Menschenkenntnis (Gaylien Romance - Teil 1)

KurzgeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
17.12.2014
17.12.2014
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© by Sitala Helki
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Private Kopien für dein Eigengebrauch (Reader, etc.) sind davon selbstverständlich ausgenommen.

Falls euch, liebe Leser, diese Geschichte irgendwo unter anderem Namen begegnet, würde ich mich über einen kurzen Hinweis freuen.


Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß und nehmt die Geschichte nicht zu ernst ;-)
Eine kurze Erklärung, wie es zu dieser Geschichte kam, findet ihr im Nachwort.

LG Sitala




Menschenkenntnis



»Wie bitte?! Das kann nicht euer Ernst sein! Ich soll zur Erde fliegen, nur weil Golan mal wieder eine Show abzieht? Das könnt ihr getrost vergessen!«
»Krinto, das ist keine höfliche Bitte, sondern ein Befehl!« Okay, wenn mein Boss in diesen Tonfall verfällt, in dem man meint, das Blut gefriere einem gleich in den Adern, sollte man es tunlichst vermeiden, zu widersprechen.
Ich presse meinen Kiefer aufeinander und atme tief durch. Alles nur wegen dieses blöden Sturkopfes! Echt, was Golan an Theatralik an den Tag legt, ist nicht zu überbieten!
Wir hatten uns gestritten. Nicht zum ersten Mal. Aber auch nicht so schlimm wie sonst. Trotzdem meinte er, seine Sachen packen zu müssen und abzuhauen. Nicht etwa zu Mutti oder zu einem Freund, nein, einfach gleich runter von unserem Planeten! Dieser Idiot! Dabei sind Alleinflüge seit damals strengstens untersagt. Aber wenn der Herr sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, ist er nicht mehr zu stoppen.

Ach so, man mag es schon herausgelesen haben: Wir sind keine Menschen. Zum Glück nicht. Ganz ehrlich: Wir beobachten euch. Befehl von ganz oben. Ich weiß allerdings nicht warum, denn ihr seid nur die ersten paar Wochen spannend. Danach ist relativ schnell klar: Die Menschheit wird sich früher oder später selbst ausrotten. Wenn ihr euch nicht mit bloßen Händen oder meinetwegen auch mit primitiven Waffen gegenseitig abmetzelt, dann werdet ihr einfach irgendwann schlichtweg aussterben, weil ihr euren Planeten komplett heruntergewirtschaftet habt. Aber gut. Soll nicht mein Problem sein. Zumindest nicht, solange ihr das nicht in der nächsten Zeit tut. Denn der werte Herr ist - natürlich - zur Erde geflohen. Dummerweise hat er bei dem Versuch, möglichst unauffällig zu landen, unser Raumschiff geschrottet. Das Teil war noch nicht mal abbezahlt!

»Ich habe nicht einmal ein Raumschiff«, gebe ich zu bedenken. Ich lege nämlich keinen großen Wert darauf, ihm hinterher zu düsen. Nachher denkt er noch, ich gebe ihm Recht. Wäre ja noch schöner!
»Das haben wir selbstverständlich bedacht! Hier hast du den Schlüssel zur ›Gastropode‹. Du wirst dich unverzüglich auf den Weg machen.«
»Mit der lahmen Schüssel? Da brauche ich ja Monate!«
Nebenbei zum besseren Verständnis: Wir rechnen nicht in euren Zeiteinheiten, aber um eurem beschränkten Intellekt einigermaßen gerecht zu werden, übersetze ich unsere Gespräche so, dass ihr in der Lage seid, sie zu verstehen.
Das ist auch so ein Aspekt: Eure Sprache ist so dermaßen primitiv! Deshalb sehe ich euch auch nach, warum ihr handelt, wie ihr es tut. Ihr habt schlicht kaum Möglichkeiten, euch zu artikulieren! Und dann meint ihr auch noch, so viele unterschiedliche menschliche Sprachen ausbilden zu müssen! Am weitesten entwickelt sind bei euch ja, was das angeht, die Japaner. Aber selbst mit ihren 50.000 Zeichen, von denen die meisten Japaner vielleicht gerade mal 1500 beherrschen, kratzen sie nur an der Oberfläche dessen, was unsere Diktionsfähigkeiten ausmacht.

»Die Kryo-Kammer funktioniert. Also, geh packen und dann los! Die Zielkoordinaten sind bereits programmiert.«
Ich hoffe, er hat sich wenigstens einen der schöneren Orte ausgesucht: warm, mit vielen nackten Kerlen.
Ja, wir sind Aliens, aber ich muss zugeben, dass ein nackter männlicher Menschenkörper durchaus ansehnlich sein kann.
»Sein aktueller Standort wurde als 53,28 Grad nördliche Breite und 10,45 Grad östliche Länge ermittelt.«
»Wie bitte?! Norddeutschland? Bis ich da bin, ist da Dezember!«
Ich friere ja bereits bei dem Gedanken daran. Kälte ist nämlich nicht so unser Ding. Toll! Und dann noch die Kälte-Kammer im Raumschiff. Das wird er mir büßen! Echt! Ich hab mich so auf ein ruhiges Wochenende gefreut!
Das alte Ding, das mir mein Boss für den Flug untergejubelt hat, verfügt ja nicht einmal über Lichtgeschwindigkeit!

Etwas Gutes hat ein Flug über Monate in der Kryo-Kammer ja: Man bleibt frisch - im wahrsten Sinne des Wortes. Erholt und voller Energie steigt man aus und meint, Bäume ausreißen zu können. Obwohl ich damit echte Bäume meine - nicht dieses Gestrüpp, das ihr auf eurem Planeten fälschlicherweise so bezeichnet. Aber gut, ihr wisst es nicht besser.

