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Blues Brothers 2000

von Soul Man
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
19.12.2014
07.09.2015
6
11.153
 
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19.12.2014 1.212
 
Kapitel 1: Years after

1998. Elwood hätte nie gedacht, dass er tatsächlich raus dürfte. Es schien ihm wie eine Ewigkeit, als er das letzte Mal draussen war. Jake kam etwas früher raus. Das war zumindest, was die Wache ihm gesagt hatte.

Um Punkt  15 Uhr wurde er aus seiner Zelle geholt. Sie liefen durch den Trakt und Elwood sagte nichts. Er hatte gehofft, Jake würde ihn abholen, er konnte sich sein Grinsen schon regelrecht vorstellen. Ein Brüderliches Grinsen, das zwar etwas Spöttisches hatte, aber dennoch Respekt und den unsagbaren Satz ‚hab dich vermisst‘ übermittelte. Nur er konnte so ein Grinsen bringen. Im Checkraum stand Elwood  auf der weissen Linie und ein Mitarbeiter holte seine Besitztümer aus einer Schachtel.

„Eine Mundharmonika, silbrig.“ Sagte er grimmig, als er den Gegenstand aus der Schachtel holte „Ein paar Sonnenbrillen, schwarz. Ein paar Schuhe, schwarz. Ein schwarzes Anzugsjackett, eine schwarze Anzugshose…“ als der Arbeiter all die Gegenstände aushändigte konnte sich einer der Wächter, der wohl schon länger hier war, keinen Witz verkneifen „Und, kein benutztes Kondom?“ er lachte alleine, keiner fand es besonders witzig. Am Schluss holte er noch einen Umschlag hervor „23 Dollar und 7 Cents.“ Er hielt Elwood einen Stift und ein Klappbrett mit einem Papier hin „Unterschreiben Sie bitte hier.“ Danach wurde er zum Ausgang gebracht.

Als er nun am Ausgang stand, wartete er auf Jake. Er konnte es sich schon vorstellen, wie er ankam. Verschränkte Arme, starres Gesicht. Dann lächeln sie sich an. Doch Jake kam nie. Seufzend sah Elwood auf die Uhr. Es war fast 16 Uhr. Jake war zu spät.
Eine der Wache hatte ihn schon gesehen. Er lief zum nächsten Wärter und fragte „Sir… Warum ist der hier?“

„Wer?“ der Wärter fragte verwirrt.

„Elwood Blues. Er scheint auf Jake zu warten.“
„Habt… ihr es ihm nicht erzählt?“

„Na ja… Sir wir dachten Sie hätten es ihm gesagt.“ Meinte die Wache.

Der Wärter massierte sich die Schläfe „Oh je. Er wird die Nachricht nicht gut hinnehmen oder?“

„Nun ja… Er ist relativ Emotionslos. Er kann das schon packen.“ Murmelte eine andere Wache, die im Hintergrund stand. Der Wärter sah aus dem Fenster. Elwood stand immer noch da. Wartend, auf jemanden der nie ankommen würde. „Ich werde es ihm sagen.“ Meinte der Wärter. Er stand von seinem Schreibtisch auf, öffnete die Tür und atmete tief ein. In seinem Kopf, ging er ein mentales Skript durch.

‚Elwood, es tut mir leid… Nein zu Klischee… Elwood, wegen deinem Bruder… er… nein, ich kann es ihm so nicht bei bringen. Elwood, warten wird dir nichts bringen. Geh einfach nach Hause. Er ist tot. Nein. Das kann ich ihm so nicht mitteilen. Ich klinge so kaltherzig…‘ dachte er. Als er vor Elwood stand nahm er sich ein Moment.

„Elwood… Du… solltest etwas wissen. Es geht um… Jake. Wir haben dir nicht ganz die Wahrheit gesagt.“

„Sie haben mich angelogen.“ Sagte Elwood.

„Nein. Wir haben dich nicht angelogen. Es ist einfach so, wir wussten nicht, wie du es verkraften würdest.“

„Na und? Sie haben mich trotzdem angelogen.“

„Was hätten wir tun sollen? Dir deine einzige Hoffnung nehmen?“

‚Wieso kommt mir das so bekannt vor?' dachte Elwood.

