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Blues Brothers 2000

von Soul Man
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
19.12.2014
07.09.2015
6
11.153
 
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07.09.2015 3.433
 
Kapitel 6: Wonderful World



Es war nichts Neues für Elwood das jemand die Nase voll von ihm hatte, aber irgendwie störte es ihm in diesem Fall besonders. Vielleicht war es der harsche Ton. Doch jemand rief im Hintergrund „Hey! Komm kurz her.“ Es war Matts Frau. Elwood ging zurück. „Tut mir Leid wegen vorhin. Ich wollte nicht so harsch klingen.“ Entschuldigte sie sich „Ich verstehe jetzt was los ist. Komm rein ich geb dir was aus.“ Elwood nickte nur „Okay.“

Als sie drinnen sassen, bestellte Elwood, zwei Scheiben trockenes, getoastetes, weisses Toast… und vier ganze Brathähnchen und eine Cola.

„El… Jake wird nicht kommen, liebes.“ Meinte sie. Elwood zuckte mit den Schultern „Nur für den Fall das er aufkreuzt.“ Sagte er, mit seinem üblich stoischen Tonfall. Sie und Matt sahen Elwood mitleidig an „Sicher doch.“ Meinte sie. Als das Essen gebracht wurde, nahm Elwood seinen Toast. Jeder Bissen fiel ihm wie ein Klumpen den Magen hinunter, als ihm immer schmerzhafter bewusst wurde, das Jake nicht hier war. ‚Nein. Er ist hier. Einfach nicht in der Nähe.‘ redete er sich ein, als ob das irgendeinen Unterschied machen würde. In seinen Gedanken machte es einen Unterschied. Einen sehr grossen sogar. Das lügen machte scheinbar alles besser. Wenn auch nur für ein kleines bisschen. „Ich… nehme die Brathähnchen mit.“ Meinte Elwood. Matt legte ihm eine Hand auf die Schulter „Du solltest dich nicht anlügen.“

„…“

„El… Bitte.“

„Matt ich gehe jetzt. Ich werde weiter suchen.“

„Sicher wenn‘s dich Glücklich macht.“ Matt nahm ein Zettel aus seiner Hosentasche „Bevor ich es vergesse, Jake wollte damals, dass ich dir das gebe.“

„Danke.“ Elwood nahm den Zettel entgegen und steckte ihn ein, ohne ihn zu lesen „Das hilft mir sicher weiter.“ Er stand auf „Falls Jake kommt, sag ihm er soll nach mir suchen.“

„Ich behalte die Hähnchen hier. Falls er kommt, hat er sicher Hunger.“ Meinte Matts Frau. Elwood nickte dankbar und ging. Die übliche Routine halt.

Ausserhalb hatte sich eine Menschenmenge versammelt. Anscheinend scheinen sich die immer noch zu streiten. Eine ältere Dame fragte Elwood „He, meinst du die werden sich mal einig?“ zur Antwort zuckte er mit den Schultern, er wollte einfach weg von der Menschenmenge. Während er sich entfernte schlich ihm ein komisches Gefühl in die Magengrube. Irgendwie kam ihm die Frau bekannt vor.

Elwood summte das Peter Gunn Lied, während er die glücklicherweise nicht so beschäftigten Strassen von Chicago entlanglief. Er hatte den Zettel von Matt in der Tasche und die Dame ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, weil er ihr in die Augen sehen konnte. Ihre Augen hatten verschiedene Farben. Eines braun und das andere grün. Er würde Stigmata fragen. Vielleicht wusste sie etwas. Vielleicht war das seine Bestimmung: Seine Mutter finden. Er merkte das ein Polizeiwagen rechts ran fuhr und neben ihm hielt und wer sass drinnen? Cab.

