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Blues Brothers 2000

von Soul Man
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
19.12.2014
07.09.2015
6
11.153
 
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19.12.2014 1.607
 
Kapitel 2: Nobody’s son

Calumet City. Cook County im Nordosten Illinois. Eine Gegend, die Elwood kannte wie seine Westentasche. „Es ist schön wieder hier zu sein.“ Sagte Elwood. „Ich hoffe schwer, das Dad nichts dagegen hat, wenn ich um Mitternacht auftauche.“ meinte Cab „Ich kann kaum glauben, dass du beinahe den ganzen Weg hier gelaufen bist.“

„Du kamst zur richtigen Zeit Cab.“ Elwood schien ein bisschen mehr gesprächig zu sein. Er klopfte an die Tür und er fühlte sich seltsam. Wie damals, als alles besser war, als Elwood nicht alleine war. Er verwarf den Gedanken wieder, Jake ist ja noch aufzufinden oder? Als sie die Treppe zum Büro von Stigmata, oder ‚die Pinguintante‘ hochliefen, hatte er Zweifel, die er wider wegschüttelte. Was hatte Jake gesagt als sie Teenager waren?

„Regel Nummer Eins… Lass dir nie anmerken, dass du Sorgen hast. Bleib immer cool. Scheisse passiert, das ist blöd, doch nimm einen tiefen Atemzug und lauf weiter als wäre nix passiert.“

Elwood atmete tief ein. „cool bleiben.“ Murmelte er. Sein Klopfen klang halbherzig. Als Stigmata die Tür öffnete, schien sie ein bisschen überrascht zu sein „Elwood! Cable! Wie nett euch Jungs zu sehen.“ Sie sah Elwood an „Ich habe das mit Jake gehört… er…“-„Er ist früher draußen.“ Elwood klang so als würde er seine Meinung nicht ändern „Elwood mein Junge, du musst der Realität ins Auge sehen.“-„Ich muss gar nichts. Ich werde Jake schon finden.“

„Elwood bitte…“

„Wir sind hergekommen um Curtis zu sehen und nicht um einen Vortrag zu hören.“ Elwood verschränkte die Arme. Stigmata schien ein bisschen entsetzt zu sein, aber sie hatte viel zu viel Mitleid um Elwood den Lineal der Erziehung spüren zu lassen „Er ist im Keller. Ich komme nach. Irgendwann einmal“

Als Elwood und Cable zur Tür hinausgingen, seufzte Stigmata. Draussen fing es an zu donnern und seltsamerweise musste sie an den Tag denken, an dem Elwood hergebracht wurde…

Dezember 1953

Stigmata wusste, dass heute etwas geschehen würde. An Nächten wie diese passierte immer irgendetwas „Wenn es blitzt und donnert wie heute, ist Gott launisch. Da kann wirklich alles passieren“ Hatte ihre Mutter ihr mal erzählt und sie hatte daran auch immer geglaubt. Es klopfte an der Tür und sie öffnete sie, vor ihr stand ein Polizist, mit einem Neugeborenen in der Hand. Der Kleine konnte nicht mehr als ein Jahr alt sein. Der Polizist reichte ihr den Jungen „Es tut mir Leid, das ich Sie um diese Uhrzeit noch störe, aber man hatte mich von einem Zeitungskiosk aus angerufen: Eine Jugendliche hat ein Kind dort abgegeben und ist einfach abgehauen.“

„Oh je. Das ist ja schrecklich.“ Stigmata klang schockiert, als sie ihn im Arm hielt. Er schien zu schlafen „Ich hoffe wir haben hier noch Platz Mister…“

„Mister DeLaney. James DeLaney“

„Danke… Wäre es okay, wenn wir DeLaney als seinen Nachnamen verwenden würden?“ sie fragte, als sie das kleine Baby hin und her wiegte. „Dagegen hab ich nichts. Ich muss dann los.“ Er nickte ihr höflich zu und Stigmata nickte höflich zurück.

