Rudolph auf Abwegen

von Andoriel
GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
16.12.2014
16.12.2014
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Rudolph auf Abwegen


„Rudolph the red nosed reindeer...“, weckte mich unsanft aus meinem Schlaf. Mühsam rappelte ich mich hoch und suchte nach meinem Handy, das lauthals meinen Lieblingsweihnachtssong vor sich hin sang. Normalerweise mein Lieblingsweihnachtssong, aber nicht auf einem Samstagmorgen, wenn es gestern echt spät geworden war.
„Fuck!“
Wo war dieses Scheißteil? Mein Kopf tat weh wie die Hölle und soviel Fröhlichkeit am Morgen machte mich echt fertig. Nach einigem Wühlen fand ich es schließlich unter meinem Kopfkissen. Wie zur Hölle war das denn dahin gekommen? Als ich dann den Namen meiner besten Freundin Annika auf dem Display sah, wollte ich sie schon wegdrücken, da klingelte es auch noch an der Tür. Ja, drehten die denn heute alle durch? Genervt drückte ich auf annehmen und blökte ins Telefon: „Sag mir, dass du nicht bei mir vor der Tür stehst!“
„Ähm, ich stehe nicht bei dir vor der Tür!“ Sie klang überzeugend. Also stand ich auf, zog mir notdürftig eine Jeans an und schlurfte zur Wohnungstür, wo mich schon ein grinsender Paketbote erwartete. Warum war die verdammte Haustür schon wieder offen und warum hatte der so gute Laune?
„Pierre Schneider?“
Ich nickte nur, nahm den angereichten Kulliersatz und unterschrieb auf diesem komischen digitalen Teil das er mit hinhielt, bevor er mir das Paket aushändigte. Ich brauchte nicht draufzuschauen, ich wusste von wem das war. Trotz Kopfschmerzen musste ich grinsen. Aber bevor ich es öffnete schnappte ich mir erst mal wieder das Telefon.
„Ok, was willst du?“
Nein, Annika war tatsächlich meine beste Freundin, ich war nur ein unglaublicher Morgenmuffel. Und so reagierte sie auch gar nicht auf meine schlechte Laune, sondern flötete nur: „Dir auch einen guten Morgen, liebster Pierre! Im Übrigen ist eigentlich schon Mittag! War spät gestern?“
Ich seufzte. Was war das denn für eine Frage? „Ne, ich bin so müde, weil ich um sieben im Bett war!“
Jetzt war es an Annika zu seufzen: „Wäre ja möglich! Vielleicht hast du ja endlich mal jemanden kennengelernt? Jemanden der dich früh ins Bett gebracht hat?“
Ich schnaubte abfällig. Sie wusste genau, dass es nicht so war. Weil ich nie jemanden kennenlernte! Weil ich immer nur am Rand der Tanzfläche stand und versuchte mir Mut anzutrinken. Und irgendwann war ich blau und ging alleine nach Hause. So war das jeden Freitag! Ich war einfach zu schüchtern! Dabei sah ich gar nicht so scheiße aus, zumindest meinte Annika das. Sie lobte immer meine dunkelblonden Locken, meine schönen blauen Augen und meinen Kussmund. Ich sah das anders! Die Locken hatte ich nur, damit man meine abstehenden Ohren nicht sah und außerdem hatten sie eine Scheißfarbe. Nicht umsonst würde das bei einem Rauhaardackel saufarben heißen! Meine Augen hatten die Farbe von Klowasser und mein Mund sah aus wie aufgespritzt! Dazu kam noch ein viel zu dürrer Körper und die Tatsache, dass ich nur 1,70m groß war machte es auch nicht besser.
„Verdammt Pierre! Wenn das so weiter geht komm ich bald mit! War Kevin wieder da?“
„Sicher!“
„Und du hast ihn wieder nur sehnsüchtig angeglotzt und nichts gemacht, oder?“
Doch hatte ich! Wenn er zu mir rüber geschaut hatte, hatte ich schnell weggesehen oder mich hinter meinem Glas versteckt. Ja ich weiß, sehr erwachsen! Aber ich war eben erst 22 und vielleicht ein bisschen entwicklungsverzögert und Kevin war – ein Gott!
Groß, dunkle Haare, ein Wahnsinnskörper und angeblich auch noch supernett! Ich kannte ihn seit Jahren vom Sehen, seit Jahren war er der Inhalt fast jedes feuchten Traumes von mir und seit ich 18 war rannte ich jeden Freitag wegen ihm in diesen Scheißclub! Nur um ihn zu sehen, aus der Ferne anzuschmachten und zu beobachten, wie er mit anderen Typen tanzt, knutscht und was auch immer macht. Ja, ich war erbärmlich, aber so war ich eben! Was dagegen? Annika hatte was dagagen: „Pierre verdammt, vergiss den endlich und such dir nen süßen Freund!“
„Klar, die warten ja auch alle nur auf mich!“
„Ja, das tun sie, die wissen das nur noch nicht!“
„Sicher!“
Annika stöhnte genervt: „Ich komm morgen zum Plätzchenbacken vorbei, ok? Ist schließlich zweiter Advent! Heute geht bei dir doch sowieso wieder nichts, oder?“
Sie kannte mich gut. Freitags ging ich raus und zwar so lange, wie Kevin da war und das war meist lange! Samstags schlief ich aus, duschte und träumte von, na wem wohl? Und Sonntags räumte ich die Wohnung auf. Ja, ich war ein Gewohnheitstier und total langweilig, aber das war ok so. Trotzdem klang Plätzchenbacken nach einem guten Plan. Ich liebte Weihnachten und besonders die Vorweihnachtszeit und da gehörte Plätzchenbacken eben einfach dazu, oder?
„Sonntag um 11! Wir brunchen vorher und du bringst die Brötchen mit!“
Annika lachte: „Gebongt! Und Pierre? Ich freu mich!“
Damit legte sie auf. Das machte sie immer. Nie sagte sie Tschüss oder wartete, dass man sich selbst verabschiedet hatte, aber das regte mich schon lange nicht mehr auf.
Ich warf das Handy wieder aufs Bett und schlurfte in die Küche um mir eine Aspirin zu holen und einen Kaffee zu machen und während der durchlief stellte ich mich unter die Dusche.