Die Kammer öffnet sich und ich überprüfe als Erstes die Funktionen des Raumschiffs. Gut, Tarnfunktion ist aktiv. Ihr Menschen seid für euren beschränkten Intellekt überdurchschnittlich neugierig. Da muss man sorgsam sein. Ein paar Einzelne von euch können wir zumeist erfolgreich manipulieren, doch bei mehreren Hundert wird es oftmals schwierig. Dann werden manche Dinge dummerweise ein Selbstläufer und verbreiten sich auf eurem Planeten, ohne dass wir in der Lage sind, es zu unterbinden. Wie die Sache mit Jesus damals.
Der Gute hatte es ein wenig übertrieben und unterschätzt, wie schnell Mundpropaganda ihre Kreise zieht. Tja, und schon hattet ihr eine neue Weltreligion. Und warum das Ganze? Weil ihm auf seinem Beobachtungsposten langweilig geworden war. Er wollte ein bisschen spielen. Ein paar andere haben es später ebenfalls versucht, allerdings weniger erfolgreich. Das ist auch der Grund, weshalb wir eigentlich nicht mehr alleine fliegen dürfen. Man wird bei so viel Macht leider schnell größenwahnsinnig.
Wir sehen übrigens nicht aus wie ihr. Wenn man es genau nimmt, haben wir keine spezielle Form. Hm, ist jetzt schwierig, das mit menschlichen Worten zu erklären. Wir sind jetzt auch keine herumwabernde Masse, wir können einfach jede Form sein, die wir sein wollen. Untereinander erkennen wir uns immer, da ändern wir auch unsere Form selten. Aber wenn wir auf der Erde herumlaufen, sehen wir für euch aus wie Menschen.
Gut, wir haben einsehen müssen, dass unser Körper in dieser Form durchaus Spaß macht. Deshalb laufen zu Hause ebenfalls einige so herum, obwohl es von den obersten Bossen nicht gern gesehen ist. Aber der Sex in dieser Gestalt ist schon mit Abstand der befriedigendste. Das muss man euch lassen. Ist vermutlich auch der Grund, weshalb ihr noch nicht ausgestorben seid.
In unserer ursprünglichen Körperform findet Sex schlicht anders statt. Nicht weniger körperlich und doch gleicht es mehr einer Verschmelzung. In der menschlichen Form hat es eher etwas Triebhaftes. Das meine ich jetzt nicht negativ. Es ist durchaus befreiend.

~*~


Es ist reichlich dunkel, als ich aussteige. Ist das kalt!
Mal ganz ehrlich? Wie haltet ihr das aus? Und überall dieser Schnee!
Mein Transponder zeigt mir an, dass Golan nicht sehr weit weg ist. Na, dann wollen wir doch mal!
Ich bin in irgendeinem Wald gelandet. Zur Tarnung gewiss nicht schlecht, zum Vorankommen dafür umso mehr. Hoffentlich breche ich mir keine meiner menschlichen Knochen. Eure primitiven medizinischen Methoden würden meinen Körper vermutlich mehr schädigen als heilen.
Endlich bin ich an einer Straße angekommen. Kann nicht mehr weit sein. Das Beste ist wohl, ich gehe hier am Rand entlang. Da ist der Untergrund wenigstens eben. Ab und zu fährt eines eurer Automobile an mir vorbei. Dass die Teile so stinken müssen! Dabei wisst ihr doch, dass Benzin zu verbrennen reichlich übel für euren Planeten ist! Nun ja, soll mir egal sein.
Ich werde mir Golan schnappen und nach Hause fahren - nachdem ich meine gefrorenen Gliedmaßen aufgetaut habe; und natürlich nach unserem Versöhnungssex.
Unwillkürlich muss ich grinsen. Ich mutmaße bereits länger, dass er deswegen häufig solch einen Aufstand macht. Bei einem seiner ersten Erkundungsflüge zur Erde hat er dieses Konzept aufgeschnappt und exerziert es seitdem liebend gern in jeder Variante durch. Mir raubt er damit regelmäßig den letzten Nerv. Denn dummerweise liebe ich ihn. Daher gibt es für mich kein Entkommen: Golan baut Mist und letztendlich verzeihe ich ihm doch und wir ›feiern‹ das ausgiebig.
Warum ich das immer wieder tue? Nun, wir sind schlicht weiterentwickelter als ihr. Unsere Biochemie - euer primitiver Begriff der ›Liebe‹ beschreibt diesen Vorgang nur unzureichend, aber etwas Treffenderes gibt es in eurer Sprache nicht - bestimmt unseren Lebenspartner. Das bedeutet, wenn wir den einen Partner gefunden haben, sind wir auf ewig aneinander gebunden. Ob man will oder nicht. In den meisten Fällen ist solch eine Verbindung überaus harmonisch.
Ich schätze, ihr habt inzwischen begriffen, dass es bei Golan und mir anders aussieht. Nicht nur, dass wir demselben Geschlecht angehören - das passiert ab und zu, wenn ein gewisser Überschuss auf der einen Seite herrscht - nein, wir sind auch noch so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Dass wir beide männlich sind, wie ihr es bezeichnen würdet, stört uns tatsächlich weniger bis gar nicht. Ganz ehrlich: Ich bin froh, kein Kind großziehen zu müssen und ja, der Sex mit einem anderen männlichen Angehörigen meiner Spezies ist einfach nur ... geil. Punkt.
Mist! Jetzt werde ich auch noch erregt. Ganz schlecht. Denn dann verströmen wir für unseren Partner einen ganz speziellen Geruch, der den anderen anlocken soll. Das bedeutet, dass er gleich wissen wird, dass ich hier bin.

