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Blues Brothers 2000

von Soul Man
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
19.12.2014
07.09.2015
6
11.153
 
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Dieses Kapitel
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19.12.2014 1.704
 
Kapitel 4: Mighty Mac

Ausserhalb des Bahnhofs, hatte sich das Wetter nicht geändert. Es war immer noch kühl. Elwood hatte sich mittlerweile beruhigt und Mighty Mac seine Jacke zurückgegeben. Er war ein bisschen zu Müde zum Reden, also nickte er ihm dankbar zu. Mighty Mac, ein etwas schwergewichtiger Herr, nahm den Dank an „Hey, nichts zu danken. Dank Buster hier. Er hat dich so gefunden.“. Buster, ein kleiner dünner zehnjähriger nickte lächelnd „Gern geschehen. Ich bin Buster und das ist mein Dad.“. Elwood nahm tief Luft und sagte „Danke. ich bin Elwood.“ Er klang ein bisschen leise, immer noch zu müde um irgendetwas Wirkliches zu sagen. Er setzte sich für eine Weile auf den Strassenrand. „Hey sollen wir dich nach Hause bringen?“ fragte Mighty freundlich. „Ich habe keins. Das wird schon werden.“

„Was ist denn mit deinem zu Hause passiert?“

„Tja Buster, es wurde von Jakes Mordlustiger Ex-Frau in die Luft gesprengt.“ Erklärte Elwood, als wäre das, das normalste auf der Welt. Mighty und Buster sahen sich verwirrt an und Buster fragte „Was…?“

„Es macht Sinn im Kontext.“

„Na ja.“ Mighty seufzte „Was kann ich sagen? Mein Arbeitsplatz wurde von der Russenmafia niedergebrannt.“

„Lass mich rate: Es macht Sinn im Kontext oder?“

„Yup. Es macht definitiv Sinn im Kontext.“

Elwood musste ein bisschen lachen, doch er sammelte sich recht schnell wieder. „Tja, dann werde ich wohl sehen wo ich bleibe.“ Elwood stand auf „Das ist so ziemlich alles, was ich im Moment tun kann. Danke das ihr mir geholfen habt.“
„Sicher. Hey, wir kennen uns zwar noch nicht so gut, aber irgendeine Stimme sagt mir ich sollte dir meine Telefonnummer lassen.“ Mighty kritzelte etwas auf ein Papiertaschentuch „Hier. Wenn du eine Bleibe brauchst, musst du nicht so lange suchen. Ruf einfach an und wir kommen dich holen okay?“

„Sicher. Aber ich will ja nicht stören.“ Meinte Elwood ein bisschen verunsichert. Wieso halfen ihm diese Leute? „Du störst sicher nicht.“ Sagte Buster ermutigend „Ein bisschen Gesellschaft, ist immer klasse.“

„Meine Gesellschaft wollt ihr nicht.“ Er seufzte „Die wollt ihr ganz bestimmt nicht.“ Elwood drehte sich um und ging ohne irgendetwas Weiteres zu sagen. Als er weit entfernt genug war hörte er eine innere Stimme ‚Du kannst sie doch jetzt nicht einfach so hängen lassen. Sie haben dir geholfen und du musst eine Bleibe haben.‘  er schüttelte den Kopf „Ich steh’s schon allein durch.“

‚Red keinen Quatsch. Du hast Angst vor der Einsamkeit. Du kannst dich nämlich nicht selbst beschützen. ‘

„Ach so und wer bist du, um das beurteilen zu können?“

‚Dein Verstand. Wenn du schon nichts über die Realität wissen willst, schliess wenigstens Leute die dir helfen wollen nicht aus,‘

„Sei einfach still. Ich brauche niemanden.“ Er verschränkte die Arme „Niemanden. Ich komme zurecht.“

‚Du kamst nie alleine zurecht. Jake musste dir immer helfen. Er musste alles was du angestellt hast wieder gerade biegen. ‘