Keine Stunde, eine Dusche und einen Kaffee später, saß ich schließlich wieder auf dem Bett und packte das Paket aus. Warum ich das auf dem Bett und nicht im Wohnzimmer machte? Nun, zum Einen hatte ich ein Einzimmerappartement, mein Bett war also quasi im Wohnzimmer, zum Anderen hatte ich bei einem Onlineversandhandel bestellt und zwar Dinge, die man definitiv besser im Bett auspackte. Ja, ich hatte eine Schwäche für Sexspielzeug! Und? Ist doch nicht verboten! Und da ich sonst ja gar keinen Sex bekam, die Sache mit der Schüchternheit eben, war ich inzwischen auf dem Sektor ganz gut ausgestattet.
Angefangen hatte alles als ich erkannt hatte, dass ich schwul war. Äh, hatte ich das erwähnt? Ne, aber müsste ja klar sein, seitdem ich von Kevin erzählt habe, nicht? Ok, also nochmal. Angefangen hatte alles vor ein paar Jahren. Da las ich im Netz diverse Geschichten über schwulen Sex und das erste Mal und so und dachte mir, es wäre gut vorbereitet zu sein. Also kaufte ich mir einen Buttplug! Ja, vielleicht eine seltsame Idee, aber mein erstes Mal sollte schön und nicht schmerzhaft werden. Blöderweise warte ich darauf noch immer. Jetzt mache ich mir eher Sorgen, dass es aufgrund meiner Schüchternheit nie dazu kommt, wehtun wird es mir bestimmt nicht mehr!
Grinsend packte ich einen neuen Dildo aus den ich einfach gekauft hatte, weil er an der Unterseite einen Saugnapf hatte. So an der Duschwand befestigt – na ihr versteht schon! Außerdem ein wenig neue sexy Unterwäsche, auch wenn die nie jemand zu sehen kriegen würde und – einen Vibrator in Form von Rudolph dem Rentier! Na, wenn das nicht für Weihnachtsstimmung sorgen würde, was dann? Die rote Nase voraus, grinste er mich in meiner Hand breit an und als ich ihn einschaltete, da summte er nicht nur, nein, er spielte auch mein Lieblingsweihnachtslied und die rote Nase blinkte im Takt!
„Rudolph, the rednosed reindeer...“
Gut, der Sound war beschissen, aber war das wichtig? Grinsend fuhr ich Rudolph über seinen Silikonkörper. Er lag gut in der Hand, nur darauf kam es schließlich an. Ach Quatsch, Hand, ja sicher... Wie sich der wohl woanders anfühlen würde? Voll freudiger Erregung suchte ich weiter im Paket und fand noch eine kleine Tube Gleitgel mit Glühweingeruch. Schnell zog ich meine Hose aus und ließ den glitschigen Glühwein auf Rudolphs Nase tropfen. Kondome benutzte ich nie, lieber reinigte ich mein Spielzeug hinterher gründlich.
So weit, so gut, aber ein bisschen mehr brauchte selbst ich zur Stimulation. Also schnappte ich mir meinen Laptop, rief meine Lieblingspornoseite auf und klickte mich durchs Angebot. Eigentlich war ich nicht wählerisch, solange einer von den Typen Ähnlichkeit mit Kevin hatte war alles gut. Lustigerweise fand ich einen netten Film, bei dem einer der Protagonisten einen Weihnachtsmannbart trug. Und während auf meinem Laptop ein nackter Weihnachtsmann nicht lange fackelte und seine, nun ja, Zuckerstange in einem süßen Blonden versenkte, fing ich an mich selbst zu streicheln und zu reiben. Bald ächzten wir im Takt, während ich meine Beine an den Körper zog, mich kurz vorbereitete und den guten Rudolph der Nase voran seiner Bestimmung zukommen ließ. Himmel, war das geil! Erst ließ ich ihn vorsichtig ein paar Mal vor und zurück gleiten, reizte ein wenig meine Prostata, aber als auf dem Bildschirm der Sack des Weihnachtsmannes geleckt wurde während er sich immer schneller in den Blonden rammte, war ich auch nicht mehr zu halten. Gierig stieß ich Rudolph in mich hinein, während meine andere Hand meinen harten Penis immer schneller rieb. Immer wieder traf ich meine Prostata, unser Stöhnen wurde lauter, untermalt von einem leisen „Rudolph, the rednosed reindeer!“, während ich ihn wieder und wieder tief ich mich trieb. Ich kam nach kurzer Zeit mit einem Schrei, Rudolph entglitt meiner Hand, während sich mein Schließmuskel immer wieder rhythmisch zusammenzog und ich eine gewaltige Ladung aufs Laken spritzte.