Ich kann bereits die Lichter der kleinen Ortschaft sehen, in der sich Golan offenbar aufhält. In den Fenstern stehen überall Lichtquellen, teils sogar bunt und blinkend. Bekommt ihr davon keine Kopfschmerzen? Das ist doch grausam! Oder ist das eine perfide Form einer Foltermethode?
Wieder fährt ein Auto an mir vorbei. Oder besser gesagt: Es rollt neben mir.
»Steig schon ein«, höre ich Golan. Kurz bin ich versucht, schmollend weiterzulaufen, doch die Wärme, die dieses Gefährt ausstrahlt, ist einfach zu verführerisch.
Ich ignoriere ihn, soweit es mir möglich ist, als ich einsteige. Golan lacht nur.
»Hallo Schatz! Hast ganz schön lange gebraucht.«
»Wenn es nach mir ginge, hättest du ruhig noch ein paar Jahre länger auf diesem öden Planeten schmoren können«, gifte ich ihn an.
»Wie geht es deiner Hand?«, fragt er scheinheilig. Mir ist klar, worauf seine Bemerkung abzielt, aber er vergisst wohl, dass ich die letzten sechs Monate verschlafen habe.
»Ich weiß nicht, was du meinst«, erwidere ich süßlich und versuche unauffällig nach seiner Hand zu schielen, doch die ist in dicken Stoff gehüllt.

Ach so. Ihr versteht sicher nicht, worauf wir anspielen. Nun, es ist so, dass wir einen ausgeprägten Sexualtrieb besitzen. Das hängt mit dieser Biochemie-Sache zusammen; Verbundenheit und so. Fremdgehen gibt es bei uns einfach nicht. Dazu sind wir nicht gemacht. Lediglich wenn wir von unserem Partner getrennt sind, werden wir selbst aktiv. Da das weit weniger befriedigend ist, als der gemeinsame Sex, tun wir das deutlich häufiger am Tag. Dumm nur, dass die Sehnen und Bänder unserer Hände äußerst empfindlich sind, wodurch wir schnell zu Sehnenscheidenentzündungen neigen.
Ihr fragt euch, wie man so etwas bekommen kann, wenn man keinen richtigen Körper hat? Oh, je! Ich hatte befürchtet, dass ich zügig an die Grenzen der menschlichen Auffassungsgabe stoße. Das alles ist eben sehr komplex. Wir sind ja nicht wirklich körperlos, nur anders, als ihr es kennt.

Es gibt nur eine Sache, die unseren Trieb ein wenig bremst: Kälte. Ja, die hat mich vorhin auch nicht abgehalten, aber nach über sechs menschlichen Monaten in einem einsamen Raumschiff ist das doch wohl auch kein Wunder, oder? Während sämtliche Körperfunktionen gedrosselt wurden, scheint mein Trieb geradezu überzublubbern.
Dennoch bin ich momentan versucht, auszusteigen und mich in euren grauenhaften Schnee zu setzen. Allein der Gedanke lässt mich zittern.

»Oh, je! Wir bringen dich nach Hause und dann wärme ich dich auf, hm?«
›Nach Hause‹ klingt gut. »Dafür musst du aber umdrehen.«
Golan lächelt mich nachsichtig an. »Nein, wir sind soeben angekommen.«
Er hält vor einem kleinen Haus, das reichlich mit diesem kitschigen, blinkenden Zeug behangen ist.
»Äh ...«
»Hübsch, oder?«
»Hübsch hässlich«, erwidere ich.
»Ey! Das habe ich selbst geschmückt!« Er verschränkt die Arme. Diese menschlichen Gesten hat er schon recht gut drauf - das muss ich ihm lassen.
»Ja, so sieht es auch aus! Davon bekommt man ja epileptische Anfälle!«
»Wenn du weiter so herumzickst, kannst du im Auto bleiben.«
Wie bitte?! Ich zicke herum?
Okay, Golan ist auf Konfrontationskurs und da ich sein Temperament kenne, ziehe ich es vor zu schweigen. Ich kenne ihn: Er macht seine Drohungen durchaus wahr.


Ich stöhne wohlig auf, als wir in das warme Haus eintreten.
»Ich lasse dir eine heiße Badewanne ein.« Golan verschwindet in einem der Räume.
»Eine was?« Das Wort habe ich noch nie gehört, muss ich gestehen. Golan ist der Humanexperte. Mich interessiert das alles nicht sonderlich, denn wie soll es unsere Entwicklung vorantreiben, wenn wir primitive Lebensformen bei ihrer quälend langsamen Evolution beobachten?
»Oh, das wird dir gefallen!«, höre ich ihn durch die Tür. Plötzlich plätschert es. Klingt ein wenig wie Regen.

Diese menschliche Unart, seinen Körper mit Wasser zu benetzen, habe ich nie verstanden. Unser Körper reinigt sich von alleine. Sehr praktisch. Okay, weniger stimulierend, dafür deutlich zeitsparender.
Praktischerweise haben wir momentan genug Zeit. Also sitze ich in diesem Ding namens ›Badewanne‹, gefüllt mit warmem Wasser und einem duftenden Zeug, welches einen hübschen Schaum entwickelt.
Mit der Wärme kehren auch meine Lebensgeister und meine Libido schlagartig zurück. Golan ist nebenan, um ›Essen‹ zuzubereiten. Die menschliche Nahrung ist im Grunde genommen unserer nicht allzu unähnlich. Auch wir benötigen die gleichen Nährstoffe wie ihr. Nur dass es bei uns nicht so viele Varianten gibt. Zumal unsere Nahrung doch eher geschmacksneutral ist. Daher ist mir menschliche Kost mehr als suspekt. Im Gegensatz zu Golan, der alles ausprobieren muss, habe ich mich bisher nicht daran getraut. Möchte ich eigentlich auch nicht. Vielleicht können wir gleich noch mal zum Raumschiff fahren. Dort lagern noch ein paar Verpflegungseinheiten.

Seufzend schließe ich die Augen. Dieses nass-wabernde Gefühl ist äußerst anregend. Meine Hände wandern wie von selbst an meinem Körper entlang. Ich kann von diesen Empfindungen, wenn mein Geschlechtsteil sich versteift und dieses angenehme Kribbeln verbreitet, nicht genug bekommen. Die Kombination mit dieser nassen Umgebung verstärkt diese Sinneseindrücke zusätzlich.
»Na, na, na! Denk an deine Hand!«, höre ich Golan plötzlich belustigt neben mir. Ich brumme lediglich, lasse mich aber nicht beirren.
Bei solchen Dingen haben wir eine etwas andere Schamgrenze als ihr Menschen. Denn mal ganz ehrlich: Sex macht Spaß. Also, ich rede jetzt von partnerschaftlichem, auf Liebe basierendem Sex. Warum sollte man da immer so ein Drama drum machen? Ja, natürlich gibt es einige unter euch, die in der Hinsicht weniger gehemmt sind, aber die meisten tun doch so, als sei es etwas Verwerfliches. Dennoch seid ihr ständig am Rammeln, wie diese komischen kleinen Felltiere auf eurem Planeten. Merkt ihr denn nicht selbst, dass das nicht zusammenpasst?

