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Blues Brothers 2000

von Soul Man
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
19.12.2014
07.09.2015
6
11.153
 
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19.12.2014 1.575
 
Kapitel 3: Overload

Elwood lag im Dachboden, auf einer alten Matratze. Er hatte keine Decke oder Kissen gebraucht, die Kinder hatten es dringender nötig. Der Regen prasselte auf das Dach und gegen das Fenster und es klang wie tausende kleine Hände, die anklopfen. Elwood selbst war wach, zu viele Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Vor allem da es blitzte und donnerte. Er hasste Gewitter schon immer, irgendwas an ihnen machte ihm Angst. Ja, neben Stigmatas Lineal der Erziehung hatte er Angst vor Gewittern. Das plötzliche laute Geräusch eines lauten Donnerschlags, liess ihn zusammenzucken. „Ach halt doch die Schnauze“ rief er an die Decke, wie erwartete kam ausser eines weiteren lauten Donnerns keine Antwort. Er setzte sich auf und nahm aus seinem Aktenkoffer seine Mundharmonika. Er spielte ein bisschen, in der Hoffnung er könnte den Lärm des Wetters trotzen, doch irgendwie klappte es nicht so gut.

Er lag nun da und war dem Lärm hilflos ausgeliefert. Er nahm einen tiefen Atemzug und versuchte sich auf sein Atmen zu konzentrieren. Früher wenn er Angst hatte, war Jake da um ihm durch die Nach zu helfen. Das war so. War immer so. Doch jetzt war Jake nicht da. Er  war ‚irgendwo in Chicago und keine Pinguintante oder Curtis wird meine Meinung ändern. ‘. Er versuchte sich seine Angst nicht anmerken zu lassen, immerhin war er schon über 40. Doch er hatte Angst. Er hatte wahnsinnige Angst. Er sah auf seine Uhr: 3 Uhr morgens. „Schlafen wird mir heute wohl nichts mehr bringen.“ Murmelte er als er sich wieder aufsetzte und seine Knie heranzog „Ich werde warten müssen.“ Er hasste es wenn er in dieser Position war. Verwundbar. Genau wie damals, als er Angst hatte. Er war verwundbar…

April 1956

Man sagt immer, das Aprilwetter launisch sei und Elwood wusste genau was man damit meinte. Der nun drei-jährige sass zitternd auf seinem Bett, als draussen ein Gewitter tobte. Er sah sich um und wunderte sich, wie alle anderen schlafen konnten wenn da so ein Chaos war. Er spähte durch die Stäbe seines Gitterbetts und seufzte. Jake wurde in einen anderen Raum gebracht, wo all die anderen Kinder schliefen, wenn sie schon zu alt waren. Jake war ja schon fünf. Ein lauter Donnerschlag brachte ihn zu schreien. Am liebsten hätte er nach jemanden gerufen, doch er konnte nicht. Er sass alleine im Bett und da draussen tobte das Wetter und klang für ihn wie ein Ungetüm. Die Tür öffnete sich quietschend und Elwood spähte wieder durch die Stäbe, als Jake hineinkam. „Hallo.“ Flüsterte er „Irgendein Vogel hat mir gezwitschert, ich sollte schnell schauen ob du okay bist.“. Elwood sah ihn verwirrt an. Ein Vogel hatte ihm das Gezwitschert? Jake kletterte ins Bett hinein und umarmte ihn „Du solltest schlafen. Ich kann ja bei dir bleiben, bis das Gewitter vorbei ist.“


So war es immer gewesen. Selbst als Elwood fünf war, oder sechs, oder neun. Jake war da. Auf mysteriöse Art und Weise, hatte der Schlaf Elwood doch noch eingeholt. Er schlief um 3.30 ein und wachte um 6 Uhr auf. Er fühlte sich beschissen. Er gähnte „Morgen Jake.“ Und als er sah, dass der Platz neben ihm leer war, schaute er enttäuscht rein. Er stand auf und ging die Treppe hinunter, er war zwar noch Müde und wollte am liebsten weiterschlafen, doch das war ihm egal.

Unten war schon alles im Gange. Es gab zuerst das Morgengebet und dann würden sie Frühstücken. Er hatte kein Hunger, schloss sich aber Höflichkeitshalber einfach an. Es gab irgendein Haferbrei, mit Toast. Elwood selbst ass nur den Toast und liess den Brei stehen. Nun war es wohl Zeit für ihn zu gehen. Stigmata und Curtis (Cable war schon letzte Nacht nach Hause gefahren) begleiteten ihn zur Tür „Hör mal, du weisst, dass du jederzeit bei uns Willkommen bist.“ Sagte Stigmata und umarmte ihn kurz. Curtis klopfte ihm auf die Schulter „Und wenn du mal reden willst, schau einfach vorbei.“
„Danke, ich werde es mir merken. Wir sehen uns dann.“ Er ging. Die Strassen waren feucht und es war kühl. Der Geruch von Regen hing von letzte Nacht noch in der Luft und je weiter er lief, desto mehr wurde ihm bewusst, dass er keine Ahnung hatte, wo er hinsollte. So schlenderte er ziellos durch die Strassen. Er sah in seinen Koffer. Er hatte noch seine 32 Dollar. Das sollte für eine Packung Toast reichen. Vielleicht ein Notizbuch und ein Stift, Kaugummi, Taschentücher und eine Flasche Wasser. Im nächsten Laden holte er sich seine Besorgungen und sein Geld reichte am Ende sogar noch für einen Taschenkamm und einer Karte. Wo sollte er jetzt noch hingehen?