„…“ Elwood antwortete nicht sondern lief weiter. Er konnte nicht auf eigenen Beinen stehen. Er holte zwei Scheiben Toast aus seinem Aktenkoffer. Er war nicht wirklich hungrig, doch irgendwie musste er sich ablenken. Wenigstens wusste er jetzt wo er hinsollte, wenn er eine Bleibe brauchte. Im Moment war seine grösste Sorge irgendwo aber nicht hier zu sein. Er brauchte unbedingt etwas Schlaf. Die Nacht war kalt und schien noch kälter zu werden. Das war nicht das Chicago an das sich Elwood erinnerte, so kalt und erbarmungslos. Wenn er wenigstens ein Auto hätte. Er vermisste das Bluesmobil. Der Caddy war ja gut gewesen aber Elwood vermisste den anderen Wagen, den 1974 Monaco Dodge. Der hatte es drauf. Elwood schmunzelte. Jake hatte den Wagen zuerst nicht gemocht und der Zigarettenanzünder war sowieso am Arsch. Was tut man da? Man schmeisst ihn aus dem Fenster. „Na warte Jake. Ich besorg uns ein neues Bluesmobil und ich schwöre, wenn du den Zigarettenanzünder, ob kaputt oder nicht, aus dem Fenster schmeisst haben wir Ärger.“ Plötzlich spürte er einen kleinen Stich.

‚So weit kommt es nicht mehr… Moment, ich werde doch noch suchen gehen. ‘

Er musste an das Denken, das Stigmata ihm gesagt hatte ‚Du musst der Realität ins Auge sehen. ‘ oder so ähnlich. Stigmata hatte aber nie erwähnt welche Realität er ins Auge sehen musste. Seine Realität gefiel ihm ausserdem wirklich gut.

Er beschloss sich irgendwo eine Bushaltestelle mit einer Bank zu suchen und sich darauf hinzulegen. Es musste nicht Mal für lang sein. Eine Stunde. Er kam auch mit weniger Schlaf aus. Er fand eine Parkbank minus der Bushaltestelle und setzte sich drauf. Er spielte seine Mundharmonika um seine Nerven zu beruhigen und liess sich die Ereignisse ein bisschen durch den Kopf gehen. Er wusste nicht ob er all das, als Gut oder schlecht bewerten sollte, aber die Nacht war schon lange eingebrochen und Elwood hatte keine Lust nachzudenken. Er legte seinen Aktenkoffer unter seinen Kopf um ein Kissen zu improvisieren. Er verfluchte diese Idee da der Koffer hart war. Doch manchmal musste man improvisieren nicht wahr? Er schlief ein, obwohl man eher sagen konnte, dass er aus Müdigkeit in Ohnmacht gefallen ist. Er träumte.

Er sass in diesem Raum und zündete sich eine Zigarette an. Vor ihm stand eine Tasse wässrigen Kaffees. Er wartete auf irgendjemanden. Er hörte das Geräusch eines Stuhles der zurückgerückt wurde und hörte wie sich jemand setzte. In der Dunkelheit konnte er nicht erkennen wer es war, doch von der Person ging eine gewisse Wärme aus. Er stand auf und wollte auf die Person zulaufen, doch sobald er einen Schritt in die Dunkelheit wagte, fiel er.

Elwood wachte auf und versuchte so zu tun, als hätte ihn der Traum nicht Angst eingejagt. Das Zweite was ihm auffiel war, das er nicht auf der Parkbank lag, sondern auf einer Matratze „Scheisse wo bin ich?“ fragte er verwirrt als er sich aufsetzte. „Ah du bist wach. Wir hatten uns schon Sorgen gemacht“ sagte Buster.

„Woah… Wie… bin ich hier her gekommen?“ fragte er.

„Dad hat dich ohnmächtig auf einer Parkbank gefunden. Er dachte du wärst in Gefahr oder so. Also hat er dich mitgenommen. Tut mir Leid, für diese kleine Entführung aber wir dachten, jemand hätte dir was getan…“ sagte er besorgt. Elwood seufzte und wuschelte Buster durch die Haare „Schon gut. Aber wenn ihr mich das nächste Mal entführt, seid so nett und weckt mich.  Das würde mir echt viel bedeuten.“ Buster lachte und Elwood stand auf „Ich geh mich bei Mac bedanken.“