Das Wasser bewegt sich unruhig. Ich öffne meine Augen und frage mich einen Moment, ob Golan uns an einen anderen Ort transportiert hat. Nein, es ist immer noch der gleiche Raum. Nur ist er jetzt abgedunkelt, abgesehen von diesen flackernden kleinen Lichtquellen. Das müssen Kerzen sein, wenn mich nicht alles täuscht.
Er sitzt ebenfalls im Wasser. Ich versuche mein sehnsüchtiges Lächeln zu unterdrücken, aber ich fürchte, ich bin wenig erfolgreich. Er weiß genau, wie sehr ich den Anblick seines menschlichen Körpers mag. Das spielt er gnadenlos gegen mich aus.
»Ich bin nach wie vor sauer auf dich«, erinnere ich ihn und streichle mich selbst weiter.
»Habe nichts anderes vermutet«, raunt er dicht vor mir und greift im nächsten Moment nach meiner Erektion. Stöhnend zucke ich ihm entgegen.
»Mistkerl!«
»Ich dich auch«, erwidert er belustigt und setzt sich auf mich. Praktischerweise brauchen wir diesen ganzen Kram wie Kondome oder Gleitgel nicht. Denn zum einen gibt es bei uns keine derlei Krankheiten und was den Rest anbelangt, sind wir entsprechend anpassungsfähig.

Golan weiß, was er tun muss, bewegt sich geschickt auf mir. Mein Körper spannt sich an, wartet sehnsüchtig auf seine Erlösung. In unserem uns gegebenen Körper fühlt sich Sex ja schon gut an, doch allmählich muss ich einsehen, dass ich nach den Gefühlen, die solch ein labiler menschlicher Körper erzeugt, ein wenig süchtig bin. Und Golan ist mein Dealer. Ein sehr großzügiger Dealer. Viel zu lange ist es her. Warum noch mal haben wir uns gestritten?

Ich mag es, wenn der Geist nach und nach seine Funktion einstellt, in einer Art Warteschleife verharrt, bis die biochemischen Überreaktionen abgeklungen sind. Ich habe das Gefühl, jede einzelne Synapse dieses Körpers zu spüren, wie sie bis zum Bersten gefüllt werden.
»Komm für mich«, fordert Golan rau, verengt sich gekonnt um mich und lehnt sich stöhnend nach hinten. Mein Körper reagiert schlagartig. Mit einem Schrei entlädt sich die Anspannung. Golans Körper pulsiert und strahlt augenblicklich in den schönsten Farben. Das hat nichts mit Esoterik zu tun, das ist schlicht unsere Natur.
Manchmal wünsche ich mir, diesen kurzen Moment, wenn die Synapsen explodieren, ihre Endorphine im Überschuss herausschießen, auf ewig konservieren zu können. Andererseits mag ich auch den Weg dorthin und den langsamen Abstieg und Golans zufriedenes Grinsen hinterher, so wie jetzt.
Seufzend sinke ich zurück, ziehe ihn mit mir. Grundsätzlich bin ich nicht der Kuschel-Typ. So etwas gibt es bei uns nicht. Denn die Verschmelzung an sich ist bereits etwas in der Art, da braucht man danach nicht noch einander träge zu betatschen. Ist mir häufig auch zu viel. Nur jetzt gerade kann ich nicht genug von ihm bekommen, will ihn nicht mehr loslassen. Sechs Monate! Wenn er das noch einmal tut, bringe ich ihn um.

Brummend setzt sich Golan auf und presst seine Lippen auf meine. Kurz zucke ich zurück. Küssen tun wir uns sonst nie. Einer unserer Konfliktpunkte. Menschlicher Sex ist toll, ja, aber die ganzen anderen Eigenheiten möchte ich nicht auch noch annehmen.
Ich habe es ihm zuliebe vor ein paar Jahren einmal ausprobiert, weil er ja auf diesen menschlichen Kram steht und fand es nicht sonderlich anregend. Golan wollte gerne weiter üben, weil er der Überzeugung war, es müsse ganz toll sein, so wie die Menschen darauf abfahren. Ich sah darin keinen Sinn. Aber in diesem Moment revidiere ich meine Meinung. Eventuell liegt es auch nur an der langen Enthaltsamkeit, doch seine Zunge in meinem Mund löst einen ungewohnt befriedigenden Gefühlssturm in mir aus, der perfekt zu diesem neuen Kuschelbedürfnis zu passen scheint.

Zitternd umklammere ich Golan.
»Ist dir kalt?«, fragt er leise. Ich mag diese Fürsorge von ihm.
Ich schüttle den Kopf. »Nein.«
»Warum zitterst du dann?« Seine Hände streichen über meinen Körper, als wolle er meine Aussage überprüfen.
»Woher soll ich das wissen? Ich bin kein Mensch. Du bist der Experte.«
Golan zuckt nur mit den Schultern und seufzt.
»Lass uns trotzdem aufstehen. Dann können wir endlich etwas essen.« Er verzieht sein Gesicht, als er aus der Badewanne steigt.
»Alles in Ordnung? Hast du dich verletzt?« Auch ich kann besorgt sein. Das ist ebenfalls in der dämlichen Biochemie begründet.
»Meine Hand ...«, flüstert er und senkt den Blick. Ich grinse augenblicklich.
»Ach, sieh an! Lass mich raten: Sehnenscheidenentzündung?«

