die Straße entlang. Seine Hände hatte er in seiner Jacke vergraben und er spürte die unermessliche Wut in sich. Es dauerte nicht lange und er erreichte den nahe gelegenen Park. Er blendete die anderen Mensch aus und hielt schließlich inne, als er vor dem See stand. Er ließ sich auf eine Bank nieder und starrte in die Ferne. Seine Gedanken überschlugen sich und es fühlte sich so an, als ob er innerlich zersplittern würde. Warum tat Watson ihm das an? War ihre Partnerschaft in den letzten Jahren nicht genug für sie? Wie lange hatte sie schon wohl daran gedacht auszuziehen? Er schnaubte und versuchte den Schmerz zu unterdrücken, den er in seinem Herzen spürte. Sherlock Holmes, hoch angesehener Berater des NYPD konnte sich absolut nicht erklären, was seine Partnerin zu dieser Entscheidung bewogen hatte. Warum hatte Watson diesen Entschluss gefasst? Sie waren doch Freunde oder? Sie waren sich in den zwei Jahren sehr nah gekommen und es war doch offensichtlich wie gut sie als Team fungierten oder nicht? Na schön sie hatten es in letzter Zeit nicht einfach gehabt und es hatte einige Differenzen zwischen ihnen gegeben, aber das musste doch gleich nicht zu so etwas führen! Verstand Watson denn nicht, was sie für ihn bedeutete? Sie war mehr als seine Partnerin, sie war die beste Freundin die er je gehabt hatte und sie war seine einzige Konstante in der sich verändernden Welt. Egal was geschehen war er konnte sich immer darauf verlassen, dass sie an seiner Seite war. Durch ihren Auszug würde ein gewaltiger Bruch zwischen ihnen entstehen, wusste sie das denn nicht? Oder ahnte sie es ebenso wie er und ihre Partnerschaft bedeutete ihr nicht so viel wie es ihm bedeutete? Sie waren inzwischen ein eingespieltes Team, es war perfekt! Warum wollte sie das alles aufgeben?
Er bemerkte nicht wie jemand ihm von der Seite musterte und dann in seine Richtung lief. Erst als sich jemand neben ihn setzte und ihm auf die Schulter klopfte vernahm er eine vertraute Stimme.
„Guten Tag Holmes.“

Ein lautes Klingeln ihres Handys ließ Joan aus ihren Gedanken aufschrecken und verwundert blickte sie auf das Display. „Nummer unbekannt“, sagte sie überrascht und nahm das Gespräch verwundert an.
„Hallo?“
„Joan.“
Ihre Augen weiteten sich und erschrocken setzte sie sich auf. Das konnte nicht sein!
„Mycroft? Aber wie...?“
„Ich hab nicht viel Zeit. Aber ich bin Sherlock noch etwas schuldig.“
„Was? Aber...“
„Joan, es tut mir Leid wie alles gekommen ist und ich weiß, dass du nach wie vor ausziehen willst. Doch da es für uns keine gemeinsame Zukunft geben wird...finde ich du solltest es erfahren.“
„Was erfahren?“
„Das erste Buch im zweiten Regal von links. Der Einband ist rot und mit goldenen Schriftzeichen versehen. Sieh es dir an und du wirst verstehen.“
„Mycroft.“
In ihren Augen hatten sich Tränen gebildet und ihre Stimme war deutlich schwächer.
„Joan, ich liebe dich. Du bist die wunderbarste und intelligenteste Frau, die mir jemals begegnet ist. Aber bitte denk nochmal über alles nach und versuche dich nicht mehr weiter selbst zu belügen.“
„Was meinst du?“
„Du wirst es wissen, wenn du es siehst. Die Zeit mir dir war wunderschön Joan und ich wünschte es wäre alles anders gekommen...aber mir ist klar geworden das es für uns nie eine Zukunft gegeben hätte.“
„Mycroft, bitte ich verstehe gar nichts.“
„Du wirst und dann wird dir alles klar werden. Sherlock ist nicht immer der gewesen, den er vorgab zu sein. Lebewohl Joan.“
„Mycroft.“
„Viel Glück und passe auf dich auf. Es tut mir Leid, dass ich der Falsche gewesen bin.“
„Was? Aber was meinst du...?“
Doch Mycroft hatte das Gespräch beendet und geschockt starrte die Detektivin auf ihr Smartphone. Was sollte das? Was hatte er ihr versucht zu sagen?