Es dauerte eine Weile, bis ich wieder richtig bei mir war. Ja, das war echt gut gewesen und nach gestern und einen Abend Kevin beobachten auch echt nötig. Entspannt räkelte ich mich auf dem Bett, als ich mir eines seltsamen Gefühls in meinem Inneren bewusst wurde. Rudolph steckte noch immer in mir, vibrierte vor sich hin und spielte leise sein Lied. Verdammt, hatte ich den echt losgelassen? Wie bescheuert war das denn! Also stützte ich seufzend die Beine wieder auf und kümmerte mich erneut um meinen Eingang, auch wenn ich mich diesmal eher fühlte wie ein Schatzsucher. Langsam schob ich einen Finger in mich, erwartete, dass ich gleich auf einen Widerstand stoßen würde, aber  - nichts geschah. Ich konnte einen ganzen Mittelfinger hineinschieben ohne Rudolph zu erreichen! Scheiße! War der rechts abgebogen, oder was? Und jetzt? Das konnte doch nur ein mieser Scherz sein, dass ich Rudolph in meinem Arsch verloren hatte!
Ein wenig Panik breitete sich schon in mir aus, aber mal ernsthaft, wozu gibt es das Internet? An diesen Strohhalm klammernd schnappte ich mit den Laptop, schloss die Pornoseite und machte google auf. „Vibrator im Arsch verschwunden“, tatsächlich tauchte die Frage öfters auf. Die Antwort war ganz einfach, ab aufs Klo und drücken, na dann....

Zwei Stunden später war ich ernüchtert. Da bewegte sich gar nichts und so langsam breitete sich wirklich Panik in mir aus. „Rudolph the rednosed reindeer!“. Können die Ohren nach innen hören? So fühlte es sich jedenfalls an und ja, ich fing an es zu hassen!  Wer würde das nicht, nach zwei Stunden Dauerschleife? Ich brauchte einen neuen Plan! Also durchsuchte ich die ganze Wohnung, ok, das ganze Zimmer nach Dingen die die Sache vorantreiben könnten. Bei den Süßstofftabletten wurde ich fündig. „Wirken bei übermäßigem Verzehr abführend!“, na dann....

Schon mal nen Kaffee mit zwanzig Tabletten Süßstoff getrunken? Ich hatte ihn schon fertig, als ich auf die Idee kam auch zu dem Thema mal das Internet zu befragen. Und was musste ich da lesen? Ich will euch die Details ersparen, aber es war widerlich – und es führte dazu, dass ich den Kaffee dann doch nicht trank.
„Rudolpf, the rednosed reindeer!“.....  Diese Endlosschleife machte mich wahnsinnig!  Sollte dieses Scheißlied nicht Weihnachtsstimmung verbreiten? Na damit war bei mir gerade Essig! Und jetzt?

„Annika?“
Weitere drei Stunden später war meine Stimme nur noch ein Wispern. Es war inzwischen Abend und ich war am Ende! Mein Hintern spielte Musik, meine Gedärme fühlten sich furchtbar an und fingen an zu krampfen. Ob von Rudolph oder der schieren Panik war mir eigentlich egal! Und da mir nichts mehr einfiel und das Internet in seiner Aussage ziemlich deutlich war, rief ich eben bei Annika an. Ja sicher, eben! Hatte ich schon erwähnt, dass ich schüchtern bin? Sicher, Annika war meine beste Freundin, aber ihr sowas erzählen? Also wimmerte ich nur ein: „Kannst du mich ins Krankenhaus fahren?“ und hoffte, dass sie nicht zu viele Fragen stellen würde. Tat sie auch nicht – zumindest erstmal!
Die Weihnachtszeit war scheiße! Rudolph war scheiße! Ach, eigentlich war gerade alles scheiße!
„Rudolh, the rednosed reindeer...“
Fing das etwa schon wieder von vorne an?


„Verdammt Pierre, sagst du mir jetzt endlich was los ist?“
Wir saßen in Annikas Auto, fuhren Richtung Klinik und ich wurde auf dem Sitz neben ihr immer kleiner, von meiner feuerroten Gesichtsfarbe mal gar nicht zu sprechen. Wenigstens übertönte das Motorengeräusch die Musik aus meinem Arsch! Komischerweise war ich gerade ganz froh so dünn zu sein, nicht auszudenken, wie laut Rudolpf bei mehr Resonanzkörper wäre! Der Gedanke lenkte mich ein wenig ab und ich brachte ein: „Ich.... ich....“ zustande.
Ich konnte es ihr nicht sagen! Ich konnte einfach nicht! Bei dem Gedanken es gleich einem Arzt erzählen zu müssen, drehte sich mir den Magen um und ich bekam schweißnasse Hände.
„Ich....“
Annika stöhnte genervt: „Ja du! Verdammt Pierre, warum klingelst du mich spätabends aus dem Bett und willst ins Krankenhaus? Was ist passiert?“
Ich antwortete nicht und sank noch mehr in mich zusammen. Da riss Annika der Geduldsfaden und sie hielt an: „Pierre, ich fahr erst weiter, wenn du mir sagst was los ist?“
Meine Gedärme krampften sich zusammen, und auch dieses Mal war ich mir nicht sicher weswegen. Rudolph oder Annika? Dennoch schwieg ich weiter. Annika seufzte: „Scheiße, ich dachte echt, wir könnten über alles reden!“
Sie hatte ja Recht! Aber wie sollte ich ihr das nur erklären? Fahrig rieb ich meine Hände an meiner Hose ab und holte tief Luft. Was half es denn? Und gleich noch der Arzt!. Himmel war mir schlecht!
„Ich... ich hatte ein Malheur beim Sex!“
„Du hast wen kennengelernt?“
„Nein!“
„Oh!“
Unsicher sah sie mich an: „Du wirst es dem Arzt sowieso erzählen müssen, das weißt du schon, oder?“
Ich nickte und schwieg. Auch sie sagte nichts mehr, bis wir am Krankenhaus vorfuhren und anhielten. Unsicher stieg ich aus, das Gefühl in meinem Inneren war wirklich seltsam. Wenigstens tat es gerade nicht weh.
„Ist das Rudolph?“
„Was?“
„Hörst du das nicht?“
Ich erbleichte und musste mich am Auto festhalten, weil meine Beine nachgaben. Dann nickte ich.
„Wo kommt das her?“
Mir Mut machend atmete ich einmal tief ein, dann murmelte ich: „Aus meinem Arsch!“ und fixierte den Randstein. Annika war stehengeblieben, aber ich sah sie nicht an und ging einfach weiter zur Notaufnahme. Dann schloss sie wieder zu mir auf: „Sag mir, dass das kein mp3-Player ist!“
Das schockierte mich jetzt schon! Was dachte die nur von mir? Welcher normale Mensch schob sich denn bitte einen mp3-Player in den Arsch? Und was sagte das über uns, dass sie mir sowas zutraute? Beinahe trotzig antwortete ich: „Nein, ein Vibrator!“
„Ah, ok!“
Und damit schien es für sie wirklich ok zu sein. Aufmunternd lächelnd hakte sie sich bei mir ein zog mich zur Tür, während sie leise die Melodie mit summte. Ich konnte es echt nicht fassen! Ich wollte vor Scham sterben und sie verbreitete Weihnachtsstimmung!