~*~


Vorsichtig stochere ich in dem merkwürdigen Zeug herum, das Golan ›Essen‹ nennt. Es riecht extrem aromatisch und ist ungewohnt farbenfroh.
»Und das kann man wahrhaftig essen?«
»Krinto, zum zehnten Mal: Ja, kann man. Schau«, fordert er und schiebt sich etwas davon in den Mund.
»Hm ... Können wir nicht zum Raumschiff fahren und-«
»Iss!«
Okay, Golan scheint es zu vertragen. Dann werde ich wohl probieren müssen. Ich teile mir ein kleines, grünes Stück ab, sehe es mir an und rieche daran. Komische Farbe und der Geruch ...
Todesmutig lege ich es auf meine Zunge. Hm, schmeckt nach fast gar nichts, ist also auszuhalten. Die Konsistenz ist eine Mischung aus matschig und fest.
»Was ist das?«
»Gemüseauflauf. Eben hattest du ein Stück Zucchini.«
Ich nicke. »Okay. Geht ja sogar.«
Golan grinst. »Hab extra wenig gewürzt, um dich nicht zu überfordern.«
Mir zusammengezogenen Augenbrauen sehe ich ihn an.
»He, guck nicht so! Wenn du brav aufisst, gibt es eine Überraschung zum Nachtisch.«
»Zum was
Nachsichtig lächelt er mich an. »Das ist etwas, das die Menschen nach der Hauptmahlzeit essen, wenn sie eigentlich bereits satt sind.«
»Warum das denn?«
»Einfach nur so. Zum Vergnügen.«
Ich schüttle den Kopf. »Essen zum Vergnügen? Merkwürdiges Konzept.«

Echt mal. Ihr habt komische Angewohnheiten. Ja, sie machen zum Teil Spaß, das gebe ich zu, aber wo liegt darin der tiefere Sinn? In einem Trog mit duftendem Wasser liegen - wozu? So sehr stinken die meisten Menschen nun auch wieder nicht. Essen mit verschiedenen Geschmacksrichtungen - wirklich obskur. Ihr wisst doch, welche Nährstoffe ihr braucht. Dann führt die doch einfach zu. Und dann auch noch aus Spaß essen? Ich verstehe immer weniger, weshalb wir euch beobachten. Ihr seid so ineffektiv.

Dieser Auflauf überfordert meine Rezeptoren beinahe. Mein Körper weiß kaum die unzähligen Eindrücke zu bewerten.
»Wie viel muss man davon eigentlich essen?«
»Na, bis du satt bist.«
»Satt?«
Golan lacht leise. »Ja, die Menschen essen nicht nach Nährstoffeinheiten, sondern nach Sättigungsgefühl.«
»Das ist doch völlig ineffektiv.«
»Mag sein, aber lecker.«
Ich höre einfach auf zu essen. Woher soll ich denn wissen, ob ich satt bin? So etwas gibt es bei uns nicht.

»Na, komm«, hält mir Golan seine Hand hin.
»Hör mal, wir sollten uns auf den Heimweg machen. Das wird eine lange Reise und-«
»Erst der Nachtisch!« Oh, oh! Er ist bereits erneut verärgert.
»Okay. Aber danach gibt es keine Ausreden mehr.«
»Versprochen.«

Er dirigiert mich zum Bett und bedeutet mir, meine Augen zu schließen. Was hat er denn jetzt schon wieder vor?
Als etwas meine Lippen berührt, zucke ich zusammen.
»Was ...?«
»Schsch ... Lass die Augen geschlossen. Genieße.«
Mein Herz rast ungewöhnlich schnell. Was wird das?
Golan schiebt etwas zwischen meine Lippen und im nächsten Moment schmilzt etwas in meinem Mund. Sehr befremdlich und ... äußert geschmackvoll. Keuchend kaue ich das Stück. Auf meiner Zunge kribbelt es, Wärme durchflutet meine Mundhöhle, mein Hirn wird von Empfindungen überflutet, die es nicht einzuordnen imstande ist. Das fühlt sich beinahe an wie ein Orgasmus - nur im Mund!
Ich reiße die Augen auf und sehe Golans grinsendes Gesicht. »Noch ein Stück?«, fragt er liebevoll. Hektisch nicke ich. Stöhnend schließe ich die Augen, kaum, dass dieses Etwas in meinem Mund ist.
»Das ist Schokolade«, erklärt er mir. »Sehr beliebt bei den Menschen.«
»Verständlich«, keuche ich. Allmählich verstehe ich, warum ihr so ein Gewese um eure Nahrung macht!
Mein ganzer Körper wird von diesen neuartigen Empfindungen überflutet. Mein Schwanz ist ebenfalls wieder einsatzbereit. Gut, das ist ein Umstand, der nicht sonderlich ungewöhnlich ist. Dennoch hätte ich gedacht, dass diese ungewohnten Reize meine Libido dämpfen, aber sie scheinen sie eher zu verstärken.