„Das einzige von dir nehmen, das dich da drin am Leben erhalten hat? Da haben wir uns die Freiheit genommen…“

„Mir nur die halbe Wahrheit zu sagen? Okay. Ich versteh schon. Ich werde… schon gehen.“ Sagte er. „Öhm… Elwood. Bitte… Tu dir nicht weh okay? Ich versteh es wenn du etwas durch den Wind bist.“

Doch Elwood hörte nicht mehr zu, er hatte dem Gefängnis den Rücken gekehrt. Was der Wärter noch sagte war ihm egal. Im Moment war ihm alles egal. Er hatte seinen Aktenkoffer fest in der Hand. Als er weit genug war, öffnete er den Koffer und holte seine Mundharmonika raus. Als er anfing zu spielen, lief er die Landstrasse entlang. Es schien so als würde er wohl oder übel laufen müssen. ‚wäre Jake wenigstens hier.‘ dachte er.

Als er weiter ging wurde es Nacht und mit dem Einbruch der Nacht, wurde seine Stimmung auch nicht besser. Er war müde und ihm war kalt. Wo sollte er überhaupt hingehen? Er hatte kein Daheim, keine Wurzeln, kein Bruder… Er blieb stehen „Nein. Ihr habt mich angelogen.“ Sagte er, mit einer Andeutung auf Wut in seiner Stimme „Ihr habt mich über Jake angelogen, ihr Mistkerle. Ihr wolltet, dass ich miserable bin und meine Freiheit nicht geniessen kann.“ Redete  er sich ein. Er setzte sich an den Strassenrand, komplett gerädert. Er war müde. Sehr müde. „Wenn ich dich finde Jake, da werden wir ein Problem haben. Ich habe dich damals abgeholt. Wo bist du?“ fragte er in die Nacht hinein. Er wartete für eine Antwort. Eine Minute. Er sah auf die Uhr. 23.01 Uhr. Er fing an Harmonika zu spielen. Aus dieser Minute schien eine Stunde zu werden.

Mitternacht. Was sollte er jetzt tun? Per Anhalter mitfahren? „Nein. Das wäre eine dämliche Idee.“ Murmelte er. Als er aufstand und weiter lief, merkte er, dass er eigentlich gar nicht wusste wo er war. Er seufzte. In der Ferne sah er ein Paar Scheinwerfer eines Autos. Das Auto kam näher und er winkte. Mit Quietschenden Reifen, kam der Wagen zum Halt. Es war ein Polizeiwagen. Der Fahrer kurbelte das Fenster runter „Na, bist du ein Entflohener, oder liessen sie dich raus?“ fragte ein afro-amerikanischer Polizist gut gelaunt. Elwood schaute auf den Boden und sagte „Liessen mich gehen. Möchte in die Stadt.“

„Na dann steig ein.“

Elwood nickte und öffnete die Autotür und setzte sich hinein.

„Wo genau solls den hin Kumpel?“

„Weiss nicht.“

„Einfach in die Stadt?“

„…“

„Du bist nicht besonders gesprächig.“ Meinte der Polizist amüsiert. Er fuhr los „Hey, meine Name ist übrigens Cab. Ist kurz für Cable.“ Er gluckste „Ich weiss, das ist ein dämlicher Name. Aber mein Dad na ja. Er mochte den Namen. Wer weiss vielleicht kennst du ihn?“

„…“

„Wenn ich zu viel Rede, sag Bescheid.“ Meinte Cab. Er klang ein bisschen entmutigt „Nur damit du es weisst, ich möchte einfach nur nett sein.“

„Ich… hab keine Eltern.“ Murmelte Elwood. Für eine Weile herrschte eine peinliche Ruhe. Cab wusste nicht, wie er auf diese Aussage reagieren sollte. Er schaltete das Radio an, es lief irgendein Pop-Song, bei dem sich Elwood sicher war, in einigen Jahren würde man davon nichts mehr hören. „He hör mal… Ich wollte meinen Vater besuchen. Er arbeitet als Hausmeister in einem Waisenhaus. Vielleicht kann ich ihn fragen, ob er dich bei ihm aufnimmt.“

„…Curtis.“

„Hey, das ist sein Name! Du kennst Dad?“
„Ja.“

„Moment… Du musst dann wohl entweder Jake oder Elwood sein!“ meinte Cab lächelnd „Er hat mir sehr oft von euch beiden erzählt. Ich nehme an du bist Elwood.“
Elwood nickte einfach und hoffte es war keine Frage.

„Wo ist Jake überhaupt?“

„Ich weiss nicht. Er… durfte früher raus und er kam mich nicht abholen.“ Elwood schloss die Augen und beschloss ein bisschen zu schlafen. Vielleicht würde er nicht mehr an Jake denken müssen. Erst dann wurde ihm bewusst wie müde er war. Er träumte etwas. Im Grunde genommen war er in einem fast dunklen Raum. In der Mitte des Raumes waren ein Tisch und zwei Stühle. Er setzte sich hin und wartete in kompletter Dunkelheit. Das Bremsende Auto brachte ihn zurück in die Realität.

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