„Um was für einen Notfall handelt es sich?“
Wir standen vor dem Schalter an der Notaufnahme, eine ältere, ziemlich genervte Krankenschwester musterte mich abschätzig und jetzt wollte ich gerade wirklich sterben. Was sollte ich darauf sagen? Aber sie fuhr schon fort: „Sie müssen ihr Handy hier ausschalten!“
Verdutzt blickte ich vom ach so spannenden Fußboden hoch: „Ich... ich habe gar kein Handy mit! Du?“ Aber auch Annika schüttelte den Kopf.
Die Schwester runzelte die Stirn: „Aber ich hör doch was? Rudolph?“ Ein Grinsen trat in ihr mürrisches Gesicht: „Mein Lieblingsweihnachtslied!“ Mit leicht schief gelegtem Kopf summte sie leise mit, ihre Miene hellte sich etwas auf: „Also? Was ist das für ein Notfall?“
Ich erbleichte und musste mich darauf konzentrieren nicht zu hyperventilieren. Hilflos blickte ich zu Annika, die mir aufmunternd zulächelte: „Mach schon Pierre, die hören hier sowas jeden Tag!“
„Das glaube ich nicht!“
Die Schwester grinste, was sie gleich viel freundlicher aussehen ließ: „Ich schon. Also?“
Warum tat sich der Boden nicht auf? Warum wachte ich aus diesem Alptraum nicht auf? Warum....? Aber nichts dergleichen geschah. Tief atmete ich ein und nahm meinen ganzen Mut zusammen. Zum Glück war in der Notaufnahme wenig los.
„Ähm, ich hatte einen kleinen Sexunfall. Ähm.... „
„Ja?“
Mir brach der kalte Schweiß aus. Mein Gesicht hatte vermutlich die Farbe der Weihnachtsmannmütze angenommen. Unfähig noch etwas zu sagen zuckte ich nur hilflos mit den Schultern und gab mir Mühe nicht in Tränen auszubrechen. Mitfühlend griff Annika nach meiner Hand: „Ihm steckt ein Vibrator im Hintern!“
„Rudolpf, the rednosed reindeer!“.....
Ich wollte sterben! Und zwar jetzt!


Mühsam hatte ich meine Fassung wieder etwas zurückgewonnen, als wir im Warteraum Platz nahmen. Zu meiner Überraschung hatte die Schwester nicht gelacht, sondern ganz professionell die Daten aufgenommen. Allerdings konnte ich sie bis hierher „Rudolpf, the rednosed reindeer!“ trällern hören.
„Sieh es doch mal so, wenigstens verbreitest du Weihnachtsstimmung! Es ist schließlich der zweite Advent!“
Mühsam erwiderte ich Annikas Lächeln, während leise meine Musik durch den Warteraum hallte. Und irgendwie schien Annika Recht zu haben. Mit uns warteten noch eine Vater mit einer pubertierenden Tochter, deren Gesichter sich, seit wir da waren etwas aufgehellt hatten. Schließlich summte die Tochter sogar leise mit: „Rudolpf, the rednosed reindeer!“, und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Auch Annika lächelte und summte leise, nur ich, ich konnte die Weihnachtsstimmung gerade irgendwie nicht teilen!


„Schneider bitte!“
Die Tür hatte sich geöffnet und in ihr stand, ein Gott! Und das obwohl ich gerade fest davon überzeugt war, dass es selbigen gar nicht gab! Denn wenn es ihn geben würde, dann hätte er mir nicht so einen süßen Arzt vor die Nase gesetzt. Er sah aus wie der Typ aus „Fack ju Göte“, nur war er jünger und hatte blaue Augen. Und während er mich freundlich anlächelte, wollte ich im Boden versinken, oder besser, mich einfach auflösen! Konnte man an Scham sterben? Jetzt gerade plädierte ich für ja!
Ohne es zu merken, hatte ich ihn wohl eine ganze Zeit angestarrt. Ich erwachte erst aus meiner Starre, als Annika mich anstieß: „Geh schon!“
Ich wollte nicht! Nein, ich wollte sowas von nicht, aber was sollte ich machen? Also stand ich mit zittrigen Knien auf und folgte dem schönsten Mann, den ich jemals gesehen hatte, während mein Hintern fröhlich weiter Weihnachtmusik von sich gab.