Golan kichert. »Doch nicht so schlimm, hm?«
»Nein, es ist geradezu ...« Mir fehlen die Worte.
»Geil?«, fragt er und ich nicke hektisch. »Na, dann habe ich noch etwas für dich.«
Noch mehr? Ich fürchte, das hält dieser labile Körper nicht aus. »Willst du mich fertigmachen?«
»Nein, glücklich, mein Schatz! Einfach nur glücklich!«
Etwas Kaltes berührt meine Lippen. Ich zucke zurück, was ihn kichern lässt.
»Mach den Mund auf«, fordert er mit dunkler Stimme.
Ich schüttle den Kopf. »Das ist kalt!«
»Ja, aber glaube mir, du wirst es mögen.« ›Kälte‹ und ›mögen‹ passt genauso zusammen wie ein Schneesturm in der Sahara, wie ›Menschen‹ und ›Intelligenz‹, wie ... okay, vielleicht überdenke ich meine Einstellung noch einmal. Golan führt sich den Löffel, den er mir eben hingehalten hat, jetzt selbst in den Mund und stöhnt. Meine Güte! Sieht das heiß aus!
Hektisch zerre ich an seinem Arm. »Okay, gib mir auch etwas«, fordere ich rau. Sein Blick ist verhangen, als er die Augen öffnet und sich über die Lippen leckt.
Grinsend taucht er den Löffel wieder in diese matschige Masse, hält ihn mir hin. Mein Hirn ist so benebelt von seinem Anblick und diesen Gerüchen, dass ich dieses Mal bereitwillig meinen Mund öffne und die Zunge herausstrecke.
Ganz kurz zieht es in mir, als die kalte Masse darauf landet, doch dann explodieren die Aromen.
»Golan ...«, flüstere ich ergriffen. »Das ist ... das ...«
Lächelnd streichelt er meine Wange und zieht mich in seinen Arm. »Gefällt es dir?« Seine Stimme ist brüchig.
»Und wie! Ich hatte ja keine Ahnung ...« Das Einfuhrverbot für menschliche Nahrung auf unserem Planeten scheint nicht unbegründet zu sein.
»Natürlich nicht, mein Schatz! Kaum einer hat die. Die obersten Bosse haben viel zu viel Angst, dass wir alle träge werden.«
Ich lache leise auf. »Vermutlich zu Recht.«
»Mhm. Magst du noch etwas Eis?«
Fragend sehe ich ihn an.
»Das kalte, matschige Zeug«, erklärt er grinsend und gluckst regelrecht, als ich hastig nicke.

~*~


Die nächsten Tage werde ich damit verbringen, alle möglichen menschlichen Speisen zu probieren. Solange wir auf diesem Planeten sind, sollte ich das ausnutzen. Hinterher werde ich einen Bericht verfassen. Vielleicht kann ich unsere Regierung davon überzeugen, eine limitierte Einfuhr zu erlauben. Ich könnte dem Bericht einfach eine Tafel dieser köstlichen Schokolade beilegen.
Hm, allein der Gedanke an diesen Geschmack versetzt meinen Körper in Erregung.
Grinsend kommt Golan ins Schlafzimmer. »Du hast wirklich Nachholbedarf, was? So scharf, wie du die letzten Tage ständig bist, würde ich dich selbst am entgegensetzten Ende dieses Planeten riechen.«
»Ich habe nur deine Gesundheit im Hinterkopf. Was macht deine Hand?«
Er setzt sich rittlings auf mich, reibt seinen Körper effektvoll an meinem. »Viel besser dank dir«, erwidert er ein wenig außer Atem.
»Ich finde, wir sollten kein Risiko eingehen«, raune ich und packe seine Hüfte.
Golan lässt sich auf mich sinken und bewegt sich augenblicklich wieder auf mir, und noch während ich uns beide in den Zustand der seligen Entspannung treibe, weiß ich bereits, dass sich etwas geändert hat. Wir werden nicht mehr so weitermachen können wie bisher.

~*~


»Was hat es eigentlich mit diesen ganzen Lichtern auf sich?«, frage ich, als wir träge nebeneinanderliegen. Diese menschlichen Körper sind aber auch wirklich nicht ausdauernd. Bereits nach der fünften Runde versagten die Muskeln in meinen Oberschenkeln.
»Na, es ist Weihnachten.«
»Was?« Ich erinnere mich vage an den Unterricht.
»Du weißt schon, Weihnachten«, wiederholt er in einem Tonfall, als sei es ein Grundwissen.
»Hat das etwa immer noch was mit unserem Idioten von damals zu tun?«
Golan seufzt und kuschelt sich stärker an mich.
»Es hat sich alles ein wenig weiterentwickelt. Die meisten Menschen sehen Weihnachten nicht mehr so religiös. Es ist das ›Fest der Liebe‹. Man kommt zusammen, isst leckere Sachen, hilft einander.«
»Aha. Und dafür brauchen die ein spezielles Datum?«
Ihr seid noch dämlicher, als ich dachte.
»Nein. Na ja, manche wohl schon. Aber es ist schön. Alles ist geschmückt und beleuchtet und das Essen ...« Golan macht ein genießerisches Geräusch.
»Nach dem Frühstück zeige ich dir den Weihnachtsmarkt. Das wird dir gefallen.«

Anscheinend hat sich Golan bereits stärker an das Mensch-Sein angepasst. Er hat zumindest keine Probleme damit, schwungvoll aus dem Bett zu springen. Kurz darauf kommt er mit einer Art Brett zurück, das mit Dingen beladen ist, die ich noch nicht kenne. Lachend setzt er sich neben mich. »Bereit für neue Eindrücke?«
Hastig nicke ich. »Ja, aber vorher würde ich gerne noch etwas anderes tun.«
»Und zwar
Überrascht quietscht er auf, als ich ihn im Nacken packe und zu mir ziehe. Das mit dem Zungenkuss letztens war tatsächlich nicht schlecht gewesen. Warum nur wollte ich das damals nicht wiederholen? Hm, vielleicht liegt es auch nur an dieser Umgebung, den Gerüchen, den blinkenden Lichtern. Vermutlich senden die eine verschlüsselte Botschaft direkt in mein Unterbewusstsein. Soll mir recht sein.
Golan stöhnt, als sich unsere Zungen berühren. Mein Becken zuckt automatisch und ich habe das dringende Bedürfnis, mich erneut in Golan zu versenken.
Keuchend löst er sich von mir und schluckt einige Male. »Seit wann küsst du?«
»Ich weiß nicht. Es ist irgendwie geil. Ist das in Ordnung?«
»In Ordnung? Machst du Witze?!« Dieses Mal überrumpelt er mich, presst seinen Mund auf meinen.
»Weißt du ...«, flüstert er, als wir aus Luftmangel wieder voneinander lassen. »... man kann mit dem Mund noch viel mehr machen, als reden, essen und küssen.«
»Noch mehr?« Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was das sein soll.
»Hm, ja. Aber dafür brauchen unsere Körper erst einmal Stärkung. Hier.« Er hält mir eine Tasse hin. »Aber pass auf: heiß!«
Ich nippe vorsichtig und verziehe mein Gesicht. »Das ist ja grausam! Was ist das?«
Golan grinst. »Kaffee.«
»Das ist Kaffee?! Wie können die Menschen so etwas gerne trinken? Das schmeckt ja ekelhaft.«
»Man gewöhnt sich dran.« Er zuckt mit den Schultern.
»Sag bloß, du trinkst das auch?!« Ich gebe ihm den Becher zurück. Der Geruch ist ja ganz nett, aber sonst ...
»Okay. Aber das wird dir bestimmt gefallen.« Er holt ein helles Gebilde, eine Teigware, wenn mich nicht alles täuscht, vom Teller und gibt ein wenig von einer braunen Masse darauf.
Mit hochgezogener Augenbraue sehe ich ihn an. Nach dem Kaffee eben bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich probieren möchte.
»Beiß ab.« Zögerlich öffne ich meinen Mund. Es gibt ein seltsam knisterndes Geräusch, als meine Zähne dieses unförmige Teil durchtrennen. Außerdem fallen kleine Teile herab. Im nächsten Moment seufze ich automatisch. Wieder dieser tolle Geschmack!
»Ich habe so das untrügliche Gefühl, dass du noch zu einem Schokoladenjunkie wirst«, lacht Golan leise und beugt sich gleich darauf zu mir herüber, leckt die Krümel von meinem Oberkörper. Zischend atme ich ein.
»Wow! Meintest du das vorhin mit dem Mund?«
»Unter anderem ...« Er zwinkert mir kurz zu und leckt weiter. Dabei ist doch gar nicht so viel heruntergefallen.