„Elwood! Was machst du hier?“

„Hab bei einem alten Freund vorbeigeschaut.“

„Und jetzt? Irgendwie ein Ziel vor Augen?“

„Gute Frage. Ich weiss es nicht.“

„Hey, du kannst ja doch reden!“ meinte Cab amüsiert. Elwood sah ihn verwirrt an und merkte erst nach einer Weile, das er gescherzt hat. Elwood meinte gespielt amüsiert „Ts, so eine Unverschämtheit Kommissar Cable!“

„Ich war gerade auf dem Weg zu einer Bar. Hab meine Schicht fertig und mag Feierabend machen. Kommst du mit‘“

„Sicher, ich hab ja nicht wirklich etwas zu tun.“

Als Cab die Sicherung der Tür löste, öffnete Elwood die Tür zum Vordersitz und setzte sich rein. Danach schaltete er einfach das Radio an. Cab hatte eine Kassette eingelegt und es lief ‚Let the good times roll‘

Elwood spürte ein wie sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breitmachte und er meinte „Mh, ich mag diesen Song.“

„Hab ich mir schon gedacht. Dad meinte du hättest einen tollen Musikgeschmack.“

„Curtis hat das gesagt? Da fühl ich mich aber geehrt!“ er lächelte ein bisschen. Cab schien erleichtert zu sein „Ich dachte eigentlich du hättest was gegen mich.“

„Wieso?“

„Na ja… Du hattest nicht mit mir geredet als ich dich mitgenommen habe. Nicht mal gegrüsst.“

„Ich habe Probleme mit neuen Leuten. Mit Jake war es nicht so schlimm…“

„Wieso das?“

„Jeder hat so was wie ein Anker. Jake war… ist meiner.“

„Für was brauchst du einen Anker.“

„Lange Geschichte man.“

„Ich habe Zeit.“

„Ich sag einfach… Ich hatte es nie leicht.“

„Okay. Das mit der Brüderlichkeit und alles… Ich hatte auch Mal einen grossen Bruder.“

„Was ist passiert?“ Elwood fragte ihn, doch Cab schwieg und bog ab.



Keiner sagte etwas für eine lange Zeit. Sie kamen bald in einer Bar an, sie traten ein und sahen, das Mighty Mac als der Barmann arbeitete. Dieser lächelte und winkte die beiden zu sich „Elwood! Cab! Wie schön euch beide zu sehen.“

„Mighty, hast du doch nen neuen Arbeitsplatz gefunden?“ fragte Cab. Mighty nickte „Die suchen immer nen Barmann.“ Er nickte Elwood zu „Bin überrascht dass ihr euch kennt.“ Sagte Elwood und war noch verwirrter als  die beiden lachten „Die Welt ist klein. Cab verdank ich mein Leben.“ Meinte Mighty. Er nickte, das waren schon genug Erklärungen für ihn. Sie bestellten sich Drinks. Cab nahm etwas schwaches, er war ja immerhin mit dem Wagen hier und Elwood nahm sich etwas stärkeres, ohne Zitrusfrüchte-Saft „Mhm, ich werd’s mal nicht in Frage stellen“ meinte Cab und stiess mit Elwood an „Lass die guten Zeiten rollen man“ prostete er ihm noch zu. Einige Drinks später, war Elwood schon relativ voll. Er wurde schnell betrunken. Cab meinte „Hey, El. Die Bar hat so ein Karaokedings. Willst du Mal was zum Besten geben?“

„Lass stecken Cab. Jake ist der bessere Sänger.“

„Ach versuchs doch Mal.“

„Okay Cab.“ Elwood torkelte nach oben zur Bühne und direkt zum Mikrofon. Seine Hand war nass vom Schweiss und umklammerte das Mikrofon als er sang.

I see trees of green

Red roses too

I see them bloom

For me and you…”

‘Alle starren mich an…’ dachte er ängstlich.

And I think to myself…

What a wonderful world

Er liess das Mikrofon auf den Boden fallen. Die Instrumente spielten weiter und Elwood rann aus der Bar hinaus. Cab und Mighty sahen ihm verwundert hinterher.



Elwood torkelte durch die Nacht und sang „I see skies of blue… And clouds of white… the bright blessed day… the dark sacred night. And I think to myself…

Seine Stimme klang plötzlich bitter „What a terrible world. “ Er lief weiter und trat einen Stein weg „The colours of the rainbows, are all so dull to me…Just like the burning rage inside of me… I see friends shaking hand, saying how do you do? They really say… I hate you…” wütend schlug er seine Faust gegen eine Hauswand „I heard children laughing, while they tormented me… Dead’s the only thing I’d like to be…” er knurrte „And I think to myself… What a terrible world…” Beim nächsten Mülleimer musste er sich übergeben. Er setzte sich auf eine Bank.

