Ist das Leben nicht schön?

von Exita
GeschichteRomanze / P18 Slash
17.12.2014
23.12.2014
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Ist das Leben nicht schön?


Hallo...hier zwischendurch eine kleine Weihnachtsgeschichte  über Arthur und Merlin. Ich hoffe sie gefällt euch. Reviews wie immer sehr willkommen. LG Exita


Kapitel 1



Es war eiskalt in London, wieder hatte es geschneit und nun verwandelte sich die Feuchtigkeit in Eis. Der Himmel war grau und die Wolken voll mit noch mehr Schnee. Merlin wanderte durch die Straßen, es war eine Woche vor Weihnachten. Alle rannten geschäftig durch die Straßen, sahen nicht links oder rechts. Es interessierte sie nur ihre eigenen Dinge, Weihnachtseinkäufe und die Planung für Weihnachten.

Niemand beachtete ihn, den jungen Mann, der seinen zerschlissenen Mantel, der viel zu dünn für diese Temperaturen war, enger um sich zog. Merlin war einer der vielen Obdachlosen, mittellos und ohne vielversprechende Zukunft. Und das war nicht mal seine Schuld. Er kannte seinen Vater nicht und seine Mutter hatte ihn einfach verlassen, sie war Alkoholikerin gewesen, hatte die Männer gewechselt wie Tag und Nacht und als er zehn war, war sie gegangen und nie wiedergekommen.

Er hatte etliche Waisenhäuser durchgemacht und auch einige Familien, doch als er sechszehn war, hatte ihn der Mann in dessen Familie er lebte, sexuell belästigt und irgendwann war er von dort abgehauen. Seitdem lebte er auf der Straße, er war jetzt vierundzwanzig. Das Leben auf der Straße war ihm vertraut; sein Heim riesengroß, doch die Wintermonate waren immer hart.

Er blieb an einem der Schaufenster stehen, köstliches Weihnachtsgebäck war dort zu sehen, er würde es nie probieren können. Die Verkäuferin, die einen neuen Teller ins Fenster stellte, sah ihn abfällig an, es war unverkennbar, das sie sah, wie sein Stand war. Jeder sah ihn so an, aber das war er schon gewöhnt, er ging weiter. Die Innenstadt war schön anzusehen, alles leuchtete weihnachtlich und er sah sich lächelnd um. Merlin liebte Weihnachten, auch wenn er keine Geschenke bekam und allein war.

Er musste sich beeilen, es war spät und er steuerte einer der Brücken an. Einer der Brücken, wo sich abends seine Kumpels trafen und sich dort auf die Nacht vorbereiteten. Diese Brücken lagen nicht in der festlichen Innenstadt, auch nicht in den Vierteln der Reichen, eher in den anderen. Er hatte dort einen Platz zum Schlafen, aber wenn er zu spät kam, dann war er weg; das Gesetz der Straße.

Als er dort ankam, wusste er, das er zu spät war, jemand anderes hatte sich dort schon niedergelassen. Er ging durch die Reihen der Männer und Frauen, die sein Schicksal teilten. Wer Glück hatte, bekam für eine Nacht ein Bett in den Heimen und eine warme Mahlzeit, aber dort musste man sich stundenlang anstellen, darauf hatte Merlin keine Lust.

„Das ist mein Platz“, sagte er zu dem älteren Mann, der ihn jetzt mürrisch ansah.

„Wo steht das?“

„Ich schlafe hier und das ist meine Decke.“

Diese Decke hatte er in einem Müllcontainer gefunden und war im Winter sein wertvollstes Stück.

„Du bist zu spät und du kennst das Gesetz. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Pech, mein Junge und jetzt zisch ab“, sagte er hart.

„Dann gib mir zumindest meine Decke“, beharrte er.

Eine ältere Frau, der man ansah, das sie kein schönes Leben hatte und die Schnapsflasche von ihrem Mund nahm, hatte sie beobachtet und sagte nun.

„Gott Bruno, gib ihm seine Decke, sie gehört ihm. Du hast schon seinen Platz;  sei nicht so gemein.“

Der Angesprochene grollte leicht und warf ihm die Decke zu.