„Guten Tag, Herr Schneider...“ Suchend ging der Blick meines persönlichen Traum und Alptraumes über meine Akte „.. Ich bin Dr Cetin, Arzt im praktischen Jahr. Gleich kommt noch Dr Paul, der leitende Assistenzarzt.“
Er hatte eine unglaubliche Stimme. Tief und voll und....
„Wie ist es denn dazu gekommen?“
Neugierig hatte er meinen dünnen Ordner inspiziert und schaute mich jetzt mit diesem professionellen Arztblick aus diesen wunderschönen blauen Augen an. Und ich, ich hockte wie ein Häufchen Elend auf der Untersuchungsliege, rang mit meiner Fassung und verlor. Nicht nur, dass ich Weihnachtsmusik von mir gab, aus meinem verdammten Arsch und das vor dem schönsten Mann der Welt, nein, jetzt fing ich auch noch ganz unmännlich an zu weinen. Es konnte echt nicht mehr schlimmer werden!
„Ich.... ich...“
Ich konnte nichts sagen. Ein Schluchzen nach dem anderen verließ meinen Mund, während Doktor Cetin nur sprachlos daneben stand.
„Herr Schneider? - Herr Schneider?“
Ich konnte nicht reagieren.
„Herr Schneider, schauen sie mich an sonst muss ich ihnen was zur Beruhigung spritzen.“
Das wirkte. Mühsam hob ich meinen Kopf und schaute in diese unglaublichen blauen Augen. Bildete ich mir das ein oder erwiderte er meinen Blick fast liebevoll?
„Herr Schneider, was ist passiert? Hier steht ihnen ist ein Vibrator abhanden gekommen?“
Ich nickte, sagte aber nichts. Doktor Cetin seufzte.
„Ok, Herr Schneider, das muss ihnen nicht peinlich sein. Jeder Mann ornaniert. Viele mögen anale Penetration und hin und wieder kommt es dabei eben zu solchen Zwischenfällen!“
Seine warme Stimme drang durch meine Tränen, die langsam ins Stocken kamen.
„Ehrlich?“ Ich wollte ihm glauben, ich wollte es so sehr! Das würde dem ganzen hier etwas von seiner Peinlichkeit nehmen, aber ganz ehrlich, ich glaubte ihm kein Wort! Wobei, ich hatte bei Google schon einige Treffer gehabt!
Er nickte noch immer milde lächelnd: „Ich habe schon eine Billardkugel und ein Likörglas aus einem Hintern geholt, die Erklärungen waren schwieriger!“
Gegen meinen Willen musste ich lachen: „Ehrlich? Ein Likörglas?“
Er nickte erneut und erwiderte mein Lächeln, was seine Augen zum Funkeln brachte. Dann wurde er wieder sachlich: „War es so?“
Dieses Mal nickte ich, während er sich etwas in meiner Akte notierte.
„Gut, das Vorgehen in so einem Fall ist wie folgt, ich untersuche sie jetzt erstmal und schau ob ich ihn zu fassen kriege. Wenn nicht schicke ich sie zum Röntgen, dann kommen sie wieder her, ich lege einen Zugang und dann geht es zur Darmspiegelung, wo wir das Ding entfernen. Ok?“
WAS???? Nein! Nein, nein, nein!
Ich wimmerte leise, sagte aber nichts. Nur das Entsetzen in meinem Blick muss wohl Bände gesprochen haben. Und passenderweise fing ich auch wieder an zu weinen. Warum? Na war das nicht klar? Scheiß auf die Darmspiegelung, scheiß auf Zugang legen, scheiß auf den scheiß Rudolph – dieser unglaubliche Mann wollte mich untersuchen! Wollte, dass ich mit nacktem Arsch vor ihm lag und mir einen Finger oder was auch immer in meinen Arsch schieben! Ich würde von Scham sterben, ganz sicher!
Haltlos weinend schüttelte ich immer wieder den Kopf.
„Herr Schneider?“
Eine große Hand legte sich auf meine Schulter: „Herr Schneider, das wird nicht weh tun, das verspreche ich ihnen!“
Ein weiterer Arzt betrat das Behandlungszimmer, sein weißer Bart erinnerte tatsächlich ein wenig an den Weihnachtsmann, nur blickten seine Augen nicht gütig sondern amüsiert. Er schnappte sich meine Akte: „Na, was haben wir denn da?“
Hallo Gott? Sterben bitte! Jetzt!


Ja, ich hatte mich gewehrt! Quasi mit Händen und Füßen, weil ich nicht von diesem unglaublich Mann untersucht werden wollte. Ich war noch nie von einem Mann dort berührt worden und, das musste ich mir wohl oder übel eingestehen, ich hätte nichts dagegen, wenn er der Erste wäre, aber so? In der Ambulanz? Auf einer Liege? Mit einem Gummihandschuh? Nein! Nein, nein, nein!
Und seltsamerweise hatte er zugestimmt. Er hatte mir einen seltsamen langen Blick zugeworfen, noch kurz mit Doktor Paul gesprochen und schon bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt und stand auch schon wieder draußen.