Yes I think to myself…

Er schrie in die Nacht „WHAT A TERRIBLE WORLD!“ und er wartete auf Jake, Was sollte er jetzt nur tun? Er seufzte und wartete. Er schaute auf die Uhr  und wartete. Eine Minute. Zwei Minuten. Jemand setzte sich neben ihn. Drei Minuten. Er schaute wer es war. „Oh hallo Mac.“  Sagte er seufzend „Elwood… Ich wollte nur fragen, warum du Hals über Kopf weggerannt bist.“

„Mac. Es ist nicht so wichtig. Die Leute haben mich einfach nervös gemacht“

„Okay. Cable kommt gleich nach, wir wollten nur sicher gehen, das du okay bist.“ Meinte Mac besorgt. Elwood hasste es, wenn Leute sich um ihn Sorgen machten „Ich werde… gehen.“

„Wohin?“

„Zum Waisenhaus.“ Er stand auf „Es wird schon gehen.“

„Mh. Okay… Sollen wir dich begleiten?“ fragte Mighty. Cable stiess dazu „Hey, wir können dich schon begleiten…“

„Nein.“ Er bewegte sich weg „Nein. Ich kann alleine gehen.“ Und bevor jemand irgendetwas sagen konnte lief er weg.



Wieder war er allein. ‚Macht es dir Freude, eine Wand um dich herum zu bauen? Jeden auszuschliessen der dir helfen will?‘

‚Ich brauch keine Hilfe, was redest du?‘

‚Geh bitte zurück und sag Entschuldigung, oder so.‘

‚Nicht heute. Ich gehe zum Waisenhaus und das wars dann. Ich möchte die beiden nicht zwingen mit mir rumzuhängen.‘

‚Wieso? Wieso hasst du dich so sehr?

‚Gute Frage. Es war schon immer so. Irgendwie hat mich immer jemand gehasst…‘

Januar 1958

Jake und Elwood hatten sich gerade einen Comic angesehen, als zwei von den anderen Kindern angelaufen kam. Der älteste von den dreien, sagte zu Elwood „Weisst du eigentlich, das Schwester Mathilda sagt du wärst vom Teufel besessen?“„Pft, Bolt,  du weisst doch die Mathilda ist voller Scheisse.“ Sagte Jake ein bisschen wütend.  Bolt lachte „Also wenn sie dich hört, haut sie dir grad eins. Wenn du Bock hast mit dem Alien rumzuhängen, dann ist das ja nicht mein Problem.“

„Nenn Elwood nicht nen Alien, du Mistfliege.“ Zischte Jake. Ein anderes Kind, namens Pete lachte „Oh, haben wir dich sauer gemacht? Magst du es nicht hören, wenn wir den Freak beschimpfen?“

„ELWOOD IST KEIN ALIEN ODER FREAK!“

„Was willst du denn machen Fettsack?“ fragte Bolt. Elwood stand auf, ging rüber zu Bolt und trat ihm mit voller Wucht gegen das Schienbein. „AU! Du verdammter Freak. Das werd ich Mathilda sagen!“

„Petze! Wenn sie mitkriegt das ihr angefangen habt, werden wir sehen wer lacht.“

„Na und? Ihr ist es egal. Sie hasst Elwood, weil es so seltsam ist.“ Und er ging mit seinem Kumpel. Elwood seufzte. Jake sah ihn besorgt an und sagte „Wenn’s dich tröstet, ich finde du bist ziemlich cool, auch wenn du nicht redest.“ Elwood nickte, als Mathilda ankam, sie starrte Jake und Elwood feindselig an „Ist das was Bolt gesagt hat wahr?“

„Er hat angefangen!“

„Das ist mir egal Jake. Ihr beide kriegt Probleme“

„Lass Elwood da raus. Er wollte nicht, das die mich Fettsack nennen.“ Sagte Jake und stand schützend vor Elwood. Mathilda verschränkte die Arme „Jetzt hört mir Mal zu. Ihr beide habt was angestellt, jetzt werdet ihr auch dafür zahlen“