„Zufrieden? Troll dich jetzt, bevor ich es mir anders überlege.“

Merlin ging, er hatte keine Chance hierzubleiben, alles war belegt. Und niemand würde ihm helfen, das diese Frau schon etwas sagte, war ein Wunder. Hier war sich jeder der Nächste, kämpfte um Essen und Schlafmöglichkeit; sie hatten keine Wahl. Und er musste das ungeschriebene Gesetz der Straße achten, es war fast schon ein Kodex.

Wer sich nicht dran hielt, war sehr schnell der Außenseiter der Außenseiter. Er wanderte durch den Abend, ohne festes Ziel und kam irgendwann in einen Park. Er blieb stehen und schaute sich um, dieses Viertel kannte er nicht gut und war eines, in dem Leute mit viel Geld wohnten. Die prunktvollen Häuser und die gepflegte Gegend sagten das aus.

Er ging in den Park und setzte sich auf eine Bank, die überdacht war, wohl nur bei den Leuten in den reichen Vierteln. Merlin schaute sich um, niemand war mehr in dem Park unterwegs, den meisten war es zu kalt. Er legte seine Decke um sich und packte die Essensreste aus, die er im Müll von einer Pizzeria gefunden hatte. Die Menschen wussten nicht zu schätzen, was Essen bedeutete, aber er war froh dafür. Er biss in das Stück Pizza und saß still auf dieser Bank, als ein Schatten auf ihn zukam und er aufsah.

Es war ein mittelgroßer Hund, zottelig und schwarz. Merlin war vorsichtig, aber der Hund zeigte keine bösen Absichten, setzte sich vor ihn und wedelte mit dem Schwanz. Merlin lächelte.

„Auch kein Zuhause?“

Der Hund machte ein jaulendes Geräusch und stupste ihn an. Merlin sah auf seine spärliche Mahlzeit und nickte.

„Also gut, teilen wir“, sagte er und gab ihm die Hälfte ab, die der Hund schnell fraß.

„Aber das nächste Mal bist du dran“, grinste Merlin und warf das Papier in den Müll. Er sah sich die Bank an, hier könnte er schlafen, denn wenn es anfing zu schneien, wäre er geschützt. Er legte sich auf die Bank, der Hund sprang hoch und rollte sich über seinen Füssen zusammen. Merlin hob den Kopf und lächelte.

„Sag mir jetzt nicht, das es deine Bank ist, aber zumindest teilst du sie mit mir. Gute Nacht.“

Der Hund bellte und er kicherte, versuchte zu schlafen und zog seine Decke etwas höher.


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Arthur saß in seinem großen stilvollen Büro, er war der Chef eines Konzerns...Pendragon Enterprises. Er musste sehr früh diese Stellung einnehmen, denn Uther, sein Vater war vor zwei Jahren verstorben. Seine Mutter starb schon früher. Er war jetzt siebenundzwanzig und hatte die Verantwortung von zwanzigtausend Mitarbeiter und der Firma. Nun, da kam ihm zugute, das er schon lange in der Firma arbeitete.

Nach dem Studium in Oxford hatte er seine Stellung angetreten und sein Vater zeigte ihm, wie man die Firma führte. Aber er hatte auch genügend Manager, die ihm ein Großteil der Arbeit abnahmen. Arthur kümmerte sich meistens nur um die exclusiven Aufträge. Es klopfte und seine Sekretärin kam herein, legte ihm Papiere auf den Schreibtisch.

„Sir, Tokio erwartet ihren Anruf.“

„Ja, ich weiß, erledige ich gleich, Glenda. Das wäre für heute alles, machen sie Schluss.“

„Haben sie schon ihre Weihnachtsgeschenke? Ich muss noch los, bin mal wieder spät dran.“

Arthur sah auf, er war ein schöner Mann mit hellblonden Haaren und schönen blauen Augen, die jedes Mädchenherz dahinschmelzen ließen, aber Arthur machte sich nichts aus Mädchen. Etwas, womit sein Vater nie klar kam, aber das war nun auch egal. Glenda, jung, hübsch mit langen braunem Haar und ein wenig verliebt in ihn, lächelte ihn an.