Eine andere Nonne, Schwester Mathilda, sah den Jungen an und schüttelte den Kopf „Was für ein Unmensch würde sein Kind einfach so zurücklassen? Das ist ja grausam.“
„Ich weiss Tilde. Wie sollte der Kleine heissen?“

„Mal sehen... Er ist das fünfte namenlose Kind… Sicher irgendwas mit E…“

„Ich finde Elwood würde passen.“ Schlug Stigmata vor „Elwood DeLaney… Was meinst du Tilde?“

„Ich fände ja Eric wäre auch nett. Aber sicher, nehmen wir Elwood.“ Mathilda seufzte und ging wieder in den nächsten Raum, da sie einen Streit hören konnte. Stigmata ging in den Kleinkinderraum. Es waren einige Gitterbette drinnen und die Kinder schliefen alle. Das einzige Problem war das es kein freies Bett gab „Toll. Das hat mir gerade noch gefehlt.“ Sie schüttelte den Kopf als sie von der Seite ein Kissen traf. Sie wusste sofort wer es war „Jake. Kannst du wieder nicht schlafen?“ fragte sie.
„Nö.“ Antwortete Jake schnell. Er war gerademal drei Jahre alt und machte schon allerhand ärger. Er deutete auf Elwood „Wer’s das?“
„das ist unser Neuankömmling. Ich muss mir aber etwas überlegen, wir haben keinen Platz hier…“

Jake sah kein Problem „Ich mach Platz.“

„Wirklich?“ fragte sie. Jake nickte energisch „Ja. Ich mach Platz für ihn…“
„Danke Jake! Das ist sehr grosszügig. Der Kleine hier heisst Elwood.“

„Okay.“ Jake rutschte zur Seite und Stigmata legte ihn ins Gitterbett. Sie ging wieder aber schaute nur zum sicher gehen, durch den Türspalt zu, wie Jake auf den Neuankömmling reagiert. Jake legte den Kopf schief. Das Baby wachte auf und drehte sein Gesicht zu ihm. Elwoods Augen waren verschiedenfarbig: Eins grün, das andere braun. Jake lächelte und hielt ihm seine kleine Hand hin „Hallo. Ich bin Jake.“ Flüsterte er und Elwood ergriff mit seiner noch kleineren Hand, seinen kleinen Finger und gluckste amüsiert. Bald war Mitternacht und das Duo schlief tief und fest, als ob sie sich schon immer gekannt hätten.


Ein Klopfen riss sie aus ihren Gedanken. Sie öffnete die Tür und sah dass einer der Kinder wieder Albträume gehabt hatte.

Im Keller waren Curtis, Cable und Elwood schon am Trinken und Anekdoten erzählen. Im Hintergrund lief eine Platte von Muddy Waters. Es roch nach Rauch, Staub und Fussel, fühlte sich dennoch heimelig an. Cable sagte „Weisst du Dad, ich habe El auf dem Weg hierher aufgelesen. Ich muss sagen er ist so gar nicht gesprächig“ Elwood wollte sich entschuldigen, doch Curtis lachte „Das ist ja nichts spezielles. Du warst nie besonders gesprächig als Kind. Wurde zwar besser mit der Zeit… Aber na ja. So Elwood, was hast du uns zu erzählen?“

„Nichts um ehrlich zu sein. Ich war im Knast, Jake durfte früher raus und jetzt such ich nach ihm.“ Antwortete er. Curtis sah ihn besorgt an „El… Stigmata hat mir erzählt was los war. Wir haben einen Anruf aus dem Gefängnis erhalten und ich wollte nur sagen dass…“

„Curtis.“ Elwood unterbrach ihn „Die haben sicher gelogen. Bullen kann man nicht trauen.“

„Ein Bulle hat dich her gebracht. Sonst wärst du wahrscheinlich da draussen umgekommen.“ Warf Curtis ein. Elwood sagte nichts, sondern schaute in sein halbleeres Glas hinein. Das war wohl wahr. Aber jeder lügt doch um eine andere Person zu schonen oder miserable zu machen. Er hatte Jake auch über die Band angelogen, um ihm Hoffnung zu geben. „Hey, El hast du eine Bleibe?“ fragte Curtis. Elwood schüttelte stumm den Kopf und sagte „Jakes Mordlustige Ex hat meine alte Bleibe in die Luft gesprengt.“-„Was...?“-„Macht Sinn im Kontext Cab. Es macht Sinn im Kontext.“ Elwood schenkte sich noch etwas billigen Whiskey ein. Vielleicht wäre es eine gute Idee seine Sorgen weg zu trinken. „Ich werde wahrscheinlich irgendwo in ein Motel gehen“ Elwood nahm ein Schluck und spürte wie der Alkohol seine Kehle runterrann. ,Wenn ich genug trinke, weiss ich morgen vielleicht nicht mehr wer ich bin‘ dachte er, als er das leere Glas auf den Tisch stellte.