„Bitte lassen Sie Elwood da raus.“ Bat Jake. Mathilda seufzte und knurrte „Okay. Wenn du es so willst.“ Sie packte ihn an der Schulter und zog ihn mit sich. Jake drehte sich zu ihm um „El, ich werde  bald wieder da sein!“ Elwood nickte und er wartete. Bolt und Pete setzten sich neben ihn „Ach du wirst nicht gestraft?“ fragte Bolt wütend. Elwood schaute vor sich hin. Pete schnipste ihm gegen die Wange „Hallo! Kannst du reden, oder bist du zu blöd dafür?“ Er lachte. Elwood antwortete nicht. Ein anderer Junge setzte sich dazu „Oh, versucht ihr mit dem Freak zu reden?“ fragte er. Bolt lächelte „Ja Max. Stell dir vor, es ist viel zu blöd dafür.“ Er steckte sich den Finger in den Mund schmierte Spucke auf Elwoods Gesicht. Dieser geriet in Panik und fing an zu würgen. Bolt, Pete und Max lachten „Och hat es Angst vor Spucke?“ fragte Max und spuckte auf den Boden, vor Elwood. Dieser würgte noch mehr. Als die Jungs lachend über ihm standen, kam Stigmata angelaufen. Sie sah wütend aus „Was geht hier vor sich?“ fragte sie. Max, Bolt und Pete schienen nervös „Öhm… Wir haben gespielt und… Max… hat aus Versehen gespuckt.“

„Bolt. Du kannst einen Nonne nicht anlügen, das weisst du doch?“

„J-ja…“

„Gott sieht alles. Und du weisst das Lügner bestraft werden.“

„WIR HABEN AUF ELWOOD RUMGEHACKT!“ rief Max entsetzt. Bolt und Pete warfen ihm feindselige Blicke zu. Stigmata verschränkte die Arme „Sehr gut Max. Ihr drei kommt jetzt mit zu Schwester Johanna.“ Sie ging mit den dreien und Elwood blieb dort, würgte leise und wimmerte. Jake kam zurück von Mathildas Bestrafung, er sah ein bisschen kaputt aus. „Elwood! Was ist los?“ Elwood würgte weiter zur Antwort. „Haben sie dir weh getan?“ Jake war besorgt „Gehen wir woanders hin.“ Schlug er vor. Elwood nickte und summte leise vor sich hin als sie sich woanders begaben.



Elwood summte, als er sich dem Waisenhaus näherte und seine Fingernägel kaute. Er klopfte an die Tür und Curtis öffnete. Elwood sagte nervös „Ist Stigmata hier?“ Curtis sah ihn besorgt an und nickte. Elwood trat ein und sagte nicht besonders viel. Ihm kam es vor, als würde der alte Holzboden unter ihm nachgeben und er wollte einfach nur verschwinden, einfach durch den Boden brechen und im unteren Stockwerk aufschlagen. Er ging die Treppe hoch, das Holz knarrte bei jedem Schritt. Sein Mund fühlte sich trocken an und er öffnete die Tür zu Stigmatas Büro.

„Elwood?“

„Ich wollte dich über meine Mutter fragen.“ Sagte Elwood bestimmt. Stigmata sah von ihrer Papierarbeit hoch „Ich weiss nicht was ich sagen kann.“

„Hat sie jemals nach mir gesehen?“

„Nein. Nicht das ich wüsste.“ Stigmata spielte Nervös mit ihrem Stift herum „Obwohl…“

„Obwohl was?“

„Wir haben damals etwas in der Post gekriegt. Es ging an den Jungen mit verschiedenfarbigen Augen.“ Stigmata öffnete eine Schublade und holte einen alten vergilbten Briefumschlag heraus. Elwood nahm ihn entgegen und öffnete ihn. Darin befanden sich drei Dinge: 100 Dollar, ein Foto von einem Pärchen  und ein Brief. Er traute seinen Augen nicht, auf dem Foto war die Frau zu sehen die er bei der Menschenmenge vor dem Soul Food Café gesehen hat. Das Foto schien aus den späten 60ern zu sein und endlich konnte er einen guten Blick auf die Frau erhaschen: Sie war strohblond, etwas rundlich und lächelte freundlich. Mit ihr war ein Typ, braunhaarig und er erschien nicht begeistert zu sein das man ein Foto von ihnen schoss.