„Du kannst ja zum Frühstück bleiben!“

„N-nein, ich möchte nicht noch mehr Umstände mache…“ meinte er. Er musste sich beruhigen also nahm er einen tiefen Atemzug. „Du machst uns doch keine Umstände. Ich muss sowieso zur Schule.“ Buster ging in die Küche. Elwood sah sich etwas um. Mightys Apartment war nicht recht gross, aber zumindest grösser als seine alte Bleibe. Es gab alles was man zum Leben brauchte und das war auch gut so. Die Wände waren kahl und weiss, bis auf ein paar Postern von Musikern und Bands, die Elwood nicht hört, weil sie nicht auf das Spektrum seines Geschmacks fielen. Er begab sich zur Küche, die sich einen Raum mit dem Wohnzimmer teilte und Mighty Mac hatte schon Müsli bereitgestellt „Morgen. Hab schon gedacht du wachst uns nicht mehr auf.“

„Ich war wohl recht müde.“ Meinte Elwood und holte aus seinem Aktenkoffer zwei Scheiben Toast raus „Hast du nen Toaster?“

„Yup. Steht in der Küche.“ Antwortete er. Elwood bereitete sein Frühstück vor und versuchte irgendetwas zu finden worüber er reden konnte. Smalltalk war noch nie seine Stärke. Es herrschte eine Stille und Elwood hatte das Gefühl, das Mighty und Buster, der sich mit seinem Schulranzen dazugesellt hatte, irgendeine Einladung zu einem Gespräch erwarteten. Es konnte auch sein, dass er sich das einfach nur einbildete, aber eigentlich wusste er es nicht genau. Er setzte sich mit seinen zwei Scheiben Toast zu ihnen und drehte mental Däumchen, während er ass. Schliesslich brach Mighty Mac das Eis „Ist Toast eigentlich alles das du isst?“

„Ja… Ist das Schlimm?“

„Nun ja, ein Mann kann nicht von Toast alleine leben. Ausser natürlich, du nimmst das mit dem täglich Brot, ernst.“

„Was? Egal. Also, ich esse zwar auch anderes, aber ich mag Toast lieber.“

„Aber es schmeckt ja nach nichts.“

„Das ist der Grund warum ich es mag.“ Sagte Elwood und ass weiter. Mighty zuckte mit den Schultern „Sicher, die Essgewohnheiten des anderen, ist ja nicht meine Angelegenheit. Einige essen halt Toast, die nächste Person begnügt sich mit essbarem Papier und Schokolade.“

„Essbares… Papier?“ Elwood sah ihn verdutzt an „Wieso… sollte man sowas erfinden? Kriegt man nicht Papierschnitte im Mund?“

„Glaub nicht, nein. Sie machen das irgendwie speziell. Ich weiss zwar nicht warum jemand freiwillig Papier isst…“ warf Buster ein, er sagte dann noch schnell „Okay, ich muss jetzt zur Schule! Bis dann Dad!“ und weg war er. Elwood fragte: „Hey Mighty, sag mal… Wieso hilfst du mir?“. Mighty Mac lächelte ein bisschen „Was kann ich sagen? Ich bin eben ein hilfsbereiter Mensch.“-„Okay. Ich müsste dann aber gehen…“

„Wohin denn?“

„Irgendwohin. Ich suche nach Jake.“ Er stand auf „Es ist wichtig. Ich hab mir einiges Überlegt, das ich tun könnte. Ich kann meine alten Bandmitglieder fragen ob sie wissen wo Jake steckt. Oder… nein, das funktioniert wohl nicht.“

„Was funktioniert nicht?“

„Ich habe mir überlegt meine Mutter zu suchen. Aber… Ich lass es bleiben. Das ist ja schon Jahre her.“ Er klang resigniert, aber versuchte seinen Gleichgültigen Ton zu behalten. Den Ton den er und Jake immer hatten, wenn das Chaos um sie herum eskalierte. Mighty Mac nickte verständnisvoll „Das wird schon. Ich kann ja mitkommen, ich habe ein Auto“

„Ich weiss das zu schätzen Mac… Aber das ist wirklich eine Persönliche Angelegenheit…“

„Okay, ich verstehe. Aber wenn du Hilfe brauchst, tu ich das gerne okay?“

„Sicher. Eine letzte Sache bevor ich gehe: Versprich mir das wenn ich etwas dämliches plane, komm nicht mit. Bitte, ich will nicht dass du in den Knast wanderst. Du hast ein Kind und viel zu verlieren. Ich nicht.“ Er seufzte „Es ist seltsam, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.“ Er ging zur Tür hinaus, ohne sich noch ein einziges Mal umzudrehen.


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