Joan ließ ihr Handy auf dem Bett liegen und stürmte in Richtung Tür. Sie hatte sie schon aufgerissen und stand schon auf dem Treppenabsatz, als ihr klar wurde was sie tat. Sie würde auf direktem Weg Sherlock begegnen und es würde eine weitere sinnlose Konversation zwischen ihnen beiden geben. Auf der anderen Seite hätte Myc sie bestimmt nicht ohne einen wichtigen Grund aus seinem Exil angerufen. Als sie zur Tür sah fiel ihr auf, dass Sherlocks Jacke fehlte. Folglich musste er also ausgegangen sein, was ihr nur Recht war. Mit fliegenden Schritten eilte sie die Treppe hinunter und kam erst in der Bibliothek zu stehen.
„Zweites Regal von links, rotes Buch.“, murmelte sie und eben solches stach ihr direkt in die Augen. Sie schnappte sich die Leiter und holte das Buch aus dem Regal. Sie kletterte zurück nach unten und begutachtete den edlen Einband des Buches. Es war irgendein Roman, wobei sie sich fragte warum Sherlock so einen besaß. Mycrofts Worte im Ohr öffnete sie vorsichtig das Buch und bemerkte, dass ihre Hände etwas zitterten. Was würde sie wohl darin finden?
Die Antwort offenbarte sich in Form einer Kassette, die sie verwundert in der rechten Hand hielt. Was für einen Inhalt musste sie wohl besitzen, dass Mycroft sie als wichtig befand? Sie klappte das Buch zu, verstaute es wieder an seinem angestauten Platz und machte sich entschlossener denn je auf ins Wohnzimmer. Was immer auf der Kassette war musste etwas bedeuten.

Verwundert blickte Sherlock zur Seite und erblickte seinen guten Freund und Kollegen vom NYPD: Detective Bell.
„Hallo Detective, dürfte ich fragen was sie hierher verschlagen hat?“
Bell nickte und lehnte sich etwas zurück.
„Ich nehme mal an denselben Grund wie Sie. Ich komme gern her um Nachzudenken und ein bisschen Abstand vom Allem zu bekommen. Die Ruhe hier ist sehr entspannend.“
„Und worüber denken Sie nach Detective? Ich meine, wenn ich fragen darf.“
„Die Arbeit, meine Therapie, mein Bruder, das Leben..suchen Sie sich etwas aus.“
Bell blickte zur Holmes und bemerkte, dass sein Freund etwas anders war als sonst.
„Ist alles in Ordnung Holmes? Wenn Sie über etwas reden wollen, ich höre Ihnen gerne zu.“
Sherlock seufzte und antwortete erst nicht. Dann schloss er die Augen und atmete tief durch. Auch wenn sich alles in ihm dagegen sträubte, er vertraute Detective Bell und vielleicht würde es wirklich etwas bringen, wenn er ihm es erzählen würde.
„Watson will ausziehen.“
Bell blickte überrascht zu seinem Freund und zog eine Augenbraue hoch. Er wusste wie sehr Sherlock und Joan sich nahe standen, auch waren ihm die Streitereien und das differenzierte Verhalten von den Beiden aufgefallen.
„Wissen Sie warum?“
Sherlocks Augen funkelten wütend und Bell bemerkte, seine geballte Hand.
„Wegen meinem Bruder. Er ist an allem Schuld!“
Marcus schüttelte den Kopf und seufzte.
„Holmes, ich kann Ihnen nur helfen, wenn sie mir auch alles erzählen. Anders wird es nicht möglich sein.“
Sherlock blickte ihn an und nach einer gewissen Verzögerung willigte er ein. Er erzählte Marcus alles und ließ auch seine Streitereien mit seiner Partnerin nicht aus. Als er schließlich geendet hatte trat ein gewisses Schweigen zwischen ihnen auf. Als Holmes sich bereits fragte, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, sich Bell anzuvertrauen brach eben dieser die Stille.
„Haben Sie sich schon einmal selbst gefragt, warum Sie so gegen die Verbindung von Joan und Ihrem Bruder waren?“
„Natürlich, ich wollte Watson in Sicherheit wissen. Mein Bruder ist ein egoistischer Idiot und er hätte sie niemals verdient. Sie ist viel zu nett und klug für ihn, wunderschön mit ihren seidigen schwarzen Haar, ihren braunen Augen...“ Sherlock stockte und wandte sich peinlich berührt ab.