„S-sind das meine Eltern?“ fragte Elwood und Stigmata nickte „Ich nehme es an“ für einen Moment herrschte Stille als Elwood sich den Brief durchlas

‚Hallo wie auch immer du in Zukunft heissen wirst

Du magst dich vielleicht fragen, warum Muriel dich damals zurückgelassen hatte. Glaub mir das frage ich mich auch. Ich hätte keine Probleme gehabt dich gross zu ziehen. Alles was ich möchte ist, solltest du eines Tages Mal diesen Brief lesen können möchte ich dich etwas wissen lassen: 1) Ich werde nicht mehr lange Leben. Also bitte besuche mich demnächst. 2) Obwohl ich dich nie gesehen habe und ich dich vielleicht auch nicht mehr sehen werde, will ich dich wissen lassen, dass du für mich, immer mein Sohn sein wirst.

Ich hoffe es ist nicht zu spät, wenn du diesen Brief liest.

Henry Dell‘

Am Datum des Briefes erkannte er, dass er vor sicher über 30 Jahren abgeschickt wurde. „Der lebt wohl nicht mehr.“ Sagte Elwood resigniert und las den Brief noch mehrmals durch „Ich habe die Frau auf dem Foto schon mal gesehen. Sie heisst also Muriel…“ er sah das Foto an, irgendwie sah Muriel etwas zu jung aus. „Stigmata… Was glaubst du wohl ist der Grund, das die mich damals verlassen hatte?“ er sah sich das Foto nochmals an. Henry Dell sah ihm nicht ähnlich. Nicht im geringsten „Stigmata… Ich bin müde. Ich wollte fragen ob ich heute Nacht hier schlafen darf.“

„Aber natürlich mein Kleiner.“ Stigmata lächelte ihm zu und Elwood ging zu Matratze im Dachboden. Er legte sich in einer fetalen Position hin und fing an zu summen. Irgendwann schlief er ein.

Er war wieder im Raum, der langsam anfing Form zu nehmen. Vor ihm war immer noch der wässrige Kaffee, der mittlerweile kalt geworden war und er erkannte, im Licht der Glühbirne, das drei weiter Stühle hinzugestellt worden waren. Elwood rührte in seinem Kaffee herum und nahm einen Schluck. Plötzlich setzte sich jemand wieder Visa-vi von ihm und er erkannte die Person „Jake.“ Meinte Elwood. Jake sah ihn an und zündete sich mit einem Feuerzeug die Zigarette an, die er hielt und meinte „Hey Elwood. Der Zigarettenanzünder ist am Arsch.“

„Das weiss ich. Wo sind wir hier?“

„Gute Frage“ nachdenklich nahm Jake einen Zug von seiner Zigarette und blies den Rauch in die Luft „Ich würde sagen, du pennst und träumst.“

„Hey, kannst du mir sagen, wo du gerade bist?“ fragte Elwood hoffnungsvoll, doch Jake lachte und meinte „Wenn ich du wäre, würde ich nicht nach mir suchen El.“ Jake stand auf und drückte seine Zigarette in Elwoods Kaffee aus „Der Kaffee hier ist echt der letzte Dreck. Ich werde mal an der Kasse fragen ob die uns ´nen besseren machen kann.“ Und als Jake wegging, so verschwand auch das Licht der Glühbirne und Elwood sass im dunklen und trank seinen kalten, wässrigen Kaffee, der jetzt auch noch nach Zigarettenasche schmeckte.

Das Erwachen war seltsam für ihn. Irgendwie wollte er wieder schlafen und weiter träumen, ihm gefiel dieser Traum, denn er gehabt hatte auch wenn er nicht die geringste Ahnung hatte was er bedeutet. Doch es war schon 10 Uhr morgens und Elwood war froh endlich genug Schlaf abbekommen zu haben und der Traum hat ihm schon etwas mehr Mut gegeben. Er war wohl symbolisch für irgendetwas aber Elwood war nie gut mit Symbolismus. Als er nun die Treppe hinunterlief, hörte er Stigmata lauthals mit jemandem durch das Telefon diskutieren. Er hielt sich am besten da raus, doch wurde trotzdem unfreiwillig mit hinein gezogen, als sie aus der Tür kam und ihn in den Raum hinein zog. „Was ist denn los?“