Stigmata kam die Treppe runter zum Keller und öffnete die Tür. Es war recht staubig, warm und roch nach Rauch. „Elwood kann ich dich kurz sprechen?“-„Nein. Ich bin noch nicht betrunken genug“ antwortete er. Sie seufzte genervt „Zwing mich nicht dazu mein Lineal zu holen…“-„Ich komme sofort.“ Elwood stand auf. Es gab nur drei Dinge vor denen er wirklich Angst hatte und eins davon war Stigmatas langes Lineal der Erziehung. Er folgte ihr die Treppe hoch. Als sie wieder im Büro sassen fragte Elwood „So. Was gibt’s denn?“

„Na ja. Ich wollte fragen, was du jetzt vorhast.“

„Ich weiss es nicht um ehrlich zu sein. Ich habe gar nichts mehr. Mein zu Hause ist weg, mein Auto ist weg, ich habe keine Ahnung wo Jake sich aufhält. Ich bin auf mich Alleine gestellt.“

„Hör zu Junge. Ich habe dich hier aufwachsen sehen und verstehe wie du dich jetzt fühlst. Du bist einsam, du suchst deinen Platz auf der Welt… Ich möchte dich einfach um einen Gefallen bitte: Bitte, pass auf dich auf. Suche Hilfe. Rede mit den anderen darüber.“

„Ich kann nicht. Tut mir leid.“

„Elwood.“ Sie stand auf und lief hinter ihm auf und ab „Mir hatte diese Einstellung von dir und Jake nie gefallen. Dieses ganze ‚Nichts fühlen, verschliessen, versiegeln‘ es mag vielleicht eurem Image gut getan haben, aber ich weiss von Jake, das so etwas einen zerfressen kann.“

„Nein.“ Elwood schüttelte nur den Kopf. Für ihn war das, was er und sein Bruder die letzten Jahre gemacht haben eine Selbstverständlichkeit. Es war alles Teil des Images. Er stand auf „Ich werde jetzt gehen. Ich muss eine Bleibe für die Nacht finden.“

„Elwood, warte! Wieso bleibst du nicht hier?“ Stigmata hielt ihn sanft am Arm fest.

„Stigmata… Diese Gegend erinnert mich zu fest an ihn.“

„Es ist Mitternacht, draussen donnert und blitzt es. Du holst dir noch den Tot mein Junge!“

„Glaub mir dagegen hätte ich nichts. Ich würde sogar nachhelfen.“

Nach dieser Aussage, zückte Stigmata ihren Lineal und haute Elwood fest auf den Kopf. Er zuckte mit Schmerzverzerrtem Gesicht zusammen,  „Komm mir ja nie wieder mit so Gedanken!“ rief sie aufgebracht „Das Leben ist Gottes Geschenk und man schlägt ein Geschenk Gottes nicht aus!“

„Was soll’s den? Wenn ich sterbe interessiert es doch eh niemanden.“ Er drehte sich um. „Oh nein, mit diesen Gedanken gehst du mir aber erst recht nicht weg. Du wirst hier bleiben. Curtis kann ja eine Matratze für dich bereitlegen.“

„Stigmata… du musst wirklich nicht…“

„Papperlapapp. Wenn ich dich gehen lassen würde, wirst du dich wahrscheinlich von einer Brücke stürzen und ich will dich nicht verlieren.“ Sie umarmte ihn „Das verstehst du doch oder?“-„Wahrscheinlich. Ist Cab noch da?  Mein Aktenkoffer ist noch in seinem Wagen.“

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