Nur wenig später lief ich mit Annika an meiner Seite durch die langen Krankenhauskorridore zum Röntgen. Wir schwiegen. Auf ihr neugieriges „Und? Wie war's?“ hatte ich nicht antworten können. Was sollte ich auch sagen? Dass ich den unglaublichsten Mann der Welt gesehen hatte? Dass diese Augen mich die nächsten Wochen verfolgen würden? Dass ich noch immer glaubte vor Scham sterben zu müssen, weil wir uns so kennengelernt hatten? Annika unterbrach schließlich das Schweigen: „Mir ist da was aufgefallen, Pierre. Im Text heißt es doch: You know Dasher and Dancer, and Prancer and Vixen!“
„Ja?“
„Vixen! Erkennst du die Ironie nicht?“ Sie lachte, während sie das Lied leise ansang und obwohl ich fix und fertig war und mich noch immer in Grund und Boden schämte, musste auch ich lachen.
„Scheiße! Wie blöd kann man sein? Ich hab das wohl als Aufforderung verstanden!“


Noch immer lachend kamen wir beim Röntgen an, wo wir noch einen Moment Platznahmen bis mich eine junge Schwester, sie schien nicht älter zu sein als ich, aufrief. Sie grinste so breit, ich musste gar nicht fragen, ob sie wusste worum es geht.
„Rudolph, the red-nosed reindeer ...“
Ihr Grinsen wurde breiter, während ich mich frei machte und als ich dann schließlich geröntgt wurde, konnte ich sie leise im Nebenraum singen hören: „....had a very shiny nose....“. Schließlich wurde ihr Gesang aber von einem geradezu brüllenden Lachen unterbrochen. Nach Luft japsend öffnete sie die Tür, schaffte noch irgend was von Anziehen zu stammeln, dann schloss sie die Tür schnell wieder um sich geradezu wieherndem Gelächter hinzugeben. Durfte das wahr sein? Ich litt hier quasi Höllenqualen und die lachte mich aus? Gut, einerseits war ich auch erleichtert, wenn sie lachte schien es keine Probleme zu geben, aber die Scham überwog. Erneut bahnten sich Tränen einen Weg über meine Wangen. Nahm denn dieser Alptraum gar kein Ende mehr? Ich hatte es ja verstanden, ich war die Lachnummer des Tages! Hatte ich eigentlich irgendwas verbrochen, dass ich so hart bestraft wurde? Es war bald Weihnachten, verdammt!
Es dauerte eine Weile bis sie sich beruhigt hatte, aber schließlich öffnete sich die Tür erneut und mit gespielt professionellem Gesicht wollte sie gerade etwas sagen, mich vermutlich wieder nach oben schicken, als ihr die Tränen auffielen, die über meine Wangen liefen. Bestürzt hielt sie inne: „Herr Schneider?“
Ich schniefte nur und mied ihren Blick.
„Herr Schneider, es.... es tut mir leid! Ich hätte nicht lachen dürfen, das war wirklich unprofessionell. Aber ich hatte heute einen furchtbaren Tag und ich war so froh etwas zum Lachen zu haben, dass ich ihre Gefühle ignoriert habe, dafür möchte ich mich entschuldigen.“
Ich nickte nur, was sollte ich auch sonst sagen? Sie schwieg einen Moment, dann meinte sie lächelnd „Kommen sie mal mit!“ und führte mich ins Nebenzimmer vor einen Computer. Und als ich mit verweinten Augen auf den Monitor schaute, was sah ich da? Rudolph! Das dämliche Rentier war tatsächlich haargenau zu erkennen, wie es da durch meinen Darm galoppierte. Fasziniert starrte ich darauf.
„Hätte man es mir bei Facebook geschickt, ich hätte es für ein Fake gehalten!“
Ich nickte, trocknete meine Tränen und nickte: „Das vierte Rentier heißt doch Vixen! Ich hab das wohl zu wörtlich genommen!“
Und als sie diesmal in wieherndes Gelächter ausbrach stimmte ich mit ein. Denn irgendwo hatte sie ja Recht, es war zum Lachen! Da galoppierte ein Rentier mit leuchtender Nase in meinen Eingeweiden herum. War Rudolph nicht der der dem Weihnachtsmann den Weg zeigte? Als ich noch immer lachend der Schwester meinen Gedanken mitteilte bekam sie vor lauter Lachen Atemnot.
„Oh scheiße! Wir sollten den schnell entfernen, bevor noch die anderen Rentiere nebst Weihnachtsmann und Schlitten eintreffen!“
Dem konnte ich nur zustimmen! Als ich den Röntgenraum verließ war ich noch immer am Grinsen. Die Vorstellung, dass der Weihnachtsmann in meinen Arsch wollte... Spontan tauchten vor meinem inneren Auge Bilder von Doktor Cetin im Weihnachtsmannkostüm auf. Mjamm – nein, da hätte ich ganz und gar nichts gegen!


Keine halbe Stunde später saß ich wieder bei selbigem im Behandlungszimmer und auch er musste sich ein Grinsen verkneifen, als wir uns das Röntgenbild ansahen. Ich hatte zwar einen hochroten Kopf und war nicht in der Lage diesem Traummann in die Augen zu schauen, aber dennoch musste ich ein bisschen grinsen: „Lachen sie nur!“
„Das wäre ziemlich unprofessionell!“ Dennoch konnte ich das unterdrückte Lachen aus seiner Stimme raushören. „Leuchtet die Nase?“
Ich nickte: „Ja und er spielt Musik!“ Meine Stimme war nur ein Wispern. Verdutzt sah mich mein persönlicher Traumdoktor an: „Also doch! Ich war mir nicht sicher, aber seit sie hier im Behandlungszimmer waren, geht mir dieses Lied nicht mehr aus dem Kopf! Es ist aber auch mein Lieblingsweihnachtslied!“
„Meines auch!“ Ich wollte noch was sagen, als sich mein Darm wieder verkrampfte. Leise stöhnte ich auf und hielt mir den Bauch. Tränen traten mir in die Augen, während Doktor Cetin mich mitleidig beobachtete. „Ok, wir schaffen sie besser schnell nach oben und holen das Ding raus.“
Ich nickte nur, während der Schmerz langsam wieder nachließ: „Ja, der Weihnachtsmann braucht ihn schließlich bald!“

Also hatte Doktor Cetin mir einen Zugang gelegt. Das ist eine niedliche Umschreibung für, er hat mir eine riesige Plastiknadel in die Hand gejagt, aber ok, das machte jetzt auch nichts mehr. Ich lag in einem Bett, hatte so ein komisches Hemdchen an und spürte wie ich langsam müde wurde. Und das letzte, was ich hörte, war das Lied von Rudolph....