Hatte er gerade tatsächlich von seiner besten Freundin und Partnerin geschwärmt?
„Sind Sie sich ganz sicher, dass das der einzige Grund ist?“
„Selbstverständlich das Wohl meiner Partnerin liegt mir sehr am Herzen. Sie ist die beste Freundin die ich je hatte und wir sind zusammen ein perfektes Team. Natürlich wollte ich nicht, dass sich mein Bruder einmischt und mir wieder alles zerstört. So wie er es immer getan hat.“
„Holmes, ich weiß nicht ob es Ihnen klar ist...,aber selbst wenn ihr Bruder nicht gewesen wäre musste es irgendwann passieren.“
„Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen.“
„Joan ist eine wunderbare Frau und eine sehr clevere noch dazu. Aber es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen bis sie einen Mann gefunden hätte und mit ihm leben wolle. Die Zeit bleibt nicht ewig stehen Holmes, es musste passieren und Sie können Nichts dagegen tun.“
Sherlock sprang auf und ihm war, als ob man ihm sein Herz aus der Brust gerissen hätte.
„Ich verstehe nicht, warum sie noch mehr will! Joan und ich haben uns immer ganz unserer Arbeit gewidmet und mir hat sich noch nie der Zustand offenbart, dass sie nicht zufrieden sei!“
„Holmes, ich weiß es ist nicht einfach zu verstehen. Aber Sie müssen sich damit abfinden. Ihr Auszug bedeutet noch lang nicht, dass eure Partnerschaft vorbei ist.“
„Aber genau das bedeutete das!“, brüllte Sherlock und einige Passanten drehten sich nach ihm um. Sherlock beachtete sie nicht und schnaubte.
„Sie wird mich im Stich lassen und das wird ein unweigerlicher Bruch in unserer Partnerschaft nach sich ziehen. Sie weiß, dass ich sie brauche, denn ohne sie komme ich einfach nicht mehr klar!“
„Holmes,...“
„Sie ist die einzige Konstante in meinem Leben und ich brauche sie einfach. Ich kann es nicht erklären, aber....“
„Aber was?“
„Aber ich kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.“
Bell blickte erst geschockt, dann schmunzelnd zu seinem Freund und lächelte.
„Holmes, ich wundere mich das Sie es noch nicht selbst deduziert haben. Immerhin sind Sie das Genie von uns beiden.“
„Ich muss zugeben, dass ich ihre Worte nicht verstehe.“
Bell lachte auf und schüttelte den Kopf.
„Das ich das noch erleben darf, dass Sie etwas nicht verstehen...Holmes ich will Ihnen eine einfach simple Frage stellen. Was fühlen Sie, wenn sie an Joan denken?“
Holmes erstarrte, blieb stehen und sah seinen Freund stumm an. Die Frage hallte in seinen Gedanken und die Gefühle rauschten nur so in ihm als er sich seine Partnerin ins Gedächtnis rief. Er spürte wie sein Herz anschwoll und alles in ihm nur so wirbelte. Als ob ihn ein Blitz getroffen hätte kam ihm die Erkenntnis in den Sinn.
„Sie lieben Joan.“ Es war eine Feststellung, keine Frage. Bell lächelte ihn an und wusste, dass er genau ins Schwarze getroffen hatte.
Ohne jegliches Zögern nickte Holmes und stand noch immer wie vom Donner gerührt dar. Warum hatte er es selbst nicht bemerkt? Es war offensichtlich gewesen und was hatte er getan? Seine Gefühle verdrängt und nur an ihre Arbeit gedacht. Er konnte und wollte Joan um keinen Preis verlieren, dass durfte er nicht zulassen. Ohne jegliche Worte setzte er sich in Bewegung und rannte den Weg entlang. Bell sah ihm grinsend hinterher und sah sehr zufrieden aus.