»Golan!«, schreie ich auf, als er mit seiner Zunge meine Erektion berührt. Wäre ich ein Mensch, würde ich seinen besorgten Blick wohl als ›niedlich‹ bezeichnen.
»Entschuldige. Ich dachte nur ...« Er macht Anstalten, sich wieder zu mir herauf zu bewegen, doch ich drücke gegen seine Schulter.
»Mach weiter!«, fordere ich rau.
»Nicht zu menschlich?«, fragt er und ich höre die Ironie heraus. Erneut leckt er über meinen Schwanz.
»Egal«, keuche ich.
»Lass das mal nicht die Obersten hören.« Immer wieder berührt er mit seiner Zunge meine Erektion.
»Scheiß auf die Obersten!« Solange er nur weitermacht, ist mir gerade alles egal. Ich habe das Bedürfnis, mich irgendwo festzuhalten, kralle mich in den Stoff unter meinen Fingern. Ein leichter Kältezug lässt mich überrascht aufkeuchen. Golan kichert und im nächsten Moment wird es erneut angenehm warm um meinen Schwanz herum. So warm, dass ich sämtliches Denken einstelle.
»Ja!« Ich zucke ihm entgegen, will nur noch diese Zunge spüren, diesen Rausch. Es fühlt sich ein wenig an wie Schweben, als die angestauten Gefühle über mich hereinbrechen.
Hektisch atmend lande ich langsam wieder. »Golan ... ich ...«
»Schsch ...« Er legt sich neben mich. »Bleib einfach liegen. Genieße.«
An diesen Umstand muss ich mich noch gewöhnen. In unserer natürlichen Form sind wir hinterher nicht so erledigt. Doch wenn wir als Menschen herumlaufen und handeln, nehmen wir auch automatisch eure Eigenschaften an; die Müdigkeit nach dem Sex inbegriffen. Wenn ich nicht so entkräftetet wäre, fände ich das vermutlich befremdlich. So ist es mir im Augenblick reichlich egal.

~*~


»Wie kann man das mögen?«, nörgle ich. Wir sind draußen. In der Kälte. Freiwillig. Also, Golan ist es freiwillig, ich wurde unter falschen Versprechungen herausgelockt.
»Aber schau doch mal! Das ist alles wunderschön! Die Lichter, die Atmosphäre, die Gerüche und was da noch alles an Geschmackserlebnissen auf dich wartet ...«, schwärmt er und zeigt aufgeregt auf verschiedene kleine Holzhäuschen.
»Die Wärme deines Hauses wäre mir momentan um einiges lieber.« Aber nein, er musste mich unbedingt auf diese merkwürdige Ansammlung schleifen.
»Was ist das eigentlich hier
»Das ist der Weihnachtsmarkt!« Er strahlt mich an.
»Der ... ›was‹?« Ja, ich gebe es zu, ich habe in Humanologie nicht sonderlich aufgepasst. Wer ahnt denn, dass man mal einen Partner bekommt, der völlig versessen auf die blöden Menschen ist?
»Na, Weihnachten! Die Menschen treffen sich hier und haben Spaß.«
Wieder dieses Weihnachten. Ja, gut. Ist ganz nett anzusehen, aber ich werde mich hüten, das zuzugeben.
Golan grüßt ein paar vorbeigehende Menschen.
»Äh ...«
»Was denn? Meinst du, ich kann hier ein halbes Jahr leben, ohne in Interaktion zu treten?«
»Du weißt schon, dass das nicht erlaubt ist«, gebe ich zu bedenken.
»Hey! Ich musste doch irgendetwas tun, wenn ich nicht verhungern wollte, nicht wahr? Schließlich war unklar, wann du herkommst.« Lachend zieht er mich zu einem der Holzhäuser.
»Du meinst wohl ›ob«, brumme ich.
»Ach, Schätzchen. Wir wissen beide, dass das früher oder später passiert wäre. Und jetzt sag nicht, dass du es bereust.« Mit einer Geste unterhält er sich nonverbal mit einem der Menschen. Sind die etwa telepathisch veranlagt?
Zitternd schlinge ich meine Arme fester um mich. »Im Moment schon.«
Der Mensch stellt zwei Becher mit etwas Dampfenden vor uns ab. Golan gibt ihm ein Stück Papier.
»Hier. Trink das. Dann wird dir wieder warm.«
Vorsichtig rieche ich daran. Hoffentlich nicht noch so ein grausamer Kaffee. Hm, nein. Riecht anders.
»Was ist das?«, frage ich dennoch. Wer weiß, was es da für Sorten gibt.
»Glühwein.« Grinsend nimmt er seine Tasse und pustet in die Flüssigkeit, bevor er einen Schluck trinkt.
Hm, na gut. Versuchen wir’s. Huh, heiß! Und süß und ... lecker!
Golan grinst wissend.
»Sag mal, wie kommst du eigentlich zu diesem Haus, in dem du wohnst?«, frage ich. »Das bekommt man doch sicher nicht einfach so geschenkt.«
»Nein.« Er lächelt. »Ich habe es gemietet.«
Golan nimmt meinen Becher, nachdem ich ihn ausgetrunken habe. »Noch einen?«, fragt er und bestellt schon, bevor ich reagiere. Mir ist wahrhaftig wärmer jetzt. So lässt es sich hier tatsächlich aushalten. Die Farben wirken ein wenig intensiver als vorhin. Dafür sind die Geräusche gedämpfter und auch sonst alle Bewegungen der anderen offenbar verlangsamt. Äußerst angenehm.
»Weißt du, ich musste schließlich überleben. Also habe ich mir eine Arbeit gesucht. Ja, ich weiß«, wiegelt er sofort ab. »Aber was hätte ich denn tun sollen? Außerdem bin ich gut als Ingenieur, selbst als menschlicher.«
»Du bist eben der Beste«, schwärme ich und wundere mich im gleichen Moment über mich. Dieser Glühwein ist echt lecker. Davon möchte ich gerne noch mehr.
Lachend nimmt Golan meinen Becher. »Ich glaube, du hast genug.«
»Nein, ich ...« Er presst seinen Mund auf meinen. Okay, das ist natürlich auch nicht schlecht. »Ich schätze, ich sollte dir etwas über die Wirkung von Alkohol erzählen.« Er grinst mich an. »Zu Hause.«
Meine Hände wandern von ganz alleine auf seinen Hintern. »Das ist aber so weit bis dahin.«
»Ja, aber die Menschen sehen es nicht gerne, wenn andere Sex in der Öffentlichkeit haben.«
Ich schnaube. »Sind die blöd.«

