Schüchtern

GeschichteHumor, Romanze / P12
Felix Brummer / Kummer
14.12.2014
23.12.2014
4
5.024
1
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Dieses Kapitel
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14.12.2014 837
 
Titel: Schüchtern
Rating: P12
Länge: 4 Kapitel
Disclaimer: Die Figuren der Band Kraftklub gehören nicht mir, die restlichen Figuren sind frei erfunden. Ich verdiene kein Geld hiermit!

Inhalt:
Felix muss zum Zahnarzt. Mit dem Bus. Dass die Fahrt mit dem Bus allerdings das Spannendste sein wird, das ihm in den letzten Wochen passiert ist, damit hatte er nicht gerechnet.


A/N
Die Geschichte wird vier Kapitel haben und ich werde alle drei Tage ein neues hochladen, sodass die Geschichte am 23.12. noch vor Weihnachten beendet sein wird.

Ich freue mich sehr über Rückmeldungen.

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Der Wecker klingelte. Bevor ich das elende Mistding mit einem Kissen grob außer Gefecht setzte, schielte ich kurz auf die angezeigte Uhrzeit. Halb acht. Ich hasste früh aufstehen. Mit einem genervten Brummen drehte ich mich nochmal um. Nur noch zwei Minuten, dann würde ich ja schon aufstehen, es nützte mir ja doch nichts.

Das nächste, was ich wahrnahm, war ein lautes Brummen und Knallen von draußen. Offenbar die Müllabfuhr. Wieso mussten die immer so einen Krach machen? Und wieso hatte ich nicht dran gedacht, am Abend vorher das Fenster zu schließen?

Schlagartig wurde mir bewusst, dass ja eben der Wecker geklingelt hatte und ich aufstehen musste. Wieder der Blick zum Wecker. 7:59 Uhr. Mist! Mit einem Mal war ich hellwach und sprang hektisch aus dem Bett. Ich machte das Licht an, schnappte mir wahllos einige Klamotten und sprintete Richtung Bad. Das Frühstück konnte ich jetzt vergessen, den Bus um 8:09 Uhr auch. Im Bad angekommen, fing ich an, mir gründlich die Zähne zu putzen und um Zeit zu sparen, versuchte ich währenddessen schon, irgendwie in meine Klamotten reinzukommen. Natürlich war dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Während ich in meine Jeans zu schlüpfen versuchte, stolperte ich, stieß gegen die Tür, die Tür ging auf und ich prallte mit voller Wucht auf dem Wohnzimmerboden auf. Natürlich hatte ich dabei einen Höllenlärm gemacht.

Ich rappelte mich hoch und sah Karl verschlafen seine Zimmertür öffnen. „Felix?! Wieso bist du denn schon wach? Es ist gerade mal acht. Und wieso machst du dabei auch noch so einen Krach?“ „Sorry“ murmelte ich zwischen Zähne putzen und Hose anziehen. „Ich hab nen Zahnarzttermin um halb 9.“ Karl schaute nochmal auf die Uhr. „Das wird aber ein bisschen knapp, oder?“ „Ja ich weiß, bin wieder eingeschlafen“ erwiderte ich genervt. Als ob ich das nicht selbst wüsste.

Inzwischen fertig mit Zähne putzen stellte ich die Zahnbürste zurück in den Schrank und spülte mir den Mund aus. „Seit wann machst du überhaupt um diese Zeit Zahnarzttermine?“ fragte Karl. „Es ist ja noch fast Nacht.“ „Das war ich nicht, das war Nina. Ich hab ihr geschrieben, ob sie für mich beim Zahnarzt anrufen und mir einen Termin machen kann, als wir letzte Woche Montag den ganzen Tag unterwegs waren und keine Minute Ruhe hatten.“ erklärte ich ungeduldig und ergänzte „Ich muss dieses Jahr noch zum Zahnarzt wegen der blöden Versicherung, hatte das voll verpennt und jetzt sind schon fast Weihnachtsferien. Nina, das kleine Miststück hat natürlich den frühesten Termin genommen, der noch frei war. Dafür kriegt sie Weihnachten noch was zu hören.“ Karl grinste. „Na dann viel Spaß, ich leg mich nochmal aufs Ohr.“ Ich quittierte mit „Penner“ und sah dann erneut auf die Uhr. 8:12 Uhr. Wenn ich hier nicht gleich loskam, würde ich den späteren Bus auch noch verpassen. Also schnappte ich meinen Pulli und zog ihn über, sprang in meine Schuhe und zog die Jacke auf dem Weg durchs Treppenhaus an. Dass Schal und Mütze auch eine gute Idee gewesen wären, merkte ich erst, als ich auf die Straße in die eisige Kälte trat. Egal, zu spät. Schnellen Schrittes machte ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Es war noch nicht einmal richtig hell. In Gedanken verfluchte ich noch mehrfach meine Schwester und ging verschiedene Rachepläne durch. Vielleicht sollte ich ihr eine Wurzelbehandlung zu Weihnachten schenken.

Etwas außer Atem erreichte ich schließlich die Haltestelle an der Weststraße und sah den Bus im gleichen Moment schon auf mich zukommen. Gerade noch geschafft. Zu spät kommen würde ich trotzdem, aber wenigstens nur ein paar Minuten. Im Bus ließ ich mich schlecht gelaunt in den Vierer hinter dem Fahrer fallen. Montag, viel zu früh, verschlafen, kein Frühstück und als nächstes erwarteten mich das sterile Weiß und die furchtbaren Bohrgeräusche einer Zahnarztpraxis. Viel schlechter konnte ein Montag auch nicht starten. Während ich noch versuchte, mich selbst davon zu überzeugen, dass der Tag sicher besser würde und mir überlegte, dass ich mich gleich einfach wieder ins Bett legen könnte, hatte der Bus schon zum zweiten Mal angehalten. An der Barbarossastraße stiegen einige zu. Ein älteres Ehepaar, zwei Anzugtypen und ein Mädchen in meinem Alter. Ich wollte mich gerade abwenden und aus dem Fenster sehen – auf erkannt werden so früh am Montag hatte ich jetzt wirklich keine Lust – als die ältere Dame ein Stück zur Seite trat und das Mädchen jetzt richtig in mein Blickfeld rückte.

Jetzt konnte ich nicht mehr wegschauen. Wow, das war das einzige, was ich noch denken konnte.
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