Ich weiß nicht wie lange ich weg war, ich wurde wach von einem altbekannten Lied: „Rudolph the red nosed reindeer...“! Entsetzt schreckte ich aus dem Schlaf auf, wollte mich aufsetzen, aber dafür war mir noch viel zu schwindelig. Wieso hörte ich dieses Lied? War er etwa noch da? Nein, bitte bitte nicht! Aber dann wurde mir klar, dass das Lied nicht aus meinem Inneren, sondern von außen kam, dass da mehre Stimmen dieses Lied sangen und als ich die Augen öffnete saßen da Annika und zwei Schwestern und lächelten mich an.
„Na hallo, Herr Schneider! Da sind sie ja wieder! Der Mann der die Weihnachtsstimmung im Haus verbreitet hat ist wieder unter den Lebenden!“ Die ältere Schwester grinste mich an, während die jüngere anfing zu lachen. Annika grinste: „Hey Pierre! Guck mal wen ich hier habe?“
Vor meiner Nase tauchte ein Plastikbeutel auf und darin war – Rudolph! Sauber und poliert! Und mir fiel ein Stein vom Herzen der ganz klar größer war, als dieser Vibrator!
„Ok, Herr Schneider, jetzt mal Butter bei die Fische, wo kann man den kaufen?“
„Was?“
Die jüngere Schwester grinste mich an: „Wie was? Alle auf der Station sind total begeistert von dem Ding...“ Ohne ihn aus der Tüte zu nehmen stellte sie ihn an und ein altbekanntes Lied fing an zu spielen: „Rudolph the red nosed reindeer...“. „Das Ding ist der Hammer! Wir haben schon gegoogelt, aber keiner hat's gefunden, also woher haben sie den?“
Ich hatte mit Vielem gerechnet, als ich mit einem singenden Vibrator im Hintern ins Krankenhaus gefahren bin, aber nicht damit, dass ich zwei Schwestern erklären musste, wo man ihn kaufen kann! Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile und als wir gingen bedankten sich beide dafür, dass sie jetzt mit viel besserer Laune in die Nachtschicht gehen würden. Na dann...
Annika lachte: „Ich sags doch, du verbreitest Weihnachtsstimmung!“
Zur Bestätigung aktivierte sie noch einmal Rudolph und hakte sich grinsend bei mir ein. Und ich, ich war so erleichtert, dass ich dieses Mal sogar mitsang! Ist aber auch ein schönes Lied!
„Rudolph, the rednosed reindeer...!“


Schließlich musste ich tatsächlich noch einmal zur Ambulanz. Einerseits freute ich mich noch einmal Doktor Cetin zu treffen, andererseits....
„Pierre?“
Annika saß neben mir im Wartezimmer und schaute mich nachdenklich an.
„Ja?“
Sie hatte die Stirn in Falten gelegt und musterte mich kritisch, dann seufzte sie: „Weißt du, ich bin ziemlich stolz auf dich!“
Das verblüffte mich jetzt tatsächlich! Warum war man stolz, wenn dem besten Freund ein Vibrator aus dem Arsch geholt werden musste?
„Was? Warum?“
Sie grinste: „Na überleg doch mal! Du kriegst normalerweise bei anderen Menschen die Zähne nicht auseinander, aber hier und heute hast du mit mehr Menschen gesprochen als sonst in einer Woche! Das geht fast als Weihnachtswunder durch!“
Ich schnaubte. Gut, sie hatte recht, aber Weihnachtswunder würde ich das nicht nennen.
„Herr Schneider?“
Die Tür zum Behandlungsraum hatte sich geöffnet, aber es war nicht Doktor Cetin, der mir entgegen grinste, sondern Doktor Paul. Ich schluckte und folgte ihm. Wo war mein Traummann?
Doktor Paul setzte sich an seinen Schreibtisch und legte einige Zettel aufeinander.
„Gut, Herr Schneider, ist ja alles gut gelaufen. Sein sie das nächste Mal einfach vorsichtiger!“ Er lächelte mich freundlich an. „Und hier sind die Unterlagen für ihren Hausarzt, die können sie ihm geben – müssen sie aber natürlich nicht!“
Ich nahm sie entgegen und war schneller wieder aus dem Behandlungszimmer als ich gucken konnte. Annika lächelte mich an und zusammen gingen wir wieder zum Auto, vorbei an der singenden Schwester, die uns freundlich zuwinkte.
„Ich will jetzt nur noch ins Bett!“
Annika grinste: „Ich will den Rudolph!“
Das schockte mich jetzt schon etwas: „Was? Überleg mal, wo der war!“
Als ihr das klar wurde, verzog sie etwas angeekelt das Gesicht: „Stimmt! Ih! Nein, dann will ich einen neuen!“


Zuhause bin ich dann gleich in mein Bett gefallen und eingeschlafen, allerdings haben mich zwei blaue Augen bis in meinen Schlaf verfolgt. Auch die nächsten Tage begleitete mich Doktor Cetin wo ich ging und stand und war nicht nur einmal Inhalt meiner feuchten Träume. Wieso verguckte ich mich nur immer in Typen die unerreichbar waren? Er war älter als ich, wesentlich klüger, viel zu hübsch und so wie wir uns kennengelernt hatten, wollte der ohnehin nichts von mir wissen. Seltsamerweise war ich mir sicher, dass er wenigstens schwul war! Das war doch alles scheiße!
Aber Annika hatte irgendwie Recht behalten, irgendwie hatte mich er Abend stärker gemacht. Ich hatte mich in Grund und Boden geschämt und ich hatte es überlebt! Ich hatte den wohl schlimmsten Abend meines Lebens und ich habe überlebt! Und irgendwie hatte ich jetzt das Gefühl alles überstehen zu können. Vielleicht doch ein Weihnachtswunder?