„Nichts.“ Stigmata lächelte „Ich wollte nur wissen wie es dir geht.“ Elwood nickte ihr dankend zu „Geht schon. Solangs nicht regnet, bin ich auf alles vorbereitet.“ Stigmata nickte nur und meinte „Okay. Wenn sonst alles okay ist.“ Elwood nickte wieder, doch Stigmata holte ihren Lineal der Erziehung und haute ihm, recht sanft, auf die Hand. „Für was war das denn?“

„Du hast mich angelogen. Dir geht es nicht gut.“

„Mir geht es prima. Einwandfrei.“

„Ich hab dich in der Nacht gehört. Du hast im Schlaf geweint.“ Stigmata verschränkte die Arme. Elwood wurde ein bisschen feindselig als er zischend sagte „Labbere nicht. Ich heule nicht.“ Stigmata haute wieder fester zu. „Bitte, es ist nur zu deinem Besten. Wenn dich etwas belastet, dann sag es doch jemanden um Gottes Willen.“

„Ich brauche das nicht zu tun. Ich komm alleine zu recht.“ Elwood starrte sie wütend an „Ende der Diskussion.“ Und er verliess den Raum.



Stigmata sass verdattert da. Dann seufzte sie „Ich hab das wohl falsch angegangen.“ Elwood hatte mal geweint, daran erinnerte sie sich. Doch irgendwie dachte sie gerade an das erste Mal wo sie ihn so gesehen hatte.



Juni 1957

Jake musste eines Tages mal weg, er war von irgendeiner Familie adoptiert worden und sein Abschied war das reinste Chaos gewesen, einfach und nur deswegen, weil Elwood sich an Jakes Bein geklammert und pausenlos geweint und gewimmert hatte. Stigmata und Mathilda versuchten alles in ihrer Macht um ihn zu beruhigen „Komm schon Junge beruhige dich, du wirst schon jemand anderen finden.“ Sagte Mathilda. Jake sah Elwood besorgt an „El, bitte nicht weinen, sonst krieg ich ein schlechtes Gewissen.“ Elwood hörte sofort auf und Jake gab ihm die Hand (Er war der einzige im ganzen Waisenhaus, der ihn anfassen durfte.) und half ihm hoch. „Hör zu, du kriegst das sicher gut hin!“ sagte er ermutigend und Elwood umarmte ihn und fing wieder an zu weinen. Bolt sagte spöttisch „So ne Heulsuse.“ Zu dem erwiderte Stigmata „Stell dir vor sie würden dir deinen Bruder wegnehmen.“ Sehr bald kam die Familie und Jake musste gehen. Elwood hatte sich den Daumen in den Mund gesteckt und winkte ihm leise schniefend hinterher. Dann rannte er ins Zimmer. Stigmata sah ihm nach und Curtis, der neue Hauswart, schien ebenfalls besorgt „Oh je, was war denn mit dem?“

„Na ja, sein bester Freund… Mittlerweile auch Bruder, wurde gerade adoptiert und jetzt ist Elwood traurig.“ Erklärte Stigmata kurzerhand. Curtis konnte ihr nur zu stimmen „Der hat ja geflennt wie eine Heulboje.“

„Kein Zweifel. Aber der regt sich wieder ab.“ Meinte Mathilda. Doch da lag sie falsch, in der Zeit in der Jake weg war, war Elwood ein unberechenbares Bündel von Gefühlen. Manchmal würde er einfach tagelang nichts mehr essen, als hätte der Kummer ihm den Appetit verdorben, oder mit Dingen um sich werfen und spontan losweinen. Nach zwei Wochen, wurde Jake zurückgebracht, mit der kurzen Erklärung der Stiefmutter sie haben es mit ihm nicht länger aushalten können. Stigmata sah ihn ein bisschen wütend an „Wieso hast du dich so daneben benommen?“ fragte sie und Jake zuckte zur Antwort mit den Schultern. Elwood kam angelaufen und lächelte erleichtert „Elwood!“ rief Jake glücklich und umarmte ihn „Du bist keinen Zentimeter grösser geworden während ich weg war.“ Lachte Jake und obwohl Elwood den Witz nicht verstanden hatte, lachte er trotzdem mit. Curtis, der gerade gewischt hatte, sah sich das Schauspiel lächelnd an „Ich werde Mal annehmen, Jake hat mit Absicht Radau gemacht.“

„Ich wollte nicht das Elwood traurig ist.“ Sagte Jake lächelnd „Und ich hab wohl meine Mission erfüllt.“
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