„Hoffentlich vermasselt er es nicht.“


Unterdessen saß Joan ebenfalls wie vom Donner gerührt vor dem Fernseher und spürte wie ihr Herz keine Beruhigung fand. Das was sie gerade gesehen hatte...alle Gefühle in ihr waren durcheinander und sie wusste nicht was sie dazu sagen sollte. Sie konnte nicht glauben, was sie gerade gesehen hatte. Natürlich hatte sie sich schon Gedanken darüber gemacht, was Sherlock von ihrer Entführung gehalten hatte. Sie hatte vermutet, dass er ein wenig beunruhigt gewesen war und eventuell auch besorgt, aber das was sie gesehen hatte, hatte sie sprichwörtlich umgehauen. Nur unwirklich hatte sie gesehen, wie Sherlock die Tische umgekippt hatte und wie wutschnaubend er durch die Wohnung gestürmt war. Der Ausdruck in seinen Augen...die Luft war ihr weggeblieben. Doch der letzte Satz von Mycroft hatte sie völlig aus der Bahn geworfen.
„Sie ist der Mensch, den du am meisten liebst auf der Welt.“
Ihre Gedanken waren durcheinander, ihr Herz schlug wie ein Wirbelsturm und ihr Puls schien in die Höhe gestiegen zu sein. Wieso wollte Mycroft das sie das sah? Was hatte er mit, dass er der Falsche sei gemeint? Sie schaltete den Fernseher aus und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen.
Sie wusste nichts mehr, was war nun richtig und was war falsch? War ihr Entschluss auszuziehen wirklich das was sie wollte? Sie war immer so verletzt gewesen, weil er sich in ihr Leben eingemischt hatte. Doch was war, wenn er das nicht aus Neugier oder Langeweile getan hatte, sondern aus einem anderen Grund. Konnte es sein das er nicht wollte, dass sie und Mycroft zusammen waren, weil er...Sie schüttelte den Kopf und verbarg den Gedanken sofort. Nein, das konnte nicht sein. Sie waren Freunde natürlich, vielleicht sogar beste Freunde..aber fühlte er womöglich mehr für sie als nur Freundschaft?“
„Ich verstehe vollkommen, warum sie sich zu meinem Bruder hingezogen fühlen.“
„Bitte?“
„Wir sind Partner, Watson. Und da wir Partner sind ist eine sexuelle Beziehung zwischen uns nicht möglich. Ergo suchen Sie sich meinen Bruder aus, da das Objekt Ihrer Begierde nicht zur Verfügung steht.“
Bei den Worten hätte sie ihm am Liebsten eine geknallt, aber sie hatte ihm nur sämtliche Schimpfwörter an den Kopf geworfen und anschließend das Thema fallen gelassen. Mycroft war so viel anders als sein Bruder gewesen...er war so verständnisvoll, nett und sie konnte mit ihm einfach über alles reden. Sherlock hingegen war distanzierter, ernster, aber am Ende gab es keinen treueren Freund als ihn, wie sie es sich eingestehen wollte. Hatte Sherlock wirklich Recht gehabt? Wollte sie wirklich ausziehen um mehr Freiraum zu haben, war es nicht vielmehr so das sie vor ihren eigenen Gefühlen davon lief? Sie dachte an die Eifersucht die sie bei Moriarty verspürt hatte, ihr Stolz und ihre Sprachlosigkeit, als Sherlock eine neue Bienenart nach ihr benannt hatte...
„Ich kann mich ändern.“
Das hatte er zu ihr gesagt und sie hatte die Verzweiflung in seinem Blick gesehen. Nun wo sie wusste, was er empfunden hatte...wollte sie wirklich noch ausziehen? Vom ersten Tag an war sie fasziniert von ihm, lernte von ihm und sah eine neue Seite des Lebens. Konnte es wirklich sein, dass...sie sich unbemerkt in ihn verliebt hatte? Liebte sie Sherlock und nicht Mycroft, wie sie bisher gedacht hatte? Doch wie dachte er darüber? War Sherlock Holmes auch in sie verliebt?
Sie hörte Schritte und sprang auf. Ihre Augen huschten durch den Raum und sie erblickte Sherlock, der in der Tür stand und sie wortlos ansah. Sie spürte wie ihre Kehle ganz trocken wurde und sah ihm in die Augen.
„Wir müssen reden Joan.“

Sie hatten sich in die Bibliothek begeben und hatten bisher kaum ein Wort gewechselt. Die Spannung zwischen ihnen war zum greifen nah und doch wünschten sich beide nichts sehnlicher, als endlich alle Missverständnisse zu beseitigen.