Am nächsten Freitag Abend stand ich dann auf jeden Fall wieder im Club, wieder an der Tanzfläche und beobachtete Kevin. Nur dummerweise ließ der mich so kalt wie ein Kühlschrank am Nordpol. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Trotzdem, oder gerade deswegen, schaute ich dieses Mal nicht weg, als er zu mir rüber schaute. Er lächelte und ich, ich lächelte vorsichtig zurück. Sicher war es bekloppt, schließlich hatte ich einen ganz anderen Mann im Kopf, aber vielleicht fiel es mir gerade deshalb leichter. Und verdammt, Kevin war toll, das hatte sich doch nicht geändert, nur weil ich einen anderen getroffen hatte!
„Lust zu ficken?“
Ja, ich hatte mich gefreut, als Kevin auf mich zukam, ich hatte mit einem netten 'Hallo' gerechnet, aber nicht damit.
„Was?“
„Ob du Lust zu ficken hast?“
Er war wirklich ein unglaublich schöner Mann, aber so von nahem betrachtet vielleicht doch nicht mehr ganz so schön. Vor allem wenn er sprach!
„Äh nein, danke!“
Er grinste breit und enthüllte eine Reihe strahlend weißer Zähne: „Ah, Jungfrau oder was? Bist du dafür nicht zu alt?“
Schockiert erwiderte ich seinen Blick. Hatte ich den echt mal toll gefunden? Über Jahre? Ja war ich denn bescheuert? Über mich selbst den Kopf schüttelnd drehte ich mich einfach um und ging. Weil er einfach keine Antwort verdient hatte! Und weil ich über mich selbst genauso schockiert war wie über ihn. Er war nur ein Idiot, aber ich hatte ihn jahrelang angeschmachtet ohne es zu merken.
Und um nicht den Anschein zu erwecken, als würde ich sinnlos durch den Club streifen ging ich eben auf's Klo. Ich wusch mir gerade die Hände, als ich eine bekannte Stimme neben mir hörte: „Wir treffen uns anscheinend immer an seltsamen Orten!“
Ok, jetzt war es offiziell, es gab einen Gott und er wollte mich verarschen. Neben mir am Waschbecken stand niemand anderer als Doktor Cetin. Er schaute mich mit seinen wunderschönen Augen an und ich, ich bekam wie üblich kein Wort heraus. Eine ganze Weile musterte er mich, dann zuckte er traurig die Schultern: „Ok, sorry! Ich hätte dich nicht ansprechen dürfen. Schade! Aber ich wusste im Krankenhaus schon, dass ich dich von hier kenne und du bist immer so abweisend..“
Noch einmal traf mich ein Blick aus diesen unglaublichen blauen Augen, dann wandte er sich zum Gehen. Und ich, ich starrte ihm nur fassungslos hinterher. War das gerade wirklich passiert? Mein Traummann hatte mich angesprochen und ich hatte ihn gehen lassen? Nur langsam kam Bewegung in mich, dann hechtete ich zur Tür und schaute mich um. Ja, da vorne an der Tanzfläche, da stand er. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, ich wusste nicht was ich machen sollte, aber ich wusste, ich würde mich mein Leben lang hassen, wenn ich gar nichts machte. Und verdammt, ich hatte den schlimmsten Abend meines Lebens schon hinter mir, was sollte passieren? Also ging ich rüber und stellte mich neben ihn. Verblüfft schaute er mich an und ich, ich erwiderte den Blick und lächelte. Sagen konnte ich nichts, zu groß war der Klos in meinem Hals. Und vermutlich war ich feuerrot und so bescheuert aus, wie ich da so grenzdebil lächelte, aber war das wichtig? Nein! Und Doktor Cetin? Der sagte auch nichts und lächelte weiter einfach zurück. Als ein langsames Lied kam, da nahm er meine Hand und zog mich auf die Tanzfläche. Fest nahm er mich in den Arm, während wir uns langsam im Takt bewegten und ich, ich war im Himmel. Ich wusste noch immer nicht was ich sagen sollte, aber das war auch egal. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und genoss es einfach, genoss die Situation, genoss ihn. Ja, es gab Weihnachtswunder und anscheinend erlebte ich gerade eines. Und als als nächstes Lied „Rudolph the rednosed reindeer..“ kam, da war ich mir sicher, dass das ein Zeichen war. Auch Doktor Cetin lachte leise und löste sich etwas von mir: „Ich heiße übrigens Ben!“
Ich nickte, als Zeichen, dass ich verstanden hatte und nahm meinen ganzen Mut zusammen, legte ihm eine Hand in den Nacken und zog ihn zu mir. Und als unsere Lippen sich berührten, da wusste ich dass Weihnachten war und das hier mein größtes Geschenk!
„Rudolph the rednosed reindeer...!“

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So, das wars dann auch schon. Die Idee kam mir, als ich mich mit einem Arzt unterhielt, der mit erzählte, dass er ein Likörglas aus einem Anus habe holen müssen. Seine Aussage dazu: "Vibratoren und so ein Zeug, die verschwinden schon mal, aber ein Likörglas?"
Tja, das war dann der Aufhänger für meine Geschichte! :-)
Über Reviews freue ich mich besonders, aber aich eine Empfehlung wäre super. Man weiß sonst nie, ob es den Lesern denn nicht wenigstens ein bisschen gefallen hat!

Also in diesem Sinne noch eine schöne Adventszeit!