„Nein, ich brauche auch keine.“

Sie machte ein überraschtes Gesicht und fragte, bevor sie überlegte.

„Und wie verbringen sie den Weihnachtsabend, ich meine...“, sie stockte, er war ihr Chef und sie zu direkt.

Wieder sah er auf und Glenda wünschte sich für einen Moment, er würde sie attraktiv finden, als er antwortete.

„Wie immer, einen Spaziergang und ein Wein vor dem Kamin und dann gehe ich schlafen.“

„Verzeihung Sir, das war zu persöhnlich“, meinte sie, doch er lächelte.

„Nein, ist es nicht. Was tun sie denn?“

Sie lächelte, froh darüber, das er es locker nahm.

„Ich bin bei meinen Eltern, meine Geschwister kommen auch und Mutter macht köstliches Essen und danach Bescherung und wir trinken Eierpunsch und singen Lieder.“

„Schön“, sagte er nur und sie ging.

Arthur sah ihr nach und lächelte, sie hatte ein schönes Weihnachtsfest. Er war allein, hatte gerade eine Beziehung hinter sich, die unschön endete. Sein angeblicher Partner hatte ihn bestohlen, hatte sich heimlich von seinem Bankkkonto etwas abgezweigt. Kris war eigentlich nur an seinem Geld interessiert gewesen. Er führte sein Gespräch mit Tokio und machte auch Schluss.

Er griff zu seinem Kaschmirmantel und legte seinen Schal um, dann verließ er sein Büro, er ging immer zu Fuß nach Hause, durch den Park war es nicht weit. Es war dunkel und der Schnee knirschte unter seinen Füßen, als er jemand auf der Bank liegen sah. Er ging langsam weiter, ein schwarzer Hund hob den Kopf und schaute ihn an. Der junge Mann schlief und Arthur fragte sich, wie man in dieser Kälte schlafen konnte.

Normalerweise waren diese Obdachlosen hier nicht in der Gegend und er wunderte sich etwas. Doch dann ging er weiter und verließ den Park, steuerte auf die große Villa zu und trat ein. Ein Butler kam und verneigte sich leicht, nahm ihm den Mantel ab und sagte.

„Sir, das Abendessen wird im Salon serviert.“

„Danke, Sven“, sagte er und ging in den Salon.

Es war ein sehr großes Zimmer, eigentlich eine Kombination aus Wohnzimmer und Speisezimmer. Ein großer moderner Tisch mit acht Lederstühlen stand seitlich, in der Mitte eine große Wohnlandschaft mit Tisch und die passenden Möbel dazu. Ein großer Fernseher und eine teure Anlage rundeten alles ab und alles in schwarz weiß gehalten und klassisch schön.

Das Haus war elegant eingerichtet und modern. Es war nicht sein Elternhaus, Arthur hatte seine eigenen Ideen, was sein Zuhause anging und er verkehrte in den oberen Kreisen. Aber das war ihm nie so wichtig, seinem Vater schon.

Er mochte nicht diese arrogante Art, die diese Frauen, aber auch die Männer an den Tag legten und mit dem angaben, was sie hatten. Er war reich, ja, aber trotzdem musste er dafür arbeiten, manchmal länger und härter als seine Angestellten.

Nach dem Essen trank er noch einen Cognac vor dem Kamin und ging ins Bett. Es war immer das Gleiche und Arthur war einsam. Sicher, er hatte genug Affären, genug Männer, die mit ihm ins Bett sprangen, aber eine echte Beziehung zu haben war schwer.

Seine Letzte erwies sich wieder einmal als einen Flop und Arthur hatte ihn nicht geliebt. Doch alle sahen eigentlich nie ihn, sondern das was er hatte...Geld. Arthur wusste das und es machte ihn hoffnungslos. Warum konnten sie nicht ihn lieben, anstatt sein Bankkonto?

Im Grunde genommen war er reich, einsam und unglücklich.
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