Elwood lief weiter, die Leute sahen ihn die ganze Zeit an. Nichts dass er nicht kannte, die Leute hatten ihn schon immer als Sonderbar empfunden. Er sah auf die Uhr, das schien er oft zu machen in letzter Zeit, und sah dass es schon 12 war. Die Zeit verflog, wenn man ziellos durch die Strassen von Chicago wanderte. Es wurde schon recht laut, jetzt wo es viel mehr Leute gab, die auf der Strasse liefen. Leute die alle wild durcheinander redeten, die alle verschiedene T-Shirts anhatten, Werbetafeln, Leute die lachten und schrien und sich beschwerten. Er hielt sich die Ohren zu und ging in eine Bibliothek. Die waren immer ruhig und er musste nicht mit Leuten reden. Er nahm sich ein Buch über Autos und verkroch sich in eine Ecke. Dort verweilte er dann, für ein Weilchen. Wenn er Glück hatte, konnte er hier schlafen, doch er verwarf den Gedanken wieder. Das war eine dämliche Idee. Die Bibliothek schloss um 18.00 und Elwood ging in die dunkle Nacht. War das nun sein Schicksal? Von einem Ort zum nächsten gescheucht zu werden?

Er setzte sich auf eine Parkbank an einer Bushaltestelle und inspizierte die Karte. Er könnte einen Bus, bis zum Bahnhof nehmen und dann vor dem Zug springen. Es hielt ihn nichts davon ab oder? Der nächste Bus kam zwar erst in einer halben Stunde, doch vielleicht konnte er diese halbe Stunde zum Denken benutzen und doch nicht gehen. ‚wahrscheinlich nicht. ‘ dachte Elwood und lächelte schelmisch als er ein Buch, das er aus der Bibliothek geklaut hatte, aus seinem Aktenkoffer nahm und es anfing zu lesen. 18.30. Der Bus hielt und Elwood stieg ein. Nichts konnte seine Entscheidung ändern.


Die Fahrt zum Bahnhof, war unnötig lang. Zumindest war das seine Meinung. Um 18.30 war auf dem Bahnhof viel los und er bekam das recht zum Spüren. Die Anlage dröhnte einige Orte für die nächsten Züge, Leute standen versammelt und redeten lauthals durcheinander, Die Lichter brannten hell, überall waren bunte Schilder die für verschiedene Produkte warben und Elwood fühlte sich müde. Er konnte sich nicht einmal dazu bringen, vor den Zug zu springen, als dieser quietschend zum Stehen kam. „Jake…“ Murmelte er „Jake hilf mir.“ Doch es wurde nur noch lauter und greller und plötzlich wurde es zu viel für ihn zum Aushalten.  Er setzte sich auf den Boden und verdeckt sich die Ohren und schloss die Augen. Er schrie laut auf und schüttelte den Kopf. Das war nicht das erste Mal dass das passiert war. Und normalerweise war Jake da.

März 1957

Jake und Elwood hatten sich Mal wieder aus dem Waisenhaus hinaus geschlichen. Sie hatten den Plan sich in eine Aufführung von einem Gruselfilm hineinzuschleichen. Elwood schien wenig Sorgen zu haben und Jake schien es egal zu sein ob sie Ärger kriegen würden. „Hör Mal, weisst du welchen Bus wir nehmen müssen bis zum Kino?“ fragte Jake. Elwood schüttelte nur den Kopf. Es war ein sonniger Tag und die Leuten waren alle draussen um es zu geniessen. Sie redeten, Autos fuhren vorbei und es war laut. Elwood deckte sich die Ohren zu, doch irgendwie wurde es nicht besser. Die Sonne schien grell und ohne Unterlass und Elwood konnte nicht anders als seine Augen zu schliessen. Was war da los mit ihm?

„El, bist du okay?“ fragte Jake besorgt. Elwood setzte sich auf den Boden und wimmerte ein bisschen „Hey, was hast du?“ Jake fragte wieder und legte eine Hand auf seine Schulter. Elwood schrie auf und schüttelte sich „Oh nein! Kann hier jemand helfen?!“ fragte Jake verzweifelt, er war überzeugt, dass Elwood abkratzen würde „Hallo! Wieso hilft uns keiner?!“ er zog sich seine Jacke aus und warf sie auf Elwood „El bitte stirb nicht okay? Wir werden jetzt zurückgehen und alles wird okay!“ Jake klang panisch als er versuchte Elwood aufzuheben, doch dieser wehrte sich gegen jeglichen Körperkontakt „Was ist denn mit dir los?“ Jakes Verzweiflung wurde immer deutlicher. Das war das erste Mal als Elwood überlud.


Jake war nicht hier und ihm wurde dies immer mehr bewusst, je mehr Leute sich um ihn versammelten „WEG!“ schrie er „WEG!“ er wollte das die Leute verschwinden, das alle weg gehen und die Welt in komplette Dunkelheit und Ruhe sank. Plötzlich hörte er die Stimme von einem Kind die rief „Jetzt geht doch alle weg und macht ihm Platz!“ eine Zweite Stimme folgte „Ja. Tut was der Kleine euch sagt, er braucht sich nicht noch mit euch rumzuschlagen!“. Elwood spürte wie eine Jacke über ihn geworfen wurde und er fragte leise „Jake…?“

„Nein Sir. Mitchel. Aber man nennt mich Mighty Mac. Der Kleine heisst Buster. Wir werden Sie schnell aus dem Bahnhof begleiten.“ Sagte Mighty Mac. Elwood wusste nicht was er tun sollte, also entschied er sich zu kooperieren, als man ihm aufstehen half.



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