„Also was gibt’s zu besprechen?“, fragte Joan und vermied es ihren Freund anzusehen. Er durfte nicht merken, dass sie nun darüber im Klaren was, was sie für ihn empfand.
„Nun...“ Sherlock brach ab und sah zu Boden. Er war furchtbar aufgeregt und wusste nicht so Recht wie er anfangen sollte. Wie sollte er mit ihr reden, wenn er erst vor kurzem seine Gefühle für sie verstanden hatte? Joan atmete tief durch und versuchte ihre Anspannung abzuschütteln. Dieses Schweigen zwischen ihnen wurde langsam unerträglich.

„Ich habe mir einer Ihrer Überwachungsvideos angesehen..es war aus der Zeit als ich gekidnappt worden bin. Es..es hat mich sehr bewegt.“
„Was haben Sie gesehen?“
Joan zuckte etwas zusammen beim Klang seiner Stimme, doch sie sah weiterhin zur Seite.
„Nun ich habe Sie und Mycroft gesehen...Sie waren sehr aufgebracht.“
Sherlock verspürte einen Kloß in seinem Hals und wusste nicht so recht, was er antworten sollte. Vielleicht war die Wahrheit ein guter Anfang, es musste ja gleich nicht alles sein.
„Sie wurden immerhin entführt und Mycroft war indirekt daran beteiligt. Natürlich ist es doch selbstverständlich das ich mich um Sie Sorgen gemacht habe. Als meine Partnerin und Freundin bedeuten Sie mir viel Watson.“
„Aha, deswegen verstecken Sie auch Heroin vor mir.“
Sherlock schüttelte den Kopf und sah sie an, doch sie hatte noch immer den Blick gesenkt.
„Nein, Sie müssen verstehen! Ich habe es nicht...“
„Ist schon gut Sherlock, Sie brauchen mir Nichts zu erklären.“
Joan wollte sich enttäuscht abwenden, doch Sherlock griff nach ihrer Hand.
„Joan bitte lass es mich erklären. Bitte.“
Sie sah auf und ihre Blicke begegneten sich. Seine Augen brachten sie dazu stehen zu bleiben und einzuwilligen.
„Ich habe es nicht vor dir versteckt, weil ich wieder rückfällig geworden bin. Ich habe es versteckt weil ich mich selbst austesten wollte. Du kannst es als eine Art Experiment sehen, aber ich versichere dir ich hatte niemals die Absicht es zu nehmen.“
„Wirklich?“
Er nickte.
„Du hast mich verändert und solange du an meiner Seite bist werde ich nie wieder auch nur daran denken. Joan, es gibt etwas was ich dir erklären muss.“
Sie nickte und wurde immer überraschter. Sherlock war nicht so wie sie ihn kannte, dass hieß doch aber er war mehr gefühlvoller und er schien keine Blockade mehr um sich zu bauen. Auch hatte er sie schon dreimal bei ihrem Vornamen genannt und sie geduzt.
„Mir ist erst vor wenigen Minuten klar geworden, warum ich wollte das du und mein Bruder euch voneinander fernhält. Sicherlich war da die Angst das ich meine Partnerin und beste Freundin verlieren würde und mein Bruder mir mal wieder das Wichtigste nehmen würde. Doch es gab noch einen anderen, bedeutenden Grund den ich bisher nie in Betracht gezogen hab.“
Joan hörte ihren Herzschlag in ihrem Kopf widerhallen und spürte wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Sherlock lächelte und nahm ihre Hand.
„Joan, es ist wahr was Mycroft gesagt hat. Ich weiß, dass du es gehört hast deswegen wäre es sinnlos es abzustreiten. Als du entführt wurdest war ich so besorgt um dich, dass ich mich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ich wurde emotional und hätte meinen Bruder am Liebsten auf der Stelle erwürgt, aber das hätte dir auch nicht geholfen. Ich war so wütend und so besorgt, dass Mycroft meine wahren Gefühle schneller als ich erkannt habe. Die Wahrheit ist ich will dich nicht verlieren wegen den Strapazen in den letzten Wochen. Ich weiß das ich eine Menge Fehler gemacht habe und sie nicht wiedergutzumachen sind, aber ich versichere dir eins. Ich werde immer an deiner Seite sein und du wirst mich nie verlieren. Du bist der einzige und beste Freund, den ich jemals hatte und ich bin sehr dankbar dafür.“
Eine Träne war in Joans Auge getreten und sie hielt den Atem an, als Sherlock sich zu ihr beugte. Doch dann hielt er inne und ehe er etwas anders machen konnte, begann Joan zu sprechen.