~*~


Diese Sache mit dem Alkohol hat was, das muss ich euch lassen. Ist durchaus praktisch, wenn die unnötigen Reize herausgefiltert werden.
»Golan? Es tut mir leid.« Ich recke mich. Diese menschlichen Betten sind ebenfalls nicht zu verachten.
»Hm? Was meinst du?« Ich liebe das Gefühl seiner sanften Küsse auf meinem Oberkörper.
»Dass ich immer so ablehnend war, wenn es um deine Humanleidenschaft ging.« Ich seufze lang gezogen. »Ich hätte nie im Leben gedacht, dass es so ... so ... so sein kann.«
»Was meinst du? So schön? Überwältigend? Befriedigend? Berauschend?«
»Ja.«
Kichernd legt Golan seinen Kopf auf meinen Brustkorb. »Ach, Schatz! Ich wusste doch, dass dir mit logischen Argumenten nicht beizukommen ist.«
»Soll das heißen, du hast das hier geplant?«
»Na ja ... Ich wollte, dass du mit deinen eigenen Sinnen erlebst, was ich empfinde, und wusste, dass das auf unserem Planeten nicht möglich ist.« Er kuschelt sich stärker an mich.
»Deshalb hast du einen Streit vom Zaun gebrochen und bist abgehauen?«
»Auch, ja. Aber ich war wirklich sauer damals, nur weiß ich gar nicht mehr, worum es ging.«
Kurz küsse ich ihn auf den Kopf. »Nur zu blöd, dass du unser Raumschiff zerstört hast.«
»Wer behauptet das denn?«
»Na, es gab doch ein Signal ...« Mir schwant da gerade etwas. Golan hebt seinen Kopf und grinst mich an. »Nein, sag nicht, du ...«
»Ich habe lediglich den Sender manipuliert. Es steht draußen getarnt im Garten. Intakt.«
»Du ... was?«
Er lacht leise. »Denkst du, ich bin so dämlich und schrotte das Ding? Ich bin einer der besten Piloten!«
»Hm, hatte mich schon gewundert.«
Seufzend legt er seinen Kopf wieder ab. Meine Hand wandert von ganz alleine in seine Haare. »Wir werden bald zurückfliegen müssen, oder?«
»So lautete der Befehl, ja.«
»Können ...« Golans Stimme klingt brüchig. »Können wir dann wenigstens ab und zu Urlaub auf der Erde machen?«
»Nein.«
»Aber ...«
Ich ziehe an ihm, damit er mich ansieht. »Golan, wir werden hier keinen Urlaub machen, weil wir nicht mehr wegfliegen werden.«
Ich mag es, wenn er mich so anstrahlt wie jetzt gerade.
»Aber wir werden Ärger bekommen«, wirft er ein.
»Ich habe bereits unsere Versetzung beantragt. Die obersten Bosse haben zugestimmt, dass wir einen interaktiven Beobachtungsposten einrichten - auf unbestimmte Zeit.«
»Krinto ...« Er schluckt. »Wann hast du denn ...?«
»Als du vorhin so süß geschlafen hast.« Ich stupse gegen seine Nase.
»Aber haben die denn gar keine Angst, dass wir die bösen Eigenschaften der Menschen annehmen?«
Grinsend schüttle ich den Kopf. »Sie vertrauen mir. Ich habe doch immer so vehement gegen deine Menschenvorliebe gewettert - das hat nicht unerheblich zu ihrer Entscheidung beigetragen.«
Ich ächze, als Golan mich kraftvoll umarmt. »Danke!« Ein harter Kuss folgt. »Danke, danke, danke!«
Ich umfasse sein Gesicht und streichle mit den Daumen über seine geröteten Wangen. »Frohe Weihnachten, mein Schatz!«
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