„Und du wirst mich niemals verlieren, Sherlock. Ich habe etwas wichtiges erkannt und möchte das du es weißt.“ Sie holte tief Luft. „Diese ganze Sache mit Mycroft war wunderbar Sherlock, doch trotz ihm hatte ich immer nur dich im Kopf. Ich wusste nicht wieso und als ich das Video gesehen habe...Ich habe gemerkt, dass du Recht gehabt hast. Damals in London. Ich habe mich unbeabsichtigt in dich verliebt und weil wir Partner waren dachte ich meine Zuneigung galt Mycroft, aber dem war nicht so. Ich liebe dich Sherlock und es tut mir Leid, dir soviel Kummer und Zorn bereitet zu haben und das ich es erst jetzt erkannt habe.“
Sherlock erstarrte und Joan dachte schon alles zerstört zu haben, da legten sich seine Lippen auf ihre und sie wurde in seine Arme gezogen. Ein Feuerwerk der Gefühle explodierten in ihnen und Joan erwiderte den Kuss. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und nach wenigen Sekunden lösten sie sich wieder voneinander.
„Ich habe mich auch in dich verliebt Joan, bitte vergiss alles was ich in London darüber gesagt habe. Ich...“
Joan lachte leise.
„Du redest zu viel.“
Sie küssten sich erneut und fühlten sich so glücklich, wie noch nie in ihrem Leben. Es schien alles perfekt zusammenzupassen und nichts schien ihnen mehr im Wege zu stehen. Plötzlich hielt Sherlock inne und sah Joan fragend an.
„Was ist mit dem Auszug?“
Sie lächelte und verlor sich in seinen wunderschönen Augen.
„Welcher Auszug?“
Sie küssten sich erneut.

„Marcus? Marcus?“
Bell schaute von seinem Bericht auf und blickte zu seinem Kollegen.
„Was gibt’s?“
„Der Captain will dich sprechen.“
„Ich komme sofort.“
Marcus tat seinen Bericht auf den Schreibtisch, fuhr von seinem Tisch zurück und erhob sich. Mit einem neutralen Ausdruck auf dem Gesicht machte er sich auf dem Weg zu seinem Vorgesetzten. Er öffnete die Tür und betrat den Raum.
„Sie wollten mich sprechen Captain?“
Gregson nickte und deutete auf den Stuhl vor ihm, wo Bell sofort Platz nahm.
„Ich wollte Ihnen zu der Lösung Ihres letzten Falles gratulieren und zudem hätte ich noch eine Frage ab Sie.“
Bell nickte.
„Schießen sie los, was gibt’s?“
Der Captain nahm seine Brille ab und sah seinen langjährigen Freund mit einem amüsierten Funkeln in den Augen an.
„Nun mir ist aufgefallen das sich unserer Berater anscheinend wieder zusammen gerauft haben und ich wollte Sie fragen, ob Sie vielleicht etwas darüber wissen? Holmes und Watson benehmen sich seit einigen Wochen recht merkwürdig, finden Sie nicht?“
„Inwiefern merkwürdig?“, fragte Bell und konnte ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel nicht verbergen.
„Versuchen Sie nicht so zu tun als ob nichts wäre. Sie wissen genau was ich meine. Ist Ihnen nicht auch aufgefallen was für Blicke sie sich zu werfen und wie oft sie inzwischen nicht zu erreichbar sind? Finden Sie nicht auch das Ganze sonderbar?“
Marcus konnte ein Lächeln nicht mehr zurückhalten und erhob sich von seinem Platz.
„Ich habe nicht die leiseste Ahnung wovon Sie reden, Sir.“
Gregson lehnte sich zurück und seine Mundwinkel zuckten verdächtig nach oben.
„Ich verstehe.“
Bell hatte schon die Tür geöffnet, als der Captain noch ein weiteres Mal zu ihm sprach:
„Sehr gute Arbeit, Marcus.“
Der Angesprochene drehte sich um und nickte seinem Freund zu.
„Danke Captain.“
Dann verschwand er aus dem Büro.

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